Das Lied des Propheten: Roman | Booker Preis 2023

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Lied des Propheten: Roman | Booker Preis 2023' von Paul Lynch

Inhaltsangabe zu "Das Lied des Propheten: Roman | Booker Preis 2023"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Klett-Cotta
EAN:9783608988222
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Das Meer der Illusionen. Das Havanna-Quartett

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Meer der Illusionen. Das Havanna-Quartett' von Leonardo Padura

Inhaltsangabe zu "Das Meer der Illusionen. Das Havanna-Quartett"

Format:Taschenbuch
Seiten:288
Verlag: Unionsverlag
EAN:9783293203747
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Als ich noch unsterblich war: Erzählungen

Buchseite und Rezensionen zu 'Als ich noch unsterblich war: Erzählungen' von Christoph Ransmayr
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Als ich noch unsterblich war: Erzählungen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: S. FISCHER
EAN:9783103976083
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Rezensionen zu "Als ich noch unsterblich war: Erzählungen"

  1. 5
    17. Mär 2024 

    Gedanklich und sprachlich ein Hochgenuss

    Ransmayr bündelt in diesem Erzählband 13 unterschiedliche Geschichten, die, wie es der Klappentext schon sagt, in die Welt hinausführen, aber auch wieder zurückführen in Ransmayrs Heimat.

    Alles an Ransmayrs Romanen und seiner Sprache ist kunstvoll. Jedes Wort, jeder Satz zeigt seinen kunstvollen und souveränen Umgang mit der Sprache. In diesem Band ist es zusätzlich noch die Anordnung der einzelnen Geschichten. Das Arrangement wirkt leichthändig, aber ist doch genau durchdacht.

    Die erste Geschichte „Als ich noch unsterblich war“ zeigt das Kind, für das das Sterben nur eine Eventualität ist, noch lange keine Realität. Das Kind legt aus den Buchstaben seiner geliebten Nudelsuppe auf dem Tellerrand das Wort MEER aus und ist fasziniert von der Vorstellung, dass in diesen wenigen Buchstaben, in diesem kleinen Wort eine ganze Welt von Vorstellungen eingefangen ist und dass er, der kleine Junge, diese Welt in der Hand hat. Die letzte Geschichte “Damen & Herren unter Wasser“ nimmt diese Anfangsmotive wieder auf und schließt den Reigen: hier geht es jetzt um die Realität des Todes und das Leben nach dem Tod, aber nicht im Himmel, sondern ganz konkret in den tiefsten Tiefen des Meeres. Und auch hier geht es das Wort und um Verständigung; ein zentrales Motiv der Geschichten. Im Erzählen wird die Sterblichkeit der Menschen aufgehoben, im Klang der Worte überdauert das Erzählte die Jahrhunderte, so wie die Zeichnungen der Steinzeitmenschen ihre Wirklichkeit an unsere heutige Wirklichkeit ankoppeln und so wie der irische Sänger in seinen Liedern die Geschichte von unzähligen Havarien lebendig erhält.

    Zwischen diesen beiden Geschichten spannt sich ein großer Bogen an Erzählungen. Der Erzähler nimmt seinen Leser mit um die halbe Welt. Immer aber zeigt sich Ransmayrs großes Verantwortungsgefühl der Schöpfung gegenüber, die Menschen eingeschlossen. Sehr bitter mutet einen daher ein Satz aus „Mädchen im gelben Kleid“ an: „Wer die Weißen nicht fürchtet, der kennt sie nicht.“ Sehr berührend ist auch die Geschichte „An der Bahre eines freien Mannes“, in der er seinem Vater ein Denkmal setzt: ein aufrechter Mann, der Gerechtigkeit verlangte und dafür auf öffentliches Ansehen und Status verzichtete.

    Mir persönlich hat die Geschichte „Floßfahrt“ sehr gut gefallen, in der der Autor von seinen Überlegungen zu seinem Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ erzählt. Und überlegt, ob die Unwirtlichkeit des Franz-Josefs-Landes, die Schrecken des Eises und die Finsternis der Polarnacht nicht doch erstrebenswerter seien als der Kriegslärm. „Wie still, wie sanft und lichtdurchflutet musste in diesem Sommer 1915 die Abgeschiedenheit des Franz-Joseph-Landes wohl gewesen sein?“

    Fazit: Ein inhaltlich abwechslungsreicher Erzählband, jede Geschichte ein sprachlicher und gedanklicher Genuss!

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Kunstmomente: Wie ich sehen lernte

Buchseite und Rezensionen zu 'Kunstmomente: Wie ich sehen lernte' von Hanns-Josef Ortheil

Inhaltsangabe zu "Kunstmomente: Wie ich sehen lernte"

Format:Broschiert
Seiten:352
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442773008
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Die Suche: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Suche: Thriller' von Jane Harper

Inhaltsangabe zu "Die Suche: Thriller"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:382
EAN:9783352009785
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Der Process: Roman (Kafka - Kommentierte Ausgabe)

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Process: Roman (Kafka - Kommentierte Ausgabe)' von Reiner Stach

Inhaltsangabe zu "Der Process: Roman (Kafka - Kommentierte Ausgabe)"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:397
EAN:9783835335271
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Schnee in Amsterdam: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Schnee in Amsterdam: Roman' von Bernard MacLaverty
3
3 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schnee in Amsterdam: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:288
EAN:9783423147705
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Rezensionen zu "Schnee in Amsterdam: Roman"

  1. Ende oder Neubeginn

    Ein verlängertes Wochenende im winterlichen Amsterdam soll für Stella und Gerry ihre in Gewohnheit erstarrte Ehe etwas auflockern. Der einzige Sohn lebt in Übersee und jetzt im Ruhestand tritt die Unzufriedenheit mit ihrer Beziehung zu Tage. Ein Satz Stellas veranschaulicht dies: „ Wie gut, dass wir einander zum Ignorieren haben.“
    Doch in der neuen Umgebung werden die tiefen Risse in ihrer Ehe deutlich, ist es eigentlich noch Liebe oder nur noch Gewohnheit, die die Beiden zusammenhält? Es ist nicht nur die eisige Kälte der Wintertage die dieses Buch durchzieht, mit jedem Satz spürt man auch die Kühle in dieser Ehe. Gerry ist Alkoholiker, obwohl beide wohl vermeiden, es auszusprechen. Aber es geht ihm nur noch um den nächsten Drink, den rechtzeitigen Nachschub und das heimliche Entsorgen von geleerten Flaschen. Auch wenn er es wahlweise nur einen Aufwärm-, Entspannungs-, oder Gute-Nacht-Schluck nennt. Stella mag es nicht länger ignorieren. Aber auch Stella ist nicht ehrlich, längst verfolgt sie für sich ein anderes Ziel und zieht Gerry nicht in ihre Überlegung ein. Eine tiefe Frömmigkeit ist ihr Rückzugsort, geprägt auch vom Religionskonflikt in Nordirland, mit dem Beide aufwuchsen und der auch ihr Leben entscheidend geprägt hat.
    Es ist eine ganz einfach erzählte Geschichte, zwischen den Zeilen entwickelt der Autor ein ganzes Lebenspanorama. Aber in dieser Einfachheit liegt auch die große Kunst und die literarische Stärke. MacLavertys. Allerdings passiert es mir selten, dass mir die Protagonisten so fremd, ja sogar gleichgültig bleiben. Zunehmend empfand ich Stellas und Gerrys Gesprächsversuche als larmoyant. Das änderte sich auch nicht, als das große Lebensgeheimnis Stellas ans Licht kommt. Eine Begebenheit, die ihrem Leben eine ganz andere Richtung gab und mit deren Last sie nicht zurecht kommt.
    Auch wenn ich die stilistische und sprachliche Kunst des Autors anerkenne, gepackt hat mich sein Roman nicht wirklich.
    Das Buch bleibt zum Schluss offen – ob Stella und Gerry noch einen Weg finden, wer weiß? Einen kleinen Hoffnungsschimmer scheint es zu geben.

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  1. 3
    18. Nov 2018 

    Szenen einer Ehe...

    Mit einem verlängerten Wochenende in Amsterdam möchten Stella und Gerry ihren Ruhestandsalltag in Glasgow unterbrechen. Die kleine Reise soll die beiden aufmuntern, sie wollen die Stadt erkunden und etwas für ihre Ehe tun. Sie lieben sich noch und ertragen gegenseitig ihre kleinen Fehler – aber in den vier Tagen treten tiefe Risse in ihrer Beziehung zutage. Und es wird klar, dass Stella einen ganz eigenen Plan verfolgt. Dieser Plan hängt mit einem der bezauberndsten Orte in Amsterdam zusammen, dem Beginenhof, und mit einem Gelübde, das Stella einst getan hat. Gerry dagegen, ehemaliger Architekt, hat weitgehend abgeschlossen mit seinem Leben, in dem der Alkohol eine zu große Rolle spielt. Während ihrer Reise drängt allmählich ein Ereignis aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Belfast, Nordirland, immer stärker an die Oberfläche, etwas, das ihr ganzes Leben geprägt hat. Am Ende zeigt sich, wie tief der Graben zwischen ihnen wirklich ist.

    Ein dichter, bewegender und aufwühlender Roman voller Lebensklugheit, Komik und Tragik.

    Der Klappentext verrät im Grunde genau, was der Inhalt des Romans ist: ein lebenserfahrenes Ehepaar, im Laufe der Jahre perfekt aufeinander eingespielt, doch im Alltagstrott oftmals eher nebeneinanderher lebend, tritt im Winter eine gemeinsame Reise nach Amsterdam an. Ein gemeinsames Hotelzimmer, die kleinen Macken und Gewohnheiten des anderen respektierend, scheint diese Reise anfangs die gewünschte Auszeit vom Alltag zu bieten, doch wird rasch deutlich, dass Stella und Gerry zwar durchaus noch Zuneigung zueinander empfinden, hier jedoch vornehmlich jeder für sich seine ureigenen Interessen verfolgt.

    Raumfordernd bricht sich hier Gerrys Alkoholismus zunehmend Bahn, hervorragend und glaubwürdig geschildert in allen Facetten - der Verleugnung der eigenen Sucht, dem Sich-Besser-Fühlen bereits nach dem ersten Schluck, der wachsenden Maßlosigkeit, der heimlichen Beschaffungsmentalität, dem Versteckspiel, den Verwirrungszuständen... Stella scheint dies nicht fremd zu sein, doch wie schon zu Hause geht sie weitestgehend darüber hinweg. Verblüffend genug, doch scheint ihr Schweigen darüber weniger ein Ausdruck tiefen Respekts zu sein als vielmehr ein Zeichen der Resigantion.

    Stella selbst macht sich heimlich auf an einen Ort in Amsterdam, über den sie bei ihrem ersten Besuch in der Stadt vor etlichen Jahren rein zufällig gestolpert war: den Beginenhof. Ein Ort, an dem Frauen zusammenleben in der Nachfolgschaft derer, die nicht das Leben einer Nonne führten, nicht in Klöstern sondern in Konventen lebten, die kein Gelübde ablegten, aber ein religiös inspiriertes, eigenverantwortliches Leben führten und dabei sozial wichtige Aufgaben übernahmen. Stella hat für sich einen alternativen Lebensentwurf entwickelt, will die letzten Lebensjahre nicht nutzlos an der Seite eines ihr immer fremder werdenden Mannes verbringen, sondern mit ihrer verbleibenden Kraft noch Gutes bewirken. Vielleicht ist der Beginenhof die Alternative, nach der sie schon lange sucht?

    "Ich tu mich nur um." --- "Und wenn du findest, wonach du suchst?" --- "Es wird gut sein." Sie zuckte mit den Achseln. "Aber ich weiß, dass es zu anderen - schwierigeren - Fragen führen wird." --- Und wo stehe ich dann? Wo wir?" --- "An verschiedenen Orten." (S. 110)

    Szenen einer Ehe präsentiert MacLaverty hier, seziert verbliebene Gemeinsamkeiten und die Abgründe, die die Jahre und die Probleme wie der steigende Alkoholkonsum Gerrys zwischen die Eheleute gemeißelt hat. Dabei gibt er auch immer wieder in Rückblenden Einblicke in die Vergangenheit des Paares, zu der auch einschneidende Erlebnisse in Nordirland gehörten. Der Sprachstil wirkt einfach, direkt und schnörkellos, wobei er eine gewisse Distanz zu den Charakteren bewahrt. Trotzdem lotet MacLaverty kunstvoll die Einsamkeiten der Figuren aus, was in manchen Szenen durchaus berührend ist.

    Obwohl beide Partner noch Zuneigung füreinander empfinden, denselben Humor teilen und wohlwollend miteinander umgehen, dominiert hier lange die Sprachlosigkeit. Wichtige Themen werden, wenn überhaupt, dann eher flapsig angerissen und rasch wieder abgetan, Entscheidungen getroffen ohne den anderen mit einzubeziehen. Alles vielleicht nachvollziehbar - für mich als Leser jedoch stellenweise schwer auszuhalten. Die Sprachlosigkeit, die Einsamkeit, der Alkoholkonsum: schwere Kost, trotz aller sprachlicher Schnörkellosigkeit.

    "Fühlst du dich nahe?" --- "Dem Ende?" --- Er lachte. "Nein, fühlst du dich mir nahe?" --- "Wir sitzen nebeneinander." --- Gerry lächelte. "Mach schon. Antworte", sagte er. --- "Sagen wir mal so", antwortete Stella. "Wenn mich jemand fragt, wie lange wir schon verheiratet sind, sage ich nur: 'Es zieht sich in die Länge.'" (S. 161)

    Keiner der Charaktere kam mir im Laufe des Lesens wirklich nahe, und doch greift der Autor hier ein Thema auf, das viele langjährige Paare angeht und dementsprechend möglicherweise auch zum Nachdenken anregt, zur Bestandsaufnahme der eigenen Beziehung und der Offenheit miteinander beiträgt. Der letzte Abschnitt belegt, wie treffend sowohl der englische Originaltitel ('Midwinter Break') als auch der deutsche Titel gewählt wurden, und das Ende fand ich sehr passend gestaltet.

    Eine ruhige, unaufgeregte, aber intensive Erzählung mit zeitweise etwas anstrengenden Charakteren. Für mich mit 3.5 Sternen kein Jahreshighlight, aber doch ein Roman, den ich gerne gelesen habe.

    © Parden

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Der Stich der Biene

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Stich der Biene' von Paul Murray
3.75
3.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Stich der Biene"

Von der New York Times und der Washington Post zu einem der 10 besten Bücher 2023 gekürt, für The New Yorker, TIME, New York Public Library und BBC eines der besten Bücher des Jahres 2023 und Gewinner des 2023 An Post Irish Book Award als Roman des Jahres – Familie Barnes steckt in Schwierigkeiten. Dickie Barnes’ lukratives Autogeschäft läuft nicht mehr. Aber anstatt sich dem Problem zu stellen, beginnt er in den Wäldern einen Bunker zu bauen. Seiner Frau Imelda, die ihren Schmuck auf eBay verkauft, erscheinen die Avancen von Big Mike, dem reichen Rinderzüchter, immer attraktiver. Die achtzehnjährige Cass, die immer die Klassenbeste war, reagiert auf den Niedergang, indem sie beschließt sich bis zu ihrem Abschluss jeden Tag zu betrinken, während der zwölfjährige PJ einen Plan schmiedet, um von zu Hause abzuhauen. Wenn das Leben und die Welt auseinanderfallen, stellen sich die großen Fragen: Wann und warum begann der Untergang? Was hätte man tun können und wie weit müsste man zurückgehen, wenn man die Geschichte ändern könnte? Bis zu dem Tag als Dickie Barnes zehnjährig zitternd vor seinem Vater stand und lernte, wie man ein richtiger Mann wird? Bis zu dem Autounfall zwölf Monate vor Cass’ Geburt? Oder bis zu dem verheerenden Stich der Biene, der Imeldas Hochzeitstag ruinierte?

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:700
Verlag: Kunstmann, A
EAN:9783956145810
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Rezensionen zu "Der Stich der Biene"

  1. Familie in Krisenzeiten

    Alles dreht sich um die Familie Barnes die, ihr vermutet es bereits, in Irland lebt. Zu ihr zählen der Vater Dickie, seine Frau und Mutter Imelda, die fast volljährige Cass und ihr Bruder PJ, der zwölf Jahre alt ist.
    Der Familie geht es grundsätzlich recht gut. Sie leben in einem Haus und der gut florierende Autohandel des Vaters ernährt die vierköpfige Familie ausgezeichnet. Doch dann kommt die Wirtschaftskrise und die hat schnell, nicht nur das ganze Land im Griff, sondern wirkt sich auch auf das Leben der Familie Barnes ungut aus.

    An diesem Punkt begleiten wir die Kleinfamilie. Wir sind dabei wenn die Zahlen des Autogeschäftes immer weiter in den Keller gehen, der Familie das Geld knapp wird, sich Vater und Mutter deshalb immer mehr streiten, Cass das örtliche Städtchen sowie ihre ganze Umgebung zu spießig werden und sich PJ einfach nur wünscht, dass alles wieder so wird wie früher, denn da war sein Vater nämlich immer gut gelaunt.
    Paul Murray skizziert jede Figur für sich, sehr genau. Ihr Erleben, ihre Befindlichkeit und den Kontext in dem sie sich bewegt werden charakteristisch sowie glaubhaft dargestellt. Jede/r in der Familie geht auf ihre/ seine eigene Art und Weise mit der existentiellen Krise um. Nicht zu Letzt wegen seiner bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse. Ja, auch Eltern haben eine Vergangenheit. Durch die charakteristischen Eigenheiten der handelnden Person, wird man sie mal mehr oder mal weniger sympathisch finden. Eines bleibt aber immer am Ende immer gleich. Man muss sie einfach ins Herz schließen.
    Neben dem Ernst der Lage sowohl in privater als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, vergisst der Autor jedoch nicht, sein Publikum zwischendurch zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln zu bringen. Sei es durch die Eigenheiten seiner Protagonisten (Imelda redet ohne Punkt und Komma) oder auf Grund der Situationskomik.
    Obwohl so viele komplexe Themen im Roman behandelt werden, wirkt die Geschichte zu keiner Zeit überladen. Für Paul Murray ist es ein leichtes auf amüsantes Art und Weise Sachverhalte bzw. Situationen auf den Punkt zu beschreiben.

    Fazit:
    Ein gelungenes Meisterwerk.

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  1. 3
    14. Mär 2024 

    Der Zerfall einer Familie

    Die Geschichte spielt in Irland und im Mittelpunkt steht die Familie Barnes und deren Niedergang. Lange Jahre wohlhabend steckt sie nun durch eine Wirtschaftskrise in finanziellen Schwierigkeiten. Vater Dickie zieht sich mehr und mehr zurück und geht lieber in den Wald um mit dem Sonderling Viktor einen Bunker zu bauen. Mutter Imelda, gewohnt immer alles zu kaufen was das Herz begehrt, hadert schwer mit dem Schicksal. Die Tochter Cass steht kurz vor ihren Abschlussprüfungen. Wenig selbstbewusst definiert sie sich hauptsächlich in ihrer Freundschaft mit dem gleichaltrigen In-Girl Elaine und der 12jährige PJ wünscht sich nur, dass alles wieder so wird wie es einmal war.
    Die Kapitel erzählen abwechselnd aus der Sicht eines der Familienmitglieder. Die Geschichte ist fortlaufend, aber es gibt immer wieder Flashbacks und so wird schnell klar, dass der Geist von Dickies Bruder Frank, der vor vielen Jahren bei einem Autounfall starb, über der Familie hängt.
    Nach ungefähr 2/3 Drittel des Buches wechselt die Erzählperspektive. Die Geschichte wird weitererzählt, aber die Personen werden nun mit du angesprochen, was ich zu Beginn ziemlich verwirrend fand und mir auch nicht sonderlich gefallen hat. Zum Schluss spitzt sich alles zu einem großen Showdown zusammen und die Stimmen wechseln sich immer atemloser ab.

    Ich habe die Geschichte ganz gern gelesen, auch wenn ich sie manchmal als etwas zäh empfand. Die Kindheitserinnerungen der Eltern waren sehr ausführlich erzählt und auch ziemlich deprimierend. Von dem versprochenen Witz im Klappentext habe ich leider nicht viel gefunden. Das Buch wurde in vielen Publikationen zum Buch des Jahres 2023 gekürt, was sicher auch mit der großartigen Formulierkunst des Autors zusammenhängt. Immer wieder konnte ich mich an wunderbaren Metaphern erfreuen, die mich motivierten weiterzulesen.

    „Bei Mannschaftsspielen blieb sie am Rand, machte ein mürrisches Gesicht, zupfte an ihren Haaren herum und ließ sich widerwillig mit der allgemeinen Bewegung des Spiels hin und her treiben – wie ein anmutiger Farnwedel auf dem Grund eines unruhigen Ozeans.“
    „..., aber der Wald war im grauen Novemberlicht noch schöner als vorher. Die weißen Blätter auf dem Boden glitzerten wie von einem Kleid abgefallene Pailletten. Die Vögel zwitscherten sich überhastete Botschaften zu, als kämen sie zu spät zu einem Termin.“
    „Die Welt ist ein Garten voller Blumen, die dir ihre Gesichter zuwenden.“
    „Die Nacht ist angebrochen, von Smartphone-Lichtkegeln auf Augenhöhe angestrahlte Gesichter hüpfen über das glitschige, nieselnasse Kopfsteinpflaster des Front Square. Als du die Augen halb schließt, sehen sie aus wie Irrlichter – eine Gemeinschaft aus Irrlichtern, die sich gegenseitig auf die x-te Ebene der Irrungen und Wirrungen führen.“
    Insgesamt gesehen war es eine durchaus interessante Familiengeschichte, die allerdings einige Längen aufwies. Das etwas abgedrehte Ende war schon sehr speziell und ist sicherlich nicht jedermann Sache. Mir hat es gefallen und es hat meine Bewertung des Buches tatsächlich wieder um eine halben Punkt nach oben gerückt.

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  1. Irisch halt! Was willste machen!

    Kurzmeinung: Zu lang!

    Irische Literatur muss ja depressiv sein. Marcel Reich-Ranicki sagte bekanntlich von ihr „Ich habe einen Widerwillen gegen die irische Literatur, ich kann das nicht ertragen, immer die Slums und immer wird gesoffen und ein bisschen gekotzt zwischendurch. Elend und muffiger Katholizismus.“
    Ganz so schlimm treibt es Paul Murray nicht, dazu ist der Autor zu sehr in der Moderne verhaftet, geboren 1975. Obwohl seine Hauptfigur Dick Barnes durchaus eine depressive Veranlagung hat. Um die Barnes geht es in dem Familienroman von Paul Murray, „Der Stich der Biene“, (The Bee Sting), ist shortlistet für den Booker Prize 2023.
    Dieser Roman ist in der deutschen Übersetzung 700 Seiten lang und ich möchte noch einmal Marcel Reich-Ranicki zitieren: „Seit Jahren wiederhole ich das und ich erkläre hiermit zum 95. Mal: Jeder Roman - bitte nicht Zauberberg oder Buddenbrooks! - der mehr als 500 Seiten umfasst, ist schlecht. Bis zum Gegenbeweis werde ich das wiederholen. Kommt ein Roman von mehr als 500 Seiten und er wird gut sein, bin ich bereit, vor laufender Kamera auf die Knie zu fallen. (14.1.1993)“.
    Nicht in Gänze, doch in Bezug auf „Der Stich der Biene“ pflichte ich bei. Kürzer wäre besser gewesen.
    Vier Beteiligten sieht Paul Murray tief in den Kopf. Dick Barnes, dem vermögenden Autorhändler, der eigentlich keiner sein wollte; seiner Frau Imelda, die eigentlich Dicks Bruder heiraten wollte; Cassandra, der Tochter, die um ihr Studium bangt – Stipendium oder kann Papa noch bezahlen? – PJ, zwölfjähriger Sohnemann, der die Orientierung verliert, als die Familie langsam, aber sicher auseinanderfällt, weil einerseits eine Flutkatastrophe, anderseits eine Veruntreuung und die Rezension der amerikanischen Wirtschaft das Autohaus in die Knie zwingt und die Familie den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ruin nicht verkraftet.

    Der Kommentar und das Leseerlebnis:
    Bin ich am Anfang noch ganz angetan von den Einblicken in die Köpfe aller Beteiligten; werde ich nach und nach immer genervter von den Längen und der schlimmen Kindheit! Und noch mal schlimme Kindheit. Und Längen! Die Lebenslügen der Familie sind schwer nachzuvollziehen und kaum zu ertragen. Keiner ist in der Lage, zu dem zu stehen, was er fühlt, was er ist. Der Vater, Dick Barnes, ist zwar schon eine interessante Figur, weil er sich so schön in die Tasche lügt, aber mit seinen momentanen psychischen und physischen Ausfällen auch schwer zu verstehen und ich kann nicht viel mit ihm anfangen, die Tochter rückt nicht mit der Sprache heraus, dass sie sich mehr von ihrer besten Freundin Elaine erhofft als Freundschaft; ok. Aber müssen wir lang und breit in aller Ausführlichkeit in ihren Kleinmädchenphantasien verweilen, sie in jede Bar begleiten? Quer durch den Campus, in jede Begegnung, in jede Vorlesung? In jeden Exzess? In jede falsche Entscheidung? Auch Mutter kann eine schlimme Kindheit nicht richtig verwinden. Warum geht keiner in Therapie? Oder wenigstens zum Beichten? Wir sind doch im katholischen Irland! Überhaupt spielt schlimme Kindheit eine übergroße Rolle, viel Alkohol, viel Gewalt und immer muss das Gesicht gewahrt werden. Nach außen hui und innen pfui. Das wird auf die Dauer äußerst langweilig. Und hat Längen. Längen! Längen!
    Tatsächlich suhlen wir uns, wie Ranicki vorhergesagt hat, kapitellang im Kindheitselend, buchstäblich alle haben eine besch….., will sagen schlimme Kindheit gehabt, alle suhlen sich im Drogensumpf, Alkoholexzessen und ringen mit ihrer sexuellen Orientierung.
    In einem zweiten Erzählstrang kommen die Prepper zum Zug und es wird ganz und gar abgefahren, vom Bunkerbau über Tierquälerei bis zum abstrusen Schluss, der, falls ich es richtig verstanden habe, die ganze Familie auslöscht. Boah. Marcel, vielleicht sollten wir den Deckel über der irischen Literatur schließen. Experimentell ist der Roman zudem, den Bewusstseinsstrom Imeldas erleben wir Leser ohne Satzzeichen und die Schlussszenarien sind textlich wie ein Theaterstück aufgebaut.

    Was gibt es eigentlich Positives zu sagen? Ich weiß nicht so recht. Irgendwie hat mich der Roman doch bei der Stange gehalten, wahrscheinlich war es die Hoffnung, dass er sich auf 700 Seiten doch noch fängt - man will wissen, wie es endet. Und wenn man es weiß, ist man bereit, von irischer Literatur die Finger zu lassen. Wenn da nicht auch solche Romane wie Shuggie Bain von Douglas Stuart herauskommen würden (Achtung: viel Alkohol, Elend und Katholizismus) und man irgendwie doch fasziniert von der Demontage ist. Und kreative Einfälle kann man dem Autor auch nicht absprechen; irgendwann tritt es zutage, was es wirklich mit dem Stich der Biene auf sich hat. Mein persönlicher Romanheld ist weiblich: Imelda. Ach ja, der Roman polarisiert. Dieses Moment könnte man als Plus verbuchen.
    Was ich noch gar nicht angemerkt habe und das ist gar nicht positiv, sind die vielen Vorträge darüber, wie wir unsere Umwelt kaputt machen. Das muss ja, heute. Klima. Klima. Klima. Sonst sind wir nicht modern. Handwerklich ist "Der Stich der Biene" dann doch zu geschickt, um unter 3 Sterne zu fallen.

    Fazit: Marcel- du fehlst uns! Hinten und vorne! Die Shortlistung kann ich nicht nachvollziehen, irische Literatur ist nichts für depressive Menschen; aber irgendwie hat sie dann doch was, was andere Literatur nicht hat.
    Sie sollten diesen Roman lesen! Machen Sie sich selber ein Bild.
    Dann schimpfen Sie mit oder loben ihn über den grünen Klee. Eine andere Wahl gibt es nicht.

    Kategorie: Anspruchsvoller Roman. Irischer Roman.
    Auf der Shortlist des Booker Prize 2023
    Verlag: Kunstmann, 2024

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  1. Von Einem, der auszog, Großes zu erschaffen

    Viel hat sich der Ire Paul Murray vorgenommen - außerordentlich viel. Mit dem „Stich der Biene“ schuf er ein gewaltiges Epos, einen wahren Bilderrausch auf 700 Seiten, das wenig auslässt, was die Welt im Innern zusammenhält und was den Menschen darin ausmacht. Es zeigt die Keimzelle des menschlichen Zusammenlebens, nämlich die Familie, in all ihren Ausprägungen. Deren Oberhaupt Dickie, der glücklos in nicht enden wollende Lebenskrisen schlittert, obwohl dem blitzgescheiten und fleißigen Spross der Familie Barnes eine glänzende, solide Zukunft bescheinigt wird. Doch das prosperierende Autohaus, das ihm sein Vater und Selfmade-Millionär noch zu Lebzeiten hinterlässt, steht unter keinem guten Stern. Mit der Banken- und Finanzkrise geht es plötzlich und stetig bergab. Ein Ereignis, das die unvermeidliche Katastrophe für die Familie Barnes nur beschleunigt. Imelda, Dickies Frau, hatte sich einst unsterblich in dessen Bruder Frank verliebt. Mit ihm, einer heldenhaften Lichtgestalt, wollte die Schönheit aus ihrem niederträchtigen Slum-Milieu emporsteigen und eine neue Zukunft bauen. Nach Franks tragischem Unfalltod kam es unerwartet anders und das Schicksal schanzte ihr Dickie zu, der aus Schuldgefühlen Franks Rolle einnimmt, ohne seine – völlig gegensätzliche – Bedürfnisse zu befriedigen. Mit ihm zeugt sie die Kinder Cass und PJ, deren Lebensabschnitt zu einer turbulenten Zeitreise wird – die einer Coming-of-Age-Teenagerin und eines experimentierfreudigen, träumerischen Jungen auf der Suche nach wilden Abenteuern. In diesem Mikrokosmos einer Kleinstadt in der Nähe Dublins hängt alles mit allem und jeder mit jedem zusammen, manchmal ostentativ, häufig aber auf subtile Weise.
    Murrays Einfallsreichtum scheint keine Grenzen zu kennen. Neben den diversen Handlungssträngen, die die Familiengeschichte umranken und um die es im Kern geht – um kriminelle Machenschaften, in die vor allem Dickie gerät, um die „Frauwerdung“ von Cass mit vielen Teenie-Romance-Anleihen, um die Flucht und die Ausflüchte der unglücklichen und am liebsten ausbrechenden desperate Housewife Imelda und um die infantilen Erlebnisse eines Jungen, der mit großen Augen auf die Geheimnisse der Erwachsenwelt starrt – sind es die unzähligen, häufig meisterhaft erzählten Episoden, die der gebürtige Dubliner scheinbar mühelos herbeifabuliert. Seine Experimentierfreude ist auf fast jeder Buchseite spürbar und nicht selten verlässt er die Romanwelt und betritt das Land der Groteske.
    Bis zur Beinah-Unlesbarkeit benutzt Murray auch alle möglichen Stilmittel, um den vielen Wendungen der Story – je nach dem – Auftrieb oder Dämpfer zu geben. Er strapaziert diese – und damit auch den/ die Leser:in – durch zahllose Metaphern, Übersteigerungen, Dopplungen, Auslassungen, Lautmalereien, Comic-Sprache, Slang, Fremdworten, Eingriffe in die Typographie, in die Zeichensetzung (Imeldas Passagen auf Dutzenden Seiten verzichten auf jegliche Satzzeichen) und irrwitzigen Perspektivwechseln. Neben auktorialer Erzählform und dem personalen Erzähler bedient er sich im letzten Viertel der zweiten Person Singular. Ein Experiment, das den/ die Leser:in zwangsläufig von den Geschehnissen distanziert, gleichzeitig aber auch eine Zwangsidentifizierung mit der/m jeweiligen Protagonistin/-en schafft. Wäre Murray ein Maler, dann hätten wir hier ein Werk, welches neben einer Kohlezeichnung, Malereien in Acryl, Öl und Tusche, eine Radierung und allerlei mehr Handwerk bis hin zu einer gegenständlichen Darstellung zeigen würde – und das alles auf bzw. mit einer einzigen Leinwand! Es wirkt mutig, aber auch ein wenig arrogant, als würde er ausrufen: Seht her (ecce!), das alles beherrsche ich!
    Ich finde diese Originalität sehr imposant, da das Gesamtkunstwerk mit allen Herausforderungen geglückt ist. Allerdings tauchen auch Abschnitte auf, die den Betrachter oder besser den/ die Leser:in so weit aus der Geschichte drängen, dass diese plötzlich nur noch Gegenstand ist und man von außen gezwungen wird zu überlegen, warum und auf welche Weise ein radikaler Kunstgriff in diesem Handwerk vollzogen wurde. Und das ist – sofern es nicht gerade ein Schreibratgeber handelt – für sämtliche Belletristik tödlich. Wäre die Lesbarkeit vom Autor und Verlag nicht absichtlich gestört worden und könnte der flüssige und bildhafte Lesefluss ungebremst in das Bewusstsein der Leserschaft strömen, dann dürften sich viel mehr an diesen ernsthaften Botschaften dieser spannenden, tragikomischen, aufregenden, bösen und schlicht unterhaltsamen Familien-Dramedy erfreuen. So bleiben viele verwundert oder einfach überfordert auf der Strecke. Hier wäre weniger mehr gewesen.
    Berauscht haben mich jedoch die vielen erstklassigen Episoden, die oft sehr spannend und so lebensnah geschildert sind, dass sie einem Vergleich mit John Irving, Philip Roth oder Jonathan Frantzen standhalten können. Der Plot erinnerte mich an die tiefgründigen Familiengeheimnisse, den verbotenen, doppelten Böden trügerischer Idyllen wie in American Beauty, in dem die blutige Wahrheit und das wahre Grauen tröpfchenweise auf die Stufen tropft, bis es einen regelrechten See vor einem scheinbar unbescholtenen Heim bildet und jegliche Illusion von Harmonie und Zuversicht hinfort spült.
    Merkwürdigerweise hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Abschnitte (auch unter der Berücksichtigung, dass sie natürlich mehrere Jahrzehnte der Familienhistorie abbilden) anachronistisch wirken. So hatte ich den Eindruck, dass manche Geschehnisse der modernen Smartphone-Zeit eher wie aus den Achtzigern wirkten. Auch blieben einige lose Fäden für mich ungeklärt oder entzogen sich meiner Aufmerksamkeit, zum Beispiel die Hintergründe der Schreckenstat, die zur Auslöschung einer Familie führte, oder die nervenzerfetzende Situation, als PJ trotz sämtlicher Bemühungen nicht an das Restgeld kommt, das er für die Zahlung an einen äußerst brutalen Erpresser dringend benötigt. Hier hatte ich eine Auflösung erwartet. Gleichwohl sind viele metaphorischen Untermalungen sehr gut in die Story eingewoben worden, was sich ebenso im Showdown am Ende des Buches zeigt. Das merkwürdige Mal im Baum, die seherischen Fähigkeiten von Tante Rose, die Bekämpfung der grauen Eichhörnchen, um die roten Artgenossen zu retten – ein passender Vergleich zu dem Opfer, welches Dickie für die Familie, die er so nie wollte, erbringt. Ach ja, auch der Stich der Biene wird entschleiert. In Wirklichkeit handelt es sich nicht um ein Unglück am Tag der Hochzeit, sondern um einen ganz anderen Akt von Gewalt, der hier jedoch nicht verraten wird.
    Insgesamt ist der Roman „Der Stich der Biene“ ein gelungenes Kunstwerk, das sich nicht darauf beschränkt, nur eine opulente Familiengeschichte zu sein. Vielmehr sprengt das Buch die konventionellen Grenzen, was einen Roman im herkömmlichen Sinn ausmacht. Es ist mit Absicht anstrengend zu lesen. Murray ist hier der unangefochtene Schöpfer dieses steinigen Massivs. Da gerade diese vom Autor grenzenlose Vorgehensweise bei der Leserschaft auch unüberwindbare Schranken setzt, halte ich den Roman für begrenzt lesenswert. Zumindest benötigt der/ die Leser:in einen langen Atem, um diesen Berg zu erklimmen.
    Ein wahrer Achttausender.

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Die vermisste Tochter: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die vermisste Tochter: Roman' von Soraya Lane
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die vermisste Tochter: Roman"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:432
Verlag: Knaur TB
EAN:9783426530245
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Rezensionen zu "Die vermisste Tochter: Roman"

  1. Familiengeheimnisse

    Claudia ist die Erbin ihrer verstorbenen Großmutter. Beim Notar erhält sie ein Kästchen mit dem Namen der Großmutter und der Zeichnung eines Wappens. Sie möchte wissen, was es damit auf sich hat und recherchiert zunächst in London und stößt dabei auf die Familie Diaz, der eine Zuckerrohrplantage gehörte. Ihre weitere Suche führt sie dann aber auch nach Kuba und Miami. In Kuba trifft sie den Koch Mateo, der ihr bei den Nachforschungen hilft. Es wird eine Reise in das Kuba während der fünfziger Jahre. Dort lebte die junge Esmeralda mit ihren Schwestern und ihrem Vater. Sie lernt den Briten Christopher Dutton kennen und verliebt sich in ihn. Doch ihr Vater hat etwas dagegen und schließt sie ein. Sie muss fliehen.
    Dies ist mein erstes Buch der Autorin Soraya Lane. Dieser Roman ist der zweite aus der Trilogie „Die verlorenen Töchter“, lässt sich aber problemlos lesen ohne den vorigen Band zu kennen. Der Schreibstil ist bildhaft und schön zu lesen. Ich mag es, wenn Geschichten auf zwei Zeitebenen spielen. Aber wir schon so oft hat mich der Teil, der in der Vergangenheit spielt, mehr gepackt. Gut gefallen hat mir auch die Beschreibung von Land und Leuten.
    Die Charaktere sind gut und authentisch dargestellt. Claudia verliert nie ihre Spurensuche aus dem Blick, auch wenn sie das Leben in Kuba sehr genießt. Esmeraldas Schicksal hat mich sehr berührt.
    Es ist eine tragische Familiengeschichte, bei der so einige Geheimnisse aufgedeckt werden. Mir hat sie sehr gut gefallen.

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Transit: Rachel Cusk (Faye trilogie, 2)

Buchseite und Rezensionen zu 'Transit: Rachel Cusk (Faye trilogie, 2)' von Rachel Cusk
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Transit: Rachel Cusk (Faye trilogie, 2)"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:272
Verlag: Faber & Faber
EAN:9780571346745
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Rezensionen zu "Transit: Rachel Cusk (Faye trilogie, 2)"

  1. Übergangszeit

    Kurzmeinung: Atmosphärisch und elegant- genau meins!

    Habe ich schon „Outline“, welches der erste Band einer (sort of) Reiseerzählung ist, gerne gelesen, Reihenfolge: Outline-Transit-Kudos – hat mich „Transit“ wirklich begeistert und mitgenommen. Einerseits liegt es daran, dass ich „Transit“ im englischen Original las und „Outline“ nur in der deutschen, aber gutgelungenen Übersetzung, andererseits, weil die Autorin der Protagonisten mehr persönliche Details auf den Leib schrieb. Hörbücher und Romane im Original ziehen die Wertung/en nach oben!
    In Outline hält die namenlose Protagonistin ein CreativeWritingSeminar ab im heißen Athen, in Transit ist sie in einem Londoner Außenbezirk auf eine Literaturlesung eingeladen und gerade eben wieder mit ihren zwei Söhnen in das kühle und regnerische London gezogen, der Vater irrt da auch irgendwie und irgendwo herum, die Eltern sind seit kurzem getrennt, die Autorin befindet sich im Aufarbeitungsprozeß.
    Die Autorin Rachel Cusk erzählt zeitlich von rückwärts, jeder der drei Bände beeinhaltet einen bestimmten Zeitabschnitt im Leben der Protagonistin, in Outline ist sie neu gesettelt. So verstehe ich es jedenfalls bisher, doch Kudos steht als Lektüre noch aus.
    Denn in Athen ist die Scheidung längst passé habe ich den Eindruck, die Kinder leben beim Vater. London war vorher, vor Athen. London ist vorher. Es könnte freilich auch umgekehrt sein; diese Unschärfe der zeitlichen Verortung macht einen Teil des Reizes dieser kleinen Reihe aus. Man will nun auch den dritten Teil lesen.

    Jetzt. In diesem Roman "Transit". In London. Kauft die Protagonistin einen Teil eines Hauses. Bei der Wahl zwischen „ein tolles, komfortables Haus in schlechterem Milieu gelegen und einem Haus mehr oder weniger in progress, aber in guter Umgebung, wählt sie letzteres. Eine schwierige Wahl, denn die Mieter im unteren Stockwerk erweisen sich nicht nur nicht als umgängliche Menschen, sie sind echte Kotzbrocken. Der Umbau des oberen Stockwerks wird zum Albtraum. Und ich hätte mich für das kommode Haus in schlechterer Umgebung entschieden. Tscha, das hat sie nun davon.
    Die Protagonistin ist ein Mensch, der dazu einlädt, sein Herz zu öffnen: wildfremde Menschen erzählen ihr intime Dinge aus deren befremdlichem Dasein. Dazu rufen ständig ihre Söhne an und stören sie beim Business. Protagonistin und Autorin weisen Schnittmengen auf.

    Der Kommentar:
    Rachel Cusk hat eine leichte Erzählweise und eine überbordende Fantasie. Man kann nicht sagen, „das gibt es nicht, das kann sich so nicht zugetragen haben“, die seltsamsten Geschichten wirken irgendwie alltäglich und natürlich.

    Fazit: Ein Lesevergnügen.

    Kategorie: Anspruchsvolle Literatur: Erzählkunst
    Verlag: penguin.co.uk/vintage, 2017

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