Nur wer die Hölle kennt: Ostfriesland-Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Nur wer die Hölle kennt: Ostfriesland-Krimi' von Barbara Wendelken
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Die fünfzehnjährige Melody schleicht sich heimlich fort, um den Geburtstag ihrer Freundin Simone zu feiern. Als sie heimkommt, steht der Reiterhof ihrer Mutter in Flammen. Ihre Mutter, ihr kleiner Bruder und eine Pferdewirtin kommen ums Leben. Der Brandstifter wird nicht gefasst. Zwanzig Jahre später kehrt sie nach Martinsfehn zurück und ist erneut auf Simones Geburtstag eingeladen. Simone verkündet auf der Feier, dass sie den Brandstifter kennt. Am nächsten Tag ist sie tot. Die Kommissare Nola von Heerden und Renke Nordmann müssen tief in der Vergangenheit graben, um den Täter zu finden.

Format:Taschenbuch
Seiten:432
EAN:9783492313049

Rezensionen zu "Nur wer die Hölle kennt: Ostfriesland-Krimi"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Apr 2019 

    Spannend, dicht und atmosphärisch

    Vor zwanzig Jahren schlich sich die damals fünfzehnjährige Melody für eine Geburtstagsparty ihrer Freundin Simone von Zuhause fort. Als sie zurückkam, brannte der Reiterhof lichterloh und ihre Mutter, ihr kleiner Bruder und eine Pferdewirtin kamen ums Leben. Der Brandstifter wurde nie gefasst. Nun kehrt Melody nach Martinsfehn zurück und ist erneut zu Simones Geburtstagsparty eingeladen. Dort verkündet Simone lautstark, dass sie den damaligen Brandstifter kennt. Am nächsten Tag ist sie tot. Die beiden Kommissare Nola und Renke beginnen zu ermitteln.

    Dieser Krimi konnte mich aufgrund des bildhaften und fesselnden Schreibstils sofort in seinen Bann ziehen und mitreißen. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr beiseite legen und hatte es somit ruck zuck durch.
    Die Charaktere wurden sehr authentisch beschrieben und besaßen Tiefe. Ich konnte sie mir sehr gut vorstellen. Die beiden Ermittler waren mir bereits durch die vorherigen Bände bekannt. Aber auch ohne Vorkenntnisse lässt sich dieser Krimi bestens lesen.
    Die Geschichte wurde in zwei Strängen auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen in der Gegenwart, in der man die laufenden Ermittlungen begleitet, und zum anderen in der Vergangenheit vor zwanzig Jahren, wo der Brand aufgerollt wird. Beide Stränge wurden perfekt miteinander verbunden und gefielen mir gleichermaßen gut. Ich war total gefesselt und konnte nicht schnell genug lesen um zu erfahren, wer denn nun damals der Brandstifter war und was das Motiv für die schreckliche Tat war. Ferner wollte ich wissen, ob der damalige Täter auch Simone umgebracht hat, weil sie um seine Identität wusste.
    Dank vieler Wendungen und so manchem Verdächtigen konnte ich hervorragend miträtseln und versuchen, die Zusammenhänge zu durchblicken. Aber wirklich nur versuchen, denn geglückt ist es mir nicht. Die Autorin hat hier einen wahnsinnig dichten, undurchschaubaren und atmosphärischen Plot geschaffen.

    Dieser Krimi ist unglaublich dicht, atmosphärisch und richtig spannend und konnte mich daher absolut begeistern. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Apr 2019 

    Warum die Hölle erst im Jenseits suchen?

    "Wut festzuhalten ist, als ob man nach einem Stück heißer Kohle greift, um es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst." (Buddha)
    Martinsfehn 1997: Die 15-jährige Melody hat kein einfaches Leben, verantwortlich für ihren kleinen Bruder muss sie zudem fast den ganzen Haushalt schmeißen. Ihre Mutter dagegen ist für den Reiterhof und die Reitstunden zuständig. Da ist, es auch nicht weiter verwunderlich das sie Melody verbietet am Abend auf Simones Geburtstagsfeier zugehen. Doch Melody schleicht sich heimlich später davon und geht auf die Feier, wo sie sich betrinkt. Als sie gegen Morgen zum Reiterhof kommt, steht das Haus in Flammen, drei Menschen sind tot und jeder hält Melody für die Schuldige.
    Heute: Zwanzig Jahre später kehrt Melody mit ihrem Sohn Linus wieder nach Martinsfehn zurück und wieder ist es die Zeit um Simones Geburtstag, bei der sie eingeladen ist. An diesem Tag verkündet Simone, das sie ein Buch schreiben wird über die Ereignisse von damals und das sie weiß, wer das Feuer gelegt hat. Am nächsten Tag wird Simone tot in ihrem Fotoatelier aufgefunden, das man danach abgebrannt hatte. Nola von Heerden steht erst mal vor einem Rätsel, bis sie den alten Fall von damals mit ihrem Kollegen Renke Nordmann neu aufrollt. Was geschah damals in der Nacht, was wurde übersehen und wer war der eigentliche Täter?

    Meine Meinung:
    Ein beeindruckendes Cover beschreibt ein wenig den Inhalt des Buches und sticht aus den andern Buchfolgen dieser Ermittlerin hervor. Für mich war es der zweite Nola von Heerden Fall und wie beim letzten Mal war ich erneut überrascht über diese tolle ausführliche Geschichte. Wenn man nicht wüsste, dass sie ausgedacht war, könnte sie auch durchaus real gewesen sein. Der Schreibstil war ausführlich, prägnant, unterhaltsam und interessant. Die zwei Handlungsstränge aus Vergangenheit und Gegenwart fügten sich wunderbar zu einem Bild zusammen. Beim Plot ging es in erster Linie um einen Brandstifter und Mörder, um Verletzlichkeit und Hass. Die Autorin gestaltet diese Geschichte teils abstrakt, doch oft hatte ich eher den Eindruck, dass sie sogar sehr realistisch hätte sein können. Den Melodys nicht gerade schöne Kindheit gepaart mit dem damaligen Brand könnte so durchaus wirklich geschehen sein. Das die Frau auch nach Jahren noch immer traumatisiert und für ihr Leben gezeichnet war, beschrieb die Autorin hier sehr gut. Allgemein waren die Charaktere wieder bemerkenswert ausgearbeitet. Gerade die starken Charaktere wie die egoistische Simone, die traumatisierte Melody, der manipulative Henning der selbst versucht mit Nola zu flirten oder der unbeherrschte Ziehvater Wulf der Melody auch noch nach Jahren für die Täterin hält. All diese Personen und noch mehr wurden wieder einmal brillant in Szene gesetzt. Doch vergessen darf ich nicht Nola von Heerden, die wieder einmal bravourös ihre Ermittlungen geleitet hatte. Trotz ihrem angeschlagenen Kollegen Conrad, der schon wieder an der Flasche hingt. Dafür hilft ihr Kollege und Liebhaber Renke Nordmann aus, der sich in Martinsfehn sehr gut auskannte. Die Problematik dieser Beziehung zeichnet die Autorin ebenfalls gut auf, wobei ich diese als sehr angenehm empfand. Lediglich das etwas unbefriedigende Ende, das auf einen weiteren Fall hinwies, hat mir nich so gut gefallen, was aber eher an mir liegt. Ansonsten hätte alles in allem vielleicht noch ein bisschen mehr Spannung gutgetan und das nicht nur gegen Ende. Ansonsten war das wieder mal ein gelungener Regionalkrimi, mit viel Lokalkolorit und ostfriesischem Charme, dem ich 5 von 5 Sterne gebe.