Rose Royal

Rezensionen zu "Rose Royal"

  1. Fallstricke

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Aug 2020 

    Dieses Buch war wieder ein Knaller! "Rose Royal" ist der Blick auf eine emanzipierte Frau. Und ein Blick auf eine neue Liebe. Ein Blick, der berührt und ein Blick, der aufwühlt. Gerade das Ende ist heftig. Was will der Autor uns damit sagen? Und es ist ein immens spannender Blick, die rund hundert Seiten vergehen wie im Flug, Spannend und auch intensiv, dennoch fragt man sich bei der Lektüre, wo es hingeht, und das erfährt man auf der letzten Seite. ...

    Rose ist fast 50 Jahre alt, sie hat einiges gesehen in ihrem Leben, Gutes und Schlechtes. Sie wirkt emanzipiert, legt sich eine Waffe zu, als Schutz vor aggressivem Verhalten, denn erlebt hat sie Aggressionen schon, möchte deshalb nie wieder ein Opfer sein. Sie hat eine Freundin, trifft sich mit dieser in Bars und lernt dort Luc kennen. Sie spürt sofort, dieser Mann ist anders, so charmant und zurückhaltend. Sie verliebt sich. Sie fliegt. Doch auch hier folgt eine Landung. Denn auch Luc kann anders, eines Tages fühlt er sich in seinem männlichen Stolz gekränkt und schlägt zu. Doch auch hier gibt es eine Vorgeschichte, eine Vorgeschichte, die Rose wegen ihrer Verliebtheit nicht mitbekommt. Und ist Rose wirklich so emanzipiert? Oder könnte man nicht eher sagen, wie emanzipiert sind wir alle? Wäre mir sein Verhalten aufgefallen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. ...

  1. Einfühlsame Studie

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Jul 2020 

    Ein bisschen mehr Tamtam um das spannende Psychogramm einer knapp Fünfzigjährigen Frau aus der Französischen Provinz hätte ich mir gewünscht vom Pric-Concourt-Preisträger Nicolas Mathieu in seinem neuen Kurzroman „Rose Royal“. Denn die Geschichte gibt es allemal her, dass man sie ausführlicher erzählt und vor allem nicht so abrupt enden lässt.
    Aber nichtsdestotrotz ist es ein äußerst lesenswerter eindrucksvoller Kurzroman, mit anhaltender untergründiger Spannung, sprachlich famos und vor allem eine schonungslose Studie über Abhängigkeiten, Angst vor der Einsamkeit, Melancholie und Gewalt zwischen Männern und Frauen.

    Rose möchte kein Opfer mehr sein, sie möchte männlicher Gewalt, die bisher ihr ganzes Leben seit den Kindertagen durch Vater und Bruder bestimmte, entkommen und gegenhalten. Sie kauft sich im Internet einen Revolver, den sie ständig mit sich herumträgt und der ihr Sicherheit und Aufregung zugleich verschafft. Sie schwört nach gescheiterter Ehe mit zwei erwachsenen Kindern und vielen mehr oder weniger erfolglosen Beziehungen, One-Night-Stands und Dates den Männern ab. Sie ist für ihr Alter noch sehr ansehnlich und achtet auf sich, ohne eitel zu sein, hat einen Job, eine kleine Wohnung und ein Auto. Das Tageshighlight besteht im genüsslichen Trinken nach Feierabend in der Bar „Royal“. Als sie Luc trifft, ändert sich für sie alles, sie hat die Chance, ihrem schäbigen kleinen Leben zu entfliehen, das rückblickend aus Sehnsucht und immer wieder hingenommener Gewalt geschildert wird.

    Einfühlsam schildert der Autor Nicolas Mathieu Rose, er versetzt sich bravourös in eine Fünfzigjährige Frau, die vom Leben gebeutelt zunächst aufgibt, sich wehren möchte und letztlich wieder in einer Gewaltspirale versinkt. Kleine Glücksmomente, die vom Alkohol genauso geprägt sind wie von einem toxischen Mann, der sie letztlich wie ein Strudel erfasst und hinabreißt, beschreibt der Autor treffsicher, er seziert und zerstückelt so das für seine Protagonistin erstrebenswerte glücklichere Leben als dumpfe und männlich beherrschte Falle, in die Rose immer weiter rutscht. Wie paralysiert liest man, wie Rose sich leidlich wehrt gegen physische und psychische Gewalt, im Alkohol Trost sucht und findet und sich letztlich treiben lässt.