4. Leseabschnitt: Teil 2 Anfang - Seite 211 bis Seite 288

Anna625

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4. August 2020
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Das war ganz schön unerwartet, was hier alles passiert ist!
Der Zeitsprung hat mich zuerst ein bisschen mitgenommen, ich hatte mich gerade so gut "reingefühlt". Aber die neue Situation an der Grenze ist auch spannend, und jetzt wissen wir zumindest, dass es kein klassisches Jugendbuch mehr wird ^^

Was mich ein bisschen irritiert hat ist, dass mehr oder weniger genau 20 Jahre vergangen sind, Odile ist ja jetzt Mitte 30. In Verbindung damit, dass sie am Ende vom letzten Abschnitt zum Zaun gegangen ist und jetzt vom Zaun zurückkommt, könnte man beinahe auf den Gedanken kommen, dass sie es damals irgendwie ins benachbarte Tal geschafft hat; das scheint aber nicht so zu sein, weil dann jetzt erstens irgendwo auch noch eine jüngere Odile herumlaufen müsste und zweitens alle Ereignisse und Entscheidungen der vergangenen Jahre, von denen Odile erzählt, nicht hätten stattfinden können. Ich bekomme dabei zwar fast einen Knoten im Hirn, aber gut gemacht ist es!

Odiles Begegnung mit sich selbst muss extrem erschreckend gewesen sein. Besonders wegen der Umstände, in denen sie sich gesehen hat. Ich hoffe, dass ihre Versuche, ihrer Zukunft zu entkommen, gelingen. Ein bisschen habe ich aber immer noch den Verdacht, dass manchmal vielleicht genau die Versuche, etwas zu ändern, zu der Zukunft führen, die man eigentlich vermeiden wollte. Mit Edme war es ja auch so, hätten seine Eltern ihm das Geigespielen nicht verboten, wäre er nicht nachts vom Felsen gestürzt. Was, wenn die Zukunft einfach nicht verändert werden kann und unausweichlich das passiert, was passieren soll?
Hoffentlich entpuppt sich nicht ausgerechnet der Offizier, der ihr im Moment immer hilft, es derjenige, der dafür sorgt dass sie später die Böden schrubben muss (zB weil er ihr später vorhält, was er alles für sie getan hat, und sie für undankbar hält und diffamiert).

Auch die Begegnung mit Lucie gibt momentan noch Rätsel auf, die Aussage, dass jemand gesagt hätte "sie" würde ihr helfen... Vielleicht hat die Zukunfts-Odile Lucie an sich selbst verwiesen? Aber warum? Und spräche in dem Fall die Tatsache, dass Odile Lucie nicht geholfen hat, Odile in der Gegenwart also anders handelt als Odile in der Zukunft sich erinnert (sie müsste dann ja Erinnerungen an ebendieses Ereignis vor 20 Jahren haben), dann doch dafür, dass die Zukunft verändert werden kann?
Spannend ist in dem Zusammenhang auch noch, dass es Hinweise darauf gab, dass Lucie mit einem Gendarmen verheiratet ist - das muss dann ja jemand sein, dem Odile möglicherweise im Dienst begegnet. Vielleicht dieser Gagne, der wirkte auf jeden Fall nicht so sympathisch. Wobei die Situation für Frauen unter den Grenzern (das klingt wie aus GoT ^^) ja alles andere als toll zu sein scheint, das gilt in einigen Fällen sicherlich auch für die Ehefrauen, es könnte also theoretisch jeder sein. Hm.
 
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Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Aber die neue Situation an der Grenze ist auch spannend, und jetzt wissen wir zumindest, dass es kein klassisches Jugendbuch mehr wird ^^
Findest du? Kannst du mir das erläutern?

Mit Edme war es ja auch so, hätten seine Eltern ihm das Geigespielen nicht verboten, wäre er nicht nachts vom Felsen gestürzt.
Jurist Wanda - geschult durch unzählige Justizdramen im TV - : wendet ein: "Mutmaßung".

Welche Lucie? Du meinst nicht die Enkelin? Oder?

: My five Cents.
Die Wendung, dass Odile Grenzerin geworden ist und der Roman einen kleinen Zeitsprung macht, tut dem Roman gut.
Sie hat mithilfe des Kollegen R. sich durchgesetzt und R. hat Gagne an die Ostgrenze versetzt - ein plöder Schachzug, denn wenn Odile nun nach Westen geht ist vom neuen Tal y aus, Gagne an der Ostgrenze und sie begegnet ihm und sich selbst. Schlimm. Schlimm. Ihr wird bewusst, dass ihr ein schrecklicher gesellschaftlicher Absturz bevorsteht.
Im Umgang mit Quinton ist sie ganz schön streng und übergenau. Was hätte es schon ausgemacht, wenn sie Quinton einen Blick auf die Enkelin erlaubt hätte oder überhaupt so getan hätte, als ob sie das verstohlene Winken nicht bemerkt hätte.
Odile ist keine sympathische Frau geworden. Leider. Weiterhin eine Einzelgängerin. Wenigstens hat sie ein nettes Hobby. Hoffentlich spielen diese Talansichten eines Tages noch eine wesentliche Rolle.
Mit ihrer Mam versteht sie sich auch nicht gut. Man spricht sich nicht richtig aus in diesem Tal. Der Lehrer Pitchegru ist gestorben.
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
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Brandenburg
Komisch ist, dass Quentin so erstaunt über alles ist: Schließlich ist es das haargenau gleiche Tal. Da wär ich jetzt nicht so überwältigt. Oder ob es mal neue Gebäude gibt? Wenn da plötzlich ein Wolkenkratzer wär und Migranten gekommen wären, dann wäre ich auch erstaunt. Warum kommen keine Migranten? Ich vermisse sie.
 

Gina_Lesefuchs

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21. April 2024
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Hallo zusammen, ich steige mal an dieser Stelle in die Leserunde ein, weil ich das Buch letzte Woche gelesen habe und es bei mir immer noch nachwirkt.
Ich war hier geschockt von der Entwicklung Odiles.
Am Anfang ging es mir auch so, dass ich den "Rückweg vom Zaun" noch auf den ersten Teil der jüngeren Odile bezogen hatte. Das ist hier ein gelungener Kniff, uns Lesende kurz in die Irre zu führen.
Die Figur der Odile ist für mich schwer zu fassen. Sympathieträgerin ist sie für mich nicht. Ich habe nicht verstanden, warum sie im ersten Teil Edmes Geige vergräbt. Ihr freiwilliges Ausscheiden aus dem Auswahlverfahren für das Conseil habe ich so gedeutet, dass sie sehr um Edme trauert und kein Teil des Systems werden möchte. Dann wird sie es als Gendarmin letztendlich aber doch und zeigt keinerlei Menschlichkeit, als Lucy flieht. Hätte sie den Warnschuss nicht abgegeben, sondern erstmal geschaut, wer da geflohen ist, hätte sie sich noch überlegen können, ob sie Lucy hilft. So fand ich den Tod von Lucy überraschend brutal.
 

Gina_Lesefuchs

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21. April 2024
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Im Umgang mit Quinton ist sie ganz schön streng und übergenau. Was hätte es schon ausgemacht, wenn sie Quinton einen Blick auf die Enkelin erlaubt hätte oder überhaupt so getan hätte, als ob sie das verstohlene Winken nicht bemerkt hätte.
Das hat mich beim Lesen auch gestört. Wenn der todkranke Mann schon die Chance bekommt, seine Enkelin zu sehen, und diese bereits ahnt, dass ihr Opa in dem Auto sitzt, hätte es an der Stelle keine Auswirkung auf die weitere Entwicklung gehabt, wenn Odile ihm einfach nur seine Brille gegeben hätte. Das ist unnötig herzlos, dass sie ihm das verwehrt und ihn obendrein auch noch meldet.
 

Querleserin

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30. Dezember 2015
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Wadern
querleserin.blogspot.com
Das war ganz schön unerwartet, was hier alles passiert ist!
Das ist es. Weg vom Jugendbuch und auch die Stimmung, der Ton, die Sprache - gekonnt. Ein wirklicher Umschwung.
Auch die Themen verändern sich - insofern ist es kein klassisches Jugendbuch mehr, dass oft mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter endet.
Spannend bleibt, ob Odile ihre Zukunft ändern kann oder ob genau die jetzigen Ereignisse ihre Zukunft bestimmen. Der Anblick der am Boden knienden Frau muss grauenvoll gewesen sein.
Sehr viele offene Fragen, die hoffentlich noch geklärt werden.
Auch ich fand ihr Verhalten unnötig streng.
 

Maesli

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29. März 2024
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Hallo zusammen, ich steige mal an dieser Stelle in die Leserunde ein, weil ich das Buch letzte Woche gelesen habe und es bei mir immer noch nachwirkt.
Ich war hier geschockt von der Entwicklung Odiles.
Am Anfang ging es mir auch so, dass ich den "Rückweg vom Zaun" noch auf den ersten Teil der jüngeren Odile bezogen hatte. Das ist hier ein gelungener Kniff, uns Lesende kurz in die Irre zu führen.
Die Figur der Odile ist für mich schwer zu fassen. Sympathieträgerin ist sie für mich nicht. Ich habe nicht verstanden, warum sie im ersten Teil Edmes Geige vergräbt. Ihr freiwilliges Ausscheiden aus dem Auswahlverfahren für das Conseil habe ich so gedeutet, dass sie sehr um Edme trauert und kein Teil des Systems werden möchte. Dann wird sie es als Gendarmin letztendlich aber doch und zeigt keinerlei Menschlichkeit, als Lucy flieht. Hätte sie den Warnschuss nicht abgegeben, sondern erstmal geschaut, wer da geflohen ist, hätte sie sich noch überlegen können, ob sie Lucy hilft. So fand ich den Tod von Lucy überraschend brutal.
Da bin ich ganz bei dir. Odile hat etwas zweideutiges in sich. Einmal gibt sie die Paragraphenreiterin, wehe man hält sich nicht an die Regeln. Und dann ist genau sie diejenige, die in ihr eigenes Schicksal eingreift. Man ist sich doch immer selbst am nächsten.
Absurd ihr Verhalten bei dem Fluchtversuch von Lucie, wenn nicht sogar irgendwie abstoßend, gerade im Hinblick auf die Entwicklung, die sie für sich vorbehalten hat.

Von allen Romanfiguren mag ich eigentlich überhaupt keine. Vielleicht Edme, aber über ihn weiß ich zu wenig. Und Alain, der wird mir sympathischer.
 

Maesli

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29. März 2024
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Das hat mich beim Lesen auch gestört. Wenn der todkranke Mann schon die Chance bekommt, seine Enkelin zu sehen, und diese bereits ahnt, dass ihr Opa in dem Auto sitzt, hätte es an der Stelle keine Auswirkung auf die weitere Entwicklung gehabt, wenn Odile ihm einfach nur seine Brille gegeben hätte. Das ist unnötig herzlos, dass sie ihm das verwehrt und ihn obendrein auch noch meldet.
Ich vermute hier, dass wir die Regeln nicht wirklich kennen. Wir wissen nur, wie Odile sie auslegt. Es würde Sinn machen, dass jedwede Art der Kommunikation untersagt wird und es nicht korrekt von Quinton war, seinen Besuch "anzukündigen". Anderseits ist es nur menschlich. Was ich damit sagen will, ist, dass hier Odile richtet und wir wenig über ihre Ausbildung wissen. Ich verstehe auch nicht, warum sie ihr Leben der Gendarmerie verschrieben hat, es wäre doch logischer und sinnvoller gewesen, wenn sie die Erfahrung von Edme als Counceiller für die Menschen des Tales eingesetzt hätte. Da fehlt mir etwas.
 

Maesli

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29. März 2024
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Mein größtes Problem bei diesem Roman ist tatsächlich die Tatsache, dass es verschiedene Zeitzonen gibt, in die man reisen kann. Wenn sie im Tal 36 Jahre alt ist und im Est 16 und im Ouest 56, dann macht das irgendwie keinen Sinn. Nehmen wir mal an, sie stirbt, dann wäre sie nur mehr im Est, weil 20 Jahre jünger, aber nur für einen begrenzten Zeitraum und im Ouest gleich gar nicht. Das finde ich unlogisch und das ist das einzige, was mich bis jetzt wirklich stört.
 

Maesli

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29. März 2024
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Was hättest du an ihrer Stelle getan?
Das ist ja die Frage: ist sie ein Mensch mit Gefühlen oder wurde während ihrer Ausbildung jegliche Gefühlslage neutralisiert, sodass sie im Sinne der Counceillers funktioniert. Warum schweigt sie, als Raimond Lucie erschießt (das entspricht nun absolut nicht der Odile, die ich bis jetzt kennengelernt habe) und warum lässt sie sich nun von ihren eigenen Gefühlen leiten, freilich nur zu ihrem "wahrscheinlichen" Vorteil. Das passt irgendwie nicht.
Es wäre logischer gewesen, wenn sie dafür gesorgt hätte, dass Lucie nicht erschossen wird und sie zur Wache gebracht hätte. Warum hinterfragt sie nicht, warum Raimond sich so verhält. Weiß Raimond etwas von der Zukunft?
 

Maesli

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29. März 2024
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Ich kann deine Frage nicht beantworten. Ich kann nicht von meinem Standpunkt ausgehen, weil ich weder dort lebe noch die Ausbildung als Gendarmin erhalten habe. ich muss mich also an das halten, was ich bis jetzt gelesen habe und wie ich diese Gesellschaft wahrnehme.

Begründung: ich weiß nicht, wie sie ausgebildet wurde.
Denn was wäre, wenn sie lt. Ausbildung jeden Flüchtenden sofort erschießen müsste? Damit würde sich das Verhalten von Raimond erklären. Oder was wäre, wenn die Vorgabe ist, den Flüchtenden einzufangen und ihn lebend wieder zurückzubringen?
Bei Quinton sind die Regeln kommuniziert worden, hier nicht.
Vielleicht ist es auch eine Grauzone, bei der ein Gendarm frei entscheiden kann; wäre aber sehr überraschend.

Warum hat sie nicht laut mitgeteilt, dass sie die Flüchtige hat. Damit hätte sie ihr das Leben retten können - oder nicht? Das hätte ich wohl getan, geschriehen: Ich habe den Flüchtenden, er ist verletzt aber am Leben. Aber hätte sie das tun können?
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Warum hat sie nicht laut mitgeteilt, dass sie die Flüchtige hat. Damit hätte sie ihr das Leben retten können - oder nicht? Das hätte ich wohl getan, geschriehen: Ich habe den Flüchtenden, er ist verletzt aber am Leben. Aber hätte sie das tun können?
Na ja, das hat Odile doch getan. Lucie ist auch nicht weggerannt. Und Raimond hat sie erschossen, damit Odile befördert werden kann. Da ist der Schaden schon getan - hätte Odile jetzt noch die Wahrheit gesagt, dass nicht sie es war, die geschossen hat, hätte sie doch ihren Vorgesetzten blossgestellt.
Sie hatte nur die ein paar Sekunden Zeit, sich zu entscheiden, als Lucie sagt, du wirst mir helfen, "sagte sie". Na ja, das ist nicht viel Zeit, um Grundsatzfragen zu entscheiden.
Mit meiner Frage, was hättest du getan, meine ich, man kann leicht ethisches Verhalten von anderen einfordern. Aber sollte man nicht einen Kilometer in deren Mokassins gehen, bevor man den Stab über sie bricht? Na ja, du hast natürlich nicht die Ausbildung bekommen, etc., es geht nur ums Einfühlen. Wir wissen ja auch alle (!) nur zu genau, was Odile hätte tun sollen, um eine Hero zu sein ;-).
 

Maesli

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29. März 2024
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Da lesen wir anders. Denn bei Quinton hat sie doch blitzschnell reagiert. Ich verurteile sie nicht, es war nur etwas seltsam das ganze. Raimond hat Lucie erschossen, das ist doch heftig und weil er sie nun vorschiebt, ist das für Odile ein Vorteil für die Beförderung. Das ist doch krass. Odile, die sich ja sehr an die Regeln hält.
Diese Szene hat mich etwas aus dem Konzept gebracht. Wir werden sehen, wie es sich weiterentwickelt.
 

Gina_Lesefuchs

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21. April 2024
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Ohne die Ausbildung als Gendarmin genossen (haha) zu haben, denke ich, dass ich an Odiles Stelle nicht sofort einen Warnschuss abgegeben hätte.
Meint ihr nicht, dass es menschlicher gewesen wäre, erstmal zu schauen, wer da geflohen ist? Ich an Odiles Stelle wäre jedenfalls neugierig gewesen. Im ersten Moment dachte ich beim Lesen sogar, das sei die ältere Odile gewesen...
 

Maesli

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29. März 2024
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Ist den Odiles Verhalten menschlich ? Ihre Reaktion bei Quinton ließ für mich diesen Schluss nicht zu. Und ob sie neugierig sein könnte, viel mir auch nicht ein - dafür habe ich sie anders wahrgenommen.
 
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