Kunstmomente: Wie ich sehen lernte

Buchseite und Rezensionen zu 'Kunstmomente: Wie ich sehen lernte' von Hanns-Josef Ortheil

Inhaltsangabe zu "Kunstmomente: Wie ich sehen lernte"

Format:Broschiert
Seiten:352
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442773008
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Seit er sein Leben mit einem Tier teilt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Seit er sein Leben mit einem Tier teilt: Roman' von Bodo Kirchhoff
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Seit er sein Leben mit einem Tier teilt: Roman"

Vier Tage vor dem Höhepunkt des Sommers, dort, wo sich Louis Arthur Schongauer, einst düsterer Deutscher in Hollywood-Filmen, nach dem Tod seiner Frau zurückgezogen hat. Jetzt will er nur noch mit seiner Hündin leben, inmitten alter Oliven oberhalb des Gardasees. Doch dann strandet eine Reisebloggerin beim Wenden in seiner Zufahrt, und am nächsten Tag erwartet er eine Autorin, die ihn mit einem Porträt aus der Vergessenheit holen will: zwei Frauen mit Gespür für die Wunden in seinem Leben. Umso wichtiger wird ihm nun sein Tier, für das es nur ein Hier und Jetzt gibt … In Bodo Kirchhoffs neuem Roman geht es um die Sehnsucht nach dem Menschen, der uns erkennt, und die Abgründe, die sich auftun, wenn wir dieser Sehnsucht folgen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783423283571
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Rezensionen zu "Seit er sein Leben mit einem Tier teilt: Roman"

  1. 4
    15. Feb 2024 

    Was bleibt noch?

    "Seit er sein Leben mit einem Tier teilt, denk Schongauer in schlaflosen Nächten sogar manchmal daran, dass er gern als dieses Tier auf die Welt gekommen wäre, nur mit dem Gedächtnis für Gut und Ungut, Freund oder Feind, und ohne Wissen um die Zeit." (S. 10)

    Besagtes Tier ist ein Hund, genauer gesagt eine Hündin, die L. A. Schongauer seinerzeit mit seiner mittlerweile vestorbenen Frau aus einem Haufen Asche gezogen hat und das seither aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Schongauer hat sich mit seinen fast 75 Jahren an den Gardasee zurückgezogen, wo er allein mit seiner Hündin lebt und kaum noch Kontakte pflegt. Doch er hat einer Autorin gestattet, ihn für einige Tage aufzusuchen, da sie ein Portrait über ihn schreiben will. Und unerwartet strandet ein Wohnmobil auf seinem Grundstück, defekt nach einem missglückten Wendemanöver. Schongauer gestattet der jungen Frau, einer Reisebloggerin, bis zur Reparatur ihres Gefährts auf dem Grundstück zu verbleiben.

    Das beschauliche Leben, in dem Schongauer sich in seinem Alterssitz eingerichtet hat, gerät nun zunehmend in Aufruhr. Die Fragen der Autorin bringen Dinge, die er lieber hatte vergessen wollen, wieder an die Oberfläche, sorgen für Unruhe und Abwehr. Seine Vergangenheit als Schauspieler in Hollywood - stets die Rollen des verkniffenen bösen deutschen Nazis -, die Frauen in seinem Leben, Unglücksfälle und das Bild, das er von sich selbst hat, all dies hinterfragt die Autorin. Obschon Schongauer oft nur knappe Antworten gibt, beschäftigen ihn die Fragen. Und die Frau, die sie stellt. Gibt es in seinem Alter noch einen Platz für Sehnsüchte?

    "...und fragt, ob es in seinem Leben eine Frau gegeben habe, eine Familie, ein Kind, ein Zuhause (...) Mehr als nur eine Frau, sagt er. Aber keine Familie. Ich bin kein Inhaber von Verwandtschaftsgraden, abgesehen von toten Eltern. Schlimm?" (S. 36)

    Einen leisen Roman präsentiert Bodo Kirchhoff hier, sprachlich und atmosphärisch sehr dicht. Träge fließen die Tage in der sommerlichen Hitze dahin, ebenso wie die Erzählung, doch so wie die Hitze sich zunehmend aufstaut bis hin zu einem großen Unwetter, so sehr brodelt es auch unter der Oberfläche in einer eigentümlich aufgeladenen Stimmung - ein Schwebezustand voller Andeutungen und halbgarer Wünsche, mehr Wehmut als Begehren. Das Schriftbild spiegelt das ineinander Fließende: alles geht ineinander über, es gibt kaum einmal Absätze, dafür komplexe und anspruchsvolle Satzkonstrukte ohne Kennzeichnung der wörtlichen Rede. Ein sehr konzentriertes Lesen ist da erforderlich.

    Ein Eintauchen in die Vergangenheit, das Sichstellen seiner Dämonen, der Trost des Tieres, das bedingungslos liebt, aufflackernde Sehnsüchte, die vielleicht nur Erinnerungen an längst vergessene Begegnungen sind, ein altersschwaches Herz, das die Endlichkeit begreiflich macht - viele angerissene Themen, zahlreiche Rückblenden und ein Blick auf das, was noch bleibt.

    "Zwei Möwen fliegen ihre Schleifen über dem Nachbargrund, auf dem bis vor kurzem für ein dort grasendes Pferd altes Brot über den Zaun geworfen wurde, auch von ihm. Inzwischen ist das Pferd geschlachtet, und sein Fleisch liegt in der Metzgerei des Orts als Schinken und dunkle Filets, aber die Möwen glauben immer noch an das Brot, wie er daran glaubt, vom Leben noch etwas abzubekommen, obwohl es eigentlich hinter ihm liegt." (S. 101)

    Melancholisch aber nicht kitschig kommt dieses Alterswerk mit autobiografischen Anklängen über die Liebe, das Leben und das Alter daher, nimmt einen mit in seinem trägen Fluss. Gefühle klingen leise an, Landschaftsbilder werden gemalt, am Ende wartet eine kleine Überraschung.

    In jüngeren Jahren hätte mich das Buch vermutlich nicht so sehr angesprochen, doch da sich Kirchhoff eher an eine etwas reifere Leserschaft wendet, hat mich der Roman sehr angesprochen. Ich wünsche ihm eine wohlgesonnene Leserschaft...

    © Parden

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Malnata: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Malnata: Roman' von Beatrice Salvioni

Inhaltsangabe zu "Malnata: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
EAN:9783328602712
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Bergland: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Bergland: Roman' von Jarka Kubsova
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Bergland: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:288
EAN:9783442493548
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Rezensionen zu "Bergland: Roman"

  1. Eindringlich und sehr gelungen

    Inhalt: Die "Innerleit-Rosa" bewirtschaftet in den Vierzigerjahren auf 1670 m Höhe allein einen Bergbauernhof. Ihre Familie wird durch den Krieg zerstört und aus ihrer Ehe bleibt nur ihr Sohn. Hart und einsam ist der Kampf mit der Natur, den Rosa auf sich nimmt. Traditionen sind ihr wichtig und der viel gerühmte Fortschritt, den ihr Sohn Sepp so gern durchsetzen möchte, ist ihr ein Dorn im Auge. Jahre später hat der Tourismus auf dem Hof Einzug gehalten und Rosas Enkel Hannes und dessen Frau müssen sich anderen, aber genauso harten Herausforderungen stellen.
    Jarka Kubsova, bekannt durch Sachbücher und Reportagen hat ihren ersten Roman veröffentlicht. Deutlich spürbar ist, wie intensiv sie sich auf dieses Bergabenteuer vorbereitet hat. Man fühlt sich sofort mitten im Geschehen und sieht die Natur und die darin hart arbeitende Rosa vor sich. Besonders die Naturbeschreibungen die ans Herz gehen und nachspürbar sind, haben mir besonders gefallen.

    "Mit zunehmender Kälte stellten die kleinen Pflanzen das Wachstum ein, zitterten in dem heulenden Wind, der jetzt wieder über die Kämme strich und vor dem sich aes Schwache beugen musste. In Rosa stieg die Furcht vor dem nahenden Winter auf, weil im Winter das Hofherz langsamer schlug."
    Drei Generationen werden im Wechselspiel der Perspektiven dargestellt. Rosa ist ein sehr starker Charakter, der sich trotz aller Widrigkeiten durch Krieg, Tod und Unerfahrenheit nicht davon abhalten lässt, den Bergbauernhof durchzubringen. Zwei Generationen später kämpft Franziska auf dem "Innerleit-Hof" darum, den Standard als Ferien-Bauernhof aufrecht zu halten. Wie hart es ist, die pure Landlust für Feriengäste vorzuspielen, wird hier schonungslos und offen wiedergegeben. Die vermeintliche Idylle entpuppt sich als fast unmöglich umzusetzende Vorgabe des Bauernverbands.

    Frauen stehen in diesem Roman im Vordergrund. Mal als hart arbeitende Bäuerin, mal als Familien- und Vermietungs-Managerin, die auf die eine oder andere Weise an ihre Grenzen gelangen. Man spürt, wie zerrissen die Frauen sind und wie viel ihnen abverlangt wird.

    Besonders die aktuelle Zeitschiene, die den Ferienbauernhof betrachtet, stimmt sehr nachdenklich. Der Einblick hinter die Kulissen der vermeintlichen Landidylle zeigt, welche hohen Kriterien an einen touristisch genutzten Bauernhof gestellt werden. Die Verbindung zur Großmutter mit ihrer naturbelassenen Acker- und Gemüsebewirtschaftung zeigt einen neuen Weg auf, der Hoffnung auf ein neues Zeitalter gibt. Sanfter Tourismus, der teilnimmt und nicht zerstört.

    Für mich ein Lesehighlight.

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  1. Über das Leben in den Bergen

    Heimat, Tradition, Familie sind Werte, die sich in der heutigen Zeit altmodisch und überkommen anhören. Dass dem nicht so ist, beschreibt die Autorin Jarka Kubsova in ihrem Debütroman, der 2021 erschien. Sie erzählt die Geschichte mehrerer Generationen des Innerleit-Hofes in den Südtiroler Alpen. Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts ist die junge Rosa keinesfalls dafür vorgesehen, einmal den Bauernhof zu übernehmen, doch ihre als ihre beiden älteren Brüder in den Krieg ziehen, sieht auch der Vater keine andere Möglichkeit mehr, als seine Tochter in die Geheimnisse der Landwirtschaft einzuweihen. Der Vater stirbt über dem Kummer über den Tod seines Ältesten und somit bewirtschaftet Rosa von nun an allein den Hof. Die Geschichte von Rosa wechselt sich ab mit der von Franziska, die zeigt, dass das Leben auf einem Bergbauernhof auch zu der heutigen Zeit kein Zuckerschlecken ist. Dem Druck zwischen den Vorgaben der Agrarbehörde und aber auch der Tourismusvereinigung, aufgerieben zwischen Familien- und Hofarbeit muss sich Franziska auch irgendwann beugen.
    Das Buch erzählt ruhig und unspektakulär die Geschichte der beiden Frauen und ihrer Familien. Die Sprache empfand ich als einfach, aber es passte gut. Zwischenzeitlich war es mir schon fast zu ruhig, aber zum Ende hin gewinnt die Geschichte nochmal an Kraft. Die Autorin lebte selbst einige Monate auf einem Bauernhof in Südtirol und bringt diese Erfahrung sehr gut in das Buch ein. Dass der Fortschrittsglaube vor allem der 70er Jahre, der über die abseits gelegenen Bergdörfer hinwegfegte, nicht immer nur Gutes brachte, wissen wir heute nur zu gut. Früher war nicht alles schlecht und die Besinnung auf das Wissen unserer Vorfahren kann helfen, in der schnelllebigen Zeit zur Ruhe zu finden und Kraft zu sammeln.
    Ein schöner und moderner „Heimatroman“, der ohne Kitsch vom harten und einfachen, aber durchaus bereichernden Leben in den Bergen erzählt.

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  1. Tirol, unsere Liebe.

    Kurzmeinung: Muss man gelesen oder gehört haben! Mein Lesehighlight 2022

    In dem Roman „Bergland“ von Jarka Kubsova, steht die Natur im Vordergrund. Die Geschichte spielt in Südtirol auf einem Hof namens Innerleit, dieser befindet sich haarscharf an der Anbaugrenze. Oberhalb des Hofes gibt es nur noch wildes steiniges Bergland. Das Panorama ist gewaltig. 

    Die Geschichte setzt früh an, lange vor dem Zweiten Weltkrieg und schildert anhand der Bergbauern die schmerzhaften Veränderungen Tirols im Laufe seiner Geschichte. Ob Tirol zu Italien oder zu Deutschland gehören soll, ist den dort lebenden Bauern im Prinzip egal, wenn nicht entweder die einen oder die anderen einem vorschreiben wollten, welche Sprache man zu sprechen hat oder andere unerfüllbare Ansprüche stellen. 

    In der Nähe des Innerleit, in Sichtweite, aber eben nicht direkt nebenan, liegen die anderen Höfe. Man ist Nachbar, wenn man die Rauchfahne des anderen Gehöfts sehen kann. Jeder kämpft ums Überleben. Jeder hilft jedem. Das ist selbstverständlich. Dennoch wird das Leben immer problematischer zu bewältigen, denn vor dem Zweiten Weltkrieg hatte man wenigstens noch die Männer.

     Ja, das Leben war hart, aber regelmässig. Die Bauern kannten sich aus mit dem Wetter, der Saat, dem Vieh. Das Vieh lebte draussen. Es hatte noch ein Leben, das so genannt werden konnte. Das sollte sich später leider ändern. Denn irgendwann wird auch der Innerleit von der Moderne eingeholt. Auf den Hof kommen Maschinen, die Tiere sind keine Geschöpfe mehr, sondern Lieferungsprodukte, barbarisch geht der Mensch mit dem Vieh um, der Tourismus entwickelt sich, einerseits wird das Leben leichter, aber andererseits entstehen neue Zwänge. Und die Seelen verkümmern. 

    Der Kommentar. 
    Wie Jarka Kubsova diese Zusammenhänge schildert und organisch eins aus dem anderen entwickelt anhand ihrer knorrigen Figuren, allen voran der starken Rosa, der Bäuerin, der nach dem Tod ihrer Brüder das Hoferbe zugefallen ist, das ist schon stark. Sowohl die wunderschöne Sprache wie auch die Geschichte selbst, sind von eigenartigem Zauber: man sieht die Natur, man leidet im Winter und freut sich an den wenigen Freuden der Bergbauernkinder, man ist dabei, wie dem konservativen Vater endlich klar wird, dass er Rosa besser miteinbezogen hätte im Vermitteln der bäuerlichen Weisheiten als sie ein Kind war, wie er es mit den Buben machte, die einen Rechen in die Hand gedrückt bekamen, kaum, dass sie laufen konnten und bei allen seinen Tätigkeiten an seiner Seite waren. Er hat nur noch wenig Zeit, bevor er abtritt, das fühlt er. Und der Junge kommt nicht wieder. Wie lange er auch wartet. Die spärliche Zeit, die ihm bleibt nutzt er, um mit Rosa über sein Land zu gehen und sie zu unterweisen. „Hier musst du das pflanzen, bevor du das machst, dort musst du dies und das berücksichtigen“. Nichts wird aufgeschrieben, aber Rosa wird sich erinnern. Denn bald gehört ihr der Hof. Und Rosa wird außerdem, weil sie nicht nur stark, sondern auch intelligent ist und einen besonderen Bezug zur Natur hat, man nennt es Heimatliebe und Erdverbundenheit, neue Entdeckungen machen und neue Wege gehen. Wege, die von der dritten Generation zögerlich wiederentdeckt werden. Wenn man endlich, endlich, die Nachhaltigkeit von früher mit der Moderne verbindet. 

    Das Zusammenwirken der kargen Natur und der kargen Menschen, ihre Nöte, ihre Herzensangelegenheiten, die sie immer dem Hof unterodnen mussten, das Zerstören der Natur und die Kritik am Bergtourismus, dies alles zusammen, hat mich nachhaltig beeindruckt, sogar mitgenommen. Gelesen wird der Roman im Hörbuch auch wunderbarst von Britta Steffenhagen. 

    Fazit. Ein Bauernroman, der spielend leicht eine Brücke von Alt nach Neu schlägt und keineswegs dem Klischee des alten Heimatromans zugeordnet werden kann. 

    Mein Lesehighlight 2022, eine dicke Leseempfehlung! 

    Kategorie: Roman. Mit Anspruch.
    Verlag: Der Hörverlag, 2021
    Goldmann, 2021

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  1. Ein Meisterwerk!

    !ein Lesehighlight 2021/2022!

    !eine zeitlose Geschichte, die fest in meiner Bibliothek verankert sein wird!

    Klappentext:

    „Südtirol in den vierziger Jahren: Im abgelegenen Tiefenthal staunen selbst gestandene Bauern, als ihnen eine junge Frau vormacht, wie man einen Hof ganz alleine durchbringt. Rosa heißt die Frau, die die Natur versteht und lenkt, als habe sie nie etwas anderes getan. Mit aller Macht stemmt sie sich gegen den Fortschritt, der ihr kleines Reich in den Bergen bedroht.

    Zwei Generationen später sind Rosas Enkel Hannes und seine Frau Franziska auf Feriengäste angewiesen, um den Hof zu halten. Als nach einem Unglück ihre Zukunft auf dem Spiel steht, erweist sich Rosas Vermächtnis als aktueller denn je.“

    Es gibt manchmal Bücher die muss ich mehrfach lesen um für mich selbst zu erfahren ob sie beim nächsten Mal wieder so begeisternd sind wie zu Beginn. Dieses Buch hier gehört dazu. Ich heule jedes Mal an der selben Stelle wahrlich Rotz und Wasser, lache immer an den selben Stellen und denke mir, immer an den selben Stellen: Genau so war es und so wird es kommen. Dieses Buch ist grandios, ein Meisterwerk, denn es ist nicht das was der Buchtitel erstmal erahnen lässt. Hier wird keine Bergdoktor-Idylle vorgegaukelt, hier wird kein Heimatroman erzählt, hier wird die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft beleuchtet. Eine große Gabe der Autorin, diese Zeiten so genau zu betrachten und sie zu analysieren. Hier wird Klartext geredet, hier wird keine heile-Welt vorgespielt, hier geht es um genau das Bild, was vielen von uns verloren gegangen ist.

    Erzählt wird zu Beginn in zwei Generationszeiten und ab der Hälfte des Buch bis zum Schluss sogar in drei. Macht das Sinn? Und ob. Auch hier mal wieder ein Buch wo man genau lesen muss, sich Namen merken muss, Obacht geben muss, das man nicht vom Berg fällt, weil er immer steiler wird beim lesen. Als Leser ist man hier stiller Beobachter. Zuerst erfahren wir die Geschichte von Franziska und dem dem Innerleit-Hof. Wir erlesen ihre Arbeit, ihr Seelenleben, ihre verhasste und doch geduldete „Liebe“ zu „goldenen Küken“. Ferienvermietung, Kinder, Tiere, Alm, harte Zeiten. Auf dem Hof lebt auch Franziskas Schwiegervater Sepp…seine bzw. die Geschichte seiner Mutter Rosa ist der feste, dicke rote Faden und um diesen winden sich Hannes und Franziska mit ihren Kindern und dann später auch eben Sepp. Der Wechsel zwischen damals und heute wirkt zu Beginn völlig normal, so wie man das aus einer der unzähligen geschönten Landhauszeitungen kennt. Doch schnell merkt man als Leser, die Vergangenheit ist immer präsent, zeigt sich überall, manchmal muss sie halt erst wieder entstaubt werden. Alles von damals ist nicht immer schlecht gewesen und das Heute und die Zukunft versichern uns auch nicht immer das gelbe vom Ei. Man muss als junger Mensch Erfahrungen machen. Das hat Rosa gemacht, Sepp ebenfalls und Hannes und Franzi taten dies ebenfalls. Drei Generationen haben gelernt, dass das von damals alles Hand und Fuß hatte und die Zeit und die Technik damals ebenfalls das erreicht hat, um zu Leben mit dem was notwendig war. Hart war es damals, hart ist es heute. Wir sind unser eigener Schmied des Glücks und dürfen auch gern das vergangene aufleben lassen und uns zu Nutze machen. Reden hilft gegen Kummer. Auch das war damals schon so, nur muss man die Zähne erstmal dafür auseinander bekommen….klappt aber irgendwann…

    Kubsova‘s Schreibstil ist für diese „Geschichte“ perfekt gewählt. Kurz, prägnant, klare Worte ohne Geschwurbel. Sie ist treffsicher in allem und zeigt, man benötigt nicht immer Phrasen oder Schöngerede um zu verstehen. Dieses Buch beschäftigt mich schon lange und ist ein echter Schatz der Erzählkunst. Ich hoffe das von der Autorin noch mehr kommt! Der Roman könnte auf den Halligen „spielen“, in alten Dörfern in Bayern oder dem Erzgebirge, er könnte überall dort spielen, wo die Zeit sich mit der Natur verklebt hat und untrennbar geworden ist - ein gewaltiges und großartiges Buch! 5 von 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Touchdown: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Touchdown: Roman' von  John Grisham

Inhaltsangabe zu "Touchdown: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:368
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453406285
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Vivaldi und seine Töchter: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Vivaldi und seine Töchter: Roman' von Peter Schneider

Inhaltsangabe zu "Vivaldi und seine Töchter: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:288
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442771745
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Gloria!: Ein Papst-Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Gloria!: Ein Papst-Krimi' von Johanna Alba
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Gloria!: Ein Papst-Krimi"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783499257551
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Rezensionen zu "Gloria!: Ein Papst-Krimi"

  1. 4
    25. Mär 2023 

    Papst Petrus II. und die Reliquien...

    Eigentlich ist Papst Petrus II. bekannt für seine unermüdlich gute Laune. Doch im Moment gibt es wenig, worüber sich der sonst so lebens-lustige Römer freuen könnte: Es ist Fastenzeit – ein willkommener Anlass für Schwester Immaculata, Haushälterin Seiner Heiligkeit, ihn auf Diät zu setzen. Und ohne Caffè und Cornetti ist Petrus nur ein halber Papst. Erst als beim Frühjahrsputz eine Kiste mit Knochen gefunden wird, bessert sich die päpstliche Laune: Handelt es sich um die Gebeine des heiligen Petrus? Auf der Karfreitagsprozession will der Papst die Reliquien präsentieren. Aber dann fällt ein Schuss, eine Frau stürzt in die Katakomben, und statt des Heiligen-Schädels hält Petrus eine billige Kopie in den Händen. Doch wer immer hinter dem Anschlag steckt – er hat seine Rechnung ohne den Papst und dessen legendäre Spürnase gemacht! (Klappentext)

    Ich habe mir sechs Jahre Zeit gelassen, bevor ich nach "Halleluja!" nun zum zweiten Band der augenzwinkernden Krimireihe rund um Papst Petrus II. griff. Zuweilen verliere ich Reihen einfach ungerechtfertigterweise aus den Augen...

    Schwester Immaculata, die Haushälterin des Papstes, und Padre Francesco, sein Privatsekretär, putzen im Flur der toten Päpste - und dabei entdeckt Francesco eine versteckte Kiste. Darin: menschliche Gebeine und ausreichend Indizien, die darauf hindeuten, dass es sich hierbei um die sterblichen Überreste des heiligen Petrus handeln könnte. Doch als der Papst bei der von zahllosen TV-Kameras verfolgten Karfreitagsprozession den Schädel präsentieren will, hält er plötzlich nur eine Fälschung in den Händen. Außerdem schießt während der Prozession jemand auf die Gruppe um den Papst, und die päpstliche Fotografin fällt in die Katakomben und ist anschließend verschwunden. Das Verwirrspiel nimmt seinen Lauf...

    Unterstützt von seinem Privatsekretär Francesco und seiner hübschen adligen Pressesprecherin Giulia nimmt der Papst hinter den Kulissen selbst die Ermittlungen auf. Dabei stoßen sie auch auf das miese Geschäft mit den Reliquien, und selbst die Stadtverwaltung scheut sich nicht vor einem Ausverkauf der Republik: immerhin gilt es, die immensen Staatsschulden zu tilgen! Das Geschäft mit dem Jenseitsversprechen läuft jedenfalls gut - und je mehr sich jemand zeitlebens zuschulden hat kommen lassen, desto höher könnte der Preis ausfallen für eben ganz besondere Reliquien...

    Reichlich unrealistisch aber durchaus amüsant zu lesen gestalten sich die Ermittlungen, wobei es nur selten wirklich spannend wird. Jedenfalls ist es ein Vergnügen, dem unkonventionellen und zutiefst menschlichen Papst und seinen Begleiter:innen dabei zuzusehen. Der Schlagabtausch zwischen Petrus II. und der gestrengen Schwester Immaculata bietet dabei noch zusätzlichen Unterhaltungswert. Der Papst weiß das Leben zu genießen und schleicht sich immer wieder inkognito aus dem Vatikan, um in seiner Lieblingstrattoria zu speisen und damit dem eher frugalen Speiseplan Immaculatas zu entkommen. Und es gibt für Petrus II. nichts Schöneres als seine rasanten (und waghalsigen) Autofahrten quer durch Rom - während die Autobesitzerin um ihr Fahrzeug wie ihr Leben fürchtet.

    Der Fall selbst bietet eine Vielzahl möglicher Motive und Hintergründe, und es bleibt lange arg verworren, bis sich einzelne Aspekte auflösen. Das Ende selbst ist dann (zu) rasch abgehandelt, wobei ich den Ereignissen nicht vollkommen folgen konnte - auch nicht nach wiederholtem Lesen. Aber der Fall ist gelöst, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Charaktere (und ihre Beziehung untereinander?) noch entwickeln werden.

    Band 3 wird sicher noch folgen...

    © Parden

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Die Sirene: Erzählungen

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Sirene: Erzählungen' von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Inhaltsangabe zu "Die Sirene: Erzählungen"

Format:Taschenbuch
Seiten:288
EAN:9783492315517
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Der Leopard: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Leopard: Roman' von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Leopard: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
EAN:9783492059848
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Rezensionen zu "Der Leopard: Roman"

  1. Opulentes Meisterwerk, Klassiker der Weltliteratur

    Weltklassiker. Nicht nur die fremde Welt Siziliens und des siz. Adels, auch eine bildhaft poetische Sprache und kluge, zeitlose Gedanken.

    Ich muss keine Rezension schreiben und eigentlich wollte ich das genießen. Aber ich tu's nun doch, 'zu Ehren' von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Das mag jetzt theatralisch klingen, aber er hat es verdient, auch wenn er es nie lesen wird. Tragischerweise hat er auch den großen Erfolg seines einzigen Romans nicht erlebt, sondern ist vorher gestorben. Zweimal wurde sein Manuskript von renommierten italienischen Verlagen abgelehnt, aber dann wurde es auf Anhieb ein Klassiker der Weltliteratur.

    Was ist denn nun so Besonderes an diesem Buch, das kaum Handlung hat und wo es um eine längst vergangene Zeit geht, die des Niedergangs einer ganzen Gesellschaftsklasse, des Feudaladels auf Sizilien? Es beginnt in unruhigen Zeiten um 1860, als der Revolutionär Garibaldi auf der Insel landete und es um ein einiges Italien geht.

    Hauptperson ist der löwenhafte Fürst Fabrizio, der den Leoparden im Wappen hat. Daneben lernen wir seine Familie und seinen Neffen Tancredi kennen, der die schöne Angelica heiraten wird. Diese ist die nicht standesgemäße Tochter eines Bürgermeister in Donna Fugata, wo sich der Sommersitz der Fürstenfamilie befindet. Als eine Art Gegenspieler repräsentiert er eine aufsteigende Klasse von neureichen Profiteuren, wo Geld gleichbedeutend mit politischem Einfluss ist. Der Name zählt weniger, man brauchte Geld, 'Geld, um Stimmen zu kaufen...' (88).

    Dies zeigt sehr deutlich, warum es sich um einen Klassiker handelt, denn die Mechanismen der Macht, der Politik, der Gesellschaft sind immer die gleichen.

    Natürlich werden entsprechende Gedanken geäußert und Gespräche geführt – wobei sich der Fürst des Niedergangs seiner Gesellschaftsschicht und seiner Familie deutlich bewusst ist, aber es sind keine langweiligen gesellschaftspolitischen Gespräche, sondern Tomasi erzeugt eine ganz besondere Stimmung, eine überbordende Symphonie der Sinneseindrücke: die Natur, die sizilianische Landschaft, das Essen, das Wetter. Über allem hängt eine leicht morbide Melancholie. Und man kann sicher sein, dass alles eine symbolische Bedeutung hat, dass die vielen Metaphern nicht zufällig gewählt wurden. Das sagt Tomasi selber; dennoch muss man nicht alles verstehen wollen, sondern kann es einfach intuitiv auf sich wirken lassen.

    Es gibt auch humorvolle und sarkastische Untertöne und drastische Beschreibungen. Viele Gedanken sind in bildhafte Worte verpackt:

    'Ärgernisse, die wie Ameisen hervorgekrochen waren' (117), in einem Brief 'Tinten- und Gefühlsschnörkel' (122), Tänzer 'wie schwarze Krähen'. Es gibt eine Sterbeszene, die den hochgelobten Klassikern der Welt in nichts nachsteht.

    Damit will ich es gut sein lassen; ich könnte noch lange von diesem Roman schwärmen, dessen Zauber mich nach ein paar Seiten des Einlesens wieder eingefangen hat und der mir bei diesem zweiten Lesen noch mehr Genuss als beim erstenmal bereitet hat.

    Wer Freude an Klassikern hat, an schöner Sprache, an Nachdenkenswertem, wer keine 'Action' braucht, dem kann man dieses Buch wärmstens empfehlen.

    P.S. Bemerkenswertes Cover: der Leopard verschwindet aus dem Bild...

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Grand Hotel Europa: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Grand Hotel Europa: Roman' von Ilja Leonard Pfeijffer

Inhaltsangabe zu "Grand Hotel Europa: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783492070119
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