Das Gegenteil von Erfolg: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Gegenteil von Erfolg: Roman' von Eleanor Elliott Thomas
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Gegenteil von Erfolg: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:266
EAN:
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Rezensionen zu "Das Gegenteil von Erfolg: Roman"

  1. Ich bin eine von euch

    Worum es geht:

    Wir begleiten die etwas angenehm durchgeknallte Lorrie, 39, verheiratet, Mutter von 2 kleinen Kindern, Hausfrau und in Vollzeit in der Stadtverwaltung arbeitend, an ihrem schlimmsten und verrücktesten Tag. Dabei begann dieser Tag so vielversprechend. Heute ist der Tag, an dem sie am Abend ihr großes Projekt für besseres Klima in der Stadt durch Begrünung von Dächern vorstellen wird. Außerdem hat sie sich auf den Posten der Teamleiterin beworben. Gleich hat sie auch schon einen Termin mit ihrer Chefin, um über ihre Bewerbung zu sprechen. Und dann ist da noch Alex, Lorries langjährige und beste Freundin. Alex ist Künstlerin und noch nicht wirklich in ihrem Leben angekommen. Früher hat sie mal Skulpturen gemacht, heute dreht sie Dokumentarfilme. Da Alex eine Doku über Klimaaktivisten machen möchte, muss sie unbedingt zu Lorries Veranstaltung, bekommt dann auch am Tag der Veranstaltung noch eine Einladung von Lorrie. Das war keine gute Idee.

    Zunächst muss ich sagen, dass mir das Cover richtig gut gefallen hat. Auch wenn hier das Thema Klimaschutz und Umweltaktivisten erwähnt werden, so geht es auf keinen Fall darum. Vielmehr wird die Geschichte von Lorrie und Alex erzählt. Die Story beginnt zwar am Morgen des Katastrophentages, aber anfangs werden sehr viele Rückblenden gemacht, um die beiden besser kennenzulernen und um die Situation, die sich an diesem Abend zuspitzen wird, besser zu verstehen. Die Zeitensprünge sind überhaupt kein Problem, man wird gut hinein und auch wieder zurückgeleitet. Manchmal wurden Dinge zu genau und ausführlich beschrieben, was ich dann doch etwas langweilig fand. Ich habe deshalb die eine oder andere Passage quer gelesen, was ich jetzt aber auch nicht schlimm fand. Ich habe häufiger mal geschmunzelt und zum Ende des Buches hin auch hin und wieder gelacht. Allerdings hatte ich schon erwartet, dass die Story viel lustiger sein würde. Die Übersetzung fand ich übrigens sehr gut. Da die Story zum Ende hin richtig gut geworden ist, gibt es von mir eine Kaufempfehlung und, allerdings gerade noch, 4 Sterne.

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Eine Tochter Harlems: rororo Entdeckungen

Buchseite und Rezensionen zu 'Eine Tochter Harlems: rororo Entdeckungen' von Louise Meriwether

Inhaltsangabe zu "Eine Tochter Harlems: rororo Entdeckungen"

Format:Taschenbuch
Seiten:304
EAN:9783499012952
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Nennen wir sie Eugenie

Buchseite und Rezensionen zu 'Nennen wir sie Eugenie' von  Maria Braig
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Nennen wir sie Eugenie"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:273
Verlag: BookRix
EAN:
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Rezensionen zu "Nennen wir sie Eugenie"

  1. Ein Plädoyer für mehr Toleranz und Menschlichkeit

    Einen Mann zu heiraten, den ich nicht liebe und den ich außerdem nur kurz am Familien-Kaffeetisch erlebt habe, nur weil die Familie es fordert, da alle außer mir davon profitieren würden, ist jenseits all meiner Vorstellungskraft! Schon gar nicht, wenn ich in Liebe mit einem anderen Menschen verbunden bin.

    In ‚Nennen wir sie Eugenie‘ ist ‚dieser andere Mensch‘ Seraba, eine Frau, und so eine lesbische Verbindung ist im Senegal verboten, wird sogar mit Gefängnis bestraft. Eugenie, unserer Protagonistin, bleibt somit nur die Flucht und in Deutschland die Beantragung des Asyls.

    Das ist aber nicht so einfach, denn deutsche Gerichte hatten (zu dieser Zeit noch) die Überzeugung, dass homosexuelle Beziehungen in Ländern, in denen derartige Beziehungen verboten sind, ja sogar mit Gefängnisstrafen bzw. mit Steinigen bestraft werden: 'Die Leute könnten ja insgeheim ihre Beziehungen leben, man würde es ihnen ja nicht von der Stirn ablesen können, dass sie lesbisch oder schwul waren. Blieben sie diskret und im Verborgenen, dann drohte ihnen keine Gefahr.'

    Meine Meinung dazu: Ja, am Anfang mag so eine heimliche Liebe vielleicht noch ihren Reiz haben (ist ja bei Affären auch so), aber irgendwann will man doch, dass sie in der Öffentlichkeit gelebt werden können. Auch mit Stolz: schaut her, das ist mein Partner / meine Partnerin!

    Sehr gut fand ich auch die informativen Seiten mit den Regeln und der Handhabung des Asyls. So erfährt der Leser, wie es nach der Ankunft in Deutschland weitergeht, was z.B. ‚Residenzpflicht‘ bedeutet und wie das Asylverfahren abläuft. Auch von anderen Mitbewohnern in der Sammelunterkunft und ihren Schicksalen lesen wir.

    Nachdem die Problematik anhand der Protagonistin Eugenie sichtbar gemacht wird, fühlte und fieberte ich mit der jungen Frau und ihr Schicksal berührte mich sehr stark. Ich empfehle dieses Buch wärmstens und drücke es allen Lesenden ans Herz, die über ihren Tellerrand blicken können und eine offene Lebenseinstellung haben. 5 Sterne für dieses äußerst interessante und warmherzige Buch!

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Mutters Lüge: authentisch und berührend

Buchseite und Rezensionen zu 'Mutters Lüge: authentisch und berührend' von Monika Hürlimann

Inhaltsangabe zu "Mutters Lüge: authentisch und berührend"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:457
EAN:
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Das Lied des Waldes

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Lied des Waldes' von  Klara Jahn

Inhaltsangabe zu "Das Lied des Waldes"

Format:Audible Hörbuch
Seiten:0
EAN:
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Das Versprechen der Bienenhüterin

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Versprechen der Bienenhüterin' von Laura Frantz
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Versprechen der Bienenhüterin"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:384
EAN:9783765521669
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Rezensionen zu "Das Versprechen der Bienenhüterin"

  1. Die Sehnsucht nach Schottland

    "Der Herr ist denen nahe, die verzweifelt sind, und rettet diejenigen, die alle Hoffnung verloren haben. Zwar bleiben auch dem, der sich zu Gott hält, Schmerz und Leid nicht erspart; doch aus allem befreit ihn der Herr!" (Ps. 34, 19-20)
    Schottland 1752:
    Magnus MacLeish und Lark MacDougall sind als Kinder zusammen aufgewachsen, doch wird Magnus nach dem Tod des Vaters zum Laird von Kerrera Castle und muss sein Versprechen am Totenbett einhalten. So wird statt Lark nun Lady Isla aus Edinburgh zu seiner Ehefrau. Lark dagegen lebt mit ihrer Granny in einem kleinen Cottage, wo sie sich um Kräuter, Pflanzen, Honig und dem Herstellen von Medizin kümmert. Selbst Isla versorgt sie nach ihren Fehlgeburten mit Medizin, doch so richtig will sich kein Thronfolger einfinden. Eines Tages verunglückt Isla und man gibt Lark eine Mitschuld an ihrem Tod. Magnus will die Strafe verhindern, wird jedoch selbst wegen eines Vergehens verurteilt. Zusammen werden sie an die amerikanischen Kolonien ausgeliefert, wo sie ihr Urteil abarbeiten müssen. Ob sie sich je wiedersehen werden?

    Meine Meinung:
    Das eindrucksvolle Cover spiegelt sehr gut den Inhalt wider. Der Buchtitel dagegen ist total irreführend und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man von dem Originaltitel "A bound heart" auf diesen Titel kommt? Die Handlung dieses historischen Romans aus dem 18. Jahrhundert in Schottland spiegelt ein wenig die Zustände nach den Aufständen der Jakobiten wider. Gesetze wurden erlassen, die den Schotten das Tragen ihres Kilts verbot. Selbst der Dudelsack wurde verboten und die gälische Sprache durfte nicht mehr gesprochen werden. Magnus hält sich nicht immer an diese Verbote. Allerdings muss man besonders vorsichtig sein, den ein Vergehen wird sehr hart bestraft. Weshalb Magnus auch später verhaftet und verurteilt wird. Für mich sind diese ungerechten und teilweise unrealistischen Strafen nicht immer ganz nachvollziehbar. Ich habe den Eindruck, man sucht einfach einen Schuldigen, ohne das derjenige überhaupt schuldig ist. Eigentlich habe ich mich bei diesem Buch auf die Bienenhüterin bzw. auf das Thema Bienen gefreut, da sie im Titel so groß angepriesen wurde. Nur leider ist Lark überhaupt keine Bienenhüterin, sondern eher eine Kräuterheilerin, die sich nebenbei um Bienen kümmert. Deshalb wird das Thema Bienen nicht groß in dieser Geschichte behandelt, was mich sehr enttäuscht. Zusätzlich sind einige Szenen und Passagen außerordentlich langatmig beschrieben, was mein Lesen am Anfang wirklich erschwert und sogar ermüdet hat. Man muss schon mindestens ein Drittel des Buches ausharren, bis das eigentliche Thema vom Tod Islas, der Verhaftung und Deportation in die Kolonien passiert. Ab hier wird der Plot dann auch tatsächlich etwas interessanter, vor allem kann man die Ängste, Nöte und Sehnsüchte von Lark und Magnus eher nachvollziehen. Allerdings erlebe ich ab hier dann nicht mehr die Faszination Schottlands, sondern eher die Gefahren der Seefahrt und den Kolonien. Gut finde ich ebenso den starken christlichen Glauben von beiden, der ihnen insbesondere in Notlagen weiterhilft. Diesen hat die Autorin hier sehr gut miteinfließen lassen, sodass er nicht aufdringlich erscheint, sondern eher passend zu dieser Zeit ist. Genauso gut finde ich die Charaktere. Hervorzuheben ist die bezaubernde Lark mit ihrer Stärke und der Liebe für ihre Arbeit. Das sie zudem ein Herz für Menschen hat, spürt man nach ihrer Verhaftung. Magnus ist einerseits ein Laird (ein Landbesitzer aus niedrigem Adel), doch in seinem inneren Herzen ist er eher wie jemand aus dem Volke. Wer ein Faible für Serien wie Outlander oder Games of Throne hat, dem dürfte dieses Buch gefallen. Von mir bekommt es vor allem wegen der Langatmigkeit und dem Titel nur 4 von 5 Sterne.

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Die Seilspringerin: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Seilspringerin: Roman' von Anna Enquist
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Seilspringerin: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783630877228
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Rezensionen zu "Die Seilspringerin: Roman"

  1. Kann man Mutter u n d Künstlerin sein?

    In ihrem neuen Roman fragt Anna Enquist, ob sich Mutterschaft und ein befriedigendes Leben als Künstlerin vereinbaren lassen. Alice geht auf die 40 zu, führt eine gute Ehe, ist eine aufgeführte und gefeierte Komponistin und verdient ihr Geld unter Pseudonym mit Werbe-Jingles. Da bekommt sie vom Sinfonieorchester den Auftrag, ein Stück für sein 100jähriges Jubiläum zu komponieren.

    Anfangs ist der Stil hektisch, atemlos, kurze Sätze, das entspricht dem Charakter der Protagonistin, legt sich aber im Laufe des Buches. Das Paar ist (noch) kinderlos, sie versuchen aber mit allen Mitteln, Eltern zu werden. Als Kontrast dazu gibt es die Jugendfreundin Svea, eine Kommilitonin vom Konservatorium, die jetzt fünf Kinder hat und keine Musik mehr macht.

    In Rückblenden erfahren wir viel über Alices Familie, ihr Studium, ihr Leben, ihre Liebhaber, ihre Musik. Überhaupt: Die Musik. Das Buch ist voll davon, bis ins kleinste Detail, nicht nur in Andeutungen. Enquist beschreibt konkret den Schaffensprozess ebenso wie die Gefühle, die Musik auslösen kann. Sie beschreibt aber auch das Dilemma, das Alice überlegen lässt, ob sie mit einem Baby auch weiter wird komponieren können.

    Für mich ein klares Fünfsterne-Buch, wie alle weiteren der Autorin, die ich gelesen habe. Und: Die Protagonistin heißt Alice. So hieß meine Mutter, und so hätte ich meine Tochter genannt, wenn ich eine gehabt hätte.

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Icebreaker (Maple Hills, Band 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Icebreaker (Maple Hills, Band 1)' von Hannah Grace

Inhaltsangabe zu "Icebreaker (Maple Hills, Band 1)"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:560
Verlag: LYX
EAN:9783736320840
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Zwischen uns das Licht: Lesbischer Liebesroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Zwischen uns das Licht: Lesbischer Liebesroman' von  Ina Steg

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Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:215
Verlag: Zeilenfluss
EAN:
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Windstärke 17

Buchseite und Rezensionen zu 'Windstärke 17' von Caroline Wahl
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Windstärke 17"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:257
EAN:
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Rezensionen zu "Windstärke 17"

  1. Wieder grandioses Kopfkino

    Das Malen hat Ida aufgegeben. Immer düsterer wurden ihre Bilder. Ihre Gedanken haben sich regelrecht darin verfangen. Jetzt schreibt sie, also schrieb, hat alles rausgelassen, bis zu dem Tag, als sie mit ihrer besten Freundin Samara aus Prag zurückkam. An den Tag kann sie sich sehr genau erinnern. Während Prag vor ihrem inneren Blickwinkel verschwimmt, sieht sie immer wieder diese Bilder, die sie sah, nachdem sie die Haustür aufgeschlossen und die Treppe nach oben genommen hatte. Schon als sie in die Fröhlichstraße bog, sah sie im oberen Stock der 37, in der sie wohnte kein Licht. Doch eigentlich hätte sie Licht erwartet, weil ihre Mutter zuhause war. Wahrscheinlich lag die wieder besoffen auf der Couch.

    Die AirPods dröhnten ihr „It’s my life“ ins Innenohr während sie die Wohnungstür aufschloss. Sie rannte ins Wohnzimmer, das aufgeräumt und sauber war, in die Küche, aufgeräumt und sauber. In Mamas Zimmer dann Mama im Bett, regungslos. Sie rief ihre Schwester Tilda an und brüllte ins Telefon, dass sie rangehen soll, regungslos.

    Seitdem findet sie Mama jede Nacht auf, während sie im Bett liegt und an die dunkle Decke starrt. Seitdem überfallen sie regelmäßig die scharfkantigen Eiswürfel und schneiden sie in die Haut. Dann muss sie sich 4-7-8 stark aufs Atmen konzentrieren, wie Tildas Viktor es ihr gezeigt hat. 4 Sekunden einatmen, 7 anhalten, 8 ausatmen. Seitdem trägt sie das verlässliches Brüllen im Kopf und den Klumpen im Bauch, der besonders dann wächst, wenn sie mit Tilda telefoniert.

    Fazit: Caroline Wahl ist ein Garant für grandiose Gegenwartsliteratur. Ihre Sprache hat eine so eigene Melodie, die ihre Protagonisten und Nebendarsteller so ganz und gar zeigt. In diesem Buch hat sie die Geschichte Tildas Schwester Ida erzählt, die im Gegensatz zu Tilda bei ihrer Mutter blieb. Die Autorin hat mit aller Konsequenz Idas Co-Abhängigkeit gezeigt. Ihren Selbsthass weil sie glaubt auf ganzer Linie versagt zu haben, die Schuldgefühle weil sie überzeugt ist, dass sie den Tod der Mutter hätte verhindern können wenn sie da geblieben wäre. Wie groß Idas Verantwortungsbewusstsein war. Aber nicht nur das, sie vermisst ihre Mutter auch und wird sich bewusst, wie sehr sie sie geliebt hat. All das überfordert die junge Ida und macht sie psychisch und psychosomatisch fertig. Caroline Wahl hat mich wieder an die Hand genommen, mich lachen, weinen und mit Ida mitleiden lassen. Und sie hat einige sehr hilfreiche und tröstliche Mitmenschen geschaffen, die Ida helfen können heil zu werden. Mit dieser Art Kopfkino zu erzeugen, bewegt Caroline Wahl sich ganz weit vorne.

    Im Grunde ist dieses Buch, die Fortsetzung von ihrem Debüt 22 Bahnen, das auch schon ein riesiges Lesevergnügen war.

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  1. 3
    26. Apr 2024 

    Gute Fortsetzung zu „22 Bahnen“

    Ich muss zugeben, dass ich bezüglich dieses Fortsetzungsromans von Caroline Wahl zwiegespalten bin. Ihren Roman „22 Bahnen“ empfand nicht nur ich damals als ganz starkes Debüt und er wurde sogar zum „Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels 2023“ gekürt. Meines Erachtens vollkommen zu Recht! Dort drehte sich alles um Tilda, Anfang Zwanzig, die mit Nebenjobs versucht nicht nur ihr eigenes Mathematik-Studium zu finanzieren, sondern auch noch das Leben der alkoholkranken Mutter und ihrer kleinen Halbschwester Ida. Sie trifft außerdem einen alten Schulkameraden Viktor wieder, verliebt sich nach ersten Anlaufschwierigkeiten, denn auch er hat familiär viel zu tragen, und schafft es letztlich sich mit ihrer schwierigen Familiensituation auseinanderzusetzen und für eine andere Stadt und damit ihren Traum von der Promotion zu entscheiden.

    Warum erzähle ich hier, was in „22 Bahnen“ passiert? Weil vom groben Konstrukt her ähnliches in „Windstärke 17“ passiert. Hier begleiten wir die nun auch Anfang Zwanzigjährige Ida, die ihr Literaturstudium weiterhin in der Heimatstadt verfolgte und bei der alkoholkranken Mutter wohnte. Nun erfahren wir allerdings, dass die Mutter vor wenigen Wochen verstorben ist und Ida muss mit ihrer Trauer aber auch mit der Entscheidung, wie ihr Leben weitergehen soll, zurechtkommen. Sie flüchtet auf die Insel Rügen, wird von einem liebevollen, alten Ehepaar aufgenommen und lernt Leif, der ebenso familiär und persönlich schon viel zu tragen hat, kennen und verliebt sich nach ersten Anlaufschwierigkeiten in ihn. Mithilfe von Leif und dem Ehepaar lernt sie mit ihrer Trauer umzugehen, sich mit ihrer schwierigen Familiensituation auseinanderzusetzen und für ihren Wunsch vom Schreiben zu entscheiden. Während für Tilda das Freibad und die Regelmäßigkeit des Bahnenschwimmens ein wichtiger Copingmechanismus ist, stellt dies für Ida die Ostsee und das lebensgefährlich weite Rausschwimmen dar. Fällt euch etwas auf?

    Für sich genommen ist „Windstärke 17“ wieder ein schön geschriebener Roman, der Menschen in belastenden Lebenssituationen zeigt und die Möglichkeiten diese mit Hilfe von anderen und durch eigene gefundene Stärke zu bewältigen. Das kann Caroline Wahl wirklich sehr gut. Allerdings drängt sich für mich die Frage auf, warum dieser Folgeroman unbedingt so stark dem erfolgreichen Debüt ähneln muss. Natürlich gibt es auch Unterschiede, keine Frage. Aber diese reichen mir nicht aus, um eine erneut hervorragende Leseerfahrung zu haben. Außerdem störten mich in diesem Buch die Dialoge ab und an. Diese wechseln zwischen in Anführungszeichen gesetzte Sätze, die im Fließtext auftauchen (so mag ich es) und Dialogen, die formell wie in einem Theaterstück über Seiten hinweg untereinander angeordnet sind. Mir kommt es generell so vor, als ob dieser Roman dialoglastiger ist als der vorherige. Und das, was ich hier gerade mache, ist auch ein Problem, welches mit der Entscheidung einen so ähnlichen Roman zu schreiben, einhergeht: Man vergleicht unwillkürlich oder auch willkürlich während des Lesens ständig „Windstärke 17“ mit seinem Vorgänger „22 Bahnen“. Diese Nähe tut meines Erachtens dem vorliegenden Roman nicht gut.

    Ich habe „Windstärke 17“ durchaus gern gelesen und auch an der ein oder anderen Stelle mit Ida mitgefiebert, fand viele Figuren sehr interessant und die Dynamiken gut dargestellt. Trotzdem habe ich im Hinterkopf wie sehr mir damals „22 Bahnen“ gefiel und ich finde, dieser hier kommt da nicht heran. Und es tut mir so leid, dass ich den Vergleich nicht einfach weglassen kann. Das provoziert die Autorin leider durch ihre Themen- und Plotwahl. Ich hätte gern mal ein ganz anderes Buch dieser vielversprechenden Autorin gelesen.

    3,5/5 Sterne

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