1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  2. Lesemontag (20.08.) auf whatchareadin
    Jeden Montag lesen wir gemeinsam und stellen unsere aktuellen Bücher vor. Was liest Du? Hier geht's zum Lesemontag.
    Information ausblenden
Information ausblenden

Du bist neu hier?

Unter dem folgenden Link findest Du Hilfe für den Einstieg
Das bietet whatchareadin für Leser 

Rezension Rezension (5/5*) zu Krokodilwächter von Katrine Engberg.

Dieses Thema im Forum "Krimis & Thriller" wurde erstellt von parden, 18. Mai 2018.

  1. parden

    parden Forumlegende

    Registriert seit:
    13. April 2014
    Beiträge:
    3.072
    Zustimmungen:
    2.525
    Ruhig, bösartig, abgründig...

    Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet? Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter.

    Gregers Hermansen, ein alter Mann, findet die Leiche der jungen Studentin im Morgengrauen, als er gerade seinen Müll wegbringen will. In seinem Schock erfasst er nicht das Ausmaß dessen, was er da sieht, doch den Ermittlern offenbart sich das ganze grauenvolle Bild. Wie ein Scherenschnitt mutet das zerschnittene Gesicht Julies an, und sie muss noch gelebt haben, als der Täter mit seinem Kunstwerk begann.


    "Könnte einer dieser verschmähten Liebhaber auf die Idee gekommen sein, sich zu rächen?" --- Ich fasse es einfach nicht, dass sie tot ist, überhaupt nicht." Wieder begann sie zu weinen. " Meine Julie. Das ist total irreal." Sie schlug die Hände vors Gesicht und blieb eine Weile so sitzen, bevor sie antwortete. "Nein, ich glaube nicht. Julie hat sich immer mit diesen vegetarischen Weicheiern getroffen, die nicht mal einer Fliege etwas zuleide tun könnten." (S. 129)


    Kein Motiv scheint in Sicht, doch als die Vermieterin Esther de Laurenti offenbart, dass sie gerade an einem Krimi schreibt, in dem ein junges Mädchen auf eben dieselbe Weise umgebracht wird wie Julie, glauben die Ermittler an keinen Zufall. Merkwürdige Spuren tauchen auf, die überhaupt keinen Zusammenhang ergeben, Verdächtige drängen sich auf, die es letztlich nicht gewesen sein können - und dann gibt es einen weiteren Toten. Die Verwirrung ist komplett...


    "Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, schaut der Abgrund auch in dich." (S. 459)


    Einen ruhigen Krimi hat Katrine Engberg da geschrieben - ein Thriller ist es tatsächlich nicht, auch wenn der Aufdruck auf dem Cover einen das glauben machen möchte. Manche mögen das als Manko empfinden, ich mag tatsächlich beides und wurde hier von der Erzählung überzeugt. Es geht in diesem Roman um Tiefgründiges - Schuld und Vergeltung, Einsamkeit und Verlassensein, menschliche Abgründe - und Bösartigkeiten. Dabei gelingt Katrine Engberg für mein Empfinden die Balance zwischen den Ermittlungen selbst und den Einblicken vor allem in das Leben des Kriminalassistenten Jeppe Kørner. Dieser befindet sich derzeit in einer schwierigen Lebensphase, weil er gerade von seiner Frau verlassen wurde und er jetzt seine Lebensentwürfe zum wiederholten Mal über Bord werfen muss.

    Vor allem sprachlich und atmosphärisch hat mich der Roman überzeugt - dies ist beielibe kein 0-8-15-Krimi. Mich jedenfalls hat er sehr in den Bann gezogen, sowohl was die Ermittlungen angingen als auch was den zwischenmenschlichen Bereich anbelangt, den Katrine Engberg hier in vielerlei Hinsicht sorgfältig auslotet. Manches stimmt nachdenklich, manches ist unerwartet amüsant, und die Handlungsfäden sind fein gesponnen und verbinden sich am Ende zu einem schlüssigen Ganzen.


    "Was ist ein Krokodilwächter, weißt du das?" Anette ließ das Fenster herunter und zog die Sommerluft tief in die Lungen. "Ein kleiner Vogel, der von den Essensresten im Maul eines Krokodils lebt. Der Vogel erhält Nahrung, und dem Krokodil werden die Zähne gesäubert. Deshalb frisst es den Vogel nicht, und alle sind glücklich." --- "Hm, widerlich." --- "Ja, aber ungemein praktisch." (S. 437)


    Wer auf rasante, actionlastige Spannung steht, der ist hier wohl fehl am Platz. Spannung entsteht hier auch, in den ersten zwei Dritteln jedoch vor allem durch die zahlreichen Fragezeichen, die im Hirn des Lesers immer wieder aufploppen. Im letzten Drittel zieht die Spannung dann auch handlungsmäßig deutlich an, so dass ich das Buch zuletzt kaum noch aus der Hand legen mochte. Dieser Krimi ist aber für all diejenigen, die Freude an langsam erzählten Geschichten haben, die es mögen, Einblicke in menschliche Schicksale zu erhalten und die zufrieden sind, wenn am Ende alle Puzzleteile ineinandergreifen, unbedingt zu empfehlen.

    Ich jedenfalls freue mich, dass es demnächt wohl einen zweiten Band dieser Reihe geben wird!


    © Parden

     
Die Seite wird geladen...
Die Seite wird geladen...