Namen unbekannt. Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Namen unbekannt. Roman' von Sanora Babb

Inhaltsangabe zu "Namen unbekannt. Roman"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:295
Verlag: Reclam Verlag
EAN:
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Der entmündigte Leser

Buchseite und Rezensionen zu 'Der entmündigte Leser' von Melanie Möller
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der entmündigte Leser"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:0
EAN:
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Rezensionen zu "Der entmündigte Leser"

  1. Von der Anmaßung einer Literatursäuberungswelle

    Kurzmeinung: Hab mich durchgebissen, weil mich das Thema interessiert.

    Melanie Möller, Professorin für Latinistik an der FU Berlin wünscht sich „einen leidenschaftlicher Kampf für die Autonomie der Literatur, der diese schützt wie eine bedrohte Minderheit – und zwar kompromisslos. Denn wo kämen wir da hin, wenn jeder seine mehr oder weniger berechtigte Befindlichkeit erwartungsvoll an sie herantrüge?“.

    Der Kommentar:
    Die geneigte Leserin ist ganz bei der Vortragenden. Wohl kaum eine andere Nation denunziert und diffamiert die eigene Sprache im In- und Ausland in vorauseilendem Gehorsam aus Angst vor woker Kritik so wie die Deutschen es tun. Sie versehen die eigene Sprache mit Warnlabels und mit Triggerwarnungen. So geschiehts auf den Homepages vieler Goetheinstitute weltweit, wenn Tabellen "verdächtiger" Worte aufgestellt werden und man sich quasi im Vornhinein dafür entschuldigt, dass unsere Sprache unsere Sprache ist, denn „die rassistischen Wurzeln vieler deutscher Wörter lägen in der Zeit des Kolonialismus und wirken bis heute“. Natürlich trägt Sprache die Geschichte der Menschheit mit. Das muss sie auch. Soll man die Geschichte rückwirkend glätten?
    Tatsächlich ist der Angriff auf die Literatur, auf die Kunst und die Sprache alt. Das macht Melanie Möller klar, „früher“ wurden unliebsame Autoren verbannt oder entsorgt, heute entschärft man sie „nur“. Der Gedanke an das Attentat auf Salman Rushdie sollte jedoch klar machen, wie weit zu gehen auch heute noch Menschen bereit sind, um unliebsame Literatur und ihre Urheber einzuschüchtern. Die woke Ideologie ist nur einen kleinen Schritt von solchen Zuständen entfernt, zur Zeit übt sie Gewalt nur auf psychischer Ebene aus, doch Gewalt bleibt Gewalt.
    Dabei bleibt der Spaß an Literatur und ihre von den Autoren gewollte Anstößigkeit auf der Strecke. Humor ist eine zuweilen beißende Angelegenheit, dieses Bissige ist ein Ärgernis für die woke Ideologie. Ihre Angriff gegen die Satiriker unser Tage sind bekannt, ob Oliver Welke, Harald Schmidt, Dieter Nuhr, und viele andere – keiner ist vor rassistischen oder sexistischen Vorwürfen verschont und am liebsten würde man sie ganz zum Schweigen bringen.
    Ist Kunst frei und was darf sie? Alles. Die woke Ideologie will dieses „Alles“ nicht hinnehmen und die sprichwörtlich gewordene Axt von Franz Kafka, die das gefrorene Meer in uns aufbrechen soll, stumpf machen.
    Wie die Säuberungs – und Überschreibungswelle heutzutage im Einzelnen funktioniert zeigt Melanie Möller, ganz ihres Faches gerecht, an literarischen Beispielen (an ollen Kamellen), wobei sie jeweils einen oder mehrere antike Autoren – das ist nun einmal ihr Berufsfeld - einem (oder mehreren) modernen Autoren gegenüberstellt. Dabei geht sie für meinen Geschmack viel zu tief auf einzelne Werke ein. Das ist zu fachspezifisch und wird den „normalen“ Leser nicht interessieren und nicht erreichen. Denn es ist (leider) langweilig.
    Klar wird dennoch, dass die Autorin dafür plädiert, auszuhalten, was die Literatur dem Leser zumuten will und es dem Leser zu überlassen, was er daraus macht. Auf Triggerwarnungen können wir verzichten, eine Sprachkontrolle/Zensur/Polizei braucht es nicht. Der Leser ist schon groß. Einen Text zu entschärfen, ihn umzuschreiben und glättend zu übersetzen, ist ein Vergehen am Geist der Literatur, ja am Geist der Kunst überhaupt: „Beim Übersetzen sollten Anpassungen an den Zeitgeist unterbleiben.“ So ist es. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

    Fazit: Leider ist der Text von Melanie Möller reine Fachliteratur und gehört in den einschlägigen Fachjournalen publiziert und diskutiert. Demgemäß ist auch die Sprache fachspezifisch und schwer aufzuschlüsseln. Einige allgemeine Ableitungen und Bemerkungen sind dennoch höchst bemerkenswert.

    Kategorie: Fachbuch. Literatur
    Verlag: Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 2024

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Eisenkinder: Die stille Wut der Wendegeneration

Buchseite und Rezensionen zu 'Eisenkinder: Die stille Wut der Wendegeneration' von Sabine Rennefanz

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Format:Kindle Ausgabe
Seiten:274
EAN:
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Die Autistinnen

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Autistinnen' von Clara Törnvall
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Autistinnen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag: Hanser Berlin
EAN:9783446279605
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Rezensionen zu "Die Autistinnen"

  1. 3
    07. Mär 2024 

    Was bedeutet Neurodiversität

    Die Autorin beginnt ihren Essay mit einem kurzen persönlichen Blick auf ihren eigenen Autismus. Ich erfahre, dass ihr Sätze im Kopf hängen bleiben und sich wiederholen. Sie bewegt sich unsicher in der Welt, weil ihr nicht klar ist, welche Erwartungen ihre Umwelt an sie richtet. Ihre empfundene Unzulänglichkeit, lässt sie permanent angespannt sein. Sie ist von einer tiefen Trauer erfüllt, die sie nicht greifen kann. Nachts wird sie von Alpträumen heimgesucht.. Seit ihrem achtzehnten Lebensjahr befindet sie sich in Therapie. Jetzt als sie uns an ihrem “Sosein” teilhaben lässt, ist sie gerade aus der Psychiatrie entlassen worden und bei einem kompetenten Neurologen, der sie erstmalig, mit Erfolg, auf eine Autismus – Spektrum – Störung testet.

    Die Autorin begibt sich mit ihrem hochfunktionalen Autismus in die Öffentlichkeit, weil sie glaubt, dass diese Beeinträchtigung gerade bei jungen Mädchen und Frauen zu selten diagnostiziert wird. Introvertierte anpassungsfähige Mädchen werden als normal erachtet und fallen aus dem Raster, weil sie keine Probleme machen.

    Eine autistische Frau, die eine Doktorarbeit in theoretischer Philosophie schreiben kann, aber immer wieder neu überlegen muss, wie man eigentlich eine Scheibe Brot abschneidet, ist dagagen eine seltene Figur im kollektiven Bewusstsein. S. 19

    Die Autorin zeigt welche sieben Kriterien erfüllt sein müssen, damit man von einer autistischen Spektrumstörung sprechen kann. Sie hat tief in der Geschichte berühmter Frauen recherchiert, die von ihrem Umfeld als eigenbrötlerisch, unsozial, menschenfeindlich und zurückgezogen beschrieben wurden, die, so vermutet die Autorin, einfach nur neurodivers waren.

    Fazit: Das war jetzt gar nicht meins. Die melancholische Stimmung, die sich durch das gesamte Buch zog, hat es mir nicht leicht gemacht bis zum Ende zu lesen. Diese Melancholie ist mir bei skandinavischen Schriftstellerinnen schon häufiger begegnet. Die Mutmaßungen über autistische Künstlerinnen waren mir zu abstrakt. Es entspricht nicht meiner Erfahrung, dass Neurodiversität noch immer stiefmütterlich behandelt würde. Wenn ich das Internet öffne begenen mir viele Seitenhinweise zum Thema, darunter auch einige Selbsttests, die erste Hinweise auf die Möglichkeit einer Neurodiversität geben. Das einzige was ich dem Buch und der Intention der Autorin Zugute halten mag ist, dass es in der belletristischen Literatur (nahezu) keine Geschichten über neurodiverse Frauen gibt.

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Ich will sterben, aber Tteokbokki essen will ich auch

Buchseite und Rezensionen zu 'Ich will sterben, aber Tteokbokki essen will ich auch' von Baek Sehee

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Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:192
EAN:9783499012723
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Die deutsche Seele

Buchseite und Rezensionen zu 'Die deutsche Seele' von Thea Dorn
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die deutsche Seele"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783813504514
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Rezensionen zu "Die deutsche Seele"

  1. Ein Gang durch deutsche Kulturgeschichte

    Kurzmeinung: Mag ich!

    Ich mag dieses Hörbuch, gesprochen von Doris Wolters und Hubert Gertzen, wirklich gern. Dieses Buch ist freilich keines, das man, wie einen Roman mehr oder weniger an einem Stück von vorne bis hinten durchliest, sondern, das man häppchenweise zu sich nimmt. Dann aber entfaltet es seine Wirkung. Doris Wolters Stimme ähnelt der Stimme von Thea Dorn sehr, so dass ich manchmal meinte, Thea Dorns so eigenes Timbre zu hören. Ich mag es, wenn Thea Dorn ihre Bücher selber einliest.
    Von Abendbrot bis Zerrissenheit handelt "Die deutsche Seele" selbstredend nur von ausgewählten Häppchen deutscher Kulturgeschichte. Freizeitverhalten und Freikörperkultur wird auf den Grund gegangen, unter Musik haben wir einen längeren Exkurs über klassische Musik, wobei ich meine, "Wagner" hätte ein eigenes Schlagwort verdient gehabt.
    Bei jedem Begriff graben die Autoren tief und spüren die Ursprünge auf, wer hat den Gedanken des Kindergartens zuerst gehabt, wer meinte, Kindern müsse man die Natur nahe bringen und wie und warum entstand das Grundgesetz? Dabei mäandern die Gedanken der beiden Autoren auch einmal ein wenig umher; auf alle Fälle sind ihre Einlassungen immer informativ und interessant. Wer hat denn noch gewusst, dass Konrad Adenauer den Wiedergutmachungsgedanken in Bezug auf Israel und den Einsatz der damit verbundenen Geldmittel nur mit der Unterstützung der SPD durchsetzen konnte? Ich nicht.

    Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, betrifft die Kürzungen. Eine Kürzung eines Hörbuchs ist fast schon ein Vergehen. Ich möchte "alles", wenn ich ein Hörbuch kaufe, den ganzen Inhalt. Auch aus einem Roman in Buchform streicht man nicht einige Kapitel und verkauft eine Lightform. Das ist Bevormundung und kostet einen Stern.
    Wegen der Kürzungen kann ich also nicht sagen, ob die fehlenden Begriffe den Autoren fehlten oder nur der Kürzung des Verlags zum Opfer fielen. „Malerei und Kunstgeschichte kamen so wenig vor wie Hitler und Nationalsozialismus oder Schlager und Deutsche Welle“. Gut, für manches davon bräuchte man eigene Bücher. Aber Synagoge fehlt auch. Ebenso christliches Abendland und Uwe Seeler. Und Kreuzzüge und Rockkonzert und Auswandern. Volksmusik. Jodeln. Und Sauerkraut. Anyway.

    Fazit: Ein dicker durch die deutsche Kulturgeschichte führender Wälzer, der durch seine Häppchentaktik wie ein Büchlein vorkommt, dass spannend und informativ ist und dem nur eines fehlt – die Kapitel, die der Kürzung zum Opfer fielen.

    Kategorie: Hörbuch, Sachbuch zur Kulturgeschichte
    Verlag: Argon, 2014

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Migration

Buchseite und Rezensionen zu 'Migration' von Hein de Haas
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Migration"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:433
EAN:
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Rezensionen zu "Migration"

  1. Perspektivwechsel ?

    Kurzmeinung: Habe ich gerne gelesen!

    Hein de Haas ist Professor für Soziologie und Geographie in Amsterdam, überdies Professor für Migration und Entwicklung in Maastricht und leitet das International Migration Institut in Oxford. Seit mehr als dreißig Jahren beschäftigt er sich beruflich mit den Phänomenen der Migration. Er sollte also wissen, wovon er spricht und sein Sachbuch über Migration stützt sich auf Zahlen, Fakten und wissenschaftliche Studien und Erhebungen.
    Das wirklich erhellende Sachbuch über Migration ist genauso aufgebaut, wie es der Untertitel verspricht. Es wird eine These in den Raum gestellt, ein sogenannter Mythos, und danach wird erklärt „was wirklich dahintersteckt“. Hein de Haas schreibt absolut verständlich und wenn man ihm an der Präsentation seiner Thematik überaupt etwas vorwerfen könnte, dann wäre dies vielleicht die pädagogische Absicht, seinerzeit seinen Studenten und jetzt seinen Lesern durch häufige Wiederholungen etwas ins Gehirn zu hämmern! Ich gebe zu, dass mich diese Art der Didaktik genervt hat, denn ich habe schon beim ersten Mal begriffen, dass (die allermeisten) Migranten ihr Land nicht deshalb verlassen, weil sie arme Schlucker sind und verzweifelt irgendwo anders, egal wo, Hauptsache Westen, auf ein besseres Leben hoffen (das durchaus auch), sondern, dass sie gezielt auf die Nachfrage nach Arbeitskräften reagieren. Mit anderen Worten, Konjunktur schreit laut nach Arbeitskräften (und dann kommen sie; wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Versetzung) und Rezession hält Migranten davon ab, ins Land zu kommen und/oder lässt sie wieder abwandern. Die Wirtschaft also bestimmt den Kreislauf von Kommen und Gehen, der jedoch behindert wird, wenn Einreisebeschränkungen Migranten davon abhält, auf Konjunkturschwankungen zu reagieren. Sie bleiben hauptsächlich dann im Land, legal oder illegal, wenn ihnen das Hin- und Herreisen verwehrt wird. Das ist das Wichtigste in Kürze und ich habe es so oft gehört in dem Buch dass ich es im Schlaf herunterbeten kann.

    Die „Mythen“ lauten: 1. Die Migration bricht alle Rekorde, 2. Unsere Grenzen sind nicht mehr sicher, 3. Die Welt steht vor einer Flüchtlingskrise, 4. Unsere Gesellschaft ist vielfältiger denn je 5. Migration lässt sich mit Entwicklungshilfe eindämmen, 6. Migration ist die verzweifelte Flucht aus dem Elend, 7. Wir brauchen keine ausländischen Arbeitskräfte, 8. Ausländer nehmen uns die Arbeit weg und drücken die Löhne, 9. Zuwanderung ist eine Gefahr für den Sozialstaat, 10. Die Integration ist gescheitert, 11. Massenmigration schafft Parallelgesellschaften, 12. Zuwanderung bringt mehr Verbrechen, 13. Migration führt zu Talentschwund, 14. Zuwanderung ist das Allheilmittel für die Wirtschaft, 15. Zuwanderung ist die Lösung für die alternde Gesellschaft, 16. Die Grenzen werden dichtgemacht, 17. Linke sind für, Rechte gegen Migranten, 18. Die Öffentlichkeit hat genug von Zuwanderung, 19. Menschenschmuggel ist der Grund für illegale Migration, 20. Menschenhandel ist eine moderne Form der Sklaverei, 21. Zuwanderung lässt sich durch Beschränkungen vermindern, 22. Der Klimawandel entfesselt eine Völkerwanderung.

    Der Kommentar:
    Es ist natürlich nicht so unkompliziert, wie es sich auf den ersten Blick ausnimmt oder anhört. Und man muss die Schlussfolgerungen Hein de Haas nicht eins zu eins übernehmen, trotzdem sind die aufgeführten Erhebungen dazu angetan, manchen Sachverhalt noch einmal zu überdenken.
    Was ich vor allem mitgenommen habe: Positiv - dass die Menschheit zwar den Zenit ihrer Vermehrung noch nicht überschritten hat, dass die Forscher aber damit rechnen, dass die Menschheit sich langfristig vermindert. Der Autor macht daraus die Hypothese, dass der ungehinderte Zugriff auf „eine sozusagen unbeschränkte Anzahl von Arbeitskräften (Arbeitsmigranten)“ und das Jammern darüber, sich alsbald (na ja bald) in ein Konkurrieren um den Zuzug von Arbeitsmigranten verwandeln wird. Bei den Fachkräften ist das ja längst so, aber Hein de Haas meint, dass dieses Phänomen sich bald (na ja bald) auf die gesamte Migration beziehen wird. Dies lässt aufhorchen: also werden wir uns bald danach strecken, dass Menschen zu uns kommen. Aber wie gesagt, „bald“ ist relativ.
    Negativ - dass Migration, selbst wenn sie in großem Maßstab erfolgt, hauptsächlich der Wirtschaft nützt, die Wohlhabenden, die Unternehmer und die Reichen davon im Übermaß profitieren, während „die Masse“ unter den damit einhergehenden gesellschaftssoziologischen Verwerfungen zu leiden hat, weil sie diese Verwerfungen nämlich ausschließlich zu schultern und zu tragen hat. Ja, das wissen wir. Und deswegen sind wir sauer.
    Hein de Haas macht die Politik für die allermeisten Missstände verantwortlich und verschweigt seine Ansicht nicht: die Politik geht mit seinen Arbeitskräften mies um und hofiert die Wirtschaft. Und so war es schon immer. Aber muss es immer so bleiben?

    Hilfreich finde ich bei den Betrachtungen von Hein de Hass, dass er den Blick von der Kurzsichtigkeit unseres Lebens auf einen langfristigen Zeitraum und Zusammenhang lenkt. Diesen Pespektivwechsel müssen wir uns insgesamt angewöhnen.

    Besonders bei der These, die Integration sei gescheitert, merken wir, dass eine langfristige Betrachtung die Resultate ändert. Auf die dritte und vierte Generation hin gesehen, geschieht Integration. Das ist Fakt. Sineb al Masar beschreibt dies in launigem Kontext in ihrem Buch „Sind wir nicht alle ein bisschen Alman“. Ob wir wollen oder nicht, schreibt sie, wir (die ehemaligen Migranten) sind bereits deutscher als wir denken. Übrigens: oft schafft es schon die zweite Generation. Und "alman" ist ein Platzhalter.

    Fazit: "Migration" ist ein Sachbuch, das mit populären Thesen hart ins Gericht geht und eine kritische Sicht auf Politikerparolen wirft. Versteht mich nicht falsch bei diesem Resümee: die Arbeit der Politiker ist wichtig, schließlich muss auch sie gemacht werden, trotzdem muss man genau hinschauen und hinterfragen. Ich gebe eine Leseempfehlung.

    Kategorie: Sachbuch. Soziologie. Migration.
    S. Fischer-Verlag, 2023

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What the Fake!

Buchseite und Rezensionen zu 'What the Fake!' von Etrit Asllani
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "What the Fake!"

Format:Taschenbuch
Seiten:240
EAN:9783548068121
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Rezensionen zu "What the Fake!"

  1. Unterhaltsame Sensibilisierung

    Mein Eindruck:
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    Der Psychologe Etrit Asllani betreibt mittlerweile selbst einige Kanäle auf sozialen Medien, auf denen er über Fake News aufklärt. Hier beschreibt er umfassend und leicht verständlich, wie es zu diesem Buch kam, was Fake News sind, auf welche Weise sie zustande kommen und warum sie so gerne verbreitet werden. Er räumt mit den am häufigsten verbreiteten Mythen auf, widmet sich dem Thema Verschwörungstheorien und welches Rezept für einen "Verschwörungskuchen" benötigt wird.

    Dabei duzt er seinen Leser und geht auch auf die Geschichte der Fake News ein, die nicht erst mit Social Media entstanden sind, sondern schon viel früher. Aber man merkt auch, dass er dabei ein eher jüngeres Publikum anspricht, das mit Social Media groß geworden ist und daher vielleicht auch weniger sensibilisiert für Falschmeldungen. Dennoch ist der Ton nie flapsig oder besonders "cool", sondern verständlich und mit vielen Beispielen arbeitend. So kann auch der nicht mehr so jugendliche Leserkreis (zu dem ich zähle) davon profitieren.

    Mir gefiel der umfassende Aufbau sehr gut. Es wird auf alle Aspekte des Themas eingegangen, angefangen von der Historie bis zum Entstehen, dem Verbreiten, dem Erkennen und schließlich dem Vermeiden von Fake News. Wichtige technische Begriffe werden ebenso erklärt wie psychologische. Durch Infokästen und Grafiken werden die Fakten gut veranschaulicht und am Ende werden noch hilfreiche Tipps genannt, um sich weiter zu informieren oder über aktuelle Fake News auf dem Laufenden zu halten.

    Obwohl ich mich schon aus beruflichen Gründen mit dem Thema befasst habe, habe ich einiges Neues gelernt, vor allem die psychologischen Aspekte betreffend, aber auch bei den Aufklärungen war einiges Spannendes für mich dabei. Herr Asllani versteht es trotz vieler Fakten den Leser durch seine bildhafte Sprache und guten Erklärungen bei der Stange zu halten. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch verschlungen, was bei einem Sachbuch sehr selten ist.
    Am Ende bekommt der Leser einen Impfpass ausgestellt, damit er zukünftig besser vor Fake News geschützt ist. Diese kleine Anspielung auf Corona (in der Zeit ist das Buch auch entstanden) hat mir gut gefallen. Der Autor versteht es, Sachverhalte fesselnd zu formulieren. So macht Sensibilisierung Spaß! Ich hoffe auf weitere Bücher von ihm und werde seine Tätigkeiten auf Social Media weiter verfolgen.

    Fazit:
    ---------------------------------
    Unterhaltsame und sehr umfassende Aufklärung zum Thema Fake News

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Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen' von Philippa Perry

Inhaltsangabe zu "Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783550200748
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The Salt Path

Buchseite und Rezensionen zu 'The Salt Path' von Raynor Winn
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "The Salt Path"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:288
Verlag: Penguin
EAN:9781405937184
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Rezensionen zu "The Salt Path"

  1. Lebe deinen Traum und fühle dich frei

    Infolge eines dubiosen Investments und aufgrund eines Formfehlers im anschließenden Gerichtsverfahren sind Ray und Moth plötzlich obdachlos, mittellos und ohne Einkommen. Zudem hat Moth die Diagnose bekommen, aufgrund einer degenerativen Nervenkrankheit nur noch ein paar Jahre zu leben zu haben. Da beschließen die beiden, den South West Coast Path von Somerset nach Dorset zu laufen, immerhin rund 1.000 Kilometer.

    Das ist keine literarische Autobiographie und auch keine Reisereportage, sondern ein bisschen von beidem und außerdem ein berührender, Mut machender Text, ein Hoch auf die Resilienz unter widrigen Umständen und die Kraft einer Partnerschaft. Und dazwischen Begegnungen mit Menschen aller Art und Beschreibungen einer wunderschönen und beeindruckenden Landschaft. Man muss allerdings diese Art Bericht mögen (und ich mag das).

    Am Ende fügt sich alles. Moth beginnt eine Ausbildung, die beiden bekommen ein Dach über dem Kopf und wandern immer mal wieder, nah und fern. Das Buch wird ein Bestseller, weitere folgen. Moth lebt noch, zehn Jahre später. Ray ist jetzt Schriftstellerin und kann davon leben. Fünf Sterne für den Inhalt, vier Sterne für den Schreibstil.

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