»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«

Buchseite und Rezensionen zu '»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«' von Gerhard Hochhuth

Inhaltsangabe zu "»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«"

Diskussionen zu "»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:395
EAN:9783867324366
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Hundert Jahre Revolution

Buchseite und Rezensionen zu 'Hundert Jahre Revolution' von Orlando Figes

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Format:Taschenbuch
Seiten:384
EAN:9783423349154
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Palestine in Israeli School Books

Buchseite und Rezensionen zu 'Palestine in Israeli School Books' von Nurit Peled-Elhanan

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Diskussionen zu "»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«"

Format:Taschenbuch
Seiten:280
Verlag: I.B. Tauris
EAN:9781780765051
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Der Osten

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Osten' von Prof. Dr. Dirk Oschmann
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Osten"

Diskussionen zu "»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
EAN:9783550202346
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Rezensionen zu "Der Osten"

  1. Absolute Leseempfehlung!

    Klappentext:

    „»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.«

    Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und den Osten als Abweichung. Unsere Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden von westdeutschen Perspektiven dominiert. Pointiert durchleuchtet Oschmann, wie dieses Othering unserer Gesellschaft schadet, und initiiert damit eine überfällige Debatte.“

    Selbst nach über 30 Jahren Mauerfall sprechen wir immer noch von Ost und West. Der Ostdeutsche wird gern in gewisse Schubladen gepackt und ja, einige Ostdeutsche sehen sich auch gern darin. Autor Dirk Oschmann ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Uni Leipzig und hat eben dieses Buch verfasst. Der Titel ist recht eindringlich und als Frau, die eben im Osten geboren und aufgewachsen ist, empfand ich diese als unglaublich spannend. Nach beenden des Buches steht für mich definitiv fest: dieses Buch muss gelesen werden und es wird absolut den Weitblick dafür schärfen endlich aus diesem Schubladen-Denken zu entkommen. Oschmann zeigt auf, dass der Westen ebenfalls ein gewisses Klischeedenken mit sich trägt und dies gern mit dem Osten vergleicht. Fest steht, dass unsere Generation sowie die Nachkriegsgeneration zu einer Zeit groß geworden ist, als das Land von einem Weltkrieg wieder aufgebaut werden musste und kurze Zeit später sogar geteilt wurde. Wir waren alle gespalten damals und die Suche nach Heimat, nach Hier-gehöre-ich-hin fehlte bei allen! Wenn man so will wurde nicht nur die politischen Grenzen in Deutschland so neu definiert sondern auch der dort lebende Mensch. Ost und West war nun Realität und diese hielt 40 Jahre lang an. Genau dies bekommt man nicht so ohne weiteres aus den Köpfen der Menschen. Egal ob Ost oder West - diese Situation hat etwas mit uns allen gemacht! Dirk Oschmann packt das alles genau an dieser Wurzel an und zeigt, wie der Osten zu dem wurde, was irgendwie heute wie ein Damocles-Schwert imaginär immer noch über ihm schwebt. Der Ossi wird gern verurteilt aber es muss doch die Ursprungshandlung bzw. das Denken dessen beleuchtet werden warum er so handelt! Autor Dirk Oschmann beleuchtet eindringlich aber er gibt dem Osten dadurch auch keinen Freifahrtschein. Als Ost-Frau empfand ich das alles mehr als gerecht und keineswegs diffamierend. Einerseits ist es nicht nur die Ost-West-Denke sondern auch die Denke zwischen Männern und Frauen. Ost-Männer denken oftmals anders als deren Frauen und sehen das Vergangene auch anders. Im Westen sieht das nicht anders aus. Oschmanns Schreibstil ist eindringlich ja, aber auch oft schwer zu verstehen, da sein Ausdruck sowie seine Wortwahl doch recht wissenschaftlich sind. Nichtsdestotrotz ist bei langsamen Lesen oder Wiederholungen der Sinn schnell erkannt bzw. verstanden. Das trübte etwas den Lesefluss aber tat keinen Abbruch an der Qualität des Textes. Der Autor versucht sich als neutrale aber auch mahnende Stimme und es gelingt ihm von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut.

    Fazit: Dieses Buch gibt genügend Denkanstöße und hallt unheimlich nach, diese Ost-West-Denke gründlich zu überdenken. Als Ost-Frau kann ich dieses Buch klar empfehlen und sagen: Wir sind ein Volk! 4 sehr gute Sterne dafür

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  1. Längst überfällige Betrachtung der Wiedervereinigung...

    Dieses Buch hat eher zufällig den Weg zu mir gefunden, lag es schlichtweg in der örtlichen Bücherei aus und hat mein Interesse geweckt.

    Ich zähle sonst eher nicht zu den extrem politisch Interessierten, allerdings wenn es um Chancengleichheit, Fairness und ähnliches geht, dann bin ich an vorderster Fronst dabei. Dies jedoch meist im Kontext zu Feminismus und Rassismus. Mit meiner Ostidentität habe ich mich bisher als Jahrgang 1985 nicht beschäftigt, jedoch habe ich mich schon sehr oft gefragt warum meine westdeutschen Kollegen so viel selbstbewusster, redegewandter und ähnliches sind, obwohl sie keinen besseren Bildungsgrad haben. Erst durch dieses Buch wurde mir klar, dass es nicht nur an meiner ostdeutschen Erziehung liegt.

    Ich kann nicht gerade behaupten als ostdeutsche Frau benachteiligt zu sein, als Frau ja, aber nicht aufgrund meiner Herkunft. Natürlich wird man mitunter für den eigenen Dialekt belächelt und einmalig hatte ich eine diskriminierende Erfahrung während meiner Ausbildung in Niedersachsen, aber das hatte irgendwie etwas Normales und ich habe es nie in Frage gestellt, genauso wie ich lange nicht die Wiedervereinigung in Frage gestellt habe. Warum auch? Zählte meine Familie ganz und gar nicht zu den Wendeverlierern, genießt das Reisen und andere Goodies, die der Anschluss an die BRD gebracht haben und dennoch ist da so ein kleines Grummeln im Bauch, was ich nie benennen konnte.

    Prof. Dr. Dirk Oschmann findet wahre Worte zu dem was die letzten 30 Jahre passiert ist und wie die Zurückhaltung und Bescheidenheit des Ostdeutschen nicht als etwas Positives gewertet wird, sondern als Makel, denn mit Durchsetzungsstärke hat dies nichts zu tun, wenn man nicht immer an erster Stelle ist und sich nimmt was man glaubt, dass einem zusteht. Dann gilt man schnell als schwach und obendrein dumm dazu. Und wie soll man mithalten können, wenn die finanzielle Situation für viele sehr unterschiedlich ist. Natürlich studiert es sich leichter und man entscheidet sich für einen Master, wenn die Eltern das alles finanzieren können anstatt dass man 3 Jobs neben dem Studium wuppen muss. Bessere Leistungen durch mehr Fokus auf das Wesentliche, das liegt in der Natur der Sache.

    Textlich hat sich das Geschriebene nicht ganz so leicht lesen lassen, weil Oschmann natürlich in erster Linie Professor ist und seine betroffenen Bereiche schildert und dennoch kann man dies gut auf sein eigenes Leben projizieren.

    Erst mit den Jahren und durch Lesen solcher Titel wird mir bewusst, dass im Alltag und in den Medien die Präsens ostdeutschen Denkens nicht auftaucht und einfach keine Rolle spielt. Und wird doch mal etwas erwähnt, so ist dies immer negativ. In meinem Umfeld habe ich zwar nahezu ausschließlich ostdeutsche Freunde, aber davon ist niemand fremdenfeindlich, dumm oder lebt an der Gesellschaft vorbei, so dass Aussprüche "Ossis sind alles Nazis und AFD Wähler" einfach traurig machen.

    Und trotz aller Diffamierung ist bei mir in manchen Bereichen die Faszination für das Ostdeutsche enorm, obwohl ich mich immer als Deutsche, nie als Ossi bezeichnen würde. Wenn ich in Berlin unterwegs bin und noch Reste sozialistischer Kunst sehe wie am "Haus des Lehrers" oder so, dann macht das etwas mit mir. Oder wenn ich alte Ostrezepte wiederverwende, auch dann spüre ich manches Mal mehr als bei weiten Reisen, nämlich eine gewisse Identität und auch Stolz, egal wie groß die Häme andernorts ist.

    Komplett unbekannt war mir jedoch, dass vor allem der ostdeutsche Mann teils mit enormen Problemen zu kämpfen hat, da er mitunter im Vergleich abgewertet wird. Das war mir nie bewusst und dennoch hätte es das sein können, schließlich sind alle wichtigen, bedeutenden Posten in der Firma, in der ich arbeite, nicht nur durch Männer besetzt, sondern durch westdeutsche Männer mit all ihrem Denken und ihren Erfahrungen.

    Fazit: Offen, schonungslos, das musste mal raus. Darf jeder mal als Denkanstoß lesen. Gelungen.

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Sind wir nicht alle ein bisschen Alman?

Buchseite und Rezensionen zu 'Sind wir nicht alle ein bisschen Alman?' von Sineb El Masrar
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sind wir nicht alle ein bisschen Alman?"

Diskussionen zu "»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«"

Format:Broschiert
Seiten:160
Verlag: Verlag Herder
EAN:9783451072321
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Rezensionen zu "Sind wir nicht alle ein bisschen Alman?"

  1. Mit Humor geht alles besser - auch Integration/Partizipation

    Kurzmeinung: Comedy ist es nicht gerade.

    Dieser Text ist ein bisschen was von allem. Ein bisschen Kolumnengequassel, ein bisschen Sprachwurzelsuche, ein bisschen Erfahrungsbericht, ein bisschen Pädagogik, erhobener Zeigefinger und ganz viel good will. Er hat humorvolle Anwandlungen, aber Comedy ist er nicht. Der Beitrag ist insofern dennoch zu begrüßen als er die Gehässigkeit und den Kampf aus der Integrations/Antirassimusdebatte zu nehmen versucht. Und mit Humor geht bekanntlich alles besser.
    Deutsch ist also das Kennen und wenn möglich Schätzen der Sonntagsklassiker Tatort und des ZDF-Langweilers Traumschiff und Rosamunde Pilcher-Verfilmungen. Haha. Obwohl Pilcher ja ziemlich britisch ist. Klar, ist nicht so ernst gemeint von Al Masrar.

    Den Erkenntnis-Zugewinn, den mir „Sind wir nicht alle ein bisschen Alman“ vermittelt, ist, dass es für die nachrückenden Generationen von Migranten nicht mehr so einfach ist, sich gefühlsmäßig „zurück“ zu wünschen ins Heimatland ihrer Eltern/Großeltern. Und wenn doch, ist es entweder nostalgisch oder unehrlich bis unvernünftig. Denn sie sind, mögen sie meckern so viel sie wollen, längst angekommen und haben „dort“ zwar noch Würzelchen, sind aber längst eine Art Alman. Und Alman ist eben divers. In jeder Hinsicht. Manche sind so und manche sind so. Und „dort“ gelten sie längst als Fremdgewächse.
    Natürlich nimmt Sineb Al Masar in ihrem Text auch ein paar mehr oder weniger verrückte Verschwörungstheorien aufs Korn, solche wie die des heimlich angestrebten Bevölkerungsaustauschs und wendet sich auch ernsten Themen wie dem zunehmenden Antisemitismus sowie dem Israelbashing zu und kritisiert das Wahlverhalten der Menschen, die zwar in Deutschland leben, aber mit ihrem Wahlverhalten sich nachhaltig in das Leben dem Menschen z.B. in der Türkei einmischen, ohne dass sie selber von den Konsequenzen betroffen sind. Findet sie blöd. Ich auch.

    Manche früher vorherrschende deutsche Unsitten in Punkto Nichtgastfreundlichkeit mögen einem heute noch das Herz brechen, vor allem, wenn es sich gegen Kinder richtet. Aber diese Unsitten gehören der Vergangenheit an, auch „die Deutschen“ lernen dazu.
    Die Klassifizierung in „Identitäts-Almans“, „Pionier-Almans“, „Phobie-Almans“, „Nudisten-Almans“ und „Postdemokratie-Almans“ ist ein bisschen lustig.

    German-Angst und Kaffeeklatsch, Jogginghose, Pünktlichkeit, Vereinsmeierei, Ehrenamt und Modelleisenbahn und das geliebte Automobil, bescheiden oder protzig – für alles gibt es kurze Einlassungen. Warum auch nicht? Ist es vielleicht sogar das Auto, das uns alle miteinander verbindet? „Autovernarrte finden sich in allen Gruppen und sie sind so alman, wie Alman Autovernarrtheit symbolisieren kann. Es wird geschwärmt, gepflegt, aufgepimpt, gekauft und gefahren, was das Zeug hält. Während Hassan klischeehaft mit seinem tiefergelegten 3-er-BMW-Verbrennungsmotor durch die Stadt röhrt, rast Mareike mit dem SUV zum nächsten Freizeittermin ihrer Kinder.“ In diesem Zusammenhang finde ich die Seitenhiebe auf die Klimakleber erheiternd; aber ich halte es wie die (meisten) Chinesen und fahre Rad. Mir sind insofern Klimakleber wurscht. Ich male ein Plakat „Autobahnen zu Fahrradwegen“. Bitte, Last Generation, macht alle mit, dann werdet ihr mir sogar sympathisch. Aber fliegt nicht heimlich nach Bali. Weil das aus eurem Engagement pure Heuchelei macht.

    Fazit: „Sind wir nicht alle ein bisschen Alman“ ist kein tiefschürfendes Buch. Es macht auf lustig, ist es auch gelegentlich, aber nicht oft, schlägt häufig ernste Töne an. Es ist insofern wertvoll, indem man sich einmal mit Vorurteilen oder Nichtvorurteilen gegenüber dem Mitmenschen und deren Ursachen beschäftigen kann, ohne gleich ein Universitätsstudium zu durchlaufen, um dem Text folgen zu können. Ich fürchte nur, diejenigen, die die Lektüre dringend bräuchten, werden es nicht lesen. Humor hin, Humor her. Zu seiner Verteidigung kann man noch sagen: das Buch ist schön kurz.

    Kategorie: Sachbuch. Sort of.
    Verlag: Herder, 2023

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Schlaraffenland abgebrannt

Buchseite und Rezensionen zu 'Schlaraffenland abgebrannt' von Michel Friedman

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: Berlin Verlag
EAN:9783827014603
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Wartesaal Ankara

Buchseite und Rezensionen zu 'Wartesaal Ankara' von  Reiner Möckelmann

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Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783830535836
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Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen

Buchseite und Rezensionen zu 'Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen' von Jennifer Teege

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Format:Taschenbuch
Seiten:272
EAN:9783499613272
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Falsche Propheten

Buchseite und Rezensionen zu 'Falsche Propheten' von Leo Löwenthal
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Falsche Propheten"

Diskussionen zu "»Ich habe kein ›Klassenbewusstsein‹ – nur Menschenbewusstsein«"

Format:Broschiert
Seiten:253
EAN:9783518587621
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Rezensionen zu "Falsche Propheten"

  1. zeitlos aktuell

    Neuauflage, übersetzt u.a. von meiner Tante Susanne Hoppmann-Löwenthal, die nach dem Krieg in den USA auswanderte. Der bedeutende jüdische Literatursoziologe analysiert die Mechanismen von Demagogen, die damals wie heute mit Fake News rassistische Hetze betreiben - hochaktuell!

    Hier der Klappentext:

    Lautstark schwingen sich selbsternannte Tribunen des Volkes, esoterische »Querdenker« und autoritäre Demagogen zu Verteidigern der demokratischen Ordnung auf, deren Werte sie eigentlich ablehnen. Um Gefolgschaft zu organisieren, schüren sie Ängste vor drohendem Chaos und spinnen Verschwörungstheorien über anonyme Mächte, die das Schicksal der Nation bestimmen. Vorschläge zur Lösung komplexer gesellschaftlicher Probleme sind ihre Sache nicht. Vielmehr verlegen sie sich auf eine aggressive Rhetorik des Kampfes gegen »die Politiker«, »die Linken«, »die Flüchtlinge« und immer wieder: »die Juden«.

    Was sich wie eine Kurzbeschreibung von Aspekten der politischen Kultur unserer Tage liest, ist Gegenstand eines Buches, das vor mehr als siebzig Jahren geschrieben wurde. In Falsche Propheten analysiert Leo Löwenthal Themen und Techniken politischer Demagogie. Er fragt, warum die immergleichen Phrasen und Phantasmen verfangen, legt dar, weshalb dem Agitator so schwer beizukommen ist, und warnt vor Unterschätzung. Denn nicht selten ist die Agitation »Generalprobe fürs Pogrom«. Falsche Propheten ist ein Klassiker der politischen Psychologie. Inwiefern es auch ein Buch für unsere Gegenwart ist, zeigt Carolin Emcke in ihrem Nachwort zu dieser Neuausgabe.

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Über Leben in der Klimakrise

Buchseite und Rezensionen zu 'Über Leben in der Klimakrise' von Milena Glimbovski
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

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Format:Taschenbuch
Seiten:320
EAN:9783548068053
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Rezensionen zu "Über Leben in der Klimakrise"

  1. Zwischen Aktivismus und Klimaangst

    Cover:
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    Das Titelbild zeigt die Autorin mit ernstem Blick in einem Getreidefeld. Im Hintergrund düstere Wolken als Anzeichen auf ein Unwetter. Ich finde, dieses symbolische Foto passt gut zum Titel und erregt beim Betrachter eine gewisse Unruhe und Angst. Ich empfand es als anziehend und wollte mehr zu dem Thema erfahren.

    Inhalt:
    ----------------
    Die Autorin ist Erfinderin und erste Gründerin eines Unverpackt-Ladens in Deutschland. Sie setzt sich auch privat viel mit dem Thema Klimakrise und -schutz auseinander und möchte in diesem Buch Antworten finden, wie wir Menschen es schaffen, den zunehmenden Problemen durch die Klimaerwärmung zu begegnen. Dabei widmet sie sich verschiedenen Aspekten wie u. a. Städtebau, Hochwasserschutz, die Rolle der Landwirtschaft, (Trink-)Wassergewinnung und wie wir es schaffen, resilient den Veränderungen gegenüberzustehen.

    Mein Eindruck:
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    "Noch mal, um das ganz deutlich zu machen: Klimaanpassung ist nicht die Lösung der Klimakrise. Sie ist »nur« unsere Reaktion auf die vom Klimawandel bereits ausgelösten Veränderungen. Und je nachdem, was wir in Sachen Klimaschutz und Anpassung machen, wird sich zeigen, ob wir überleben werden. Oder nicht."

    Die ersten Seiten haben mich gefesselt. Mir dabei die Mischung aus persönlichen Einblicken in Frau Glimbovskis Leben, Fakten zum Klimawandel und mögliche Strategien. Dabei ist das Wortspiel "Über Leben" doppeldeutig. Es geht hier über das Leben in der Klimakrise, aber auch, wie wir buchstäblich "überleben" können als Menschheit.

    "Aktivismus ist die Antwort auf die Frage, was wir tun können für mehr Klimaschutz. Und er ist auch nötig, wenn wir uns dem geänderten Klima anpassen wollen."

    Besonders die Einsichten in das Thema Aktivismus fand ich spannend. Ich stehe diesem Thema kritisch gegenüber. Auch die Autorin selbst mag keine Gewalt, hat aber ein gewisses Verständnis für die Akteure und gehört teilweise selbst dazu (z. B. Besetzung des Hambacher Forsts). Das Thema Gewalt lehnt sie grundsätzlich ab, räumt aber ein, dass Klimaschutz wehtun muss und dadurch das Thema eine Aufmerksamkeit erlangt, die es sonst nicht gehabt hätte. Das hat mich nachdenklich gestimmt. Dass Klimaschutz wehtun muss, sehe ich auch so. Aber manche Aktionen sind m. E. nicht zielführend. Dennoch waren die Interviews mit den unterschiedlichen Aktivisten interessant.
    Ein anderer, im Buch stets wiederkehrender Aspekt war das Thema Anpassung. Es werden Tipps gegeben, wie man sich auf den Ernstfall (Blackout, Wasserknappheit, Hochwasser uvm.) vorbereiten kann. Rudimentär hatte ich mich mit "Preppen" im Kontext mit der Flutkatastrophe beschäftigt, aber hier gab es noch mal praktikable Tipps.
    Die Autorin zieht bei ihren Darstellungen viele andere Quellen hinzu. Es werden Bücher, Filme, Zeitungsartikel, Internetquellen, Podcasts usw. herangezogen, um ihre Ansichten darzustellen. Das empfand ich als bereichernd und zeigte mir, dass sie sehr umfassend recherchiert hat.
    Dass sie zwischen den Fakten persönliche Erlebnisse schildert, lockerte den Text für mich auf und ich konnte mich stellenweise auch mit ihren Gedanken identifizieren. Dabei kommt immer wieder ihre Angst vor der Zukunft im Kontext des Klimawandels zur Sprache. Man merkt daran, wie ihr dieses Buch am Herzen liegt. Sie will damit aufrütteln und die Leser zum Nachdenken anregen, denn einfach so weitermachen wie bisher ist keine Option! Sie geht dabei aber auch auf die psychologischen Aspekte ein und wie man mit Klimaängsten und Ohnmachtsgefühlen umgehen kann.

    Obwohl ich schon einige Dinge wusste, empfand ich dieses Buch durch seine umfassende Herangehensweise an das Thema sehr bereichernd. Der einzige Mangel, für den ich einen Punkt abziehe, ist die Tatsache, dass sich einige Aspekte wiederholen in den einzelnen Kapiteln. Wenn man das Buch nicht chronologisch liest, mag dies ok sein, aber ansonsten sind diese Wiederholungen mit der Zeit etwas anstrengend.

    Fazit:
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    Möglichkeiten, in der Klimakrise zu überleben bzw. ihr vorzubeugen - Mischung aus Fakten und persönlichen Anekdoten

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  1. 4
    14. Aug 2023 

    Guter Einstieg zum Thema Klimawandel und -anpassung

    Das Buch behandelt die aktuelle Klimakrise. Es geht hierbei nicht nur um Prävention, sondern auch um die inzwischen unvermeidbare Anpassung an ein neues Klima.

    Den Anfang des Buches fand ich recht irrelevant. Es wurden viele allgemeine Punkte wieder hochgekaut, die meiner Meinung nach den meisten Menschen bekannt sind. Der Schreibstil des Buches war größtenteils gut verständlich, mir persönlich an manchen Stellen aber zu anekdotisch.
    Die zweite Hälfte des Buches war dann aber wirklich interessant. Die Autorin stellt sehr interessante Konzepte vor, wie Schwammstädte und alternative Formen der Landwirtschaft, die entgegen der üblichen industriellen Landwirtschaft besser autark funktionieren und auch besser mit Klimaschwankungen umgehen können.
    Was ich auch besonders spannend fand, waren die Beschreibungen der Autorin zu ihrer Zeit in Lützerath. Das war sehr erschreckend und sehr zugänglich.
    Das Buch enthält auch viele interessante Literaturempfehlungen, die wirklich lesenswert zu sein scheinen.
    Der Text macht ängstlich und wütend, aber daran ist die Autorin nicht Schuld, denn sie ist nur diejenige, die die Umstände noch einmal vor Augen führt, die für diese Gefühle verantwortlich sind.

    Ich kann für das Buch keine generelle Empfehlung aussprechen, da es ganz klar darauf ankommt, auf welchem Wissensstand die lesende Person selbst ist. Für Leute, die sich bis jetzt wenig über den Klimawandel informiert haben, lohnt sich das Buch meiner Meinung nach. Bei Menschen, die schon etwas mehr Wissen auf dem Gebiet besitzen, lohnt es sich nur dann, wenn die einzelnen Themen im zweiten Teil auf Interesse stoßen.

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  1. Klimaresiliente Gesellschaft

    Über (das) Leben und Überleben. Eine Doppeldeutigkeit mit Schwerpunkt über das Leben, so interpretiere ich die Setzung der Grossbuchstaben. Wer hier also das Xte Buch über Klimawandel erwartet wird enttäuscht. Oder doch nicht?
    Milena Glimbovski schreibt auf eine sehr persönliche Art über den Klimawandel, die Klimakrise. Sie vermischt eigenen Gedanken und Erfahrungen, auch aus ihrem Privatleben, mit Information und Fragestellungen. Gerade dadurch wird das Buch so authentisch.
    Es liegt eine Inhaltsangabe vor, bei manchen Themen kann man sich vorstellen worum es geht, bei anderen keine Ahnung. Dies ist für mich ganz subjektiv fast, aber nur fast!, ein Grund für einen Sterneabzug. Es ist schwierig an dem Buch dran zu bleiben und man liest es am besten gezielt stückchenweise. Nicht zwingend in der Kapitelreihenfolge.
    Als Leitfaden der Intention des Buches empfinde ich die klimaresiliente Gesellschaft. Eine Prise wie kann man was noch verhindern, etwas von nicht alles was gemacht wird ist folgerichtig, viel Information ( echte und hypotetische ) und ist das jetzt das neue Normal?
    Wer versteht schon, dass das Austrocknen von Seen und Mega-Überschwemmungen die gleiche Ursache haben können.
    Manches, was ich als Information schon abgespeichert hatte, wurde mir sehr anschaulich erklärt. Zum Beispiel warum der Meesersspiegel steigt.
    Ein Focus liegt auch auf der Tatsache, das unsere Berechnungsmodelle nur hypotetisch sind. Wer daraus den Schluss ziehen will, das wird ja gar nicht so schlimm liegt falsch. 'Es kommt eher, schlimmer und es gibt keine Blauspause dafür.
    Ab und zu findet sich auch eine Prise (Galgen?)humor: Weltuntergang - heute zwei zum Preis von einem.
    In kleineren Kapiteln gibt es auch mal eine Filmbesprechung oder sogar ein Gedicht. Auch sehr erholsam, aber ungewöhnlich für ein Sachbuch.
    Auch das Thema Gewalt im Protest klammert Milena Glimbovski nicht aus. Diskreditiert Gewalt die langjährige Arbeit der Umweltbewegung? Militanz und Sabotage sollten als Symbol aufrütteln, nie gegen Menschenleben gerichtet sein. Aber ist das nicht auch eine Form von Notwehr?
    Am wichtigsten fast ist der Schluss der Buches. Muss ein solches Buch per se ein Art Happy End haben? Der Leser darf ja nicht verwirrt und verängstig zurückgelassen werden. Schlimmstenfalls gibt er auf, bestenfalls stellt er nun mehr Fragen, fordert mehr und wird unbequemer. Das ist die Hoffnung der Autorin.

    Meine Hoffnung ist, dass es auf irgendeine Art mehr Information gibt zu dem Thema für die grosse Masse der Menschen, die nie zu so einem Buch greifen würden und wie es menschentypisch ist, die bequemste Information für glaubwürdig halten.

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