6. Abschnitt - Kapitel 46 - Ende

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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S. 350 - S. 400; die Leseprobe am Ende des Buches habe ich hier ausgespart :D.
 

Bibliomarie

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10. September 2015
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Erst im letzten Abschnitt und vor allem in den Anhängen schließt sich der Kreis. Siem Coburgs Beweggründe werden deutlicher. Er hat Rosa verloren, durch Verrat wurde sie kurz vor der endgültigen Niederlage der Nazis enttarnt und hingerichtet. Eigentlich hätte er an ihrer Stelle sein sollen, aber Rosa hat sich geopfert. Mit diesem Wissen überleben - für Coburg unmöglich.
Da passt der vage Hinweis über seinen Tod.

Auch das Kapitel Anselmus wird abgeschlossen, ein kranker Mann, der im Kloster eher vor der Welt flüchtete, als einem religiösen Ruf zu folgen, hat sich als Werkzeug Gottes gesehen um den "schwachsinnigen" Kindern Erlösung zu bringen. Wie viele Täter aus dem kirchlichen Umfeld durfte er seinen Lebensabend in ruhiger Umgebung verbringen.

Was mit Damian geschieht, ob es zu einer Anklage kommt oder nicht, bleibt eigentlich offen. Auch das ist stimmig, den die Angst vor einem Skandal ließ und lässt bis heute die Institution Kirche oft schweigen und vertuschen.
 

Yolande

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13. Februar 2020
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Erst im Nachgang wird klar, das es sich um reale Personen und Fälle handelt, die der Autor aufgegriffen hat, um verschiedene Vorfälle miteinander zu verbinden. Ich kann jetzt verstehen, dass das Buch ein großer Erfolg in den Niederlanden war, weil diese Themen dort wohl sehr groß in den Medien präsent waren. Ich fand ein bisschen unbefriedigend wie alles endet. Dass Daminanus verhaftet wird, erfährt man nur in einem Nebensatz. Anselmus kann sein Treiben weiter fortsetzen und Coburg begeht Selbstmord. Naja, es passt zu diesem tristen Buch :(
 

wal.li

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1. Mai 2014
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Am Schluss wird sehr deutlich, dass das Buch kein Krimi im eigentlichen Sinne ist. Mir bleibt alles etwas zu vage. Wenn man es genau nimmt, hat Siem Coburg dadurch, dass er Damianus' Verhaftung veranlasst, die vermeintliche Mordserie erst ermöglicht. Das passt irgendwie zu der Düsternis des Romans. Genauso wie der vermutliche Selbstmord Coburgs. Ob etwas anders gekommen wäre, wenn er gewusst hätte, dass Rosa krank war?
 

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Puh, das war doch noch mal ein spannendes und aufschlussreiches Finale.
Die Diagnose Magenkrebs bei Rosa hat mich nicht überrascht; eine ehemalige Kollegin ist vor einigen Jahren genau daran gestorben :( und hatte die gleichen Symptome...
Am Schluss wird sehr deutlich, dass das Buch kein Krimi im eigentlichen Sinne ist.
Nein, ein Krimi im klassischen Sinne war es wirklich nicht. Aber die Grenzen zwischen Krimi, Kriminalroman und historischem Roman sind hier fließend.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Um ehrlich zu sein bin ich nun, nachdem ich weiß, dass das meiste nicht fiktiv war, noch betroffener von der Handlung als vorher.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, und mir gefällt es wie die Fäden zusammenlaufen. Auch wenn es bedeutet, dass Franko kein Prozess gemacht wird, wobei ich doch hoffe, dass er sich für die Morde verantworten muss. Aber mit ähnlichen Szenarien muss man sich ja auch im wahren Leben auseinander setzen, es geht nicht immer gerecht zu, daher habe ich diese Erwartungen an ein Buch oft gar nicht.
Seins Selbstmord passt ins Bild, er wäre kein glücklicher Mensch geworden nach all dem was er erlebt hat. Nicht das ich Selbstmord gutheiße, aber es passt zu dem Charakter den der Autor von Siem beschrieben hat irgendwie.
 
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Sassenach123

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Puh, das war doch noch mal ein spannendes und aufschlussreiches Finale.
Die Diagnose Magenkrebs bei Rosa hat mich nicht überrascht; eine ehemalige Kollegin ist vor einigen Jahren genau daran gestorben :( und hatte die gleichen Symptome...

Nein, ein Krimi im klassischen Sinne war es wirklich nicht. Aber die Grenzen zwischen Krimi, Kriminalroman und historischem Roman sind hier fließend.
Bei Rosas Erkrankung dachte ich eigentlich nur an die schlechte Zeit in der sie gelebt hat. Mangelernährung usw, mich hat es echt überrascht.
 
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kingofmusic

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Bei Rosas Erkrankung dachte ich eigentlich nur an die schlechte Zeit in der sie gelebt hat. Mangelernährung usw, mich hat es echt überrascht.
Hätte auch sein können; war auch (ehrlich gesagt) mein erster Gedanke. Aber als sie dann nix mehr bei sich behalten konnte, war klar, dass die Sache ernster ist. Und durch meine ehemalige Kollegin...Egal.
 
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claudi-1963

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29. November 2015
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Erst jetzt wird mir klar, das Teile dieses Buches einen realen Hintergrund haben, nur einige Personen waren fiktiv.
Das Rosa Magenkrebs hatte und im Grunde gar keine Zukunft ist echt tragisch. Ich weiß es nicht ob es besser gewesen wäre, hätte ihr Vater es Coburg gesagt. Vielleicht hätte er sich dann nicht aufgegeben.

Coburgs Mut fand ich toll, sich einfach so Damianus gegenüber zu stellen und alle Schuld ihm gegenüber auszusprechen. Nur gut das er seine gerechte Strafe bekommt.

Ich frage mich nur ob Anselmus mir allem wohl weitergemacht hat oder ob er wirklich nun zum Glauben gekommen ist? Den es sind ja viele Kinder noch später gestorben. Nur gut das Coburg zur richtigen zeit kam, so hat er Anselmus und dem Jungen das Leben gerettet.
 

Barbara62

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Ich bin noch nicht durch mit diesem Abschnitt, aber ich habe schon wieder eine Stelle gefunden, die einfach so nicht stimmt. Ich vermute, es ist eine schlampige Übersetzung.

S. 370: "Das Mädchen hatte zunächst geschwiegen, weil sie schwanger war, aber als sich herausstellte, dass sie ein Kind erwartete, hat sie ihren Eltern gegenüber seinen Namen genannt."

Ich nehme an, das müsste heißen: "Das Mädchen hatte seine Schwangerschaft zunächst verschwiegen, aber als es offensichtlich wurde, hat sie ihren Eltern gegenüber seinen Namen genannt."

Mich stören solche Unsauberkeiten. Es hätte im Lektorat auffallen müssen.
 

ulrikerabe

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14. August 2017
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Mit den letzten Seiten gibt der Autor dem Buch den Anstrich einer Dokumentation. Im Nachwort erfahren wir, dass ein Fall ungeklärter Todesfälle in einem Kloster en Autor inspiriert hat, die Geschichte zu schreiben, aber die Personen Produkte seiner Fantasie sind.
Und dass es ihm ein Anliegen war über Krieg und WIderstand zu schreiben.

Das muss ich dem Buch zu Gute halten: es sind Themen, die nie in Vergessenheit geraten werden dürfen.
 

Amena25

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23. Oktober 2016
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Mit den letzten Seiten gibt der Autor dem Buch den Anstrich einer Dokumentation. Im Nachwort erfahren wir, dass ein Fall ungeklärter Todesfälle in einem Kloster en Autor inspiriert hat, die Geschichte zu schreiben, aber die Personen Produkte seiner Fantasie sind.
Das habe ich auch so verstanden - und nicht, dass es sich um reale Personen und Geschehnisse handelt. Das scheinbar Dokumentarische passt aber sehr gut zum Stil des Buchs und wirkt sehr eindrücklich.
Auch wenn manche Fragen offen bleiben und das Buch mit Krimi falsche Erwartungen weckt, hat es mich doch gepackt.
 

Barbara62

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Mit den letzten Seiten gibt der Autor dem Buch den Anstrich einer Dokumentation. Im Nachwort erfahren wir, dass ein Fall ungeklärter Todesfälle in einem Kloster en Autor inspiriert hat, die Geschichte zu schreiben, aber die Personen Produkte seiner Fantasie sind.
Und dass es ihm ein Anliegen war über Krieg und WIderstand zu schreiben.

Das muss ich dem Buch zu Gute halten: es sind Themen, die nie in Vergessenheit geraten werden dürfen.
Die Themen sind wichtig und es ist gut, wenn sie auf diese Weise am Leben erhalten werden, aber die Art, wie der Autor es gemacht hat, hat mich nicht so richtig erreicht. Für mich waren es viel zu viele Themen und dadurch wurde über alles hinweggehuscht.

Ich habe im letzten Jahr, als Norwegen Gastland der Buchmesse war, einige Bücher zur norwegischen Geschichte des 2. Weltkriegs, zu Widerstand, Kollaboration usw. gelesen. Sie haben mich zutiefst bewegt und wirken noch immer nach, vor allem Simon Strangers "Vergesst unsere Namen nicht". Bei "Staub zu Staub" denke ich, dass wenig bleibt. Dass es in meinen Augen kein echter Krimi ist, weil die Krimihandlung zu oft aus dem Zentrum rückt, hätte mich weniger gestört. Eher schon, dass es so ausschließlich negativ-melancholisch war und eben, dass alles nur angetippt wurde und dass die Figuren vor meinen Augen gar nicht lebendig wurden. Das tut mir ausgesprochen leid, denn das Thema hätte mich sehr interessiert.

Trotz allem ist es Felix Weber zu verdanken, dass ich mich erstmals (außer bei Anne Frank) mit der niederländischen Geschichte des 2. Weltkriegs befasst habe. Ich habe festgestellt, dass ich gerne mehr darüber erfahren würde.
 

Barbara62

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Die Entscheidung von Rosas Vater, Siem nicht über Rosas schwere Erkrankung aufzuklären, leuchtet mir nicht so ganz ein. Ich denke, er hätte Siem einen Teil seines schlechten Gewissens abgenommen und ihn vielleicht sogar vom Selbstmord abgehalten. Allerdings unterstelle ich ihm, dass er in bester Absicht gehandelt hat.
 
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Mikka Liest

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Hilter am Teutoburger Wald
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Ich weiß nicht, ob es wirklich gnädiger von Rosa war, Siem nicht zu sagen, dass sie so oder so schon bald sterben würde. Hätte er gewusst, dass die Hinrichtung ihr vielleicht ein langes Leiden erspart hatte, hätte er vielleicht eher seinen Frieden damit gefunden. Vielleicht, wenigstens genug, um ihm Kraft zu geben, selber weiterzuleben.

Ich überlege ja immer: wenn ich das wäre, würde ich dann...? Wenn ich Siem wäre, hätte ich wissen wollen, dass Rosa stirbt.

Ich bin enttäuscht, dass Anselmus nicht mehr aus seiner Verblendung gerissen wurde. Wie schrecklich... Er glaubte wirklich, er würde Gottes Werk vollbringen, dabei wäre den Kindern mit Güte und Fürsorge sicher viel zu helfen gewesen.

Das ist aber nicht nur Anselmus' Schuld – der Abt hätte mehere Brüder abstellen müssen, um die Kinder zu pflegen, sie zu fördern und mit ihnen zu spielen, und ein größeres Gebäude, damit sie sich bewegen können. Gut, das war damals noch nicht so üblich, aber trotzdem...

Ich glaube, selbst wenn es zu einer Anklage kommt, wird Damian höchstens einen Schlag auf die Finger bekommen und irgendwo hin abgeschoben werden, wo er nicht mehr auffällt.

Ich bin immer noch verwirrt, wer jetzt eine reale Person war und wer nicht. Ich hatte ja erst gedacht, alles ab "Verbliebene Spuren" sei real, aber dann hieß es im Nachwort, dass Siem Coburg, Rosa Barto, Bruder Felix, Morelli und Doktor von Waesberghe reine Erfindungen seien – und Marinus Barto spricht in "Verbliebene Spuren" von seiner Tochter Rosa, also kann das ja auch nicht real sein.

Das Ende war für mich etwas schwach, es bleibt für mich in vielem zu schwammig und unerschlossen, sowohl als Krimi als auch als historischer Roman.

@Barbara62

Ich habe versucht, die Original-Sätze zu diesem Zitat zu finden, weil ich mich auch gefragt habe, was genau da nicht stimmt (dänische Leseprobe runtergeladen und so), aber leider vergebens.

Ich dachte erst, vielleicht müsste es heißen, sie schwieg anfänglich, weil sie nicht SICHER war, ob sie schwanger war, aber dein Satz klingt viel plausibler. Ich bin da auch immer penibel!
 
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parden

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13. April 2014
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So, ausgelesen. Düster, grau, und kalt - das sind die Eindrücke, die wohl haften bleiben, wenn ich an den Roman zurückdenke. Wichtige Themen, die sich durch ihre Vielzahl selbst die Schärfe nahmen, Charaktere, die distanziert blieben, ein bitterer Geschmack von Hoffnungslosigkeit, der zurückbleibt - dazu ein eher schwammiges Ende und eine falsche Genre-Bezeichnung. Schade. Da bleibt viel verschenktes Potential, die gewünschte Eindringlichkeit geht verloren, weil vieles nur angedeutet blieb und/oder nicht weiter verfolgt wurde.

Die Situation der Kommunisten im niederländischen Wiederstand während des 2. Weltkriegs, der Opportunismus vieler Niederländer, der nach Kriegsende noch belohnt wurde, die Absurdität der Situation, wenn Mitläufer letztlich dafür sorgen sollen, dass Mitläufertum aufgedeckt und womöglich geahndet wird, die Frage, wer da so alles in die Kirche aufgenommen wird, der Deckmantel der Verschwiegenheit, der in aller Eile und Selbstverständlichkeit über Skandale in der Kirche gebreitet wird, das Thema Euthanasie und minderwertiges Leben, die Gräuel des Weltkriegs und ihre Folgen, entartete Kunst - so viele wichtige Themen, und sicher habe ich noch eine Vielzahl vergessen aufzuzählen. Hier zählt für mich einmal mehr der so abgedroschene Spruch: weniger ist mehr. Wäre mehr gewesen. So verliert der Roman sich selbst in der Überlappung bedeutsamer Themen und mich als Leser gleich noch dazu. Wirklich schade.
 

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