Signum

Buchseite und Rezensionen zu 'Signum' von John Ajvide Lindqvist
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Signum"

Die Reise in die Finsternis geht weiter ... ›Stormland‹ geht weiter – die Spannungssensation aus Schweden und der zweite Fall für das Ermittlerduo Julia Malmros und Kim Ribbing Wenn das Ende erst der Anfang ist ... Kim Ribbing hat den Schockdoktor Martin Rudbeck gekidnappt und hält ihn im Keller seiner Villa fest. Er will verstehen, was es ist, das einen Menschen dazu bringt, unter dem Vorwand der Wissenschaft junge Menschen zu quälen. Derweil recherchiert die Ex-Polizistin Julia Malmros im Milieu der "Wahren Schweden", einer rechtsextremen Partei mit Kontakten in die kriminelle Szene. Und plötzlich steht Julia vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Muss sie Kim, der zu einem Teil von ihr geworden ist, verraten?

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:471
Verlag: dtv
EAN:
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Rezensionen zu "Signum"

  1. Plastisch - Drastisch - Unausweichlich

    Plastisch - Drastisch - Unausweichlich

    Der zweite Teil der Mittsommer Trilogie von John Ajvide Lindqvist ist endlich da!

    Der schwedische Autor begann beruflich als Stand-up-Comedian und Drehbuch-Autor beim schwedischen Fernsehen, um sich dann komplett auf das Schreiben zu fokussieren.
    Seine Erzählungen wurden schon in über 20 Sprachen übersetzt.

    Ich habe den ersten Band - Refugium - gelesen und schon ungeduldig auf den nächsten Band gewartet.

    Zum Inhalt
    Handlungsort ist Schweden. Das Duo Kim Ribbing & die Ex-Polizistin Julia Malmros leben eine ungewöhnliche Partnerschaft.
    Kim, durch seine von Misshandlung und Einsamkeit geprägte Kindheit hat ihn zu einem ungewöhnlichen Menschen werden lassen. Mit genug finanziellen Mitteln ausgerüstet, nimmt er den -Schmerzdoktor Martin Rudbeck gefangen. Er will den wahren Intentionen der Misshandlungen durch Rudbeck auf den Grund gehen.
    Julia möchte ein Buch schreiben. In ihren Recherchen widmet sie sich den - Wahren Schweden - eine rechtsextreme Partei. Ein starkes Band verbindet die Beiden. Im Laufe der weiteren Ereignisse entsteht für Julia eine schmerzhafte Situation. Kann sein, was nicht sein darf? Muss sie sich von Kim distanzieren. Die Story nimmt einen absolut unerwarteten Verlauf. Entscheidungen können nicht aufgeschoben werden.

    Als ich endlich das Buch in meinen Händen habe, bin ich vom Design des Umschlags wirklich beeindruckt. Ein Baumstamm mit beschädigter Rinde. Ein klarer Hinweis auf den ersten Band und ein wahrer Blickfänger.

    Storyline - Triggerwarnung -
    Die Geschichte beginnt sofort. Ohne Umwege. Der Leser wird nicht vorsichtig auf das zu Erwartende hingeführt. Im Gegenteil, alles beginnt mit absolut düsterem Horror. Neben der schockierenden Einzelheiten entwickelt sich mein Verständnis von Kindern, die über eine lange Zeit grausam missbraucht wurden. Es gelingt dem Verfasser, die inneren Verletzungen und deren Folgen glasklar zu beschreiben. Aber auch in mir verändert sich etwas. Waren Geschichten über Kindesmisshandlungen schon immer grausam, habe ich sie nie nah an mich herangelassen. Beim Lesen kann ich diese Grenze nicht mehr aufrechterhalten. Ich sehe Kims Thematik, seinen Wunsch zu verstehen - mit anderen Augen.

    Protagonisten - Nach der Lektüre ist für mich klar, dass dieses Buch in der Reihenfolge der Trilogie gelesen werden sollte. Somit hat der Leser mehr Zeit, sich auf diese doch sehr besondere, mal völlig anders kreierte Personenkreis einzuschwingen.

    Spannung - Das Buch ist sofort spannend. Wobei spannend das falsche Gefühl für die bei mir ausgelösten Emotionen ist.
    Ich erlebe eine Mischung aus Ekel, Entsetzen, Mitgefühl, Hass u.ä.
    Es war mir unmöglich keine extremen Gefühle und Gedanken zu dem Erzählten zu entwickeln.
    Zum Großteil waren es ein Gefühl der Beklemmung und Angst & diese gemischt mit weiteren sich entwickelnden Erwartungen.

    Cliffhanger - Das Finale präsentiert neben der durchweg mitnehmenden Story einen Cliffhanger. Wobei die gesamte Storyline auf das Staffelfinale ausgelegt zu sein scheint.
    Leider muss ich jetzt ein Jahr auf den letzten Teil warten. Für mich ist klar, dass ich ihn lesen werde.

    Fazit:
    Der 2. Teil ist insgesamt noch runder erzählt. Die Charaktere werden noch genauer skizziert und weiterentwickelt.
    Besonders ist, dass die Personen alles andere als Sympathieträger sind. Wobei vielleicht gerade dies den entscheidenden Unterschied birgt.

    Ich möchte nicht versäumen, eine Triggerwarnung auszusprechen. Gerade Menschen mit besonderem Lebens-Hintergrund können durch die Lektüre mit Gefühlen konfrontiert werden, die nur schwer auszuhalten sind.

    Ich vergebe für das Leseerlebnis & die kreative Gestaltung sehr gute 4*Lesesterne.
    Meine Lese-Empfehlung wendet sich besonders an den Personenkreis, der sich gern mit Randthemen und menschlichen Abgründen beschäftigen.

    ISDN: 978-3423283786
    Seitenzahl: 496
    Verlag: dtv

 

Alex Schulman

Alex Schulman, geboren am 17. Februar 1976 in Hemmesdynge, Schweden, ist ein vielseitiger Autor, Journalist und Medienpersönlichkeit. Seine Werke, die häufig autobiografische Elemente enthalten, zeichnen sich durch eine schonungslose Ehrlichkeit und eine tiefe Auseinandersetzung mit familiären und persönlichen Themen aus. Schulmans literarische Stimme hat einen festen Platz in der zeitgenössischen schwedischen Literatur gefunden.

Dunkler Abgrund

Buchseite und Rezensionen zu 'Dunkler Abgrund' von Ruth Lillegraven
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Dunkler Abgrund"

Clara Lofthus wird kurz nach dem Tod ihres Ehemannes zur neuen Justizministerin Norwegens ernannt. Ein anspruchsvoller Job – besonders für eine alleinerziehende Mutter. Doch plötzlich erhält sie Drohbriefe: Jemand weiß, was sie getan hat. Aber Clara lässt sich nicht einschüchtern und verzichtet auf Polizeischutz. Das bereut sie bitter, als sie nach einem langen Arbeitstag ihr Haus leer vorfindet: Ihre Zwillingssöhne Andreas und Nikolai wurden entführt! Die sonst so starke Clara verliert den Boden unter den Füßen. Verzweifelt begibt sie sich auf die Suche nach ihren geliebten Kindern und wird dabei von ihrer düsteren Vergangenheit gnadenlos eingeholt. Sie muss feststellen: Die Wahrheit kann ein tiefer, dunkler Abgrund sein …

Format:Broschiert
Seiten:384
EAN:9783471360491
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Rezensionen zu "Dunkler Abgrund"

  1. Wer einmal mit dem Morden anfängt...

    Drei lange Jahre musste ich auf die Fortsetzung der Clara-Lofthus-Trilogie der preisgekrönten norwegischen Lyrikerin und Kinderbuchautorin Ruth Lillegraven warten, nun endlich liegt der zweite Band "Dunkler Abgrund" vor. Gewechselt hat der Übersetzer: von Hinrich Schmidt-Henkel zu Günther Frauenlob. Obwohl man Band eins, "Tiefer Fjord", nicht unbedingt kennen muss, empfehle ich es trotzdem dringend, denn viele interessante Details aus Claras Vergangenheit erschließen sich nur durch den Vorgängerband.

    Viele Erzählstimmen
    Der Aufbau der beiden Bände ist nahezu identisch: ein kurzer Prolog, 75 Kapitel aus verschiedenen Ich-Perspektiven und in Teil zwei zusätzlich ein Epilog.

    "Dunkler Abgrund" beginnt dort, wo "Tiefer Fjord" endete: kurz nach dem Tod von Clara Lofthus‘ Ehemann, dem Kinderarzt Haavard Fougner, den die trainierte Schwimmerin in die gefährliche Strömung eines Bergsees lockte. Wenig später wird sie zur Justizministerin Norwegens berufen, zeitgleich entdecken Taucher in ihrem tiefen Heimatfjord den Unfallwagen, mit dem die damals Zwölfjährige und Magne, der Partner ihrer Mutter, 1988 verunglückten.

    Mehr Ministerin als Mutter
    Ohne ihren Mann ist Clara, nach eigenem Bekunden „kein Naturtalent als Mutter“ (S. 102), plötzlich allein verantwortlich für die etwa zehnjährigen Zwillinge Andreas und Nikolai. Die beiden Papakinder leiden sehr unter dem Tod ihres Vaters, den die kühle, zudem meist abwesende Mutter nicht ersetzen kann:

    "Papa war immer fröhlich und leicht wie ein Sommertag. Mama versucht, Sommer zu sein, ist aber eigentlich Winter." (Andreas, S. 272)

    Clara sieht, wenn auch mit schlechtem Gewissen, ihre Prioritäten im Ministerium. Traumatisiert vom Tod ihres eigenen kleinen Bruders, den sie als Kind nicht verhindern konnte, hat sie sich dem Kampf gegen Kindesmisshandlung verschrieben:

    "Ich habe eingewilligt, Staatssekretärin und schließlich Ministerin zu werden, um etwas zu erreichen und dafür zu sorgen, dass das, was mit Lars passiert ist, keinem anderen Kind passiert." (Clara, S. 118)

    Für dieses Ziel schreckt die intelligente, kontrolliert-distanzierte Frau mit der komplizierten Persönlichkeitsstruktur, in deren früherem und jetzigem Leben es vor Todesfällen und Tragödien nur so wimmelt, vor nichts zurück.

    Alles gerät aus den Fugen
    Daran gewöhnt, alles selbst zu regeln, lehnt Clara Personenschutz, häusliche Überwachung und professionelle Kinderbetreuung ab. Doch dann geschehen seltsame Dinge, die Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit drohen sie einzuholen und schließlich sind sogar ihre Kinder verschwunden. Die Spur führt nach Westnorwegen ins Dorf ihrer Kindheit. Obwohl sie nur schlecht Hilfe annehmen kann, ist sie nun auf die Unterstützung ihres neuen Chauffeurs Stian angewiesen, der sich als heimlich platzierter Leibwächter und ebenso bedingungsloser wie unkonventioneller Unterstützer entpuppt:

    "Man muss tun, was richtig ist, auch wenn das Richtige nicht unbedingt den Regeln entspricht." (Stian, S. 252)

    Wie "Tiefer Fjord" hat auch "Dunkler Abgrund" viel Dynamik, vor allem durch die kurzen Kapitel aus wechselnden Perspektiven. Mit seinen unvorhersehbaren Wendungen und der perfekt konstruierten Handlung, realistisch oder nicht, hat mich der zweite Teil fast ebenso gut unterhalten wie der erste. Die Einblicke in den norwegischen Verwaltungs- und Politikbetrieb, den die Autorin aus langjähriger Arbeit im Verkehrsministerium kennt, und traumhafte Beschreibungen ihrer westnorwegischen Heimat sind für mich die Besonderheiten dieser Mischung aus Psychothriller und Familiendrama, auf deren Abschlussband ich ungeduldig warte.

  1. Spannung bis zum Schluss

    Egal ob der Geburtstag des britischen Königs, die Staatsbesuche von unbeliebten Politikern in Krisengebieten oder eine Rede an die Nation- immer besteht die Gefahr von Anschlägen durch das Publikum. Hier denke ich sowohl an tödliche Attentate, wie zum Beispiel Martin Luther King und John F. Kennedy, als auch an schwere Verletzungen wie zum Beispiel Wolfgang Schäuble. Auch in „Dunkler Abgrund“, den zweiten Roman um Clara, kommt es zu einem Vorfall bei einer Vereidigung.

    Clara soll norwegische Justizministerin werden. Bei der Vereidigung wird die junge Witwe aus der Menge als Mörderin verschrien. Damit nimmt das Chaos seinen Lauf- es kommt zu Drohbriefen und einer augenscheinlichen Entführung von Claras Kindern…

    Zunächst muss ich den Krimi einordnen. Der Vorgänger, Tiefer dunkler Fjord, endete mit den Tod von Claras Partner und ihren Aufstieg zur Justizministerin. Hier steigt Dunkler Abgrund mit einer sehr fesselnden Sprache ein. Clara wird verfolgt, es gibt Drohungen und scheinbar Kontakt zu den verstorbenen. Dadurch kann die Spannung aufgebaut werden. Zwischenzeitlich flacht die Spannung leider ab, jedoch erreicht zum Ende alles seinen Höhepunkt.
    Neben der Spannung möchte ich die Charaktere hervorheben. Clara zeigt sich als Löwin, die für ihre Kinder zumindest auf den ersten Blick kämpft. Ihr eigener Vater hat den Bezug zu der Juristin verloren- stattdessen wird Clara von ihren verstorbenen Bruder und Ehemann heimgesucht. Dadurch befindet sich Clara zwischen mehreren Zeitebenen, wodurch sie zur Vermittlerin wird. Vieles aus der Vergangenheit holt Clara ein. Nicht untypisch ist ihre kalte Schulter gegenüber den Journalisten und ihren männlichen Kollegen, was durch ihre Vergangenheit verständlich wird. Ich gebe vier Sterne.

 

Blutnacht

Buchseite und Rezensionen zu 'Blutnacht' von Thomas Enger
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Blutnacht"

Alexander Blix, Kriminalhauptkommissar, sitzt in Haft. Eingesperrt mit Dieben, Vergewaltigern und Mördern, die er selbst hinter Gitter gebracht hat, erlebt Blix das dunkelste Kapitel seiner Karriere als Polizist. Doch dann erfährt er, dass außerhalb der Gefängnismauern Lebensgefahr für einen Mithäftling besteht: Ein Killer wartet darauf, dass der Insasse in vier Tagen in die Freiheit entlassen wird – um diesen dann zu ermorden. Nun muss Blix Polizeiarbeit hinter Gittern leisten, ein hochgefährliches Unterfangen, bei dem ihn nur seine Co-Ermittlerin Emma Ramm unterstützen kann ...

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:448
EAN:9783734112041
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Rezensionen zu "Blutnacht"

  1. 4
    06. Jul 2024 

    Ermittlungen aus dem Knast...

    Alexander Blix, Kriminalhauptkommissar, sitzt in Haft. Eingesperrt mit Dieben, Vergewaltigern und Mördern, die er selbst hinter Gitter gebracht hat, erlebt Blix das dunkelste Kapitel seiner Karriere als Polizist. Doch dann erfährt er, dass außerhalb der Gefängnismauern Lebensgefahr für einen Mithäftling besteht: Ein Killer wartet darauf, dass der Insasse in vier Tagen in die Freiheit entlassen wird – um diesen dann zu ermorden. Nun muss Blix Polizeiarbeit hinter Gittern leisten, ein hochgefährliches Unterfangen, bei dem ihn nur seine Co-Ermittlerin Emma Ramm unterstützen kann... (Verlagsbeschreibung)

    Dass Alexander Blix auf der falschen Seite der Gitter sitzt, erklärt sich aus den Geschehnissen im vorherigen Band - und war doch irgendwie ein Schock zu Beginn. Nach den vergangenen Ereignissen erscheint es nachvollziehbar, dass Blix nahezu gleichgültig ist seinem eigenen Schicksal gegenüber, er wirkt depressiv und versucht, den anderen Gefangenen möglichst aus dem Weg zu gehen. Doch unerwartet bekommt er Besuch von seinem Vorgesetzten bei der Polizei - ein Mithäftling von Blix wird bald entlassen, und er scheint in Gefahr zu schweben. Blix soll nun hinter Gittern ermitteln, was sich jedoch als schwierig erweist. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass besagter Mithäftling alles andere als gut zu sprechen ist auf Alexaner Blix...

    Neben der Situation im Gefängnis ermittelt Emma Ramm außerhalb auf einem Campingplatz in einem kleinen norwegischen Ort. Ein aus einer deutschen Haftanstalt ausgebrochener Gefangener befindet sich womöglich genau auf dem Weg dorthin - doch das Motiv dafür ist unbekannt. Was will der Entflohene nur in Norwegen? Die Online-Journalistin ermittelt mit der bekannten Hartnäckigkeit - und setzt dabei einmal mehr auf durchaus gefährliche Alleingänge. Normalerweise nervt mich das, hier ist es allerdings kaum zu vermeiden. Denn es ist wirklich lange nicht klar, wem Emma hier vertrauen kann und wem nicht.

    Der vierte Band ist deutlich anders als die vorherigen Thriller der Reihe, und doch hatte auch dies seinen ganz eigenen Reiz. Überraschende Wendungen, Geheimnisse, die nur langsam aufgelöst werden, gefährliche Szenen und ein spannender (wenn auch wieder heillos überzogener und Bruce-Willis-mäßiger) Showdown - alles was das Thriller-Fan-Herz begehrt.

    Der fünfte Band liegt bereits vor - ich bin gespannt!

    © Parden

  1. 3
    21. Jun 2024 

    Gefangen

    Alexander Blix ist in Haft, weil er unter unklaren Umständen im Dienst jemanden getötet hat. Als (ehemaliger) Polizist hat er nicht den besten Stand. Dennoch bekommt er mit dem Mithäftling Jarl Inge, der kurz vor der Entlassung steht, etwas näheren Kontakt. Derweil recherchiert die Journalistin Emma Ramm über den Ausbruch eines in Deutschland inhaftierten Menschen, der nach seinem Ausbruch anscheinend auf dem Weg nach Norwegen ist. Offensichtlich ist sein Ziel derselbe Ort, aus dem auch Jarl Inge stammt. Kann das ein Zufall sein? Alexander Blix und Emma Ramm müssen ihre Kräfte bündeln.

    In diesem vierten Auftritt müssen Blix und Ramm in ungewöhnlichen Umgebungen agieren. Blix ist wegen der früheren Ereignisse in Hauft und Emma, die immer dicht dran sein will, ist für ihre Recherche aufs Land gefahren. Zum Glück hat Blix die Erlaubnis zu telefonieren, so das er sich Mit Emma austauschen kann. Wieso zieht es den Ausbrecher überhaupt nach Norwegen? Möglicherweise an einen recht abgelegenen Ort. Und was will Blix aus Jarl Inge herausholen? Überhaupt muss Blix sich mit Menschen beschäftigen, die er sonst nur von der anderen Seite des Gitters kannte.

    Im Zusammenhang mit dem vorherigen Band betrachtet, wirkt es so, als sei die Handlung nur deshalb so konstruiert worden, damit Blix zu dieser Zeit im Gefängnis sein kann, um für einen Ermittlungsansatz präsent zu sein. Dafür wurde ein recht hoher Preis bezahlt, der einen die Reihe doch weniger mögen lässt. Auch der Handlungsstrang um Emma könnte als hölzern empfunden werden. Es werden Gefahren heraufbeschworen, die keine sind, um dann möglicherweise echte Gefahren zu harmlos erscheinen zu lassen. Zwar wird der Fortgang der Geschichte routiniert spannend beschrieben, doch insgesamt findet man mitunter nicht den richtigen Zugang zum Geschehen. Klar gibt es Opfer, die lange Zeit unter den Folgen leiden, aber auch in Norwegen sollte es möglich sein, Hilfe zu finden, auch wenn die Familie ihren Pflichten zur Hilfeleistung nicht nachkommt. Gut sind allerdings die Irreführungen, die das Autorenduo ihren Lesern unterbreitet. Vielleicht hat die Reihe ihren Zenith ein wenig überschritten, dennoch ein fesselnder Thriller, der kurzweilige Lektüre bietet.

 

Der Mann aus dem Schatten

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Mann aus dem Schatten' von David Lagercrantz
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Mann aus dem Schatten"

Stockholm 2003: Ein Schiedsrichter der Fußballjugend wurde erschlagen. Der Verdacht fällt auf einen überengagierten Vater, doch es fehlen Beweise. Der neue Polizeichef holt daraufhin zwei Außenseiter ins Team: die junge Streifenpolizistin Micaela Vargas, die aus demselben Problemviertel wie der Verdächtige stammt, und den Psychologen Hans Rekke, ein brillanter Beobachter und Spezialist für Verhörtechniken. Nur wenn sich beide zusammentun, haben sie eine Chance gegen mächtige Gegner. Denn dieser Fall ist weit größer, als anfangs angenommen.

Format:Taschenbuch
Seiten:496
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453441941
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Rezensionen zu "Der Mann aus dem Schatten"

  1. Thriller mit langer Anlaufzeit

    2003 in Stockholm: Unmittelbar nach einem Spiel der Fußballjugend wird der Schiedsrichter, ein Geflüchteter afghanischer Herkunft, brutal erschlagen. Der Verdacht fällt zunächst auf einen aufgebrachten Papa, der mit einer Spielentscheidung nicht einverstanden war, doch schon nach kurzer Zeit ist die Ermittlung hoffnungslos in einer Sackgasse gelandet. Die junge Polizistin Micaela Vargas, eine Einwanderin chilenischer Herkunft, wird nach Auflösung der Ermittlungsgruppe zu ihrem zermürbenden Streifendienst zurückgeschickt. Nachhaltig beeindruckt ist sie jedoch von einem Gespräch mit dem Psychologen und Profiler Hans Rekke, der ganz eigene Ermittlungsansätze beigesteuert hat, aber vom Team nicht erst genommen wurde. Als sie zufällig wieder mit Rekke zusammentrifft, versuchen die beiden, ihre Erkenntnisse und Vermutungen zu dem Fall zusammenzutragen. Und bald kommen neue Aspekte ans Licht - der Ermordete hat eine seltsam widersprüchliche Vergangenheit ...

    Der Roman überrascht in mehrfacher Hinsicht. Zum ersten würde ich ein Buch, in dem es um internationale politische Spannungen geht, um Ermittlungen in höchsten politischen Kreisen, und in dem sowohl Taliban-Terror als auch CIA-Gefängnisse eine Rolle spielen, für einen Politkrimi halten; vor allem würde ich jede Menge Action und nervenzerreißende Spannung erwarten. Mit beidem hält sich das Buch jedoch sehr zurück. "Der Mann aus dem Schatten" ist in erster Linie ein Psychothriller. Das liegt einmal an den beiden so ungleichen Ermittlern Vargas und Rekke, von denen jeder eine ganz eigene Geschichte hat - Vargas ist ein hartes Mädchen, illusionslos und bissig; Rekke ist ein Feingeist aus reichem Hause und obendrein psychisch krank -, zum anderen an der Figur des ermordeten Afghanen, dessen bewegende Geschichte in einem parallelen Strang miterzählt wird. Und zum dritten hat "Der Mann aus dem Schatten" eine Erzählökonomie, die das Thrillergenre gegen den Strich bürstet. Es passiert zunächst, mindestens im ersten Drittel - wenn nicht sogar in der ersten Hälfte -, erstaunlich wenig. Nachdem die Ermittlung gegen den Fußballerpapa, wie Vargas es ausdrückt, "versenkt" wurde, sehen wir Vargas Dienst schieben und Rekke an seiner bipolaren Störung leiden, und das über viele Seiten hinweg. Es ist nicht gerade langweilig, aber nicht das, was man erwartet - die Chuzpe des Autors, sein Buch so aufzubauen, verdient jedenfalls Anerkennung.

    Nicht so recht begeistert bin ich über die zentralen Charaktere: die Paarung agiles und praktisches Mädchen fürs Grobe, zusammen mit einem bildungsbürgerlichen Feingeist ist nichts Neues, siehe Lynley und Havers, oder von mir aus auch Nemez und Sneijder (mit letzterem hat Rekke jedenfalls die zynische Arroganz gemeinsam). Auch Anleihen bei Sherlock Holmes sind deutlich zu merken. Es wirkt auf mich ein bisschen abgedroschen, aber es mag noch einiges Potential drin stecken. Was mir gefallen hat, sind die Berichte aus der Vergangenheit des toten Afghanen - hier kann man einiges erfahren, was man so bisher so nicht wusste über die Umwälzungen in Kabul.

    Da ich auch den zweiten Band leihweise im Haus habe, werde ich auch den noch lesen und berichten. Es ist aber kein Ermittlerpaar, das ich mir auf die Hitliste setzen werde - ich vergebe (eher wohlwollende) vier Sterne.

 

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid

Buchseite und Rezensionen zu 'Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid' von Fredrik Backman
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid"

Der Nr.1-Bestseller und Lieblingsroman aus Schweden: phantasievoll, ergreifend und umwerfend witzig. Wieder ein ganz besonderes Leseerlebnis vom Autor von ›Ein Mann namens Ove‹.



Oma ist 77, Ärztin, Chaotin und treibt die Nachbarn in den Wahnsinn. Elsa ist 7, liebt Wikipedia und Superhelden und hat nur einen einzigen Freund: nämlich Oma. In Omas Märchen erlebt Elsa die aufregendsten Abenteuer. Bis Oma sie eines Tages auf die größte Suche ihres Lebens schickt – und zwar in der wirklichen Welt.

Format:Taschenbuch
Seiten:640
EAN:9783442493937
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Rezensionen zu "Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid"

  1. 5
    18. Sep 2016 

    Anarchie und Herzenswärme...

    Elsa ist sieben Jahre alt (fast acht, wie sie immer betont), und ihre beste Freundin ist Oma. Mit Oma ist es nie langweilig - Oma erzählt Geschichten, vertreibt Monster, schläft mit Elsa im Kleiderschrank, wo es sicher ist, und tut auch sonst allerhand verrückte Dinge. Elsa und Oma sind unzertrennlich. Sie haben eine geheime Sprache, die nur sie beide sprechen, können sich ganz wunderbar streiten - und akzeptieren sich gegenseitig unbedingt und ganz und gar. Etwas, das anderen Menschen in ihrer Umgebung oft nicht leicht fällt.
    Denn Oma ist irgendwie - dysfunktional. Sie handelt oft nicht, wie andere es von ihr erwarten, hat Probleme im Umgang mit Regeln, Rollen und Autoritäten, sagt was sie denkt, raucht überall ohne Rücksicht auf Verbote, spielt World of Warcraft, mogelt beim Monopoly und haut ständig aus dem Krankenhaus ab. Immer, um etwas mit Elsa zu unternehmen. Für Elsa hat Oma ein ganzes Märchenreich erfunden, in das Elsa sich zurückziehen kann, wenn sie Ärger mit Mama hat oder vor den Mitschülern flüchten muss, die sie wieder einmal drangsalieren. Denn auch Elsa ist anders. Sie ist wirklich schlau, sehr belesen, und was sie nicht weiß, liest sie bei Wikipedia nach. In einer Wörterdose sammelt sie komplizierte Wörter, und Elsa ist Harry Potter Fan. Wenn Elsa mit Oma zusammen ist, ist jedenfalls alles gut. Oma beschützt sie vor allem und bringt ihr bei, dass es gut ist, anders zu sein, und dass man sich nicht unterkriegen lässt.

    Wenn man dat Schlechte nich wechkricht, dann muss man viel Gutes drüberkippen...

    Und es ist gut, dass es Oma gibt. Denn irgendwie wackelt alles in Elsas Leben. Ihre Eltern haben sich scheiden lassen, und ihren Papa sieht sie nur an jedem zweiten Wochenende. Ihre Mama arbeitet im Krankenhaus und ist wenig zu Hause, und Mamas neuer Lebensgefährte, George, wird nun auch bald Papa, und zwar von Elsas Halbgeschwisterchen. Wer weiß, wie es wird, wenn das Halbe erst einmal auf der Welt ist. Will Mama dann überhaupt noch etwas von ihr wissen? Und in der Schule hat sie täglich Streit - die anderen Schüler jagen sie und versuchen sie ständig zu drangsalieren. Und der Direktor sieht in ihr den Störenfried, denn Elsa ist in seinen Augen zu wenig angepasst. Da ist es gut, dass Oma ihr Halt gibt und sie daran hindert, ihr Anderssein aufzugeben.
    Blöd nur, dass Oma eines Tages plötzlich stirbt und Elsa nun allein vor den ganzen Problemen steht. Und dass Elsa ihre Oma nun unglaublich, unheimlich, unsagbar schlimm vermisst. Doch Oma wäre nicht Oma, wenn sie das nicht vorhergesehen hätte. Und Elsa eine letzte Aufgabe hinterlassen hat: sie soll das Schloss und ihre Freunde beschützen.

    Nicht alle Monster sehen aus wie Monster. Es gibt auch welche, die ihre Monster in sich tragen...

    Das Schloss? Und ihre Freunde? Sie hat gar keine Freunde. Doch sie überbringt den ersten von einer Reihe von Briefen, die ihren Weg irgendwie zu Elsa finden. Briefe von Oma an alle möglichen Menschen in Elsas Mietshaus, in denen sie einen letzten Gruß hinterlässt und sich für vieles entschuldigt. Während Elsa fleißig Briefe verteilt, lernt sie eine Menge über andere Menschen, findet tatsächlich neue Freunde und vervollständigt damit den Lebensplan ihrer Großmutter. Doch Elsa bekommt auch einen differenzierteren Blick auf ihre Oma, und ja, es ist auch Wut dabei. Wut darüber, dass sie merkt, dass Oma auch für andere Menschen da war, nicht nur für ihre Enkelin. Wut darüber, dass Oma einst eine schlechte Mutter und kaum für Elsas Mama da war. Wut darüber, dass Oma gestorben ist.
    Doch gleichzeitig wird das Märchenreich, in das sie mit Oma immer wieder geflüchtet ist, durchlässiger für die Realität - die Grenzen verwischen, die Geschehnisse verweben sich miteinander, der heilsame Schutz der Märchen vor unheimlichen Wahrheiten löst sich allmählich auf und lässt Elsa so in der Realität ankommen.

    Die Menschen müssen ihre Geschichten erzählen können, Elsa. Sonst ersticken sie.

    Nachdem ich von Fredrik Backmans Debüt 'Ein Mann namens Ove' wirklich begeistert war, war ich sehr gespannt auf das zweite Buch des Autors. Und ich wurde zu meiner großen Freude auch diesmal nicht enttäuscht. Zwar war es etwas gewöhnungsbedürftig, dass immer wieder Episoden aus dem Märchenreich Miamas eingefügt waren, doch erschloss sich die Funktion und Bedeutung dieser Einschübe zunehmend im Laufe der Erzählung. Eine kindgerechte und poetisch-metaphorische Ebene, um mit Lebenskrisen besser umgehen zu lernen, und insofern ein passender Schachzug des Autors. Und da ich Märchen immer schon mochte, empfand ich diese Episoden auch keineswegs als störend.

    Elsa schüttelt den Kopf und hält das Buch gut fest. 'Nein', lügt sie. Denn sie ist höflich genug zu wissen, dass du, wenn dir jemand ein Buch schenkt, es der Person schuldig bist, so zu tun, als würdest du es noch nicht kennen. Denn das wirkliche Geschenk ist das Leseerlebnis und nicht das Buch selbst. Das ist nun wirklich Basiswissen von gutem Benehmen, wenn man kein Schlaumeier ist.

    Die Charaktere waren wieder einmal besonders und sehr liebevoll gezeichnet. Elsa und ihre Oma konnte ich trotz ihres anarchischen und oft rechthaberischen Verhaltens rasch ins Herz schließen, und nach und nach schlich sich noch die ein oder andere Figur hinzu, wenn sie sich erst einmal deutlicher präsentierte. Erst im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, was die einzelnen Menschen auszeichnet, was sie erlebt haben und in welchem Verhältnis sie zu Elsas Oma standen. Und Elsa lernt, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt im Leben, dass es nicht nur Superhelden und Opfer gibt und dass Menschen vielschichtig sind und es sich immer lohnt, den Kern des anderen zu ergründen. Elsa versöhnt sich allmählich mit dem Leben.

    Elsa beschließt, dass sie Menschen, die sie eigentlich mag, die aber früher mal Mistkerle gewesen sind, trotzdem wieder versuchen sollte zu mögen. Es bleiben nämlich nicht sehr viele übrig, wenn man jeden disqualifiziert, der irgendwann einmal ein Mistkerl gewesen ist.

    Ein Buch, das erst einmal fast wie ein Kinderbuch à la Astrid Lindgren daherkommt, sich aber schnell als ein warmherziges Buch für Erwachsene herauskristallisiert. Gekonnt lässt der Autor den Leser so an Elsas Schmerz, ihrer Trauer und ihrer Wut teilhaben und sie auf ihrem Weg zurück ins Leben begleiten, lässt einen manchmal fast in derselben Sekunde lächeln und gleichzeitig schluchzen. Abgesehen von ein paar Längen in der Mitte des Buches war auch das zweite Werk Fredrik Backmans für mich wieder ein ganz besonderes Erlebnis.

    Eine warmherzige Geschichte, witzig erzählt mit durchaus nachdenklichen Tönen - und eine große Hymne auf das Recht, anders zu sein. Ein einfühlsames, stellenweise melancholisches und zugleich ungeheuer komisches Buch voller überraschender Wendungen. Ein Buch, das berührt, zum Nachdenken anregt und auf eine besondere Weise wunderbar lustig ist. Mit einer solchen Oma an seiner Seite schafft man alles!

    Mit anderen Worten: nur zu empfehlen!

    © Parden

  1. 4
    31. Mär 2016 

    Elsa und Oma

    Elsa ist fast acht und anders, ihre Oma ist 77 und auch anders. Oma erzählt Elsa die besten Märchen der Welt. Elsas Welt verändert sich, ihre Mutter bekommt ein Kind von ihrem neuen Lebensgefährten. Elsa hat keine Freunde, weil sie anders ist. Aber Elsa ist gut im rennen und wenn sie irgendwie mal einen Kratzer oder einen blauen Fleck hat, kann sie sich tolle Erklärungen ausdenken. Sie will nicht, dass ihre Mutter so genau weiß, wie die anderen Kinder, die nicht anders sind, sie behandeln. Elsa wohnt in einem Haus voller seltsamer Nachbarn. Es könnte ein Schloss sein, in dem man eine Schatzsuche veranstalten kann.

    Das erzählt von einer besten Oma, die keine ganz so gute Mutter war. Sie war Ärztin als von Frauen noch etwas ganz anderes erwartet wurde, sie rettete Menschen aus aller Welt in aller Herren Länder. Da hatte sie nicht so viel Zeit für ihre Tochter. Aber für ihre Enkelin hat sie Zeit, ihr erzählt sie die Märchen der sechs Königreiche, mit ihr macht sie Faxen, die man keiner Oma zutrauen würde. Oma ist nur von außen alt. Elsa ist reif für ihr Alter, auf viele Dinge kommt sie von selbst. Eine Schatzsuche ist genau das Richtige für sie. Sie lernt, dass seltsame Nachbarn herzzerreißende Geschichten haben können, spannende Geschichten, gefährliche Geschichten, Liebesgeschichten.

    Ein Märchenbuch für Omas und Enkelinnen und alle dazwischen. Die pfiffige Elsa wird man schnell ins Herz schließen. Und nach und nach wird es einem mit den meisten weiteren Personen ebenso gehen. Omas sind manchmal bessere Omas als sie Mütter waren. Das ist wie eine zweite Chance. Vielleicht sind Enkelinnen manchmal auch bessere Enkelinnen als Töchter. Doch für alle, auch die Mütter, Väter und Söhne besteht die Chance in dieses Buch einzutauchen und mit Elsa auf Schatzsuche zu gehen und das Beste zu finden, was es gibt. Was das ist wird jeder selbst herausfinden, der sich mit offenem Herzen auf die Suche macht.
    4,5 Sterne

  1. 5
    28. Aug 2015 

    Anarchie und Herzenswärme...

    Elsa ist sieben Jahre alt (fast acht, wie sie immer betont), und ihre beste Freundin ist Oma. Mit Oma ist es nie langweilig - Oma erzählt Geschichten, vertreibt Monster, schläft mit Elsa im Kleiderschrank, wo es sicher ist, und tut auch sonst allerhand verrückte Dinge. Elsa und Oma sind unzertrennlich. Sie haben eine geheime Sprache, die nur sie beide sprechen, können sich ganz wunderbar streiten - und akzeptieren sich gegenseitig unbedingt und ganz und gar. Etwas, das anderen Menschen in ihrer Umgebung oft nicht leicht fällt.
    Denn Oma ist irgendwie - dysfunktional. Sie handelt oft nicht, wie andere es von ihr erwarten, hat Probleme im Umgang mit Regeln, Rollen und Autoritäten, sagt was sie denkt, raucht überall ohne Rücksicht auf Verbote, spielt World of Warcraft, mogelt beim Monopoly und haut ständig aus dem Krankenhaus ab. Immer, um etwas mit Elsa zu unternehmen. Für Elsa hat Oma ein ganzes Märchenreich erfunden, in das Elsa sich zurückziehen kann, wenn sie Ärger mit Mama hat oder vor den Mitschülern flüchten muss, die sie wieder einmal drangsalieren. Denn auch Elsa ist anders. Sie ist wirklich schlau, sehr belesen, und was sie nicht weiß, liest sie bei Wikipedia nach. In einer Wörterdose sammelt sie komplizierte Wörter, und Elsa ist Harry Potter Fan. Wenn Elsa mit Oma zusammen ist, ist jedenfalls alles gut. Oma beschützt sie vor allem und bringt ihr bei, dass es gut ist, anders zu sein, und dass man sich nicht unterkriegen lässt.

    Wenn man dat Schlechte nich wechkricht, dann muss man viel Gutes drüberkippen...

    Und es ist gut, dass es Oma gibt. Denn irgendwie wackelt alles in Elsas Leben. Ihre Eltern haben sich scheiden lassen, und ihren Papa sieht sie nur an jedem zweiten Wochenende. Ihre Mama arbeitet im Krankenhaus und ist wenig zu Hause, und Mamas neue Lebensgefährte, George, wird nun auch bald Papa, und zwar von Elsas Halbgeschwisterchen. Wer weiß, wie es wird, wenn das Halbe erst einmal auf der Welt ist. Will Mama dann überhaupt noch etwas von ihr wissen? Und in der Schule hat sie täglich Streit - die anderen Schüler jagen sie und versuchen sie ständig zu drangsalieren. Und der Direktor sieht in ihr den Störenfried, denn Elsa ist in seinen Augen zu wenig angepasst. Da ist es gut, dass Oma ihr Halt gibt und sie daran hindert, ihr Anderssein aufzugeben.
    Blöd nur, dass Oma eines Tages plötzlich stirbt und Elsa nun allein vor den ganzen Problemen steht. Und dass Elsa ihre nun Oma unglaublich, unheimlich, unsagbar schlimm vermisst. Doch Oma wäre nicht Oma, wenn sie das nicht vorhergesehen hätte. Und Elsa eine letzte Aufgabe hinterlassen hat: sie soll das Schloss und ihre Freunde beschützen.

    Nicht alle Monster sehen aus wie Monster. Es gibt auch welche, die ihre Monster in sich tragen...

    Das Schloss? Und ihre Freunde? Sie hat gar keine Freunde. Doch sie überbringt den ersten von einer Reihe von Briefen, die ihren Weg irgendwie zu Elsa finden. Briefe von Oma an alle möglichen Menschen in Elsas Mietshaus, in denen sie einen letzten Gruß hinterlässt und sich für vieles entschuldigt. Während Elsa fleißig Briefe verteilt, lernt sie eine Menge über andere Menschen, findet tatsächlich neue Freunde und vervollständigt damit den Lebensplan ihrer Großmutter. Doch Elsa bekommt auch einen differenzierteren Blick auf ihre Oma, und ja, es ist auch Wut dabei. Wut darüber, dass sie merkt, dass Oma auch für andere Menschen da war, nicht nur für ihre Enkelin. Wut darüber, dass Oma einst eine schlechte Mutter und kaum für Elsas Mama da war. Wut darüber, dass Oma gestorben ist.
    Doch gleichzeitig wird das Märchenreich, in das sie mit Oma immer wieder geflüchtet ist, durchlässiger für die Realität - die Grenzen verwischen, die Geschehnisse verweben sich miteinander, der heilsame Schutz der Märchen vor unheimlichen Wahrheiten löst sich allmählich auf und lässt Elsa so in der Realität ankokmmen.

    Die Menschen müssen ihre Geschichten erzählen können, Elsa. Sonst ersticken sie.

    Nachdem ich von Fredrik Backmans Debüt 'Ein Mann namens Ove' wirklich begeistert war, war ich sehr gespannt auf das zweite Buch des Autors. Und ich wurde zu meiner großen Freude auch diesmal nicht enttäuscht.
    Zwar war es etwas gewöhnungsbedürftig, dass immer wieder Episoden aus dem Märchenreich Miamas eingefügt waren, doch erschloss sich die Funktion und Bedeutung dieser Einschübe zunehmend im Laufe der Erzählung. Eine kindgerechte und poetisch-metaphorische Ebene, um mit Lebenskrisen besser umgehen zu lernen, und insofern ein passender Schachzug des Autors. Und da ich Märchen immer schon mochte, empfand ich diese Episoden auch keineswegs als störend.

    Elsa schüttelt den Kopf und hält das Buch gut fest. 'Nein', lügt sie. Denn sie ist höflich genug zu wissen, dass du, wenn dir jemand ein Buch schenkt, es der Person schuldig bist, so zu tun, als würdest du es noch nicht kennen. Denn das wirkliche Geschenk ist das Leseerlebnis und nicht das Buch selbst. Das ist nun wirklich Basiswissen von gutem Benehmen, wenn man kein Schlaumeier ist.

    Die Charaktere waren wieder einmal besonders und sehr liebevoll gezeichnet. Elsa und ihre Oma konnte ich trotz ihres anarchischen und oft rechthaberischen Verhaltens rasch ins Herz schließen, und nach und nach schlich sich noch die ein oder andere Figur hinzu, wenn sie sich erst einmal deutlicher präsentierte. Erst im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, was die einzelnen Menschen auszeichnet, was sie erlebt haben und in welchem Verhältnis sie zu Elsas Oma standen. Und Elsa lernt, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt im Leben, dass es nicht nur Superhelden und Opfer gibt und dass Menschen vielschichtig sind und es sich immer lohnt, den Kern des anderen zu ergründen. Elsa versöhnt sich allmählich mit dem Leben.

    Elsa beschließt, dass sie Menschen, die sie eigentlich mag, die aber früher mal Mistkerle gewesen sind, trotzdem wieder versuchen sollte zu mögen. Es bleiben nämlich nicht sehr viele übrig, wenn man jeden disqualifiziert, der irgendwann einmal ein Mistkerl gewesen ist.

    Ein Buch, das erst einmal fast wie ein Kinderbuch à la Astrid Lindgren daherkommt, sich aber schnell als ein warmherziges Buch für Erwachsene herauskristallisiert. Gekonnt lässt der Autor den Leser bzw. Hörer so an Elsas Schmerz, ihrer Trauer und ihrer Wut teilhaben und sie auf ihrem Weg zurück ins Leben begleiten.

    Souverän und in angemessener Betonung liest Heikko Deutschman die Geschichte in der ungekürzten Lesung von 14 Stunden und 11 Minuten und lässt einen manchmal fast in derselben Sekunde lächeln und gleichzeitig schluchzen. Abgesehen von ein paar Längen in der Mitte des Buches war auch das zweite Werk Fredrik Backmans für mich wieder ein ganz besonderes Erlebnis.

    Eine warmherzige Geschichte, witzig erzählt mit durchaus nachdenklichen Tönen - und eine große Hymne auf das Recht, anders zu sein. Ein einfühlsames, stellenweise melancholisches und zugleich ungeheuer komisches Buch voller überraschender Wendungen. Ein Buch, das berührt, zum Nachdenken anregt und auf eine besondere Weise wunderbar lustig ist. Mit einer solchen Oma an seiner Seite schafft man alles!

    Mit anderen Worten: nur zu empfehlen!

    © Parden

 

Das dritte Königreich

Buchseite und Rezensionen zu 'Das dritte Königreich' von Karl Ove Knausgård
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das dritte Königreich"

Die Tage sind endlos lang in diesem Sommer in Norwegen, und die Hitze ist schier unerträglich. Die Welt scheint irgendwie still zu stehen, und als Erstem fällt dies Syvert, dem Bestatter, auf. Immer mehr Tage vergehen, ohne dass Todesfälle gemeldet werden. Wie kann das sein? Viele Fragen hat auch die neunzehnjährige Line, die sich in Valdemar, den Frontmann einer sagenumwobenen Band, verliebt. Sie wird in eine geheime, faszinierende Welt hineingezogen, die sie aber auch ängstigt und an die Grenzen des Verstehbaren bringt. Dies wiederum hat sie mit dem Polizisten Geir gemeinsam, der in einem makabren Dreifachmord ermittelt und über die vermeintlich abwegige Theorie, die er am Ende aufstellt, mit niemandem sprechen kann. Ist es letztlich die fragile Künstlerin Tove, die mehr versteht als die anderen? Sie erschafft Bilder, die von den untergründigen Strömungen aus Sexualität und Tod in den Volksmärchen inspiriert sind. Eines Tages hört sie eine Stimme, die zu ihr spricht – und ihr etwas abverlangt. „Das dritte Königreich“ ist Teil der großangelegten Romanreihe „Der Morgenstern“, die Leser und Kritikerinnen in der ganzen Welt begeistert. Auslöser der Geschichte ist das plötzliche Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel. Unter diesem Stern leben die Menschen ihre Leben wie früher, während sich die Welt um sie herum langsam verändert. Es geht um das, was wir nicht verstehen, um das große Drama, betrachtet durch die Linse des kleinen Lebens, und es geht darum, was geschieht, wenn die dunklen Kräfte in der Welt freigesetzt werden

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:656
EAN:9783630877105
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Rezensionen zu "Das dritte Königreich"

  1. Pendeln zwischen den Welten

    Die Morgenstern-Reihe ist keine einfache Reihe, aber das soll sie ja auch nicht sein. Hier nun der dritte Band, der auch die Drei im Titel trägt. Ich überlege gerade, welche der genannten Personen die unheimlichste ist. Sicher Tove. Sie überschreitet die Grenzen am deutlichsten. Aber was ist schon normal? Und was bedeutet überhaupt der Morgenstern? Wie es wohl wäre, nur für – sagen wir mal – eine Woche in Herrn Knausgårds Haut zu stecken? Kennt er solche Figuren, wie die, die in seinen Büchern vorkommen? Oder denkt er sich die aus? Möglicherweise ist aber beides gleich schlimm.

    Die Kapitelüberschriften tragen die Namen der jeweiligen Ich-Erzähler. Es beginnt und endet mit Tove, der jungen Mutter mit bipolarer Störung. Sie hat drei Kinder. Nannte man diese Störung nicht früher Schizophrenie? Aber das Wort ist wohl aus der Mode gekommen. Toves Befindlichkeiten sind jedenfalls schwer zu ertragen für ihre Umgebung. Und es gibt offensichtlich immer noch keine Medikamente, die anderes können, als dämpfen oder abschalten. (Zeitweilig.) Tove erschafft Kunst aus dem Negativen. Ihr eröffnen sich Portale, real oder irreal, das sei dahingestellt. Und sie begibt sich in Gefahr und stellt aber auch selbst eine Gefahr dar. –

    Zwei andere Protagonistinnen gibt es noch: Line und Kathrine. Line, eine junge Frau, die sich mutig, aber auch naiv, auf höchst gefährliches Terrain wagt. Und Kathrine, eine gestandene Pfarrerin, die ihren Glauben an Gott verliert. Sie bleibt als Einzige seltsam blass und ihre wahren Beweggründe erschließen sich dem Leser nicht wirklich.

    Ob ich Lust hätte, mal in eine der Personen zu schlüpfen, nur für kurze Zeit? Eher nicht. Denn die meisten Männerfiguren hier erscheinen mir auch nicht erstrebenswert. Gaute: Der krankhaft eifersüchtige Lehrer, Ehemann von Kathrine? Nein, danke.

    Oder Helge zu verkörpern? Den Architekten, der seit drei Jahren „leer“ ist und dem nichts mehr einfällt? Ebenfalls nein danke.

    Jarle, der Gedankenforscher kümmert sich um einen vegetativen Patienten. Aber auch in diese Haut möchte ich eher nicht, denn hat er nicht seine beste Zeit bereits hinter sich?

    Der Polizist Geir erlebt den Wahnsinn pur und verzweifelt an seinem Auftrag. Lesen ja, gerne und ist spannend, aber drinstecken – nein!

    Bleibt noch Syvert, der Bestattungsunternehmer. Er scheint unter dem Morgenstern arbeitslos zu werden. Das ginge schon! Oh ja, kaufen wir uns ein Segelboot, das schönste auf der Welt und leben dort, wo es sich ausfahren lässt. Aber, wenn niemand mehr stirbt, müsste man eben beruflich umdisponieren.

    Beim Recherchieren habe ich noch Folgendes gefunden: Als »Morgenstern« wird in der Regel der Planet Venus bezeichnet. Weil er kurz vor Tagesanbruch zu sehen ist, steht er als Sinnbild für das kommende Licht Gottes, das die Dunkelheit dieser Welt überwindet. In Offenbarung 22,16 bezeichnet sich der gekreuzigte und erhöhte Christus als Morgenstern. (Quelle: Deutsche Bibel-Gesellschaft)

    Fazit: Die wahre Größe dieses Romanes erschließt sich erst im Nachgang, bei der Wahl der zu vergebenden Sterne. Ich runde dreieinhalb auf vier auf. Ich bleibe auf jeden Fall dabei und ersehne den nächsten literarischen Morgenstern, wenn mir auch die beiden ersten mystischeren Teile etwas besser gefielen.

 

Meeresfriedhof: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Meeresfriedhof: Roman' von Aslak Nore
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Meeresfriedhof: Roman"

Während des Zweiten Weltkriegs wird ein Hurtigrutenschiff mit norwegischen Zivilisten und deutschen Soldaten an Bord von einer englischen Mine getroffen und sinkt. Hunderte Menschen kommen ums Leben, so auch der Unternehmer und Reeder Thor »Store« Falck. Seine Frau, die junge Schriftstellerin Vera Falck, und ihr kleiner Sohn Olav werden wie durch ein Wunder gerettet. Fünfundsiebzig Jahre später geht Vera im Meer schwimmen und kehrt nicht mehr zurück. Mit ihr verschwindet auch das Testament, das sie sich kurz vor ihrem Tod hat aushändigen lassen. Ihr Sohn Olav, der Patriarch der Familie und Vorsitzender der einflussreichen SAGA-Stiftung, macht sich Sorgen: Hat seine Mutter das Testament in letzter Sekunde geändert und den verarmten Zweig der Familie bedacht? Und was hat es mit Veras Memoiren auf sich, die nach Fertigstellung in den 70er-Jahren vom norwegischen Staatsschutz beschlagnahmt wurden? Olavs Tochter Sasha, die bisher immer auf seiner Seite war, ist fest entschlossen, die Wahrheit herauszufinden, auch wenn sie sich gegen ihren mächtigen Vater stellen muss.

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:544
EAN:9783462003963
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Rezensionen zu "Meeresfriedhof: Roman"

  1. Kein Fast - Food - Roman

    Zum Eintauchen, kein Fast-Food-Roman!
    Ein Epos nimmt seinen Lauf -

    Die meisten Genre-Fans haben die Veröffentlichung von Band 1 der Falck-Serie schon mit Spannung erwartet.
    Nun wurde -Meeresfriedhof - endlich am 11. 04.2024 auf dem deutschen Markt veröffentlicht.

    Der Autor
    Aslak Nore war mir bisher unbekannt. Während seines Lebens hat er unterschiedlichste Eindücke von Menschen und deren Verbindungen & Interaktionsradius gesammelt.
    Hiervon kann seine Leserschaft definitiv profitieren.

    Deutsche Übersetzung:
    Dagmar Lendt

    Zum Inhalt
    Es dreht sich um ein Manuskript über einen Schiffsuntergang. Dieser wurde in Norwegen vom Staatsschutz beschlagnahmt und bisher nicht veröffentlicht. Die Autorin Vera Falck, Ehefrau des Reeders verschwindet bei einem Bad im Meer.
    Ihr Testament ist nicht auffindbar. Nun ist ihr Erbe, Sohn Olav Falck sehr besorgt.
    Sollte seine Mutter das Testament geändert und Familienmitglieder des verarmtes Falck - Zweiges bedacht haben?Eine mehrfronten Krise bahnt sich ihren Weg.

    Das Coverbild
    Ein Fjord, ein Schiff und die Nationalfarben, wurden als visueller Wegweiser zum Inhalt des Buches kreiiert.
    - Meine Aufmerksamkeit hatte das Buch sofort -

    Mein persönliches Leseerlebnis

    Aufbau
    Schon allein aufgrund der Gesamt- Seitenzahl vermutete ich, dass die Begebenheiten, Personen und Zusammenhänge viel Raum in dieser Story einnehmen würden.

    Die Erzählung definiert sich durch die Erzähleinteilung in 2 Hauptstränge. Der Eine spielt im Hier und Jetzt.
    Der 2. lässt uns am Schiffsunglück der Hurtigrouten und dessen Folgen im 2. Weltkrieg, teilhaben.

    Wie schon erwähnt hatte ich angenommen, dass der Autor großen Fokus auf den Aufbau legen wird. Und dem ist so.
    Es werden viele Charaktere vorgestellt und von Interaktionen der unterschiedlichen Menschen und Organisationen berichtet.
    Durch diesen Fokus erzielt das Buch ein geringes Momentum und wirkt entschleunigt. Hier muss der Leser wirklich Geduld & Konzentration mitbringen.
    Der ein oder andere Leser wird sich sicher Notizen machen wollen und des Öfteren den Falck - Familien-Stammbaum (im ersten Buch veröffentlicht) zur Orientierung heranziehen.
    Spannung /Thrill
    Spannung entsteht mit der Fortentwicklung der Geschichte.
    Allersdings nicht im üblichen Genreumfang. Aufgrund der Thriller-Zuordnung, wurden im Vorfeld leider falsche Erwartungen zu den erwartbaren Thrill- und Nervenkitzel-Elemente, geschürt.

    Finale/Plot
    Insgesamt entfaltet das Buch seinen Glanz am Schluss.

    Das Finale beantwortet einige der im Buch aufgeworfenen Fragen. Andere bleiben wohl aus strategischen Gründen, im Nebel.

    Die Erzählung hat sich in mein Denken eingegraben und ich erwarte mit Vorfreude, die Folge-Bände.

    Allerdings würde ich das Buch nicht dem Thriller-Genre zuordnen.
    Es ist dafür mit zu wenig Thrill - & Nervenkitzel - Elementen bestückt worden.
    In meinen Augen handelt es im Band 1 der Falck Saga, um einen spannenden, literarischen Kriminalroman. Dieser bezieht seine Spannungmomente aus den Interaktionen der Familienmitglieder und des norwegischen Staates.

    Von mir gibt es sehr gute 4* Lesesterne, für dieses sorgfältig recherchiertes, mit guter Unterhaltung und - Food für Brain - bestücktes Werk.

    Es sei hinzugefügt, dass der erste Band unbedingt vor dem Folgeband gelesen werden sollte. Die Informationen und menschlichen Geflechte sind sicher zum allgemeinen Verständnis & Komplenentiereung des Leseerlebnisses, notwendig.
    Sehr schade finde ich es, dass wir bis Mai 2025, auf eben diesen 2. Band warten müssen.

    ISDN: 978-3462003963
    Seitenzahl: 544
    Verlag: KiWi
    Formate: elektr., Taschenbuch und Hörbuch

 

Verraten

Buchseite und Rezensionen zu 'Verraten' von Jussi Adler-Olsen
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Verraten"

Seit 2007 erobert die Thriller-Reihe um Carl Mørck, Spezialermittler des Sonderdezernats Q bei der Kopenhagener Polizei, und seinen syrischen Assistenten Hafez el-Assad die Bestsellerlisten der Welt. Im ihrem zehnten und atemberaubend spannenden Fall geraten die beiden tief in ein Netz aus Lügen und Geheimnissen und müssen all ihre Kräfte aufbieten, um dem Morden Einhalt zu gebieten. Werden Carl Mørck und sein Team es rechtzeitig schaffen?

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:608
EAN:9783423283526
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Rezensionen zu "Verraten"

  1. Wer hat Carl Mørck verraten?

    Größtenteils gelungener Abschlussband einer spannenden, gut geschriebenen Thrillerreihe mit sympathischen ungewöhnlichen Ermittlern

    Da ist es nun, das Ende der Reihe um das Sonderdezernat Q, der 10. Band, der Abschluss. Es heißt Abschied nehmen von Ermittlern, die dem Leser trotz oder vielleicht wegen all' ihrer Macken ans Herz gewachsen sind: der träge wirkende Chef Carl Mørck, der aber nie locker lässt und unerbittlich und letztlich erfolgreich Fälle löst, sein Assistent 'Assad' mit seinen Kamelwitzen, die etwas durchgeknallte, aber effektiv ermittelnde Rose und der blasse Gordon, der sich immer besser entwickelt.

    Immer wieder wurde in den Vorgängerbänden der Druckluftnagler-Fall erwähnt, der Carl Mørcks Leben so sehr beeinflusst hat und der nie aufgeklärt wurde. Sein Kollege Anker Høyer wurde dabei erschossen und der andere, Hardy, schwerst verletzt. Mørck selber ist immer noch traumatisiert und nun holt ihn der alte Fall wieder ein, aber auf schreckliche Art und Weise: Auf seinem Dachboden wird Høyers Koffer gefunden, den Carl vergessen hatte und in dem man Drogen und sehr viel Geld findet. Mørck wird verhaftet und wegen etlicher Delikte angeklagt. Was es für einen Ermittler bedeutet, mit Kriminellen im Gefängnis mit zu sein, kann man sich vorstellen oder vielleicht auch nicht, denn es wird klar, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet.

    Es kommt erschwerend hinzu, dass sich die meisten von ihm abwenden und dass auch die Presse über ihn herfällt. Nur seine Frau Mona und sein Team halten zu ihm. Dazu kommt Merete (die einige aus dem ersten Fall kennen), die einst von Carl Mørck gerettet wurde und die ihm nun aus Dankbarkeit mit ihrem Team hilft. Auch sein ehemaliger Kollege Hardy, der sich inzwischen durch ein Exoskelett notdürftig bewegen kann, ist mit von der Partie. Sie alle versuchen, Carls Unschuld zu beweisen und herauszufinden, wer die Person ist, die hinter dem Ganzen steckt.

    Das erzählt Adler-Olsen in ständig wechselnden Perspektiven, die einerseits Verwirrung stiften, andererseits Spannung erzeugen. Für mich hätten es einige weniger sein dürfen, was die Geschichte gestrafft hätte. Rose geht es wie mir:
    'Denn irgendwie hatte sie nicht nur den Überblick über die vielen Stränge verloren, die Carls Fall umfasste, sie wusste auch nicht mehr, wie sie alle zusammenhingen' (496).

    Wird es das Team, das sich zur Rettung von Mørck zusammengetan hat, schaffen? Das erzählt Adler-Olsen in sehr spannender Art und Weise mit so manchem Action-Kapitel, das den Leser bis zum Schluss in atemloser Spannung hält.

    Warum ich trotzdem 'nur' 4 Sterne gebe? Einmal das oben Erwähnte: die allzu vielen Nebenhandlungen, die den Leser verwirren und die teilweise nichts zur Lösung oder Klärung beitragen, andererseits das Fehlen von etwas, das der Leser sicher erwartet hat: Assad, Rose und Gordon kommen zu wenig vor, gerade die Personen, die der Leser im Laufe der Reihe ins Herz geschlossen hat.

    Fazit
    Mit dem Druckluftnaglerfall schließt sich der Kreis, aber auch mit der tollen Idee zum Schluss, die hier nicht verraten werden soll. Alles in allem viele spannende Lesestunden, manches aber zu verwirrend, manches zu komprimiert, dazu einige kleinere Ungereimtheiten und Übertreibungen, was aber letztlich dem Hauptfall keinen Abbruch tut.

    Ein guter spannender Abschluss einer lesenswerten Thriller-Reihe.

  1. 3
    09. Mär 2017 

    Spezialkommando

    Zufällig befindet sich Luk Krieger, Mitglied einer Einheit zur Terrorbekämpfung, vor Ort als in einem Berliner Lokal eine Bombe gezündet wird. Sofort beginnen Spezialeinheiten der Polizei mit den Ermittlungen. Dabei wollen sie den Terrorismusexperten Krieger zunächst nicht dabeihaben. Krieger überzeugt die Leitende Kommissarin Cole mit seinen treffenden Analysen. Und schon bald führt eine Spur nach Köln. Das Entsetzliche kann jedoch nicht verhindert werden, in Köln geht eine zweite Bombe hoch. Man hofft allerdings, dem Täter auf der Spur zu sein, doch dieser wirkt sehr gut organisiert und informiert.

    Dieser actionreiche Thriller ist ausgesprochen spannungsgeladen, kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel, man weiß manchmal nicht wo einem der Kopf steht. Fast schon überhöht wirken die beiden zentralen Ermittler Luk Krieger und Anna Cole, einfach zu perfekt vom Aussehen her, von dem Geschick bei den Ermittlungen, von ihrer Charakterstärke und den fehlenden Schwächen. Mit der Schilderung der Anschläge wurde nach Auskunft des Autors eine Idee umgesetzt, die bereits im Jahr 2011 entstanden war und die natürlich vor dem Hintergrund der inzwischen tatsächlich verübten Anschläge eine besondere Aktualität erhalten hat. Die Ereignisse geben dem Buch einen unerwarteten Realitätsbezug. Krieger und Cole machen sich auf den Weg durch Deutschland, um den Attentäter zu stellen und möglicherweise noch Schlimmeres zu verhindern.

    Die Schilderungen des Autors zeichnen sich durch Detailkenntnis aus, die Art und Weise, wie in Behörden gearbeitet wird, erfährt eine Beschreibung, die von einem Insider kommen könnte. Zwar vermisst man manchmal die Aufklärung einiger Hintergründe oder auch eine Information darüber, wie gewisse Dinge durchgeführt wurden. Auch entwicklen die Personen eben weil sie so perfekt sind, nicht so viel Authentizität. Doch viel wird von dem rasanten Fortgang der Entwicklung aufgewogen ebenso von der Unterbreitung einer unerwarteten Wendung, bei der man sich gar keine Gedanken machen möchte, ob Ähnliches auch in der realen Welt geschehen könnte. Man traut einigen zwar einiges zu, aber man wünscht, dass es doch noch ein paar Grenzen geben möge.
    3,5 Sterne

 

Die Zeit im Sommerlicht

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Zeit im Sommerlicht' von Ann-Helén Laestadius
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Zeit im Sommerlicht"

Schweden in den 1950er Jahren. Else-Maj ist sieben Jahre alt, als sie das vertraute Leben im Sámi-Dorf und die wärmende Gegenwart ihrer geliebten Rentiere hinter sich lassen und in ein sogenanntes Nomadeninternat gehen muss. Hier trifft sie auf Jon-Ante, Marge und andere Sámi-Kinder, die wie Else-Maj von nun an all das verleugnen sollen, was sie von der Welt kennen. Allein die gutmütige Erzieherin Anna, eine Sámi wie sie, hält eine schützende Hand über die Kinder. Doch eines Tages verschwindet sie ohne jede Spur. Erst viele Jahre später erfahren die einstigen Schüler die Antwort und mit ihr endlich eine Chance auf Genugtuung – und Heilung.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
EAN:9783455017083
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Rezensionen zu "Die Zeit im Sommerlicht"

  1. Identitätsklau

    Ja, es war ein Identitätsklau, der in den Nomadenschulen in Schweden für die Kinder der Samen stattfand. Alle Kinder von Rentierhaltern mussten im Alter von 7 Jahren ihr Elternhaus verlassen und ein derartiges Internat besuchen. Sie durften nicht mehr samisch sprechen, sondern nur noch schwedisch, bekamen andere Namen – zusammengefasst: sie wurden in eine total andere Kultur gestoßen, sollten ‚umerzogen‘ werden. Ihre Familien sahen sie nur in den Ferien.

    Erschwerend kam die Hausmutter Rita Olsson hinzu: alles Samische hassend und mit einer sadistischen Ader, führte sie das Haus mit sehr strenger Hand. Nicht nur die Kinder, sondern auch das Personal, insbesondere Anna, eine Betreuerin, die den Kindern wohlgesonnen war, hatten unter ihr zu leiden.

    Wir lesen während der Internatszeit in Láttevarri in den 50er Jahren von der fürsorglichen Else-Maj (die ihre zerbrechliche kleine Schwester Sara über alles liebt und sie 4 Jahre später bei deren Schulbesuch beschützen will) und ihrer Freundin Anne-Risten, von Jon-Ante mit seinem später abstehenden Finger, von Marge, vom brutalen Rabauken Nilsa und seinem empfindsamen jüngeren Bruder Aslak,

    In den Jahren 1985 und 86 begegnen wir ihnen wieder und müssen erkennen, welch schlimme psychische Folgen diese Internatsjahre für jeden hatte und wie jeder versucht, mit diesen Traumata umzugehen. Mich hat das tief berührt! (Ich war auch sehr froh, dass die Autorin jedes einzelne Schicksal ausführlich behandelte.)

    Hoch interessant fand ich die Schilderungen von Kultur, Bekleidung, Ernährung usw. der Samen und sehr hilfreich war dabei das Glossar. Noch mehr Brisanz bekam das Buch für mich, als ich im Nachwort las, dass auch die Mutter der Autorin diese Schule besuchen musste.

    Fünf Sterne vergebe ich begeistert für diesen eindrucksvollen Roman und empfehle ihn allen, die neugierig auf andere Kulturen sind.

 

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