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Rezension Rezension (2/5*) zu Das Verschwinden der Stephanie Mailer: Roman von Joël Dicker.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Literaturhexle, 21. April 2019.

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  1. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Beiträge:
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    Platt und mit Klischees überfrachtet

    Die Geschichte wird grundsätzlich auf zwei Zeitebenen erzählt. Die eine spielt vor rund 20 Jahren und steht mit einem furchtbaren Vierfachmord in Zusammenhang, der bereits auf den ersten Seiten geschildert wird: Am 30.07.1994 wurden im kleinen Badeort Orphea der Bürgermeister samt Ehefrau und Sohn sowie eine Joggerin brutal erschossen. Da zur gleichen Zeit ein großes Theaterfestival stattfand, waren die Straßen ausgestorben und es gab keine Zeugen. Mit dem Fall betraut wurden damals zwei junge Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott. Bereits nach relativ kurzer Ermittlungsdauer konnten einen Mörder präsentieren. Der Fall galt als gelöst.

    Auf der zweiten Zeitebene im Sommer 2014 recherchiert die Journalistin Stephanie Mailer erneut an dem Vierfachmord von einst und konfrontiert Rosenberg kurz vor dessen Ausscheiden aus dem Polizeidienst mit dem Vorwurf, damals den falschen Täter überführt zu haben, weil etwas Offensichtliches übersehen worden wäre. Dieser Vorwurf lässt den Ermittler nicht kalt und er beginnt erneut, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Dabei wird er sowohl von seinem langjährigen Kollegen Derek Scott als auch von einer relativ neuen Kollegin namens Anna Kanner unterstützt. Tatsächlich tun sich Ungereimtheiten auf. Als sich Rosenbaum erneut mit der Journalistin verabredet, kommt diese nicht zum Treffpunkt und scheint unter mysteriösen Umständen verschwunden zu sein… Ein Kriminalroman kann kaum spannender beginnen!

    Nun werden laufend die Perspektiven gewechselt, nicht nur die besagten zwei Zeitebenen, sondern auch die erzählenden Personen verändern sich. Anfangs sind es im Wesentlichen die drei Ermittler, später treten auch andere Personen hinzu. Zunächst hat mir das sehr gut gefallen, zumal mir diese Art des Erzählens aus Dickers Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ bekannt war. Ich hatte die Erwartung, dass all die begonnenen Fäden weitergeführt würden, um am Ende ein großes Ganzes zu ergeben, indem der Vierfachmord auch nach 20 Jahren noch aufgeklärt würde.

    Natürlich gibt es am Ende des Kriminalromans auch eine Lösung des Falles. Der Weg dorthin gestaltete sich für mich aber extrem steinig. Abgesehen von den drei Ermittlern sind fast alle Figuren überwiegend unglaubwürdig in ihren Handlungen und nehmen Entwicklungen, die nicht zum ursprünglich gezeichneten Charakter passen. Die Überzeichnung nahm zum Teil ein solches Maß an, dass ich mich vor lauter Unmut über die klischeebehafteten Dialoge, das fortlaufende Gebrüll und die stereotypen, eindimensionalen Figuren nicht mehr auf die eigentliche Handlung konzentrieren konnte.

    Die einzelnen Abschnitte sind zwar immer mit der genauen Zeitangabe überschrieben, die Verbindungen der einzelnen Handlungsstränge, die schlussendlich auch eine Lösung des Falles suggerieren, wirken aber überkonstruiert und lassen über weite Strecken die Glaubwürdigkeit vermissen. Auch werden Nebenhandlungen eingeflochten, die nicht in den gesamten Kontext passen wollen.

    Während ich die beiden bisherigen Roman Joel Dickers mit großer Freude und Faszination gelesen habe, bin ich von diesem hier sehr enttäuscht. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass derselbe Autor, der bislang seine Leser mit schriftstellerischem Talent und intelligent konstruierten Plots beeindruckt hat, hier so ein plattes, mit Klischees überfrachtetes Werk vorlegt. Ob es wohl dafür einen Ghostwriter gab…?

    Alles Spekulation. Vielleicht werden Leser, die weniger empfindlich in Bezug auf Schreibstil und Stereotype sind, mehr Freude an dem Roman haben. Vielleicht kann der ein oder andere auch über die völlig überzeichneten Charaktere lachen. Vielleicht muss man das Buch als reine Entspannungslektüre lesen. Keine Ahnung.
    Ich kann den Roman definitiv nicht empfehlen und komme in meiner Bewertung über zwei Sterne nicht hinaus.


     
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