Die Dame mit der bemalten Hand: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Dame mit der bemalten Hand: Roman' von Christine Wunnicke
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Dame mit der bemalten Hand: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:176
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442771301
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Rezensionen zu "Die Dame mit der bemalten Hand: Roman"

  1. Wir alle schauen auf denselben Himmel

    Indien im Jahr 1764: Zwei sehr unterschiedlich Männer begegnen einander auf der Insel Gharapuri vor Mumbai. Der deutsche Mathematiker und Astronom Carsten Niebuhr war auf einer Forschungsreise. Seine Mitreisenden wurden von diversen Krankheiten dahingerafft. Niebuhr selbst leidet nun ebenfalls am Sumpffieber. Musa al-Lahuri ist ein Meister der Konstruktion von Astrolabien. Von Jaipur aus auf dem Weg nach Mekka strandet der Gelehrte auf der Insel. Während er einen Tempel erkunden will, vergisst ihn sein Schiff, dafür trifft er auf den fiebernden und fantasierenden Niebuhr.

    Die Dame mit der bemalten Hand von Christine Wunnicke ist ein Buch über Wissenschaft, Sprache und Freundschaft. Die deutsche Schriftstellerin beschreibt sorgsam die unterschiedlichen Welten und ihre ungleichen Protagonisten. Zwischen Niebuhr und Meister Musa entsteht eine innige Verbindung trotz Sprachbarriere und verschiedener Weltanschauung.

    Ihre vermeintliche Gegensätzlichkeit wird an mehreren Beispielen sichtbar. Während für den einen die Insel, auf der sie sich befinden; Gharipuri heißt, nennt sie der andere Elephanta. Bei der Betrachtung des nächtlichen Sternenhimmels sieht der eine Cassiopeia, die sitzende Frau, der andere hingegen nur deren bemalte Hand. Doch je länger sie sich radebrechend auf Arabisch verständigen, dabei so wunderbare Wortkonstruktionen wie „du lügst wie gestempelt“ entstehen, umso mehr erkennen sie: „Wir alle schauen auf denselben Himmel"

    Es ist nicht dick, dieses Buch, gerade einmal 168 Seiten stark, und dabei voller Entdeckungen und feiner Momente.

    Was für ein wunderbar pointiertes Buch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, damals wie heute.

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  1. »Großmächtiger Ruderschlag im präzisen Jetzt!«

    Dieses Buch, damit möchte ich gerne anfangen, macht einen Heidenspaß – wobei sich natürlich die Frage stellt, wer denn nun der Heide ist bei dieser Begegnung von Orient und Okzident. Hier treffen zwei Kulturkreise aufeinander, und das ist zum Teil historisch verbürgt, zum Teil in farbenfroher, detailverliebter Mär gar prächtig zusammengesponnen. Zusammen ergibt das eine Geschichte, die sich liest wie etwas aus 1001 Nacht und für deren Wahrheitsgehalt man doch insgeheim die Hand ins Feuer legen will, weil diese Begegnung so wunderbar und kostbar ist.⠀

    Bei aller Fabulierlust ist der Roman jedoch keineswegs unnötig ausschweifend – man kommt auf der letzten Seite an und staunt: nur 168 Seiten, tatsächlich? Wo die Erzählung ausschweift, tut sie das mit Bedacht und feinem Humor.⠀

    Treffen sich zwei Männer auf Abwegen…⠀

    Carsten Niebuhr gab es wirklich, und er ging im Jahr 1761 tatsächlich als Mathematicus und Astronomus auf eine Forschungsreise, die vom Göttinger Theologen Johann David Michaelis auf die Beine gestellt und vom dänischen König finanziert wurde. Seine Aufgabe war es, den Wahrheitsgehalt biblischer Texte empirisch zu überprüfen – wie tief teilte zum Beispiel die Ebbe das Rote Meer?⠀

    Zwei Dänen, zwei Deutsche und zwei Schweden wurden losgeschickt, doch nur Niebuhr sollte lebend zurückkehren. Die anderen Gelehrten starben auf der Reise nach und nach am Sumpffieber und vererbten Niebuhr ihre Fachgebiete: Sprachwissenschaft, Naturkunde, Zeichenkunst und Medizin, und so wurde aus dem Mathematiker notgedrungen ein Meister vieler Lehren.⠀

    Nunmehr war von unserer zahlreichen Gesellschaft Niemand mehr übrig als ich allein.«.⠀
    (Aus Niebuhrs Reisebericht)⠀

    Christine Wunnicke leiht sich den echten Carsten Niebuhr aus und lässt ihn auf nicht in der Realität verwurzelte Abwege geraten – genauer gesagt auf die Insel Gharapuri vor Manbai, heute Mumbai. Dort befinden sich die Höhlen von Elephanta, eine Tempelanlage, die inzwischen zum Weltkulturerbe gehört, und in diesem Heiligtum erliegt Niebuhr fast ebenfalls dem Sumpffieber. Da trifft es sich gut, dass der persische Astronom und Astrolabienbauer Musa al-Lahuri ebenfalls auf der Insel gestrandet ist. Der war eigentlich auf dem Weg nach Mekka, fühlt sich aber jetzt bemüßigt, den bleichen Fremden aufzupäppeln.⠀

    Im Dickicht des Sprachgewirrs⠀

    Das ist der Auftakt einer so widerwilligen wie wunderbaren Freundschaft zwischen Meister Musa und “Kurdistan Nibbur” (wie Musa Niebuhrs Namen versteht) – aber auch der Auftakt eines wahren Feuerwerks von Wortwitz und urkomisch entgleister Übersetzungen. Musa ist ein wahrer Polyglott: er spricht Arabisch, Persisch und den Straßendialekt seiner Heimatstadt Jaipur, aber auch Griechich und Latein.⠀

    Wenn er sich in einer Situation wiederfindet, in der er dennoch Verständigungsprobleme hat, neigt er indes dazu, in ein so blumiges wie unverständliches Sanskrit zu verfallen. So hört es sich zum Beispiel an, als Musa von den Bewohnern der Insel die nötigen Materialien haben will, um den fiebernden Niebuhr am Feuer wärmen und mit einem feuchten Lappen waschen zu können:⠀

    »Lasst Feuerbeschaffungsseile walten, oh Hundesöhne!« schrie Musa al-Lahuri. »Opfert ein Tuchgewirk, blitzgeschwind, denn ich will es betauen!« Wie er dieses Sanskrit verabscheute.⠀
    (Zitat)⠀

    Niebuhr kann sich mit ihm nur mühsam in gebrochenem Arabisch verständigen und versucht dabei immer wieder, deutsche Redensarten unbeholfen übersetzt einzubringen, sehr zu Musas Erheiterung.⠀

    “Sein Arabisch war reichhaltig, falsch und lustig. Man verstand jedes Wort.”⠀
    (Zitat)⠀

    Liest sich originell und unterhaltsam, hat aber auch Tiefgang⠀

    Hier unterhalten sich zwei Menschen aus vollkommen verschiedenen Kulturkreisen in einer Sprache, die für beide nicht die ihre ist. Dennoch geschieht eine echte Annäherung, auch wenn am Schluss offen bleibt, ob das Ganze nicht vielleicht doch nur ein Fiebertraum Niehbuhrs war. Aber es ist die Möglichkeit, die dieses Buch so bezaubernd macht. Die Möglichkeit, dass es wahr sein könnte.⠀

    Die Insel, auf der sich die beiden gestrandeten Reisenden wiederfinden, bietet mehr als genug Inspiration für Gedanken aller Art, so dass sich die Gespräche um die verschiedensten Themen drehen, oft mit linkischer Philosophie. Musa und Niebuhr haben zwar nicht genug kulturelle Gemeinsamkeiten, um die Verständigung einfach zu machen, aber immer mal wieder blitzt eine ehrliche zwischenmenschliche Empathie auf. Besonders die Szenen, in denen Niebuhrs Leben am seidenen Faden hängt, sind sehr rührend – dann beginnt Musa, ihm Geschichten zu erzählen, damit er nicht alleine sterben muss. Bei allen Missverständnissen ist der Austausch doch intensiv.⠀

    »Wir glotzen alle in den selben Himmel und sehen verschiedene Bilder.«⠀
    »Glotzen ist kein schönes Wort«, rügte Musa.⠀
    »Ich meine ‘glotzen’! Ich meine ‘hilflos, blöd und hoffnungslos schauen’! Ich meine ‘Affen des Mundes zu Markte tragen’!« Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel! Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere shen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!«⠀
    »Affen des Mundes?«⠀
    (Zitat)⠀

    Fazit⠀

    Zwei Männer verschlägt es im Jahr 1764 auf die Insel Gharapuri vor Mumbai: den Bremer Mathematiker Carsten Niebuhr und den persischen Astronom und Astrolabienbauer Musa al-Lahuri. Beide wollten eigentlich ganz woanders sein – aber jetzt sind sie nun mal hier gestrandet und machen das Beste draus.⠀

    Erstmal muss Meister Musa den am Sumpffieber erkrankten Niebuhr wenigstens halbwegs wieder auf die Beine bringen. Dann verständigt man sich so gut es geht auf Arabisch, und das führt zu einem zum Schreien komischen Sprachgewirr, das Masus fantasievolle Geschichten noch unterhaltsamer macht. Doch nach und nach werden die Gespräche immer tiefgründiger, bis das Sumpffieber wieder aufflackert und Masu gegen das Sterben anerzählt…⠀

    “Die Dame mit der bemalten Hand” ist ein ganz wunderbares Büchlein, das ich mit Sicherheit mehrmals lesen werde. Hier geht es um die Begegnung von Kulturen mit all den damit verbundenen Missverständnissen und Fallgruben, aber es liest sich auch einfach verdammt unterhaltsam. Klar wird außerdem: DEN Orient gibt es genauso wenig wie DEN Okzident.

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Zeit der Schuld

Buchseite und Rezensionen zu 'Zeit der Schuld' von Deepti Kapoor

Inhaltsangabe zu "Zeit der Schuld"

Geboren in einem kleinen Dorf im nördlichen Indien wird Ajay als Kind seiner Familie entrissen und an ein kinderloses Ehepaar verkauft. Von früh bis spät arbeitet er in der Landwirtschaft des Ehepaars, er lernt lesen und schreiben, lernt zu beobachten – und er lernt zu dienen. Als sein Dienstherr stirbt, findet Ajay Arbeit in einem Café – und dort macht er eine schicksalsweisende Bekanntschaft: Sunny Wadia, Abkömmling des einflussreichen Wadia-Clans, verbringt dort mit seinen Freunden das Wochenende. Ajay wird Sunnys rechte Hand und nicht nur in die politischen Machenschaften der Wadias, sondern auch in die verbotene Liebesbeziehung zwischen Sunny und der Journalistin Neda hineingezogen. Er würde für Sunny alles tun - ohne zu ahnen, dass sein größter Loyalitätsbeweis Sunny, Neda und ihn selbst in eine Spirale der Gewalt verstricken wird ...

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:688
EAN:9783896677075
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Der Zopf: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Zopf: Roman' von Laetitia Colombani
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Zopf: Roman"

Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung. Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.

Format:Taschenbuch
Seiten:288
EAN:9783596701858
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Rezensionen zu "Der Zopf: Roman"

  1. 5
    26. Apr 2022 

    Packende Geschichte, die Mut macht

    „Der Zopf“ ist der erste Roman von Laetitia Colombani. Mit der Geschichte über drei Frauen, die das Schicksal gezwungen hat, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen, hat die Autorin die Herzen aller Leser*innen erobert.

    Smita aus Indien, Giulia aus Italien und Sarah aus Kanada kennen einander nicht. Doch das Schicksal hat alle drei Frauen auf ungewöhnliche Weise miteinander verbunden. Denn es ist die Perücke aus wunderschönen indischen Frauenhaaren, die der an Krebs erkrankten Sarah neue Kraft im Kampf gegen die tückische Krankheit verleiht. Die Perücke wurde in Palermo in Giulias Fabrik aus dem aus Indien importierten Haar sorgfältig gefertigt. Die Idee - die Haare aus Indien zu importieren - rettet Giulias Perücken-Fabrik vor dem Bankrott und Giulias Familie vor einem Leben in Armut. Und Smita opfert ihre Haare dem Gott Vishnu in dem Glauben, dass er sie und ihre kleine Tochter Lalita vor dem weiteren Leben als Dalit beschützen wird.

    Alle drei mutigen Frauen kämpfen um ein besseres Leben für sich selbst und für ihre Familien. Sie sind nur auf sich selbst gestellt und scheuen kein Risiko, um ihre Lebensziele zu erreichen. Ihre Lebensgeschichten fesseln und berühren, nicht zuletzt dank der bildhaften Sprache der Autorin des Buches. Meisterhaft skizziert Colombani sprachliche Bilder der dramatischen Schicksale ihrer Romanheldinnen; Bilder, die Emotionen wecken und lange in Erinnerung bleiben.

    Deshalb sehr zu empfehlen!

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  1. 4
    21. Mai 2020 

    Drei Kontinente

    Smita lebt in Indien. Zwar sollte die Zugehörigkeit zu einer Kaste an Bedeutung verloren haben, doch Smita als Angehörige der Dalit, das ist die Kaste der Unberührbaren, hat keine Chance dem System zu entkommen. Lalita, ihre Tochter, solle es einmal besser haben. Die Sizilianerin Giulia als Tochter eines Fabrikanten muss nach einem tragischen Unglück ihr Leben neu aufstellen. Und Sara, eine Anwältin aus Montreal, muss sich der Realität ihrer Erkrankung stellen. Unterschiedlicher könnten die Frauen kaum sein. Ihre Geschichten finden ihren Zusammenhang, durch die Bedeutung, die die Haare für sie haben.

    Kaum vorstellbar, dass Frauen es in ihrer Welt immer noch schwer haben. Die bewundernswerte Smita in ihrer nur schwer erträglichen Lebenssituation macht auch anderen Mut, sich aufzulehnen. Für ihre Tochter sucht sie nach einem besseren Leben. Auch Giulia zeigt großen Mut und Verantwortung für die Arbeitnehmerinnen ihres Vaters. Dessen kleine Fabrik steht vor einem Umbruch, der ihr Angst machen könnte. In Montreal glaubte Sarah, sie habe es in der Kanzlei geschafft. Partnerin auf dem Weg zur Geschäftsführerin. In einer solchen Position ist eine Erkrankung nicht vorgesehen und auch nicht erlaubt. Alles, was sie erreicht hatte, steht plötzlich auf dem Spiel.

    Man wünschte sich zu wissen, was nach zum Beispiel fünf Jahren aus den Frauen geworden ist. Oder ist es besser, dass man es sich selbst ausmalen und ihnen die Erfüllung ihrer Träume andichten kann. Die drei Frauen stehen an einem Scheideweg und sie nehmen die Herausforderung des Lebens an. Schon das macht beim Lesen ein gutes Gefühl. Vielleicht schafft man nicht alles, aber man kann es versuchen. So unterschiedlich Smita, Giulia und Sarah sind, so viel Kraft haben sie, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Das Leben ist nicht immer leicht, aber wenn man es annimmt, bekommt man irgendwie etwas zurück. Der Roman wirkt wie ein lichtdurchflutetes Zimmer, an dessen offenen Fenster man einen schönen Ausblick hat.

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Die Inseln: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Inseln: Roman' von Amitav Ghosh
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Inseln: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
EAN:9783896676467
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Rezensionen zu "Die Inseln: Roman"

  1. Klimawandel trifft alte Legende

    Amitav Ghosh hat mit „Die Inseln“ ein literarisches Buch über Klimawandel und Migrationsbewegungen in heutiger Zeit geschrieben. Geschickt verwebt er dabei die alte bengalische Legende eines Kaufmanns, der vor der Schlangengöttin Manasa Devi flieht, mit politischen und klimatischen Begebenheiten des 17. Jahrhunderts und den globalen Umweltproblemen unserer Zeit.

    Zwei wichtige Schauplätze sind die Mangrovenwälder Südindiens und Bangladeshs sowie Venedig - also Orte, die durch den steigenden Meeresspiegel unmittelbar bedroht sind. Hauptprotagonist Deen Datta liebt alte Bücher und Geschichten. Eines Tages besucht er einen tief in den Mangrovenwäldern verborgenen Schrein der Schlangengöttin. Dort kommt es zu einem Zwischenfall, in dessen Folge sich eine spannende Geschichte voller Tragik, Mythologie und Magie entwickelt. Gemeinsam mit seinen Freunden löst Deen Stück für Stück die Rätsel der nur mündlich überlieferten Legende und findet zahlreiche Parallelen im Hier und Jetzt. Orte der Handlung liegen mal in Asien, mal in Nordamerika oder auch in Europa. Die Folgen des Klimawandels betreffen unseren ganzen Planeten und sind allgegenwärtig. Es kommt zu Waldbränden, Stürmen, Überschwemmungen. Wale stranden, Menschen und Tiere befinden sich auf der Flucht, sind auf der Suche nach anderen Lebensräumen. Von den meisten Menschen werden diese dramatischen Änderungen und Warnsignale des Klimawandels jedoch kaum wahrgenommen bzw. verdrängt - das Leben geht weiter wie bisher. Auch die Weigerung europäischer Staaten, Flüchtlinge aufzunehmen und Seenotrettung sind hochaktuelle Themen des Romans. Amitav Ghosh verbindet auf großartige Weise Vergangenheit und Gegenwart, zeigt globale Verflechtungen auf und verweist nachdrücklich auf die drängendsten Probleme unsere Zeit. Der Roman ist gewürzt mit einer gehörigen Portion Mystik. Visionen und „Übernatürliches“ haben ihren selbstverständlichen Raum in dieser Geschichte, die sich dadurch in die Tradition eines magischen Realismus stellt. Eine beeindruckender Roman, der die fünf Sterne nur knapp verfehlt, da er mir an einigen Stellen etwas zu konstruiert ist.

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Der Garten meiner Mutter: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Garten meiner Mutter: Roman' von Anuradha Roy

Inhaltsangabe zu "Der Garten meiner Mutter: Roman"

„In meiner Kindheit war ich als der Junge bekannt, dessen Mutter mit einem Engländer durchgebrannt war“, so beginnt die Geschichte von Myshkin und seiner Mutter Gayatri. Es sind die dreißiger Jahre, Indien hadert mit der britischen Kolonialherrschaft. Da kommen zwei Fremde in den kleinen Ort am Himalaya, der deutsche Maler Walter Spies und eine Tänzerin, und Gayatri, die immer Künstlerin sein wollte, ergreift ihre Chance, der traditionellen Ehe zu entfliehen. Ein großes zeitgeschichtliches Panorama und die ergreifende Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die für ihre Kunst und Freiheit lebt.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
EAN:9783630876320
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Ghachar Ghochar: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ghachar Ghochar: Roman' von Vivek Shanbhag

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Aufstieg und Fall einer indischen Familie.

Als der Onkel des jungen Erzählers in den Handel mit Gewürzen einsteigt, ändert er über Nacht das Schicksal der ganzen Familie. Der einst mittellose Clan zieht in ein großzügiges Haus in einer reichen Wohngegend, verschafft sich neue Möbel und einen neuen Bekanntenkreis. Doch mit dem plötzlichen Reichtum werden auch die Abhängigkeiten neu verteilt: An dem Erfolg des Onkels hängt nun das gesamte Wohl der Familie. Und dieses gilt es zu schützen, um jeden Preis. Notfalls auch vor den eigenen Familienmitgliedern. In einem feinen Wechselspiel von Auslassungen und Andeutungen erzählt Vivek Shanbhag vom moralischen Verfall einer indischen Familie. Ein großer Roman, der die Geschichte eines ganzen Landes in sich trägt.

»Ein Feuerwerkskörper von einem Roman.« Publishers Weekly
»Feinstes literarisches Handwerk.« Deborah Smith, The Guardian

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:152
Verlag: Aufbau Verlag
EAN:9783351037338
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Mama Tandoori: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mama Tandoori: Roman' von Ernest van der Kwast

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Gebundenes Buch
Der Vater hegt keinerlei Zweifel: es wird ein Mädchen. Die Geburtsanzeige für Eva van der Kwast liegt bereits beim Drucker. Als dann sehr zur Bestürzung der Eltern in einer Klinik in Bombay 1981 der kleine Ernest das Licht der Welt erblickt, nimmt ein nicht ganz unbelastetes Verhältnis zwischen Sohn und Eltern seinen Lauf.

In seinem autobiografisch gefärbten Roman präsentiert Ernest van der Kwast einen bunten Reigen von Charakteren, von Bollywood Star Onkel Sharma bis zu seiner Tante Jasleen, einer einstmals erfolgversprechenden Siebenkämpferin. Allen voran aber seine Mutter, die Matriarchin des Klans, geliebt und gefürchtet, eine Tyrannin mit dem Herzen einer Löwin. Eine Frau von eisernem Willen, beinahe absurder Gründlichkeit und bei aller Stärke erfüllt von einer tiefen Traurigkeit um ihren behinderten Sohn Ashirwad. Sie ist es, bei der alle Fäden der Geschichte zusammenlaufen. "Mama Tandoori" lässt einen Staunen, Nachdenken und Lachen - ein wunderbar witziges Famlienporträt,das mitten ins Herz trifft.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442757695
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Der Glaspalast: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Glaspalast: Roman' von Amitav Ghosh

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Flexcover - btb Verlag - 2002 - der Band hat - 608 Seiten - von - Amitav Ghosh - dieses - Archivexemplar - ist - ungelesen -

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:624
EAN:9783442730360
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Koriandergrün und Safranrot. Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Koriandergrün und Safranrot. Roman' von Preethi Nair

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ISBN: 9783426636589 - Softcover Buch guter Zustand - Erscheinungsjahr: 2007 - Taschenbuch mit 319 Seiten - Index: 500

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:384
Verlag: Knaur
EAN:9783426636589
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Mitternachtskinder: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mitternachtskinder: Roman' von Salman Rushdie
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mitternachtskinder: Roman"

Am 15. August 1947, Schlag Mitternacht, wird Saleem Sinai geboren – begrüßt von Fanfaren und Feuerwerken, denn in genau diesem Moment erlangt Indien seine Unabhängigkeit. Fortan ist Saleems Leben untrennbar mit dem Schicksal des neugeborenen Staates verbunden. Und wie die eintausend anderen Mitternachtskinder, die in dieser Nacht das Licht der Welt erblicken, verfügt auch Saleem über eine besondere telepathische Gabe, die es ihm und dem Leser ermöglicht, in die faszinierende Geschichte seiner Familie einzutauchen – eine Saga vor dem Hintergrund der wechselhaften Geschichte Indiens im 20. Jahrhundert.


Format:Taschenbuch
Seiten:736
EAN:9783328103806
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Rezensionen zu "Mitternachtskinder: Roman"

  1. 4
    02. Jan 2020 

    Lesenswert!

    Erst einmal kurz zum Inhalt:

    1915 kehrt der Großvater des Erzählers, Doktor Aadam Aziz, 25jährig aus Deutschland, wo er Medizin und Politik studiert hat, nach Srinagar, im Norden Indiens, zurück.
    Wir erfahren, auf welch’ skurrile Art und Weise Aadam Aziz die Tochter eines Grundbesitzes behandeln muss und wie er sich im Laufe von drei Jahren in sie verliebt.
    Und wir erfahren, wie sich der frühere, sich gegen alles Neue sperrende Freund Tai vom heimgekehrten und jetzt fremden Arzt Aadam abwendet und ihn sogar aus der Heimat vertreibt.

    Aadam bekommt eine Stelle in der südlich liegenden Universitätsstadt Agra und noch vor seiner Abreise heiratet er die o. g. langjährige Patientin Naseem.
    Mit ihrer beträchtlichen Mitgift können sich die Beiden in Agra ein Haus kaufen.
    Das Paar bekommt 3 Töchter und 2 Söhne und es ist höchst amüsant aber auch sehr interessant, eingebettet ins Zeitgeschehen zu erfahren, wer die Eltern des Erzählers werden und warum und wie seine Mutter zu einem neuen Vornamen, Amina statt Mumtaz, kam.

    Amina und Ahmed, die Eltern des Erzählers, ziehen von Agra nach Alt-Delhi und hier erleben wir, inzwischen im Jahr 1947 angelangt, hautnah heftige Konflikte und Hass zwischen Hindus und Moslems.

    In Bombay kommt schließlich ihr erster Sohn, Saleem, der Erzähler, zur Welt: am 15. August 1947 um Mitternacht.
    Zeitgleich mit der Geburt des unabhängigen Indiens erblickt er das Licht der Welt. Und zeitgleich mit der Geburt Shivas.
    Und fast zeitgleich mit 1000 anderen Mitternachtskindern, die alle zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens geboren werden.

    Auf den verbleibenden Seiten erfahren wir vom bewegten Leben Saleems, bis dieser, 31jährig, nach vielen Erlebnissen und Ortswechseln wieder in Bombay Fuß fasst und der Chef einer Pickles-Fabrik wird.
    Aus dieser Situation heraus schreibt Saleem seine Geschichte auf und liest Padma, einer sich um ihn bemühenden Angestellten der Fabrik, daraus vor.

    So taucht man abwechselnd in Vergangenes ein und kehrt zwischendurch immer wieder zurück ins gegenwärtige Arbeitszimmer des Erzählers, um dort ein Gespräch zwischen Saleem und Padma oder Gedanken Saleems mitzuerleben.

    Dass der Erzähler den Leser zeitweise direkt anspricht, zieht ihn noch mehr ins Geschehen hinein. Der Roman bekommt eine persönliche Note: es ist fast so als säße man wie Padma da und lausche einer Geschichte.

    Man hat es hier m. E. mit dem Roman eines begnadeten Geschichtenerzählers zu tun. Bereits der erste Abschnitt saugt einen ins Geschehen hinein. Es erwarten uns eine stellenweise märchenhafte Atmosphäre und amüsante Episoden, durchtränkt von metaphorischen Bildern und magischen, übersinnlichen Gedanken mit Einsprengseln von Glauben und Aberglauben.

    Der Roman wird interessant, lebendig und fesselnd, manchmal schonungslos und schnörkellos in Sprache und Beschreibung erzählt.
    Im Verlauf waren mir die Schilderungen manchmal etwas zu detailliert, zu ausführlich und zu ausschweifend.

    Aber durch überraschende Wendungen und Ereignisse wurde mir nie langweilig. Es gab durchaus auch Längen, sowie Rätselhaftes und schwer oder nicht Verständliches, aber ich wollte das Buch zu keinem Zeitpunkt abbrechen, weil ich durchgehend wissen wollte, wie es mit Saleem weitergeht und endet.

    Die jüngere politische Geschichte Indiens, Mythen, Geschichten und die Biographie Saleem Sinais und seiner Familie sind raffiniert miteinander verflochten, verkettet und verwoben.

    Wenn man sich auf diese Art des Erzählens und auf diesen Mix einlässt, findet man Gefallen an dem über 700 Seiten umfassenden Werk.

    Der Roman hinterlässt mich mit einer gewissen Ambivalenz. Er ist interessant und irgendwie packend aber doch nicht wirklich fesselnd. Das gewisse Etwas fehlte mir.
    Salman Rushdie packt viel Historisches, viel Politik und viele Geschichten in seinen Roman.
    Weil ich diesbezüglich wenig Vorwissen mitbrachte, war ich zeitweise durch das Streifen der vielen Themen überfordert, weil ich sie nicht richtig einordnen konnte.

    Ich „musste“ bzw. wollte deshalb viel recherchieren und kam einerseits aus dem Lesefluss, konnte aber andererseits durch die Kombination aus Recherche und Lektüre meinen Horizont erweitern, was ich sehr schätze und was ein Buch für mich zu etwas Besonderem macht.

    Auch die teilweise sehr langen Sätze störten den Lesefluss immer wieder, weil das Lesen viel Konzentration erforderte und ich manchmal am Ende des Satzes wieder vorne beginnen „musste“.

    Wenn man sich, wie ich, auf einen anstehenden Indienurlaub einstimmen möchte und sich auf den o. g. Mix, die Notwendigkeit der Recherche oder das Aushalten von Unklarheiten und die teilweise langen Sätze einlassen möchte, wird man mit einer Geschichte belohnt, die man so schnell bestimmt nicht vergisst.

    Meines Erachtens kein „must read“ aber durchaus lesenswert.

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