Krokodilwächter

Buchseite und Rezensionen zu 'Krokodilwächter' von Katrine Engberg
4.2
4.2 von 5 (5 Bewertungen)

Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet? Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
Verlag: Diogenes
EAN:9783257070286

Rezensionen zu "Krokodilwächter"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Mai 2018 

    Ruhig, bösartig, abgründig...

    Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet? Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter.

    Gregers Hermansen, ein alter Mann, findet die Leiche der jungen Studentin im Morgengrauen, als er gerade seinen Müll wegbringen will. In seinem Schock erfasst er nicht das Ausmaß dessen, was er da sieht, doch den Ermittlern offenbart sich das ganze grauenvolle Bild. Wie ein Scherenschnitt mutet das zerschnittene Gesicht Julies an, und sie muss noch gelebt haben, als der Täter mit seinem Kunstwerk begann.

    "Könnte einer dieser verschmähten Liebhaber auf die Idee gekommen sein, sich zu rächen?" --- Ich fasse es einfach nicht, dass sie tot ist, überhaupt nicht." Wieder begann sie zu weinen. " Meine Julie. Das ist total irreal." Sie schlug die Hände vors Gesicht und blieb eine Weile so sitzen, bevor sie antwortete. "Nein, ich glaube nicht. Julie hat sich immer mit diesen vegetarischen Weicheiern getroffen, die nicht mal einer Fliege etwas zuleide tun könnten." (S. 129)

    Kein Motiv scheint in Sicht, doch als die Vermieterin Esther de Laurenti offenbart, dass sie gerade an einem Krimi schreibt, in dem ein junges Mädchen auf eben dieselbe Weise umgebracht wird wie Julie, glauben die Ermittler an keinen Zufall. Merkwürdige Spuren tauchen auf, die überhaupt keinen Zusammenhang ergeben, Verdächtige drängen sich auf, die es letztlich nicht gewesen sein können - und dann gibt es einen weiteren Toten. Die Verwirrung ist komplett...

    "Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, schaut der Abgrund auch in dich." (S. 459)

    Einen ruhigen Krimi hat Katrine Engberg da geschrieben - ein Thriller ist es tatsächlich nicht, auch wenn der Aufdruck auf dem Cover einen das glauben machen möchte. Manche mögen das als Manko empfinden, ich mag tatsächlich beides und wurde hier von der Erzählung überzeugt. Es geht in diesem Roman um Tiefgründiges - Schuld und Vergeltung, Einsamkeit und Verlassensein, menschliche Abgründe - und Bösartigkeiten. Dabei gelingt Katrine Engberg für mein Empfinden die Balance zwischen den Ermittlungen selbst und den Einblicken vor allem in das Leben des Kriminalassistenten Jeppe Kørner. Dieser befindet sich derzeit in einer schwierigen Lebensphase, weil er gerade von seiner Frau verlassen wurde und er jetzt seine Lebensentwürfe zum wiederholten Mal über Bord werfen muss.

    Vor allem sprachlich und atmosphärisch hat mich der Roman überzeugt - dies ist beielibe kein 0-8-15-Krimi. Mich jedenfalls hat er sehr in den Bann gezogen, sowohl was die Ermittlungen angingen als auch was den zwischenmenschlichen Bereich anbelangt, den Katrine Engberg hier in vielerlei Hinsicht sorgfältig auslotet. Manches stimmt nachdenklich, manches ist unerwartet amüsant, und die Handlungsfäden sind fein gesponnen und verbinden sich am Ende zu einem schlüssigen Ganzen.

    "Was ist ein Krokodilwächter, weißt du das?" Anette ließ das Fenster herunter und zog die Sommerluft tief in die Lungen. "Ein kleiner Vogel, der von den Essensresten im Maul eines Krokodils lebt. Der Vogel erhält Nahrung, und dem Krokodil werden die Zähne gesäubert. Deshalb frisst es den Vogel nicht, und alle sind glücklich." --- "Hm, widerlich." --- "Ja, aber ungemein praktisch." (S. 437)

    Wer auf rasante, actionlastige Spannung steht, der ist hier wohl fehl am Platz. Spannung entsteht hier auch, in den ersten zwei Dritteln jedoch vor allem durch die zahlreichen Fragezeichen, die im Hirn des Lesers immer wieder aufploppen. Im letzten Drittel zieht die Spannung dann auch handlungsmäßig deutlich an, so dass ich das Buch zuletzt kaum noch aus der Hand legen mochte. Dieser Krimi ist aber für all diejenigen, die Freude an langsam erzählten Geschichten haben, die es mögen, Einblicke in menschliche Schicksale zu erhalten und die zufrieden sind, wenn am Ende alle Puzzleteile ineinandergreifen, unbedingt zu empfehlen.

    Ich jedenfalls freue mich, dass es demnächt wohl einen zweiten Band dieser Reihe geben wird!

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Apr 2018 

    Kein schneller Thrill, aber gerade deswegen doch überzeugend

    Julie Stender, eine junge Studentin, wird in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Erschlagen, das Gesicht mit einem Messer verunstaltet. Das neue Kopenhagener Ermittlerteam Jeppe Korner und Anette Werner haben diesen brutalen Mord aufzuklären. Ein Verdächtiger liegt bald auf der Hand, als Julies Vermieterin Esther auf ihr Krimimanuskript hinweist, dass erstaunliche Parallelen zu dem Mord aufweist.
    Katrine Engberg ist mit ihrem Krimidebüt zunächst ein sprachlich ausgefeilter, interessanter Krimi gelungen. Schon die hervorragende Covergestaltung lässt auf anspruchsvolle Krimilektüre hoffen.
    Obwohl auf den ersten Seiten ein brutal ausgeführter Mord geschildert wird, fehlt diesem Krimi wohltuend die plakative Sensationsgier. Auch gefiel mir die abwechselnde Erzählperspektive zwischen der eigentlichen Handlung und einem Metatext, der zu Beginn noch Rätsel aufgab.
    Doch allzu bald konnte ich mir das Motiv der Tat und somit auch den Kreis des Täters zusammenreimen, was mein Vergnügen an diesem Buch etwas eintrübte, vor allem weil ich vor nicht allzu langer Zeit in einem anderen Thriller eine ähnliche Konstruktion gelesen habe. Davon abgesehen bietet der Krimi zahlreiche Wendungen, eine Vielzahl an Personen, die in unterschiedlichsten Konstellationen mit einander verbunden sind und eine ansprechende Erzählweise.
    Das Ermittlerteam muss sich erst etablieren. Während jedoch die kompetente Anette nahezu im Hintergrund verblasst, wird mit Jeppe wieder einmal ein von privaten Problemen gebeutelter Polizist in der Midlifecrisis vorgestellt. Sein Privatleben drängte sich mir zu sehr auf, vor allem weil es keinen Einfluss auf die tatsächliche Krimihandlung hatte.
    Meine erklärte Lieblingsfigur dieses Buches war aber die alternde, intellektuelle Esther, deren Gefühlswelt die Autorin behutsam und einfühlend beschrieb. Fast wünscht man sich, mehr über diese Frau abseits jeglicher Krimihandling zu erfahren.
    Dadurch hebt sich aus meiner Sicht das Buch von simpler schneller Thrillermassenware ab und trotz der erwähnten Schwächen war ich daher von diesem Krimi ganz gut angetan.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Apr 2018 

    Neues Ermittler-Duo aus Kopenhagen

    Von Katrine Engberg habe ich bisher noch keinen Thriller gelesen, das puristische Cover, das mit den "Schnitten" schon einen Vorgeschmack auf den Fall gibt, haben mich so neugierig wie der Titel gemacht. Was ist ein Krokodilwächter?

    "Ein kleiner Vogel, der von den Essensresten im Maul eines Krokodils lebt. Der Vogel erhält Nahrung, und dem Krokodil werden die Zähne gesäubert. Deshalb frisst es den Vogel nicht, und alle sind glücklich."(437)

    Worum geht es?
    Am 8.August, einem Mittwoch, findet Gregers, ein älterer Herr, die Leiche der jungen Julie Stender, die im selben Haus im Herzen Kopenhagens wohnt - gemeinsam mit ihrer Freundin Caroline. Da die Wohnungstür offen steht, will Gregers nachsehen, ob bei den beiden jungen Frauen alles in Ordnung ist, und fällt auf einen Stapel Schuhe in den Flur hinein.

    "In dem Schuh, der halb unter seiner alten, schmerzenden Hüfte lag, steckte ein Bein, das in einem verrenkten Körper endete. Es sah aus wie das Bein einer Schaufensterpuppe, aber Gregers spürte weiche Haut an seiner Hand. Er zuckte zusammen und zog die Hand hervor. Da war Blut. Nicht nur auf der Hand, sondern auch auf dem Boden, an den Wänden. Überall Blut." (S.12)

    Die beiden Ermittler Jeppe Körner und Anette Werner nehmen sich dem Fall an. Seit Jahren arbeiten sie gern zusammen.

    "Offenbar waren sie gemeinsam ein starkes Team, obwohl sie das beide gar nicht so wahrnahmen. (...) Er hielt sie für einen Bulldozer, und sie bezeichnete ihn als verzärtelt und old fashioned." (S.22)

    Gemeinsam vernehmen zunächst die Besitzerin des Hauses, die im obersten Stockwerk wohnt: Esther de Laurenti, pensionierte Universitätsprofessorin im Bereich Literaturwissenschaft.

    Seit sie im Ruhestand ist, verbringt sie ihre Freizeit mit Singen und Schreiben - und mit dem übermäßigen Konsum von Rotwein, wie ihr Untermieter Gregers ihr unverblümt mitteilt, als sie ihn im Krankenhaus besucht.
    Seit vier Jahren hat sie einen Gesangslehrer, Kristoffer, mit dem sie inzwischen eine enge Freundschaft verbindet, er hilft ihr mit den Hunden, beim Haushalt und kümmert sich um sie. Er hat eine Karriere als Sänger aufgegeben, arbeitet stattdessen als Garderobier im Königlichen Theater. Bei der ersten Vernehmung entpuppt er sich als seltsam verschlossen, gibt aber zu, eine Beziehung mit Julie gehabt zu haben.

    Julies Vater Christian Stender erleidet einen Zusammenbruch, als er vom Mord an seiner Tochter entfernt, trotzdem erregt er Jeppes Verdacht - irgendetwas an seinem Verhalten verhindert, dass Jeppe Empathie mit ihm empfindet.

    Das Mordfall sorgt innerhalb der Polizei und in den Medien für Aufruhr, da der Täter in Julies Gesicht mit einem scharfen Messer ein Muster geschnitten hat.

    "Es sieht aus, als hätte der Täter für uns eine kleine rätselhafte Nachricht ins Gesicht geritzt." (S.32)

    Viel seltsamer ist die Tatsache, dass der Mord einem Manuskript zu folgen scheint, das Esther geschrieben hat und das auch im Roman zwischen den einzelnen Kapiteln zu lesen ist.
    Veröffentlicht hat sie es in einer Schreibgruppe, die nur noch aus zwei weiteren Personen besteht, die scheinbar nichts mit dem Mord zu tun haben können? Wer hätte einen Zugriff auf das Manuskript haben können, in dem eine junge Frau einen Mann auf der Straße kennen lernt und den sie mit nach Hause nimmt.

    Genau davon hatte Julie Esther erzählt und sie damit "zum ersten Teil des Krimis angeregt [...]. Und dann hat er sich vom zweiten Teil des Manuskripts zum Mord inspirieren lassen. Realität - Buch, Buch - Realität. Verwirrend." (S. 188)

    Verwirrend bleibt der Krimi, denn es tauchen Details aus Julie Vergangenheit auf, die ein neues Licht auf den Fall werfen und lange kann man die Verbindung zwischen den einzelnen Fäden nicht sehen.

    "Er konnte noch immer nicht das gesamte Bild überblicken, aber das war das Puzzleteilchen, das alles in Übereinstimmung brachte." (S. 474)

    Bewertung
    Ein spannender und intelligenter Thriller, der ab der Mitte einen solchen Sog entwickelt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will. Die Handlung ist komplex, viele Fäden scheinen zunächst ein verwirrendes Knäuel zu bilden, bis sich am Ende alles zu einem roten Faden spinnt, der uns in einen unglaublichen, menschlichen Abgrund blicken lässt.

    Wie so oft in den skandinavischen Krimis spielen die Motive und die Psychologie des Täters eine große Rolle und stehen ebenso wie die Ermittler selbst im Mittelpunkt. Die einzelnen Figuren sind ausgearbeitet - keine bleibt oberflächlich. Dadurch, dass die Ermittlungsarbeit aus der personalen Perspektive Jeppes geschildert wird, erfahren wir von seinem Privatleben am meisten. Erscheint er zu Beginn als frustrierter, deprimierter Polizist, der unter seiner Scheidung leidet, überwindet er im Verlauf der Handlung teilweise seine Krise. Von Anette erfahren wir weniger, dass sie glücklich verheiratet ist, keine Kinder hat und sehr ungeduldig ist. Da auf der Buchrückseite verheißungsvoll angekündigt wird, dass dies der erste Fall "einer neuen Kopenhagen-Thriller-Serie" ist, dürfen wir auf weitere Details und spannende Fälle hoffen.

    Im Krimi reflektiert Esther über das Schreiben eines Krimis:

    "Einen Krim zu schreiben ist ungefähr ähnlich schwierig wie der Versuch, einen Zopf aus Spinnweben zu flechten: tausend Fäden kleben an den Fingern und reißen, wenn man sich nicht konzentriert." (S.333)

    Die Fäden dieses Romans sind nicht gerissen - beste Krimi-Unterhaltung. Mehr davon!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Apr 2018 

    Mörderisches Manuskript

    Julie Stender, eine junge Studentin, wird in ihrer Wohnung ermordet. Ihr Gesicht durch Schnitte verunstaltet. Ein brutaler Tod, der die Bewohner des kleinen Mietshauses in Kopenhagen verstört. Besonders Esther de Laurenti, eine pensionierte Unidozentin und Besitzerin des Hauses, denn die Vorgehensweise scheint direkt aus ihrem Romanmanuskript zu kommen. Die Manuskriptseiten wurden nur in einer Schreibgruppe diskutiert, wer könnte also Esthers Romanidee zur Vorlage eines Mordes benützt haben?

    Es gibt viele Spuren und viele Verdächtige in diesem raffiniert und kompliziert aufgebautem Thriller. Wobei es für mich eher ein Ermittlerkrimi als ein Thriller war, was ich persönlich sogar sehr positiv fand. Für den Thrill sorgten die Texteinschübe aus Esthers Manuskript, die ein beängstigendes Bild von Opfer und Täter zeichnen. Jeppe und Anette, zwei Kopenhagener Ermittler versuchen den Kreis der Verdächtigen einzuengen, wobei Jeppe viel Raum für seine persönlichen Dramen erhält.

    Das Figurenpanorama ist sehr vielschichtig gezeichnet, die Autorin gibt allen Protagonisten eine sehr spannende und realistische Biografie mit. Ganz besonders bleibt mir die alternde und im Grunde einsame Esther im Gedächtnis. Die Kapitel des Buches sind nach den Ermittlungstagen aufgeteilt und Tag für Tag kann die Autorin die Spannung steigern und ihrem Buch noch eine neue Wendung geben. Das Katz und Maus Spiel zwischen Mörder und Polizei ist raffiniert angelegt. Erst ganz zum Ende hin, werden alle Fäden zusammengefügt. Esther selbst, in ihrer Rolle als Autorin sagt auf Seite 333: "Einen Krimi zu schreiben ist ungefähr ähnlich schwierig wie der Versuch, einen Zopf aus Spinnweben zu flechten; tausend Fäden kleben an den Fingern und reißen, wenn man sich nicht konzentriert." Ich fand allerdings, dass der Autorin einige Fäden entgangen sind, denn ein – zwei offene Fragen sind mir geblieben.
    Das Buch ist als Auftakt einer Reihe angelegt und den Debütband fand ich sehr vielversprechend, ich bin gespannt , wie sich vor allem das Ermittlerduo weiter entwickelt.

    Der Diogenes Verlag ist bekannt für seine Covergestaltung. Dieses Mal ist ein wirklich außergewöhnliches Titelbild gelungen. Der Schutzumschlag ist mit Schnitten versehen, die den Blick auf das rote Einbandleinen freigeben. Der Bezug zum Inhalt ist damit auf eine außergewöhnliche Weise gelungen. Für mich das schönste Buchcover, das ich in letzter Zeit in der Hand hatte.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Apr 2018 

    Krimi ohne größere Spannungsmomente

    Die junge Studentin Julie wird tot und von vielen Schnitten im Gesicht verunstaltet in ihrer Wohnung aufgefunden - vom Täter fehlt erst einmal jede Spur. Doch als ihre Vermieterin, die emeritierte Professorin Esther, ein von ihr verfasstes Manuskript vorlegt, in dem sie den Mord bereits Tage zuvor geschildert hatte, scheinen alle Spuren auf eine Person hinzudeuten. Doch nicht sehr lange ...
    Berlinsge, die älteste dänische Tageszeitung, hat dieses Buch einen 'Thriller, der einen packt und nicht mehr loslässt.' genannt. Tja, mir ging es leider nicht so. Keine Frage, es ist gut geschrieben, ohne dass jedoch ein spezieller Engberg-Stil erkennbar wäre. Doch die Geschichte plätschert so dahin - es ist die ausführliche Schilderung der Polizeiarbeit, wie sie KrimiliebhaberInnen wohlbekannt sein dürfte, ohne große Überraschungsmomente oder verblüffende Wendungen. Zudem ist der erste Hinweis auf den Täter derart offensichtlich, dass ich mir fast sicher war, es könne nur eine falsche Fährte sein. Ein Thriller soll 'ein beständiges Spiel zwischen Anspannung und Erleichterung' sein - davon ist bei diesem Buch leider nur kaum etwas zu merken.
    Auch die Figuren sind wenig bemerkenswert: ein einsamer Kommissar, gerade verlassen von der Ehefrau und kurz davor, sich Süchten jeglicher Art hinzugeben (Harry Hole lässt grüßen ;-)); die fitte Kollegin, nicht ganz perfekt (die Speckröllchen), aber beinahe :-); und natürlich ein unsympathischer Kollege, der in einem der Folgebände (das Ganze ist als Serie angelegt) sicherlich mit diversen Intrigen zur Höchstform auflaufen wird.
    Zuguterletzt die Auflösung des Falles. Die war immerhin durchaus überraschend, was jedoch bei Weitem nicht ausreichte, mich mit der gesamten Geschichte so zu versöhnen, dass es noch für vier Sterne reichen würde. Zudem empfand ich die Erklärung des Mordes derart unglaubwürdig (ja, Manipulation ist eine mächtige Kraft, ich weiß. Aber so???), dass ich das Buch fast schon unzufrieden zuschlug.
    Fazit: Ein gut geschriebener, mäßig spannender Krimi, den man nicht unbedingt gelesen haben muss.