Unbarmherzig: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Unbarmherzig: Kriminalroman' von Inge Löhnig
4.15
4.2 von 5 (7 Bewertungen)

Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will.

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:384
EAN:9783548290973

Rezensionen zu "Unbarmherzig: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Jul 2019 

    Unbarmherzig

    Als Gina Angelucci nach ihrer Elternzeit wieder in ihrer Abteilung für ungeklärte Kriminalfälle der Münchener Polizei beginnt, ahnt sie nicht, dass sie es gleich mit zwei Toten zu tun bekommt, die bereits seit 80 Jahren tot sind. In Altebruck sind bei Bauarbeiten die Knochen eines Mannes und einer Frau aufgetaucht. Beide sind offensichtlich getötet worden. Gina und ihre Kollegen übernehmen diesen Fall und haben das Anliegen, die Identität der Toten und die Umstände ihres Todes unbedingt aufzuklären. Noch schwieriger wird der Fall, als klar wird, dass die Tote aus dem Baltikum stammt, während der Mann offensichtlich aus der näheren Umgebung zu stammen scheint. Ob die Tote eine Zwangsarbeiterin in der damaligen Munitionsfabrik war?

    Gina, die das spurlose Verschwinden ihrer Schulfreundin Hermine niemals losgelassen hat, ist wild entschlossen die Identität der beiden Opfer aufzuklären und den Familien damit Gewissheit über ihr Schicksal zu geben. Jedoch gibt es bereits die ersten Hindernisse. Ein Baustopp im Gewerbegebiet, dem Fundort der Leichen, führt zu Widerstand in der Bevölkerung. Auch der Staatsanwalt ist nicht geneigt Gina und ihrem Team genügend Zeit für die Aufklärung zu geben.

    Auch mit diesem Buch und den Erlebnissen von Gina Angelucci hat mich Inge Löhnig wieder sofort in ihren Bann gezogen. Es ist auf der einen Seite der Kriminalfall, der einen in Bann in hält. Auf der anderen Seite erfahren wir aber auch viel vom normalen Leben der Kriminalkommissarin, die neben ihrem Job auch noch ein sehr erfülltes Privatleben hat. Diese kleinen Normalitäten im Leben, die auch von uns selbst sein könnten, geben den Protagonisten etwas sehr menschliches. So hat man beim Lesen das Gefühl, dass es Leute aus unserem direkten Umfeld sein könnten. Diese Authentizität gefällt mir ungemein gut.

    Ich fand dieses Buch wirklich spannend und klasse erzählt. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Jul 2019 

    Gelungene Verbindung aus Krimi und geschichtlichem Hintergrund

    Gina Angelucci ist Bearbeiterin von Cold Cases bei der Münchener Polizei. Als eines Tages in einem Kieshaufen menschliche Knochen gefunden werden, wird sie mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Es stellt sich heraus, dass es sich bei einer der Leichen um eine Frau aus dem Baltikum handelt. Schnell führen die Untersuchungen in dem kleinen Dorf Altbruck zu einer ehemaligen Munitionsfabrik, in der während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Zuständen leben und arbeiten mussten. Bei ihren Nachforschungen über die Identität der zweiten Leiche wird Gina in eine verzwickte Familiengeschichte verwickelt, die ihren tragischen Höhepunkt ebenfalls in den letzten Tagen des Krieges fand. Gibt es eine Verbindung zwischen beide Geschichten?
    Der Autorin ist hier nicht nur ein spannender Krimi gelungen. Sie hat es auch gekonnt verstanden, die geschichtlichen Hintergründe der Munitionsfabriken und der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges mit der Geschichte zu verknüpfen. Durch eingestreute Tagebucheinträge des weiblichen Opfers erfährt der Leser viel über die damalige Zeit und die Zustände in den Lagern.
    Nicht nur die Hauptfiguren sind detailreich herausgearbeitet, auch den Nebenfiguren wird auf gekonnte Art Leben eingehaucht. Durch die kleinen persönlichen Fehler und Launen der Figuren, werden sie greifbar und lebensnah.
    Entstanden ist eine Geschichte, die den Leser sehr schnell fesselt und nicht mehr loslässt. Am Ende blieb ich nachdenklich zurück. Gleichzeitig bin ich aber auch gespannt auf die nächste Geschichte um Gina Angelucci.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Jun 2019 

    Ein Cold Case, der einen nicht kalt lässt

    In dem idyllischen Dorf Altbruck werden die Gebeine eines Mannes und einer Frau gefunden, die wohl schon vor Jahrzehnten verscharrt worden waren. Offenbar sind die Knochen durch Bauarbeiten freigelegt worden.
    Gina Angelucci, Lebenspartnerin von Tino Dühnfort, den so mancher Leser aus der Dühnfort-Reihe der Autorin kennen wird, ist Spezialistin für alte, ungelöste Fälle und kehrt gerade aus der Elternzeit zurück. Voller Elan, aber auch voller Empathie für die Opfer und deren Familien, widmet sich Angelucci dem Fall, stößt dabei aber auf allerlei Vorbehalte seitens des Oberstaatsanwalts, aber auch einiger Dorfbewohner. Allen voran der Bürgermeisters und natürlich auch der Besitzers der beteiligten Baufirma versuchen, Gina Angeluccis Arbeit zu behindern. Immerhin müssen die Bauarbeiten für das örtliche Gewerbegebiet ruhen, bis die Ermittlungen angeschlossen sind.
    Durch spezielle Analysen kann die Gerichtsmedizin feststellen, dass es sich um die sterblichen Überreste eines jungen Mannes, der aus der Region stammt, und einer jungen Frau aus dem Baltikum handeln muss. Schnell rückt die ehemalige ,,Heeresmunitionsanstalt“, die sich zur Zeit des 2. Weltkriegs in Altbruck befunden hatte, in den Fokus. Dort wurden u.a. Strafgefangene, aber auch Zwangsarbeiter aus dem Baltikum eingesetzt. Diese Vergangenheit wollen aber die meisten lieber ruhen lassen.
    In relativ kurzen Kapiteln rücken immer wieder verschiedene Personen in den Fokus. Neben den Personen der Gegenwart wie z.B. Ella Loibl, die die Gebeine gefunden hat, gibt es zahlreiche weitere Familienmitglieder, die seit Jahrzehnten miteinander zerstritten sind. Diese Familiengeschichte wird geschickt mit dem Schicksal der baltischen Zwangsarbeiterin Kairi verknüpft. In einzelnen Kapitel darf auch sie, mit Hilfe eines aufgefundenen Tagebuchs, zu Wort kommen. Dadurch wird ihr Schicksal besonders eindrücklich und anrührend geschildert.
    Auch das Privatleben Angeluccis und Dühnforts mit ihrer Tochter Chiara, die das Down-Syndrom hat, kommt nicht zu kurz.
    Löhnig versteht es, Vergangenes anschaulich und spannend mit aktuellen Themen zu verknüpfen und dies durch einen lockeren, unanstrengenden Stil unterhaltsam zu vermitteln.
    Das Ende bleibt, nicht für den Leser, aber für einige Beteiligten, offen. Dies empfinde ich aber als durchaus realistisch.
    Mein einziger Kritikpunkt ist, dass manches aktuelle Thema etwas zu bemüht eingebaut wird, z.B. die Stalkerin, die an Gina Rache üben will, oder der der Opferschutz-Beauftragte Seidl, der nicht nur konservativ, sondern auch noch Anhänger der Identitären Bewegung ist. Diese Nebenstränge sind meiner Meinung nach unnötig.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Jun 2019 

    Cold Case um alte Schuld

    Alter Hass, über Jahre gereift und vertieft - in Ingrid Löhnigs Kriminalroman "Unbarmherzig" trifft das gleich mehrfach zu. Eine Familienfehde in einem bayerischen Dorf, die Generationen überdauert, aber auch der lang gehegte Groll auf die Polizei begegnen Gina Angelucci von der Münchner Kripo bei ihren dienstlichen Ermittlungen sowie im privaten Umfeld.

    Die Spezialistin für ungelöste Fälle, frisch aus der Elternzeit zurück, bekommt mit ihrem ersten Fall seit der Rückkehr in den Kripo-Dienst mit einem jahrzehntealten Altfall zu tun: Nach Bauarbeiten werden in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei skelettierte Leichen gefunden. Die Kommissarin hat Mühe, ihre Vorgesetzten von der weiteren Untersuchung des Falls zu überzeugen - schließlich könnten der oder die Mörder selbst schon lange tot sein. Doch die Gerichtsmedizinerin findet bei der Analyse der Knochen heraus, dass eines der Skelette zu einer Frau aus dem Baltikum gehört, das andere zu einem Mann, der nie außerhalb der Region gelebt hatte.

    Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Altbruck eine Munitionsfabrik - war die tote Frau eine Zwangsarbeiterin? Handelt es sich um ein Kriegsverbrechen, das damit auch nicht verjährt wäre? Nicht nur bei der Kripo sind die Meinungen geteilt, ob der Fall weiterverfolgt werden soll, auch in Altbruck gibt es Menschen, die eine gründliche Aufarbeitung des Fundes und damit auch der Nazi-Vergangenheit des Dorfes fordern und solche, die die Vergangenheit buchstäblich begraben lassen wollen.

    Für Gina ist klar: sie will den unbekannten Toten ihren Namen zurückgeben. Irgendwo, so ist sie überzeugt, leben Angehörige in qäulender Ungewissheit, was aus ihren Liebsten geworden ist.

    Während die Ermittlungen in der Gegenwart fortschreiten, führt ein zweiter Erzählstrang in die Vergangenheit, zu Kairi, einer jungen Frau aus Riga, die in die Heeresmunitionsanstalt in Altbruck verschleppt wurde, die unter Schuldgefühlen wegen der Verhaftung ihres Vaters leidet und von einer Rückkehr nach Lettland träumt. Gleichzeitig erfährt der Leser von zwei verfeindeten Schwestern, von einem Failienkonflikt, der über Generationen getragen wird. Ist eine Versöhnung noch möglich, oder ist die Kluft unüberbrückbar?

    Vergangenheit und Gegenwart sind eng verbunden, das findet nicht nur Gina im Laufe ihrer Arbeit in Altbruck hinaus. Dass das menschenverachtende Denken aus der Nazizeit nicht einfach Teil der Vergangenheit ist, muss sie als Mutter einer kleinen Tochter mit Down-Syndrom ebenfalls erfahren. Zudem fühlt sich Gina von einer Unbekannten beobachtet - droht Gefahr im privaten Umfeld?

    Die Zeitsprünge, die Inge Löhnig ihren Lesern präsentiert, verwirren nicht, sondern helfen beim Verständnis, was einst in Altbruck passiert ist. Der Kriminalfall ist gut eingebettet in die Frage nach dem Umgang mit vergangenem Unrecht und der Verantwortung von Nachgeborenenen, ohne moralisierend daher zu kommen. Bei der Suche nach dem Täter präsentiert die Autorin ein paar Sackgassen und falsche Spuren - das Ende ist durchaus überraschend und versöhnlich, ohne in Kitsch abzugleiten,

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Jun 2019 

    Spannend

    Gina Angelucci kehrt nach der Elternzeit zur Kripo München zurück. Ihr erster Fall führt in ein idyllisches Dorf, in dem zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt waren. Gina macht sich an diese scheinbar unlösbare Aufgabe. Doch dann gibt es einen Hinweis, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt.

    Dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen.
    Der flüssige Schreibstil ließ sich sehr gut lesen. Die Beschreibungen waren detailliert und bildhaft, so dass gute Bilder vor Augen hatte. Obwohl ich den ersten Band um Gina Angelucci nicht kenne, hatte ich keinerlei Probleme, in die Geschehnisse hineinzufinden und die Zusammenhänge zu verstehen.
    Die Charaktere wurden gut beschrieben und detailliert ausgearbeitet. Ich konnte sie mir gut vorstellen und sie auseinanderhalten. Die jeweiligen Gedanken und Entscheidungen etc. waren schlüssig und nachvollziehbar, insbesondere die Ermittlungen von Gina.
    Der Plot war prima durchdacht und die Zusammenhänge nicht durchschaubar. Die Verbindungen reichten bis in den zweiten Weltkrieg zurück, was ich sehr interessant fand.
    Die Spannung wurde sehr gut aufgebaut und hielt sich auf Grund falscher Fährten bis zum Ende bei mir.
    Neben dem Kriminalfall gab es auch im Privatleben von Gina und ihrem Mann Tino eine Gefahr zu meistern, was die Story für meinen Geschmack prima abrundet.

    Ein spannender und fesselnder Krimi, der mir gut gefallen hat. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Jun 2019 

    Ein ungewöhnlicher Kriminalfall, der zugleich nachdenklich macht

    Inhalt & Handlung:
    Im kleinen Dörfchen Altbruck werden die sterblichen Überreste zweier Menschen gefunden. Aufgrund der Verletzungen an den Schädelknochenwird bald klar, dass die Toten Opfer einer Gewalttat geworden sind. Aus diesem Grund nimmt sich Gina Angelucci, ihres Zeichens Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, dieses Falles an. Sie ist eben erst aus ihrer Elternzeit zurückgekehrt und brennt nun darauf, wieder in ihrem alten Job Erfolge zu verbuchen, während sich ihr Kollege und Ehemann Tino, nun um die gemeinsame, an Trisomie 21 leidenden Tochter kümmert.
    Mit Hilfe forensischer Methoden gelingt es, die Identität der Toten zu klären. Gina wird dadurch auf eine Zeitreise zurück in die Zeit des ausklingenden Zweiten Weltkrieges geschickt, da es sich bei dem einen Opfer um eine lettische Zwangsarbeiterin namens Kairi gehandelt hat. Wird es Gina gelingen, diesen Doppelmord nach so langer Zeit und mit so dürftigen Informationen restlos zu klären, und den Täter –sofern dieser überhaupt noch am Leben ist – zur Verantwortung zu ziehen?

    Schreibstil:
    lnge Löhnig versteht es in ihrer Erzählung meisterhaft, zwischen den Ermittlungen in der Gegenwart und den Schauplätzen in der Vergangenheit hin-und her zu springen, was der Geschichte sehr viel Leben einhaucht und die schier ausweglose Situation und das triste Dasein der baltischen Zwangsarbeiter dieser Zeit besondere Dramatik verleiht.
    Die Figuren haben hier allesamt Ecken und Kanten, was sie sehr menschlich wirken lässt und die ganze, an sich fiktive Geschichte sehr authentisch und glaubwürdig erscheinen lässt und die Geschichte umso fesselnder werden lässt.

    Charaktere:
    Die Figur der Gina Angelucci lernt man hier nicht nur als hartnäckige Ermittlerin kennen, sondern auch als liebevolle Mutter eines Kleinkindes mit Downsyndrom. Die Idylle ihres doch recht ungewöhnlichen Privatlebens wird jedoch durch eine Stalkerin getrübt, die ständig in der Nähe des Wohnhauses auftaucht und die Familie Angeluccis zu beobachten scheint. Gina selbst wirkt sympathisch und natürlich - ein Mensch wie Du und ich eben!
    In Rückblicken lernt man auch die Zwangsarbeiterin Kairi kennen, die so früh ihr Leben lassen musste, und die durch eine unbedarfte Aussage nicht nur ihr eigenes Leben gefährdet sondern auch das Leben ihres Vaters aufs Spiel setzt und die ihren jugendlichen Leichtsinn bitter bezahlt, indem sie als Zwangsarbeiterin nach Altbruck verschleppt wird. Ihr Leben in der Fremde ist fortan von Entbehrungen und Übergriffen geprägt, Augenblicke des Glücks scheinen in diesem Leben keinen Platz zu haben.

    Cover:
    Das Cover mit der düsteren Landschaftsaufnahme wirkt auf mich irgendwie bedrohlich und hat großen Wiedererkennungswert.

    Autorin:
    Inge Löhnig wurde in München geboren und studierte dort an der Akademie U5 Grafik-Design. Nachdem sie jahrelang als Art Directorin bei diversen Werbeagenturen gearbeitet hatte, machte sie sich danach mit einem Design Studio selbständig und arbeitet heute als Grafik-Designerin und Autorin. Sie lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von München.

    Sprecherin:
    Vera Teltz als Sprecherin mit ihrer wirklich angenehmen Stimmlage, ist ein echter Glücksgriff für dieses Hörbuch! Mal emotionslos wie eine Nachrichtensprecherin, mal bekommt ihre Stimme einen sanften, liebevollen Unterton – etwa bei der Beschreibung jener Szenen, in denen Gina sich mit ihrer Tochter kommuniziert. Darüber hinaus schafft sie es, jedem Charakter seine eigene Stimme zu verleihen.

    Meinung:
    Ein vom Aufbau sehr ungewöhnlicher Kriminalroman, die Klärung eines Verbrechens, das bereits so lange zurückliegt, stellt für den Leser anfangs ein schier unlösbares Problem dar, zumal nicht einmal die Identität der Toten feststeht! Aber dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Untersuchungsmethoden kann auch diese Hürde bezwungen werden.
    Am Ende wird dem Leser zwar eine Lösung präsentiert, ob er damit allerdings zufrieden ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil fand das Ende eher unbefriedigend.
    Was man diesem Roman allerdings zugutehalten muss, ist dass die hier aufgegriffene Problematik der Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg einen nachhaltig sehr beschäftigt und zum Nachdenken anregt. Wie viele ähnlich geartete Schicksale mag es wohl in der Realität gegeben haben?

    Persönliche Kritikpunkte:
    Der ständige Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit bringt es mit sich, dass man mit einer Fülle an Namen unterschiedlich relevanter Personen konfrontiert wird. Gerade bei einem Hörbuch wird das teilweise zum Problem, so musste ich gerade am Anfang der Geschichte das Hörbuch öfters zurücksetzen, weil ich durch die Vielzahl der Namen durcheinander gebracht wurde!
    Mit Fortschreiten der Geschichte kam ich aber immer besser damit zurecht.

    Fazit:
    Ein (Hör-) Buch, dass ohne viel Blutvergießen auskommt, das aber auch zum Nachdenken anregt!

  1. 3
    (3 von 5 *)
     - 09. Jun 2019 

    Alte Schuld

    In Inge Löhnigs „Unbarmherzig“ bearbeitet Gina Angelucci ihren zweiten Fall als Spezialistin für ungelöste Fälle bei der Münchener Kripo. Dieser 384-seitige Kriminalroman ist im Mai 2019 bei Ullstein erschienen.
    Nach zweijähriger Elternzeit nimmt Gina Angelucci gerade wieder ihren Dienst bei der Münchener Kripo auf, als im nahegelegenen Altbruck auf einem Kiesabladeplatz Knochen einer männlichen und einer weiblichen Leiche entdeckt werden, die dort vor 70 bis 80 Jahren verscharrt worden sind. Trotz erheblicher Widerstände nimmt sich Gina dieses Falles an, der sie tief in die nationalsozialistische Vergangenheit dieses Örtchens führt – und an der Fehde zweier Familien teilhaben lässt, die schon Jahrzehnte währt.
    Krimis und Romane, die sich mit der Aufarbeitung der deutschen NS-Vergangenheit beschäftigen, gibt es zuhauf, und gerade in den letzten Jahren hat man – nicht zuletzt aufgrund der erneut erstarkenden Rechten – das Gefühl, ihre Zahl nähme wieder zu. Und Stoff, den es aufzuarbeiten gibt, bietet die Geschichte genug; in diesem Roman geht es um das Schicksal von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in einem kleinen bayrischen Dorf.
    Nach einem Prolog aus der Vergangenheit, in dem der Mord geschildert wird, geht es unmittelbar in der Gegenwart mit dem Auffinden der Knochenreste weiter. Obwohl der Kommissarin immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, schafft sie es, die Identität der Leichname aufzudecken und nach und nach ihre Geschichte zu enthüllen. Interessant ist, dass am Ende der Fall für die Leserinnen und Leser logisch und nachvollziehbar aufgeklärt wird, für die Protagonistin und andere Romancharaktere am Ende jedoch einige Fragen offen bleiben. Dabei schafft es die Autorin, ein kontinuierliches Spannungslevel, freilich ohne besondere Höhen und Tiefen, aufrechtzuerhalten und somit die Leserschaft bis zum Ende miträtseln und spekulieren zu lassen.
    Der Roman ist auf zwei Zeitebenen geschrieben: Neben den aktuellen Ereignissen gibt es von Zeit zu Zeit kursiv gedruckte Einschübe aus der Vergangenheit, die das Geschehen immer wieder in einem neuen Licht erscheinen lassen. Somit ist man als Leser/in immer wieder eingeladen, sich die Zusammenhänge selbst zusammenzureimen.
    Das Thema Nationalsozialismus und Rechte durchzieht den gesamten Roman: Sei es die Geschichte an sich, unser Umgang mit der Vergangenheit, die Frage nach der Akzeptanz von Migrant/innen oder unsere Akzeptanz von Behinderten (Gina selbst hat ein Kind mit Down-Syndrom). Leider erschien mir an manchen Stellen hier der aktuelle Bezug ein wenig zu viel des Guten, z.B. als sich auch noch ein anderer Kripo-Mitarbeiter als Rechter entpuppt. Insgesamt hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass einige Themen eher oberflächlich angegangen wurden, z.B. wenn es auch um das Schicksal der baltischen Republiken geht.
    Da es sich um eine Romanreihe handelt, kommt natürlich auch Ginas Geschichte und die ihrer Familie nicht zu kurz, aber auch als Neueinsteiger/in in diese Reihe kann man diesem Geschehen problemlos folgen. Allerdings hat die Autorin auch hier Dinge aufs Tapet gebracht, die meiner Meinung nach überflüssig sind.
    Löhnigs Sprache ist schnörkellos und flott zu lesen, es fehlt auch nicht an sprachlichem Lokalkolorit, sodass man beim Lesen schnell voranschreitet. Jedoch fehlt es mir an der einen oder anderen Stelle an Tiefe, besonders bei der Schilderung vom Schicksal der Zwangsarbeiter/innen. Selbiges gilt für die Charaktere, die zwar durchweg lebensnah gezeichnet sind, aber dennoch etwas blass wirken.
    Insgesamt handelt es sich bei „Unbarmherzig“ um einen solide konstruierten Kriminalroman. Von mir gibt es mit drei von fünf Sternen eine Leseempfehlung, doch restlos überzeugen konnte mich der Roman nicht. Dazu fehlt es an Tiefgründigkeit und Spannung.