Wozu wollen Sie das wissen?

Buchseite und Rezensionen zu 'Wozu wollen Sie das wissen?' von Alice Munro

Inhaltsangabe zu "Wozu wollen Sie das wissen?"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:384
EAN:9783596169696
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Agatha Christie

Buchseite und Rezensionen zu 'Agatha Christie' von Susanne Lieder

Inhaltsangabe zu "Agatha Christie"

Format:Taschenbuch
Seiten:383
Verlag: Aufbau TB
EAN:9783746640945
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Das Jahr ohne Sommer

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Jahr ohne Sommer' von Constanze Neumann
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Jahr ohne Sommer"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:192
EAN:9783550202292
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Rezensionen zu "Das Jahr ohne Sommer"

  1. 4
    18. Mai 2024 

    Zwischen- Welten

    Während Constanze Neumann in ihrem 2021 erschienenen Roman
    „ Wellenflug“ das Leben ihrer Urgroßmutter und deren Schwiegermutter verarbeitet hat, geht es in ihrem neuesten Buch wohl um ihre eigene Geschichte. „ Das Jahr ohne Sommer“ kommt ohne Gattungsbezeichnung
    „ Roman“ aus und wird streng aus der Ich- Perspektive erzählt.
    Die namenlose Ich- Erzählerin ist noch ein kleines Kind, als ihre Eltern 1977 die Flucht aus der DDR wagen. Doch durch den Verrat eines der beteiligten Fluchthelfer werden sie entdeckt. Beide Eltern kommen ins Gefängnis und das kleine Mädchen wird nach ein paar Tagen Kinderheim von den Großeltern nach Leipzig geholt. Anderthalb Jahre später werden die Eltern vom Westen freigekauft und sie dürfen ausreisen. Und danach darf auch die Tochter Ostdeutschland verlassen. Wieder ein Einschnitt, denn der Abschied von der geliebten Großmutter fällt ihr schwer.
    Nach ersten Anlaufschwierigkeiten findet der Vater eine Stelle als Leiter einer großen Musikschule in Aachen. Kein leichter Neuanfang für einen Mann Anfang Fünfzig. Doch mit dem unbedingten Willen, alles richtig zu machen, gelingt ihm dieser.
    Für die wesentlich jüngere Mutter gestaltet sich das Ankommen in der neuen Heimat schwieriger. Im Gefängnis war sie sehr krank geworden und ist nun immer noch körperlich und psychisch angeschlagen. Ihr Ziel, wieder so wie zuvor Geige spielen zu können und einen Platz in einem Orchester einzunehmen, wird sie nie mehr erreichen. Ihre Arme und Finger verweigern den Dienst; da hilft auch das stundenlange Üben nichts.
    Die Familie hat Schulden. Die Flucht hatte Geld gekostet, neue Möbel mussten angeschafft werden. Doch an Büchern wurde nie gespart. Endlich konnten sie sich all die Bücher kaufen, die in der DDR verboten oder nicht erhältlich waren.
    Schön und schmerzhaft zugleich sind die Treffen mit der in Leipzig gebliebenen Großmutter. Möglich sind die nur in den Sommerferien in getrennten Unterkünften in der Tschechoslowakei, wohin alle Beteiligten reisen durften. Mit zehn Jahren kann die Ich- Erzählerin auch allein die Oma besuchen. Dabei aber immer die Ermahnung des Vaters im Ohr, nie den Pass, der sie als Bundesbürgerin auswies, aus den Händen zu lassen.
    Nüchtern und unsentimental berichtet die Ich- Erzählerin vom Aufwachsen im Westen. In der Grundschule freundet sie sich mit dem einzigen Mädchen an, das wie sie eine Außenseiterin ist, ein Mädchen aus Korea.
    Und sie verspürt bald die Trennung, die zwischen der Welt daheim und der Welt draußen besteht. Die Leichtigkeit draußen und drinnen „ die Angespanntheit meines Vaters, alles richtig zu machen, es zu schaffen in dem Land, das ihn und uns aufgenommen und Chancen gegeben hatte. Drinnen waren die DDR, …, und die Angst meines Vaters, dass die westdeutschen Politiker die Gefahr, die von der UdSSR ausging, nicht ernst nahmen.“ Die Wünsche der Westdeutschen nach Abrüstung und Frieden waren ihm fremd.
    „ Die beiden Welten draußen und drinnen berührten sich, sie existierten nebeneinander, ich konnte von einer in die andere schlüpfen, aber ich konnte sie nicht zusammenfügen.“
    Das Gefühl der Zerrissenheit sollte bleiben. Und eine Verständigung mit den Westdeutschen sollte nicht möglich sein. Zu unterschiedlich waren die jeweiligen Erfahrungen und das Interesse am Osten im Rheinland kaum vorhanden.
    Die Friedensbewegung im Westen gewinnt an Zulauf, der Vater beobachtet Glasnost und Perestroika mit Unglauben und Misstrauen.
    Als die Mauer fällt ist die jugendliche Ich- Erzählerin in den USA zum Schüleraustausch. Aber nun entfremdet sich der Vater auch von seinen früheren Leipziger Freunden. Die träumen vom dritten Weg als Chance einer Veränderung und der Vater vertritt die Position der Westdeutschen, die sich auf der richtigen Seite fühlen.
    Die Ich- Erzählerin muss sich Vorwürfe von einer ostdeutschen Studentin gefallen lassen, die vehement die Flucht ihrer Eltern verurteilt. „ Da hätten sie die paar Jahre auch noch warten können,…“
    Constanze Neumann erzählt in einer schnörkellosen und klaren Sprache. Gerade in der kindlichen Perspektive zeigt sich ein unbelasteter, aber deshalb genauer Blick auf die Geschehnisse. In prägnanten Szenen wird eindrucksvoll beschrieben, wie schwierig ein Neuanfang in einem fremden Land sein kann. Auch wenn man dieselbe Sprache spricht, heißt das noch lange nicht, dass man verstanden wird. Aber das Leben im Dazwischen hinterlässt seine Spuren. Davon erzählt Constanze Neumann im Epilog.
    „ Das Jahr ohne Sommer“ ist eine eindringliche Lektüre über den Verlust von Heimat und einem Neuanfang, über das Leben im Dazwischensein; ein lesenswerter Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichte.

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Vierundsiebzig

Buchseite und Rezensionen zu 'Vierundsiebzig' von Ronya Othmann

Inhaltsangabe zu "Vierundsiebzig"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
EAN:9783498003616
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In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung

Buchseite und Rezensionen zu 'In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung' von Tahir Hamut Izgil

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
EAN:9783446276062
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Rot vor Augen

Buchseite und Rezensionen zu 'Rot vor Augen' von Lina Meruane

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Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
EAN:9783716027660
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Seinetwegen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Seinetwegen: Roman' von Zora del Buono

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:204
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406822407
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Im Meer schwimmen Krokodile

Buchseite und Rezensionen zu 'Im Meer schwimmen Krokodile' von Fabio Geda

Inhaltsangabe zu "Im Meer schwimmen Krokodile"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:208
EAN:9783328106654
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Die Farm in den grünen Bergen

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Farm in den grünen Bergen' von Alice Herdan-Zuckmayer

Inhaltsangabe zu "Die Farm in den grünen Bergen"

Format:Taschenbuch
Seiten:240
EAN:9783596201426
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Eisernes Schweigen

Buchseite und Rezensionen zu 'Eisernes Schweigen' von Traudl Bünger
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eisernes Schweigen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783462004908
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Rezensionen zu "Eisernes Schweigen"

  1. 3
    19. Mai 2024 

    Persönliche Aufarbeitung

    Traudl Bünger, 1975 geboren, ist eine deutsche Autorin und promovierte Kulturschaffende. In ihrem neuesten Buch „ Eisernes Schweigen“ beschäftigt sie sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte.
    Ihr Vater war Anfang der 1960er Jahre Doktorand der Chemie und mit seinem Zwillingsbruder zusammen verstrickt in einen terroristischen Anschlag.
    Zu dieser Zeit war der Südtirol-Konflikt ein großes Thema. Nach dem Zweiten Weltkrieg hofften viele Südtiroler, wieder österreichisch zu werden. Sie fühlten sich seit Jahren unterdrückt von der Regierung Italiens und die rechte Szene in Deutschland solidarisierte sich mit der Unabhängigkeitsbewegung in Südtirol. So auch Heinrich Bünger. Er baute Zeitzünder für Sprengsätze und ließ auch, zusammen mit anderen Männern, eine Bombe in einem italienischen Bahnhof hochgehen. Doch statt wie geplant nachts zu explodieren, wenn niemand mehr am Bahnhof war, ging die Bombe am Nachmittag des 20. Oktober 1962 hoch. Der Zeitzünder hatte versagt, ein Mann kam dabei ums Leben.
    18 Jahre lang zog sich das Verfahren gegen ihren Vater hin. Ein Urteil über dreieinhalb Jahre Haft wurde wieder aufgehoben. Letztendlich musste der Vater für seine Tat nie büßen.
    Die Tochter wusste um das rechtsnationale Gedankengut ihres Vaters. Daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Doch über dieses Attentat und seine Beweggründe hat er zeitlebens geschwiegen. „ Eisernes Schweigen“ nennt Traudl Bünger deshalb auch dieses Buch, bei dem sie versucht, nach dem Tod des Vaters, mehr über die Hintergründe zu erfahren.
    Vier Jahre dauert ihre Recherche. Dafür hat sie sich in Archive vergraben, Hunderte von Akten durchsucht, Briefe, Protokolle und Gerichtsurteile gelesen. Aber auch Zeugen befragt, darunter den Zwillingsbruder ihres Vaters, der sich damals, um der Strafverfolgung zu entziehen, nach Südafrika abgesetzt hat. Herausgekommen ist ein über 360 Seiten starkes Buch, das sehr genau und detailliert das Ergebnis ihrer Suche zusammenfasst.
    Dabei geht es natürlich auch oft um ihre persönliche Beziehung zum Vater. Denn einerseits war Heinrich Bünger ein verlässlicher Vater, einen, den sie geliebt hat. Gleichzeitig hat sie in ihm das gesehen, was er war: „ ein Rechtsradikaler, ein Täter“. Mit diesen widersprüchlichen Gefühlen gilt es fertig zu werden.
    Was Traudl Bünger ebenfalls beschäftigt und was auch ich interessant finde, ist die Frage, warum die Einstellung ihres Vaters nicht auf sie abfärben konnte. Eine genaue Erklärung dafür hat sie nicht, aber eine ungefähre Ahnung: Sie ist zu einer ganz anderen Zeit aufgewachsen als ihr Vater. Die gesellschaftliche Haltung zum Nationalsozialismus war eine völlig andere. Man kannte „ Das Tagebuch der Anne Frank“ und im Fernsehen lief, mit großem Medienrummel begleitet, die amerikanische Serie „ Holocaust“. Ihr Umfeld war sehr kritisch eingestellt. Aber am prägendsten in dieser Hinsicht war die Haltung ihrer Mutter. Die hatte zwar nie mit dem Vater diskutiert und ist ihm auch nie ins Wort gefallen, wenn er sein rechtes Gedankengut verbreitet hat. „ Aber sie hatte ein Gegenmittel: Mitgefühl“. Da man weiß, dass das Verhalten der Eltern größere Auswirkungen hat als all ihr Gerede, ist dieses Argument stichhaltig.
    Das Buch wechselt beständig zwischen verschiedenen Text- und Tonarten hin und her. Mal sachlich nüchtern werden Fakten zusammengetragen, werden Dokumente zitiert und ausführlich die Recherchearbeit geschildert. Dann wird es emotionaler, wenn sie versucht, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihres Vaters hineinzuversetzen. Wobei sie hier nur spekulieren kann, denn sein beharrliches Schweigen machen verlässliche Aussagen unmöglich. Solche Passagen wären deshalb entbehrlich gewesen.
    Interessanter dagegen sind Traudl Büngers Überlegungen zum Umgang des deutschen Staates mit der rechtsradikalen Szene, die sprichwörtliche Blindheit auf dem rechten Auge. Ganz offen konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die rechte Szene organisieren und vernetzen.
    Allerdings ist nicht jeder Gedankengang der Autorin nachvollziehbar, manche Bezüge erscheinen zu gewollt. Und, mein Hauptkritikpunkt, das Buch ist viel zu ausführlich. Nicht jedes Detail ihrer Nachforschung hätte so explizit geschildert werden müssen. Dem Buch hätte eine deutliche Straffung gutgetan.
    Empfehlen möchte ich den achtteiligen Doku-Podcast des WDR mit Informationen und Hintergründen des Attentates, nachzuhören in der ARD- Mediathek.

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