Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

Buchseite und Rezensionen zu 'Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur' von Andrea Wulf
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:878
EAN:
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Rezensionen zu "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur"

  1. Die humboldtsche Perspektive

    ... oder, die frühen Erkenntnisse über das Anthropozän!

    Sein Name ziert Berge, Buchten und Ströme, fast wie ein Warenzeichen. Oft genannt, leider immer weniger hinterfragt, weiß heute die englischsprachige Welt nur noch sehr wenig um die Verdienste dieses Mannes für die beiden amerikanischen Kontinente. Die USA haben dem Urvater der Naturschutzgebiete und Nationalparks ihre eigenen Sprößlinge George Perkins Marsh und John Muir vorgezogen und die Ehrendenkmäler überlassen. Aber eine großartige Sachbuchautorin hat sich jetzt dieses blinden Flecks der Erinnerung angenommen und sich mit einem wunderbaren, breit gefächerten und überaus lesbaren Buch, diesem letzten Universalgelehrten zugewandt.

    Während sein älterer Bruder Wilhelm in Preußen seßhaft wurde und sich Politik und Gesellschaft widmete, war Alexander (*1769 - +1859) von Klein auf derjenige, der in der Erforschung der Tier und Pflanzenwelt seine Freude fand. Als schließlich die geerbten, finanziellen Mittel zur Verfügung standen, hielt den jungen Mann nichts mehr auf.
    Süd-, Mittel- und Nordamerika und schließlich, den politischen Umbrüchen geschuldet, Russland, konnte er auf seiner Bucketlist abhaken, bevor er für seinen Finalwunsch, dem Himalaya, schließlich zu alt war. Er hatte sich zigmal um eine Einreiseerlaubnis für Indien bei den Briten bemüht, doch vergebens. Das britische Understatement vertrug sich einfach nicht mit Humboldts politischen Äußerungen zu den spanischen Kolonien in Südamerika und dem damals weitverbreiteten Sklaventum.
    So blieb der Chimborazo in Ecuador mit seiner Höhe von 6263 Metern für Alexander der höchste Berg der Welt, den er zusammen mit Aimé Bonpland bestiegen hatte. Vom wuchernden Dschungel auf die vereisten Höhen der Berge bescherten Humboldt dann auch die Einsichten zur Untrennbarkeit von Pflanzen- und Tierwelt, von ökologischen Gegebenheiten, die Anpassung erforderten.
    Nicht nur Charles Darwin und Henry David Thoreau ließen sich in Sachen Natur von Humboldt inspirieren, sondern auch Thomas Jefferson und Simón Bolívar auf politischer Ebene. Letzterer zettelte dann die Revolten in Südamerika an.
    Zurück in Europa konnte sich der Gelehrte einer ruhigen Stellung am preußischen Hof nicht beugen und riss immer wieder nach Paris aus, dem damaligen Zentrum der wissenschaftlichen High Society. Er veröffentlichte seine Schriften und Bücher, hielt Vorträge, protegierte junge Forscher und war bis ins hohe Alter fokussiert auf seine Fundstücke und den daraus resultierenden Erkenntnissen.
    Viele berühmte Zeitgenossen säumten seinen Lebensweg, doch auch nach seinem Tod bewegten seine Bücher die nächste Generation, die auf seine Forschungen aufbauten. Seinen 100. Geburtstag feierte noch die halbe Welt, doch irgendwann läuteten nationale Interessen und die Feindschaft vieler Länder mit Deutschland das Vergessen ein. Alexander von Humboldt, ein Kämpfer für Zusammenarbeit und Austausch über Grenzen hinweg, hätte es sich nicht schlimmer ausmalen können.
    Nun kann ich nur einen Bruchteil von dem wiedergeben, was dieses Buch von Andrea Wulf ausmacht. Es ist weitaus mehr als Alexander von Humboldts Biografie. Es ist ein umfassendes Bild der europäischen und amerikanischen Welt Ende des 18. bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus, rückt wichtige Ereignisse, wie die französiche Revolution und die anschließende Herrschaft Napoleons ins rechte Licht und schafft den Anschluss für die gegenwärtige Betrachtung der Natur als ganzheitliches Gebilde mühlelos.
    Es glänzt mit zahlreichen Zeichnungen und einem bunt bebilderten Mittelteil und hat eine solide Basis mit seinem über 100seitigem Anhang, in dem man alles nochmal in Ruhe nachschlagen kann.
    Aber vor allem macht es Lust auf weitere Schriften und Kunsterzeugnisse aus dieser Zeit. Anregend und genial. Mit Andrea Wulf ist mir eine Autorin begegnet, die ich unbedingt im Auge behalten will.

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Das Buch zum Tee

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Buch zum Tee' von Peter Rohrsen
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Buch zum Tee"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:247
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406791369
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Rezensionen zu "Das Buch zum Tee"

  1. 4
    26. Sep 2022 

    Für Teeliebhaber ein tolles Buch.

    Ich beginne jedoch mit einem Manko: Kein Früchtetee! Ich bin mir durchaus bewusst, dass Früchtees keine richtigen Tees sind, sondern „teeähnliche Erzeugnisse“, bzw. „teeähnliche Aufgussgetränke“. Ich hätte mir aber gewünscht, dass der Autor sich etwas mehr Zeit nimmt, um über diese Unterschiede zu sprechen und klarer definiert, was genau er nun einbezieht und hier bespricht, statt das nur im Vorwort mit einem Nebensatz abzutun. Denn man darf nicht vergessen, dass im deutschen Sprachgebrauch, im allgemeinen Verständnis und bei Produktbezeichnungen im Handel das Wort „Tee“ doch sehr weit gefächert ist.
    Abgesehen davon, bietet das Buch alles, was man sich von einem Buch zum Thema „Tee“ erwartet: botanische Einordnung, geographische Verbreitung, Produktion, Logistik und Handel, Kultur und Zubereitung. Noch dazu in einem angenehmen Schreibstil, wodurch das Buch flott gelesen wird. Viele kleine Zusatzinformationen übers Buch verstreut lockern die Lektüre auf und auch die Fotos in der Buchmitte sind sehr gut gewählt. Das nützliche Register am Ende hilft bei der Suche nach speziellen Informationen. Insgesamt also ein durchaus gelungenes Werk.
    Wie gesagt, hätte ich mir ein Einstiegskapitel „Was ist Tee?“ gewünscht, aber auch den Abschnitt „XI. 5. Zukunftsperspektiven“ (S. 196) hätte man ausbauen können, etwa mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Teeproduktion oder technischen Innovationen. Ansonsten wurden meine Erwartungen voll erfüllt, habe ich die Lektüre sehr genossen.
    Fazit: Empfehlenswert mit einer Tasse Tee nebenbei.

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American Bloomsbury

Buchseite und Rezensionen zu 'American Bloomsbury' von Susan Cheever

Inhaltsangabe zu "American Bloomsbury"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:287
EAN:9783458177074
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Pasta für Nachtigallen

Buchseite und Rezensionen zu 'Pasta für Nachtigallen' von Giovanni Pietro Olina
5
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Inhaltsangabe zu "Pasta für Nachtigallen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
EAN:9783836921480
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Rezensionen zu "Pasta für Nachtigallen"

  1. Ein wahrer Schatz!

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:
    „Ein Handbuch über Vogelpflege aus dem 17. Jahrhundert

    Cassiano dal Pozzo, bedeutender Kunstmäzen im 17. Jahrhundert, gab eine Reihe von exquisiten Vogelstudien für sein berühmtes Papiermuseum in Auftrag. Der Ornithologe Giovanni Pietro Olina nutzte diese Illustrationen, die in der Royal Library auf Schloss Windsor verwahrt werden, für Uccelliera, ein 1622 erschienenes Werk über Vögel und ihre Eigenschaften. „Pasta für Nachtigallen“ vereint Cassianos originales Bildmaterial mit Texten von Olina, die neu übersetzt wurden. Ein faszinierender Einblick in die frühe Naturgeschichte und Vogelbeobachtung!“

    Dieses Buch ist für mich ein wahres Schatz in meiner riesigen Bibliothek und als Hobby-Ornithologin war das eine ganz besondere „Reise“ zurück in die Vergangenheit. Dieses quadratische, recht kleine Buch, umhüllt einen von der ersten Seite an mit kunstvollen und leicht magischen Seiten. Die Zeichnungen und Kupferstiche sind famos! Aber noch famoser sind die Texte zu den verschiedenen Vögeln. Aber mal von vorn: die Einleitung macht klar, welch Stellenwert, die hier aufgeführten Erkenntnisse damals im 17. Jahrhundert hatten und man bekommt einfach den Mund nicht mehr zu, wenn man damals und heute vergleicht. Als Beispiel der Kiebitz: früher gern gefangen, weil sehr aromatisch und recht groß und die Eier waren ebenso ein Genuss, aber er war halt zu häufig auf dem Teller und galt als „normale“ Speise....Merken Sie was? Der KIEBITZ ist heute fast der Anführer der Roten Liste der gefährdeten Vögel und muss besonders geschützt werden und damals?! Und genau so geht es in diesem Buch weiter. Gleich vorab: es ist kein Buch voller Kuriositäten, sondern eine Aufnahme der damaligen Vogelwelt und der Wandel von damals zu heute ist für jeden Ornithologen einfach nur der größte Schmerz. Was es mit der Pasta für die Nachtigallen auf sich hat, müssen Sie schon selbst lesen. Sie werden staunen!
    Dieses Buch ist ein Wissensschatz und ein optischer Genuss erster Güte. Sehr beeindruckend und faszinierend zu lesen. Bei diesem Buch kommt man aus dem Staunen und Luft-holen nicht mehr raus - 5 von 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt' von Alois Prinz

Inhaltsangabe zu "Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:326
EAN:9783458358725
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Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

Buchseite und Rezensionen zu 'Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur' von Andrea Wulf
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783570102060
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Rezensionen zu "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur"

  1. Die humboldtsche Perspektive

    ... oder, die frühen Erkenntnisse über das Anthropozän!

    Sein Name ziert Berge, Buchten und Ströme, fast wie ein Warenzeichen. Oft genannt, leider immer weniger hinterfragt, weiß heute die englischsprachige Welt nur noch sehr wenig um die Verdienste dieses Mannes für die beiden amerikanischen Kontinente. Die USA haben dem Urvater der Naturschutzgebiete und Nationalparks ihre eigenen Sprößlinge George Perkins Marsh und John Muir vorgezogen und die Ehrendenkmäler überlassen. Aber eine großartige Sachbuchautorin hat sich jetzt dieses blinden Flecks der Erinnerung angenommen und sich mit einem wunderbaren, breit gefächerten und überaus lesbaren Buch, diesem letzten Universalgelehrten zugewandt.

    Während sein älterer Bruder Wilhelm in Preußen seßhaft wurde und sich Politik und Gesellschaft widmete, war Alexander (*1769 - +1859) von Klein auf derjenige, der in der Erforschung der Tier und Pflanzenwelt seine Freude fand. Als schließlich die geerbten, finanziellen Mittel zur Verfügung standen, hielt den jungen Mann nichts mehr auf.
    Süd-, Mittel- und Nordamerika und schließlich, den politischen Umbrüchen geschuldet, Russland, konnte er auf seiner Bucketlist abhaken, bevor er für seinen Finalwunsch, dem Himalaya, schließlich zu alt war. Er hatte sich zigmal um eine Einreiseerlaubnis für Indien bei den Briten bemüht, doch vergebens. Das britische Understatement vertrug sich einfach nicht mit Humboldts politischen Äußerungen zu den spanischen Kolonien in Südamerika und dem damals weitverbreiteten Sklaventum.
    So blieb der Chimborazo in Ecuador mit seiner Höhe von 6263 Metern für Alexander der höchste Berg der Welt, den er zusammen mit Aimé Bonpland bestiegen hatte. Vom wuchernden Dschungel auf die vereisten Höhen der Berge bescherten Humboldt dann auch die Einsichten zur Untrennbarkeit von Pflanzen- und Tierwelt, von ökologischen Gegebenheiten, die Anpassung erforderten.
    Nicht nur Charles Darwin und Henry David Thoreau ließen sich in Sachen Natur von Humboldt inspirieren, sondern auch Thomas Jefferson und Simón Bolívar auf politischer Ebene. Letzterer zettelte dann die Revolten in Südamerika an.
    Zurück in Europa konnte sich der Gelehrte einer ruhigen Stellung am preußischen Hof nicht beugen und riss immer wieder nach Paris aus, dem damaligen Zentrum der wissenschaftlichen High Society. Er veröffentlichte seine Schriften und Bücher, hielt Vorträge, protegierte junge Forscher und war bis ins hohe Alter fokussiert auf seine Fundstücke und den daraus resultierenden Erkenntnissen.
    Viele berühmte Zeitgenossen säumten seinen Lebensweg, doch auch nach seinem Tod bewegten seine Bücher die nächste Generation, die auf seine Forschungen aufbauten. Seinen 100. Geburtstag feierte noch die halbe Welt, doch irgendwann läuteten nationale Interessen und die Feindschaft vieler Länder mit Deutschland das Vergessen ein. Alexander von Humboldt, ein Kämpfer für Zusammenarbeit und Austausch über Grenzen hinweg, hätte es sich nicht schlimmer ausmalen können.
    Nun kann ich nur einen Bruchteil von dem wiedergeben, was dieses Buch von Andrea Wulf ausmacht. Es ist weitaus mehr als Alexander von Humboldts Biografie. Es ist ein umfassendes Bild der europäischen und amerikanischen Welt Ende des 18. bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus, rückt wichtige Ereignisse, wie die französiche Revolution und die anschließende Herrschaft Napoleons ins rechte Licht und schafft den Anschluss für die gegenwärtige Betrachtung der Natur als ganzheitliches Gebilde mühlelos.
    Es glänzt mit zahlreichen Zeichnungen und einem bunt bebilderten Mittelteil und hat eine solide Basis mit seinem über 100seitigem Anhang, in dem man alles nochmal in Ruhe nachschlagen kann.
    Aber vor allem macht es Lust auf weitere Schriften und Kunsterzeugnisse aus dieser Zeit. Anregend und genial. Mit Andrea Wulf ist mir eine Autorin begegnet, die ich unbedingt im Auge behalten will.

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Frauen am Meer

Buchseite und Rezensionen zu 'Frauen am Meer' von Tania Schlie

Inhaltsangabe zu "Frauen am Meer"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Thiele
EAN:9783851790986
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Die seltsamsten Orte der Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Die seltsamsten Orte der Welt' von Alastair Bonnett

Inhaltsangabe zu "Die seltsamsten Orte der Welt"

Format:Taschenbuch
Seiten:296
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406698170
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Die zerrissenen Jahre: 1918 -1938

Buchseite und Rezensionen zu 'Die zerrissenen Jahre: 1918 -1938' von Philipp Blom

Inhaltsangabe zu "Die zerrissenen Jahre: 1918 -1938"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:584
EAN:9783423348782
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Deutsche Geschichte in 100 Objekten

Buchseite und Rezensionen zu 'Deutsche Geschichte in 100 Objekten' von Hermann Schäfer

Inhaltsangabe zu "Deutsche Geschichte in 100 Objekten"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:656
Verlag: Piper
EAN:9783492057028
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