Geordnete Verhältnisse: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Geordnete Verhältnisse: Roman' von Lana Lux
4.7
4.7 von 5 (7 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Geordnete Verhältnisse: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
Verlag: Hanser Berlin
EAN:9783446279551
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Rezensionen zu "Geordnete Verhältnisse: Roman"

  1. Dieses Buch hat mich sehr bewegt

    Philipp sehnlichster Wunsch ist ein Freund. Dieser Wunsch scheint greifbar nah, als die aus der Ukraine stammende Faina in seine Klasse kommt. Die zwei Außenseiter schließen sich zusammen und eine Freundschaft entsteht.

    Jahre später steht die schwangere Faina vor Philipps Tür und bittet ihn um Hilfe. Sofort gewährt er ihr Unterkunft und verlässt seine aktuelle Freundin, denn für Faina würde er alles machen. Doch will sie das überhaupt?

    Hier treffen zwei ganz toll von der Autorin inszenierte Charaktere aufeinander. Beide haben einen komplizierten und tragischen familiären Background, dessen wirkliches Ausmaß sich erst im Laufe der Geschichte offenbart.

    Die Geschichte wird teilweise aus Fainas Sicht und teilweise aus Philipps Sicht erzählt. Das ist der Autorin auch wirklich super gelungen. So kommt man beiden Personen ganz nah und erst im Laufe der Story wird klar, wie toxisch diese Beiden für einander sind und wie die Wut und Obsession von Philipp sich immer weiter steigern.

    Die Sprache ist hier ganz klar und schonungslos, so wie das ganze Buch.

    Es ist einfach nur tragisch, was mit Faina passiert. Und ihre Geschichte steht als ein exemplarisches Beispiel dafür, was Frauen von egozentrischen Männern alles ertragen müssen, ohne auf großartige Unterstützung hoffen zu können.

    Für mich ist dieses Buch ein absolutes Highlight. Bewegend und erschütternd. Absolute Leseempfehlung.

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  1. Nur du und ich

    Erzählt wird diese tragische Geschichte von Faina und Philipp. Sie kennen sich schon seit der Kindheit. Sie als ukrainisch stämmige Jüdin und er mit einer alkoholkranken Mutter und einem zerstörerischen Hang zu Wutausbrüchen, haben es sehr schwer im Leben, klammern sich daher aneinander und schließen eine innige Freundschaft. Später als Erwachsene entwickelt sich daraus immer mehr eine toxische Beziehung.
    Lana Lux hat einen unvergleichlich fesselnden Schreibstil, der mich sofort in die Story gesogen hat. Ihre Charaktere sind perfekt ausgearbeitet und auf verstörende Weise sehr realitätsnah. Man leidet mit den Protagonisten, hätte sie aber manchmal aber auch am liebsten schütteln mögen.
    Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus Sicht von Faina und Philipp geschildert. Von Seite zu Seite steigert sich die Beklemmung und der Leser merkt immer mehr, dass die Beziehung der beiden auf eine Katastrophe zusteuert.
    Auf nur 287 Seiten wurden viele Themen, wie z.B. Trauma, psychische Erkrankungen und Kontrollwahn behandelt. Eine schockierende Story mit einem erschütternden Ende.

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  1. 5
    02. Apr 2024 

    Protokoll eines Femizids

    Zwei Biographien münden in einen Femizid – das ist das Thema des neuen Romans von Lana Lux. Aus Philipp, einem wütenden Kleinkind mit alkoholkranker Mutter, wird ein Mann mit Aggressionsstörung und einer Sehnsucht nach geordneten Verhältnissen. Faina, die Tochter eines gewalttätigen Vaters, entwickelt im Wechselbad von Aggression und manipulativer Gunst eine psychische Störung und verwechselt obendrein diese Mischung mit Liebe. Fainas Position wird zusätzlich durch ihren Migrantenstatus geschwächt – das macht es Philipp leicht, sie als Freundin zu kapern.

    Beiden Protagonisten folgen wir ab dem Alter von 10 Jahren – sie kennen sich praktisch ihr Leben lang. Faina hätte es also besser wissen können – wäre toxische Männlichkeit für sie nicht so normal gewesen. Als sie als Erwachsene aufgrund ihrer bislang unerkannten bipolaren Störung ihr Leben vor die Wand fährt, erscheint ihr darum Philipp in seiner Vertrautheit wie die einzige Rettung. Wie sich erweisen wird, ist er das Gegenteil.

    Diese erschütternde Gemengelage serviert Lux uns in einer verführerisch lesbaren Sprache, in einer Story mit hohem Lesesog. Drei Teile hat der Roman; zunächst die Perspektive von Philipp, der als Erwachsener auf die Entstehung seiner Freundschaft mit Faina zurückblickt. Der zweite Teil zeigt die Sicht von Faina – das Denken und Fühlen der Protagonisten ist uns ganz nah. Die empathische Figurenzeichnung der Autorin sorgt zunächst für den Eindruck, dass das Verhältnis der beiden gar nicht so „schlimm“ ist, wie der Klappentext vermuten lässt. Unser Mitgefühl mit dem Außenseiter Philipp lässt uns, ganz wie Faina, die subtilen Anzeichen einer ungesunden Beziehung überlesen. Doch dann, im dritten Kapitel, als Philipp und Faina zwecks Co-Parenting zusammenziehen, wird ganz klar, dass Faina sich aus der Beziehung lösen muss, wenn sie nicht untergehen will. Aber das erweist sich als enorm schwierig.

    An jedem dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner ermordet. Im Zusammenhang mit Beziehungsgewalt wird oft vorwurfsvoll gefragt, warum die Frau denn bei dem Täter geblieben ist. Die Figur der Faina zeigt exemplarisch, wie vulnerabel gerade Mütter mit Armutshintergrund und mangelnder familiärer Unterstützung sind. Kommt, wie bei Faina, noch eine ungünstige Konditionierung hinzu, kämpft die Frau ebenso gegen innere Dämonen wie gegen die Umstände. Dennoch scheint im Roman bis zum Schluss Fainas Befreiung möglich. Aber dann braucht Lux nur zwei Seiten, um das Undenkbare in dokumentarischer Knappheit geschehen zu lassen. Ein doppelter Schock, weil der Text sich vorher so leicht und flüssig hat lesen lassen.

    „Geordnete Verhältnisse“ zeigt das systemische Zusammenspiel sozialer (patriarchaler), psychischer und wirtschaftlicher Faktoren, die zum Femizid führen. Eine durch toxische Männlichkeit deformierte Frau wird durch ihre Beschädigung zum Opfer eines toxischen Mannes – das wiederholt sich überall in unserer Gesellschaft, wurde über Jahrhunderte verharmlost und verschwiegen und die Verantwortung dafür den Frauen hingeschoben.

    Lux analysiert auch den Umgang der Medien mit dem Phänomen des Femizids. Dort werden solche Morde gern als Taten aus enttäuschter Liebe romantisiert. Generell scheint die spektakuläre Perspektive der Täter für die Medien interessanter zu sein als die komplizierte Situation der weiblichen Opfer. Lux sorgt dafür, dass wir beide Seiten sehen. Ihr Roman eröffnet einen neuen, spannenden Blick auf ein gesamtgesellschaftliches Problem.

    Lesen!

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  1. Obsession und Manipulation

    Philipps Leben dreht sich vor allem um eines: Ihn selbst. Als Kind hatte er es nicht leicht, die Mutter alkoholkrank, der Vater weg, und dann auch noch diese Sache mit dem Einnässen; seinen Weg musste Philipp immer alleine finden. Menschen mag er nicht besonders, die sind zu laut, zu unordentlich. Er hat Geld, und das hat er sich hart verdient, er kann sowas eben. Andere haben sich ihm anzupassen, immerhin weiß er es wirklich besser als sie und will ihnen nur helfen - das wird auch Faina irgendwann schon noch merken! Faina, die wie Philipp rote Haare hat, Faina, die in ihrer Kindheit mit den Eltern zugezogen ist. Sie ist jüdisch-ukrainischer Herkunft, damals wie heute stets knapp bei Kasse und lange Jahre Philipps beste Freundin gewesen.
    Ihre Einsamkeit, ihr Anders-Sein hat die beiden in der Schulzeit zusammengeschweißt, denn Philipp wollte unbedingt einen echten, einen besten, oder überhaupt erstmal einen Freund, und als dann eines Tages Faina auftauchte, war klar: Sie ist es. Und es war ganz schön harte Arbeit für Philipp, aus Faina den Menschen zu machen, der sie heute ist! Allein, ihr die deutsche Sprache beizubringen und wie man sich hier verhält, was man hier einfach nicht macht. Er hat sie cool gemacht, das war ziemlich eindeutig sein Verdienst. Und wie dankt sie ihm das? Indem sie einfach verschwindet, dabei war dieser Streit so schlimm doch jetzt wirklich nicht. Aber sie wird schon wieder angekrochen kommen, ganz sicher. Wie könnte sie auch nicht?

    Mit Faina und Philipp prallen zwei Welten aufeinander. Was zunächst noch als Freundschaft durchgehen könnte, spitzt sich im Laufe der Jahre zu einem Konflikt zu, der eskaliert, als Faina irgendwann beginnt ihr eigenes Leben zu leben. Längst ist sie nicht mehr auf Philipps Hilfe angewiesen - oder will es zumindest nicht mehr sein. Denn als sie sich zielsicher in einen Sumpf aus Schulden manövriert hat, wird ihr klar, dass ihr da nur eine Person wieder hinaushelfen kann: Philipp. Als er sie höhnisch grinsend tatsächlich wieder aufnimmt, ist von außen klar ersichtlich, was Faina selbst nicht sieht: Seiner Kontrolle, seinen Manipulationen entkommt sie nicht.

    Lana Lux' Roman hat es in sich. Immer schneller wird man hineingezogen in die Spirale aus toxischer Männlichkeit und häuslicher Gewalt, sieht anders als die Protagonistin, dass das alles kaum ein gutes Ende nehmen kann - und liest die letzten Kapitel dennoch atemlos. Während sich Philipps Obsession immer weiter manifestiert, würde man Faina am liebsten schütteln, ihr sagen: Renn weg!, ist als Leser*in aber genauso machtlos wie Faina und so viele andere Frauen mit ihr. Die thematische Schwere, die atmosphörische Dichte, das sprachliche Geschick - "Geordnete Verhältnisse" ist ein Pageturner, der erschreckt und mitnimmt. Große Leseempfehlung!

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  1. Abwärtsspirale einer toxischen Beziehung

    Der zehnjährige Philipp lebt in schwierigen Familienverhältnissen. In der Schule ist er ein Außenseiter - nichts wünscht er sich sehnlicher als einen Freund. Als Faina in seine Klasse kommt, erfüllt sich sein Wunsch. Philipp nimmt die erst kürzlich aus der Ukraine nach Deutschland gekommene Klassenkameradin unter seine Fittiche, hilft ihr die deutsche Sprache zu erlernen und sich regelkonform zu verhalten. Schon bald sehen sich die beiden täglich. Faina lernt mit den „Macken“ ihres Freundes umzugehen und diese zu akzeptieren. Bereits in dieser frühen Beziehung zeigt Philipp obsessive und latent unter der Oberfläche brodelnde aggressive Verhaltensweisen. Ein einschneidendes Erlebnis führt dazu, dass Faina als junge Erwachsene schließlich den Kontakt zu Philipp abbricht. Einige Jahre später meldet sie sich wieder bei ihm. Sie befindet sich in einer Notlage und niemand anderes scheint in der Lage, ihr helfen zu können.
    Philipp ist überglücklich, fühlt sich bestätigt, dass nur er in der Lage ist, Faina vor falschen Entscheidungen zu bewahren und bietet ihr umfangreiche Unterstützung an. Faina lässt sich darauf ein und begibt sich in Philipps Abhängigkeit. Was ursprünglich als Ausweg aus einer misslichen Lage erschien, entpuppt sich für Faina immer mehr zum Albtraum.
    Lana Lux zeigt eindringlich anhand zweier sehr unterschiedlicher Charaktere, aus welchen Gründen sich Menschen in toxische Beziehungen begeben und wie schwierig es ist, sich wieder daraus zu lösen.
    Die Autorin widmet sich in ihrem dritten Roman einem wichtigen Thema, das gesellschaftlich noch viel zu wenig Beachtung erfährt. Die Lektüre fesselt und beklemmt gleichermaßen. Das Ende ist an Bitterkeit kaum zu überbieten und spiegelt die verharmlosende gesellschaftliche Wahrnehmung solcher toxischen Beziehungen leider sehr treffend.

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  1. Ungeordnete Verhältnisse - eine besondere Freundschaft

    Lana Lux schreibt die Geschichte von zwei Menschen aus ungeordneten Verhältnissen.

    Zwei Kinder, Philipp und Faina, beide aus problembeladenen Familien, Außenseiter, nicht nur durch ihre feuerroten Haare, werden sich zur Stütze, durch ihre ganz besondere, tiefe Freundschaft. Besonders für Philipp ist sie überlebenswichtig. Bald fühlt er sich für Faina verantwortlich, ohne ihn würde sie im Chaos enden. Er gibt ihr alles was er kann und hat.

    Mit der Zeit wandelt sich die Freundschaft von Philipp zur Obsession, gepaart mit einer gefährlichen Wut. Er kann Faina nur als seinen Besitz betrachten, er meint ein Recht auf sie zu haben, weil er ihr in ihren schlimmsten Lebenslagen geholfen hat.

    Als sich Faina von ihm befreien will, nimmt ein fatales Drama seinen Lauf.

    Ein Buch mit dem man Lachen und Weinen kann. In einer leichten Art spricht die Autorin die schwierigsten Themen der Gesellschaft an. Ohne dabei zu verweilen, nutzt sie sie als Treiber der Geschichte.
    Gedanken darüber kann sich der Leser machen.
    Hinter vielen Sätzen, die beiläufig und harmlos daherkommen, liegen die großen Manieriertheiten der heutigen Gesellschaft, die ihr Protagonist Philipp mit scharfem Blick aufdeckt.

    Die Autorin hat in Faina eine Romanfigur erschaffen, der sie Parallelen aus ihrer eigenen Vita mitgegeben hat.

    Lana Lux kann schreiben und man kann sich auf jedes zukünftige Buch von ihr freuen!

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  1. 4
    22. Mär 2024 

    Lana Lux hat mich gefesselt

    Philipp ist zehn als er die dritte Klasse wiederholt. Er ist ein Sonderling mit knatschroten Haaren und unzähligen Sommersprossen. Die “Mitgefangenen” seiner katholischen Grundschule nennen ihn Feuerwanze, Streichholz, Pumuckl und, was ihn wirklich demütigt Pipi Langstrumpf. Er ist meistens mies drauf, hat schon im Kindergarten nach den anderen gespuckt und getreten. Seine Mama holte ihn bei Tante Martha und Onkel Peter wieder ab, als er sechs war. Solange brauchte sie, um regelmäßig nüchtern zu sein.

    Philipp schaut regelmäßig auf seine Uhr, damit er alle drei Stunden zur Toilette geht, sonst geht wieder was daneben. Frau Steinmeier stellt ihn deswegen vor seinen “Mitgefangenen” bloß, die lachen und er tut so, als wolle er sie nicht töten.

    Und dann kommt der Morgen, an dem Frau Steinmeier ein Mädchen, mit schulterlangen, leuchtend roten Locken an der Hand hält. Sie heißt Faina, erfährt er und kommt aus Russland, denkt er. Obwohl seine Familie der Überzeugung ist, dass die Ausländer zu laut sind, nie den Müll trennen, nach Knoblauch stinken und nur auf Sozialleistungen aus sind, werden Philipp und Faina beste Freunde.

    Philipp bringt Faina alles bei, Deutsch, gute Manieren und Rollschuhlaufen. Sie fahren zelten und haben Sex, aber das ist nichts für ihn. Körperkontakt mag er nicht und Intimität ekelt ihn. Faina hält ihn auch sonst für ziemlich speziell, weil er Tiere lieber mag als Menschen. Er vertraut niemandem, außer Faina, das macht sie stolz. Er ist brutal ehrlich und kann sich nicht in andere hineinversetzen. Seit er ihren alten Hund einschläfern ließ, weil er glaubte, es sei das beste für ihn, weiß sie, dass er übergriffig ist. Danach meidet sie ihn, will nie wieder etwas mit ihm zu tun haben. Doch fünfzehn Jahre danach ändert sie folgenschwer ihre Meinung.

    Fazit: Lana Lux hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Wortwahl gefiel mir sehr, sie erzählt sehr detailliert und es ist, als stünde ich mittendrin, erlebte alles mit. Die Charaktere sind absolut überzeugend und nicht überzeichnet. Der Konflikt ist nachvollziehbar, weil klar wird, wie die beiden aufgewachsen sind. Zuerst dachte ich, Philipp sei autistisch, doch dann erkannte ich das, worauf die Autorin hinarbeitete und, dass es nur so enden konnte. Die Thematiken waren vielleicht etwas gewagt in ihrer Menge, Demütigungen durch Eltern und Mitschüler, Mobbing, Asexualität, Bisexualität, Alkoholmissbrauch, Narzissmus, Bipolarität, Religionszugehörigkeit, Antisemitismus, Rassismus, aber Lana Lux hat alles ineinanderfließen lassen ohne mich zu erschlagen. Dieses Buch hat mir größtes Vergnügen bereitet.

    Ein wenig betrübt haben mich kleine Patzer, Philipp wurde anfangs am 3. März geboren und später beim Zahlenschloss das Geburtsdatum 13.3 angegeben. Der kleine Emryo, der als Junge zur Welt kommen und traditionell beschnitten werden sollte, war dann tatsächlich ein Mädchen, ohne Erklärung, was ein leichtes gewesen wäre, hätte das Lektorat aufmerksamer gearbeitet, das fand ich schlampig und unnötig.

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Die Mütter:Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Mütter:Roman' von Brit Bennett

Inhaltsangabe zu "Die Mütter:Roman"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:310
EAN:
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Always love you

Buchseite und Rezensionen zu 'Always love you' von Hanna Faber
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Always love you"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:416
EAN:9783548068213
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Rezensionen zu "Always love you"

  1. Unterhaltsam und vielschichtig

    Ich liebe Romanbiografien und diese hat mich schon sehr gereizt. Whitney Houston, die Frau mit der Jahrhundertstimme und Interpretin des wohl am meisten missverstandenen Hochzeitssongs der Welt. Mit ihren Liedern verbinden viele Menschen weltweit besondere Momente und Gefühle. Noch heute werden sie regelmäßig im Radio gespielt.

    Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Hanna Faber zeichnet in ihrem Buch das Bild einer jungen, schüchternen und unfassbar talentierten Frau, die ihr liebstes Hobby, das Singen, zu ihrem Hauptberuf machen möchte. Auf der anderen Seite ist diese junge Frau auch sehr zerbrechlich, unsicher und irgendwie immer auf der Suche nach bedingungsloser Liebe um ihrer selbst Willen. Diese Schwankungen bekommt der Leser immer dann ganz besonders zu spüren, wenn Whitney und Robyn sich mal wieder in die Haare bekommen und Whitney sich in Kleinigkeiten regelrecht hineinsteigern kann. Und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Robyn nicht nur ihre beste Freundin ist, sondern auch ihr einziger konstanter Halt in ihrem Leben und ihrer turbulenten Umgebung. Das Band zwischen beiden muss unglaublich stark gewesen sein. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich an Robyns stelle wohl nicht alles so kommentarlos geschluckt hätte...

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, das versucht ein differenziertes Bild der Künstlerin darzustellen und auch nicht so positive Aspekte der Person zeigt. Natürlich war Whitney Houston eine unfassbar grandiose Sängerin, mit soviel Talent beschenkt, wie es nicht häufig geschieht. Es zeigt ihre Erschöpfung, ihr Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie und wie sehr doch auch als erwachsene Frau noch das verunsicherte Mädchen in ihr steckt, dass sich nach Geborgenheit und einer Familie sehnt.
    Aber sie war auch labil und unstet, ihr Kokainkonsum begann bereits in jungen Jahren.

    Und trotz des leichten und unterhaltsamen Stils wird die Geschichte nicht flach oder geschmacklos. Nur beim Thema Rassismus hat die Autorin sich etwas sehr zurückgehalten. Ich denke, Whitney Houston dürfte mit dieser Problematik während ihrer Karriere weitaus mehr konfrontiert worden sein.

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Ich habe Freunde mitgebracht

Buchseite und Rezensionen zu 'Ich habe Freunde mitgebracht' von Lucy Fricke

Inhaltsangabe zu "Ich habe Freunde mitgebracht"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:192
EAN:9783498021306
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Jeder Tag ist Muttertag: Roman (Taschenbücher)

Buchseite und Rezensionen zu 'Jeder Tag ist Muttertag: Roman (Taschenbücher)' von Hilary Mantel

Inhaltsangabe zu "Jeder Tag ist Muttertag: Roman (Taschenbücher)"

Format:Taschenbuch
Seiten:256
EAN:9783832164102
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Mutterhirn – Was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden

Buchseite und Rezensionen zu 'Mutterhirn – Was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden' von Chelsea Conaboy
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mutterhirn – Was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:464
EAN:9783365003121
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Rezensionen zu "Mutterhirn – Was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden"

  1. (K)ein Eltern Ratgeber

    Der Titel Mutterhirn ließ mich erst einmal stutzen. So richtig fassen konnte ich nicht, was mich irritierte. Klar, es steht im Untertitel "Was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden". Also sind auch die Väter gemeint. Erst langsam kam ich auf den Begriff Mutterinstinkt und darauf, dass für mich gefühlt der Originaltitel " Mother Brain " aussagekräftiger gewesen wäre, da brain mehr aussagt als Hirn, das bei uns als Begriff eher umgangssprachlich genutzt wird wie schalt dein Hirn ein oder als Begriff für das verzehbare Tiergehirn.
    So nach dem das nun geklärt ist zum Buch.
    Das Cover ist ok, das Schema-Gehirn verbunden mit dem Babysymbol ist in der Farbe gestaltet , die man dem Weiblichen zuordnet, rosa. Klar, rein biologisch muss ja auch mehr in der Frau ablaufen, die das Kind austrägt.
    Insgesamt beschäftigt sich das Buch, das in strukturierte Kapitel eingeteilt ist, natürlich mit der Veränderung des mütterlichen Gehirns durch die Hormone und andere biochemischen Pozesse während der Schwangerschaft. Auch für Laien gut erklärt und ebenso auch die Abgrenzung zum gesellschaftlich und historisch proklamierten Mutter-Instinkt.
    Am überraschendsten für mich war, dass man wohl an der reinen Hirnstruktur erkennen kann ob Menschen Eltern sind. Und unabhängig davon, wie sie zu dem Kind gekommen sind.
    Das Buch ist einfach ein sehr gutes Sachbuch zu dem Thema, unabhängig davon, ob man Elter ist, gerade wird oder sein will.

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Eva: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Eva: Roman' von Verena Keßler
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eva: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
Verlag: Hanser Berlin
EAN:9783446275881
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Rezensionen zu "Eva: Roman"

  1. 4
    20. Apr 2023 

    Von Eva zu Eva

    In ihrem zweiten Roman nach „Die Gespenster von Demmin“, in dem es unter anderem um die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen ging, befasst sich Verena Keßler (Jahrgang 1988) nun mit einem Thema, mit welchem sicherlich viele Frauen aus ihrer Generation derzeit hadern: dem Kinderkriegen. Nun liegt hier keine Geschichte vor, die man in den vergangenen Jahren schon zuhauf auf den Veröffentlichungslisten vorgefunden hat. Es geht nicht um die Innenansicht einer einzelnen Frau, die das Für und Wider der Mutterschaft abwägt, während sie versucht bestmögliche Work Life Balance zu halten.

    In „Eva“ betrachtet Keßler vier Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und mit ganz unterschiedlichen Einstellungen zum Thema Mutterschaft. Da ist Sina, eine Journalistin, die zusammen mit ihrem Partner verzweifelt versucht schwanger zu werden, während in ihrem sozialen Umfeld gerade jede Frau entweder einen prallen Babybauch oder das schon geschlüpfte Küken vor ebenjenem stolz herumträgt. Da ist Eva, eine Lehrerin, die sich herausgenommen hat, einen provokativen Artikel zu veröffentlichen, in welchem sie darlegt, warum es für das Weltklima das Beste wäre, erst gar nicht mehr ein Kind in die Welt zu setzen, und dafür stark angefeindet wird, vor allem nach einem plakativ inszenierten Interview durch Sina. Da ist Mona, die Schwester von Sina, welche sich unverhofft und überrumpelt in einem anstrengendem Leben mit drei Kindern wiederfindet. Und die vierte Protagonistin, welche einem unsagbaren Verlust gegenübersieht.

    Alle vier Protagonistinnen bekommen episodenhaft zusammenhängend in ihrem eigenen Kapitel den Raum, den sie benötigen, um als Leser:in ihrer Geschichte und ihren Einstellungen näher zu kommen. Wobei alle bis auf Eva aus der Ich-Perspektive heraus erzählen dürfen. Ausnahmslos allen Figuren kommt man durch den ungekünstelten und klaren Erzählstil Keßlers unglaublich nahe, ob man nun ihre Lebensentwürfe und Einstellungen grundsätzlich befürworten würde oder nicht. Es entsteht ein tiefes Verständnis und eine Nachvollziehbarkeit für sie und man fiebert mit jeder von ihnen mit. Die äußerst authentische Darstellung der Personen sorgt dafür, dass man unvoreingenommen ihre Geschichten erleben kann, ohne dass von Seiten der Autorin eine moralische Wertung vermittelt wird.

    Der Facettenreichtum dieses Romans hat mich sehr begeistert, wenngleich mir zum Ende hin die Fäden zu stark auseinanderdrifteten, sodass ich das Gefühl hatte, es fehlt noch irgendetwas. Letztlich gibt es keine eindeutigen Lösungen für die angesprochenen Probleme, mit einer konkreteren Nachverfolgung der vier Leben hätte sich hier vielleicht ein runderes Bild ergeben. Ich weiß es nicht genau. Letztlich handelt es sich für mich um ein äußerst gelungenes Buch, welches sprachlich sehr solide geschrieben ist, in welchem ich mir aber auch keine ganz, ganz besonderen Sätze markiert habe, bei welchen ich dachte: „Mensch, da steckt jetzt so unglaublich viel in diesen wenigen Worten drin. Den Satz muss ich einer Freundin vorlesen.“ Zuletzt empfand ich es als nicht wirklich nachvollziehbar, warum Eva als einzige Protagonistin ein Kapitel aus der personalen Erzählperspektive heraus bekommen hat. Nahe kommt man ihr unzweifelhaft trotzdem, aber literarisch wurde mir die Entscheidung der Autorin hier nicht ganz klar.

    Wenn verschiedene Generationen im Debütroman der Autorin schon eine wichtige Rolle spielten, so tauchen diese auch im vorliegenden Roman – thematisch in anderer Weise – wieder auf, wenn sie in Evas Kapitel schreibt:

    „Wenn sie ehrlich war, gefiel ihr die Vorstellung sogar: eine Ahnenkette, die sich über Millionen von Jahren fortgesetzt hatte und nun endete – mit ihr. Sie würde sich nicht einreihen, sie bildete den Schlusspunkt, sie war diejenige, auf die alles hinausgelaufen war. Von Eva zu Eva.“

    4/5 Sterne

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Mutterschaft

Buchseite und Rezensionen zu 'Mutterschaft' von Sheila Heti

Inhaltsangabe zu "Mutterschaft"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:320
EAN:9783499274909
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Beste Jahre: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Beste Jahre: Roman' von John von Düffel

Inhaltsangabe zu "Beste Jahre: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:247
EAN:9783832180355
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Mon Chéri und unsere demolierten Seelen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mon Chéri und unsere demolierten Seelen: Roman' von Verena Roßbacher
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mon Chéri und unsere demolierten Seelen: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
EAN:9783462001198
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Rezensionen zu "Mon Chéri und unsere demolierten Seelen: Roman"

  1. 4
    08. Okt 2022 

    Der Brief

    Ihre Briefe kann sie nicht öffnen, Weihnachten verbringt sie bei Notfallessen und ihre Arbeit im Marketing einer Berliner Firma für hippe Lebensmittel macht sie gut. Allerdings klappt es bei Charlie Benz mit Beziehungen nicht so gut. Am ehesten tauscht sie sich mit ihrem Brieföffner Herrn Schabowski oder ihrer Schwester Sybille aus. Ein Brief von einem Anwalt aus Wien sorgt bei Charlie für große Aufregung. Von einem Anwalt kann nichts Gutes kommen. Charlie mag den Brief noch nicht mal zu Schabowski mitnehmen. Und dann trifft sie bei einer Familienaufstellung, die ihr helfen soll, die Probleme zu verstehen, ausgerechnet einen Schulkameraden wieder, der damals schon ihr Leben durcheinander brachte.

    Mit Anfang vierzig hat Charlie Benz noch nicht ganz viel erreicht. Der Vater hat die Familie früh verlassen, ist wieder in das Leben der Kinder getreten, nur um wieder zu verschwinden. Charlies Geschwister sind auch etwas speziell. Zu dem 60jährigen Herrn Schabowski, der ihr die Briefe abnimmt und bei dem es immer einen guten Kaffee gibt, hat sich im Laufe der Zeit eine Art Freundschaft entwickelt. Und dennoch kann Charlie Schabowski nicht alles erzählen oder eher nach und nach. Ein wenig konfus ist sie schon manchmal und wenn sie mit jemandem ins Gespräch kommt, dann kann es eine Weile dauern, bis sie fertig ist.

    Vielleicht hat man diesen Roman im Frühjahr im Laden gesehen und gedacht, das ist aber umfangreich. Und ist das Buch auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises gelandet und es ergab sich die Gelegenheit, sich die Leseprobe zu Gemüte zu führen und das Interesse an dem Buch wurde dann doch geweckt. Dann ist es am Beginn so, dass man sich an Charlies konfuses Verhalten und ihren Depri-Talk gewöhnen muss. Es schleicht sich die Überlegung ein, dass der Roman möglicherweise nicht ganz der richtige ist. Doch nach und nach verlässt Charlie ihr Schneckenhaus, ihre Freundschaft vertieft sich und endlich öffnet sie den Brief. Und man merkt garnicht, wie sie und Schabowski sich einem ins Herz schleichen und man sie nicht mehr missen möchte. Es passiert dann erstaunlich viel in Charlies ereignislosem Leben und der Depri-Talk ist irgendwann nicht mehr Depri, sondern lebensbejahend, humorvoll und positiv. Nur chaotisch bleibt er, was Charlie und ihre Lieben umso sympathischer macht. Meist lohnt es sich, sich für die Bücher auf den Buchpreislisten etwas Zeit zu nehmen. Hier gewiss.

    4,5 Sterne

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  1. Originell, chaotisch, lesenswert

    „Tatsache war: Aus dem völlig vergagelten Kind war eine hundertprozentig chaotisch zusammengewürfelte Erwachsene geworden.“ (Zitat Pos. 2265)

    Inhalt
    Charly Benz ist dreiundvierzig Jahre alt und lebt in Berlin. Sie arbeitet im Marketing von LuckyLily, einer veganen Foodcompany, wobei Charly weder Veganerin, noch wenigstens Vegetarierin ist. „Ich hatte keine Ahnung von Marketing und machte einen guten Job. Diese Tatsache allein war so himmeltraurig, dass ich hätte heulen können.“ (Zitat Pos. 280) Ihre Post bringt sie alle zwei Wochen zu Herbert Schabowsky, der sie für sie öffnet und sortiert. Dies mit viel Kaffee, Mohawk Red Zigaretten und Gesprächen über Gott und die Welt. Charly ist so etwas wie eine chaotische Optimistin, die sich zu viele Sorgen macht, Single, manchmal einsam, aber nicht unglücklich. Dennoch – zur Zeit fühlt sie sich in der Eintönigkeit gefangen, aber aus eigenem Antrieb schafft sie keinen Neubeginn. Bis mehrere Dinge gleichzeitig geschehen: von ihrer Schwester Sybille hatte sie zum Geburtstag einen Gutschein für die Teilnahme an einer Familienaufstellung bekommen, doch Charly hatte keine Absicht, hinzugehen. Nun trifft sie mit Herrn Schabowsky die Vereinbarung, an dieser Familienaufstellung teilzunehmen, wenn er im Gegenzug dringend notwendige ärztliche Untersuchungen machen lässt, bei denen sie ihn begleitet. Beides setzt völlig unvorhersehbare Ereignisse in Gang.

    Thema und Genre
    Im Mittelpunkt dieses Romans steht eine eigenwillige, moderne Frau, die sich ihren vielen Fragen und Themen zu stellen versucht. Es geht um Freundschaft, Familie, Beziehungen, Liebe in vielen Facetten, kurz, um die bunte, manchmal verwirrende Vielfalt des Lebens.

    Charaktere
    Charly isst nicht Schokolade, sondern verkohlte Croissants zum Frühstück, dazu Kaffee und Zigaretten. „Fazit: Mein Leben sah nicht gut aus. Verzehrte Croissants: fünf. Zigaretten: viele. Fertig.“ (Zitat Pos. 320) Sie ist vielleicht nicht perfekt, dafür unwiderstehlich und liebenswert, man wünscht sie sich sofort als BFF, ab der ersten Seite dieses Romans.

    Handlung und Schreibstil
    Charly Benz ist eine chaotische Ich-Erzählerin, die in Bezug auf ihre Person gerne mal untertreibt. Der Handlungsrahmen umfasst etwa ein Jahr, verläuft nicht unbedingt chronologisch, alles andere wäre bei dieser Ich-Erzählerin auch eher erstaunlich. Ergänzungen durch viele Erinnerungen und Rückblenden lassen Raum für eigene Überlegungen und ergeben in Verbindung mit den aktuellen Ereignissen ein sehr gelungenes Gesamtbild. Die Sprache passt perfekt zu dieser eigenwilligen Hauptfigur.

    Fazit
    Moderne Frauenliteratur, die zeigt, was in diesem Genre möglich ist, überzeugend und sehr erfrischend, weil ohne Protagonistinnen, die in jammerndem Selbstmitleid versinken. Eine originelle, einfühlsame und positive Geschichte von unglaublich komisch, schräg, skurril bis zu ernst, traurig, nachdenklich – bittersüß, wie das Schokoladekonfekt im Titel.

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  1. "...Wer kann dazu schon nein sagen?" (Slogan Mon Chéri)

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:

    „Mit unverbrüchlichem Optimismus und irre gut gelaunt strauchelt Charly Benz seit 43 Jahren durch ihr Leben. Sie arbeitet im Marketing einer Berliner Foodcompany, ernährt sich von angebrannten Croissants und bespricht ihre Beziehungsprobleme – die darin bestehen, dass sie keine Beziehung hat – mit ihrem einzigen Freund: Herr Schabowski, ein sechzigjähriger Mann, der ihre Post und Ängste sortiert. Doch als dieser eine tödliche Diagnose erhält, ihr erster Versuch einer Systemischen Familienaufstellung in einem Debakel endet und plötzlich gleich drei Männer ihr Leben gehörig durcheinanderbringen, verlässt Charly allumfassend der Mut. Den sollte sie schleunigst wiederfinden, sie ist nämlich schwanger. Sie und Schabowski beschließen, ihre Probleme proaktiv anzugehen: Sie flüchten. Und zwar nach Bad Gastein, ein ehemals mondäner Kurort im Südwesten Österreichs. In einem leerstehenden Hotel der Jahrhundertwende, das einst Charlys Vater gehörte, stellen sie fest: Man kann sich die Menschen, mit denen man verwandt ist, nicht aussuchen – seine Familie aber schon.“

    Wenn man zu viel von den kleinen süßen Dingern futtert, kann man seine Seele wohlweislich gewaltig demolieren. Und wie sieht das bei Hauptprotagonistin Charly aus? Mit ihren Anfang 40 scheint ihr Leben mehr als chaotisch, verkorkst oder nennen wir es gar planlos. Charly stört sich daran nur in begrenzter Weise. Das ihr bester Freund Schabowski dann aber schwer krank wird, haut Charly aus der Bahn und nun heißt es alles ordnen was kommt. Für Charly kommt plötzlich zu viel in ihr Leben und da heißt es dann Zähne zusammen beißen und ruhig bleiben. Charly hat dafür nur nie einen Sinn für gehabt. Sie merkt, dass auch nun immer wieder neue Lebensumbrüche geschehen und alles verändern können. Gar nicht einfach im eigenen Chaos. Ihre Flucht mag im Klappentext etwas komisch und wohl zu übertrieben witzig klingen, ist es aber nicht bzw. nur bedingt. Autorin Verena Rossbacher zeichnet hier für meine Begriffe einen wirklich grandioses Bild. Ihre Charaktere lernen, überlegen mit der neuen Situation umzugehen, gehen in-sich, versuchen ein wenig Ordnung in all das angerichtete Chaos zu bringen. Alles nicht einfach aber so ist das Leben. Unermüdlich zu jeder Zeit egal ob man will oder nicht. Rossbacher schwingt hier einen wirklich schönen Spagat zwischen Ernst, Humor und Witz ohne dabei Kitsch oder Klischee zu bedienen. Sie setzt akzentuiert laute und leise Töne ein, gibt der Geschichte die nötige Ruhe und auch die passende Schnelligkeit. Ihr Humor ist manchmal fein, manchmal schwarz wie die Nacht. Der Tenor der Geschichte ist zum Schluss ebenfalls mehr als treffend und der rote Faden zieht sich gemächlich durch die Story.

    Mein Fazit: eine wirklich lesenswerte Geschichte mit dem gewissen Etwas und der nötigen Prise Humor für das Leben. Alles stimmig und eben wirklich klasse verfasst! Ja, dieses Buch ist ein Lesehighlight 2022! 5 von 5 Sterne hierfür!

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