Das Geheimnis der Muse

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Geheimnis der Muse' von Jessie Burton
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

London, 1967. Odelle Bastien, aus Trinidad nach England gekommen, um ihren Traum vom Schreiben zu verwirklichen, ergattert einen Job in der renommierten Kunstgalerie Skelton. Durch einen sensationellen Fund – ein Gemälde des seit dem Spanischen Bürgerkrieg verschollenen Künstlers Isaac Robles –, wird Odelle in eine Geschichte verstrickt, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellt. Denn um das Gemälde rankt sich ein folgenschweres Geheimnis, das ins Jahr 1936 zurückreicht, als Olive Schloss, eine begabte junge Malerin, in Andalusien auf den Künstler und Revolutionär Isaac Robles trifft. Eine Begegnung, die ungeahnte Konsequenzen nach sich zieht ... Zwischen dem schillernden London der Sechziger und dem schwülheißen Andalusien der Dreißiger entspinnt sich diese fesselnde und betörende Geschichte um große Ambitionen und noch größere Begierden.

Format:Broschiert
Seiten:461
Verlag: Insel Verlag
EAN:9783458363293

Rezensionen zu "Das Geheimnis der Muse"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Apr 2018 

    Unterhaltsam, opulent, süffig

    Zwei Zeitstränge, zwei junge Frauen, die durch eine geheimnisvolles Gemälde verbunden sind, machen diesen hervorragenden Roman aus.
    In Andalusien 1936 treffen die begabte Malerin Olivia Schloss und der Revolutionär Isaac Robles aufeinander. Kunst, Begierde und Rebellion stürzen die beiden in unaufhaltsame Ereignisse.
    Im London der 60er Jahre taucht ein Bild auf, das Isaac Robles zugeschrieben wird. Die junge Odelle, seit einigen Jahren aus Trindad ausgewandert, hat einen Job als Schreibkraft beim Skelton Institute of Art. Schreiben ist ihre Passion Ihre charismatische Chefin fördert und fordert sie. Bald ist Odelle der Anziehungskraft des Bildes und dessen Vergangenheit erlegen.
    Dieses hat mich von Anfang an mitgerissen. Mit großer Sympathie für ihre (vor allem weiblichen) Figuren nimmt die Autorin den Leser mit auf eine spannende Reise durch die Vergangenheit. Mit großer Begeisterung zur Kunst in Zeiten des Umbruchs beschreibt sie ein Lebensgefühl voller Kraft und Leidenschaft. Nicht nur um das besagte Gemälde rankt sich ein Geheimnis, auch um die Protagonistinnen. Gelungen verknüpft die Autorin die Zeitebenen, bis sich ein großes Ganzes ergibt.
    Das Geheimnis der Muse ist ein Unterhaltungsroman der besten Sorte, opulent, süffig, aber niemals belanglos. Ein herrlicher Schmöker, der einen nur so durch die Zeilen fliegen lässt.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Apr 2018 

    Die Geschichte eines Bildes

    Die junge Odelle aus Trinidad kommt auf der Suche nach einem besseren Leben in das nur scheinbar liberale London der sechziger Jahre. Nach einigen Jahren als Schuhverkäuferin (trotz Hochschulstudium) bekommt sie eine Stelle in einem Kunstinstitut, wo sich Quick, eine leitende Mitarbeiterin, ihrer annimmt. Als ein Freund Odelles ein Gemälde vorbeibringt um es schätzen zu lassen, gerät Quick völlig außer sich und stürzt davon. Odelle beginnt nachzuforschen, was es mit diesem Bild auf sich hat.
    Diese Geschichte wird immer wieder unterbrochen von einem zweiten Erzählstrang, der rund 30 Jahre zuvor im andalusischen Spanien einsetzt und die Entstehung des Gemäldes beschreibt. Harold, Kunsthändler, Sarah, seine begüterte Ehefrau und ihre gemeinsame 19jährige Tochter Olive sind vor dem sich bereits abzeichnenden II. Weltkrieg geflüchtet in der Hoffnung, dort in Frieden leben zu können, bis sich die Weltlage wieder beruhigt hat. Dort lernen sie die 16jährige Teresa und ihren älteren Bruder Isaac kennen, der nicht nur ein glühender Republikaner sondern auch Maler ist. Olive, die ebenfalls malt, fühlt sich sofort zu ihm hingezogen.
    Um es gleich vorweg zu schreiben: Nein, es ist keine schnulzige Liebesgeschichte unter der heißen Sonne Andalusiens vor dem Hintergrund der Revolutionswirren Mitte der dreißiger Jahre. Natürlich geht es auch um Liebe, doch die Geschichte zwischen Olive und Isaac ist nur ein Teil einer Erzählung über eine Gemeinschaft, die sich eher zufällig in der Verworrenheit dieser Zeit im ländlichen Spanien gefunden hat. Es geht um das Erwachsenwerden, die Situation der Frauen, die damaligen Gesellschaftsverhältnisse und nicht zuletzt um die Kunst an sich. Das ist ein bisschen viel auf einmal, und so wird Manches eher oberflächlich und plakativ dargestellt.
    Die Zeit der Sechziger in London wirkte auf mich deutlich überzeugender, was vielleicht auch daran liegen mag, dass Odelle hier als Ich-Erzählerin fungiert. Ich hatte das Gefühl als würde sie neben mir sitzen und konnte nicht aufhören zuzuhören bzw. natürlich weiterzulesen, zumindest zu Beginn. Leider hielt die Autorin diesen überaus süffigen Schreibstil nicht vollständig durch, dennoch blieb die Geschichte bis zum Schluss unterhaltsam.
    Alles in allem eine kurzweilige und auch spannende Lektüre mit kleinen Abstechern zur Kunst und in die Zeit der späten Sechziger Londons und des vorrevolutionären Spaniens.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Mär 2018 

    Das Leben ist voller Geheimnisse, entdecke sie!

    Da mich Jessie Burton bereits mit "Die Magie der kleinen Dinge" sehr begeistern konnte, war ich doch sehr neugierig auf ihr neustes Werk und wurde regelrecht überrumpelt von diesem besonderen Roman.

    In der Geschichte geht es um zwei Frauen, die sich gar nicht so unähnlich sind, die sich jedoch in verschiedenen Zeiten bewegen. Während Olive um 1936 den spanischen Bürgerkrieg miterlebt, hat Odelle im London von 1967 mit Diskriminierung zu kämpfen. Könnte es sein, dass die Frauen etwas miteinander verbindet?

    Während uns die Handlung um Odelle durch sie selbst als Ich- Erzählerin näher gebracht wird, erleben wir die Ereignisse in Spanien rund um Olive durch einen beobachtenden Erzähler. Einige Zeit habe ich mich gewundert, warum ich mich Odelle stets näher fühlte als Olive, was aber eindeutig an der Erzählperspektive liegt, einfach weil man beim Ich- Erzähler zu der Handlung auch noch dessen Gedanken und Gefühle kennt und sich deswegen mit dem Protagonisten besser idenzifizieren kann.

    Die Autorin fängt die jeweils beschriebenen Zeiten sehr klar ein. Man kann sich gut vorstellen wie es damals gewesen ist. Dennoch nimmt der geschichtliche Hintergrund niemals zu viel Raum ein, sondern findet immer nur hintergründig statt. Im Fokus stehen immer die handelnden Frauen in der Geschichte, was mir unglaublich gut gefiel.

    Der Roman bietet besondere Charaktere. Die Hauptakteure sind Frauen. Sowohl Odelle als auch Olive sind künsterlisch tätig. Während die Eine unglaublich gut schreiben kann, malt die andere mit einer Passion, die kaum zu fassen ist.

    Doch nicht nur die Hauptdarsteller sind gut gezeichnet, lebt die Geschichte doch auch durch Randfiguren wie Teresa, Marjorie Quick oder Lawrie Scott. Ich bin der Meinung, dass jeder Leser einen Akteur finden wird, mit dem er sich gut identifizieren kann.

    Im Roman nimmt auch die Kunst einen großen Raum ein. Frau Burton beschreibt hier sehr schön, was für eine Faszination Farben auf den Menschen ausüben können. Die im Buch vorkommenden Bilder konnte ich mir gut vorstellen.

    Zum Ende hin finden alle losen Fäden zusammen, keine Frage bleibt offen und der Leser erkennt die Zusammenhänge zwischen den beiden Handlungssträngen.

    Fazit: Ein Roman, der alles mitbringt, was ein Leser braucht: Spannung, Gefühl und sympathische Figuren. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Klasse!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Feb 2018 

    Wunderbar

    Im Roman „Das Geheimnis der Muse“ von Jessie Burton sind die Schicksale zweier unterschiedlichen Frauen miteinander verknüpft. Odelle Bastien kommt 1967 aus Trinidad ins Swinging London. Sie ist jung, lebenshungrig und will unbedingt Schriftstellerin werden. Für ihren Lebensunterhalt jobbt sie in einer Galerie und sieht das geheimnisvolle Gemälde eines Künstlers, Isaac Robles, der im Bürgerkrieg verschollen ist.
    Gut 30 Jahre früher sucht die Künstlerfamilie Schloss in Andalusien Ruhe und Inspiration. Die Tochter Olive kämpft dafür, dass ihre Begabung anerkannt wird und dass auch ihre Eltern ihr Talent sehen und fördern. Sie trifft auf den jungen Revolutionär und Maler Isaac. Eine Begegnung, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellen wird und viel später auch Odelles Schicksal beeinflusst.
    Kunst und Revolution, Liebe und Politik – die Grundthemen sind kunstvoll verflochten und beide Frauen haben mich angesprochen und ich konnte mich in ihr Leben hineinversetzen, so unterschiedlich auch die Voraussetzungen waren. Dabei kann ich gar nicht entschieden sagen, welcher Teil mir besser gefallen hat. Die politisch unruhige Zeit in Spanien, als der Bürgerkrieg ausbrach oder die Swinging Sixties in London, als plötzlich alles möglich schien. Der historische Hintergrund sehr gut dargestellt, manche Probleme scheinen unvermindert aktuell, z.B. wenn Odelles Schwierigkeiten als karibische, dunkelhäutige Einwanderin thematisiert werden, oder die politische Spaltung einer Gesellschaft bis zum Ausbruch eines Kriegs.
    Die Geschichte wird immer spannender, je mehr man von den einzelnen Protagonisten erfährt und mir hat dieser Aufbau mit den wechselnden Zeiten und Erzählform sehr gut gefallen. Obwohl Odelle als Ich-Erzählerin den Leser vielleicht sogar eher anspricht, war mir Olive in den Rückblenden noch näher. Die Autorin versteht es, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Diese Stimmung und Burtons Kunst wunderbar unterhaltsam, aber trotzdem engagiert und anspruchsvoll zu schreiben, haben mir dieses Buch besonders nahe gebracht.