An Optimist's Guide to Heartbreak

Buchseite und Rezensionen zu 'An Optimist's Guide to Heartbreak' von Jennifer Hartmann

Inhaltsangabe zu "An Optimist's Guide to Heartbreak"

Format:Broschiert
Seiten:352
Verlag: reverie
EAN:9783745704242
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Blutnacht

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Rezensionen zu "Blutnacht"

  1. 3
    21. Jun 2024 

    Gefangen

    Alexander Blix ist in Haft, weil er unter unklaren Umständen im Dienst jemanden getötet hat. Als (ehemaliger) Polizist hat er nicht den besten Stand. Dennoch bekommt er mit dem Mithäftling Jarl Inge, der kurz vor der Entlassung steht, etwas näheren Kontakt. Derweil recherchiert die Journalistin Emma Ramm über den Ausbruch eines in Deutschland inhaftierten Menschen, der nach seinem Ausbruch anscheinend auf dem Weg nach Norwegen ist. Offensichtlich ist sein Ziel derselbe Ort, aus dem auch Jarl Inge stammt. Kann das ein Zufall sein? Alexander Blix und Emma Ramm müssen ihre Kräfte bündeln.

    In diesem vierten Auftritt müssen Blix und Ramm in ungewöhnlichen Umgebungen agieren. Blix ist wegen der früheren Ereignisse in Hauft und Emma, die immer dicht dran sein will, ist für ihre Recherche aufs Land gefahren. Zum Glück hat Blix die Erlaubnis zu telefonieren, so das er sich Mit Emma austauschen kann. Wieso zieht es den Ausbrecher überhaupt nach Norwegen? Möglicherweise an einen recht abgelegenen Ort. Und was will Blix aus Jarl Inge herausholen? Überhaupt muss Blix sich mit Menschen beschäftigen, die er sonst nur von der anderen Seite des Gitters kannte.

    Im Zusammenhang mit dem vorherigen Band betrachtet, wirkt es so, als sei die Handlung nur deshalb so konstruiert worden, damit Blix zu dieser Zeit im Gefängnis sein kann, um für einen Ermittlungsansatz präsent zu sein. Dafür wurde ein recht hoher Preis bezahlt, der einen die Reihe doch weniger mögen lässt. Auch der Handlungsstrang um Emma könnte als hölzern empfunden werden. Es werden Gefahren heraufbeschworen, die keine sind, um dann möglicherweise echte Gefahren zu harmlos erscheinen zu lassen. Zwar wird der Fortgang der Geschichte routiniert spannend beschrieben, doch insgesamt findet man mitunter nicht den richtigen Zugang zum Geschehen. Klar gibt es Opfer, die lange Zeit unter den Folgen leiden, aber auch in Norwegen sollte es möglich sein, Hilfe zu finden, auch wenn die Familie ihren Pflichten zur Hilfeleistung nicht nachkommt. Gut sind allerdings die Irreführungen, die das Autorenduo ihren Lesern unterbreitet. Vielleicht hat die Reihe ihren Zenith ein wenig überschritten, dennoch ein fesselnder Thriller, der kurzweilige Lektüre bietet.

 

Blauer Hibiskus: Roman

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Rezensionen zu "Blauer Hibiskus: Roman"

  1. 5
    04. Jul 2020 

    Preiswürdiges Debut

    Der Internationale Hermann - Hesse- Preis geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie und ihre Übersetzerin Judith Schwab. Gewürdigt wurde der 2003 erschienene Debutroman „ Blauer Hibiskus“. Begründung der Jury:
    „ Selten haben wir einen so spannenden und ausgereiften Roman gelesen, in dem alles stimmt, vom hohen sprachlichen Niveau über die stringenten Handlungsstränge, die fesselnde Spannung von der ersten bis zur letzten Seite bis hin zur psychologischen Entwicklung der Figuren. Wir halten mit „ Blauer Hibiskus“ ein Stück Literatur in der Hand, das berührt und zugleich Bewunderung für die Autorin weckt.“
    Der Roman spielt in den frühen 1990er Jahren im christlichen Süden Nigerias, eine von politischen Unruhen geprägte Zeit. Davon merkt die 15jährige Kambili, Hauptfigur und Ich- Erzählerin nicht sehr viel. Sie wächst in Wohlstand auf, eine große Villa, Hausangestellte, alles da. Aber die äußere Fassade täuscht. Der Vater ist eine zwiespältige Person. Nach außen hin hochangesehen, ein reicher Geschäftsmann, kritischer Journalist , großer Wohltäter und eifriger Kirchgänger - daheim ein gewalttätiger Despot. Kambili, ihr Bruder Jaja und ihre Mutter leiden unter seinen Demütigungen und seiner Brutalität. Als fundamentalistischer Katholik duldet er keine Abweichungen vom „ einzig wahren Glauben“. Er verstößt sogar seinen alten Vater, weil der noch die alten Igbo- Götter anbetet. Auch seine Kinder dürfen keinen Kontakt haben zu den „ Heiden“.
    Die Familie spricht nicht mehr in ihrer Muttersprache, sondern Englisch, damit sie „klingen wie zivilisierte Menschen“.
    Der Tagesablauf der Kinder ist streng reglementiert und jeden Verstoß gegen die Gebote des Vaters bestraft er mit grausamsten Züchtungsmethoden.
    Eine ganz neue Welt lernen Kambili und Jaja kennen, als sie zu Besuch bei ihrer Tante Ifeoma sind. Sie ist Universitätsprofessorin und alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Sie ist zwar auch katholisch, aber nicht so fanatisch wie ihr Bruder. Zum ersten Mal erleben die beiden Jugendlichen ein liebevolles und freies Familienleben.
    Und nach ihrer Rückkehr ins Elternhaus finden sie sich nicht mehr mit der Situation dort ab. Die Spannungen innerhalb der Familie spitzen sich zu, der Sohn lehnt sich offen gegen seinen Vater auf und die Eskalation ist vorauszusehen.
    „ Blauer Hibiskus“ ist ein kraftvoller und poetischer Roman über religiöse Intoleranz und häusliche Gewalt. Gleichzeitig zeichnet er ein realistisches Bild vom nigerianischen Alltag und beleuchtet die Rolle der afrikanischen Frau. Außerdem führt er die Spätfolgen des Kolonialismus vor. Der Vater hat die Abwertung seiner eigenen Kultur so verinnerlicht, dass er sie vehement bekämpfen muss.
    Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen Afrikas und es lohnt sich auf jeden Fall auch ihr beeindruckendes Debut zu lesen.

 

Das Zimmer aus Samt: Roman

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Mord stand nicht im Drehbuch

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Rezensionen zu "Mord stand nicht im Drehbuch"

  1. Humorvoll und doch spannend

    REZENSION - „Alex-Rider-Autor unter Mordverdacht verhaftet!“ Was als Schlagzeile in den realen Medien international für Aufregung sorgen würde, ist zum Glück nur eine Zeile im neuen Krimi „Mord stand nicht im Drehbuch“ des britischen Schriftstellers und Drehbuch-Autors Anthony Horowitz (69), dem im Mai vom Insel Verlag veröffentlichten vierten Band seiner Romanreihe um Privatdetektiv Daniel Hawthorne. Zugleich zeigt aber diese Schlagzeile das Ungewöhnliche und vor allem Absurde dieser erfolgreichen Serie voll britischen Humors, in der sich der in realer Welt tatsächlich durch seine Alex-Rider-Jugendbücher in Deutschland bekannt gewordene Autor mit echtem Namen selbst zu einem seiner Protagonisten macht und im Laufe der fiktiven Romanhandlung immer wieder konkrete Anspielungen auf seine bisherigen Veröffentlichungen einfügt – ob es nun die Jugendbücher um Alex Rider sind, seine eigenen Sherlock-Holmes-Romane oder seine Drehbücher zur TV-Serie „Inspector Barnaby“.
    In den bisherigen drei Bänden war der Kriminalschriftsteller Horowitz – oder doch eher sein Alter Ego – vom geltungsbedürftigen Privatdetektiv Hawthorne als Autor verpflichtet worden, wenn auch Zu Horowitz' Enttäuschung nur als „zweite Wahl“. Hawthorne, der einst aus dem Polizeidienst geworfen worden war und seinen Lebensunterhalt jetzt als Privatermittler verdient, leidet unter dem Minderwertigkeitskomplex, in den Augen der Öffentlichkeit leider nur „der zweitbeste Detektiv Englands nach Sherlock Holmes“ zu sein. Horowitz' Aufgabe ist es deshalb, – wie Doktor Watson bei Holmes – Hawthornes Ermittlungserfolge in Romanform als Heldentaten der Nachwelt zu verkünden.
    Doch nach drei Romanen ist es Horowitz leid, immer nur hinter Hawthorne herzulaufen, ohne von diesem in die Ermittlungen selbst eingebunden zu werden, dafür aber statt seiner die Prügel einstecken und ins Krankenhaus kommen zu müssen. „Tut mir leid, Hawthorne. Aber die Antwort ist nein“, erklärt deshalb der frustrierte Autor in aller Entschiedenheit die Zusammenarbeit mit Hawthorne für beendet. Einen vierten Roman soll es nicht mehr geben, zumal Horowitz gerade mit der Vorbereitung zur Londoner Premiere seines Theaterstücks „Mindgame“ beschäftigt ist [Anmerkung: „Mindgame“ von Anthony Horowitz hatte tatsächlich im Jahr 2000 seine Premiere in London].
    Doch natürlich – wir Leser wissen es besser, halten wir doch den vierten Band gerade in der Hand – kommt es anders. Am Morgen nach der Premiere wird die von allen gefürchtete Theaterkritikerin der Sunday Times, die noch am selben Abend die Aufführung und vor allem das Stück selbst total verrissen hatte, in ihrem Haus ermordet aufgefunden – erstochen mit jenem Dolch, den Horowitz gerade am Premierenabend vom Produzenten als Geschenk erhalten hatte. Statt wie in den drei ersten Bänden mit Hawthorne gemeinsam auf Verbrecherjagd zu gehen, wird in diesem vierten Band Horowitz selbst als Mörder verdächtigt und kommt in Untersuchungshaft. Jetzt kann ihm nur noch einer helfen – Daniel Hawthorne!
    „Mord stand nicht im Drehbuch“ überrascht also durch den Perspektivwechsel, indem der bisherige „Assistent“ des Detektivs diesmal selbst zum vermeintlichen Mörder wird. Doch ansonsten behält Anthony Horowitz das Erfolgsrezept seiner Krimireihe bei – die ständige Verflechtung von Realität und Fiktion, gewürzt mit jenem hintergründigen Humor, den man speziell den Engländern nachsagt, und angereichert mit einer gehörigen Prise Selbstironie. Jedenfalls ist das Argument Hawthornes zur Verteidigung Horowitz' nicht gerade als Kompliment zu verstehen: „Wenn er alle Kritiker umbringen würde, die was Schlechtes über seine Arbeit sagen, wäre England mit Leichen gepflastert.“
    Trotz aller literarischer „Spielereien“ – nicht nur auf seine anderen Werke nimmt Horowitz im neuen Krimi wieder Bezug, sondern auch seine reale Familie bindet er ein – und trotz allen Humors und aller Ironie, ist es dem Autor auch in seinem neuen Hawthorne-Krimi gelungen, durch mehrere Handlungshöhepunkte und überraschende Wendungen die Spannung nicht zu kurz kommen zu lassen.
    „Mord stand nicht im Drehbuch“ ist ein gut erzählter, überaus unterhaltsamer, konzeptionell ungewöhnlicher, aber doch wiederum klassischer britischer Krimi, erinnert er doch in seiner Machart stark an die Romane Agatha Christies. Wen wundert es also, dass sich Detektiv Hawthorne abschließend den Spaß erlaubt, alle Verdächtigen auf der Bühne des Theaters zu versammeln und den tatsächlichen Mörder zu entlarven. Horowitz muss nun aus Dankbarkeit doch weiter über die Heldentaten von Daniel Hawthorne schreiben. Wir dürfen uns deshalb auf den fünften Band freuen, der in Großbritannien als „Close to Death“ für September bereits angekündigt ist.

 

Bretonische Sehnsucht

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Rezensionen zu "Bretonische Sehnsucht"

  1. Unterhaltung mit britischem Humor

    REZENSION – Nicht vielen Serienschreibern gelingt es, ihre Leser mit jedem Buch aufs Neue zu überraschen. Kennt man die ersten, meint man, alle zu kennen. Ganz anders ist dies beim Schriftsteller Jörg Bong (58), der uns unter französischem Pseudonym Jean-Luc Bannalec seit 2012 in seinen im Jahresrhythmus erscheinenden, spannenden und zugleich amüsanten Romanen nicht nur seinen Commissaire Georges Dupin immer wieder neue Mordfälle aufklären lässt, sondern – und dies ist bei dieser Krimireihe viel interessanter – zugleich uns Lesern jedesmal aufs Neue an wechselnden Orten der Bretagne unter jeweils wechselnden Aspekten in die oft mystisch anmutende Kultur und Geschichte der Region, deren urwüchsige Landschaft und Natur und auch – wie sollte es in Frankreich anders sein – in die schmackhaften Geheimnisse der meist von Meeresfrüchten bestimmten bretonischen Küche einführt.
    Muss der einst aus Paris in das Provinzstädtchen Concarneau südöstlich von Quimper im Département Finistère ans „Ende der Welt“ (finis terrae) strafversetzte Kommissar nun schon seit Jahren ermitteln, wird Dupin in dem kürzlich beim Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlichten 13. Band dieser in der ihr eigenen Faszination nicht nachlassenden Krimireihe vom ständig nervenden Präfekten Locmariaquer sogar noch weiter an den äußersten Rand im Westen der Bretagne geschickt – auf die nur 16 Quadratkilometer kleine Insel Oeussant, auf dem nicht einmal 900 Menschen fern vom Festland als eingeschworene Gemeinschaft leben. Dort wurde ein Musiker an den Strand gespült, der sich zeitlebens mit dem keltischen Ursprung bretonischen Liedguts auf Ouessant befasst hat. War dies Unglücksfall oder doch Mord? Unterstützt von den Inspektoren Riwall und Kadeg macht sich Dupin eher widerwillig an die Arbeit. Denn diese Insel gleicht einer „Anderwelt“. Sie ist „ein entlegener, karger kleiner Granitfelsen im Atlantik, umgeben von Meerjungfrauen, Robben, Delfinen, Orcas, liebenden Leuchttürmen, den Elementen ausgeliefert, … auf dem Dunkles vor sich ging in diesen Tagen.“ Dort bestimmen noch Sirenen und Meerjungfrauen, keltische Druidinnen und Geschichten-Erzählerinnen das tägliche Leben und Denken. „Über Tausende Jahre fest verwurzelte keltisch-druidische Vorstellungen, Legenden, Zeremonien, Traditionen waren von den christlichen Missonaren im fünften, sechsten, siebten Jahrhundert übernommen und christlich umgedeutet worden. Sie waren zu mächtig gewesen, um sie abzuschaffen. Es hätte Revolten gegeben.“ Es ist ein Ort voller Mystik und Magie, der so gar nicht in die Welt des nüchtern analysierenden Kommissars passt.
    Auf Ouessant kommt es nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare an, wird Dupin ausdrücklich gewarnt. Doch dann tauchen nacheinander zwei weitere Tote an der Steilküste auf, bei denen der Arzt wieder nur Tod durch Ertrinken feststellt. Drei Unglücksfälle an zwei Tagen? Dupin steht vor einem Rätsel. Er beginnt mit der Ermittlung in einem keltischen Steinkreis, von dem Inspektor Riwall weiß: „Die Stätte ist rund siebentausend Jahre alt. Der älteste Steinkreis, den wir in Europa kennen, und der einzige, der dem Mond gewidmet ist und nicht der Sonne. … Der Kreis hier ist älter als der von Stonehenge.“
    Es sind weniger die Mordfälle, die Bannalecs Krimis so interessant und einzigartig machen, sondern seine sehr plastische Schilderung der auf die Kelten zurückreichenden Geschichte, die bis heute in Legenden und im Brauchtum der Bretagne fortlebt. Deren Erzählung lässt Bannalecs neuen Krimi „Bretonische Sehnsucht“ fast zum Fantasy-Roman werden. Doch zum Glück holt der Autor, dem 2016 von der Region Bretagne der Titel »Mécène de Bretagne« (Schutzpatron der Bretagne) verliehen wurde, uns Leser mit seiner begeisternden Beschreibung der urwüchsigen Naturlandschaft auf Ouessant immer wieder aus dieser keltischen Fantasiewelt zurück auf den felsigen Boden der kargen Insel. Vielleicht mag mancher Leser urteilen, dass Bannalec in seinem neuen Band „Bretonische Sehnsucht“ den Kriminalfall etwas hat schleifen lassen, so dass es doch gelegentlich an Spannung mangelt. Aber die „Sehnsucht“, in diese faszinierende Region Frankreichs möglichst bald reisen zu wollen, wird er wie mit den international erfolgreichen zwölf bereits verfilmten Bänden bei seinen Lesern auch mit seinem 13. Band wieder aufs Neue entfachen.

 

Die kleine Parfüm-Manufaktur in der Provence

Buchseite und Rezensionen zu 'Die kleine Parfüm-Manufaktur in der Provence' von Angelina Bach

Inhaltsangabe zu "Die kleine Parfüm-Manufaktur in der Provence"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:351
Verlag: beHEARTBEAT
EAN:
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Open City

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Meine Katze Jugoslawien: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Meine Katze Jugoslawien: Roman' von Pajtim Statovci
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Meine Katze Jugoslawien: Roman"

Zwei Geschichten, eine Familie. Emine wächst im Jugoslawien der Achtzigerjahre auf. Mit siebzehn wird sie mit einem Mann verheiratet, dem sie vor der Hochzeit nur ein einziges Mal begegnet ist. Was als glückliche Verbindung gedacht war, wird bald zu einer aufreibenden Prüfung. Als dann in ihrem Land ein erbitterter Krieg ausbricht, flieht die junge Familie nach Finnland, wo sie mit Skepsis und Argwohn empfangen wird. Schnell verlernt Sohn Bekim die Sprache seiner Heimat, versucht sich zu integrieren, doch trotzdem wird er auch als Erwachsener ein Außenseiter bleiben. Bekim ist queer. Entfremdet von seiner Familie verbringt er die meiste Zeit allein in seiner Wohnung. Eines Tages trifft er in einer Schwulenbar eine sprechende Katze. Dieses witzige, charmante und manipulative Wesen reizt Bekim solange, bis er schließlich nachgibt, in die Geschichte seiner Familie im Kosovo eintaucht und sich den Rätseln der Vergangenheit stellt. Ein wunderbar skurriler und magischer Roman über die großen Themen der Menschheit: Krieg, Liebe, Zugehörigkeit und sprechende Katzen.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:321
EAN:
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Rezensionen zu "Meine Katze Jugoslawien: Roman"

  1. Ein Roman, der ohne Pathos von den Schrecken des Krieges erzähl

    Emine ist Kosovarin. Sie lebte mit ihren Eltern in den Bergen und träumte von einer großen Stadt. Denn die Kosovarinnen können keinen Beruf ergreifen oder hatte hier je jemand von einer Polizistin, Lehrerin, Juristin oder gar Politikerin gehört?

    Mit siebzehn ist Emine eine ausgesprochene Schönheit, das findet auch Bajram, der sie auf der Straße anspricht und zur Schule fahren will. Kurz darauf hält er mit seinem Vater Einzug in das Haus ihres Vaters, um ihre Hand anzuhalten. Während den Gesprächen bereitet und serviert Emine den Tee, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat. Zuerst dem fremden Vater, dann ihrem und zuletzt Bajram. Wie es die Tradition fordert hält Emine noch etwas Konversation mit den Fremden.

    Am Abend sagt ihr babë, dass sie armes unbedeutendes Kind sich glücklich schätzen könne, dass ihr Zukünftiger in Pristina die Sprachen und Literaturen des Balkan studiere. Ihre Mutter hingegen warnt sie, trichtert ihr ein, dass eine nach der Heirat davongejagte Frau den Ruf der ganzen Sippe schädige. Die Frau habe dem Manne zu dienen, so sei sie von kleinauf erzogen, das solle sie nie vergessen.

    Emines und Bajrams jüngster Sohn Bekim wird sich von seiner Familie distanzieren und ein einsames, zurückgezogenes Leben führen. Seine treueste Begleiterin wird eine Königsboa sein. Bekims wunderliches Verhältnis zu Katzen, die in seiner Heimat verabscheuenswürdiger Straßenunrat sind und zu Schlangen mögen aus seiner frühesten Kindheit stammen, der er als junger Mann auf den Grund gehen wird.

    Fazit: Diese Geschichte ist nicht so flockig, wie der Klappentext verspricht, sondern eine Unbequeme, die es in sich hat. Pajtim Statovci hält an zwei Erzählsträngen fest. Die einer Familie, aus Sicht der Mutter und die ihres Sohnes Bekim. Der Autor lässt die Mutter über Zwangsehe, die Machtergreifung Milosevic und den Balkankrieg sprechen. Den Sohn über seine missglückte Integration, seine Einsamkeit und seine Queerness. Ich bekam einen Einblick in die Kriegsgräueltaten der Serben gegen die muslimischen Völker, in traditionelle misogyne Familienrollenbilder und wie es sein muss in vieler Hinsicht anders zu sein, in einem Land, das sich vom eigenen so deutlich unterscheidet. Wie es sein muss vertrieben zu sein und seine Herkunft zu verwünschen, wegen der autoritäten Erziehung des Vaters. Der Autor schreibt über das Leid und die Missstände, die auf dieser Welt passieren und löst Wut in mir aus, dann gönnt er mir eine Verschnaufpause, indem er augenscheinlich lockere Bilder über kokettierende Katzen und symbolträchtige Schlangen schafft, bis dem aufmerksamen Leser auffallen muss, was Bekim während seiner Kindheit passiert ist. Und schon hat er mich wieder in einen Schrecken versetzt, dem ein Kopfschütteln folgt. Ein Roman, der ohne Pathos und Bewertung von den Schrecken des Krieges und des Lebens erzählt, den ich gelungen und in seiner Herangehensweise sehr besonders finde. Und natürlich zu recht auf der Shortlist des internationalen Literaturpreises zu finden ist.

 

Solitud

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