Drei Schalen

read more

Rezensionen zu "Drei Schalen"

  1. 4
    13. Mär 2024 

    Unkonventionelle Geschichten über Krisen und Neuanfänge...

    Dieser Erzählband enthält zwölf interessante, teils verwirrende und/oder verstörende Geschichten mit einem teilweise verblüffenden autobiografischen Bezug, wie die dem Buch beiligende Broschüre verrät. Dies sorgte bei mir im Nachhinein noch für einen Kloß im Hals, denn jeder der Texte steht für eine sehr persönliche Lebenskrise. Jede der Erzählungen widmet sich einer anderen Person, einer anderen Lebenslage, teilweise stehen die Episoden jedoch in einem losen Kontext zueinander.

    Die Geschichten bieten oft eine überraschende Wendung, eine verblüffende Reaktion. Es kommt oftmals zu sehr eigenwilligen Lösungen, die die Kreativität von Menschen herausstreicht, aber auch die Extremsituationen verdeutlicht, in denen sich die Hauptcharaktere hier befinden. Eigensinn und Skurrilität kennzeichnen die Erzählungen, stets gibt es eine individuelle Lösung, kein Anpassen an Konventionen oder Erwartungen, was mir gut gefiel.

    Manches stößt auf oder ab, und es sind oft unbequeme Geschichten, die trotz aller Distanziertheit des Erzählens teilweise ein Unwohlsein hervorrufen. Nicht alle Erzählungen konnten mich komplett abholen, bei manchen Geschichten habe ich nicht alle Hintergründe erfasst oder verstanden. Doch ich mochte das Unkonventionelle der Entscheidungen und die kleinen Ausbrüche der Hauptcharaktere, ebenso wie die leise Kritik an Rollenvorstellungen (Verhältnis Mann-Frau) und einigen gesellschaftlichen Gepflogenheiten.

    Letztlich habe ich das Buch sehr gerne gelesen und die so unterschiedlichen Geschichten wohldosiert genossen...

    © Parden

    Teilen
  1. Ein emotionales Alphabet des Abschieds

    Michela Murgia wurde nur 51 Jahre alt, sie verstarb im August 2023. Insofern ist dieser Erzählband ihr letztes Buch, mit dem sie ein beeindruckendes Vermächtnis hinterlässt. Enthalten sind zwölf Geschichten. In der ersten „Unübersetzbarer Ausdruck“ erhält eine namenlose Ich-Erzählerin eine unheilbare Krebsdiagnose, in der letzten „Übergangszeit“ wird eine ungewöhnliche, bewegende Abschiedsfeier für eine kürzlich an Krebs verstorbene Frau begangen. Diese beiden Erzählungen bilden aus meiner Sicht den Rahmen. Doch auch die dazwischen liegenden Geschichten sind miteinander verwoben, man findet Bezüge, aus denen Zusammenhänge erkennbar sind.

    Murgia erzählt stets aus einer gewissen Distanz heraus. Ihren Figuren wird durch ein plötzlich eintretendes Ereignis der Boden unter den Füßen weggezogen. Sie sind gezwungen, sich neu auszurichten, Entscheidungen zu treffen oder Konflikte zu bewältigen mit dem Ziel, eine neue zufriedenstellende Balance zu erlangen. Die Themen sind vielfältig. Krankheit und Tod nannte ich schon. Dazu kommen Beziehungsprobleme unterschiedlicher Art, Verlassenwerden, Kinderwunsch, Sterbehilfe, Pubertät, patriarchische Bevormundung und andere Themen, die die Verletzlichkeit des Menschen zum Ausdruck bringen. Alle Erzählungen machen nachdenklich, erwecken aber auf die ein oder andere Weise Hoffnung. Die Figuren unterlaufen eine Entwicklung, so dass am Ende zumeist Lösungen in Sicht sind. Insofern verstehe ich „Drei Schalen“ als ein positives, nach vorne gerichtetes Buch. Auch wenn man die Welt nicht ändern kann, so ist es doch möglich, den eigenen Blick darauf zu variieren. Jede Geschichte hat Tiefgang, sie lässt den Leser aber niemals unglücklich zurück. Das halte ich für eine große Stärke dieser Texte.

    Murgia benutzt eine messerscharfe, klare Rhetorik. Die Autorin führt den Leser unmittelbar in die Handlung ein. Man kann sich schnell in die namenlosen Protagonisten einfühlen, deren Konflikte menschlich nachvollziehbar geschildert werden. Die daraus resultierenden Handlungsweisen fallen mitunter unkonventionell aus, was deren literarische Qualität aber nicht mindert. Murgia versteht es, ihren Figuren Tiefe zu verleihen, die sie mit scheinbar wenigen Federstrichen zum Ausdruck bringt. Ihre eingestreute feine, teilweise poetische Metaphorik bringt die Texte zum Leuchten.

    Die Erzählungen wurden von Esther Hansen wunderbar aus dem Italienischen übertragen. Sie sind ein beeindruckendes Vermächtnis einer viel zu früh gestorbenen Autorin, deren mentale Stärke an jeder Stelle dieses Buches zu spüren ist. Trotz ihrer eigenen vorhersehbar schlechten Diagnose hat sie offensichtlich den Blick für die Schicksale anderer Menschen nicht verloren.
    Ich verneige mich vor Michela Murgia und spreche für diesen Erzählband mit seinem wunderschönen Cover eine große Leseempfehlung aus.

    Teilen
  1. Über Krisen und Neuanfänge

    Mit "Drei Schalen" liegt nun der wohl letzte Erzählband der italienischen Schriftstellerin Michela Murgia vor. Er versammelt insgesamt zwölf verschiedene Geschichten zu Themen wie Krankheit und Tod, Trennungsschmerz und Neubeginn, Abschiednehmen und Weiterleben. Sie sind inspiriert von der Lebenssituation der Autorin, die hier ihre Krebserkrankung, an der sie verstarb, verarbeitete.

    Die Menschen in ihren Geschichten sind ebenfalls mit radikalen und herausfordernden Umbrüchen in ihrem Leben konfrontiert, die sie auf je unterschiedliche und individuelle Art verarbeiten und so einen Neubeginn wagen: Da ist eine unheilbar an Krebs erkrankte Patientin, der es gelingt einen neuen Blickwinkel auf ihre Krankheit einzunehmen, oder wir lesen über den unterschiedlichen Umgang zweier Menschen mit Ihrer Trennung nach gescheiteter Beziehung. An anderer Stelle geht es um den Trennungsschmerz einer Mutter von ihrem ausgezogenen Sohn, den sie durch die Pappfigur eines Popstars zu kompensieren versucht oder um Gewissensbisse einer Witwe, die sich nach ihrem Anteil am Tod ihres kranken Mannes fragt und sich einem Pater anvertraut. In wieder anderen Geschichten geht es um Rituale, mithilfe derer die Überwindung althergebrachter Muster möglich erscheint oder auch mal um Gesellschaftskritik wie in den Geschichten über die Kinderhasserin, die sich als Leihmutter zur Verfügung stellt, oder der des Arztes, der trotz aller Schutzmaßnahmen am Ende nicht verhindern kann, dass der eigene Sohn an Corona erkrankt.

    Die meisten Geschichten fand ich sehr erhellend und inspirierend. Auch haben mir die Überschneidungen zwischen unterschiedlichen Geschichten gut gefallen. Murgias Sprache ist wirkt distanziert und kühl, aber überzeugt mit wunderschönen Formulierungen, die von viel Lebensweisheit zeugen. Die Erzählungen kreisen um das Thema des Kontrollverlusts und wie man diesen wieder in den Griff bekommen kann. Dies wird am Beispiel ganz unterschiedlicher Lebenssituationen aufgezeigt.

    Murgias Geschichten haben mich gut unterhalten und zum Teil zum Nachdenken gebracht. Gerne empfehle ich den Erzählband weiter.

    Teilen
  1. "Ich weiß, was Leid bedeutet"

    In ihrem Letzten Buch erzählt Michela Murgia so viele Geschichten, wie das Jahr Monate hat, und die Autorin schrieb sie in einer Zeit, die sie selber als "Übergangszeit" bezeichnet: die Zeit zwischen der Krebsdiagnose und ihrem zu frühem Tod. Diese Geschichten sind ihr Vermächtnis an ihre Leser.

    Die erste Geschichte beginnt gleich mit dem Paukenschlag der tödlichen Krebsdiagnose, und streng genommen, beginnt hier sofort der Übergang, wenn die Protagonistin ihre Sicherheit verliert, wenn sie ab sofort nicht mehr gesund, sondern krank ist, und wenn sie weiß, dass ihre Therapie nur noch darin bestehen kann, ihr soviel Zeit wie möglich zu verschaffen. In dieser Geschichte ist der autobiografische Bezug überdeutlich. Und sofort wird der Ich-Erzählerin klar: sie wird nicht das übliche Kriegsvokabular benutzen wollen, denn „der Krebs ist kein Feind, den es zu vernichten gilt“, wie Murgia in einem Interview sagt. Für einen Feldzug gegen den Krebs ist es zu spät. Stattdessen sieht sie den Krebs als einen Teil ihres Körpers, der aus einer Vielzahl von Zellen besteht. Einzeller bekommen keinen Krebs, aber sie können auch nicht schreiben und lernen. Murgia und ihre Ich-Erzählerin jammern nicht, sie wehren sich nicht und begehren nicht auf, sondern sie arrangieren sich mit ihrem Schicksal in einer bewundernswert stoischen Haltung ändert. Und in diesem Ton erzählt Murgia ihre Geschichten.

    Die Autorin führt ihrem Leser einen Figurenreigen vor, bei dem jede Figur in unterschiedlicher Weise mit einer anderen Figur verbunden ist. Alle Geschichten handeln von Abhängigkeit, von Abschied, Krankheit, von zerbrechenden und zerbrochenen Beziehungen, von Verlassenwerden und Schmerz und auch von Trauer.

    Oft sind es Menschen in Umbruch-Situationen, in deren Leben eine entscheidende Wende tritt und die mit neuen Situationen klarkommen müssen. Dazu fallen ihnen gelegentlich merkwürdige Lösungen ein wie z. B. eine lebensgroße Pappfigur als Ersatz für den Sohn, aber warum nicht? Was spricht gegen ungewöhnliche Lösungen?

    Michele Murgia bleibt nicht bei der Beschreibung stehen, sondern sie lässt immer die Ambivalenz des Verhaltens durchscheinen. Die Wahrheit hat für sie immer mehrere Gesichter. So lässt sie z. B. in der Geschichte mit dem provokanten Titel "Uterus zu verleihen" eine leidenschaftliche Kinderhasserin auftreten, die aber trotzdem dazu bereit ist, für ihren besten Freund ein Kind auszutragen: "Ich weiß, was Leid bedeutet, wenn ich es sehe, und ich ertrage es nicht, dass mein bester Freund leidet … Das Leben ist nicht gerecht."

    Ähnlich sieht es in der Geschichte "Bis dass der Tod" aus. Eine Geschichte, in der eine vordergründig nicht emanzipierte Frau von Schuldgefühlen geplagt wird. Murgia legt jedoch mit einigen wenigen Wendungen offen, wie sehr dieser Frau das Vortäuschen von Schwachheit nutzt.

    Alle 12 Geschichten bilden einen großen Bogen, beginnend bei der Diagnose und endend mit der Trauerfeier, bei der sich Freunde und Verwandte die Kleider der Verstorbenen mitnehmen dürfen. Damit gelingt Murgia ein sehr schönes und ein sehr tröstliches Bild. Diese Kleider sind voll von Erinnerungen, und in diesen Erinnerungen wird sie weiterleben können.

    Murgias Sprache ist von schöner Klarheit. Sie braucht nicht viele Worte, um den Leser zu verunsichern und ihm die Rückseite der Medaille nahezubringen.

    4,5 *

    Teilen
  1. Die Dreiheit zur Wiederherstellung der Ordnung

    Michaela Murgias Erzählband „Drei Schalen“ präsentiert in zwölf Kurzgeschichten unterschiedliche, manchmal miteinander verbundene Protagonisten, die allesamt großes Leid, Ungerechtigkeit, Schmerz, Scham, Trauer oder Herabsetzung erfahren haben. Die Geschichten spiegeln deutlich die persönlichen Erfahrungen der Autorin, die selbst eine Krebsdiagnose verarbeiten musste. Dabei werden die Verletzlichkeit der Menschen und ihre sehr individuellen, oft bizarren und verstörenden Bewältigungsmechanismen dargestellt.

    Durch eine schnörkellose, manchmal fast kalte Sprache herrscht in den Geschichten eine eigenartig distanzierte Stimmung, die trotz des häufig geschilderten tiefgreifenden Schmerzes nie die Emotionen überhandnehmen lässt und den Charakteren ihre Würde und in eigenwilliger Weise auch eine Bewältigung ihrer Probleme zugesteht.

    Die Erzählungen berühren, ja machen betroffen, bleiben in ihrer Aussage teilweise im Unklaren und stecken voller Symbolik. Sie lassen den Leser nachdenklich und dennoch seltsam versöhnt zurück, nicht zuletzt, weil die letzte Erzählung mit einer tröstlichen Botschaft abschließt.
    Insgesamt ein eigenartiges, lesenswertes Buch.

    Teilen
  1. 4
    16. Feb 2024 

    hat mich nicht erreicht

    "Drei Schalen" besteht aus 12 Kurzgeschichten. die sich um das Thema tiefgreifende Lebensveränderungen drehen. Veränderung durch eine Krebsdiagnose, die Coronapandemie, den Tod eines Partners, den Auszug des erwachsenen Kindes, Schwangerschaft, das Ende einer Beziehung.

    Die Geschichten werden teils in der Ich-Form, teils in der 3. Person erzählt. Die jeweiligen Erzähler berichten in poetischer Sprache und dennoch seltsam distanziert, so als blickten sie aus einigem Abstand wie aus der Vogelperspektive auf das Erlebte. Die Geschichten sind ineinander verwoben, die Personen teilweise identisch, der Erzählende nicht, so dass eine jeweils andere Perspektive deutlich wird.

    Mal wird das Bild einer veritablen Kinderhasserin entworfen, mal das Bild einer Ehefrau, deren Einsamkeit nach dem Auszug ihres Sohnes skurrile Züge annimmt. Einige der Geschichten haben auf mich einen befremdlichen Eindruck gemacht, obwohl mir klar erschien, was die Autorin u. a. zum Ausdruck bringen wollte: Toleranz gegenüber jeder Art von Andersartigkeit. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich jede Geschichte verstanden habe, es war mir doch bei einigen davon zuviel Symbolik im Spiel.

    Manche Geschichten und insbesondere die gezeichneten Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Richtig anfreunden konnte ich mich mit diesen Kurzgeschichten insgesamt nicht.

    Dennoch vergebe ich vier Sterne. Ausschlaggebend hierfür ist für mich der Vergleich mit dem in diesem Forum Anfang des Jahres gelesenen Roman von Bernhard Schlink "Das späte Leben". Auch bei Schlink geht es um Krebs, Tod und die Beziehung einer sehr viel jüngeren Frau zu einem älteren Mann. In der Geschichte "Familienverhältnisse" von Murgia wird ähnliches thematisiert, aber auf wieviel subtilere, sprachlich versiertere und tiefgründigere Art als bei Schlink ! Ich hatte Schlink 3 Sterne gegeben, also mussten es hier deutlich mehr sein, nämlich 4.

    Teilen
 

Die Bibliothek der verlorenen Bücher

read more
 

Just a Minute

read more
 

Geschichten-Bowle

read more
 

Auf Stippvisite bei Michael Kothe

read more
 

Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter

read more

Rezensionen zu "Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter"

  1. Viel Gefühl und Romantik in der Weihnachtszeit

    Jedes der 15 Kapitel ist in diesem Buch enthält jeweils eine unterschiedlich lange Kurzgeschichte die in sich abgeschlossen sind. Es handelt sich um unterschiedlich lange weihnachtliche Liebesromane. Jede für sich ist mal bezaubernd, mal heiter, mal romantisch geschrieben. Das Flair der Weihnachtszeit kommt dabei sehr gut zur Geltung. Dabei ist der Schreibstil sehr leicht und zügig zu lesen. Die Protagonisten sind meiner Meinung nach authentisch und sympathisch dargestellt. Die Spannung hält sich dagegen dezent im Hintergrund. Da die leichten Liebesgeschichten nicht allzu lang sind kann der Leser auch mal eine Wartezeit damit überbrücken. Auch für abends bei einer Tasse Tee zum Entspannen ist das Buch hervorragend geeignet. Meistens ist das Ende so geschrieben dass sich der Leser die Geschichte mit etwas Phantasie selbst ausbauen kann - wie gehen wohl die Geschichten weiter?
    Dieses weihnachtlichen Kurzgeschichten sind kurzweilig zu lesen, zudem sind die Geschichten unterhaltsam und schneeflockenleicht geschrieben. Ich vergebe daher sehr gerne vier Sterne.

    Teilen
 

Vier Frauen und eine SMS: Roman

read more
 

Zwielicht 17

read more

Rezensionen zu "Zwielicht 17"

  1. Gelungene Mischung aus Klassikern und modernen Stories

    Ob klassische Schauergeschichte, zeitgenössisches Psychogramm eines Serienkillers oder modernster Science Fiction-Horror - das deutsche Horrormagazin "Zwielicht" liefert in seiner 17. Ausgabe eine umfassende und bunte Mischung aus deutscher und internationaler Genre-Literatur.

    Dabei sticht zunächst das wirklich sensationelle Cover des Schweizers Björn Ian Craig ins Auge. Mit einer gehörigen Portion Retrocharme spielt es so gruselig mit den Urängsten eines Kindes, wie es zuletzt vielleicht Blind Guardian in ihrem denkwürdigen Video zu "Mr. Sandman" gelang. Oder der genialen TV-Verfilmung von "Stephen Kings Es", gegen die der zweiteilige Kino-Blockbuster "Es" von Andrés Muschietti trotz modernster Special Effects nicht einmal ansatzweise anstinken konnte.

    Mit Christian Blums "Arsénique" gelingt dem Zwielicht dann auch ein gelungener Einstieg mit einem Ausflug ins Metal-Genre. Zwar nicht zu den bereits angesprochenen Blinden Gardinen, dafür aber zur charismatischen Titelheldin, die ihren mehrstimmigen Gesang auf ganz eigene Art und Weise einzusetzen vermag. Insgesamt warten auf die Leserschaft 15 Geschichten, die sich sowohl stilistisch, als auch thematisch stark voneinander unterscheiden. Dass es bei einer solch umfassenden Anthologie dabei auch recht deutliche Qualitätsunterschiede gibt, scheint unvermeidlich. Während beispielsweise Algernon Blackwoods "Traumpfade" von 1911 auch sprachlich traumwandlerisch sicher daherkommen, verlieren sich einige wenige zeitgenössische Geschichten in einem Wust aus Genreklischees und Groschenroman-Flair. Zum Glück bilden letztere die eindeutige Minderheit.

    Das größte Verdienst des Magazins ist ohnehin die unermüdliche und unglaublich liebevolle Recherche, mit der eher vergessene Autor:innen wie eben Blackwood, Arthur Machen oder Maurice Level wieder ins Zwielicht gerückt werden. Auf dem dazugehörigen Blog der Herausgeber Michael Schmidt und Achim Hildebrand finden sich nicht nur schier unfassbar umfangreiche Übersichten zu den genannten Schrifsteller:innen, sondern auch äußerst informative Interviews mit den Übersetzer:innen oder Autor:innen der Anthologie. Ein Blick auf defms.blogspot.com" rel="nofollow" target="_blank">defms.blogspot.com lohnt sich als Ergänzung zur Lektüre also ungemein. Dort wird man nicht nur feststellen, dass mittlerweile sogar schon "Zwielicht 18" erschienen ist, sondern dass es auch diverse Sonderveröffentlichungen - wie eben zu Algernon Blackwood - gibt.

    Etwas irreführend ist in meinen Augen übrigens die Bezeichnung "Horrormagazin", denn "Zwielicht 17" kommt eher wie eine klassische Anthologie daher. Zwar gibt es am Ende der 15 Stories noch zwei Artikel mit Bezug zum Horrorgenre, doch auch hier hält sich der Einsatz von Bildern stark in Grenzen. Da sich der Titel aber in mittlerweile 18 Ausgaben bewährt hat, wird er wahrscheinlich nur noch Neueinsteiger:innen wie mich überraschen.

    Insgesamt bietet "Zwielicht 17" über seine 280 Seiten eine unterhaltsame und gruselige Atmosphäre, die man mit wenigen Ausnahmen durchaus am Stück genießen kann. Für diejenigen Leser:innen, die dem klassischen Horrorgenre in den letzten Jahren vielleicht abhanden gekommen sind, empfehle ich vor allem die Geschichten, die sich nicht um Genregrenzen scheren und dabei sowohl sprachlich, als auch inhaltlich überraschen. Hier seien als Lesetipps neben den mehrfach erwähnten "Traumpfaden" von Algernon Blackwood vor allem auch Arthur Machens "Folter" von 1924, Maurice Levels "Babel" von 1910 und von den zeitgenössischen Geschichten Torsten Scheibs "Ein besonderes Näschen" zu empfehlen.

    Teilen
 

Der Zitronentisch: Erzählungen

read more
 

Tanja vs. Schweinehund

read more

Rezensionen zu "Tanja vs. Schweinehund"

  1. Die beschwerlichen Tücken des Abnehmens

    Tanja startet in ihr neues Leben. Also heißt es zuerst einmal auf die Waage. Aber was sie dort sieht gefällt ihr ganz und gar nicht! Jetzt heißt es erst einmal abspecken! Aber das ist gar nicht so leicht trotz Diät und Training.

    Diese Kurzgeschichte enthält neun Kapitel und wird aus Sichtweise von Tanja erzählt. Sie erzählt sehr locker - wie auch der Schreibstil - und war mir gleich sehr sympathisch. Tanja erzählt beschwingt z. B. die Tücken eines Fitnesscenters aber auchüberihr Familienleben. Ich musste mehr als einmal lächeln und schmunzeln. Ich konnte mit Tanja mitfühlen und sie tat mir persönlich auch schon mal leid. Dieser leichte und unterhaltsame Kurzroman ist amüsant und kurzweilig zu lesen. Die Story ist etwas chaotisch und ich konnte mich in einigen Szenen in dieser Geschichte wiederfinden. Meiner Meinung nach ist das Buch z.B. sehr gut geeignet wenn die Leserin oder Leser nicht so viel Zeit hat oder einfach auch mal abends. Ich persönlich finde dass die Seitenzahl deshalb genau richtig ist. Dies ist der erste Band einer vierteiligen Reihe. Dieser Kurzroman hat mich überzeugen können und vergebe daher sehr gerne fünf Sterne.

    Teilen
 

Seiten