Mutter (Ein Gemurmel)

Buchseite und Rezensionen zu 'Mutter (Ein Gemurmel)' von Kate Zambreno

Inhaltsangabe zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: AKI Verlag
EAN:9783311350125
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Ab heute heiße ich Margo: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ab heute heiße ich Margo: Roman' von Cora Stephan
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ab heute heiße ich Margo: Roman"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:640
EAN:9783462050646
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Rezensionen zu "Ab heute heiße ich Margo: Roman"

  1. Ein beeindruckender historischer Roman

    Inhalt
    Im Mittelpunkt dieses zeitgeschichtlichen Romans stehen zwei Frauen: Margarete und Helene.

    Margo, wie sich nennt, weiß, was sie will: bei Photo Werner lernen. Aus eigenem Antrieb hat sie sich diese Lehrstelle als Bürokraft organisiert.
    Wir schreiben das Jahr 1936 in Stendal.
    Margo Hegewald ist glücklich in ihrer Ausbildung und lernt den Diplomaten Alard von Sedlitz auf einer Soiree der mondänen Familie Seliger kennen. Sie verliebt sich in den Adligen, dessen Vater ein Gut in Schlesien besitzt. Doch Alards Herz schlägt für Helene, eine junge Fotografin, die er gemeinsam mit seinem englischen Diplomatenfreund Liam im spanischen Bürgerkrieg vor den Rotarmisten gerettet hat. Ebenso wie seine Dogge Adalante. Auch Liam liebt die junge Frau und Alard glaubt, Helene habe ebenfalls ihr Herz an den Engländer verloren - eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellt.
    Alard organisiert Helene eine Anstellung bei Photo-Werner in Stendal und so freunden sich Margo und Helene, die Spionage betreibt, wovon Margo nur eine Ahnung hat, an. Inzwischen bricht der 2.Weltkrieg aus und am Beispiel von Margo kann man verfolgen, wie wenig die Propaganda des NS-Regimes hinterfragt wurde - bis Helene von der Gestapo abgeführt wird. Unklar bleibt, ob es ihre jüdische Abstammung oder ihre Spionagetätigkeit ist, die ihr zum Verhängnis wird. In ihrer Naivität verrät Margo Helenes Defätismus, wofür sich Helene später rächen wird..

    Während Helene ins KZ Ravensbrück gebracht wird und dort Furchtbares durchleiden muss, verliebt sich Margo in Henry Seliger und heiratet ihn. Er bringt sie nach der Hochzeit nach Schlesien, weil er glaubt, dort sei es sicher - ebenfalls eine Fehleinschätzung. Helene und Margo treffen dort am Ende des Krieges wieder aufeinander - im Hause Alards und als die Rote Armee sie überfällt, verlieren sie sich aus den Augen. Margo wird schwer misshandelt und nachdem sie wieder bei Sinnen ist, ist Helene verschwunden, ebenso ihr kleines Mädchen Emma - die Folge einer gemeinsam verbrachten Nacht mit Alard.

    Während Margo in einer Elektronikfirma im Westen Karriere macht und sich mit Henry und dem gemeinsamen Kind Leonore eine Existenz im Nachkriegsdeutschland aufbaut, bleibt Helene im Osten und wird zur Botschafterin des Friedens. Sie knüpft somit an ihre Geheimdiensttätigkeit an, wird aber nie eine linientreue Sozialistin - im Gegensatz zu ihrer Tochter Clara.
    Nach vielen Jahren treffen Helene und Margo wieder aufeinander, alte Wunden werden aufgerissen und Verrat und Schuld belasten ihre einstige Freundschaft. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten, das Ende ist jedoch ein versöhnliches und schließt elegant den gespannten Erzählbogen.

    Bewertung
    Der Roman erstreckt sich von der Zeit unmittelbar vor dem 2.Weltkrieg bis zu einem Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung Deutschlands.
    Dabei liefert er am Beispiel Margos zunächst einen Einblick in die Naivität, die der Propaganda Hitlers erliegt und nichts wissen will, was mit den deportierten Menschen geschieht. Trotzdem bleibt sie aufgrund ihrer Durchsetzungsfähigkeit, ihrem Arbeitswillen und auch mit ihren dunklen Momenten eine Sympathieträgerin des Romans. Lediglich das Verhalten gegenüber ihrer Tochter wirft einen Schatten auf diese starke Frau, die aufgrund der eingestreuten Tagebuchaufzeichnungen im Mittelpunkt des Romans steht.
    Helene, dagegen, erlebt die Willkür und Grausamkeit des Nazi-Regimes mit ihrer Gefangennahme und Inhaftierung und auch nach dem Krieg findet sie sich in einem totalitären Regime wieder, mit dem sie zunächst kooperiert. Doch zunehmend distanziert sie sich von den Ideen des Sozialismus. Obwohl sie die Unnahbarere von beiden ist, gewinnt auch sie die Sympathien der Zuhörer/innen, was auch der Sprecherin Tanja Fornaro zu verdanken ist, die zusätzlich dafür sorgt, dass man den Handlungen der Protagonistinnen Verständnis entgegenbringt.

    Der Roman bietet einen Gang durch die Geschichte, ganz konkret am Alltagsleben dargestellt:
    Der Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder wird zusammen mit Margo erlebbar. Die Ideologie im Osten, die Spionagetätigkeit und das perfide System des Ministeriums für Staatssicherheit, das auch vor Kindern, die als Spitzel angeworben werden, nicht Halt macht, erscheinen durch die Augen Helenes.
    Es ist ein Roman, der anhand menschlicher Schicksale die deutsche Geschichte erfahrbar macht, nicht die große Politik steht im Vordergrund, sondern die Ängste und Sorgen der beiden Frauen. Auch die folgenden Generationen kommen zu Wort und schildern aus ihrer Perspektive die Gefühle einer neuen Generation.
    Trotz der ein oder anderen sentimentalen Szene, die ganz bewusst die emotionale Ebene bedient, ist es ein wunderbarer, historischer Roman mit starken Figuren, der trotz der Länge des Hörbuches immer interessant und spannend bleibt.

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  1. 5
    12. Jun 2016 

    Leise Töne, große Geschichte...

    Immer schon habe ich Autoren bewundert, denen es gelingt, über viele Seiten hinweg den Bogen einer Geschichte zu spannen ohne dass es zu unwiderbringlichen Brüchen kommt und wo am Ende letztlich wirklich alles erzählt ist. Cora Stephan legt mit diesem Roman ein solches Werk vor, und trotz der stolzen 640 Seiten ließ die Faszination der Geschichte bei mir zu keinem Moment nach.

    Zwei starke Frauen stehen im Mittelpunkt des Geschehens, das zum einen ihr individuelles Schicksal beleuchtet, das die beiden unwiderruflich miteinander verbindet, das zum anderen aber auch eingebettet ist in ein gehöriges Maß Zeitgeschichte, das hier von 1936 bis ins Jahr 2000 reicht.

    In Stendal begegnen sich die beiden Frauen in den 30er Jahren das erste Mal. Margarete Hegewald ist gerade dem Backfischalter entsprungen, als sie beschließt, nicht länger zur Schule zu gehen. Sie schneidet sich die Zöpfe ab, nennt sich künftig Margo und bietet auch ihrem tyrannischen Vater zunehmend die Stirn. Zielstrebig tritt sie ihre Lehrstelle bei Photo-Werner an und ist in dem kleinen Büro des Unternehmens bald unentbehrlich - sie verwaltet die Rechnungen und Bilanzen des Geschäfts. Dort lernt sie die stille Fotografin Helene Pinkus kennen, etwas älter als Margo und eher ein Einzelgänger. Doch allmählich entsteht ein etwas vertrauteres Verhältnis zwischen den beiden, und Margo erfährt, dass Helene als Kriegsfotografin die Geschehnisse im Spanischen Bürgerkrieg dokumentiert hat - und dabei traumatischen Erlebnissen ausgesetzt war. Eine wirkliche Freundschaft entsteht nicht zwischen den beiden Frauen - zu unterschiedlich sind sie, und der zunehmende Druck durch den Nationalsozialismus verschärft diese Unterschiede noch. Die Liebe zu dem Adligen Alard von Sedlitz ist etwas, was die beiden teilen, doch der hat im Grunde nur Augen für Helene. Die Kriegswirren lassen jedoch keine Liebe zu. Helene landet im KZ Buchenholz, Alard und Margo verbringen eine einzige gemeinsame Nacht - als Trost für unerfüllte Liebe, Wärme in Zeiten der Kälte, und doch nicht folgenlos. Emma heißt das kleine Mädchen, von dem Alard nichts erfahren wird, und das Margo schließlich auf der Flucht verliert. Lange Jahre erfährt sie nichts über das Schicksal ihrer kleinen Tochter, und doch hört sie nie auf, an sie zu denken.

    Nach dem Krieg geht das Leben weiter, jeder trägt schwer an den Folgen der Kriegsjahre, tief gezeichnete Spuren. Margo folgt ihrem Jugendfreund und nun Ehemann Henri nach dessen Kriegsgefangenschaft in den Westen, ihre Mutter und Schwester bleiben in Stendal - warten auf den Vater, über dessen Verbleib nichts bekannt ist. Helene lebt fortan im Osten des geteilten Deutschlands, wird von der Stasi angeheuert, schließlich auf Margo angesetzt, die bei einer Firma arbeitet, an deren Daten die Stasi großes Interesse zeigt. So kommt es zu einer erneuten Begegnung zwischen den beiden Frauen, und was einmal Freundschaft hätte werden können, ist nun überlagert von Misstrauen und Verrat. Auch die Jahre nach dem Mauerfall 1989, die hier ebenfalls noch Gegenstand des Geschehens sind, wird keine Wiederannäherung bringen - und doch sind die Schicksale Margos und Helenes unwiderruflich miteinander verbunden und durch ein gemeinsames Geheimnis geprägt.

    "Der Moment ist das Einzige, was am Ende eines Lebens bleibt, und man darf ihn nicht vergeuden mit der Klage darüber, was war und was hätte sein können." (S. 579)

    Ich und dicke Bücher, das ist so ein Kapitel für sich. Wenn ich mich an ein solches heranwage, kämpfe ich jedesmal zunächst gegen einen inneren Widerstand an, und das, was sonst so mühelos gelingt: das Verschlingen der Romane, das dauert bei einem solchen Buch eine gefühlte Ewigkeit. Auch hier erging es mir so - fast zwei Wochen dauerte die Lektüre. Doch ehrlich gesagt: ich habe die Zeit genossen, denn immer mehr lebte ich so an der Seite der Figuren.

    Dabei empfand ich gar nicht immer so etwas wie Sympathie für die Charaktere, denn manche ihrer Haltungen, Handlungen und Entscheidungen waren zumindest fragwürdig - dabei jedoch zutiefst menschlich. Durch das Einbetten des Geschehens in die Zeitgeschichte Deutschlands bekommt der Leser einen Einblick darin, wie es war, einer Doktrin folgen zu müssen, wo selbständiges oder gar kritisches Denken nicht nur verpönt sondern unter Umständen lebensgefährlich war, und das nicht nur unter dem Naziregime, sondern eben auch später in der ehemaligen DDR. Was macht ein solcher Druck mit den Menschen - begeistertes Anhängertum oder zumindest Mitläufertum? Doch auch die Geschichte des Westens ist hier lebendig vertreten: das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre, die wachsende Gleichberechtigung der Frau - Margo kämpfte darum schon zu einer Zeit, als dies alles andere als selbstverständlich war, Sex and Drugs and Rock and Roll in den 60ern und 70ern, und das alles in einer generationenübergreifenden Erzählung. Gerade die Unterschiede der beiden deutschen Staaten werden hier eklatant deutlich, auch im Hinblick auf die Entwicklung der dort lebenden Menschen.

    Erzählt wird der Roman chronologisch aus wechselnden Perspektiven. Neben Margo und Helene kommen auch andere Figuren zu Wort, wenn es für das Geschehen wichtig ist. Kaleidoskopartig setzen sich so die Bilder zu einer Gesamtkomposition zusammen, und nie geschieht dies losgelöst vom Kontext des Zeitgeschehens. Dabei wird die Geschichte jedoch nicht mit Historie überfrachtet, sondern wie nebenher fließen geschichtliche Zusammenhänge in die Erzählung ein, die mit ihren eher leisen Tönen im übrigen nicht in Klischees verfällt, was mir gut gefallen hat. Die Figuren geraten so authentisch und lebendig, und selbst das etwas pathetisch geratene Ende stört diesen überaus postitiven Gesamteindruck für mich nicht wirklich.

    Ein überaus angenehm zu lesender Roman über zwei starke Frauen, aber auch über ein Stück deutscher Zeitgeschichte, die von vielen Unruhen geprägt war. Sehr interessant und wirklich empfehlenswert!

    © Parden

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Scharfsichtige Frauen

Buchseite und Rezensionen zu 'Scharfsichtige Frauen' von Unda Hörner

Inhaltsangabe zu "Scharfsichtige Frauen"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
EAN:9783869151885
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Papa stirbt, Mama auch

Buchseite und Rezensionen zu 'Papa stirbt, Mama auch' von Maren Wurster
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Papa stirbt, Mama auch"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:161
Verlag: Hanser Berlin
EAN:
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Rezensionen zu "Papa stirbt, Mama auch"

  1. Berührt bis ins Mark…

    Klappentext:

    „Ein Buch, das uns alle betrifft: Maren Wursters zutiefst berührende Reflektion über Fürsorge und Übergriffigkeit, Krankheit und Tod – und die Suche nach der eigenen Geschichte.

    Ein persönliches, in seiner Offenheit radikales, überraschend tröstliches Buch über den Abschied von den Eltern – und der literarische Versuch, die eigene Herkunft zu ergründen. Der Vater liegt auf der Intensivstation, die demenzkranke Mutter wird in einem Pflegeheim betreut. Dazwischen steht die Tochter, selbst Mutter eines kleinen Kindes, und muss sich kümmern, weiß aber nicht, wie. Sie fängt an, sich zu erinnern: an ihre Kindheit, an das Ferienhaus in Spanien, aber auch an die Sucht des Vaters und die Unnahbarkeit der Mutter. Und während sie das Leben der Eltern vom Moment des Sterbens aus erzählt, begreift sie nach und nach, was die beiden eigentlich für Menschen waren, was für ein Mensch sie selbst geworden ist.“

    Manchmal gibt es Bücher, die will man eigentlich gar nicht lesen, weil die Vogelstrauß-Politik manches Mal beim Menschen das Einfachste zu sein scheint. Tut das gut? Nein. Wir können uns vor so vielen Dingen und Situationen nicht verstecken und verschließen, denn sie werden kommen, eines Tages…ob wir wollen oder nicht.

    Autorin Maren Wurster hat mir das wieder klar gemacht. In ihrem Buch beschreibt sie eine Art Sterbebegleitung ihrer Eltern aber nicht in dem Sinne wie man das „professionell“ kennt, sondern wie man es als Kind seiner Eltern macht - mit Liebe bis zum Schluss, egal was war…Wurster erzählt von ihrem Vater, der vom Alkohol zerfressen war und der dafür seine Quittung des Lebens bekommt - er liegt im sterben. Wursters Mutter führt ihr eigenes Leben weit ab von dem, was sie weiß: sie hat eine fortschreitende Demenz und geht in ihrem Kopf ihren eigenen Weg des Lebens bis zum Schluss. Wursters Worte sind nicht nur berührend und traurig, ja sie quälen den Leser genau an der Stelle wo es richtig schmerzt. 140 Seiten braucht es dafür, dass man als Leser aufwacht und darüber nachdenkt wie man selbst damit umgehen würde. Braucht man dann so ein Buch? Umbedingt! Es zeigt, dass es einem nicht nur allein so geht. Alle Kinder ziehen irgendwann dieses Los des Schicksals. Wurster begleitet die beiden und erlebt eine riesige Kraft der Liebe zwischen ihnen, eine Liebe, an die sie selbst nicht mehr gedacht/geglaubt hätte, nach allem was war. Und vielleicht war es genau das was sie brauchte um die beiden für sich nochmal neu kennenzulernen. Wer waren ihre Eltern? Sie geht auf Spurensuche und findet sich selbst als Ergebnis der beiden wieder.

    Mein Fazit: aufwühlend, schmerzend, traurig, hammerhart, aufrüttelnd, wie ein Weckruf an alle Kinder…Ein gigantisches Buch mit einer noch gigantischeren Message. Lesen! Unbedingt lesen und mit sich selbst darüber sprechen…5 von 5 Sterne! Wobei diese wahrlich noch untertrieben sind!

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Ausleben

Buchseite und Rezensionen zu 'Ausleben' von Mena Kost
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

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Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:196
EAN:9783856169145
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Rezensionen zu "Ausleben"

  1. "Ein Buch für alle, die einmal sterben werden."

    !ein Lesehighlight 2023!

    Klappentext:

    „Wie möchten Sie am liebsten sterben? Fürchten Sie sich vor dem Tod? Kann man mit dem Tod Frieden schliessen? Im Porträtbuch Ausleben erzählen fünfzehn Frauen und Männer über 80 von ihren Gedanken, Ängsten und Hoffnungen in Bezug auf ihren eigenen Tod. Sie erzählen aus ihrem Leben und sagen, wie es sich anfühlt, nach vorne zu schauen. Der letzte Lebensabschnitt stellt uns alle vor grosse Herausforderungen: In Würde zu altern und schliesslich zu sterben ist eine Lebensendaufgabe. Trotzdem – oder gerade deshalb – verliert der Tod für viele alte Menschen an Schrecken. Einige entwickeln sogar eine Art freundschaftliches oder humorvolles Verhältnis zu ihm. Die Nähe zum Tod, gepaart mit der Lebenserfahrung alter Menschen, ist berührend und inspirierend: Ein Buch für alle, die einmal sterben werden.“

    Ein kleines Büchlein hält man hier als Leser in den Händen und seine Wirkung ist dafür um so gewaltiger! Ich muss gestehen, allein das Wort „Ausleben“ fand ich mehr als gelungen gewählt als „Ableben“ oder gar „Sterben“. Ja, der Mensch wird am Ende seines Lebens sein Leben ausleben, es ist gelebt und neigt sich dem Ende. Vom Bleiben war ja schließlich nie die Rede! Aber wie gehen Menschen am Ende ihres Lebens mit diesem Thema um? Unweigerlich muss man sich damit auseinandersetzen ob man will oder nicht. Und das soll jetzt nicht heißen, dass man auf den Sensenmann nur zu warten hat! Dieses Büchlein hat allein schon ein wunderbares Cover: es zeigt uns eine lächelnde Frau, vom Leben gezeichnet, mit einem gewissen Strahlen im Gesicht. Unpassend? Ganz und gar nicht. Ihre persönliche Geschichte zum Thema erlesen wir gleich als erstes und es vergeht kaum ein Wort wo man nicht gefühlvoll wird beim lesen. Tränen? Die fließen hier so oder so und das ist auch gut so. Aber hier wird auch gelacht und gescherzt und das nimmt dem Thema absolut die trübe Sichtweise. Auch alle anderen hier vorgestellten Menschen erzählen ihre Sicht der Dinge zum Thema und somit bildet sich zum Schluss ein offenes und vielseitiges Endergebnis welches jeder von uns anders bewerten wird. Ich kann jedenfalls klar sagen, dieses Buch ist wahrlich grandios und sehr besonders. 5 Sterne hierfür!

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Don Mee Choi: DMZ Kolonie (Volte: Expanded)

Buchseite und Rezensionen zu 'Don Mee Choi: DMZ Kolonie (Volte: Expanded)' von Dorothee Elmiger

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Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Taschenbuch
Seiten:168
EAN:9783959057165
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The Painted Veil (English Edition)

Buchseite und Rezensionen zu 'The Painted Veil (English Edition)' von  W. Somerset Maugham

Inhaltsangabe zu "The Painted Veil (English Edition)"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:257
EAN:
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Die Liebeserklärung: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Liebeserklärung: Roman' von Jean-Philippe Blondel

Inhaltsangabe zu "Die Liebeserklärung: Roman"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:161
EAN:
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Schatten der Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Schatten der Welt' von Andreas Izquierdo

Inhaltsangabe zu "Schatten der Welt"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Taschenbuch
Seiten:560
EAN:9783832166021
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Meine Reise zum Regenbogen

Buchseite und Rezensionen zu 'Meine Reise zum Regenbogen' von Bernhard Paul
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Meine Reise zum Regenbogen"

Diskussionen zu "Mutter (Ein Gemurmel)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
EAN:9783710606465
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Rezensionen zu "Meine Reise zum Regenbogen"

  1. 5
    20. Feb 2023 

    Verwirklichte Lebensträume...

    Bernhard Paul hat uns das Träumen geschenkt. Mit dem Circus Roncalli gelang ihm die Neuerfindung des Zirkusses in einer Welt, die die Kraft der Fantasie vergessen hat. Erstmals erzählt der Erfinder der Traumfabrik Roncalli nun auch offen und tabulos von den Abgründen seiner Kindheit und von seiner Rettung. Seine Autobiografie ist ein Plädoyer für das Miteinander von Menschen aus aller Welt, für Kreativität und grenzenloses Denken. Der Zirkusdirektor und beliebte Clown Zippo nimmt uns mit in das Wien der 70er Jahre an der Seite von Manfred Deix und Gottfried Helnwein, erzählt über seine Freundschaft und den Bruch mit André Heller, über seine Begegnungen mit Stars und Politikern. Vor allem aber schreibt er eine große Menschheitsparabel über die Bedeutung der Kreativität in einer Welt, die uns immer verrückter und komplexer erscheint. (Klappentext)

    Eine liebevoll gestaltete Autobiografie des bekannten Gründers des Circus Roncalli präsentiert der Brandstätter Verlag hier, erfreulicherweise gespickt mit zahllosen Fotos, die noch einmal ganz andere Einblicke liefern. Unterteilt in thematische Kapitel erzählt Bernhard Paul hier meist chronologisch aus seinem Leben, das 1947 in einer kleinen Stadt in Niederösterreich in Armut und mit wenig elterlicher Liebe begann. Vor allem zu seiner Mutter hatte er zeitlebens ein gespaltenes Verhältnis. Doch schon früh zeigte sich: hier ist einer, der weiß, was er will!

    "Der Circus gab mir die Möglichkeit, Clownerie, Architektur und Kunst, Musik, Abenteuer und Regie, Sammelleidenschaft, Fantasie und Humor unter ein Zelt zu bringen. Und dieses Zelt nenne ich bis heute meine Familie und mein Zuhause: Roncalli." (S. 7)

    Schon als Kind erwachte die Liebe zum Zirkus, der Wunsch dazuzugehören, Teil der bunten Traumwelt zu werden. Und auch wenn das Leben Umwege für Bernhard Paul bereithielt, fügte sich letztlich alles so, dass er es für die Verwirklichung seines Traums gebrauchen konnte. Leidenschaft und Lust, Zähigkeit und eiserner Wille sind einige der Zutaten, mit denen es dem Visionär schließlich gelang, auch gegen den Widerstand etablierter traditionsreicher Zirkusse seinen eigenen Circus ins Leben zu rufen. Seit 1976 gibt es nun den Circus Roncalli, der seither schilllernde Traumwelten verkauft, ganz ohne Tiere und, ja, auch plastikfrei. Wichtig ist Bernhard Paul v.a. die Atmosphäre, das Nostalgische. Hinter den Kulissen dann modernste Technik, die beispielsweise den Einsatz von Hologrammen in der Manege ermöglicht.

    Von interessanten Begegnungen erzählt der Autor hier, von Schlüsselerlebnissen, Freunden, Lebensbegleitern, Familie. Vor allem aber von seinen großen Leidenschaften und dem unbedingten Willen, diese in seinem Leben fest zu verankern und ihnen einen würdigen Raum zu verschaffen. So träumt der heute 75Jährige noch davon, ein Museum zu verwirklichen, in dem seine diversen Sammlungen zur Geltung kommen und ihn überdauern können. Der Circus Roncalli ist längst in die Hände seiner Kinder gelegt, auch wenn Bernhard Paul es sich nicht nehmen lässt, immer noch ein Wörtchen mitzureden.

    Auf der offiziellen Roncalli-Seite äußert der Circus-Gründer selbst: "Ich bin einer von den Unkaputtbaren. Kreativität und Kunst kennen kein Alter. Picasso malte noch mit 90 Jahren und unser Schutzheiliger Charlie Chaplin machte noch mit weit über 80 Jahren Filme. Udo Lindenberg und der Rolling Stones Gitarrist Ron Wood sind so alt sind wie ich und auch noch schwer aktiv. Uns alle beflügelt halt dieser Rock and Roll des Lebens..."

    Vielleicht ist der Umgang mit diesem starrsinnigen Bernhard Paul nicht immer einfach für andere. Aber ohne diesen Starrsinn, seine Kreativität, seine Leidenschaft und seinen ungebrochenen Idealismus gäbe es Roncalli nicht, wäre das Projekt an vielen Hürden gescheitert, ein Traum begraben worden. Doch so kann der langjährige Circus-Direktor, der Clown Zippo, der Begleiter zum Regenbogen stolz auf sein Lebenswerk schauen, das nie aufhören wird sich zu wandeln. Beeindruckend!

    Ich habe dieses Buch nun weiterverschenkt an wohl einen der größten Roncalli-Fans und dafür schon im Vorfeld Seufzer des Entzückens geerntet. Eine Autobiografie, die nicht hochtrabend daherkommt, sondern kleine Einblicke in ein interessantes und abwechlsungsreiches Leben vermittelt. Hier ist einer, der genügend Biss hatte (und weiterhin hat), um seine Lebensträume zu verwirklichen. Davor ziehe ich meinen Hut.

    © Parden

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