Die deutsche Seele

Buchseite und Rezensionen zu 'Die deutsche Seele' von Thea Dorn
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die deutsche Seele"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783813504514
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Rezensionen zu "Die deutsche Seele"

  1. Ein Gang durch deutsche Kulturgeschichte

    Kurzmeinung: Mag ich!

    Ich mag dieses Hörbuch, gesprochen von Doris Wolters und Hubert Gertzen, wirklich gern. Dieses Buch ist freilich keines, das man, wie einen Roman mehr oder weniger an einem Stück von vorne bis hinten durchliest, sondern, das man häppchenweise zu sich nimmt. Dann aber entfaltet es seine Wirkung. Doris Wolters Stimme ähnelt der Stimme von Thea Dorn sehr, so dass ich manchmal meinte, Thea Dorns so eigenes Timbre zu hören. Ich mag es, wenn Thea Dorn ihre Bücher selber einliest.
    Von Abendbrot bis Zerrissenheit handelt "Die deutsche Seele" selbstredend nur von ausgewählten Häppchen deutscher Kulturgeschichte. Freizeitverhalten und Freikörperkultur wird auf den Grund gegangen, unter Musik haben wir einen längeren Exkurs über klassische Musik, wobei ich meine, "Wagner" hätte ein eigenes Schlagwort verdient gehabt.
    Bei jedem Begriff graben die Autoren tief und spüren die Ursprünge auf, wer hat den Gedanken des Kindergartens zuerst gehabt, wer meinte, Kindern müsse man die Natur nahe bringen und wie und warum entstand das Grundgesetz? Dabei mäandern die Gedanken der beiden Autoren auch einmal ein wenig umher; auf alle Fälle sind ihre Einlassungen immer informativ und interessant. Wer hat denn noch gewusst, dass Konrad Adenauer den Wiedergutmachungsgedanken in Bezug auf Israel und den Einsatz der damit verbundenen Geldmittel nur mit der Unterstützung der SPD durchsetzen konnte? Ich nicht.

    Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, betrifft die Kürzungen. Eine Kürzung eines Hörbuchs ist fast schon ein Vergehen. Ich möchte "alles", wenn ich ein Hörbuch kaufe, den ganzen Inhalt. Auch aus einem Roman in Buchform streicht man nicht einige Kapitel und verkauft eine Lightform. Das ist Bevormundung und kostet einen Stern.
    Wegen der Kürzungen kann ich also nicht sagen, ob die fehlenden Begriffe den Autoren fehlten oder nur der Kürzung des Verlags zum Opfer fielen. „Malerei und Kunstgeschichte kamen so wenig vor wie Hitler und Nationalsozialismus oder Schlager und Deutsche Welle“. Gut, für manches davon bräuchte man eigene Bücher. Aber Synagoge fehlt auch. Ebenso christliches Abendland und Uwe Seeler. Und Kreuzzüge und Rockkonzert und Auswandern. Volksmusik. Jodeln. Und Sauerkraut. Anyway.

    Fazit: Ein dicker durch die deutsche Kulturgeschichte führender Wälzer, der durch seine Häppchentaktik wie ein Büchlein vorkommt, dass spannend und informativ ist und dem nur eines fehlt – die Kapitel, die der Kürzung zum Opfer fielen.

    Kategorie: Hörbuch, Sachbuch zur Kulturgeschichte
    Verlag: Argon, 2014

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Altwerden ist nichts für Feiglinge

Buchseite und Rezensionen zu 'Altwerden ist nichts für Feiglinge' von Joachim Fuchsberger

Inhaltsangabe zu "Altwerden ist nichts für Feiglinge"

Wie man in Würde und mit einem Augenzwinkern alt werden kann


- Nachdenken über das Alter – authentisch und unterhaltsam
- Ein lesenwertes, heiter-ironisches Buch von einem Sympathieträger erster Güte


Er ist alt. Er ist bekannt und beliebt. Jetzt macht der Schauspieler Joachim Fuchsberger seinen Altersgenossen und allen Jüngeren, die ja auch irgendwann mal alt werden, Mut, locker mit diesem unvermeidlichen Vorgang im Leben umzugehen:
»Ich denke, es ist Zeit, dass sich die Alten die faltige Haut nicht länger über die Ohren ziehen lassen. Hören wir auf, im stillen Kämmerlein und vor der Glotze auf die Schwätzer aus den Amtsstuben zu hören, lassen wir uns keine Angst mehr einjagen von den Neunmalklugen, wo immer sie sitzen.«
Launig und charmant, nachdenklich, aber nie weinerlich, plaudert der große alte Mann des deutschen Unterhaltungsfilms über die Blüte seines Lebens und darüber, wie es sich anfühlt, wenn sie langsam dahinwelkt. Fuchsberger nimmt kein Blatt vor den Mund und empfiehlt, sich den Lebensabend nicht durch demographische Schwarzmalerei verderben zu lassen.


Format:Taschenbuch
Seiten:224
EAN:9783442174195
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Der Spion und der Verräter

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Spion und der Verräter' von Ben Macintyre
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Spion und der Verräter"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:475
Verlag: Insel Verlag
EAN:9783458643906
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Rezensionen zu "Der Spion und der Verräter"

  1. Wissen ist Macht

    Schon das Cover macht neugierig. Eine Gestalt geht über den Roten Platz in Moskau. Der Kreml, Machtzentrale Russlands, grenzt an ihn. Gut erkennbar ist die Basilius Kathedrale mit ihren markanten Zwiebeltürmen.

    Das Buch liest sich wie ein spektakulärer Thriller. Jedoch ist es ein Sachbuch, dass man kaum aus der Hand legen kann. So fesselnd ist es geschrieben. Zeitgeschichte, so unglaublich und doch real. Spannend und in einem fließenden Schreibstil verfasst. Hautnah lässt uns der Autor die Vorgehensweise der Gegner im Kalten Krieg mit erleben. Authentisch und mit vielen Informationen über die damals Mächtigen dieser Welt. Es ist fast ein Wunder, dass es nicht zu einer atomaren Eskalation kam. Dazu hat erheblich Oleg Gordijewski beigetragen.

    Sein Werdegang zum Überläufer und Doppelagenten gibt dem Leser viele Einblicke in seine Tätigkeit und Gefühlswelt.

    Geprägt durch die Erziehung seines Vaters, der nach der Revolution zum überzeugten Kommunisten wurde, steht auch er hundertprozentig hinter seinem Staat. Sein Weg geht steil nach oben. Durch sein Studium am sowjetischen Eliteinstitut für internationale Beziehungen lernte er mehrere Sprachen. Für ihn stand feste, er wird Berufsspion. Im Kalten Krieg war Spionage ein notwendiges Geschäft. Man musste wissen, was der Gegner plante um es zu verhindern.

    Oleg`s Weg ging ständig nach oben Durch seine Tätigkeit beim KGB kommt er ins westliche Ausland. Langsam kommen ihm Zweifel ob die Sowjetunion auf dem richtigen Weg ist.

    So wird der KGB Oberst zum Doppelagenten. Dem britischen Geheimdienst MI6 bringt er entscheidenden Nutzen. Er ist der hochrangigste bekannte Überläufer des KGB in den Westen, der öffentlich bekannt wurde.

    Es ist ein Sachbuch, das sich wie ein Thriller liest. Aber es ist kein Roman. Akribisch und sehr lange hat der Autor Ben Macintyre dieses unglaubliche Kapitel des Kalten Krieges recherchiert. Dem Buch sind viele Fotos der handelnden Personen eingefügt, was mir gut gefiel.

    Im Epilog und um Nachwort wird vieles über die Arbeit hinter den Kulissen der weltweiten Politik erklärt. Die Geheimdienste spielen eine wesentliche Rolle dabei.

    Ein wunderbares und sehr ernstes Buch, das ich gern weiter empfehle.

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  1. Knallharter Under-Cover - Roman

    Wahre historische Ereignisse gut & sorgfältig verpackt in einem knallharten Under-Cover-Roman.

    - Der Spion & der Verräter - ein weiterer auf Fakten basierender Kriminalroman aus der Feder von Ben Mcintyre.

    Der Insel Verlag hat diesen Roman am 20. November auf dem deutschen Markt veröffentlicht.

    Der Autor Ben Mcintyre ist länderübergreifend ein wahrer Begriff für geschichtlich, auf Fakten basierende Kriminalromane.
    Als Journalist für die Times, hat er in & über Großstädte rund um den Erdball berichtet. Seine Recherchen haben immer Hand und Fuß & so war es kein Wunder, dass seine Romane weltweit geschätzt werden würden.

    Deutsche Übersetzung: Kathrin Bielfeldt & Jürgen Bürger

    Ich kannte den Schriftsteller nachdem ich "Agent Sonja" von ihm gelesen hatte. Mit Überzeugung kann ich sagen, dass das Buch mich wirklich begeistern konnte. Ich war gespannt ob das jetzige Buch ebenso Begeisterung bei mir auslösen würde!

    Das Cover ist relativ unaufgeregt. - Ein Mann mit Aktentasche im Hintergrund der Kreml- eine bildhafte Erklärung zum Inhalt ist es allemal.

    Zum Inhalt:
    Es spielt im Kalten Krieg. Alles dreht sich um den KGB Officer Oleg Gordijewski. Als dieser in Berlin den Bau der Mauer bezeugte, hielt er dem Kreml noch die Treue. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag hat er dann zum MI6 gewechselt. Von dem Tag an, war er als Doppelagent aktiv und sein Leben und dessen seiner Lieben, in täglicher akuter Gefahr.

    Mein persönlicher Eindruck:
    Der Aufbau der Geschichte ist wunderbar flüssig und logisch aufgebaut. Ohne große Umwege werden dem Leser die geschichtlich relevanten Ereignisse präsentiert. Zeitgleich wurden die emotionalen Reaktionen der Protagonisten mit eingestreut. Die Spannung steigt mit jeder Seite und die Frage nach dem weiteren Verlauf, ebenfalls. Die Unvorhersehbarkeit dieser wahren Geschichte machen alles nur noch spannender.
    Das Buch beweist, dass Geschichte nicht nur relevant, sondern auch spannend sein kann.

    Zusammenfassung & Fazit:
    Die Übersetzung ist sehr gut gelungen und ermöglicht einen ungestörten Lesefluss.
    Das Buch erfüllt mindestens 2 Kriterien eines sehr guten Non-Fiction-Romans.
    a.) Wahrheitsgetreue Wiedergabe historischer Ereignisse und
    b.) eine wirklich spannend-, präsentierte Handlung
    - Anmerkung -
    Ich kann mit dem Buch durchaus im Schulunterricht vorstellen. Präsentiert es doch die Zwänge des Klaten Krieges mit großer Präzession und lehrt die, die es nicht selbst erlebt haben, welche Ängste & Gefahren eben dieser für Alle bedeutete.

    Ich vergebe überzeugte 5*Lesesterne für diesen starken Krimi.
    Eine Kaufempfehlung an Alle, die gern gleichzeitig beim Lesen unterhalten und informiert werden möchten. Dieses Buch kann Beides!

    ISDN: 978-3458643906
    Formate: E-Books & gebundene Ausgabe

    Vielen Dak für das Leseexemplar

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70 Aha-Momente zum Glücklichsein

Buchseite und Rezensionen zu '70 Aha-Momente zum Glücklichsein' von Sabine Asgodom
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "70 Aha-Momente zum Glücklichsein"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783833890536
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Rezensionen zu "70 Aha-Momente zum Glücklichsein"

  1. Persönliche Ratschläge

    Anlässlich ihres 70. Geburtstags teilt Journalistin und Coach Sabine Asgodom eine Weisheit pro Lebensjahr mit uns. Basierend auf ihren eigenen Erlebnissen gibt sie uns Ratschläge, wie wir selbst ähnliche Situationen reflektieren und verarbeiten können.
    Die drei bis fünf Seiten langen Kapitel werden in sieben Kategorien eingeteilt (Vertrauen & Selbstbestimmung, Fehler & Fettnäpfchen, Wertschätzung & Lebensfreude, Glück & Unglück, Wandel & Veränderung, Ballast & Überfluss sowie Pläne, Wunder & Zufälle) und sind unterhaltsame Gedankenanstöße für zwischendurch.
    Ich empfinde großen Respekt für die Autorin, die ihre unangenehmen Momente ganz offen und selbstkritisch mit ihrem Publikum teilt. „Wie du schon weißt - ich bin vom Sternzeichen her Klugscheißer, Aszendent Besserwisser. Ich habe aber meine Lektion gelernt: Erst mal Klappe halten. Dann nachfragen, verstehen wollen, abwägen.“
    Der Schreibstil ist nicht etwa belehrend, sondern locker und humorvoll. Das Buch ist eine Einladung, von den Erfahrungen einer erfolgreichen Frau zu lernen, auf die ich mich mit Freude eingelassen habe.

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Vom Verschwinden der Arten

Buchseite und Rezensionen zu 'Vom Verschwinden der Arten' von Friederike Bauer
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Vom Verschwinden der Arten"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag: Klett-Cotta
EAN:9783608986693
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Rezensionen zu "Vom Verschwinden der Arten"

  1. Wichtig und lösungsorientiert, stilistisch Luft nach oben

    Mit ihrem Buch „Vom Verschwinden der Arten“ weisen die Autorinnen auf einen wesentlichen Baustein im Kampf um die Rettung unseres Planeten hin, der leider bei der medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit, die dem Klimawandel zuteil wird, viel zu sehr in den Hintergrund gerückt wird: das Artensterben, welches aufs Engste mit dem Klima verbunden ist. In ihrem Buch zeigen sie eindrucksvoll Hintergründe, Fakten und Zusammenhänge auf, die nicht nur die Konsequenzen des Artensterbens durchleuchten, sondern auch die vorherrschenden gesellschaftlichen Perspektiven (der Verlust großer Tierarten erfährt vergleichsweise große Aufmerksamkeit) und wirtschaftlichen und finanziellen Interessen aufzeigt. Sie zeigen zahlreiche Lösungsansätze auf, von denen die 30x30-Initiative sicherlich ein besonders vielversprechender ist, blicken auf das Ungleichgewicht zwischen globalem Norden und globalem Süden, auf augenscheinlich positive Aktionen, die sich aber als Trugbilder entpuppen, und auch auf die Belastung der Natur durch den Menschen, der dringend wieder als Teil derselben wahrgenommen werden sollte.

    Das Buch liefert viele fundierte Hintergründe und Informationen, allerdings wird man als Leser so manches Mal an den Rand der Konzentrationsfähigkeit getrieben, weil das Buch stilistisch und vom Aufbau her nicht besonders leserfreundlich ist. So werden viele Fakten mehrfach in unterschiedlichen Kapiteln wiederholt und aufgegriffen, was zu überflüssigen Dopplungen führt. Darüber hinaus droht man so manches Mal von der Faktenflut überrollt zu werden – ich wünsche mir da doch sehr, dass sich deutschsprachige Sachbuchautoren vom englischen non-fiction-Markt inspirieren lassen würden, wo die Darstellung von Fakten in einen ansprechenden, lesbaren und begeisternden Stil gepackt wird (als Beispiel mögen David Attenboroughs Bücher dienen). Hier scheinen sich die Autorinnen zwar der Rationalität zu verpflichten, dies geht aber zu Lasten des Leserinteresses.

    Hinzu kommt, dass dieses Buch gendert, was zu unzähligen grammatikalischen Ungenauigkeiten führt. Wann werden deutsche Verlage endlich wieder damit aufhören, gegen den Wunsch der Leser (dieser ist im deutschen Sprachgebrauch übrigens ein inklusives Konzept) die deutsche Sprache durch die momentan grassierende Mode (die nicht einmal offiziell anerkannt ist) zu verunstalten? Hier ist z.B. von „Schafbäuer*innen“ die Rede – interessant, mir war nicht bewusst, dass es das Wort „Schafbäuer“ im Deutschen gibt. Auch Wörter wie „Professor“, „Multiplikator“ und „Freund“ kann man nicht so einfach gendern, ohne die Grammatik eines deutschen Satzbaus zu ruinieren. Sowohl bei „Schafbäuer*innen“ wie auch bei „Freund*innen“, denen man dankt, fallen nun die Männer hinten runter. Das kann ja wohl nicht der Sinn des Gendern sein. „Eroberer“ wird im Übrigen erstaunlicherweise nicht gegendert – warum auch, so etwas machen ja nur Männer?

    So gut, wichtig und lösungsorientiert ich die Aussagen des Buches finde, so wenig zufrieden bin ich mit dem Stil und allein fürs Gendern, das hier sehr merkwürdige Formen annimmt, muss ich leider einen Stern abziehen.

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Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen

Buchseite und Rezensionen zu 'Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen' von Jennifer Teege

Inhaltsangabe zu "Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen"

Format:Taschenbuch
Seiten:272
EAN:9783499613272
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Frauen, die man kennen muss

Buchseite und Rezensionen zu 'Frauen, die man kennen muss' von Gertrud Lehnert

Inhaltsangabe zu "Frauen, die man kennen muss"

Format:Taschenbuch
Seiten:221
Verlag: Aufbau TB
EAN:9783746623078
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Das Jahrhundert meines Vaters

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Jahrhundert meines Vaters' von Geert Mak

Inhaltsangabe zu "Das Jahrhundert meines Vaters"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:576
EAN:9783570552636
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High Times: Mein wildes Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'High Times: Mein wildes Leben' von  Olaf Kraemer

Inhaltsangabe zu "High Times: Mein wildes Leben"

Format:Taschenbuch
Seiten:224
Verlag: Heyne
EAN:9783453130104
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Die Wahrheit ist der Feind

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Wahrheit ist der Feind' von Golineh Atai
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Wahrheit ist der Feind"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:384
EAN:9783737100618
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Rezensionen zu "Die Wahrheit ist der Feind"

  1. Informationskrieg und Abschottung

    Kurzmeinung: Hervorragend recherchiert, viele Einzelbeispiele!

    Golineh Atai war während des Euromaidan in Kiew/Ukraine vor Ort. Von 2012 bis 2018 war sie als Korrespondentin in Moskau. Sie weiß wovon sie spricht, wenn sie zum Beispiel sagt, dass Russland alles daran setzt, ausländische Journalisten - natürlich im russischen Inland, aber auch im Westen selbst- zu diskreditieren, was zumindest im rechten Flügel der USA und im rechten und linken Segment Deutschlands hervorragend funktionierte und noch immer funktioniert.

    Dass es funktioniert liegt auch daran, dass die westlichen Medien nicht mit derselben Münze zurückzahlen: Im Westen gilt Meinungsfreiheit, auch wenn diese vielleicht nicht vollumfassend ist, es gibt auch im Westen vereinzelt eine Beeinflussung durch Vorgesetzte und politisch motivierte Besetzungen von Aufsichtsräten etc. pp., so muss doch niemand um Job und Leben fürchten, der sagt und schreibt, was er denkt. Von dieser Freiheit profitieren die russischen Sender (z.B Russia Today oder Sputnik), nämlich von der Freiheit, dass sie alles sagen und behaupten dürfen, was ihnen in den Sinn kommt, während gleichzeitig die Veröffentlichungsfreiheit ausländischer Medien im eigenen Land strikt reglementiet und mitunter völlig unterbunden wurde.

    Der Westen ist sich zu fein dafür, Russland im Gegenzug mit Trollen, Bots und Falschmeldungen zu überziehen. Im Informationskrieg hat Russland momentan die Nase vorn dank der Skrupellosigkeit seiner Führung und seiner Elite.

    In ihrem Sachbuch „Die Wahrheit ist der Feind“ deckt Atai auf, wie sehr die Demokratisierung in den Nachbarländern die russische Politelite beunruhigte, so sehr, dass unter Putins Herrschaft bereits fünf Kriege geführt wurden! Die Tschetschenienkriege waren grausam, blutig, furchtbar – und doch von der Weltöffentlichkeit nur am Rande wahrgenommen. Darauf hoffte Russland auch beim Angriffskrieg auf die Ukraine.

    Verächtlich lässt sich der Kreml über die „Farbrevolutionen“ im Nahen und Mittleren Osten aus und unterstützt selbst sämtliche tyrannische Autokraten. Das russische Staatsfernsehen samt den meisten Printredaktionen sind mit einem Direktdraht mit dem Kreml verbunden, woher Direktiven zur Programmgestaltung kommen. Journalismus ist ein Kampffeld geworden, eine objektive Berichterstattung ist nur noch unter Lebensgefahr möglich.

    Drohbriefe und Morddrohungen seien die Regel im Alltag russlandkritischer Berichterstatter. Nicht wenige davon starben auf unerklärliche Weise. Und nein, natürlich nicht: der Kreml hat nichts damit zu tun. Das ist alles Zufall. Auch die Ermordungen von vom Kreml Verräter geschimpften Geflüchteter – Einzeltaten, Zufall. Der Kreml hat auch damit nichts zu tun, dass einige den Mund zu voll nehmender Oligarchen oder unfreundlicher Politiker, vergiftet werden, aus dem Fenster fallen, etc. pp. Shit happens! Putin wäscht seine Hände in Unschuld.

    Bände spricht die großangelegte Geschichtsverfälschung und die Umdeutung der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Memorial, eine Organisation, die zum Ziel hatte, an die Opfer Stalins zu erinnern sowie andere NGOs in Russland wurden dazu gezwungen, sich als „ausländische Spione“ registrieren zu lassen! Und wer glaubt einer Organisation, die „zugibt“, dass sie ein Agent des Auslands sei. So herrscht im Volk allmählich nicht mehr das große Entsetzen über Stalins Vernichtungsorgie vor, sondern Stalin wird als Erneuerer Russlands und als Held neu aufgebaut. Opfer waren eben nötig, heißt es und nicht mehr wie vorher„die Paranoia Stalins konnte jeden treffen“ und der einzelne war der Willkür der Staatspolizei ausgeliefert. Ob die Menschen diese Umdeutungen in großem Stil kaufen, weiß man nicht, aber „Putins Welt“ setzt bei den Kindern an, es gibt neue Schulbücher, wie in der ehemaligen DDR, – und die Gehirnwäsche wirkt. „Russen sind die Guten und wer das Gegenteil behauptet, ist ein Verräter“, ist die Doktrin. Patriotimus und Militarismus gehen Hand in Hand. Wer anderer Meinung ist, muss das Land verlassen. Wenn er kann.

    Es sind so viele Details, belegte Beispiele für Russlands gezielte Desinformation in „Die Wahrheit ist der Feind“ enthalten, zum Beispiel zum „Fall Lisa“, der unter den in Deutschland ansässigen Russen Kreise zog und an den der eine oder andere sich vielleicht erinnert, das kann man gar nicht widergeben. Das muss man selber lesen oder hören. Ja, es ist mühsam und anstrengend, aber in den heutigen Zeiten sollte man sich informieren.

    Fazit: Tatsache ist, dass das wundervolle und ein wenig geheimnisvolle Land Russland mehr und mehr ein faschistischer Staat geworden ist. Wie lange es diese Strukuren aufrechterhalten wird, weiß kein Mensch.

    Kategorie: Politisches Buch
    Verlag: Argon Verlag, 2022

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  1. Russlands Lügengebäude und Propaganda – akribisch beleuchtet

    Russland und seine Propagandamaschinerie – akribische Recherchen einer Russlandkennerin – verwirrend detailliert

    Das Buch ist 2019 erschienen, aber es hat nichts von seiner Aktualität verloren. Ich hatte es schon mal angefangen und abgebrochen, aber beim zweiten Mal durchgehalten.

    Golineh Atai, deutsche ARD-Korrespondentin, überall in Russland und der Ukraine herumgekommen, schildert in allen Einzelheiten, was sie weiß, was sie in vielen Gesprächen erfahren und in Recherchen und Interviews herausgefunden hat.

    Warum wissen wir so wenig über Osteuropa? Warum herrscht 'in Deutschland und im Westen so eine tiefe Ahnungslosigkeit gegenüber den Gesellschaften und Kulturen Osteuropas' (eBook 359)? Warum solche 'Wissens- und Verständnislücken' (eBook 358)? Schuldgefühle wegen der Nazi-Zeit mögen eine Rolle spielen, aber vor allem die falsche Vorstellung, dass wir Verpflichtungen NUR gegenüber der Russländischen Föderation haben. Aber das stimmt ganz und gar nicht. Auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben die Nazis gewütet, ganz besonders schlimm in der Ukraine.

    'Geschichte ist komplex, Identitäten nie klinisch rein, doch Mythen sind einfach.' (117)

    Inzwischen dürften viele gemerkt haben, dass Putin und seine Entourage lügen, dass sich die Balken biegen. Man hört es in Reden, man sieht es im Staatsfernsehen, wo auch Beschimpfungen der übelsten Art an der Tagesordnung sind. Aber Frau Atai hat im Detail berichtet, welche Beeinflussung und Gehirnwäsche, welche Unterdrückung von Menschen mit abweichender Meinung und welche Indoktrination der Jugend stattfindet. Da steckt Absicht und System dahinter. Es geht aber um mehr als nur um alternative Wahrheiten: um die Missachtung von Verträgen und Menschenrechten u.v.a., was das Verdrehen und Verfälschen der Wahrheit angeht.

    Ich kann gar nicht alles erwähnen, was an Themen in diesem Buch behandelt wird und ich finde es alles unglaublich erschreckend. Es ist ein großes Verdienst von Golineh Atai, das alles zusammengetragen zu haben. Dennoch bleibe ich bei den 4 statt 5 Sternen, denn es ist anstrengend zu lesen, weil allzu viele Namen und Einzelvorkommnisse erwähnt werden. Das unterstreicht natürlich die journalistische Wahrheit der Behauptungen, aber es macht es schwierig, in den Einzelheiten den roten Faden nicht zu verlieren.

    Ein Wort noch zum Schluss: Golineh Atai fragt, was der Einzelne tun kann, eine für mich immer wichtige Frage. Sie schreibt:
    erstens: unsere Werte wie z.B. Demokratie pflegen (allerdings sehr unkonkret) und
    zweitens: uns mehr mit dem geistigen Milieu beschäftigen, das Russlands Politik prägt. Das tue ich hiermit und werde es weiterhin tun. Ich ergänze: wir sollten uns alle mehr mit der Ukraine und überhaupt mit Osteuropa beschäftigen.

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