Mekka hier, Mekka da

Buchseite und Rezensionen zu 'Mekka hier, Mekka da' von Melina Borčak

Inhaltsangabe zu "Mekka hier, Mekka da"

Format:Taschenbuch
Seiten:176
Verlag: hanserblau
EAN:9783446278226
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Das Befinden auf dem Lande. Verortung einer Lebensart

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Befinden auf dem Lande. Verortung einer Lebensart' von Björn Vedder

Inhaltsangabe zu "Das Befinden auf dem Lande. Verortung einer Lebensart"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
EAN:9783365004821
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Kafka misstrauen

Buchseite und Rezensionen zu 'Kafka misstrauen' von Geoffroy de Lagasnerie

Inhaltsangabe zu "Kafka misstrauen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:80
Verlag: S. FISCHER
EAN:9783103975864
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Yellowface: Roman. »Rasiermesserscharf!« TIME

Buchseite und Rezensionen zu 'Yellowface: Roman. »Rasiermesserscharf!« TIME' von Rebecca F. Kuang
3.65
3.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Yellowface: Roman. »Rasiermesserscharf!« TIME"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
Verlag: Eichborn
EAN:9783847901624
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Rezensionen zu "Yellowface: Roman. »Rasiermesserscharf!« TIME"

  1. Herausfordernd & ambivalent

    Bislang habe ich mich mit noch keiner Rezension so schwer getan wie mit der zu „Yellowface“. Meine Erwartungen waren durch starkes Marketing und den Erfolg der Original-Ausgabe enorm hoch. Und weil ich davon ausging, dass es ein Easy-Read mit moralischer Dimension wird, waren diese Erwartungen zum Scheitern verurteilt. (Abgesehen von der Umschlagsgestaltung, wie genial ist die bitte?!)

    Denn wenn „Yellowface“ eins nicht ist, dann einfach. Das liegt nicht an der Sprache, sondern an der Wucht an Ambivalenz. Die weiße Protagonistin June stiehlt nach dem Tod ihrer wesentlich erfolgreicheren, chinesisch-amerikanischen Freundin Athena deren Manuskript, schreibt es um und veröffentlicht es. Es wird ein Bestseller, aber auf den Erfolg folgen die ersten Kritiken, Zweifel und Drohungen. Die Handlung ist immer wieder von thrillerartigen Elementen durchzogen. Das Ende fanden einige Menschen wohl vorhersehbar, ich nicht und mich hat es persönlich auch nicht ganz zufriedengestellt.

    Nicht nur die Protagonistin ist ziemlich unsympathisch, auch die anderen Charaktere lassen sich nicht wirklich moralisch klar einordnen. Und das macht das Buch nicht nur zu einer Kritik am Literaturbetrieb, an kultureller Aneignung und Cancel Culture, sondern in meinen Augen vor allem zu einem Werk stetiger Hinterfragung der eigenen moralischen Wertung und des persönlichen Verständnisses. Was ist Satire, was ist reale Ambivalenz? An welchen Stellen manipuliert June unser Urteil, wo ist Mitgefühl vielleicht angebracht? Ich bin davon überzeugt, dass alle Lesenden zu einer (leicht) unterschiedlichen Bewertung kommen. „Yellowface“ fand ich wirklich herausfordernd bis anstrengend und dennoch wichtig zu lesen. Sich mit anderen dazu auszutauschen ist wahrscheinlich sehr zu empfehlen.

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  1. 4
    14. Mär 2024 

    Dieser Roman war spannend,

    Dieser Roman war spannend, wie schon länger keiner, ich wollte stets weiter lesen und wissen was denn wohl als nächstes passieren wird. Ich fand das Konzept extrem spannend das Innenleben einer Protagonistin mit zu verfolgen, die nicht sympathisch auf mich wirkt und noch weniger vertrauenswürdig. Auch sprachlich hatte ich mir von diesem Roman etwas ganz anderes erwartet, fand den Stil aber sehr passend gewählt und flüssig zu lesen. Die Autorin liefert sehr spannende, wenn auch ernüchternde Einsicht in das Verlagswesen und Leben einer Autorin.
    Yellowface regt sehr viel zum Nachdenken an, da auch sehr viele Themen auf sehr kontroverse Weise angesprochen werden: Rassismus, Social Media, Cancel Culture, vor allem aber ist es ein Roman über Moralvorstellungen.
    Die Auswirkungen, die Erfolg und soziales Ansehen auf Menschen haben können wird sehr eindrücklich geschildert. Es ist durchaus ein Roman, der dauerhaft Eindruck hinterlassen wird, schon alleine durch seine einzigartige Erzählweise. Einen Stern Abzug gibt es für mich für das verwirrende Ende und auch da mich die Geschichte einfach nicht vollends begeistern konnte.
    Ich habe das Buch aber sehr gerne und mit vielen Emotionen gelesen und bin froh, dem Hype gefolgt zu sein (wer auch immer entschieden hat, dieses Buch zu einem zu machen).

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  1. June hat einen Bestseller geschrieben - oder doch nicht?

    Als die Amerikanerin June Hayward mit ihrer Freundin, bzw. eher Bekannten seit Studientagen, der chinesischstämmigen Athena Liu deren netflix-Vertrag in ihrem Loft feiert, stirbt diese vor Junes Augen. Unüberlegt und automatisch steckt sie das neue Manuskript von Athena ein, das noch niemand kennt. Darin geht es um das Leid von chinesischen Arbeitern im Ersten Weltkrieg. June ist so davon gefesselt, dass sie beschließt, es zu überarbeiten und druckreif zu machen.
    June, die mit ihrem Debütroman keinen Erfolg hatte, wird als Juniper Song mit "Die letzte Front" endlich zum Bestseller!

    Dieses Buch liest sich wie ein Geständnis oder Tagebuch; June spricht die Leser:innen direkt an (Das durchgehende Gendern im ganzen Roman war für mich gewöhnungsbedürftig. In Artikeln oder Nachrichten hat man sich ja schon daran gewöhnt, aber in einem Roman stört es meinen Lesefluss.)
    Durch die direkte Ansprache von June bekommt man tiefe Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Und ich muss sagen: das gefiel mir nicht. June ist vor Neid zerfressen, eine sehr unsympathische Person, die emotional unterentwickelt und nicht empathisch ist. Sie sucht immer neue Rechtfertigungen, warum sie diese Geschichte veröffentlichen durfte. So eine derart falsche, hinterhältige und unerträgliche Protagonistin hatte ich noch nie. Trotzdem musste ich einfach ALLES erfahren, was für die Schreibkunst der Autorin spricht.
    Ich verurteile Junes Doppelmoral, mit der sie alles bewertet. Sie wechselt auch laufend von himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt. Hat keinerlei Selbstbewusstsein und keine feste, eigene Meinung. Sie schwimmt mit dem Strom und versucht immer, im besten Licht dazustehen und das beste für sich rauszuholen, mit teils widerwärtigen Methoden. Und sie ist lernresistent. Sie lernt einfach nicht aus ihren Fehlern und verhält sich manchmal einfach nur dumm.

    Die Autorin verarbeitet in diesem Roman nicht nur Rassismus (der ein großes Thema ist), Diversität und die Frage der kulturellen Aneignung (Darf jeder alles schreiben? Also hatte June mit ihrer Herkunft überhaupt das Recht, einen Roman über das Leiden chinesische Arbeiter zu schreiben?); auch die Themen Plagiat, die Buchbranche in den USA (was für mich besonders interessant zu lesen war, denn oft denkt man sich: ja, genauso ist es; wobei es in den USA sicherlich noch schwieriger ist als in Europa durch die Buchpreisbindung), die "Diskussions"kultur in den Sozialen Medien (bzw. eher das Mobbing und Shitstorms, vor denen June besonders Angst hatte), Neid, Eifersucht, Intrigen. Somit also auch eine breite Bandbreite der Gefühle.
    Man fiebert mit June mit, wer da wohl so viel Hass auf sie hat und sie derart verunglimpft, und hasst sie trotzdem gleichermaßen wie auch Athena, der sie ihren Erfolg aus diversen Gründen missgönnt hat, denn auch diese war kein einfacher Charakter. Trotzdem hätte ich Athena gern etwas besser kennengelernt; nicht nur aus Sicht von June.
    Auch ein kleiner Krimi ist inkludiert, denn man grübelt bis zum Schluss, wie sich der Tod von Athena wirklich abgespielt hat.
    Doch manchmal wusste man selbst gar nicht mehr, was echt war und was sich June nur ausgedacht hat.

    Den Schluss fand ich leider nicht befriedigend, etwas dünn in der Erklärung, nicht wirklich nachvollziehbar. Aber auch so naheliegend, und deshalb etwas unspektakulär und vorhersehbar. Und June macht wieder dort weiter, wo sie zuvor schon aufgehört hat ("täglich grüßt das Murmeltier"). Doch gleichzeitig ist es auch ein eher offenes Ende, denn man weiß nicht, wie es schlussendlich ausgehen wird und kann auch nicht mit Bestimmtheit sagen: hat June uns das alles erzählt?

    Fazit:
    Ein Roman über das Autor:innen-Dasein, die Buch- und Verlagswelt, Plagiate, Sozial Media und alles, was dazugehört; der alle Gefühle vereint, einen mitreißt, wütend und traurig macht und manchmal nur den Kopf schütteln lässt. Und vor allem wird man nachdenklich.

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Not Your Business, Babe!

Buchseite und Rezensionen zu 'Not Your Business, Babe!' von Verena Bogner
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Not Your Business, Babe!"

Format:Taschenbuch
Seiten:224
EAN:9783462005028
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Rezensionen zu "Not Your Business, Babe!"

  1. 2
    23. Jan 2024 

    Oberflächlich

    Das Buch behandelt die Ungerechtigkeit und den Klassismus der Arbeitswelt unter dem Fokus des Feminismus. Dabei werden auch popkulturelle Vorbilder mit einbezogen.

    Ich stehe dem Buch etwas unschlüssig gegenüber. Ich fand viele der Fakten zum Feminismus oberflächlich, weswegen das vermutlich unspannend ist, wenn die lesende Person schon ausgiebiger zum Feminismus informiert ist.
    Die popkulturellen Beispiele waren, was mich an dem Buch besonders angesprochen hat und dahingehend kann ich auch sagen, dass ich die Infos sehr interessant fand. Teilweise waren im Text aber übermäßig viele popkulturelle Referenzen verbaut, was ich persönlich unangenehm fand. Es hat sich zum Teil so angefühlt, als sollte der Text ursprünglich auf Twitter landen, stattdessen haben sie sich aber entschieden, ein Buch daraus zu machen. Vor allem die Menge war hierbei anstrengend, was sich im Laufe des Buches meiner Meinung nach aber zum Glück gebessert hat. Diese Referenzen haben teilweise auch seltsamerweise ein bestimmtes Frauenbild gezeichnet, mit dem zumindest ich mich nicht wirklich identifizieren konnte. Da kamen dann so Aussagen wie, "Wir haben doch alle dies und das geschaut” und "Ich spreche doch für uns alle, wenn ich sage, dass…”, was ich besonders irritierend fand in einem feministischen Buch. Der Schreibstil an sich war angenehm zu lesen, sodass es nie zu trocken wirkte.
    Ich hätte mir vom Buch gewünscht, dass das Thema zu popkulturellen Einflüssen auf die Wahrnehmung von Frauen in der Arbeitswelt, wie sich das auf sexistische und klassistische Bilder auswirkt und wie sich das im Laufe der Zeit auch verändert hat, einfach als klarer Fokus des Buches gesetzt und tiefer bearbeitet wird. So fand ich das Buch nicht furchtbar, aber oberflächlich und nichtssagend.

    Es ist nicht so, dass ich es bereue das Buch gelesen zu haben, aber es war einfach etwas nichtssagend. Der spannende Teil war nicht so ausgiebig, wie ich es mir gewünscht hätte und der Rest waren recht oberflächliche Fakten zu Kapitalismus und Feminismus. Vielleicht war ich auch einfach nicht die Zielgruppe, aber dann weiß ich auch nicht genau, wer die Zielgruppe sein soll. Ich kann das Buch folglich leider nicht empfehlen, was schade ist, da ich die Themen grundsätzlich spannend fand.

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Was es braucht, das Leben zu lieben

Buchseite und Rezensionen zu 'Was es braucht, das Leben zu lieben' von Fatou Diome
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Was es braucht, das Leben zu lieben"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag: Diogenes
EAN:9783257072488
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Rezensionen zu "Was es braucht, das Leben zu lieben"

  1. Alltägliches, durch ein Vergrößerungsglas betrachtet

    Zur Autorin (Quelle: Verlag):

    Fatou Diome wurde 1968 im Senegal geboren. ›Der Bauch des Ozeans‹ über Europa als Traumziel wurde in Deutschland mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Fatou Diome habe »mit spielerischem Witz, aber großer Genauigkeit einen Roman geschrieben, der ein komplexes Thema auf unterhaltsame Weise präsentiert«, so die Jury. Fatou Diome lebt seit 1994 in Straßburg.

    Mein Lese-Eindruck:

    Fatou Diome legt in diesem kleinen Band 8 kleine Erzählungen vor, die alle eines gemeinsam haben: die große Empathie, mit der sich die Autorin ihrem Gegenstand widmet.
    Es sind nicht immer Menschen, die sie in den Mittelpunkt stellt. In einer der Geschichten ist es das sog. „kleine Schwarze“, das sich an unzählige glanzvolle Auftritte und aufregende Begegnungen erinnert und voller Trauer seine momentane Situation beleuchtet: vergessen an einem Kleiderbügel hängend, achtlos betrachtet, lieblos hin- und hergeschoben.

    Von dieser Geschichte abgesehen, lässt die Autorin einen bunten Figurenreigen auftreten. Alle Figuren leben sichtlich aus dem Erfahrungsschatz der Autorin, die sich als frankophone Afrikanerin zwischen zwei Kontinenten und zwei Kulturen bewegt. In einer Geschichte erzählt sie z. B. von ihrem senegalesischen Großvater, dem sie sich nach wie vor verbunden fühlt, und setzt ihm schreibend ein zärtliches Denkmal. Zwei andere Geschichten erzählen von einem körperbehinderten Nachbarn, von dem sie sich beobachtet fühlt. Daher stuft sie ihn empört als Spanner ein, und seine etwas lockeren Sprüche bestätigen sie in ihrem Urteil. Schließlich aber wird ihr klar, dass er lediglich „als Gentleman ... das Geplänkel“ genoss. Sie erkennt, dass er ihr nicht nur seine Freundschaft, sondern auch seinen Schutz anbietet.

    Die Autorin liebt es offensichtlich, die Perspektiven zu wechseln. Zwei weitere Geschichten gehen von einer eher alltäglichen Unfreundlichkeit aus, und die Autorin beleuchtet nun die beiden Beteiligten. Mit großer Empathie zeichnet sie das Psychogramm eines Mannes, der sich auf dem absteigenden Ast seines Lebens befindet und seine Mutter wegen ihrer Illoyalität anklagt – und auf der anderen Seite vertieft sie sich genauso akribisch in das Opfer seiner Unfreundlichkeit.

    Was macht das Leben liebenswert? „Mit ein paar Löffeln Zuneigung machten wir es ein bisschen warmherziger“, auch wenn das Leben seinen „unangenehmen Beigeschmack der Realität“ dadurch nicht verliert.

    Alle Geschichten leben von der menschenfreundlichen Haltung der Autorin und ihrer überbordenden Sprachlust, mit der sie lebhafte und originelle Bilder erschafft. So schreibt sie z. B. nicht einfach: „Ich erzählte ihm von meiner Reise“, sondern sie gestaltet den Satz üppiger: „Meine Zunge peitschte die Minuten wie die Paddel der Niominka den Rücken des ungeheuerlichen Atlantik“.
    Das farbenprächtige Cover passt zu den Erzählungen!

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Rückkehr nach Reims (suhrkamp taschenbuch)

Buchseite und Rezensionen zu 'Rückkehr nach Reims (suhrkamp taschenbuch)' von Didier Eribon

Inhaltsangabe zu "Rückkehr nach Reims (suhrkamp taschenbuch)"

Format:Taschenbuch
Seiten:237
EAN:9783518473139
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Last night at the Telegraph Club

Buchseite und Rezensionen zu 'Last night at the Telegraph Club' von Malinda Lo

Inhaltsangabe zu "Last night at the Telegraph Club"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
EAN:9783423764193
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Noch wach?: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Noch wach?: Roman' von Benjamin von Stuckrad-Barre
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Noch wach?: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783462004670
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Rezensionen zu "Noch wach?: Roman"

  1. Sprachwitz, wichtiges Thema - aber ohne Biss

    Mein Lese-Eindruck:

    „Dieser Roman ist inspiriert von realen Ereignissen, er ist jedoch eine ... unabhängige fiktionale Geschichte“. Diesen Hinweis des Autors habe ich gerne gelesen, weil er mir die Möglichkeit gibt, den Roman unbelastet von den aktuellen Diskussionen als belletristische Fiktion zu lesen.

    Der Autor machte mir das aber nicht leicht; schon im 2. Kapitel befindet er sich nämlich in Gesellschaft von Rose McGowan, der Schauspielerin, die den Medien-Mogul Harvard Weinstein wegen Vergewaltigung vor Gericht zog und zur Vorkämpferin der MeToo-Bewegung wurde. Und auch in den Folgekapiteln regnet es Referenzen auf Musik-, Literatur- und Mediengrößen, allen voran der Besitzer des Senders als der beste Freund des Autors und der Chefredakteur. Also doch ein Schlüsselroman, quasi ein öffentlicher Nachklapp zu seiner mehr oder weniger erfolglosen Beschwerde von 2019??

    Was das Literarische angeht: Das Thema ist schnell auf dem Tisch. Der Ich-Erzähler begegnet in den USA den Anfängen der MeToo-Bewegung und erkennt, wieder zurück in Berlin, hier dasselbe Phänomen. Es geht um Machtmissbrauch in hierarchischen Strukturen, speziell im Medienbereich, konkret: um sexuelle Übergriffe gegenüber jungen Journalistinnen, die aus Scham den Übergriff nicht öffentlich machen. Und wenn sie es machen, werden sie unter Druck gesetzt, mit Verleumdungsklagen überzogen und geraten beruflich aufs Abstellgleis. Dazu kommt die populistische und menschenverachtende Medienpolitik des Senders, mit der der Ich-Erzähler schließlich so wenig klarkommt, dass die jahrelange Freundschaft zerbricht.

    Diese Themen stellt uns der Autor in einer ausgesprochen eigenwilligen Sprache vor. Schreibt er zunächst im Stakkato-Stil – abgehetzt, eilig, irrlichternd -, wird sein Erzählen im Fortgang des Romans ruhiger, und damit setzt er einen auffallenden Kontrapunkt zur immer rasanter werdenden Handlung. Mit Versalien setzt er Betonungen; an diese Schreibweise gewöhnt sich der Leser schnell.

    Ausgesprochen originell und unterhaltsam sind seine Wortschöpfungen, sein Wortwitz und seine Wortbilder : da kennt er Prominente „einbahnstraßig“, die „Aussegnungshallenatmosphäre mit unserem, schweinepeinlichen Feuerschweifauto“ will er „mit etwas Heiterkeit durchlüften“, er spricht von „Meinungsfreiheit und Deinungsfreiheit“ und dergleichen. Diese Sprachspielereien schmälern das ernste Thema nicht, man kann also seinen Spaß daran haben.

    Das Thema ist unbestritten wichtig, aber dennoch bleibt nach der Lektüre ein schaler Nachgeschmack übrig. Eigentlich ist alles da: die betroffenen Frauen kommen zu Wort, ihre Stimmen wirken auch authentisch, die juristischen Winkelzüge des Sender-Eigners und seines Chefredakteurs werden vorgeführt, der sexualisierte Machtmissbrauch findet in aller Öffentlichkeit statt, jeder weiß davon, aber niemand sagt etwas, die merkwürdige Männerfreundschaft zwischen Ich-Erzähler und Sender-Besitzer, überhaupt diese patriarchalischen Strukturen und diese verlogene Formel der Einvernehmlichkeit – alles ist da.

    Aber: Hätte Stuckrad-Barre nicht mehr mit seinem Material machen können? Er bezeichnet sich selber als „fassungslos“, aber damit darf es doch nicht getan sein. Der Roman zündet einfach nicht, wie auch immer, bei den Patriarchen findet keinerlei Bewegung statt, es bleibt bei „the same procedure as any year“. Oder bildlich gesprochen: der Autor macht ein großes Fass auf und beschreibt den Inhalt, aber den Deckel kriegt er nicht drauf.

    Meiner Meinung nach hat der Autor hier eine Chance vertan.

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Kaputte Wörter?

Buchseite und Rezensionen zu 'Kaputte Wörter?' von Matthias Heine

Inhaltsangabe zu "Kaputte Wörter?"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
Verlag: Duden
EAN:9783411756902
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