Butter: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Butter: Roman' von Asako Yuzuki
3.9
3.9 von 5 (8 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Butter: Roman"

Für alle LeserInnen von Han Kangs »Vegetarierin«, Sayaka Muratas »Ladenhüterin« und Mieko Kawakamis »Brüste und Eier« Rika, eine junge Journalistin in Tokio, recherchiert über die Serienmöderin Manako Kajii, die Männer mit ihren Kochkünsten verführt und anschließend umgebracht haben soll. Manako behauptet, sie verabscheut nichts mehr als „Margarine und Feministinnen“ und hat eine ausgeprägte Leidenschaft für hemmungslosen Genuss und insbesondere Butter. Jetzt, wo sie im Gefängnis sitzt, empfängt sie Rika, unter der Bedingung, nur über ihre Kochkünste zu reden. Für Rika werden die Begegnungen mit Manako zu einer Meisterklasse der Lebenskunst. Ein Roman, der Genuss, Essen und Trinken feiert, vor allem aber die unmöglichen Erwartungen thematisiert, die an Frauen in patriarchalen Gesellschaften heute gestellt werden.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:442
EAN:9783746640716
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Rezensionen zu "Butter: Roman"

  1. Butter

    Inhalt

    Es geht um Rika eine Journalistin, die Kontakt zu Manoko aufnimmt die angeklagt wurde Männer zu töten. Die hat unselbständige, wohlhabende, lältere Männer über Internet in ihren Bann gezogen. Sie hat für sie gekocht oder sind Essen gegangen u.ä. Sie wurde regelrecht von ihnen finanziell unterstütz. Einige behauptet es sei Edelprostitution. Jedoch waren diese Männer emotional sehr abhängig von ihr. Als Manoko diese dann fallen liess, hatten sie "Unfälle". Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Manoko für den Tod verantwortllich sei. Auf jeden Fall sitzt diese im Gefängnis.

    Rika versucht Kontakt herzustellen und für ihre Zeitung.ein Porträt über diese Frau schreiben. Manoko lehnt jeglichen Kontakt zur Presse ab. Rika versucht durch eine List, in dem sie nach ihren Lieblingsrezepten fragt Kontakt herstellen. Was ihr auch gelingt Manoko gibt Rika "Hausaufgaben" auf. Sie soll zuhause für sich Essen kochen. Z.B. Reis mit Butter und Sojasauce. Durch diese "Bekanntschft" mit dieser Frau, entwickelt Rika ein anderes Verhältnis zu ihrem Körper (sie lebte sehr asketisch und war massiv untergewichtig) und dem Essen. Auch ihre Einstellung zur Freundschaft, zur Liebe und die Verarbeitung ihrer Kindheit verändert sich.

    Für mich war das Buch eine positive Überraschung. Es war nicht durchgehend gut das Buch. Es gab Durchhänger am Anfang und in der Mitte. Aber mich hat die Entwicklung der Protagonistin sehr gut gefallen. Ich fand auch die Botschaft der Autorin und der damit verbundene Schönheitswahn der Japaner außerordentlich gelungen. Man darf nur das Buch nicht lesen, wenn man hungrig ist.

    Fazit:

    Ein lesenswertes Buch!

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  1. Kulinarische Emanzipation

    Im Mittelpunkt von Asako Yuzukis Roman „Butter“ stehen Rika, eine 34-jährige Journalistin, und Manako Kaji, eine mutmaßliche Mörderin, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, weil drei Männer jeweils in ihrer unmittelbaren Umgebung zu Tode kamen.

    Der Fall „Manako Kaji“ beschäftigt Öffentlichkeit und Presse gleichermaßen, doch Kaji lehnt sämtliche Interviewanfragen ab.

    Thematisch kreist „Butter“ um die Rolle der Frau (und auch der Männer) in der gegenwärtigen japanischen Gesellschaft. Der öffentliche und private Druck auf Frauen Ehe, Mutterschaft und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen und dabei einem untergewichtigen körperlichen Idealbild (50kg) zu entsprechen, ist allgegenwärtig. Ungefragt kommentieren selbst die als fortschrittlich und auf Gleichberechtigung Wert legenden jüngeren Männer die Körper von Frauen und äußern sich abfällig über deren Gewichtszunahmen. Dabei steht immer im Raum, dass normalgewichtige Frauen sich „gehen lassen würden“.

    Auch Rika achtet zu Beginn des Romans auf ihr Gewicht. Sie interessiert sich weder für Lebensmittel noch für deren Zubereitung und ernährt sich überwiegend von kalorienarmen Gerichten, die sie außerhalb kauft. Rikas Freundin Reiko, die selbst gerne kocht, gibt Rika den Tipp bei ihrer Interviewanfrage unbedingt Interesse an Kajis Foodblog und ihren Rezepten zu bekunden. Es funktioniert: Manako Kaji stimmt einem Interview unter der Bedingung zu, ausschließlich kulinarische Fragen zu beantworten. Infolge zahlreicher Gespräche mit Kaji im Gefängnis, verändert sich Rikas Einstellung zu Nahrungsmitteln, Genuss, ihrem eigenen Selbstbild sowie ihr Blick auf die allgegenwärtige Frauenfeindlichkeit. Sie beginnt nach Kajis Rezepten zu kochen, zunächst um Kaji in allen Einzelheiten davon zu berichten (das gehört zu Kajis Bedingungen für ein weiteres Treffen), später auch weil sie sich den Geschmacksexplosionen nicht mehr entziehen kann und ein Grundbedürfnis nach hochwertigen Zutaten und deren Zubereitung in ihr erwacht. Hartnäckig versucht Rika aber auch herauszufinden, ob Manako Kaji tatsächlich eine Mörderin ist, welche Kindheitserlebnisse sie prägten und vor allem, warum so viele Männer von Kaji angezogen sind, obwohl sie in der Öffentlichkeit als „fett“ und unattraktiv stigmatisiert wird. Kaji, die von sich selbst behauptet, sie verabscheue nichts mehr als Feministinnen und Margarine, ist eine hochinteressante, zutiefst widersprüchliche Figur mit einem ausgeprägten Bedürfnis andere zu versorgen, aber ihnen zugleich deutlich ihre Meinung und bestimmte Handlungen aufzuzwingen. Ihr Verhalten ist hochgradig manipulativ und bringt letztendlich auch Rika und ihre Freundin Reiko in Gefahr.

    Mir hat der Roman, in dem sehr viel Butter konsumiert wird, trotz einiger Längen gut gefallen. Er bietet genügend Raum über das Verhältnis von Genuss und naturbelassenen Lebensmitteln versus stark modifizierter Nahrungsmittel nachzudenken und stellt in diesem Zusammenhang auch Fragen, die die einengenden gesellschaftlichen Regeln der japanischen Gesellschaft (aber auch darüber hinaus) kritisch beleuchten. In „Butter“ wird viel gegessen und gekocht, die Gerichte, deren Zubereitung und ihr Konsum sehr ausführlich beschrieben. Die Entwicklung der Figuren war für mich durchweg interessant und stimmig. Ganz nebenbei habe ich viel über die japanische Gesellschaft, aber auch über französische Küche gelernt. Etwas gestört hat mich, dass Rikas Erkenntnisse manchmal fast wie aus einem Ratgeber für ein selbstbestimmtes Leben klingen - das hätte für mich gerne etwas subtiler in die Handlung eingebaut werden können. Letztendlich bringt Manako Kaji ein gesellschaftliches Problem auf den Punkt, wenn sie sagt: „Sich mehr um das Äußere anderer Menschen zu kümmern als um das eigene Innnere - das ist verrückt“ (S. 263). Rika durchläuft in diesem Roman eine bemerkenswerte emanzipatorische Entwicklung. Sie nimmt zehn Kilogramm zu, erkennt, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlen kann, auch wenn ihre Umwelt sie kritisch beäugt. Rika sehnt sich nach echter Verbundenheit mit anderen Menschen und sucht einen Weg, der es ihr und anderen ermöglicht, unabhängig von Aussehen und Geschlechtsidentität frei und angenommen zu sein. So gesehen bietet „Butter“ nicht nur Gesellschaftskritik, sondern auch eine Vision davon, wie Gesellschaft funktionieren könnte. Wer sich für Kulinarik und Japan interessiert, sollte diesen Roman lesen.

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  1. Ein Lesegenuss vom Feinsten

    Klappentext:
    „Rika, eine junge Journalistin in Tokio, recherchiert über die Serienmöderin Manako Kajii, die Männer mit ihren Kochkünsten verführt und anschließend umgebracht haben soll. Manako behauptet, sie verabscheut nichts mehr als „Margarine und Feministinnen“ und hat eine ausgeprägte Leidenschaft für hemmungslosen Genuss und insbesondere Butter. Jetzt, wo sie im Gefängnis sitzt, empfängt sie Rika, unter der Bedingung, nur über ihre Kochkünste zu reden. Für Rika werden die Begegnungen mit Manako zu einer Meisterklasse der Lebenskunst. Ein Roman, der Genuss, Essen und Trinken feiert, vor allem aber die unmöglichen Erwartungen thematisiert, die an Frauen in patriarchalen Gesellschaften heute gestellt werden.“

    Zugegeben dieser Roman ist speziell und es erfordert eine gewisse Disziplin beim Lesen. Warum? Autorin Asako Yuzuki beschreibt hier sehr detailliert die japanische Kultur, die japanische Lebensweise, die japanische Küche, das Berufsleben und so viel mehr. Sie benutzt dafür die normalen Begrifflichkeiten und es gibt kein Lexikon dazu. Einerseits könnte man sagen, wäre dies ein Minuspunkt für das gesamte Buch, ist es aber keineswegs. Man sollte sich Lesenotizen dazu machen und diese immer mal wieder nach beenden der Kapitel nachschlagen. Warum ich das nicht negativ finde? Der Lesefluss ist so herrlich gegeben und schlussendlich erleben wir Leser dadurch einen besonderen und vor allem realitätsnahen Einblick. Yuzuki hat in ihrem Buch „Rika“ als Hauptprotagonistin auserwählt. Dieser Charakter und genau so alle anderen (Reiko, Manako, Shinoi….) werden wunderbar beschrieben. Sie werden durch die Geschichte immer sichtbarer und wir lernen ihre Seelen kennen. Yuzuki hat hier als Aufhänger ihrer Geschichte Butter als „Geschmacksträger“ für ihre Geschichte gewählt. Perfekter geht es nicht. Yuzuki spielt mit Zweideutigkeiten par excellence. Diese trieft aus jeder Zeile bewusst unbewusst und die Autorin spielt nicht nur mit ihren Protagonisten sondern auch gewaltig mit uns Lesern. Sie führt uns, genau wie Rika, in die Kunst des guten Geschmacks ein und beschreibt anhand köstlicher Gerichte Denkweisen und Handlungsmöglichkeiten. Manako Kajii wickelt Ricka um den Finger und schlussendlich auch uns als Leserschaft. Die köstlichen Beschreibungen, bei der Butter nie fehlen darf, lösen wahre Wolllüste auf Essen aus und schlussendlich ist dies der Spiegel aller. Dieser Spiegel der menschlichen Seele zeigt sich beim essen - was mögen wir, was dürfen wir essen um in der Gesellschaft anerkannt zu sein und dazu zu gehören, dürfen wir dick sein? (allein dieses Bild der Japaner war höchst interessant zu erlesen!), dürfen wir uns wohlfühlen in unserem Körper so wie wir sind?….Viele, viele Fragen tauchen eben nicht nur bei Rika auf, sondern eben auch bei uns Lesern. Schlussendlich steht aber fest, wir sollten das essen was uns schmeckt und gut tut. Wir sollten auf keine Vorgaben achten sondern genießen. „Essen hält Leib und Seele zusammen“ - dieses Sprichwort ist hier der indirekte Schlüssel zum Leseglück. Dieser Genuss wird hier zum Türöffner vieler Probleme die jeder der Protagonisten mit sich herum trägt. Yuzuki spinnt hier ein extrem sensibles Geflecht aus Sinnlichkeit, gesellschaftlichen Zwängen, eigenen Wünschen und dem Verlangen nach Zuwendung zusammen, das es nur so ein Genuss ist. Ja, man muss hier viel verstehen und auflösen um die Geschichte im Ganzen zu verstehen. Man liest „Butter“ nicht einfach mal so weg. Man kann „Butter“ auch nicht einfach so als butterlastiges Buch abstempeln indem es nur immer wieder um Butter geht, denn hier steckt so viel mehr drin. Hier stecken so viele Zweideutigen drin, so viel japanische Kultur, so viele Emotionen.
    Die Autorin wendet, wie gesagt, feine und ruhige Techniken an um den Leser zu verführen. Ihr Schreibstil ist klar und bildlich, ihr Ausdruck dem japanischen (weiblichem) Gefühl angepasst: ruhig und unaufgeregt. Was wir hier erlesen ist eine Abbild der Gesellschaft die sich durch eigene Zwänge und Vorgaben des angeblich lebenswerten Lebens selbst zerstört und die wahrlich wichtigen Dinge wie Liebe und Zuwendung ganz weit hinten anstellt.
    Da ich der japanischen Literatur mittlerweile verfallen bin, war dieses Buch ein Muss. Eine sehr gute Freundin, die sich mit der japanischen Kultur bestens auskennt, war mir hier eine große Hilfe und eigentlich müsste es hierfür einen Minuspunkt für das Lesevergnügen geben, denn ohne dieses Wissen bzw. eine Suche nach den „Fremdworten“ wäre das Verständnis hier anders ausgefallen bzw. die Lesezeit etwas länger gewesen. Warum dann doch 5 Sterne? Ich habe selten so ein anspruchsvolles Werk gelesen, das den Leser so von einem Autor einlullt, ja gar fast verführt. Das ist für mich die große Kunst der Literatur. Es ist ein Glücksfall, dass dieses Buch endlich auf Deutsch erschienen ist und es ist kein Wunder, dass so viele japanische Leser dieses Buch zu seinem Erscheinen 2017 so gefeiert haben. Wer die japanische Seele kennenlernen will, sollte Butter essen und dieses Buch lesen! 5 von 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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  1. 3
    03. Mär 2022 

    Vielleicht ein bisschen viel Butter

    Rika ist Journalistin und fasziniert vom Fall der mutmaßlichen Serienmörderin Manako Kajii, die ihre Opfer mit ihren Kochkünsten verführt haben soll. Nach mehreren Briefen gelingt es Rika, zu Kajii ins Gefängnis vorzudringen, wo diese gerade auf ihre zweite Verhandlung wartet. Doch Kajii weigert sich hartnäckig, sich mit irgendjemandem über die Morde zu unterhalten, weshalb Rika stattdessen versucht, ihr Vetrauen mit Gesprächen übers Kochen zu gewinnen. Nach und nach entdeckt sie dabei auch ihre eigene Liebe zum Essen und findet so eine Möglichkeit, dem harten Alltag als Frau in der japanischen Gesellschaft wenigstens für eine Weile zu entfliehen und ein ganz neues Selbstgefühl zu entwickeln.

    Kritikpunkte sind für mich einerseits, dass ich mit den Protagonistinnen nicht recht warm wurde, da ich ihr Handeln häufig nicht ganz nachvollziehen konnte. Vielleicht ist das dem geschuldet, dass der Fokus nicht so sehr auf ihren Empfindungen lag, sofern diese über die Lust am Essen hinaus gingen; was dann auch schon mein zweiter Kritikpunkt ist: Insgesamt ging es mir - man hätte es sich bei Cover und Titel denken können, ich gebe es zu - einfach zu viel um Butter in all ihren Facetten. Gerade in der ersten Romanhälfte habe ich es häufig so empfunden, dass sich mehr die Handlung an den Gerichten orientiert als dass letztere Teil der Handlung sind. Mit der Zeit konzentriert sich der Roman dann jedoch mehr auf die patriarchalischen Vorstellungen der Gesellschaft, was mir dann auch besser gefallen hat.

    Zentrales Thema sind die Anforderungen an die japanische Frau, die schlank, ehrgeizig, genügsam, fleißig, hübsch und gehorsam zu sein hat und am besten Arbeit, Familie und Haushalt unter einen Hut bekommt, ohne sich zu beschweren. Dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist, sollte jedem klar sein, und es wird auch im Roman mehr als deutlich spürbar: Daran, wie die Frauen sich mit allen Mitteln in ein völlig verdrehtes und ungesundes Bild ihres Körpers zu zwingen versuchen; daran, dass es vollkommen üblich ist, als weibliche Journalistin Informationen nur gegen entsprechende körperliche Gefälligkeiten zu bekommen (und dafür am Ende des Tages trotzdem weniger Rechte und weniger Verdienst zu erhalten); daran, dass kaum ein Kind in einem gesunden, gut funktionierenden familiären Umfeld aufzuwachsen scheint. Die Darstellung dieser Aspekte hat mir sehr gut gefallen, gerade auch, da die Protagonistin dahingehend im Laufe des Romans eine große Entwicklung durchmacht.

    Insgesamt ist "Butter" für mich ein Roman, der mir irgendwie gefallen hat und irgendwie auch wieder nicht so ganz. Interessant fand ich die Lektüre aber allemal.

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  1. Drei Frauen und ein Truthahn

    Dieser Roman „Butter“ ist schwierig zu beschreiben, da er keinen roten Faden hat und wenig Struktur. Der Leser weiß an keiner Stelle, wo alles hinführen soll und ist am Ende auch nicht viel schlauer. Von allen asiatischen Romanen, die ich bis jetzt gelesen habe, hat dieser hier mir am wenigsten gefallen. Der Vergleich mit „Die Vegetarierin“ ist auch hinfällig. Manchmal liest sich „Butter“ zäh, oft kommt Langeweile auf, manchmal auch ein Hoffnungsschimmer, aber so richtig glücklich bin ich nicht damit geworden.

    Worum geht es nun? Rika, die Protagonistin, ist Journalistin bei einer Frauenzeitschrift und hat sich vorgenommen, die Geschichte von Manako Kajii zu ergründen. M. K. sitzt im Gefängnis und soll mindestens drei Männer getötet haben. Rikas Besuche bei M. K. sind meist sehr mysteriös oder M. K. will sie gar nicht sehen und die Fahrt ins Gefängnis war vergeblich, also Zeitverschwendung. Kajii lügt auch wie gedruckt, so dass weder der Leser noch Rika weiß, was nun Sache ist. Das ist für beide Parteien recht unbefriedigend.

    Nun lässt Rika sich von Kajii durch die Geschichte treiben. Da werden Mutter, Schwester und Nachbarn der Gefangenen besucht, da wird Essen gegangen, sogar von ihr angeordneter Sex wird durchgeführt. Ein Kochkurs darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Befriedigende Antworten gibt es nie, aber die Autorin versteht es schon hin und wieder den Leser zu schockieren.

    Einmal dachte ich auch, huh, jetzt wird es doch noch spannend, als Reiko, Rikas extrem übergriffige Freundin, plötzlich und unverhofft zu Wort kommt. Ab Seite 268. War dann aber doch wieder nichts. Ich konnte mich weder in die eine, Rika, noch in die andere Frau, Reiko, einfühlen und in Kajii schon gar nicht.

    Ab Seite 379 dachte ich, das Verhältnis der beiden Protagonisten Rika und Kajii kehrt sich um. Zugunsten von Rika, die endgültig die Oberhand gewönne, weil sie von Natur aus gütig ist und Kajii nie Güte gewohnt war. Aber auch das war nicht so.

    Zum Spiel mit den Identitäten. Wer ist wer? Wer erweitert wessen Horizont? Wer erkennt Dinge, die bisher verborgen waren? Oder darf man nur an das glauben, was unmittelbar erreichbar ist? Soll man ein vermeintliches Idol anbeten und Fankult betreiben, oder lieber nicht? Allein oder zu zweit? Dieses Spiel hätte echt was werden können, wurde aber nicht. Schade!
    So wurde es lediglich zur Frage aller Fragen, warum es keinen Truthahn geben durfte.

    Fazit: Aus meiner Sicht leider nicht empfehlenswert. Viel Butter ja und die lieber essen als darüber lesen. Tolles Coverdesign, aber literarisch unbefriedigendes Verwirrspiel um diese drei Frauen und eine Handvoll Männer. Das können andere besser.

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  1. Einblick in japanische Denk- und Lebensweisen

    ‚Ein Nagel, der hervorsteht, muss flachgeklopft werden‘, ist die Einstellung in Japan! ‚Ja nicht auffallen‘ ist somit die Devise - Individualismus ist verpönt, auch figur- und kleidungs-mäßig.

    Aber warum hatte dann die mollige 3-fach Mörderin Manako Kajii so ‚viel Erfolg‘ bei Männern? Das ist eine der Fragen, die die Journalistin Rika Machida bewegen und sie um ein Interview bei Kajii im Gefängnis anfragen lässt. Aber erst auf Grund eines Tipps ihrer Freundin Reiko, es mit dem Thema Kulinarik zu versuchen, gelingt ihr der Zugang.

    Und es ist beeindruckend, wie die Besuche die Einstellung von Rika verändern: von der – notwendig, aber als zeitraubendes Übel angesehenen – reinen Nahrungsaufnahme zum Genuss! Wir lesen köstliche Beschreibungen wie z.B. ‚Eine goldglänzende, würzige, in ihrer Reichhaltigkeit überschäumende Woge aus Duft und Geschmack schlug über Rika zusammen, überschwemmte sie, riss sie mit sich fort.‘ Den Genießern unter der Leserschaft läuft dabei das Wasser im Mund zusammen. Fazit: für Asketen ist dieses Buch absolut ungeeignet!

    Aber nicht nur die Kulinarik spielt eine große Rolle im Roman, sondern auch viele Beobachtungen und Erkenntnisse über Beziehungen zwischen Mann und Frau. Besonders uns Frauen (nicht nur den japanischen) wird ein Spiegel vorgehalten und das dürfte für etliche äußerst unangenehm sein! Es geht aber auch um Stolz, nicht um Hilfe bitten zu können, und um narzisstische Personen, zu denen der Kontakt sogar lebensgefährlich sein kann.

    Für mich (mit japanischer Schwiegertochter und großem Interesse an Japan) war es außerdem faszinierend, wie vielen Eigenheiten der japanischen Lebensweise ich begegnete. Da war z.B. Rikas sofortiger Kauf eines Reiskochers, der mich amüsierte. Hintergrund: in Japan wird kein Reis einfach im Topf gekocht! (Und so ein Reiskocher, den ich inzwischen auch seit vielen Jahren benutze, ist superpraktisch: einmal eingefüllt, brauche ich mich nicht mehr drum zu kümmern und der Reis bleibt 12 Stunden heiß! Ideal also für die jap. Lebensweise.) Überhaupt ist ‚Butter‘ sehr, sehr facettenreich und überraschte mich immer wieder mit seinen Wendungen.

    Wer also an der japanischen Gesellschaft und psychologischen Hintergründen interessiert und außerdem aufgeschlossen für Genuss ist, dem empfehle ich dieses Buch wärmstens! Mich hat es restlos begeistert! Leider steht mir nur die Höchstzahl von 5 Sternen für dieses Buch zur Verfügung, ich wünschte, es wären mehr!

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  1. Zu speziell japanisch

    Ohne den japanischen Namen der Schriftstellerin käme man nie auf die Idee, dass es sich im Original um einen japanischen Roman handelt. Zudem spielt traditionell Butter in der japanischen Ernährung keine Rolle, ist heutzutage eher ein Live-Style- Luxus-Produkt, den Geschmack von Fett mag der Durchschnittsjapaner gar nicht. Ungewöhnlich auch, dass keine Stäbchen sondern ein Besteck auf dem Cover abgebildet ist.
    Um einigermassen Zugang zu dem Buch zu finden muss man etwas Vorwissen über die Japanische Kultur mitbringen. Die traditionelle Rolle der Frau, dass Essen nicht nur Nahrung und Genuss bedeutet und wie die westliche Kultur in die japanische eindringt.
    Erst dann kann man verstehen, um was es in diesem Buch geht. Es gibt keinen Spannungsbogen, kein üblicher Roman liegt hier vor. Das Fazit, der Erfolg des Buches, beziehungsweise der agierenden Journalistin Rika, liegt darin, dass ihre Mutter den Tabubruch Truthahn mit Sojasosse auf japanische Art zuzubereiten vorschlägt und trotz ihrer Aufgabe sich um den Großvater zu kümmern eine Übernachtung bei der Tochter geplant wird, und auch Nicht- Familienmitglieder sollen dort übernachten können. Für unser Verständnis normal, für japanische Frauen fast etwas wie ein Coming Out.

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  1. 5
    10. Feb 2022 

    Margarine und Feministinnen

    Rika ist Journalistin und recherchiert gerade über die Serienmörderin Manako Kajii, die mit ihrer Kochkunst Männer erst verführt und dann getötet haben soll. Manako ist dabei alles, was Rika nicht ist: laut, selbstbewusst, dick. Nach eigener Aussage verabscheut sie nichts mehr als „Margarine und Feministinnen“ und liebt es stattdessen, Männer kulinarisch zu verwöhnen. Über dieses Thema gelingt es Rika schließlich, sie zu einem Interview zu überreden, in dem es jedoch explizit nicht um die Morde gehen soll. In den Gesprächen wird Rika immer mehr in Manakos Bann gezogen – doch ist diese Frau tatsächlich eine Serienmörderin?

    Asako Yuzukis Roman „Butter“ erschien in Japan bereits im Jahr 2017 und war dort ein Bestseller. Die Handlung wird hauptsächlich aus Rikas Perspektive in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt. Die Sprache ist klar und simpel, lebt aber auf jeden Fall von ihren Beschreibungen der einzelnen Gerichte. Von Manako lernt Rika vor allem eines: gutes Essen und hochwertige Lebensmittel zu schätzen. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sie sich zu einer wahren Feinschmeckerin und auch wir Leser*innen dürfen an dieser Reise teilhaben.

    Das Buch spricht neben dem Essen natürlich auch noch andere Themen an. Rikas Beispiel – und auch das ihrer Freundin Reiko – zeigt deutlich, welche Erwartungen an japanische Frauen gestellt werden. Sie sollen möglichst schlank sein und eine gute Köchin, sonst gelten sie als faul. Rikas Beschäftigung mit gutem Essen führt zwangsläufig dazu, dass sie zunimmt. Für ihren Freund Makoto ist das ein Ärgernis, schließlich soll sie sich nicht „gehen lassen“. (Dabei war Rika bisher eher untergewichtig.) Umso unverständlicher und schockierender ist für die Öffentlichkeit der Umstand, dass Manako Kajii mit ihrer Figur überhaupt so viele Männer um den Finger wickeln konnte. Es geht in „Butter“ jedoch auch um Kinderwunsch, Geschlechterrollen und Frauen im Berufsleben.

    Fazit: Nach der Lektüre möchten man am liebsten selbst sofort zum Kochlöffel greifen, aber der Roman ist auch ein klug konstruiertes Psychogramm einer Frau, die eigentlich nur lieben und geliebt werden wollte.

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Seiten:224
EAN:9783896676993
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5
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Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442772681
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Rezensionen zu "Die Telefonzelle am Ende der Welt: Roman"

  1. Grandios!

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:
    „Eine Tagesfahrt von Tokio entfernt steht in einem Garten am Meer einsam eine Telefonzelle. Nimmt man den Hörer ab, kann man dem Wind lauschen – und den Stimmen der Vergangenheit. Viele Menschen reisen zu dem Telefon des Windes, um mit ihren verstorbenen Angehörigen zu sprechen und um ihnen die Dinge zu sagen, die zu Lebzeiten unausgesprochen blieben. So kommt eines Tages auch Radiomoderatorin Yui an den magischen Ort. Im Tsunami von 2011 verlor sie ihre Mutter und ihre kleine Tochter. Yui lernt in dem Garten den Arzt Takeshi kennen, auch er muss ein Trauma verarbeiten. Die beiden nähern sich an, gemeinsam schöpfen sie neuen Mut. Und erlauben sich zum ersten Mal, dem Leben einfach seinen Lauf zu lassen. Ganz gleich, was es für sie vorgesehen hat ...“

    Dieses Buch von der jungen Autorin Laura Imai Messina stand schon lange auf meiner Wunschliste. Meine Erwartungen waren groß, denn allein der Klappentext berührte mich und brachte alte Erinnerungen hoch, damals aus dem Jahr 2011, als ein Tsunami die Küste Japans traf, wie ein Faustschlag in die Magengrube und man vor lauter Schmerz zu Boden geht. Bilder kommen wieder hoch, auch wenn nur im TV gesehen, aber ich war zu dem Zeitpunkt an einem Ort, der mich immer stets behütet festhält, mit meinen liebsten Lieblingsmenschen um mich herum. Ein Ort wo es schön ist und woanders auf der Welt erfahren Menschen in genau dem Moment das größte Leid... und nun kommt eben das Buch von Messina mit ihrer Geschichte um Yui...
    Die Geschichte vom Garten am Meer mit einer Telefonzelle die man auch benutzen kann, soll, darf, obwohl am anderen Ende niemand mit einem sprechen wird, sondern nur das Rauschen des Meeres zu hören ist, ist in Japan Tradition. Andere sprechen am Hausaltar mit Verstorbenen und andere nutzen die „Telefonzelle des Windes“, denn das ist eigentlich der richtige Name. Protagonistin Yui lernen wir unheimlich behutsam kennen. Die Autorin schafft es, das man sie sieht vor dem inneren Auge, das man irgendwie sofort ihren Seelenzustand erblickt und etwas sieht, was dunkel und schwer ist. Yui hat das schmerzlichste beim Tsunami 2011 erlitten was es nur gibt. Messina führt uns sehr gefühlvoll und extrem bewegend an diese Seite, ohne das wir zu tief in die Materie tauchen müssen. Hier verstehen wir einfach die Lage auch so....bei so einem großen Verlust, brauch es auch nicht vieler Worte. Yui hat nach diesem Erlebnis ihr Leben bestmöglich wieder in ihre Bahnen gelenkt (sie hat Marotten und hält diese fest)...so gut es geht eben und arbeitet bei einem Radiosender als Moderatorin. Man hat das Gefühl ihr eigenes Leid mit dem Leid anderer Hörer zu betäuben. Sie hört Menschen zu, gibt Ratschläge, obwohl sie selbst innerlich zerbrochen ist. Ihren Kummer trägt sie zur Telefonzelle des Windes und erzählt dem Wind, bzw. ihren verstorbenen Lieben ihr Leid, ihre Sehnsucht, ihre Trauer. Als dann Takeshi, ein Arzt, dazu stößt, scheint es eine weitere Last zu werden. Die beiden verstehen sich, aber auch Takeshi muss auch ein Trauma verarbeiten und auch das beschäftigt Yui intensiv. Dennoch merken beide schnell, das der gemeinsame Weg helfen kann und eben das Reden mit dem Wind...Die Routine der beiden gerät aus dem Gleichgewicht, aber es soll ihr Schaden nicht sein....Messina malt vor dem Leserauge förmlich Bilder mit feinem Pinselstrich. Behutsam, einfühlsam und extrem bewegend (eines der wenigen Bücher wo ich wahrlich unzählige Taschentücher verbraucht habe) nimmt sie den Leser an die Hand und zeigt uns Trauerbewältigung und das Leben nach so einem heftigen Schicksalsschlag auf. Die Geschichte ist an die Realität geknüpft und man kann sehr viel über den Ort, an dem die Telefonzelle steht, nachlesen...Mit dieser Geschichte im Hinterkopf, wird man so etwas mit anderen Augen betrachten. Hier in Deutschland würde man mit Sicherheit dafür belächelt, wenn man sich so etwas in den Garten stellt, aber die Japaner wissen es dieses Mal einfach besser und gefühlvoller. Die Trauer von der Seele reden, sie teilen, sie vor allem zulassen und verarbeiten....
    Dieses Buch hat mich extrem tief bewegt. Messinas melodische, klare Sprache erinnert wirklich an eine japanische Autorin, aber die junge Dame ist gebürtige Europäerin und lebt aber schon seit langem in Tokio....da hat wohl jemand sein Herz an ein Land und eine Kultur verloren, die sie sehr schätz. Respekt und Hut ab vor diesem grandiosen Werk! 5 von 5 Sterne!

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Seiten:480
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EAN:9783442718603
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Der Maler der fließenden Welt: Roman

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In den dreißiger Jahren hat der Maler Masuji Ono seine Kunst in den Dienst der japanischen Expansionspolitik gestellt. Jetzt, nach dem Krieg, ist sein damaliger Hurrapatriotismus anrüchig geworden, und als seine Tochter heiraten will, wird seine politische Vergangenheit zur Belastung für die Familie. Seine Lebensbeichte offenbart ein heilloses Geflecht von Schuld und Irrtum und ist ein Läuterungsprozess, nach dem er nicht mehr derselbe sein wird wie zuvor. Kazuo Ishiguros eindringlicher, meisterhaft erzählter Roman über einen Künstler, der mit seiner Vergangenheit ringt, lässt das vom Krieg zerrüttete Japan der Nachkriegszeit wieder aufleben, ein Land im Umbruch, in dem verschiedene Lebensweisen um die Vorherrschaft kämpfen und ein Volk zwischen Tradition und Moderne nach einem neuen Lebenssinn sucht.


Format:Broschiert
Seiten:256
EAN:9783896677020
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Die rätselhaften Honjin-Morde: Kriminalroman

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4
4 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die rätselhaften Honjin-Morde: Kriminalroman"

»Japans Antwort auf Agatha Christie« The Guardian Es ist der Winter 1937, und der Ort Okamura befindet sich in heller Aufruhr: schon bald wird die renommierte Ichiyanagi-Famile ihren Sohn vermählen. Aber unter den Tratsch über das anstehende Fest mischt sich ein besorgniserregendes Gerücht: ein maskierter Mann streift durch das Städtchen und fragt die Leute zu den Ichiyanagis aus. In der Hochzeitsnacht dann erwacht die Familie durch einen furchtbaren Schrei, auf den eine unheimliche Melodie folgt. Ja, der Tod ist nach Okamura gekommen und hat keine weitere Spur als ein blutiges Samurai-Schwert hinterlassen, das im reinen Schnee im Hof des Hauses steckt. Der Mord am frisch vermählten Paar gibt Rätsel auf, war doch das Schlafzimmer von innen verschlossen. Doch der private Ermittler Kosuke Kindaichi will den Fall unbedingt lösen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:206
Verlag: Blumenbar
EAN:9783351051099
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Rezensionen zu "Die rätselhaften Honjin-Morde: Kriminalroman"

  1. 4
    18. Dez 2022 

    Locked-Room-Murder-Mystery - Made in Japan

    Wer Fan des Werkes von Agatha Christie, der Grande Dame des britischen Krimis ist, wird auch Gefallen an den Kriminalromanen des japanischen Autors Seishi Yokomizo finden. Mit seiner Reihe um den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi tritt er in die Fußstapfen seiner Ladyschaft. Den Anfang dieser Reihe macht das Buch „Die rätselhaften Honjin-Morde". Dieser Roman, welcher 1973 in Japan erschien, liegt nun erstmalig in deutscher Sprache vor, Herausgeber ist der Blumenbar Verlag.
    Bei „Die rätselhaften Honjin-Morde" handelt es sich um ein sogenanntes „Locked-Room-Murder-Mystery“. Ein (Selbst-)Mordopfer in einem geschlossenen Raum, die Mordwaffe ist außerhalb oder nicht auffindbar, im Mittelpunkt steht daher die Frage „Wie wurde das Verbrechen begangen?“. Ein „Locked-Room-Mystery“ ist also ein Rätsel, mit dessen Auflösung sich der Leser während der Lektüre befasst.
    Im vorliegenden Roman „Die rätselhaften Honjin-Morde“ haben wir folgendes Ausgansszenario:
    Ein frisch verheiratetes Paar wird auf brutale Weise während der Hochzeitsnacht niedergemetzelt. Das Rätselhafte an dieser Sache: Der Raum, in dem das Paar ermordet wurde, ist von innen verschlossen; es gibt keinerlei Möglichkeiten, dass der/die Mörder nach der Tat aus dem Zimmer entkommen konnten. Ein Selbstmord kann ausgeschlossen werden, da die Mordwaffe, ein Katana, außerhalb des Raumes gefunden wird. Unerklärlich wie dieses Schwert dahingekommen ist, denn es gibt keinerlei Spuren, Fenster und Türen sind von innen verriegelt.
    Dieses Verbrechen ist somit ein Ding der Unmöglichkeit. Was ist also passiert?

    Alle Beteiligten, inklusive Leserschaft dieses Buches, stehen also vor einem Rätsel, das gelöst werden will. Aber ohne intelligente und scharfsinnige Unterstützung wird eine Aufklärung dieses ungewöhnlichen Verbrechens nicht möglich sein, denn auch die Polizei tappt im Dunkeln.
    Intelligenz und Scharfsinn kommen in der Person des jungen Kosuke Kindaichi daher, der seit kurzem als Privatdetektiv tätig ist und sich in dieser Zeit bereits einen beachtlichen Ruf erarbeitet hat.
    Kosuke hat mit Detektiv-Kollegen wie Hercules Poirot oder Sherlock Holmes Intelligenz, Scharfsinn Kombinier- und Beobachtungsgabe gemeinsam. Doch das war's dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Er ist kein wohlhabender, älterer Gentleman-Ermittler, sondern ein jungenhafter Mann, Anfang 20, nachlässig, was sein Äußeres betrifft und er stottert. Kosuke ist also kein Mann, dem im ersten Moment Respekt entgegengebracht wird. Auf den zweiten Blick macht er jedoch Boden gut. Denn sobald er seine Mitmenschen durch seine Kombiniergabe verblüffen kann, steht er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das Rätsellösen bereitet ihm großes Vergnügen. Und man wird das Gefühl nicht los, dass das Aufklären eines Verbrechens ein Spiel für ihn ist.
    Schauplatz der Handlung ist ein kleines Dorf in Japan,im Jahre 1937. Die Morde sind im Haus der Familie Ichiyanagi geschehen. Der Autor Seishi Yokomizo gewährt dabei einen interessanten Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen eines traditionsbewussten Japans der damaligen Zeit. Für Leser außerhalb dieses Kulturkreises ist dieser Roman
    daher eine Gelegenheit, sich intensiver mit einem unbekannten Land zu befassen, wobei ein Glossar am Ende des Romans zur Erklärung japanischer Begriffe, die in dem Text zu finden sind, sehr hilfreich und interessant ist, genauso wie ein Personenregister sämtlicher Charaktere.
    "Die rätselhaften Honjin-Morde" ist ein gemütlicher Kriminalroman, der sprachlich an seine englischen Pendants erinnert. Der kultivierte Umgang der Charaktere steht im Mittelpunkt. Man geht höflich, fast schon devot miteinander um. Dies mag ein Ausdruck der japanischen Höflichkeit sein. Doch es passt genauso gut zu den britisch-korrekten Umgangsformen, die man von den Romanen einer Agatha Christie gewohnt ist.
    Eine reißerischer Handlungsverlauf wäre bei Seishi Yokomizo völlig fehl am Platze. Der Plot dieses Romans bringt die Spannung von Beginn an auf ein hohes Niveau, das durch das Rätselraten, vor dem man sich nicht verwahren kann, bis zur Auflösung gehalten wird. Natürlich versteht sich von selbst, dass diese Auflösung spektakulär ist und sicher keine Lösung darstellt, auf die man ohne Kosuke Kindaichis Scharfsinn gekommen wäre.
    Seishi Yohomizo fungiert übrigens als auktorialer Erzähler, der den Leser durch die Handlung führt und ihn immer wieder auf bedeutsame Momente hinweist.
    Fazit:
    Ein herzerfrischender Locked-Room-Mystery-Kriminalroman, der die Gehirnzelten ganz schön anstrengt und große Ähnlichkeit mit den Klassikern der britischen Kriminalliteratur hat. Die geistige Brillanz des Ermittlers Kosuke Kindaichis lässt hoffen, dass noch weitere Fälle dieser Reihe im deutschsprachigen Raum veröffentlicht werden.

    © Renie

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  1. Kosuke Kindaichis erster Fall

    Gestaltung:
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    Das Cover ist sehr passend, so nostalgisch, ein wenig im Stil von Edgar Wallace, auch die Schrift betreffend. Es ist schlicht und dennoch macht das von Blut umgebene Schwert neugierig. Zudem ist mir aufgefallen, dass die Farbgebung umgekehrt zur Japan-Flagge ist (roter Kreis vor weißem Hintergrund). Diese Anspielung passt auch sehr gut.
    Insgesamt ist die ganze Gestaltung sehr hochwertig, auch der Umschlag ist ungewöhnlich: vorne wie ein Hardcover, innen durch zwei Klappen die Andeutung eines Schutzumschlags. Es ist schwer zu beschreiben, aber dies habe ich zuvor noch nicht gesehen und mir gefällt es sehr gut!

    Inhalt:
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    Ein japanisches Dorf 1937: In der Hochzeitsnacht wird das Brautpaar der angesehenen Familie Ichiyanagi tot aufgefunden. Der Raum war verschlossen, die Spuren, die man findet, geben viele Rätsel auf. Der Onkel der Braut traut der örtlichen Polizei nicht die Aufklärung des Falles zu und engagiert seinen Ziehsohn Kosuke Kindaichi, der ein anerkannter Privatdetektiv ist, um zu ermitteln.

    Mein Eindruck:
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    Der Schreibstil hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Ein unbekannter Ich-Erzähler leitet die ganze Geschichte ein. Er erzählt den Fall, als hätte ihm ein Dorfbewohner alles erzählt. Dies vermittelt dem Leser ein sehr authentisches Gefühl, als wäre der Fall in der Realität passiert. Es wird viel beschrieben, auch eine Liste der Personen sowie der wichtigsten japanischen Begriffe am Buchende sind eingefügt. Besonders genial ist die Skizze des Tatorts, mit deren Hilfe man sich immer wieder bei neuen Fakten orientieren kann.

    Mithilfe der vielen Beschreibungen taucht man in die Zeit und die Kultur Japans der 1930er-Jahre ein. Durch die Führung des Ich-Erzählers, der den Leser an einigen Stellen auch direkt anspricht, fühlt man sich eingeladen, mit zu rätseln. Interessant sind auch die häufigen Verweise des Erzählers auf ähnliche literarische Fälle westeuropäischer Schriftsteller wie z. B. John Dickson Carr, Arthur Conan Doyle uvm. Der Vergleich mit Agatha Christie in Japan passt hier durchaus. Man bekommt als Leser sehr viele Informationen, die ein konzentriertes Lesen erfordern. Zu unterscheiden, welche Spuren nützlich sind und welche in die Irre führen, das muss der Leser selbst entscheiden.

    Das macht das Buch bis zum Ende sehr spannend und man merkt, dass der Autor einen Spaß dabei hatte, mit dem Leser ein wenig zu spielen. Am Ende erfolgt eine klassische Auflösung, bei der der Detektiv die verdächtigen Personen an einem Ort versammelt und sehr eindrucksvoll seine Gedanken und schließlich die Lösung präsentiert. Auch wenn die Klärung für mich etwas konstruiert wirkte, fand ich die Erläuterung schlüssig und die Konstruktion genial. Daher habe ich mich sehr amüsiert und Kosuke gefiel mir in seiner Art sehr gut. Ein wenig hat er mich an Columbo erinnert, der aufgrund seiner anscheinend harmlosen Fragen und seiner Optik oft unterschätzt wird. Dies ist der erste Fall des Autors, der ins Deutsche übersetzt wurde und ich hoffe, dass noch weitere folgen werden!

    Fazit:
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    Ein meisterhaft geschriebener und gut übersetzter Japan-Krimi, der bis zum Schluss zum Miträtseln einlädt

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  1. 3
    19. Sep 2022 

    Sehr konstruierter Klassiker

    Winter 1937, Dorf O., Japan. Nach vielen Jahren als alleinstehender Mann hat Kenzo, der älteste Sohn der Familie Ichiyanagi beschlossen, die junge Lehrerin Katsuko zu heiraten. Doch nach einem rauschenden Fest wartet am Morgen die grauenvolle Überraschung: Das Brautpaar wird tot in einem verschlossenen Raum gefunden, draußen im Schnee steckt ein blutiges Katana. In seiner Verzweiflung lässt der Onkel der Toten Privatdetektiv Kosuke Kindaichi herbeirufen.

    Seishi Yokomizo gehört zu Japans bekanntesten Krimiautoren. Seine Reihe um Detektiv Kindaichi umfasst im Original 77 Bände; der erste - „Die rätselhaften Honjin-Morde“ entstand im Jahr 1946. In der Geschichte inszeniert sich der Autor selbst als Erzähler und Zeitzeuge der Ereignisse und beschreibt, wie er selbst den Schauplatz des Verbrechens besuchte und über beteiligte Personen von den grauenhaften Morden erfuhr. Der Krimi lest sich daher eher wie eine Art Bericht mit Kommentaren des Erzählers und sogar einer Skizze des Tatorts. Zum bessern Verständnis dienen ein Personen- und Fremdwortverzeichnis am Ende des Buches.

    Das Buch ist ein klassischer „Locked Room Mystery“, also ein Kriminalfall, der sich in einem abgeschlossenen Raum auf scheinbar unmögliche Art und Weise abgespielt hat. Diese Technik, die auf Edgar Allan Poe zurückgehen soll, wurde auch schon von anderen berühmten Autoren wie Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie verwendet. Im Roman wird sogar selbstreflexiv über die Autoren und darüber gesprochen, was einen guten Krimi dieses Genres ausmacht. Im Verlauf werden Hinweise gestreut und Verdächtige präsentiert – die Auflösung kommt dann recht überraschend.

    Obwohl ich sehr gerne japanische Literatur lese, konnte ich mich mit diesem Werk nicht recht anfreunden. Detektiv Kindaichi trägt Züge des großen Sherlock Holmes oder auch von Hercule Poirot, kann aber deren Charisma nicht erreichen. Auch die Auflösung des Falles war mir zu glatt, das Motiv machte mich sogar wütend, was natürlich der Entstehungszeit des Romans geschuldet sein mag. Yokomizos Bedeutung für das Genre kann ich durchaus anerkennen, das macht diesen Krimi für mich aber leider nicht spannender.

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  1. 4
    08. Sep 2022 

    Der Hochzeitsplan

    Die Ichiyanagis planen ein Freudenfest. Ihr Sohn will endlich heiraten. Die Einladungen sind geschrieben und alle freuen sich auf das Fest. Doch das Glück wärt nur kurz. In der Hochzeitsnacht ertönen Schreie. Die Eltern stürzen in das Schlafzimmer und müssen entsetzt feststellen, dass das Hochzeitspaar auf seinem Lager niedergestreckt wurde. Offensichtlich wurden beide von einem gemeinen Mörder erstochen. Die Familie Ichiyanagi musste schon manchmal mit Verlusten leben, doch wer soll es auf ein junges Paar abgesehen haben. Etwa der seltsame Fremde, der durch die Gegend schlich? Der private Ermittler Kosuke Kindaichi steht vor einem Rätsel.

    Mit Kosuke Kindaichi betritt ein bisher hier nicht bekannter Ermittler die Bühne. Er ist ein besonnener Privatdetektiv, dem kein Rätsel zu schwierig ist. Hier bekommt er es mit einem Mord in einem geschlossenen Raum zu tun, der eigentlich unmöglich ist. Und doch ist ein junges Paar tot und die Umstände sind zunächst mal nicht zu erklären. Die Familie Ichiyanagi leidet sehr unter dem grausamen und frühzeitig Tod ihres Sohnes und der Schwiegertochter. Ein Teil ihrer Zukunft wurde einfach ausgelöscht. Immer wieder durchleben sie die Todesnacht, die eigentlich eine Hochzeitsnacht hätte werden sollen und sie erinnern sich an den Klang der Koto.

    Der Autor, der seinen Ermittler Kosuke Kindaichi 77 Fälle beschert hat, lebte von 1902 bis 1981. Der vorliegende erste Band spielt im Jahr 1937. Selbst ein Liebhaber von klassischen Detektivgeschichten ist es Saishi Yokomizo gelungen einen gewieften Ermittler zu erschaffen, Mit seiner ruhigen Art überzeugt Kindaichi. Aus heutiger Sicht gelesen entwickelt sich dieser Kriminalroman eher langsam. In der schnelllebigen Zeit heute ist dies durchaus ein Plus. Man kann sich der Lektüre hingeben und in eine andere Zeit, eine andere Kultur eintauchen. Durch die anschaulichen Beschreibungen vermag man sich zumindest vage vorzustellen, wie es in einer Japanischen Familie zugegangen sein kann.

    Das Hörbuch wird dem Setting sehr angemessen vorgetragen von Denis Moschitto, dessen Betonung der japanischen Namen und Ausdrücke einiges an Sachkunde vermuten lässt. Ein wenig vermisst man beim Hörbuch eine Möglichkeit, die Schreibweise der Namen zu erfahren und auch ein Glossar könnte noch zur weiteren Erklärung beitragen.

    Das Cover ist zwar schlicht aber genau auf die Handlung zugeschnitten. Durch die kräftige rote Farbe braucht man es nur einmal zu sehen, um es sich zu merken. Zum Glück hält der Roman den Erwartungen, die das Cover weckt, stand und bietet spannende Unterhaltung.

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