Vom Dazwischen: Erzählungen/Kurzprosa

Buchseite und Rezensionen zu 'Vom Dazwischen: Erzählungen/Kurzprosa' von Victoria Hohmann
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Eine junge Frau in der Fremde, ein Maler in der Schaffenskrise, ein Mädchen, das sich zu seiner Homosexualität bekennt, ein Hasskommentare Schreiber, eine Frau im Griff einer Angster-krankung, eine andere im Griff ihres Smartphones, ein frustrierter Familienvater, ein angetrunkener Existenzialist, sogar eine Unbekannte in einer Wand.

Getragen von einer assoziativen, bildreichen Sprache, entfaltet sich in zwölf Geschichten ein Mikrokosmos von Schicksalen mit oftmals unverhofften Wendungen.

Format:Kindle Edition
Seiten:124
EAN:

Rezensionen zu "Vom Dazwischen: Erzählungen/Kurzprosa"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Dez 2018 

    Von einer, die auszog um das „Vom Dazwischen“ zu ergründen

    Tretet ein, liebe Leserinnen und Leser. Tretet ein, macht´s euch gemütlich, nehmt euch von den kostenlosen Getränken und Knabbereien. Gleich beginnt die Vorstellung.

    (Vorhang geht auf)

    Hallo und Herzlich Willkommen in der Rezension zu „Vom Dazwischen“ von Victoria Hohmann.

    „Dazwischen“ – ein kleines Wort mit so vielen Variations- und (Be-)Deutungsmöglichkeiten, wie es Sand am Meer gibt. Man sitzt „zwischen“ den Stühlen, liest „zwischen“ den Zeilen, steht „zwischen“ zwei Menschen – die Liste ließe sich endlos fortführen.

    Da das auch Victoria Hohmann klar war, hat sie sich auf 12 Geschichten „Vom Dazwischen“ konzentriert und in ihrem eigenen kleinen, aber feinen Verlag veröffentlicht. Das vorliegende Buch ist nach „Von Verwandlungen“ ihr zweites mit Kurzgeschichten, Kurzprosa und Erzählungen und zählt für mich wie bereits der Vorgänger zu den Highlights im jeweiligen Lesejahr.

    Victoria Hohmann gibt der Sprache eine ganz eigene Sprache. In manch einer ihrer Geschichten kümmert sie sich nicht um „gängige“ Sätze, sie setzt Satzzeichen dort, wo die Leserinnen und Leser sie niemals gesetzt hätten, jongliert innerhalb bzw. nach den Einwortsätzen mit den zuvor benutzten Worten, stellt sie um, stellt sie vor, stellt sie nach – mancher Wechsel ist rasant, zu schnell für das langsame Gehirn des Normallesers, um zu registrieren, was da gerade passiert ist. Von daher muss ich an dieser Stelle eine (ernst-, aber nicht zu ernstgemeinte) Warnung aussprechen: lest die (meisten) Texte niemals, hört ihr, niemals, wenn ihr müde, abgespannt, genervt oder krank seid. Sie erfordern eure ganze Aufmerksamkeit und sind beleidigt, wenn sie die nicht kriegen (ja, auch Texte haben eine Seele und reagieren sensibel, wenn man nicht angemessen auf sie eingeht – ich durfte es am eigenen Leib erfahren!). Ein Autor, auf den das ebenfalls zutrifft ist Franz Kafka!

    Apropos Kafka: Victoria Hohmann´s Texte sind an der ein oder anderen Stelle genauso kafkaesk wie die vom Meister selbst und deshalb für mich auch so faszinierend (wenn ich mich denn auf sie einlassen kann *g*). Wie bereits angemerkt, spielt die Autorin gerne mit Worten wie mit Jonglage-Bällen, schenkt den Leserinnen und Lesern (reinen) Wortwein ein („Fado – eine vollmundige Trunkenheit“ sei hier als bestes Beispiel genannt), so dass selbige verwirrt und „besoffen“ zurückbleiben und zunächst den Kopf schütteln ob der Wirren in den Windungen ihres Kopfes.

    Die Geschichten in „Vom Dazwischen“ sind so vielfältig wie das Leben, sie lassen einen lachen, sie lassen einen weinen, man denkt hier einmal nach, liest dort ein zweites (drittes, drölfzigstes Mal), denkt noch mal nach und kommt schlussendlich zu dem Schluss, dass einem die nicht alltäglichen Alltagsgeschichten doch verdammt bekannt vorkommen.

    Wer also nach nicht alltäglicher und vor allem lange nachhallender Literatur sucht, keine Angst vor Wortspielereien hat und eine indirekte „Nachfolgerin“ von Franz Kafka kennenlernen will, sollte sich „Vom Dazwischen“ zulegen.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

    (Vorhang schließt sich)