Die Macht der Mehrsprachigkeit

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Macht der Mehrsprachigkeit' von Olga Grjasnowa

Inhaltsangabe zu "Die Macht der Mehrsprachigkeit"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:128
Verlag: Duden
EAN:9783411756582
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Kartonwand

Buchseite und Rezensionen zu 'Kartonwand' von Fatih Çevikkollu
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Kartonwand"

Format:Broschiert
Seiten:208
EAN:9783462003260
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Rezensionen zu "Kartonwand"

  1. Später ist zu spät.

    Kurzmeinung: Wir haben Nachholbedarf an Literatur über türkische Emigration.

    Als seine Mutter stirbt begreift Fatih Çevikkollu zwei Dinge, erstens, dass er seiner Familie entfremdet ist und zweitens, dass seine Mutter trotz aller Probleme und Missverständnisse und trotz der Distanz zwischen ihnen beiden, eben die Mutter gewesen ist. Das Sterben der Eltern ist für jeden Menschen ein besonderer Einschnitt ins Leben. Die Mutter ist zentral.
    Längst ist Fatih Çevikkollu erwachsen und hat selber Kinder. Trotzdem ist der Zeitpunkt gekommen, sich noch einmal mit seiner Identität auseinanderzusetzen. Was ist er, wo kommt er her, wohin gehört er?

    Fatih Çevikkollu hat seinen Platz in der Gesellschaft längst gefunden. Er macht inzwischen Theater und Schauspiel. Man kennt ihn. Der Weg dorthin war nicht eindeutig, er hat längere Zeit gebraucht, um herauszufinden, was er im Leben machen möchte. Hängt diese Vagheit und Unentschlossenheit, was er im Leben tun will, mit seiner Herkunft zusammen, mit der Migration der Eltern, hängt die psychische Erkrankung seiner Mutter vielleicht auch mit der Emigration aus der Türkei und im fortgeschrittenen Alter krank zurück, damit zusammen? Legitime Fragen, die freilich unbeantwortbar sind.

    Der Kommentar:
    Die Sache mit der Kartonwand, könnte lustig sein, wenn sie nicht andererseits so tragisch wäre. Was ich bereits im “Unser Deutschlandmärchen” belustigt gelesen habe, war wohl Usus. Die türkischen Mitbürger wollten zurück und sie horteten alles, was schön war und was sie mit ihrem schmalen Gehalt einkaufen konnten, in einer Kartonwand, für später.
    Das Leben für Später war eine Illusion. Das erkennt Fatih Çevikkolu. Er macht seinen Eltern keine Vorwürfe, dennoch haben er und seine Geschwister Narben davongetragen, weil sie nicht wussten, wo sie hingehörten und hin- und hergeschickt wurden. Stichwort Kofferkinder. Auch die Eltern haben diese Narben, Entfremdung von den Kindern, ein Leben lang gespürt. Und jeden Luxus haben sie sich versagt. Stattdessen Ansprüche aus der Heimat. Unterstützung war nirgendwo in Sicht.

    Es ist wichtig, dass Gastarbeiterschicksale allmählich literarisch verarbeitet werden und stärker ins Bewusstsein rücken! Und es ist höchste Zeit, die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland zuzulassen. Es könnte manche Probleme lösen, praktische und emotionale.
    Eines sollte man jedoch nicht vergessen, in den 50er und 60er Jahren ging es auch nicht allen Deutschen gut. (Selbst heute nicht). Und wenn man die Schuldfrage schon stellen muss, obwohl das müßig ist, dann muss man sie doppelt stellen.
    Das Ankunftsland hat diskriminiert, ohne Frage, und diese Diskriminierung muss ohne Wenn und Aber beim Namen genannt werden, aber wenn es um fehlende Hilfestellungen geht, glänzt auch das Herkunftsland nicht.

    Fazit: Dessen ungeachtet, mag ich dieses Buch. Ich mag seine Ehrlichkeit und Unverblümtheit. Es zeigt Zerrissenheit bis in die dritte Generation. Das ist Migrantenschicksalen eigen. Tiefe Wunden brauchen viel Zeit zum Heilen. Und es braucht eine Plattform, die Erzählungen von diesen Wunden adäquat unters Volk bringen. Sie gehören unbedingt zu unserer gemeinsamen Geschichte.

    Kategorie: Migrationsliteratur + Gesellschaftskritik
    Verlag: Kiwi, 2023

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Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten

Buchseite und Rezensionen zu 'Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten' von Elyas Jamalzadeh
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783552072893
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Rezensionen zu "Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten"

  1. eine wichtige Autobiografie, packend und fesselnd geschrieben

    Ein witziger Buchtitel, das neugierig macht, und ein Cover, das gute Unterhaltung verspricht, anstatt moralinsaurer Belehrung, wie man sich gegenüber Asylanten gemäß Political Correctness gefälligst zu verhalten habe und dergleichen. Einzig zu bemängeln die Leseprobe auf der Umschlagrückseite. Wie altbacken, die literarische Qualität des Autors anhand einer Naturmetapher hervorzuheben, wie sie von allgewaltigen LektorInnen des deutschsprachigen Verlagsbusiness heutzutage verlangt wird wird, wenn sie Jungautoren die Gnade der Veröffentlichung erweisen. Jamalzadeh und Hepp leisten viel mehr, sie haben in ihrem Erstlingswerk Genre-übergreifend neuen Standards gesetzt.

    Schon auf Seite 7 ein wirklich witziges Dialog-Gemisch aus Deutsch und Arabisch, wobei man Leser spätestens auf Seite 12 nicht mehr aus dem Lachen herauskommt, wenn es heißt: „Stell dir vor, du gehst in die Schule, und plötzlich dürfte niemand mehr Deutsch sprechen, sondern nur noch irgendein Chinesisch. Den darauf folgenden Dialog kann ich hier nicht wiedergeben, da meinem Laptop die sinologischen Piktogramme fehlen. Ich schwöre jedoch als sorgsamer Rezensent, dass man sich spätestens ab hier beruhigt im Caféhaus-Sessel zurücklehnen kann und das genießen, war nur wirklich gute Autoren zu leisten vermögen: Den Leser ernst nehmen, ihn angenehm unterhalten und in eine fremde Welt hineintragen!

    Jene Welt, die des frauenverachtenden Taliban-Islamismus Afghanistans, ist hart und brutal. Man wird auf den folgenden Seiten mit viel Leid konfrontiert, das dort herrscht. Und zur Flucht gen Westeuropa steht Elyas in seinem autobiografischen Roman auch kein fliegender Teppich wie in Tausendundeiner Nacht zur Verfügung. Sein Buch ist voll Fakten und Erlebnisberichten. Die Gefahr von langweilendem Infodumping ist groß, zumal es in den letzten Jahrzehnten genug Fernsehberichte die so genannte Flüchtlingskrise medial eigentlich schon über die Maßen ausgewalzt ist.

    Ein Blick auf die Danksagungen Seite 253ff verrät, dass Elyas Jamalzadeh durch Andreas Hepp, den ich an dieser Stelle Co-Autor nennen möchte, Unterstützung erhielt, zudem von professionellen LektorInnen – was jedoch nicht unbedingt zu einen guten Buch führen muss (siehe Privater Hinweis des Rezensenten). Ausschlaggebend ist für mich jedoch, dass der Autor ist in literarische Weise assimiliert hat, ohne seine Herkunft zu verleugnen. Natürlich mag ich Wien und die Österreicher habe Freunde dort und verliebte mich einst unsterblich in eine Burgenländerin namens Lisl – aber bittschön Herrschaften, das ist nun wirklich privat!

    Was den Clash of Cultures betrifft, so fühle ich mich an des Hollywood-nominierten Spielfilm „I Love Vienna“ von 1991 erinnert, wo auf erfrischend witzige Weise die positiven Multikulti-Nachwirkungen der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie wiederauferstehen. Übrigens war der im Iran geborene Afghane Elyas Jamalzadeh vor seiner Flucht über die Türkei und das Mittelmeer nicht nur Kinderarbeiter, Straßenhändler, Mitglied einer Jugendband und Boutiquebesitzer, sondern auch Hauptdarsteller eines iranischen Spielfilms, bevor schließlich im Oberösterreichischen Linz das Friseurhandwerk erlernte. Vielleicht rührt daher jener irrwitzige Humor, mit dem er seinen autobiografischen Abenteuerroman vorantreibt.

    Man denkt beim Lesen unwillkürlich an Mark Twains "Tom Sawyer", Robert Louis Stevensons "Schatzinsel", Karl Mays "Durchs wilde Kurdistan", Jack Londons "Lockruf des Goldes", Ernest Hemingways "Fiesta", Jack Kerouaks "Unterwegs", Salman Rushdies "Mitternachtskinder" und Sven Regeners "Magical Mistery",
    allesamt authentische Heldenerzählungen in Ich-Form, jedoch mit einem großen Unterschied: Elyas Jamalzadeh übernahm schon in frühester Jugend, gezwungenermaßen, die Rolle des Familienernährers, ähnlich wie es momentan, wenn die Rezensent diese Zeilen schreibt, bei Millionen junger Menschen im Ukraine-Kriegs sein wird. Es ist kein Spiel, auf dass er sich erlässt, sonder blutiger Ernst – ein Ernst, den er gegenüber uns Lesern auf heitere Weise vermittelt, gleich jenes jüdischem TV-Komiker, der jetzt in Kiew als Ziel von Mordkommandos sein Volk zum Durchhalten motiviert.

    Dieses so genannte"Genre-Problem" wird die großen deutschsprachigen Verlagskonzerne, die in Zeiten von Corona auf bewährtes setzen, auf sadistische Thiller der üblichen Art, auf schon längst erschlaffte ehemalige Bestsellerautoren und Übersetzungen von Literatur, die sich auf dem englischsprachigen Buchmarkt durchgesetzt hat, davon abgehalten haben, das Buch in ihr Programm aufzunehmen und mit den üblichen Lektoratsvorgaben zu verhunzen. Mit Unterstützung der österreichischen Kulturforderung konnte es im kleinen Wiener Paul Zsolnay Verlag herauskommen, einst einverleibt aber nicht glattgebügelt von Münchner Carl Hanser Verlag.

    Kommen wir zum eingangs kritisierten Leseprobe auf Umschlagseite 4. Das Autorenteam Jamalzadeh/Hepp hat weit mehr zu bieten als Naturmetapher, wie sie von Großrezensenten in TV-Literaturclubs stets gähnend langweilig vorgetragen werden. Anstatt auf den ersten Seiten uns Wohlstandsbürger beim Lesen von Flüchtlingsbiografien ein schlechtes Gewissen zu machen, verführen sie mit Allerwelts-Jugenderlebnisse, wenn sie auf Seite 19 schreiben:

    "Ich liebte es, rauszulaufen vors Haus und mit den anderen Jungs auf den weiß-schwarzen Lederball einzudreschen, der mit dem Älterwerden nur noch ein Drittel so groß, dann nur mehr ein Viertel so groß, dann schließlich nur noch ein Fünftel so groß war wie ich."

    Das erinnert mich sofort an Wolfgang Tilgners großartige Poesie im "Lied der Generationen" von den Puhdys:

    "Als ich klein war, schien die Welt riesig groß, ziemlich groß..."

    Ein Stück weiter auf Seite 36 stellen die Autoren in der Icherzählers-Rolle selbstbewusst klar:

    "Ich erzähl nicht alles der Reihe nach. Das ist mein Buch, also darf ich das."

    Die Macht der scheinbar allmächtigen Großverlags-Lektor-Zensur ist gebrochen. Auf der nächsten Seite 37 ein Beispiel für schwarzen Humor, wenn von prügelnden Koranlehrern berichtet wird:

    "Wir mussten die Hände ausstrecken, und jedem von uns wurde ein paar Mal auf die Hände geschlagen. Einmal, als ich die Hand zurückgezogen hab, hat er sich mit dem Zweig, weil der so biegsam war, selbst in die Eier geschlagen" Das war witzig! Und dann bin ich von ihm verprügelt worden. Und – scheiß drauf - es war trotzdem witzig."

    Das ist Literatur, dass hätte auf Umschlagseite 4 stehen müssen anstatt der dort abgedruckten Naturmetapher, die nichts, aber auch gar nicht über den literarischen Stil der Autoren aussagt.

    Und weil's so schön ist, trotz all der geschilderten Schrecken, hier die auf den Seiten 52 bis 53 beschriebenen Gesichtsakne eines Geheimdienstmannes, der den kleinen Afghanenjungen in den Folterkeller steckt:

    "So viele bunte Formen. Ein Kunstwerk! Rote Pickel, aufgekratzte Pickel, eitrige Pickel, (...) vielleicht sogar ganze Pickelfamilien, wie sich manche richtig zusammenkauerten auf der Hautoberfläche (...) I-don't-need-no-woman-Pickel, kompensierende Pickel, scheinbar zufriedene Pickel, an diesem Tag aufwachende Pickel, auf den Basar gehende Pickel (...) ihm genüsslich ins überraschte Gesicht blickende Pickel."

    Verdammt nochmal, so etwas will ich kommenden Juno 2022 bei der Live-Übertragung beim altehrwürdigen Ingeborg-Bachmann-Preis hören, wenn Elyas Jamalzadeh und Andreas Hepp als Gewinner 25.000 Euro einsacken. Ich wette, die üblichen Verdächtigen der Literaturmafia trauen sich nicht!

    Noch nicht genug Okay Leute. hier eine allerletzte Leseprobe von den Seiten 60 bis 61. Den Rest könnte ihr selber lesen! Ihr werdet bestens unterhalten und zugleich öffnet sich euer Horizont für die Welt dort draußen jenseits unserer mitteleuropäischen Luxusproblemchen.

    "Und wo könnt man Elyas Jamalzadeh das Ende der Welt besser verbringen als in einem Keller nahe Teheran, einige Stunden vor der Abschiebung in das fremde Heimatland, in dem sie deine Familie in die Luft sprengen wollen, und in dem hennafarbene Bärte mit ihren Männern spazieren gehen, und in dem Mädchen ohne Jungs Jungs und Jungs Jungs sind, und in dem Kalaschnikows mit Hochzeitsgästen – echt, schau auf YouTube, da gibt's Videos davon! - tanzen?"

    * * * * *

    Zum Ende des Buches eine überraschende Wendung, die noch einmal deutlich zeigt, welch tödlicher Ernst hinter diesem genial erzählten Flüchtlingsdrama steckt. Ich wünsche dem Autor ein langes Leben. Seine literarisches Qualität erinnert mich in vielem an Wolfgang Herrndorf ...

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Afropäisch: Eine Reise durch das schwarze Europa

Buchseite und Rezensionen zu 'Afropäisch: Eine Reise durch das schwarze Europa' von Johny Pitts
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Afropäisch: Eine Reise durch das schwarze Europa"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:461
EAN:9783518429419
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Rezensionen zu "Afropäisch: Eine Reise durch das schwarze Europa"

  1. 5
    13. Okt 2022 

    Absolut lesens- und wissenswert!

    Schon gewusst? Alexandre Dumas war Afropäer. Sein Namensvetter Alexander Puschkin ebenso. Aber was ist überhaupt ein "Afropäer"? Ein Mensch, der sich als Europäer versteht und Wurzeln in Afrika hat. Die beiden Beispiele sind dabei nur die Speerspitze, denn in Europa leben mittlerweile unzählige Nachfahren von Afrikanern. Dass dieses Leben leider meist ungewollt getrennt von anderen Bevölkerungsanteilen in fernen Satelliten-Städten unter schlimmsten sozio-ökonomischen Bedingungen stattfinden muss, ist Folge einer massiven Fehlplanung vieler ehemaliger Kolonialmächte, die bis heute mit ihrem Erbe mehr schlecht als recht umgehen. Den Folgen des schrecklichen Kolonialismus geht Johny Pitts in seiner sehr persönlichen Reisereportage nach.

    Pitts, Journalist und Fotograf, geboren als Kind eines Afroamerikaners und einer weißen Arbeiterin in Sheffield, Großbritannien, macht sich auf zu einer Spurensuche. Nicht der eigenen Wurzeln, sondern er sucht die Spuren von anderen Afropäern im heutigen Europa. Er begibt sich auf eine fünfmonatige Reise von seinem Geburtsort nach Paris, Brüssel, Amsterdam, Berlin, Stockholm, Moskau über Marseille bis nach Lissabon, um dort persönlich das afropäische Leben kennenzulernen. In seiner literarisch auf höchstem Niveau verfassten Reportage beleuchtet er dabei nicht nur persönliche Begegnungen sondern legt anschaulich die Kolonialgeschichten bzw. -verbindungen der einzelnen bereisten Länder dar und leitet schlüssig mit soziologischen Zusammenhängen her, warum afropäisches Leben immer noch und immer mehr getrennt von weißen Europäern stattfindet. Sehr passend fasst Pitts zusammen: "Ich reiste im Namen derer, die nicht reisen konnten oder wollten: der Community schwarzer Arbeiter und Kinder von Immigranten, und machte mich auf die Suche nach einem Europa, das sie und ich womöglich als unser eigenes erkennen könnten. So kam es, dass ich mich als ein extrem selterner Vogel auf den Weg machte: als schwarzer Backpacker."

    So verbindet Pitts die verschiedenen Menschen und Lokalitäten des schwarzen Europa in einem einzigen Narrativ und verschafft jedem Gebiet und jeder Community die Möglichkeit, zueinander zu "sprechen". Dabei lernt man als weiße/r Mitteleuropäer/in unglaublich viel zu den unzähligen, gewollt unerzählten Geschichten der genannten Städte und Länder. Die Geschichte wird ja von den Siegern erzählt und, wenn man die Reiseabteilung in einer beliebigen Buchhandlung studiert, von den Nachkommen der Sieger geschrieben. Pitts beleuchtet so viele unge(be-)schriebene historische Geschehnisse und erweitert den Horizont bezüglich unzähliger literarischer Werke aus der Feder afrikanischer, afroamerikanischer und afropäischer Schriftsteller*innen. All dies wirkt nie llehrbuchhaft oder trocken. Immer nimmt der die Lesenden mit auf seine Reise des Erkenntnisgewinns. Dabei irrt er auch, korregiert sich bezüglich seiner Ansichten zu ersten Eindrücken und macht die Lektüre immer authentisch.

    In diese Reportage bin ich versunken und habe die Informationen eingesogen, werde weitere Recherchen anstellen und bin tief bewegt von den Schilderungen des Autors. Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Werk, welches hoffentlich viele Menschen erreichen wird und ihnen damit die Augen öffnen kann.

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Desintegriert euch!

Buchseite und Rezensionen zu 'Desintegriert euch!' von Max Czollek

Inhaltsangabe zu "Desintegriert euch!"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:208
EAN:9783442719143
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Der Multikulti-Irrtum

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Multikulti-Irrtum' von Seyran Ates

Inhaltsangabe zu "Der Multikulti-Irrtum"

Der Multikulti-Traum vom Nebeneinander verschiedenster kultureller Gesellschaftsentwürfe in einem Land war von Anfang an ein Irrtum! Das jedenfalls ist die wohlbegründete Überzeugung der in Istanbul geborenen und ab ihrem sechsten Lebensjahr in Deutschland aufgewachsenen Rechtsanwältin Seran Ates, die in ihrem lesenswerten Buch darlegt, welch ebenso gravierende wie lässliche Denkfehler diesem Traum aus ihrer Sicht zugrundelagen -- und was stattdessen zu tun wäre, um den wirklichen Notwendigkeiten eines Einwanderungslandes Rechnung zu tragen und eine wirkliche gesellschaftliche Integration zu erreichen.

Gegen die Multikulti-Ideologie und deren Toleranzgebot, in dessen totem Winkel sich verschiedene gegeneinander abgeschottete Gesellschaften etabliert hätten -- Gesellschaften, in denen unter der Herrschaft eines selbst völlig intoleranten, archaischen Patriarchats zum Beispiel junge Frauen von ihren Vätern gegen ihren Willen verheiratet werden oder Männer über ihre Frauen wie über ein Eigentum verfügen --, setzt die Autorin auf das Leitbild einer „transkulturellen Gesellschaft“. In einer solchen erst könnte aus dem Nebeneinander der Gesellschaften der „Urdeutschen“, der „Deutschländer“ und Immigranten ein wirkliches Miteinander werden. Und in ihr böte auch das Zugeständnis einer eigenen kulturellen Identität keinen Deckmantel mehr für die Missachtung elementarer Menschenrechte wie dem (sexuellen) Selbstbestimmungsrecht von Frauen und Männern, der freien Partner- und Berufswahl etc.

Und in der Tat: Für eine gelingende Integrationspolitik ist mehr als Entschlossenheit bei der Rechtsdurchsetzung nötig. Auch das eigene kulturelle Selbstverständnis gehört hier nach Ansicht der Autorin auf den Prüfstand. So fordert Ates unter anderem (und zwar entschieden) die Abkehr von grundsätzlich jedem konfessionsgebundenen Religionsunterricht in unseren Schulen: „Es kann nicht sein“, heißt es hierzu an einer Stelle, „dass Eltern unter Missachtung individueller Persönlichkeitsrechte, die auch Minderjährigen zustehen, ihren Kindern ihre Religion aufzwingen.“ Stattdessen sollten unsere Kinder in einem allgemeinen Religionsunterricht alle Weltreligionen kennenlernen. Das würde nicht nur das gegenseitige Verstehen und die Reflexion über das eigene kulturelle Herkommen befördern: „Zu glauben oder nicht zu glauben, beides ist ein Menschenrecht. Das muss den Kindern in der Schule vermittelt werden.“ Eine bedenkenswerte These auch dies. -- Hasso Greb

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:288
EAN:9783548372358
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