Allmen und Herr Weynfeldt

Buchseite und Rezensionen zu 'Allmen und Herr Weynfeldt' von Martin Suter
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3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

In einer Bar begegnet Allmen einem kultivierten Herrn seines Alters – Adrian Weynfeldt. Der Name ist dem Kunstdetektiv selbstverständlich ein Begriff. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft. Als Weynfeldt kurz darauf bemerkt, dass ein Bild in seiner Sammlung fehlt, schaltet er Allmen ein. Weynfeldts bunter Freundeskreis gibt sich zugeknöpft. Nur die Kunstbuchhändlerin will reden. Doch bald schon kann sie das nicht mehr. Allmen steht vor seinem ersten Mordfall.

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: Diogenes
EAN:9783257072792
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Rezensionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

  1. Entspannende Feierabend-Lektüre

    REZENSION – Mit „Allmen und Herr Weynfeldt“ erschien im März beim Diogenes Verlag bereits der siebte Band der beliebten Krimireihe des Schweizer Schriftstellers Martin Suter (76), die 2011 mit „Allmen und die Libellen“ begann und deren erste drei Bände mit Heino Ferch für das Fernsehen verfilmt wurden.
    Schon der Name Johann Friedrich von Allmen, mit dem sich der über 40-jährige Hans Fritz von Allmen gern vorstellt, um dann in gespielter Bescheidenheit anzufügen „Allmen reicht“, zeigt das Motiv „Mehr Schein als Sein“ des kunstverständigen und belesenen Hochstaplers, der seiner Umwelt den längst verlorenen Reichtum weiterhin erfolgreich vorgaukelt. Trotz Zwangsverkaufs seiner Villa lässt er sich in deren Gartenhaus mit umgebautem Treibhaus unverändert von dem ihm ergebenen Diener Carlos und dessen Ehefrau Maria als Haushälterin umsorgen. „Reichtum misst man nicht daran, wie viel Geld man hat, sondern daran, wie viel Geld man ausgibt“, ist Allmens Motto. Zur notwendigen Auffrischung der Haushaltskasse übernimmt Allmen – „Ich bin kein Detektiv. Ich bin eher ein Künstler.“ – mit seiner Firma Allmen International Inquiries hin und wieder lukrative Aufträge zur Auffindung gestohlener Kunstobjekte. Gleichberechtigter Partner ist Carlos, der seinem auf zu großem Fuß lebenden Patron immer mal ein paar Geldscheine „zur Festigung seiner Kreditwürdigkeit“ zustecken muss. Doch letztlich ist Maria als Finanzchefin des Unternehmens diejenige Person dieses ungewöhnlichen Trios, die sämtliche Fäden in der Hand hält und als einzige zur rechten Zeit die richtige Idee hat.
    Eines Abends trifft Allmen in einer Bar einen kultivierten Herrn ähnlichen Alters – den Kunstsachverständigen und Sammler Adrian Weynfeldt. Als dieser Tage später bemerkt, dass in seiner Wohnung ein Bild fehlt, beauftragt er Allmen mit der Suche. Anfangs schließt Weynfeldt seinen engeren Bekanntenkreis, mit dem er sich statt wie üblich im Restaurant nur wenige Tage zuvor erstmals in seiner Wohnung im Obergeschoss eines Bankhauses getroffen hat, als Tatverdächtige grundsätzlich aus. Bevor die Kunstbuchhändlerin Karin Winter, die diesem Kreis angehört, Allmen etwas Wichtiges mitteilen kann, kommt sie bei einem Treppensturz zu Tode. Jetzt sind alle verdächtig. Allmen hat seinen ersten Mordfall.
    Im neuen Krimi lässt Suter die Figur des Adrian Weynfeldt wieder aufleben, Hauptfigur aus dessen bereits 2008, also noch vor dem Allmen-Krimis veröffentlichten und 2010 verfilmten Roman „Der letzte Weynfeldt“. Amüsant zu lesen ist nun das Zusammenspiel dieser beiden Protagonisten – Weynfeldt tatsächlich reich, Allmen nur scheinbar. Um dieses „Spiel“, das Allmen einiges abverlangt, geht es eigentlich im Roman, während die Suche nach dem Gemälde zur Rahmenhandlung verblasst.
    Dennoch kann der neue Band nicht so recht überzeugen: Wieder und wieder erfahren wir von den Eigenarten des scheinreichen Lebemannes, die doch inzwischen bestens bekannt sind. Es fehlt das Neue, das Überraschende. Mag auch das Auftreten der früheren Romanfigur Adrian Weynfeldt im Allmen-Krimi vielleicht überraschen, ist aber auch über diese Figur in „Der letzte Weynfeldt“ schon alles gesagt, so dass es im neuen Allmen-Band, in dem Suter sogar Weynfeldts Freundin Lorena und den mittellosen Kunstsammler Rolf Strasser erneut auftreten lässt, bei bereits Bekanntem bleibt.
    Bei Suter nichts Neues? „Allmen und Herr Weynfeldt“ ist wie die früheren Bände mit leichter Hand locker geschrieben, doch intellektuell nicht gerade überfordernd. Der Roman genügt als entspannende Feierabend-Lektüre. Man muss also schon ein bedingungsloser Fan des Autors und seiner Krimis sein, um dem siebten Band etwas Besonderes abgewinnen zu können.

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Hässlichkeit

Buchseite und Rezensionen zu 'Hässlichkeit' von Moshtari Hilal
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Hässlichkeit"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
EAN:9783446276826
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Rezensionen zu "Hässlichkeit"

  1. Gedichte. Informationen. Erfahrungen.

    Kurzmeinung: Geht schon unter die Haut, irgendwie.

    „Hässlichkeit“ von der Autorin und Künstlerin Moshtari Hilal, ist ein verstörendes Buch. Um einen Roman handelt es sich keinesfalls und ein Sachbuch ist es ebenfalls nicht. Essay trifft es als Gattung wohl am ehesten; obwohl es künstlerische Anteile hat, Fotografien, lyrische und bildgebende Werke der Künstlein herself. Die Gedichte und die Fotos sprechen mich gleichermaßen leider nicht an bis auf eine kleine Fotoreihe mit Selbstbildnissen der Autorin, sozusagen „frühe Automatenfotos“, für die sie in ihrem Umfeld mit "Pferdefresse" beschimpft wird.
    Die Autorin geht von eigenen diskriminierenden Erfahrungen bezüglich ihres Äußeren, also ihrer Körperbeschaffenheit aus; sie wurde schon als junges Mädchen verspottet wegen einer großen Nase und zu starker dunkler Körperbehaarung. Allerdings, das ist Fakt, hänseln Jugendliche einander immer wegen irgendwas.
    Ich mag den Dialog im Buch:
    Junger Mann: „Du hast Haare in der Nase.“
    Junges Mädchen: „Du auch“.
    Freilich geht der Dialog unerfreulich weiter: „I c h bin ein Mann“.
    Davon handelt der Essay. Davon, wie das Aussehen von Frauen durch Männer festgelegt wurde und wird, die Frau ist ein Objekt männlichen Begehrens und männlicher Gestaltungsmacht. Das Buch handelt davon wie Frauen zu sein haben, um dem männlichen Auge zu gefallen. Und wie doof das ist. Nein, wie schlimm das ist. Wie entwürdigend das ist. Und wie sehr wir Frauen uns dies bewusst machen sollten und uns von dem Zwang „schön sein zu müssen“ befreien sollten. Aber nein. Davon handelt der Essay leider gar nicht. Letztgenanntes sind nur die Schlussfolgerungen, die aus Vorgenanntem zu ziehen wären, die die Autorin aber gar nicht zieht, im Gegenteil, sie unterwirft sich dem gängigen Schönheitsideal, eifert ihm nach mit allerlei kosmetischen Hilfsmitteln und leidet darunter, dass sie diesem Ideal nicht entspricht. Jedenfalls in ihrer Jugend, heute mag das anders aussehen!
    Die besagten Automatenfotos zeigen nämlich ein dunkelhaariges junges Mädchen mit markantem Profil, sehr attraktiv, sehr apart, aber nicht hübsch im landläufigen Sinne. Nicht puppenhübsch, Hilal ist keine Barbie. Aber wer will eine Barbie sein? Wieso haftet ein so entfremdetes Selbstbild an der Autorin, wieso glaubt eine so offensichtlich aparte Erscheinung an die eigene Hässlichkeit? Wem glaubt sie, was ihre Person angeht? Wieviel Druck auf den weiblichen Körper übt die kapitalistische Gesellschaft aus? Wer definiert eigentlich, was Schönheit und was Hässlichkeit ist? In Hilals Fall ist es sogar die eigene Familie, die Druck ausübt, weil sie die Puppenschöheit als Ideal verinnerlicht hat.
    Im Einzelnen und Besonderen geht es um Diskriminierung wegen einer zu großen Nase und starker dunkler Körperbehaarung. Fände man die Thematik lustig und denkt man, hei, vielleicht ist die junge Frau ein wenig zu sensibel, vergeht einem das Lächeln, wenn die Autorin in sachbuchartigen Anteilen über ihre eigene Geschichte hinaussieht und den Blick des Lesers in die Historie lenkt. Die Geschichte der Medizin, also die Medizinhistorik ist voller grauenhafter Vorkommnisse. Die Geschichte der Gesichtsplastik also der Wiederherstellungschirurgie und der Schönheitschirurgie ist davon nicht ausgenommen. Auch darüber schreibt die Autorin. Anekdotenhaft. Nicht repräsentativ. Trotzdem erschütternd. Skandalös.
    Zudem informiert der Essay über die Ausbeutung der Frauen durch die Kosmetikindustrie, des weiteren über Ausgrenzung wegen Krankheit, über Ausgrenzung wegen Sterbens und der Einsamkeit des Todes. Und über die Ausnutzung und Ausbeutung des Körpers über den Tod hinaus, den Voyeurismus an den Toten im Dienste von Kunst und Wissenschaft.

    Der Kommentar:
    Die Mischung des Essays, Erfahrungsbericht, Sachbuchanteil, Fotos, Lyrik, macht das Ganze trotz des emotionalen Themas leicht zu ertragen, bewirkt aber auch Befremden, da man einerseits bei den Erfahrungen der Protagonistin bleibt (Nase, Haare), andererseits über sie als Person kaum etwas erfährt. Man will aber mehr erfahren. Was ist das für ein Mensch? Wie wird er fertig mit dem, was ihm widerfährt? Wie hält er stand oder bricht er? Diese Auseinandersetzung würde einen Roman ausmachen. Die bloße Aufzählung im Sachbuchbereich von Nase, Haare, Krankheit, Tod ist gelinde gesagt eine seltsame, willkürliche Auswahl. Was ist mit großen Füßen, mit Kleinwuchs oder Übergewicht? Was ist mit übermäßigem Schweißgeruch? Was ist mit Haarlosigkeit? Kleine Brüste, große Brüste, Magersucht?

    Dass Äußerlichkeiten der Anlaß für Ausgrenzung sind und sein können, ist wohl unbestritten. Alles, was anders ist, ist fremd. Und auf das Fremde reagiert man befremdet. Die Autorin verkürzt jedoch die Ursachen von Körperdiskriminierung auf das Erbe des Kolonialismus. Mit anderen Worten, „die Weißen sind schuld“. Oder der Westen. Dabei ist die Ursache wohl eher in weltweiter Misogynie zu finden. In China wurden den Frauen die Füße gebunden, in Afrika wurden/werden Holzteller in Lippen gesetzt und Halsringe verlängern einen weiblichen Hals wie den Hals einer Giraffe und dürfen zu Recht Folter genannt werden.
    Die Verkürzung darauf, dass an allem der Kolonialismus schuld sein sollte, ist schade und erinnert an die übliche Tirade "ihr seid die Bösen". Natürlich hatte der Kolonialismus seinen Anteil, denken wir an die Verpönung jüdischer Nasen. Aber auch irische Nasen standen nicht hoch im Kurs. Jede Nation hat einen anderen Schönheitskult! Schönheit/Hässlichkeit und sein gesellschaftlicher Kontext ist im weitesten Sinne immer auch eine politisch brisante Thematik. Wer und was prägt unser Selbstbild? Wer darf mein Selbstbild prägen und im weitesten Sinne mein Selbstwertgefühl? Es ist auch meine eigene Verantwortung, welchem Diktat ich mich unterwerfe, wem ich erlaube, Werte für mich zu setzen.

    Dennoch ist es wichtig, sich neu bewusst zu machen, welche Industrien an dem Körperbild der Frauen (aber heute nicht mehr nur der Frauen)
    herumwerkeln, wer verdient alles damit? Es dürften nicht wenige sein, nicht zuletzt sind sogar die Kunst und die Künstler mitverantwortlich, die alten Maler bildeten mit Vergnügen Nacktheit ab und setzten damit Standards, heute setzt die PornographieIndustrie frauenverachtende Bilder in die Köpfe der Gesellschaft, Frauen sind Objekte, ist ihre Wahrheit. Nicht, dass Pornografie Kunst wäre. Aber selbst mit toten Körpern kann man noch Geschäfte machen, z.B. kann man mit „Körperwelten“ gut verdienen oder Aufmerksamkeit erregen oder sehr bekannt werden wie Teresa Margolles, eine mexikanische Künstlerin, die mit Leichenresten arbeitet. Man mag es Auseinandersetzung mit dem Tod nennen, Aufklärung oder aber Toten- bzw. Leichenschändung.

    Was ich in dem Essay insgsamt sehr vermisse, sind Wertungen über jene eine hinausgehend, dass das Erbe des Kolonialismus an allem schuld sei. Das stimmt einfach nicht. Man kann nicht ewig den Kolonialismus für alles verantwortlich machen, man muss dem entwachsen und selber Verantwortung übernehmen.
    Ich vermisse sowohl den Aufruf zum Widerstand wie eigene Reflexionen, Abgrenzungen, Perspektiven. Die Social Media, die Influencerszene, die gesamte Mode- und Kosmetikindustrie können doch nur leben, wenn „die Frauen“ mitmachen, die Wünsche des männliche Klientels bedienen und miteinander in Konkurrenz treten. Hier ist noch viel zu tun. Wer ist die Schönste im ganzen Land? Solange Frauen darum wetteifern, ein Schönheitsköniginnenkrönchen zu ergattern, weil man damit Gold scheffeln kann, solange also Frauen sich für ein gewisses Schönheitsideal verkaufen, solange wird sich gar nichts ändern. Wahrscheinlich kennt Hilal den legendären Disput zwischen Alice Schwarzer und Verona Pooth nicht. Frauen können Frauen in die Pfanne hauen. Aber Frauen haben es in der Hand. Werdet mündig, Frauen! Wehrt euch. Lasst euch nicht länger kaufen. Solche Aufrufe fehlen im Buch und kosten einen ganzen Stern.

    Fazit: Moshtari Hilal packt ein heißes Eisen an und bringt es in einen persönlichen Kontext. Auch wenn ich mit der Darstellungsweise, der Argumentation und einer gewissen Kurzsichtigkeit nicht immer einverstanden bin, ist doch die Thematik selbst viel zu wichtig, um das Buch nicht zu würdigen. Denn eigentlich müsste für das Gendern ein weiterer Stern verpuffen. So aber bleiben dennoch vier Sterne stehen für die Vermittlung von manch befremdlicher Information und für den gesellschaftlichen Input.

    Kategorie: Essay.
    Verlag: Hanser, 2023

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Die Schönheitengalerie König Ludwigs I

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schönheitengalerie König Ludwigs I' von  Gerhard Hojer

Inhaltsangabe zu "Die Schönheitengalerie König Ludwigs I"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Taschenbuch
Seiten:122
EAN:9783795424329
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Frida: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Frida: Roman' von Maren Gottschalk

Inhaltsangabe zu "Frida: Roman"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
EAN:9783442315598
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Die Akte Madrid: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Akte Madrid: Kriminalroman' von Andreas Storm
4
4 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Akte Madrid: Kriminalroman"

Von Francisco Franco, dem Caudillo de España, zu Franziskus Ritter, dem deutschen Verteidigungsminister: Lennard Lombergs Suche nach der bitteren Wahrheit eines geraubten Gemäldes führt ihn von Madrid nach Granada – und konfrontiert ihn auf dramatische Weise mit einem Versprechen, das er einst selbst gegeben und lange verdrängt hat. Granada im Sommer 2016. Bei einem Einbruch in ein Luxushotel nahe der Alhambra ist ein surrealistisches Gemälde gestohlen worden, das dessen Besitzer, den deutschen Verteidigungsminister, in große Erklärungsnot bringt. Zu blutig ist die Spur des Gemäldes, die von den Folterkellern der Franco-Diktatur bis in die Ministerien der Bonner Republik reicht. Von seinem Mentor Peter Barrington wird Lomberg beauftragt, das Gemälde für den Minister aufzuspüren. Unterstützung erhält er dabei von der resoluten Kriminalrätin Sina Röhm. Schnell aber wird den beiden klar, dass es hier keineswegs nur um den Diebstahl eines als verschollen geltenden Gemäldes geht, sondern um ein damit verbundenes Vermächtnis von immenser politischer Sprengkraft. Auch für Lomberg selbst ist die Sache heikel. Einerseits kreuzt das Gemälde nicht zum ersten Mal seinen Weg, andererseits muss er sich gleich zu Beginn der Ermittlungen die schmerzhafte Frage stellen, auf wessen Seite er eigentlich steht. Doch die Zeit drängt – schon bald wird aus der Suche nach dem Kunstwerk eine Hetzjagd und Lomberg vom Verfolger zum Verfolgten …

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Broschiert
Seiten:384
EAN:9783462003895
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Rezensionen zu "Die Akte Madrid: Kriminalroman"

  1. Ein spannender Kriminalroman über zeitgenössische Kunst

    Inhalt: Granada 2016. Ein surrealistisches Gemälde, das über Jahre hinweg keine großartige Beachtung erfahren hat, wird aus einem Luxushotel gestohlen. Dies droht zu einem handfesten Skandal zu werden. Denn: Julius Ritter, der Vater des deutschen Verteidigungsministers Franziskus Ritter, hat das Gemälde vor Jahrzehnten auf nicht ganz legalem Wege erworben. Da Ritter Jun. fürchtet, dieser Umstand könne sich als Fallstrick für seine Kandidatur als NATO-Generalsekretär erweisen, beauftragt er den Kunsthistoriker Lennard Lomberg damit, das Gemälde ausfindig zu machen – möglichst ohne großes Aufsehen. Während seiner Ermittlungen spürt Lomberg der Geschichte des Gemäldes nach, die bis in das Spanien Francos reicht…

    Persönliche Meinung: „Die Akte Madrid“ ist ein kunstaffiner Kriminalroman von Andreas Storm. Es handelt sich um den zweiten Band der „Lennard-Lomberg-Reihe“. Die Handlung von „Die Akte Madrid“ ist in sich abgeschlossen, sodass man sie auch ohne Kenntnis des Vorgängers „Das neunte Gemälde“ lesen kann (für ein besseres Verständnis der Figurenbeziehungen ist es aber natürlich sinnvoll, die Reihe chronologisch zu lesen). Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven, wobei diejenige Lombergs den Ankerpunkt des Krimis bildet. Die Handlung entfaltet sich auf mehreren im Wechsel erzählten Zeitebenen, wovon ich hier nur einzelne anteasern möchte: Während wir 2016 in Spanien gemeinsam mit Lomberg den Verbleib des Gemäldes ermitteln, begleiten wir im Jahr 1966 einen Journalisten, der Verstrickungen der Bonner Republik mit Francos Spanien aufdecken will. In den 1940er Jahren wiederum erfahren wir etwas über den Ursprung des Gemäldes – und den folgenschweren Pakt zwischen Hitler und Franco. Für alle Zeitebenen gilt: Zeitgeschichte, Politik und zeitgenössische Kunst spielen hier eine ebenso große Rolle wie der Fall des verschwundenen Gemäldes; Historisches wird stimmig mit Fiktivem verknüpft. Die Verzahnung der einzelnen Zeitebenen ist klug durchdacht und komponiert: Man ist – durch den Wechsel der Zeitebenen – Lomberg permanent einen kleinen Schritt voraus, dennoch entstehen immer wieder schöne „Aha“-Momente. Durch die verschiedenen Perspektiven, Zeitebenen und Handlungsorte ist „Die Akte Madrid“ ein inhaltlich abwechslungsreicher Krimi mit einem angenehmen Tempo. Die Handlung selbst changiert zwischen klassischem Kriminalroman und Agententhriller. Der Schreibstil von Andreas Storm, der mit einer feinen Ironie auftrumpft, lässt sich angenehm und flüssig lesen. Insgesamt ist „Die Akte Madrid“ ein spannender, schön komponierter Kriminalroman, der sich ungezwungen dem Thema der zeitgenössischen Kunst widmet.

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  1. spannender Fall

    "Die Akte Madrid" handelt von einem verschollenen Gemälde. Ein Gemälde das für alle Beteiligten von großer Bedeutung ist. Lennard Lomberg, ein Kunstexperte, erhält den Auftrag dieses ausfindig zu machen. Dabei hat er noch Unterstützung, und viele Dinge kommen bei der Suche ans Tageslicht - Dinge, die wohl lieber verborgen geblieben wären.

    Die Handlung spielt im Jahr 2016, es gibt aber immer wieder Zeitsprünge in die Vergangenheit. Das hat mir sehr gut gefallen und die Zeitsprünge erhöhen auch den Spannungsfaktor.

    Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die Anzahl der Personen, die in dem Buch vorkommen - es sind zu viele, den Überblick zu behalten ist schwierig und das stoppt auch immer wieder den Lesefluss.Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die Anzahl der Personen, die in dem Buch vorkommen - es sind zu viele, den Überblick zu behalten ist schwierig und das stoppt auch immer wieder den Lesefluss.

    Mir persönlich hat die Kombination von Kunst und Krimi sehr gut gefallen - tolle Kombination, toll gelungen und auch spannend mit gutem, durchdachten Ende.

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  1. 4
    18. Aug 2023 

    Wer Wind sät

    Wird Sturm ernten. Franziskus Ritter steht kurz vor der Erfüllung seiner beruflichen Träume. Der deutsche Verteidigungsminister soll Nato-Generalsekretär werden. Eine Nachricht, die er überraschend erhält, kommt ihm mehr als ungelegen und bringt seine Pläne in Gefahr. Um seinem Freund Peter Barrington einen Gefallen zu erweisen, übernimmt Lennard Lomberg den Auftrag von Ritter. Die Existenz eines lange verschollenen Bildes wurde bestätigt, in dem es gestohlen wurde. Und Lomberg soll dieses Bild ausfindig machen. Die Spur führt nach Granada in Spanien. Lennard Lomberg begibt sich auf die Reise, die nicht nur nach Granada, sondern auch in die Vergangenheit führt.

    Zum zweiten Mal ist Lennard Lomberg Unterweg, um ein verschollenes Kunstwerk zu finden. Ähnlich eines Detektivs geht er vor. Zunächst werden Hintergrundinformationen gesammelt. Hierbei hilft ihm seine Tochter Julie, die schon mal eine sehr gute Spürnase bewiesen hat. Dass die Suche nicht ganz ungefährlich ist, merkt Lomberg spätestens nach dem Verschwinden seines Konkurrenten Deveraux, der wenig überraschend auch mit der Sache befasst wurde. Das gesuchte Bild gibt einen Hinweis auf die Hintergründe, die in der Vergangenheit liegen. Der spanische Bürgerkrieg, der zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit - Zeiten, die Gelegenheiten boten, auf Kosten anderer Kasse zu machen. Lennard Lomberg entschlüsselt eine Geschichte, die manche Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen lässt.

    Wir schon im ersten Band dieser Reihe wird die Suche nach einem Bild mit einem spannenden Einblick hier in die spanisch-deutsche Geschichte verwoben.Gelungen sind die lebendigen Einschübe aus einer Vergangenheit, über die man so nicht so viel gewusst hat. Bei Lennard Lomberg handelt es sich um einen gewieften Kunstkenner, der nicht locker lässt, wenn er einmal einer Spur folgt. Die BKA-Beamtin Sina Röhm ist nicht nur Lennards Lebensgefährtin, sondern auch eine herausragende Ermittlerin, die ihren Zugang zu Informationen mit Schläue einzusetzen weiß. Lennard und Sina bilden nicht nur ein tolles Team, sondern auch ein schönes Paar. Auch wenn der erste Band etwas mehr mitgerissen hat, weil er persönlicher war, ist dieser zweite Band sehr lesenswert. Einen intelligenten und informativen Krimi, der einen Teil der Geschichte beleuchtet, der vielleicht weniger bekannt ist und doch jedem zur Mahnung dienen sollte, findet man nicht so häufig.

    Die Gestaltung des Covers passt gut zum ersten Band, diese zwei und vielleicht weitere machen sich gut in vielen Regalen.

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  1. 4
    17. Aug 2023 

    Verhängnisvolle Allianz zwischen Deutschland und Spanien

    Andreas Storm hat mit „ Das Neunte Gemälde“ eine neue Krimireihe eröffnet rund um den Kunstexperten Lennard Lomberg. Wie schon in seinem Debut geht es auch im neuen Roman „ Die Akte Madrid“ um ein verschwundenes Gemälde.
    Kein Geringerer als der deutsche Verteidigungsminister Franziskus Ritter tritt an Lomberg heran und erbittet seine Hilfe. Ritter wird erpresst mit einem Gemälde, das im Besitz seines Vaters war. Da er aber kurz vor seiner Ernennung zum NATO - Generalsekretär steht, möchte er die Erpressung diskret behandeln.
    Die Ermittlungen führen Lomberg nach Granada, wo besagtes Gemälde aus dem Nebengebäude eines Luxushotels verschwunden ist. Es handelt sich hier um das Werk einer spanischen Malerin, die den Surrealisten nahestand. Sie hat die drei damaligen Freunde Salvador Dali, Luis Bunuel und Federico Garcia Lorca im Jahr 1928 gemalt. Dieses Gemälde wurde 1943 beschlagnahmt und galt seitdem als verschollen.
    Das Bild und die Malerin sind fiktiv ( wenngleich letztere ein reales Vorbild hat ), die drei Männer bis heute weltberühmt.
    Andreas Storm verbindet auch hier wieder Kunstgeschichte und Zeitgeschichte miteinander.
    Der Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Auf der Gegenwartsebene, im Jahr 2016, laufen die Ermittlungen, doch die führen weit in die Vergangenheit zurück. Dabei zeigt sich die unheilvolle Verstrickung zwischen Nazi- Deutschland und der Franco - Diktatur. Aber diese Verflechtungen endeten nicht mit dem Tod Hitlers, sondern gingen weit bis in die 1960er Jahre. Und immer wieder spielt Ritters Vater eine entscheidende Rolle.

    Es ist nicht notwendig, den Vorgängerroman zu kennen, da es sich bei beiden Büchern um abgeschlossene Fälle handelt. Allerdings ist der Leser im Vorteil, der den Ermittler und sein Umfeld schon kennt. Lomberg ist etwas speziell. Er pflegt einen sehr exquisiten Lebensstil, verkehrt in den besten Kreisen, liebt gutes Essen und guten Wein. Obwohl er kein „ gelernter Ermittler“ ist, sondern studierter Jurist und promovierter Kunsthistoriker, betreibt er sehr professionell seine Nachforschungen. Unterstützung erhält er dabei von Kriminalrätin Sina Röhm, die ihm auch privat näher kommt.
    Die Geschichte ist sehr komplex aufgebaut, mit vielen Zeit- und Perspektivenwechseln. Wie Puzzleteile fügen sich die einzelnen Elemente zusammen, ohne dass gleich zu viel verraten wird. So bleibt die Spannung hoch. Andreas Storm fügt gekonnt die vielen Erzählfäden zu einem schlüssigen Ende zusammen und als " Appetizer" bekommt man einen Ausblick auf den nächsten Fall.
    Der Roman erfordert aber konzentriertes Lesen, nicht nur aufgrund der verschiedenen Zeitebenen, sondern auch wegen des großen Figurenarsenals. Hilfreich ist dabei die Personalliste im Anhang, die sowohl die fiktiven als auch die historischen Personen aufführt. ( Eine lobenswerte Verbesserung zum Vorgängerroman.)
    Die Sprache ist dialoglastig, der Stil geschmeidiger als beim ersten Buch. Etwas Straffung hätte dem Roman allerdings gut getan. Man spürt, dass der Autor das ganze Ergebnis seiner intensiven Recherche unbedingt in die Geschichte einfließen lassen wollte. Das möchte ich auch keineswegs bemängeln. Aber gerade deshalb hätte er auf ein paar Nebensächlichkeiten verzichten sollen.
    Im Hinblick auf das Gesamtergebnis verzeihe ich dem Autor auch die etwas kkischeehaften Frauenfiguren.
    Trotz der Kritikpunkte habe ich den Roman gerne gelesen. Mit Hilfe einer spannenden Krimihandlung zeigt Andreas Storm die verhängnisvolle Allianz zwischen Deutschland und Spanien. „ Ohne die militärische Unterstützung Nazi- Deutschlands wäre Franco nie an die Macht gekommen.“ schreibt der Autor in seinen kurzen Anmerkungen zum historischen Hintergrund. Wir wissen von der unrühmlichen Rolle der „ Legion Condor“. Dass aber deutsche Politiker der Bonner Republik und die deutsche Wirtschaft gerne Geschäfte mit dem Franco- Regime gemacht haben, dürfte nicht jedem bekannt sein. So bekommt man mit „ Die Akte Madrid“ nicht nur einen interessanten Einblick in die Kunstgeschichte und das Thema „ Beutekunst“, sondern auch in politische und historische Zusammenhänge.

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Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei

Buchseite und Rezensionen zu 'Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei' von Wolfgang Döbereiner

Inhaltsangabe zu "Astrologisch definierbare Verhaltensweisen in der Malerei"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:189
EAN:9783927094000
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Das Geheimnis der Muse: Roman (insel taschenbuch)

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Geheimnis der Muse: Roman (insel taschenbuch)' von Jessie Burton

Inhaltsangabe zu "Das Geheimnis der Muse: Roman (insel taschenbuch)"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Broschiert
Seiten:461
Verlag: Insel Verlag
EAN:9783458363293
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Karten und Briefe

Buchseite und Rezensionen zu 'Karten und Briefe' von Franz Marc

Inhaltsangabe zu "Karten und Briefe"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:0
Verlag: Prestel
EAN:9783791329802
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Goyas Hand

Buchseite und Rezensionen zu 'Goyas Hand' von Cornelius Fischer

Inhaltsangabe zu "Goyas Hand"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:0
Verlag: Econ
EAN:9783430127769
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Der junge Doktorand: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der junge Doktorand: Roman' von Jan Peter Bremer

Inhaltsangabe zu "Der junge Doktorand: Roman"

Diskussionen zu "Allmen und Herr Weynfeldt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:176
Verlag: Berlin Verlag
EAN:9783827013897
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