Wolfskinder

Buchseite und Rezensionen zu 'Wolfskinder' von Vera Buck
4.2
4.2 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wolfskinder"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:0
EAN:
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Rezensionen zu "Wolfskinder"

  1. 3
    07. Apr 2024 

    Über den Tod hinaus

    Vor Jahren verschwand Smillas Schulfreundin Juli spurlos. Immer noch hofft sie, dass sich Julis Schicksal irgendwie klären wird. Durch ihren Job als Volontärin bei dem Lokalmedium kommt Smilla auf eine abgelegene Siedlung in den Bergen. Nicht zum ersten Mal schöpft sie Hoffnung, dass Juli vielleicht noch am Leben sein könnte. Jakobsleiter nennt sich der abgelegne Ort. Eine religiöse Gemeinschaft soll es sein, die sich an diesem zurückgelegenen Ort angesiedelt hat. Sehr einfach ist das Leben dort, doch es bildet auch Rückhalt. Jesse zum Beispiel ist gut in der Schule, aber sein Vater reagiert schon eher abweisend, auf das Angebot zum Gymnasium zu gehen.

    Zum einen sind da die Bewohner der abgelegenen Siedlung in den Bergen und zum anderen sind da die aus dem Ort am Fuße des Berges. Die unten bieten so etwas wie ein Backup für die oben. Aber richtigen Kontakt gibt es nicht. Die Leute am Berg kapseln sich sehr ab und noch nicht einmal eine kleine Annäherung wird gerne gesehen. Als dann eine der wenigen jungen Frauen verschwindet, versucht Jesse sie aufzuspüren. Und Smilla beginnt noch intensiver Nachforschungen zu Julis Verschwinden anzustellen. Dann jedoch verschwindet auch noch Jesses Lehrerin und das ruft schließlich die Polizei auf den Plan.

    Eine zurückgezogene Gemeinschaft und eine vermeintlich normale Ortsgemeinschaft. Welche Beziehungen gibt es? Wie gut kennen sie sich? Warum gibt es überhaupt beide Ansiedlungen in räumlicher Nähe? Hinzu kommt noch die junge Frau, die ihre verschwundene Freundin vermisst. Ein spannender Ansatz, dem der Roman zumindest teilweise auf packende Weise gerecht wird. Zwar gewinnt man den Eindruck, dass einige Fäden nicht richtig auserwählt sind, über die Beziehung zwischen Smilla und Juli, das echte Motiv des Täters oder Begebenheiten, die so erzählt werden, dass man sich fragt, was soll das denn jetzt. Dafür sind einige Auflösungen bezüglich von Jakobsleiter wirklich überraschend. Und auch mit dem Täter würde man nicht rechnen. Dadurch und beim Hörbuch durch die unterschiedlichen Sprecher, die der Handlung Leben einhauchen gewinnt dieser Thriller sehr, so dass man dieses Hörbuch gerne weiterempfiehlt.

    3,5 Sterne

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  1. Wolf der Geist der Wildnis

    "Jeder Schmerz macht dich stärker, jeder Verrat intelligenter, jede Enttäuschung geschickter und jede Erfahrung weiser." (Pinterest)
    Zehn Jahre sind inzwischen vergangen, seit Juli eines Nachts spurlos beim Campen verschwindet, zurückbleibt ihre Freundin Smilla. Nun ist erneut ein Mädchen verschwunden, die 16-jährige Rebekka. Und sie ist nur eine von vielen, wie Smilla im Laufe ihrer Recherchen feststellt. Das Verschwinden ihrer Freundin lässt sie einfach nicht zur Ruhe kommen. Als ihr eines Tages ein verwahrlostes, stummes Mädchen mit ihrem Wolf vors Auto läuft, reißen alte Wunden wieder auf. Denn das Mädchen hat Ähnlichkeiten mit ihrer Freundin Juli. Währenddessen macht sich Rebekkas Freund Jesse Sorgen um sie. Als Außenseiter eines abgelegenen Bergdorfs werden die beiden immer wieder in der Schule attackiert. Jetzt fragt sich Jesse, ob ihr jemand etwas angetan hat. Das Misstrauen gegen die sonderbaren Einwohner von Jakobsleiter wird immer größer, besonders als sie erfahren, wer dort wohnt. Auf der Suche nach der erst kürzlich vermissten Lehrerin gerät Smilla selbst in Gefahr. Doch lauert das Böse wirklich auf dem Berg?

    Meine Meinung:
    Schon beim Anblick des düsteren Covers beschleicht mich etwas Unheimliches. Was mag mich wohl bei diesem Buch erwarten? Das Debüt von Vera Buck umfasst eine wirklich düstere, morbide Geschichte. Dabei geht es um ein abgeschiedenes, einfaches Bergdorf, das die Mitglieder der Täufergemeinde bewohnt. Ursprünglich und einfach ohne Telefon, Laden und Arzt lebt dort diese eigenartige Gemeinde. Ganz abgeschieden vom Nachbardorf Almenen. Lediglich Jesse und Rebekka dürfen die dortige Schule besuchen, allerdings ernten sie von ihren Mitschülern nur Spott und Prügel. Das missfällt besonders ihrer Lehrerin Frau Bender, die in Jesse einen schlauen Jungen sieht, für den sie sich einsetzen möchte. Allerdings wird ihr Mühe und der Besuch in Jakobsleiter nicht belohnt, im Gegenteil kurz danach wird sie ebenfalls vermisst. Dadurch, dass dieses Dorf nur zu Fuß und schwer zu erreichen ist, fühlen sich die Bewohner sicher. Mit außergewöhnlich vielen Handlungssträngen nimmt einen die Autorin mit in eine verschworene Dorfgemeinschaft, bei der man vieles hinterfragt. Dadurch, dass sich die Handlungen und Personen ständig ändern, bleibt das Geschehen ungewiss und fesselnd. Besonders leid in der Geschichte tun mir die Kinder von Jakobsleiter, die nie eine Chance bekommen, anders zu leben. Wer die Bewohner wirklich sind, das erfahre ich erst gegen Ende zu. Merkwürdig ist auch die stumme Edith, in dessen Gedanken ich immer wieder blicken darf. Sie scheint viel mehr zu wissen, als die anderen ahnen. Die teils labile und durchaus auch mutige Smilla imponiert mir. Vor allem das sie so alleine wieder dort campen geht, wo ihre Freundin verschwunden ist. Allerdings ist vieles leichtsinnig, was sie auf der Suche nach Juli tut. Doch irgendwas muss sie machen, weil sie seit dem Verschwinden keine Ruhe findet. Hier spürt man sehr gut, wie die Ungewissheit an der Zurückgebliebenen nagt. Als sie bei ihrer Tätigkeit als Volontärin im Archiv etwas entdeckt, wird sie neugierig. Jedoch frage ich mich schon, warum hat das damals niemand entdeckt? Am Ende frage ich mich allerdings, ob es heute noch so ein abgeschiedenes Dorf geben kann. Warum nicht, wenn jemand die Kontrolle hat und einige die Augen verschließen, dann könnte sicher heute noch so ein Dorf existieren. Die Auflösung und besonders den wahren Täter habe ich im Laufe des Lesens irgendwie schon im Visier. Speziell Rebekka Gefangenschaft und was der Täter von ihr verlangt, hat mich wirklich bestürzt. Nach und nach vermute ich, dass wir es mit einem psychisch labilen Täter zu tun haben, der seine ganze Macht ausspielt. Das Mitwirken eines Wolfes macht die komplette Geschichte noch mystischer und rätselhafter. Weil ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte, gebe ich diesem Buch gerne 5 von 5 Sterne.

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  1. Geheimnisvoll und düster

    Die Bewohner einer Berg-Siedlung leben abgeschirmt und nach ihren eigenen strengen Regeln. Als eines Tages die dort die junge Rebekka spurlos aus der Schule verschwindet, wird die Journalistin Smilla auf den Fall aufmerksam, denn ihre Freundin Juli verschwand vor Jahren ebenfalls genau dort in der abgeschiedenen Gegend.
    Die relativ kurzen Kapitel teilen sich verschiedene Protagonisten, die jeweils in der Ich-Perspektive erzählen. Mit einem flüssigen und gut lesbaren Schreibstil hat Vera Buck eine düstere Stimmung in der Bergregion geschaffen. Jeder scheint ein Geheimnis zu haben und nicht ist dort so wie es auf den ersten Blick scheint.
    Die Bewohner der Siedlung Jakobsleiter und auch die Einwohner des Dorfes Almenen begegnen sich mit Ablehnung und Verachtung und je tiefer der Leser in die Story eintaucht, desto mehr menschliche Abgründe treten zu Tage. Die Autorin wartet mit einigen Schockmomenten auf und sorgt damit für Gänsehaut pur.
    Die Auflösung war allerdings für mich keine wirkliche Überraschung und das Motiv konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Ansonsten eine klare Leseempfehlung für diese spannende und ungewöhnliche Story mit 4,5 Sternen.

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  1. Mein Hör-Eindruck:

    Mein Hör-Eindruck:

    Die Autorin erschafft für ihren Thriller eine besondere Kulisse: eine unzugängliche Natur, tiefe Wälder, steile Berge, Schluchten, ein geheimnisvolles verzweigtes Höhlensystem, eine versteckte Klamm, Sturzbäche und Steinschlag. Und hoch oben am Berg eine einsame Siedlung, bewohnt von einer letzten Gruppierung der Alttäufer, die hier Zuflucht gefunden haben. Ihr Leben ist geprägt von Kargheit, Isolation, Zivilisationsferne und Gewalt gegenüber Mensch und Tier.

    Der Name der Siedlung „Jakobsleiter“ erinnert an das alttestamentarische Bild der Leiter, die Himmel und Erde miteinander verbindet, und tatsächlich taucht am Ende des Romans auch eine Leiter auf, die aus einer Todesklamm nach oben führt. Damit und mit der Tatsache, dass die Siedlung weit oben am Berg liegt, ist der Bezug aber leider schon erschöpft. Na gut.

    Vera Buck lässt verschiedene Personen auftreten, die in der Ich-Perspektive die Handlung vortragen. Dadurch ergibt sich ein vielschichtiges Bild, ohne dass es zu Verständnisproblemen kommt. Die Sprache passt sich an die Ich-Erzähler an, sodass sie bei den drei Jugendlichen eher einfach und kindlich wirkt; das fand ich gut gelungen.

    Die Handlung selber verläuft linear, und in Rückblicken erfährt der Leser die notwendige Vorgeschichte. Die Autorin versteht es, mit Cliffhangern Spannung zu erzeugen. Trotzdem weist v. a. der Mittelteil unnötige Wiederholungen und einige Längen auf, die die Spannung abflachen lassen. Dazu kommt, dass einige Handlungselemente nach dem Prinzip des deus ex machina gestaltet sind und nicht glaubwürdig sind. Ähnlich sieht es mit dem Schluss aus: abgesehen davon, dass der Bösewicht schon recht früh zu erraten war, wirkt der Schluss zwar sehr plakativ, aber auch sehr aufgesetzt.

    Nur zwei Beispiele für die schier unglaublichen Zufälle:
    In höchster Not taucht der Retter auf, in einer unzugänglichen wilden Natur, am oberen Rand der steilsten Klamm, die man sich denken kann - aber dann rettet er doch nicht, er steht nur da. Wieso? Und wie kommt er dahin? Ein blindes Motiv.
    Zweites Beispiel: Der Wolf rettet in letzter, aber wirklich in allerletzter Sekunde das bedrohte Opfer vor dem Erschießen. Wo kommt der Wolf plötzlich her? Ein märchenhaftes Motiv, und das Opfer war auch nicht die Großmutter ;).
    Die Liste könnte ich fortsetzen, leider.

    Das Hörbuch wird von mehreren Sprechern eingelesen, sodass die Ich-Erzähler vom Hörer sehr leicht zu unterscheiden sind. Alle Sprecher überzeugen mit der souveränen Art ihres Vortrages.

    Der Untertitel "Die Thriller-Sensation aus Deutschland" finde ich recht vollmundig.

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  1. Absolut gelungen

    Sehr gut gelungen!

    Mit "Wolfskinder" kam im März 2023 das Thriller-Debut von der deutschen Autorin Vera Buck, auf den Markt.

    Die Schriftstellerin, geboren in 1986 in Deutschland, hat Journalistik in Hannover und Scriptwriting auf Hawaii/ USA studiert.
    Durch weitere Studien in Frankreich, Spanien und Italien hat sie ihr Wissen komplementiert und wurde für ihre Arbeit ausgezeichnet.
    Schon in 2015 hat sie für Ihren Roman "Runa" einem historischem Kriminalroman, eine Auszeichnung bekommen.

    Zum Inhalt:
    Wir befinden uns in einem kleinen, entlegenem Ort in den Bergen: Jakobsleiter.
    Dort leben die Menschen weit ab jeglicher modernen Entwicklung.
    Die im Tal gelegene Stadt kennen diese durch die Warnung, dort lebe das "Böse".
    Die Kinder hören dieses "Mantra" & fürchten sich vor der Stadt.
    Die Freundschaft zweier Kinder steht im Mittelpunkt.
    Jesse vertraut dem Leben in Jakobsleiter, seine Freundin Rebecca möchte unbedingt in die Stadt.
    Tatsächlich verschwindet sie und taucht nicht wieder auf.
    Sie scheint das gleiche Schicksal, wie einige andere Frauen aus diesem Ort, ebenfalls ereilt zu haben.
    Auf diesen Fall trifft die Journalistin Smilla.
    Ihre Freundin Juli ist vor Jahren ebenfalls unauffindbar verschwunden.
    Eines Tages läuft ein verwahrlostes Mädchen, Smilla vor das Auto.
    Ihre Ähnlichkeit zu Juli ist für Smilla frapierent.
    Für Smilla wird nun ein Puzzle sichtbar, dass andere bisher nicht sehen konnten.

    Ich war von dem Cover mit seiner düsteren Ausstrahlung sofort beeindruckt. Nach dem Lesen der Leseprobe war klar, dass ich diese Geschichte komplett lesen oder hören wollte.

    Mein persönlicher EIndruck vom Hörbuch:

    Ich habe das Hörbuch zur Verfügung gestellt bekommen und nebenbei das Ebook gelesen.
    So konnte ich der sehr detaillorientierten Story auch während meiner Alltagsarbeiten, weiter verfolgen.

    Aufbau, Sprecher, Logik, Finale:
    Der Prolog:
    wurde sehr dramatisch gesprochen und lässt mich sofort emotional auf die Erzählung reagieren.
    (Mir ist kalt, ich empfinde die Angst der Sprecherin und bin in einer Höhle, - allein.)

    Die Kapitel:
    werden in die einzelnen Charaktere unterteilt von unterschiedlichen Sprechern gelesen & zum "Leben" erweckt.
    Die unterschiedlichen Sprecher:
    überzeugen mich mit ihrer dramaturgisch angepassten Sprache und Ausdruck.
    Logik:
    Ich kann den roten Faden der Story erkennen und komplikationsfrei folgen.
    Der Aufbau:
    überzeugt mit seiner Konstruktion und Logik.
    Finale:
    Wie das gesamte Hörbuch ist auch das Ende logisch und nachvollziehbar.
    Es wird mit einer Portion Drama präsentiert, die mich insgesamt überzeugen & begeistern konnte.

    Zusammenfassung & Fazit:
    Ein gelungenes Thriller-Debut, dass mich mit seiner Hörbuch-Ausgabe, begeistern konnte.
    Ich habe durch dieses einen echten "Geschmack" für Hörbücher entwickelt.

    Meine Bewertung:
    Ich vergebe ausgezeichnete 5* Sterne verbunden mit einer klaren Hör -& / oder Leseempfehlung für Menschen,gerne spannende Unterhaltung gewürzt mit einer guten Prise emotionalem Horror, zum Ausspannen lieben.

    ISDN: B0BWYNMTDQ (Hörbuch)
    ISDN: 978-3499009686 ( Paperback)
    Verlag: Rowohlt-E-Book
    Veröffentlichung: März 2023

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Das unsichtbare Band

Buchseite und Rezensionen zu 'Das unsichtbare Band' von Haneen Al-Sayegh

Inhaltsangabe zu "Das unsichtbare Band"

In den Bergen des Libanon wächst die junge Amal in der strengen, patriarchalischen Religionsgemeinschaft der Drusen auf. Sie will nur eines: die Schule besuchen und studieren, doch Mädchen haben dort keine Rechte. Der Großvater lässt zwischen sich und seiner Frau eine Mauer errichten, aber die Mutter darf immerhin Brot backen, und damit bezahlt sie das Schulgeld ihrer Töchter. Als Amal, die jüngste, mit fünfzehn verheiratet wird und das Elternhaus verlässt, schweigt die Mutter. Unbeirrt, wenn auch gegen viele Widerstände, geht die junge Frau ihren Weg und beginnt zu begreifen, was es heißt, selbstbestimmt zu leben und wahrhaftig zu lieben.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:330
Verlag: dtv
EAN:
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Der Jahreskreis

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Jahreskreis' von Martina Kaiser
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Jahreskreis"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:264
Verlag: Aurum
EAN:9783958836396
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Rezensionen zu "Der Jahreskreis"

  1. Gute Übersicht

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist sehr gut eingeteilt, jeder Monat ist ein Kapitel und jedes Kapitel hat spannende Unterthemen wie zum Beispiel:
    Die Kräfte der Natur
    Mythen, Bräuche und Götter
    Meditationen, Rituale und Feste
    Kräuterkraft und Pflanzenschönheit
    Es ist sehr gut lesbar und durch die Unterteilung und Wiederkehr der Themen konnte ich mir viel merken und mitnehmen. Als bekennende Heidin hat mir das Buch sehr gut gefallen, allerdings finde ich, dass die Autorin einige Themen noch hätte vertiefen können. Viele Themen und vor allem die Rezepte waren manchmal etwas zu einfach oder nicht ganz zeitgemäß. Die Yoga-Übungen hingegen fand ich super.
    Das Buch richtet sich eher an eine weibliche Leserschaft und ich denke, dass ein wenig Vorwissen nicht schaden kann. Also Vorwissen über sich selbst. Wer bin ich, wo will ich hin und wie sehe ich die Natur um mich herum. Sonst landet dieses Buch sehr schnell in der Rubrik: "Ist mir zu viel esoterischer Quark". Darüber muss man sich im Klaren sein. Wobei ich finde, dass die Autorin überhaupt nicht an esoterischem Quark leidet. Das hat alles seine Berechtigung und ist sehr richtig und gut beschrieben. Aber auch in der Gesamtschau haben mir einige Feinheiten gefehlt. Bei den meisten Ritualen habe ich mir vorgestellt, wie das bei Menschen funktionieren könnte, die in der Stadt leben. Ohne Garten. Im Stadtpark ist dann doch zu viel Betrieb für ein illegales Feuerchen. Mir haben ein wenig die Alternativen gefehlt, für Menschen, die sich selbst spüren wollen, aber räumlich nicht die Möglichkeit dazu haben.
    Ein paar Seiten mehr hätten dem Buch gut getan, auch in Bezug auf die heutige Zeit. Die angesprochenen Themen fand ich richtig, wichtig und sehr gut ausgearbeitet, allerdings hätte ich mir persönlich tatsächlich etwas weniger "perfekt ausgearbeitete" Rituale gewünscht, sondern eher viele kleine Dinge, die den Leser das Leben wieder spüren lassen. (Zum Beispiel: vierblättrige Kleeblätter suchen, in der Mittagspause einen Baum umarmen) einfach wieder eine Verbindung zur Natur um uns herum aufbauen.
    Mir hat dieses Buch sehr viel gegeben und ich werde es auf jeden Fall immer mal wieder monatlich zur Hand nehmen.

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Mit den Augen der Apostel

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Voodoo für Einsteiger

Buchseite und Rezensionen zu 'Voodoo für Einsteiger' von Marie Morel

Inhaltsangabe zu "Voodoo für Einsteiger"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:177
EAN:9798354796205
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Hoodoo für Einsteiger

Buchseite und Rezensionen zu 'Hoodoo für Einsteiger' von Marie Morel

Inhaltsangabe zu "Hoodoo für Einsteiger"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:158
EAN:9798366137614
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99 Ideen fürs Beten

Buchseite und Rezensionen zu '99 Ideen fürs Beten' von Ulrich Wendel
1
1 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "99 Ideen fürs Beten"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:96
Verlag: SCM
EAN:9783789398810
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Rezensionen zu "99 Ideen fürs Beten"

  1. sektiererisch

    Eigentlich habe ich mich gefreut auf diese Buch, denn ich bete oft und gerne, danke dem göttlichen Wesen auch hin und wieder - in Kirchen, welcher Konfession auch immer, auf Reisen auch in stiller Andacht in Synagogen., Meditationsashrams, Buddhistischen Tempeln und auch im überkonfessionellen Raum der Stille am Brandenburger Tor, spende für das House of One in Berlin, lasse regelmäßig meine Kirchensteuer vom Gehalt abziehen und überweise jeden Sommer einer kleinen evangelischen Kirchengemeinde nördlich der Lutherstadt Wittenberg die vom dortigen Gemeinderat empfohlene Zusatzspende, um die dortige Kirchenarbeit zu unterstützen.

    Meine Freude beim Lesen von "99 Ideen fürs Beten" hielt jedoch nicht lange an. Zuerst fand ich wieder bei bestimmten Tipps: Nr. 7 Beten mit 363-Grad-Perspektive, womit danken gemeint ist - Nr. 17 alleine in einer Kirche eine Kerze entzünden - Nr, 29 in leerer Kirche Lieblingsplatz finden - Nr. 35 tagsüber Gebetsanker werfen - Nr. 51 eine Viertelstunde betend im völligen Schweigen verbringen - Nr. 54 Fürbitte durch Dank ersetzen - Nr. 74 Im kreativen Schreiben gedanklich ausatmen - Nr. 84 Von anderen Konfessionen lernen.

    Okay, dass in anderen Tipps ständig auf die Bibel verwiesen wird, ist okay. Hätte man beim Buchtitel vielleicht erwähnen sollen, diese Fixierung auf das Christentum. Manches ist da etwas übertrieben bzw. ziemlich schräg: Nr. 19 Beten beim Autofahren auf bestimmte KFZ-Kennzeichen - Nr. 26 Menschen beim Einkaufen oder im Fitnesstudio segnen - Nr. 49 WhattsApp-Gebetskreis gründen - Nr. 60 Nach Smartphone-Timer-Vorgabe beten - Nr. 80 Für globale Bibelverbreitung beten - Nr. 82 Beten auf wahllos im Autoatlas aufgeschlagene Orte.

    All das klingt schon ziemlich sektenhaft, ist aber noch tolerierbar. Jedoch gibt es Tipps, die mir ganz über aufstoßen: Nr. 31 Beten für Politiker - Nr. 33 Beten für stärkere Gegenkraft - Nr. 47 Gott mit Löwengebet ehren - Nr. 87 Bete mit biblischen Psalmen für Politiker

    Das hinterlässt bei mir ein verdammt ungutes Gefühl. Assoziationen an die Evangelikalen Hassprediger, Abtreibungsgegener und Trump-Unterstützer in den USA werden wach und ich frage mich, wer das alles überhaupt geschrieben hat. Das kann doch nur ein Mann sein, der da ständig auf Herrn Jesus und den Herrgott und die Herren Politiker und die Autoschilder beten lässt - oder

    Bingo: Autor Ulrich Wendel ist ein umtriebiger Vielschreiber aus der Szene der evangelikalen Freikirchen. Wie brutal und sektenhaft es dort zugeht, davon hat eine Aussteigerin in der TAZ berichtet. Ein absolut lesenswerter Artikel, der als Antidot für den alttestamentarischen Chauvinismus von ""99 Ideen fürs Beten" wärmsten zu empfehlen - auch und gerade Männern, die Beten und Christentum nicht als Egotrip verstehen wollen.

    Was bleibt? Der olle Martin Luther, welcher mit Katharina Bora eine Nonne heiratete, die aus dem Kloster geflüchtet war. Nur. 69, das "Vierfache Kränzlein", empfiehlt zu fragen, was Gott von einem will, wofür man danken kann, wofür um Vergebung bitten und war erbitten.

    Dieses Kränzlein täglich zu beten, empfehlen ich dem Herrn Autor Ulrich Wendel, auf dass er mit dem Missionieren aufhöre und den Stimmen jener Frauen lausche, die bei den Amtskirchen an die Spitze streben, Pastorinnen sind und engagierte, weltoffene, tolerante Christinnen.

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Achtsames Hundetraining

Buchseite und Rezensionen zu 'Achtsames Hundetraining' von Jesse Sternberg
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Achtsames Hundetraining"

Format:Taschenbuch
Seiten:180
EAN:9783958836075
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Rezensionen zu "Achtsames Hundetraining"

  1. Stille und gutes Beobachten

    Stille & gutes Beobachten

    Es tummeln sich in den letzten Jahren viele Hundetrainer & Hundetherapeuten in den Medien und Literatur. Jesse Steinberg hat ein erfrischend anderes Konzept veröffentlicht.

    Achtsames Hundetraining zeigt einen neuen Ansatzpunkt auf.
    _ Der Mensch möge still beobachten & seine Kommunikation
    ändern -
    Das Buch wurde am 02.Juni 2023 in Deutschland veröffentlicht.

    Der Autor:
    Jesse Sternberg lebt und arbeitet in Ontario / Canada.
    Seit weit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit allen Aspekten von Motivation und Achtsamkeit in unserem Leben & Beziehungen.
    Für mich unerwartet, verbindet er den menschlichen Teil des Achtsamkeitstrainings mit den Interaktions - Möglichkeiten zwischen Hund & Halter.
    Er verbindet sein Wissen & Einsichten über Hunde & Menschen miteinander & entwirft damit eine, für viele noch ungewohnte Sichtweise.
    Deutsche Übersetzung von Yutta Klingbeil.

    Zum Inhalt:
    Das Buch hat ein wirklich schönes & gelungenes Titelmotiv:
    Ein kleiner Racker - Terrier gekoppelt mit dem Titel: Achtsames Hundetraining weisen uns den Weg...
    Auf 151 - 180 Seiten (abhängig von der jeweiligen Ausgabe) erklärt wird ohne Wiederholungen oder ermüdenden Korrekturaufforderungen alles Notwendige. Insgesamt wird alles gut aufgeschlüsselt & präsentiert.
    Das Wesentliche die Möglichkeiten physischer Kommunikation & wie wir unsere Fellnasen besser verstehen und deuten können, wird nun greifbar.

    Mein Eindruck und Erfahrungen & eigenen Praxiserfahrungen:

    Die klare Gliederung zu Beginn des Buches, wurde sehr gut betitelt und so zu einem klaren, gut nutzbaren Leitfaden.
    Der Gesamtaufbau wurde logisch und nachvollziehbar konstruiert. Die deutsche Übersetzung überzeugt mit gut, lesbarer Qualität & einem guten Lesefluss.

    Zusammenfassung:

    Der wichtigste Punkt ist wohl:
    - Dieses Buch setzt beim Halter, beim Menschen an.
    - Wir lernen viel Grundsätzliches über die wortlose Kommunikation
    unserer Fellnasen, kennen und einzuschätzen.
    Die spezifischen Unterschiede zw. Hund & Halter sind klar
    herausgearbeitet.

    Es gilt zu verstehen:
    dieses ist kein konventionelles Hunde-Trainingsbuch.

    Vielmehr soll der Leser ermutigt & dazu befähigt werden, seinen Hund genauer zu beobachten und aus dem Gesehenem, die richtigen Schlüsse zu ziehen.
    Darauf aufgebaut bekommt der Leser das Werkzeug, um mit seinem Körper wortlos, seinen Hund von seinen Absichten und Wünschen, in Kenntnis zu setzen.

    Schon allein das Minimieren der vokalen Interaktion gibt unserem Hund Sicherheit und Vertrauen.

    Um die physische Interaktionsfähigkeit zu schärfen erweisen sich die inhaltlichen Teilabschnitte, als sehr hilfreich.
    Durch Einstreuen seiner persönlichen Erlebnisse werden die Einsichten des Autors klar nachvollziehbar und lebensnah unterfüttert.

    Obwohl ich seit inzwischen fast 20 Jahren viel Fachliteratur und Ausbildungen im Bereich des Hundetrainings gelesen & absolviert hatte, wurden auch bei mir ganz neue Impulse geweckt.

    Der Schwerpunkt liegt bei dem Gesamtwerk auf dem stillen Beobachten und der körperlichen Interaktion.
    Wir lernen, wie unsere Hunde das Gegenüber durch Beobachtung & Kombination besser einschätzen können. Das wiederum festigt unsere Beziehung miteinander.

    Fazit:
    Das Buch hilft dem Menschen seine Vierbeiner nicht nur besser zu verstehen, sondern auch ohne viele Worte, mit ihnen effektiv zu kommunizieren.

    Das gesamte Buch hat mich sehr positiv beeindruckt & auch für mich, neue Wege eröffnet.
    Die Verknüpfung von Meditation und von Achtsamkeit geprägter Interaktion mit meinen Hunden wurde zu einem wirklich nützlichem Werkzeug.
    In vielen Bereichen konnte ich die von meinen Hunden so sehr gewollte Einheit und Ruhe in unserer Beziehung stärken und vertiefen. Das war ein wirklich schönes Ergebnis der Lektüre.

    Ich kann diesen Ratgeber zu 100% empfehlen & vergebe überzeugte 5 Lesesterne.

    ISDN: 9783958836082
    Verlag: Lüchow
    Formate: elektr. & Taschenbuch
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Ein schädlicher Einfluss

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Ein Lied für die Vermissten: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Lied für die Vermissten: Roman' von Pierre Jarawan
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ein Lied für die Vermissten: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:470
EAN:
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Rezensionen zu "Ein Lied für die Vermissten: Roman"

  1. Der Geschichtenerzähler

    Pierre Jarawan erzählt in diesem Buch die Geschichte des jungen Amin, der nach 12 Jahren im Exil in Deutschland mit seiner Großmutter in das kriegsgebeutelte Beirut zurückkehrt. Amin findet in Jafar einen Freund, mit dem er durch die zerstörte Stadt stromert. Sie erfinden fantastische Geschichten um irgendwelchen Flohmarktplunder und verkaufen die wertlosen Dinge an Gutgläubige, um sich damit Geld für das Kino oder Süßigkeiten zu verdienen. Aber es gibt auch eine dunkle Seite an Jafar, denn wie alle Kinder, die während des Krieges in der Stadt lebten, ist er schwer traumatisiert. Auch die Großmutter kämpft noch mit der Trauer um ihre verstorbene Tochter, Amins Mutter, und öffnet sich nur selten ihrem Enkelsohn. Die Momente, in denen sie aus ihrem früheren Leben erzählt sind rar und kostbar für Amin, der oft auf sich allein gestellt ist.
    Das Buch wird in Rückblicken des erwachsenen Amin erzählt. Er beruft sich dabei auf die Kunst der arabischen Geschichtenerzähler, die in früheren Zeiten von Dorf zu Dorf zogen. So sind seine Gedanken oft sehr ausufernd. Er springt zwischen den Zeiten hin und her und verliert sich so manches Mal in unwichtigen Details. Das machte das Ganze für mich ziemlich unübersichtlich und wirr. Da ich mich in der Geschichte des Libanon nicht auskenne, war auch eine zeitliche Einordnung oft schwierig. Sprachlich fand ich das Buch auf einem guten Level, aber dadurch dass viele der Protagonisten ihre Geheimnisse hatten, blieben sie für mich distanziert. Auch die Figur des Amin war mir insgesamt zu passiv. Es wurden viele Themen angesprochen: die vielen Menschen, die während der Kriegsjahre spurlos verschwanden, die traumatisierten Kinder, die Rolle der Frau, aber leider wurde das Meiste davon nicht auserzählt. So blieb vieles ungeklärt oder im Vagen.
    Wer die ausufernde Erzählweise arabischer Geschichtenerzähler mag, wird sich hier sicherlich angesprochen fühlen. Mir war das Buch zu wirr.

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  1. 5
    15. Mär 2021 

    Vom Schweigen über die Vergangenheit

    In “Ein Lied für die Vermissten“ kehren wir mit Amin nach Beirut zurück, das er als Baby 12 Jahre zuvor mit seiner Großmutter in Richtung Deutschland als Bürgerkriegsflüchtlinge verlassen hat. Viel ist in diesen 12 Jahren in dieser Stadt passiert. Sie liegt in Schutt und Asche und nicht nur die Gebäude haben schwere Verwundungen davongetragen. Die strikte Teilung der Stadt in Ost und West ist aufgehoben, und doch ist noch viel, viel Teilendes in den Menschen und ihren Köpfen verankert und zeigt sich in ihrem Denken und Handeln. Nur in ihren Worten, da zeigt sich sehr wenig davon. Ein tiefes Schweigen liegt über der Vergangenheit und das schließt auch die Jahre vor dem Bürgerkrieg mit ein, in denen das zuvor blühende Land in diese schreckliche Situation hineintaumelte.
    Amin versteht von dem allen viel zu wenig, steht immer wieder in dieser zerstörten Stadt und hat eine Unzahl von Fragen und niemanden, der sie ihm beantworten wollte. Weder in der Schule noch in seinem Freundeskreis, noch von seiner Großmutter erhält er Antworten auf all seine Ungewissheiten. Geschichtsaufarbeitung findet weder durch den Staat noch in den Köpfen der Menschen statt.

    Eine ganze Generation Nachgeborener suchte Antworten. Doch noch immer gab es kein Geschichtsbuch, das eine neutrale Version der Bürgerkriegszeit bereithielt, schlicht, weil es keine offizielle Version gab, die man an Schulen hätte lehren können. War es das, was Herr Labaki gemeint hatte, als ich vor seinem Pult stand und er mir sagte, vom Sprechen über den Bürgerkrieg seien wir noch Jahrhunderte entfernt?

    Und solange der Kampf um die Deutungshoheit nicht ausgetragen ist, liegt die Vergangenheit dunkel und unerkannt über diesem Land. Der Junge Amin spürt dies, wie es ein Kind spüren kann, und ist auf der ständigen Suche nach Bezugspunkten und -personen, die ihm ein Puzzleteilchen seiner Familienvergangenheit liefern können.
    Mein Fazit:
    Ein überzeugender Roman, der die Hilflosigkeit des Einzelnen angesichts des komplexen historischen Geschehens deutlich macht, aber auch eine ungemein warmherzige Sicht auf ein Land wirft, das wirklich viel zu verlieren hatte (die „Schweiz des Nahen Ostens“, Beirut – das Paris des Nahen Ostens) und immer noch viel verliert. Und diese Sichtweise wird sehr glaubwürdig aus einer Jugendlichenposition aus erzählt. Ich gebe 5 Sterne.

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  1. Die Verschwundenen des Bürgerkriegs

    Mit seiner Großmutter Yara kehrt Amin Elmaalouf 1994 als Jugendlicher zurück in den Libanon - zwölf Jahre, nachdem er nach dem Tod seiner Eltern nach Deutschland gegangen ist. Wieder in Beirut verbringt er viel Zeit mit dem gleichaltrigen Jafar, der ihm ein guter Freund wird. Dann aber passieren mysteriöse Dinge: Menschen verschwinden, das Café der Großmutter muss schließen, er wird verleugnet. Eine Spurensuche beginnt...

    „Ein Lied für die Vermissten“ ist ein Roman von Pierre Jarawan.

    Meine Meinung:
    Der Roman beginnt mit einer Art Vorwort oder Prolog („Yeki Bud. Yeki Nabud“). Daran schließen sich drei Teile an, „Strophen“ genannt, die wiederum aus 30 Kapiteln bestehen. Zum Schluss folgt eine Art Gesprächsprotokoll. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Amin - allerdings nicht chronologisch, sondern mit Zeitsprüngen und zum Teil etwas bruchstückhaft, was beim Leser Konzentration erfordert, die sich jedoch lohnt.

    Besonders begeistert mich der atmosphärische, bildstarke und stellenweise poetische Erzählstil, der den Leser in eine fremde Welt entführt. Immer wieder beweist der Autor, dass er mit Sprache trefflich umgehen kann. Daher hat mich auch keineswegs gestört, dass teilweise ausschweifend erzählt wird und die Handlung manchmal nur langsam voranschreitet.

    Amin ist ein Charakter, zu dem ich nicht auf Anhieb einen Zugang gefunden habe. Allerdings wirkt er authentisch und nicht unsympathisch.

    Gereizt haben mich an der Geschichte das Setting sowie die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe. So geht es um den libanesischen Bürgerkrieg, mit dem ich mich bis dato nicht beschäftigt hatte, und den Arabischen Frühling. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Nachbemerkung des Autors, der ergänzende Infos zu den damaligen Geschehnissen liefert und darin seine fundierte Recherche belegt.

    Auch ansonsten ist der Roman tiefgründig, facettenreich und vielschichtig. Freundschaft, Familie, Krieg, Verlust, Heimat und Identität sind nur einige der weiteren Themen. Dabei regt die Geschichte zum Nachdenken an und berührt.

    Ich habe den Roman vorwiegend als ungekürzte Lesung gehört. Bei dem Hörbuch zeigt sich, dass der Autor mit seiner angenehmen Stimme auch als Sprecher einen tollen Job macht.

    Das Cover, das prima zur Geschichte passt, gefällt mir ausgesprochen gut. Auch der Titel ist eine gelungene Wahl.

    Mein Fazit:
    „Ein Lied für die Vermissten“ von Pierre Jarawan ist eine besondere Lektüre, die es dem Leser zwar nicht immer einfach macht, aber nichtsdestotrotz ein empfehlenswerter Roman ist, der mich in mehrfacher Hinsicht überzeugt hat.

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