Rezension (4/5*) zu Die Dringlichkeit der Dinge von Markus Grundtner

wal.li

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1. Mai 2014
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Gesetz der Liebe

Nach dem Ablegen der Prüfungen hat der Jungjurist Mathias Gandt in Wien einen festen Plan. An erster Stelle soll die Karriere stehen. Sein erstes Bewerbungsgespräch bei dem angesehenen Anwalt Dr. Gehringer läuft gut. Um Punkt 18:00 wird der Anwalt anrufen, dann ist die Stelle sicher. Erfolgt kein Anruf, sind weitere Bewerbungen notwendig. Während der Wartezeit nimmt Mathias Gandt ein Buch aus einen öffentlichen Regal. Als die ehemalige Besitzerin den Roman zurückhaben möchte, hält Gandt erstmal einen Vortrag über Sachenrecht. Für ihn überraschend endet sein Vortrag in einem Bus nach Triest, denn die ehemalige Buchinhaberin braucht einen Begleiter für eine Wohnungsbesichtigung.

Mit Paragrafenzeichen sind die Überschriften in diesem Roman versehen. Und wie ein Paragrafenreiter spricht Mathias Gandt manchmal. Eine Klaudia vom Bücherregal war im Lebensplan des Juristen Gandt nicht vorgesehen. Und doch ist sie mit ihrem Koffer in sein Leben gestürmt und Mathias macht plötzlich Dinge, die er nie erwartet hätte. Doch wo Klaudia spontan ist, hat er seine To-do-Listen. Man könnte also sagen, die beiden sind sehr unterschiedlich. Und dann ist da ja auch noch die Arbeit und die Anwaltsprüfung, für die es akribisch zu lernen gilt. Kann die Beziehung von Klaudia und Mathias überhaupt glücklich werden.

Schon die Idee einen trockenen Österreichischen Juristen und eine temperamentvolle Italienische Lehrerin eine Bekanntschaft machen zu lassen, ist witzig. Und auch die Ausgestaltung lässt nichts zu wünschen übrig. Mathias Gandt ist auf seine verschrobene Art sympathisch und Klaudia, die ihren Lebensplan offen verkündet, auch. Herrlich, wie die beiden manchmal aneinander vorbei reden und sich schließlich doch wieder treffen. Die Dringlichkeit wird beim Lesen klar und so erleben Mathias ein Jahr, für das andere durchaus zwei oder drei zur Verfügung haben. Man fragt sich, wie das gutgehen soll und freut sich, wenn doch immer wieder Lösungen zustande kommen, auch wenn Mathias dafür erst einen Vertrag aufsetzen muss. Ein Glücksvertrag mit dem Leser - eine Entdeckung von der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2022.