Die Gärten von Monte Spina: Roman

Rezensionen zu "Die Gärten von Monte Spina: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Nov 2019 

    Die heilende Kraft der Natur

    Toni Andersens Leben gerät völlig aus den Fugen, als sie ihren geliebten Mann verliert. Und so bricht sie alle Brücken hinter sich ab, um als Gärtnerin in den berühmten Anlagen von Beaulieu House zu arbeiten. Doch dann taucht eines Tages die Amerikanerin Lou bei ihr auf, um sie abzuwerben. Auf der Insel Monte Spina vor Lanzarote soll sie sich um den Garten des Anwesens kümmern. Besitzer ist ein gewisser Max Bror, dem ein Ruf als Unmensch vorauseilt. Niemand hat es bisher länger in seinem Dienst ausgehalten, doch nach einigen Auseinandersetzungen mit dem gut aussehenden Geschäftsmann, beginnt Toni, ihm die Stirn zu bieten und findet nach und nach in ein Leben ohne ihre große Liebe zurück.

    Schon die Aufmachung des Buches mit seinem farbenfrohen Cover und den Illustrationen, die den Anfang eines jeden Kapitels schmücken, machen Lust auf Urlaub und Natur. Die Protagonistin Toni ist eine sympathische, aber zu Anfang noch zutiefst verunsicherte junge Frau. Sie vergräbt sich in die Gartenarbeit und geht jeglichem Kontakt mit anderen aus dem Weg. Erst in der Auseinandersetzung mit ihrem Arbeitgeber, der sich am Leid anderer zu ergötzen und Spaß daran zu haben scheint, andere zu quälen, wächst sie über sich hinaus. Der Garten von Monte Spina ist dabei wie eine Metapher für das Leben. Mit Liebe und Fürsorge erblüht er, aber es wird darin auch immer Unwetter und Zerstörung geben. Auch auf Max Bror scheint er eine lindernde Wirkung zu haben - auf Monte Spina zeigt er sich immer am menschlichsten.

    Henrike Scriverius erweckt den Garten und die Akteure darin mit ihren Worten zum Leben. Ihr Schreibstil liest sich angenehm und flüssig, die Seiten des mit etwas über 300 Seiten recht kurzen Buches fliegen nur so dahin. Dennoch lassen einige Klischees nicht allzu lange auf sich warten. So erinnert Max Brors in seiner Dominanz an Christian Grey, wobei sich diese hier weniger in sexuellen Dingen, sondern eher im alltäglichen Umgang mit seinen Angestellten und Geschäftspartnern äußert. Und natürlich hat auch Max Brors eine dunkle Seite an sich, eine Wunde, die nicht zu heilen scheint. Gärtnerin Toni möchte ihm über seine Verletzungen hinweghelfen, aber kann einen Menschen wirklich verändern oder ist sie in ihrem Denken einfach viel zu naiv?

    Der Autorin gelingt es trotz der Themen Liebe, Beziehung und Familienbande, die Geschichte nicht ins Verkitschte abrutschen zu lassen. Stattdessen bietet sie uns einige interessante Charakterstudien und wirft die Frage auf, wie viel ein Mensch ertragen kann, bevor er zerbricht. Ein angenehmer kleiner Roman nicht nur für Gartenfans und eine Autorin, von der man gerne noch mehr lesen möchte.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Sep 2019 

    Spannungsarme Handlung in schöner Kulisse...

    Monte Spina – eine wilde Insel vor Lanzarote, sucht einen neuen Gärtner, was nicht ganz einfach ist, denn außer Stille und Einsamkeit hat die kleine Privatinsel wenig zu bieten. Doch das kommt der dreißigjährigen Toni gerade recht, denn ihr Mann ist vor Kurzem bei einem Autounfall gestorben und der Sinn ihres Lebens mit ihm. Weit draußen im Atlantik trifft sie auf eine karstige Landschaft und auf Menschen, die sie alles andere als herzlich empfangen. Aber Sonne und harte Arbeit wecken neben ihren Lebensgeistern vor allem eins: ihre Neugier. Denn auf der schweigsamen Insel am Ende der Welt gibt es eine ganze Reihe von Merkwürdigkeiten: Warum blieben Tonis Vorgänger immer nur wenige Wochen? Wieso ist das oberste Stockwerk des Haupthauses tabu für sie? Und was steckt hinter dem abwesenden Besitzer der Insel, dem geheimnisvollen Bror, von dem alle nur im Flüsterton sprechen?

    Gefreut hatte ich mich hier auf einen Roman mit Urlaubsflair, angesiedelt in einem paradiesischen Setting auf einer kleinen, üppig blühenden Insel. Der Klappentext klang geheimnisvoll und versprach viele Emotionen. Doch habe ich das auch bekommen?

    Njein.

    Die blühende Insel bei den Kanaren wuchs beinahe aus jeder Seite des Romans - bildhaft und üppig rankten sich die Pflanzen um das Geschehen um Toni und die wenigen Bewohner des kleinen rauen Eilands. Dieser Aspekt hat mir sehr gefallen, und ja, ein wenig Urlaubsfeeling stellte sich auch ein.

    Die Handlung selbst allerdings konnte mich dagegen eher weniger überzeugen. Toni, die 30jährige Gärtnerin, die nach dem Tod ihres Mannes vor dem Leben flüchtet und schließlich auf dieser Insel landet, verkriecht sich selbst vor den wenigen Bewohnern von Monte Spina, weil sie ihre Ruhe haben will. Die Bewohner sind allesamt Angestellte, wie Toni auch, und ihrem Arbeitgeber gehört die Insel.

    Bror heißt der Besitzer von Monte Spina, und er ist fast nie da. Als reicher Geschäftsmann hat er viele Verpflichtungen und zieht sich nur selten auf seine Insel zurück. Doch stets wenn auch nur sein Name fällt, gerinnen die Stimmen zu einem Raunen, Warnungen werden laut, und die aufgestellten Regeln sollten besser beachtet werden.

    Nur zu bald soll Toni merken, dass die Warnungen ernstzunehmen sind. Bror ist ein bösartiger Charakter, verschlossen, gutaussehend und intelligent - und damit beschäftigt, die Schwachstellen anderer ausfindig zu machen, um sie dann verbal zu Boden zu schicken. Toni ergeht es nicht anders, doch trotz ihrer Tränen und ihrer Wut erwacht auch ihre Neugier.

    Weshalb ist Bror so geworden, niederträchtig, gemein und menschenverachtend? Wird Toni ihm zeigen können, dass das Leben auch schöne Seiten hat, dass sich Vertrauen in andere Menschen lohnt, dass es nicht weh tut, wenn man sich liebenswürdig zeigt? Toni, die kleine, zierliche, gebrochene Frau mit den wilden Locken, fühlt sich zu dem Besitzer der Insel merkwürdig hingezogen, auch wenn sie immer wieder vor den Kopf gestoßen wird...

    Erzählt wird aus der Perspektive Tonis, so dass der Leser mit ihr die raue kleine Insel im Atlantik erkunden kann, ihre Bewohner nach und nach kennenlernt und schließlich die Bekanntschaft mit Bror macht. Gemeinsam mit Toni entdeckt der Leser allmählich einige Hintergründe des misanthropisch anmutenden Inselbesitzers und spürt, wie bei der jungen Frau die Lebensgeister ganz allmählich wieder erwachen.

    Schade nur, dass die Charaktere für mich allesamt blass, klischeehaft und / oder unglaubwürdig waren. Toni beispielsweise wirkte auf mich trotz ihrer 30 Jahre ausgesprochen unreif und naiv. Dazu fand ich es sehr widersprüchlich, dass sie Bror einerseits trotzig und selbstbewusst die Stirn bot, sich andererseits aber immer wieder Dinge gefallen ließ, die eigentlich nur eine Konsequenz hätten zulassen können: Koffer packen und weg.

    Bror selbst wirkte auf mich nur selbstgefällig, bösartig und unsympathisch. Selbst als sich zeigte, dass er auch zu anderen Gefühlen als Verachtung in der Lage ist, konnte ich ihm das nicht so recht abnehmen. Gerade als ich dachte, wie unglaubwürdig der Wandel sei, geschah etwas, was die Handlung in die wiederum ganz andere Richtung trieb und in der extremen Form für mich ebenfalls nicht vorstellbar war.

    Trotz des anschaulichen Schreibstils, der ein flüssiges Lesen garantierte, konnte mich der Roman leider nicht in seinen Bann ziehen. Immer wieder legte ich das Buch zur Seite, um dann Tage später wieder einige Absätze weiterzulesen. Der Schluss ließ mich letztlich dann auch noch mit hochgezogenen Augenbrauen zurück. Wohlgemerkt: ich mag das Unerwartete - es sollte allerdings auch im Bereich des Vorstellbaren liegen.

    Ein eher schwerer Roman mit unnahbaren Charakteren und spannungsarmer Handlung in schöner Kulisse. Für mich leider nicht das Leseerlebnis, das ich mir erhofft hatte...

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Aug 2019 

    guter Roman für Zwischendurch

    Monte Spina - eine einsame Insel vor Lanzarote, sucht einen neuen Gärtner, was nicht ganz einfach ist, denn außer Stille und Einsamkeit hat die kleine Privatinsel wenig zu bieten. Doch das kommt der dreißigjährigen Gärtnerin Toni gerade recht, denn ihr Mann ist gerade bei einem Autounfall gestorben und der Sinn ihres Lebens und alle ihre Liebe mit ihm.

    Das Cover ist mit der herrlichen Landschaft ein Blickfang und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich - sehr schön gestaltet.

    Die Charaktere sind schön dargestellt und man kann sich auch gut in sie hineinversetzen. Die Idee für die Geschichte hat mir gefallen und das Buch ist auch schön aufgebaut. Jedoch könnte das Buch meiner Meinung nach noch etwas tiefgründiger sein - eine Spur mehr an Gefühle (die definitiv vorhanden waren) hätten meiner Meinung nach dem ganzen noch einen besonderen Touch verpasst.
    Das Buch hat mich gut unterhalten und ich würde von der Autorin wieder eines lesen.

    Auch wenn mir das Buch sehr gut gefallen hat, würde ich die Autorin noch nicht ganz auf gleiche Ebene wie Kate Morton und Co setzen.

  1. 3
    (3 von 5 *)
     - 02. Aug 2019 

    Moderne Variante eines viktorianischen Frauenromans

    „Jeder vertrocknete Stock, der auf einmal wieder Blätter zeigte, kam mir vor wie ein Schulterklopfen, und jede Blüte, die mir morgens entgegenleuchtete, fühlte sich an wie ein Lob.“ (Zitat Seite 44)

    Inhalt
    Die Gärtnerin Toni Andersen liebt Gärten, Parks und Pflanzen, so lange sie denken kann. Als ihr Mann nach einem Autounfall stirbt, ist sie erst 32 Jahre alt. Sie braucht Abstand und Beaulieu House in England wird ihr neuer Arbeitsplatz. Als ihr ein Job als Gärtnerin auf einer kleinen Privatinsel vor Lanzarote angeboten wird, lehnt sie zuerst ab, sagt dann doch zu. Die wilde Insel Monte Spina und die weitläufigen, vernachlässigten Gartenanlagen durchdringen ihre Trauer und sie blüht auf, so wie die von ihr betreuten Pflanzen. Für ihren Arbeitgeber, den reichen, arroganten Investor Max Bror ist die Insel ein Rückzugsort und er will durch nichts und niemanden gestört werden. Doch Toni spürt ein Geheimnis und Geheimnisse haben sie schon immer neugierig gemacht.

    Thema und Genre
    Dieser Frauenroman spielt auf einer kleinen Insel im Atlantik und wie der Titel schon sagt, geht es auch um Gartengestaltung, Parks und die wilde Schönheit der Natur. Die Hauptthemen sind jedoch Verlust, Trauer, Schuldgefühle, sowie Freundschaft und Liebe.

    Charaktere
    Toni Anderson ist Gärtnerin aus Überzeugung. Sie gibt sich die Mitschuld am Unfall ihres Ehemannes, was es ihr schwer macht, die Trauer zu verarbeiten. Sie ist eine Kämpferin und sagt immer ihre Meinung, auch dort, wo es klüger wäre, vorher nachzudenken. Sie interessiert sich für ihre Mitmenschen und was wie Neugierde aussieht, ist auch der Wunsch zu helfen.
    Max Bror ist sehr reich und hält die Menschen generell für käufliche Figuren, erkennt sofort die jeweilige Schwachstelle und spielt seine Spiele mit ihnen. Die Zusammenhänge, warum er so geworden ist, überzeugen mich nicht und die Gleichung „sehr reich = ekelhaft und überheblich“ ist mir zu stereotyp.

    Handlung und Schreibstil
    Die Hauptprotagonistin Toni erzählt ihre Geschichte rückblickend in der Ich-Form. Sie endet mit einem kurzen Epilog in der Gegenwart. Die Handlung erinnert an eine in die moderne Zeit transportierte Version des klassischen viktorianischen Romans. Eine selbstbewusste Protagonistin, hier Gärtnerin, statt wie im 19. Jahrhundert Gouvernante, die ihre Meinung sagt und Mr. Rochester, aus der Zeit gefallen, ist jetzt Max Bror, ein vermögender, überheblicher, charismatischer Arbeitgeber. Sehr gelungen sind die Beschreibungen der kleinen, wilden Insel. Die lebhafte Sprache macht das Lesen angenehm.

    Fazit
    Ich hatte auf Grund des Klappentextes und der Leseprobe mehr als diesen typischen Frauen-Unterhaltungsroman erwartet. Für Leserinnen, die dieses Genre gerne lesen und eine leichte Sommerlektüre suchen, die zum Träumen vom Meer, üppigen Gärten und prachtvollen Sonnenuntergängen auf einer kanarischen Insel einlädt, wird er perfekt sein.

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 10. Jul 2019 

    Schicksal nach Rezept

    Toni Andersen hat ihren Mann Leon bei einem Autounfall verloren. Als sie das Angebot erhält für den reichen Unternehmer Max Bror auf dessen Insel Monte Spina als Gärtnerin zu arbeiten, nimmt sie diese Chance zu einem Neubeginn wahr.
    Die Gärten von Monte Spina von Henrike Scriverius ist ein Schicksalsroman mit ganz einfacher Rezeptur. Man nehme: eine Frau, einen Schicksalsschlag, eine abgelegene Insel, ein Mann mit Vergangenheit und ein ungeheures Ereignis, das die beiden miteinander verbindet. Genauso wie sich das anhört, liest sich das Buch auch. Allein das Ende wartet mit einer kleinen Überraschung auf.
    Henrike Scriverius ist selbst Landschaftsarchitektin, aber die Sprache die sie Toni Andersen sprechen lässt, ist keine blumige. Sehr flapsig kommen die Dialoge daher. Für die Gärten von Monte Spina hätte sie sehr viel kreativen Spielraum. Eine kleine Insel, vorgelagert zu Lanzarote, das schreit ja geradezu nach opulenten Landschaftsbeschreibungen. Aber da hält die Autorin es wohl mit Thomas Bernhard, der Naturbeschreibungen für Unsinn hielt. Dafür lesen wir reichlich über Stringtangas und Nagellack der Sekretärin Louise und von den schlabberigen Shorts und ungezähmten Locken Tonis.
    Seichte Unterhaltung, die vor allem im Sommer keine Abkühlung bringt.