Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung

Buchseite und Rezensionen zu 'Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung' von Karl-Josef Kuschel

Inhaltsangabe zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:152
Verlag: Patmos Verlag
EAN:9783843615181
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Hana: Roman (Unionsverlag Taschenbücher)

Buchseite und Rezensionen zu 'Hana: Roman (Unionsverlag Taschenbücher)' von Alena Mornštajnová
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Hana: Roman (Unionsverlag Taschenbücher)"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag: Unionsverlag
EAN:9783293209237
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Rezensionen zu "Hana: Roman (Unionsverlag Taschenbücher)"

  1. 5
    17. Jan 2024 

    Eine Familiengeschichte aus dem Sudetenland

    Der Roman „Hana“ der tschechischen Autorin Alena Mornštajnová, der 2017 erstmalig veröffentlicht wurde, gilt in Tschechien als eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre und hat u. a. in 2018 den tschechischen Buchpreis gewonnen. Die Geschichte ist großartig: eine Familiengeschichte aus dem Sudetenland, mit Blick auf drei Frauengenerationen innerhalb dieser Familie. Erzählt wird die Geschichte vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges bis hin zum Beginn des Kommunismus unter sowjetischen Einfluss in den 50er/60er Jahren. Untrennbar von den drei Frauen ist auch die Geschichte der Einwohner der tschechischen Kleinstadt Meziríčí, welche der Heimatort der Familie ist.
    Eine Besonderheit ist der Aufbau dieses Romans: Die Geschichte ist in 3 Teile gegliedert, die Handlungsfäden durchlaufen die Zeit zwischen den 30er und 60er Jahren, ohne chronologisch angeordnet zu sein.

    Teil 1 wird aus der Sicht der Jüngsten, Mira, erzählt (50er/60er Jahre), die zu Beginn des Romans (1954) 9 Jahre alt ist. Sie ist ein temperamentvolles und glückliches Kind, willensstark, das sich gern über Verbote hinwegsetzt, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter Rosa, die dem Mädchen mit liebevoller Strenge immer wieder Grenzen aufzeigen muss. Leider wird ein schrecklicher Schicksalsschlag die Kindheit von Mira drastisch verändern.
    In diesem Abschnitt begegnet dem Leser auch erstmalig Hana, die Tante von Mira und Schwester von Rosa. Der erste Eindruck der Romanfigur Hana ist eigenartig, da sie sich dem Leser als sehr kauzig und menschenscheu präsentiert. Sie scheint mehr Statistin als Akteurin zu sein, was verwundert, zumal der Roman nach ihr benannt ist. Doch dieser Eindruck wird spätestens mit dem folgenden Abschnitt revidiert.

    In Teil 2 werden die Erinnerungen von Miras Mutter (Rosa) an ihre eigene Kindheit in den 30er/40er Jahren wiedergegeben. Diese Zeit ist vom 2. Weltkrieg geprägt sowie dem Einfluss der Deutschen Besatzungsmacht auf das Leben und den Alltag von Rosas Familie. Hier lernen wir auch Miras Tante Hana genauer kennen, die in diesem Abschnitt ein junges Mädchen ist, das kurz vor ihrem Schulabschluss steht.

    Teil 3 wird schließlich aus der Sicht von Hana erzählt, auch sie berichtet aus ihrer Kindheit und Jugend in den 30ern/40ern, allerdings im Wechsel mit ihren Erinnerungen an die Zeit nach dem Krieg.
    Der Leser erfährt in aller Deutlichkeit, dass die jüdische Familie die Rassentheorien der Deutschen am eigenen Leib erfahren musste, denn die Familie wird ins Konzentrationslager deportiert. Nach Jahren im Konzentrationslager kehrt Hana wieder in ihre Heimatstadt zurück, wo sie von vielen Bewohnern, die die Besatzungszeit der Deutschen einigermaßen unbeschadet überstanden haben, kritisch beäugt wird. Viele von ihnen haben damals ihre Augen vor der Not der jüdischen Bevölkerung verschlossen. Andere wiederum konnten sich durch die Not der jüdischen Bevölkerung bereichern. Daher wird Hana von vielen als Sinnbild des menschlichen Versagens der Bewohner von Meziríčí angesehen und statt mit Mitleid, begegnet man ihr mit Ablehnung.
    Die Jahre im KZ haben seelische und körperliche Narben bei Hana hinterlassen. Spätestens jetzt wird deutlich, warum Hana zu dem eigenbrötlerischen und scheuen Menschen geworden ist, der nur noch wenig gemein hat, mit dem jungen und lebensfrohen Mädchen, das der Leser im 2. Leseabschnitt kennengelernt hat.

    Im dritten Teil „Hana“ laufen die Erzählfäden zusammen, vieles wird ins rechte Licht gerückt, was in den vorherigen Abschnitten nach Erklärungen verlangt hat. Dazu gehören auch vorangegangene Irritationen über Verhaltensweisen einzelner Personen aus dem Umfeld der drei Protagonistinnen, maßgeblich Freunde und Bekannte, die ebenfalls in Meziríčí gelebt haben. Je näher man also zum Ende des Romans kommt, umso mehr erklären sich Sympathien und Antipathien der Protagonistinnen gegenüber einzelnen Figuren.

    Alena Mornštajnová lässt den Leser ganz nah dran an ihre Protagonistinnen. Man merkt diesem Roman an, dass er zur Familiengeschichte der Autorin gehört. Die emotionale Wärme, mit der sie die Frauenfiguren gestaltet hat, ist mit jedem Satz zu spüren, ohne ins Kitschige abzudriften.

    Die Schicksale der Frauen gehen unter die Haut, zumal Alena die Geschichte ihrer Vorfahren mit einer erzählerischen Wucht erzählt, die einen nicht unberührt lassen kann. Ein starkes Stück Familiengeschichte und eine starke Geschichte über den Holocaust und seinem Danach!
    Leseempfehlung!

    © Renie

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Die Hoffnung der Chani Kaufman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Hoffnung der Chani Kaufman' von Eve Harris
4.5
4.5 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Hoffnung der Chani Kaufman"

Chani hat es geschafft. Sie hat den Mann geheiratet, den sie sich ausgesucht hat – nicht selbstverständlich, wenn man in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde lebt. Und was nun? ›Seid fruchtbar und mehret euch‹, natürlich, aber genau das funktioniert eben nicht. Chani ist verzweifelt, denn ihr Mann Baruch kann sie verstoßen, wenn sie ihm keine Nachkommen schenkt. Und wer wäre sie dann noch unter ihresgleichen? Zwischen Rabbi, Fruchtbarkeitsklinik und ihrer Schwiegermutter muss Chani ›HaSchem‹ ein Schnippchen schlagen.

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
Verlag: Diogenes
EAN:9783257072556
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Rezensionen zu "Die Hoffnung der Chani Kaufman"

  1. Religion oder Selbstbestimmung?

    Gleich vorweg, mir war nicht bekannt, dass es zu dem Titel einen ersten Band gibt mit dem Titel "Die Hochzeit der Chani Kaufman". Ich habe aber dennoch das Geschilderte nachvollziehen können, besser ist aber gewiss den Vorgänger zu kennen.

    Das Cover ähnelt dem Vorgänger und hat dadurch einen guten Wiedererkennungswert.

    Ich habe schon einige Dokus gesehen zum Thema orthodoxer jüdischer Glaube und dennoch habe ich durch den Roman noch einiges an Wissen hinzugewinnen können.

    Das Berührende an der Geschichte war, dass ich das Problem vollkommen nachvollziehen kann, da ich in einer ähnlichen Situation war und lange nicht wusste, dass man mitunter einen gestörten Zyklus haben kann und in einem vermeintlichen Zeitfenster schwanger werden kann, das man unter normalen Umständen eher nicht nutzen würde. Das wird hier sehr einfühlsam beschrieben.

    Am meisten berührt hat mich jedoch der Erzählstrang von Rivka, die aus dem streng religiösen Leben ausbrechen möchte, aber schnell merkt, dass dies alles andere als leicht ist. Nie im Leben hätte ich als nichtreligiöse Person geahnt, dass es solche heftigen Probleme geben kann. Das empfand ich als sehr erstaunlich.

    Fazit: Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und viel dazu gelernt, was ich so gar nicht erwartet hatte. Gern spreche ich eine Empfehlung aus.

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  1. Chani Kaufman Teil 2

    Inhalt:

    Im Endeffekt geht es um Chani Kaufmann, die mit ihrem frisch verheiratet Mann versucht schwanger zu werden. In einer jüdisch orthodoxen Gemeinschaft ist es von großer Bedeutung, dass eine Frau schwanger wird und dem Mann Nachwuchs schenkt. Wenn sie in diesem Bereich "versagt" hat der Mann das Recht sich von ihr scheiden zu lassen.

    Diese Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Einmal von Chani, dann von ihrem Ehemann Baruch und von einer Frau, die sich von der orthodoxen Gemeinschaft abgewendet hat.

    Der Anfang des Buches war etwas behäbig und schwerfällig. Doch je länger ich es gelesen habe, desto begeisterter wurde ich. Die Figuren wurden sehr gut beschrieben und als Leser fühlte man mit ihren Höhen und Tiefen sehr mit.

    Auch der Perspektivwechsel der einzelnen Personen hat die Perspektive noch erweitert. Am Ende war ich enttäuscht, dass das Buch schon vorbei war. Ich würde mich sehr über eine Fortsetzung des Buches freuen.

    Fazit:

    Wer eine Hochzeit von Chani Kaufmann gemocht hat, der wird dieses Buch auch lieben!

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  1. Und das war es jetzt?

    Chani Kaufmann hat geheiratet. Ich weiß alles darüber, denn „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“ habe ich gern gelesen. Nun folgen wir Chani durch die erste Zeit ihrer Ehe, die allein davon geprägt ist, dass Chani nicht schwanger wird. Als Mitglied einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde besteht die vorrangige Aufgabe des Paares darin, eine möglichst große Nachkommenschaft zu produzieren. Chani gelingt das nicht, sie magert an, sie ist ein Nervenbündel, bis zum Anschlag verzweifelt. Die Tragödie endet damit, dass Chani nur einen kleinen Trick anwenden muss, um ein Kind zu empfangen - schön für sie, ohne Frage, aber rechtfertigt das einen ganzen Roman? Die Autorin fährt noch eine ganze Reihe von Figuren auf, um die Geschichte zu beleben - doch auch sie blieben für mich oft flach, ihre Entwicklung fand ich wenig spannend - zumal sie mit Chani oft gar nichts mehr zu tun haben. Die einzige Ausnahme bei den Nebenfiguren bildet für mich Rivka, die Aussteigerin. Ihren Mut habe ich bewundert. Mir ist bewusst, dass das orthodoxe Milieu, in dem die Story spielt, hier bestimmte Vorgaben macht. Doch was das angeht, hat Deborah Feldmann in „Unorthodox“ meiner Ansicht nach sehr viel besser zum
    Ausdruck gebracht, was es im 21. Jahrhundert bedeutet, jüdisch - orthodox und Frau zu sein.

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  1. Wunderbar, ich hätte gern eine weitere Fortsetzung :)

    Chani und Baruch stammen aus einer streng orthodoxen jüdischen Londoner Gemeinde und konnten - einiger Widerstände zum Trotz - heiraten. Nun leben sie in Jerusalem, wo Baruch seine Ausbildung zum Rabbiner macht und Chani auf baldigen Nachwuchs hofft. Doch dieser stellt sich nicht ein. Verzweifelt wendet sich das Paar an Baruchs Eltern in London, die ihnen anschließend eine Behandlung in der Kinderwunschklinik finanzieren. Es tun sich alsbald vielmehr religiöse als gesundheitliche Hürden auf, mit denen die jungen Leute zu kämpfen haben.

    Ein weiterer Erzählstrang dreht sich um die ehemalige jüdische Rebezzin Rivka Zilberman. Diese hat ihren Mann und damit auch die Gemeinde verlassen, weil sie das streng reglementierte Leben in der Gemeinde nicht mehr ertragen hat. Doch dieses Verlassen hat sie sehr einsam gemacht, denn zu ihren Kindern wird seither jeglicher Kontakt untersagt.

    Einzig Rivkas ältester Sohn Avromi, der mittlerweile in Jerusalem an der Talmudschule studiert und der beste Freund von Baruch ist, hat Kontakt zur Mutter. Aber auch er steckt in einer Sinnkrise und ist auf der Suche nach Antworten und seinem weiteren Lebensweg.

    Nicht zuletzt ist da Chaim, der Rabbiner in der jüdischen Gemeinde, der von seiner Ehefrau Rivka verlassen wurde. Strenge Regeln besagen, dass er sich schnell neu verheiraten muss, um weiterhin als angesehener Rabbi seinen Job und sein Ansehen zu erhalten.

    Eve Harris gelingt es wie schon im ersten Teil "Die Hochzeit der Chani Kaufman", viele Einzelschicksale auf spannende, eindringliche, respektvolle Weise sehr liebenswert und sehr unterhaltsam zu erzählen. Gleichzeitig ist sie kritisch und zeigt deutlich auf, wie rückständig und verbohrt das Regularium dieser strenggläubigen Gemeinde doch ist, mit dem einige der Mitglieder sehr zu kämpfen haben. Jeden einzelnen Charakter vermag die Autorin grandios und absolut authentisch zu zeichnen. Nahezu jede*r wächst mir ans Herz mit den Problemen, dem Suchen und Zweifeln, dem Finden, oder auch sich Befreien.

    Dieser Roman gehört nun - wie schon Teil 1 - zu meinen Lieblingsbüchern. Und ich habe mich am Ende sogar dabei erwischt, mir eine weitere Fortsetzung zu wünschen. Denn diese vielen persönlichen Geschichten sind für meinen Geschmack längst nicht auserzählt. Ein Highlight :)

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  1. 5
    10. Feb 2024 

    Zwischen Religion und Selbstbestimmung

    Viele Jahre mussten die Leser warten, um endlich zu erfahren, wie es mit den Figuren aus „ Die Hochzeit der Chani Kaufman“ weitergegangen ist.
    Chani und Baruch sind nach ihrer Hochzeit nach Jerusalem gezogen, wo Baruch für sein zukünftiges Dasein als Rabbiner den Talmud studiert. Ihr Glück wäre vollkommen, wenn Chani endlich schwanger würde. Doch bisher waren alle Versuche vergeblich. Nicht nur die Erwartungen von außen belasten Chani. Nein, ihre Ehe wäre ernsthaft in Gefahr, denn nach jüdischem Recht darf ein Mann die Trennung verlangen, wenn seine Frau ihm keine Kinder schenkt. „ Ein unverheiratetes Mädchen war wie ein ruderloses Schiff oder ein Topf ohne Deckel, doch eine unfruchtbare Frau war schlimmer. Ihr Mann konnte sie verstoßen. Er konnte sich neuen Weidegrund suchen.“
    Deshalb reist das junge Paar nach London und lässt sich, finanziell unterstützt von Baruchs Eltern, in einer Fruchtbarkeitsklinik untersuchen. Die Ergebnisse sind einerseits beruhigend, denn es liegen keine organischen Gründe für die Kinderlosigkeit vor. Trotzdem stürzt der Befund das Paar in schwere Konflikte. Es sind die strengen jüdischen Gesetze, die einer Befruchtung im Wege stehen, denn diese regeln genau, wann ein Paar sexuell enthaltsam sein muss.
    Baruch und Chani stehen somit vor einem riesigen Problem. Wie sollen sie Gottes Gesetz erfüllen, sich zu vermehren, wenn die Gebote das gleichzeitig unmöglich machen ?
    Aber Chani ist nicht die einzige Frau, die sich zwischen religiösen Vorgaben und Selbstbestimmung entscheiden muss.
    In einem zweiten Erzählstrang geht es um Rivka Zilbermann, die im ersten Buch als Rebezzin Chani auf die Ehe vorbereitet hat. Rivka hat mittlerweile ihren Mann Chaim verlassen, weil sie es in der streng reglementierten Welt der orthodoxen Gemeinde nicht mehr ausgehalten hat. Doch ihr Ausbruch hat schwerwiegende Konsequenzen. Ihr wird der Kontakt zu ihren Kindern verboten und ihr Mann übergibt ihr den „ Get“, den Scheidebrief. Seine Stellung als Rabbiner wäre nicht zu halten mit einer getrennt lebenden Frau. Doch das ist noch nicht alles. Der jüngere Sohn wird in der Schule wegen seiner abtrünnigen Mutter gemobbt, die Tochter will nichts mehr von ihr wissen. Rivka steckt „ zwischen zwei Welten fest und es zerreißt“ sie. Der Preis für ihre Freiheit ist immens hoch.
    Und auch ihr ältester Sohn Avromi, der momentan in einer Talmudschule in Jerusalem studiert, steckt in einer tiefen Sinnkrise.
    Eve Harris beschreibt nun mit sehr viel Einfühlungsvermögen die Schwierigkeiten, in denen sich ihre Figuren befinden. Es geht ihr dabei nicht darum, die Religion und Gott selbst in Frage zu stellen. Was sie kritisiert sind die z.T. unmenschlichen Gesetze und Verbote, die Männer vor Jahrhunderten erlassen haben und auf deren Einhaltung religiöse Eiferer dringen. Dabei prangert sie jegliche Intoleranz und Bigotterie an.
    In ihrer Kritik bleibt die Autorin aber nicht einseitig, denn dass auch Männer unter dem rigiden Diktat leiden, zeigt sie eindrucksvoll an verschiedenen Beispielen.
    Und längst nicht alle orthodoxen Juden verhalten sich hier hartherzig und engstirnig. Chani, Rivka und Avromi treffen auf Menschen, die sie in ihrem Bestreben, den richtigen Weg zu finden, bestärken und unterstützen.
    Eve Harris beschreibt all ihre Figuren mit Liebe und Empathie und mit genügend Humor. Auch für die Fehler und Schwächen der weniger sympathischen Zeitgenossen zeigt sie Verständnis .
    Kapitelweise wechselt die Autorin die Perspektive, so dass der Leser den Hauptfiguren sehr nahe kommt. Und auch die Schauplätze wechseln. Mal sind wir in Golders Green, jenem Stadtteil Londons, in dem vorrangig orthodoxe Juden wohnen, mal in Israel. Dort stellt sie dem ruhigen und traditionellen Leben in Jerusalem das lebendige und pulsierende Tel Aviv gegenüber.
    Wie schon im Vorgängerroman bekommt der Leser einen tiefen Einblick in jüdischen Alltag, in Bräuche und Rituale orthodoxer Juden. Das ist ein Blick in eine uns eher fremde unbekannte Welt. Zur Atmosphäre tragen auch die zahlreichen, im Text verstreuten jüdischen Begriffe bei, von denen die wichtigsten in einem anhängenden Glossar erläutert werden.
    Mit leichten Ton und in schnörkelloser Sprache greift die Autorin fundamentale Fragen auf.
    Man muss den ersten Band nicht kennen, um den vorliegenden Roman verstehen und genießen zu können. Doch wer ihn liest, will sicherlich den Vorgänger kennenlernen und alle, die mit derselben Begeisterung wie ich „ Die Hochzeit der Chani Kaufman“ gelesen haben, werden sich auf die Fortsetzung stürzen.
    Und wir alle können nur hoffen, dass Eve Harris nicht wieder so viele Jahre verstreichen lässt bis zum nächsten Folgeroman.
    „ Die Hoffnung der Chani Kaufman“ ist Unterhaltungsliteratur vom Feinsten, ein Roman, der einem von Anbeginn an fesselt und nicht mehr loslässt.

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  1. Eine Ehe mit vielen religiösen Regeln

    Nur Märchen enden damit, dass das liebende Paar heiratet! Im realen Leben wird es dann erst interessant: wie geht das Ehepaar mit den unterschiedlichsten Herausforderungen um?! (Eine Steigerung erfährt das Ganze, wenn das Ehepaar, wie Chani und Baruch, in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde lebt, in der es viele Regeln und Gesetze zu befolgen gilt.)

    War ich schon vom Vorgängerbuch ‚Die Hochzeit der Chani Kaufman‘ begeistert, fieberte ich direkt auf die Fortsetzung. Und sie hat mich nicht enttäuscht!

    Wir begleiten Chani, mit Baruch in Jerusalem wohnend, bei ihren verzweifelten Bemühungen, schwanger zu werden – sogar für sie unangenehme Termine in einer Kinderwunschklinik in London nimmt sie wahr.
    Und auch das Schicksal von Rivka, der Rebbetzin Zilberman verfolgen wir weiter: inzwischen getrennt von ihrem Ehemann, dem Rabbi Zilberman, dem die Befolgung der religiösen Regeln über alles geht, versucht sie ihren Platz außerhalb der religiösen Gemeinde zu finden und Kontakt zu ihren Kindern zu bekommen.

    Äußerst informativ sind die diversen Besonderheiten im jüdisch-orthodoxen Glauben (wie z.B. das ‚Get‘- der Scheidungsbrief, die einheitliche Dauer der ‚nidda‘ – des Menstruationszyklus – von 12 Tagen für alle Frauen, das Beschneiden eines Sohnes, die Dienste einer ‚Jente‘ - der Eheanbahnerin - und vieles mehr). Sehr hilfreich war dabei das Glossar, in dem die jüdischen Worte erklärt werden.

    Begeistert haben mich diverse Unterhaltungen, die unter die Haut gingen: z.B. Chani bei Rivka, Rivka bei Amy oder die der Schwiegereltern von Chani, Mr. und Mrs. Levy, bei der Heimfaht von der Beschneidungsfeier bei Familie Kaufman, bei der sehr gut die Herausforderungen für Mr. Levy in einer Ehe mit Mrs. Levy sichtbar waren. Überhaupt gefiel mir die warmherzige Schilderung etlicher Charaktere. (Beim alten Ehepaar Rabbi Ehrlich und seiner Frau Ilana mit den Katzen ‚Ben Guiron‘ und ‚Moishe Dajen‘ ging mir das Herz auf!) Meine männlichen Favoriten waren übrigens Mr. Levy, der Schwiegervater von Chani, und Rabbi Ehrlich, die sich wohltuend von den anderen Männern abhoben, die sich gerne hinter den religiösen Regeln versteckten!

    Ich kann nicht anders, als die Höchstzahl der Sterne bei dieser Rezension zu vergeben! Das Buch von Eve Harris, übersetzt von Kathrin Bielfeldt, ist sehr informativ und packend von der ersten Seite an. Ich möchte es allen ans Herz legen, jedoch: für diese Lektüre ist Aufgeschlossenheit gegenüber Religionen sinnvoll und auch Toleranz gegenüber anderen Lebensformen!

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Der versperrte Weg: Roman des Bruders

Buchseite und Rezensionen zu 'Der versperrte Weg: Roman des Bruders' von Georges-Arthur Goldschmidt

Inhaltsangabe zu "Der versperrte Weg: Roman des Bruders"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:111
Verlag: Wallstein
EAN:9783835350618
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Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen

Buchseite und Rezensionen zu 'Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen' von Isaac Blum
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:224
EAN:9783407757210
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Rezensionen zu "Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen"

  1. Wenn Freundschaft mit dem Glauben kollidiert

    Cover:
    -----------
    Das Titelbild erinnerte mich an ältere Jugendliteratur in den den orangen und grünen Farbtönen. Als Nostalgikerin gefiel mir das sehr und es machte mich neugierig.

    Inhalt:
    -----------
    Der 15-jährige Jehuda Rosen, genannt 'Hoodie" gehört einer jüdisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft an. Während des Unterrichts sieht er durch das Fenster ein gleichaltriges Mädchen. Sie fasziniert ihn schon, weil sie optisch anders ist als jüdische Mädchen. Und dann stellt sich noch heraus, dass Anna-Marie die Tochter der Bürgermeisterin ist. Diese ist der jüdischen Gemeinde gegenüber nicht wohl gesonnen. Und auch umgekehrt ist die aufkeimende Beziehung Hoodies Familie und seiner Gemeinde ein Dorn im Auge.

    Mein Eindruck:
    -----------

    "Auf der Wasserstein-Hochzeit ein Jahr zuvor hatte auch ich getanzt, war dort ganz genauso mit Freunden und der Familie herumgewirbelt. Damals hatte ich mich zugehörig gefühlt, als würde ich genau in diese Gemeinschaft hineinpassen. Aber jetzt fühlte ich mich wie ein Außenstehender, unsicher, wohin ich passte, ob ich überhaupt irgendwohin passte.
    "Passen" war genau das richtige Wort. Denn die ganze Sache war wie eine Jacke, die mir nicht mehr richtig passte. Aber es war gleichzeitig, auch die einzige Jacke, die ich hatte. Darunter war ich nackt. Ich wollte sie nicht wirklich tragen, aber ich konnte sie auch nicht ausziehen, denn was sollte ich stattdessen überstreifen?"
    (S. 204)

    Mich hat das Buch von Anfang an gepackt. Der Einstieg ist recht humorvoll und man lernt nebenher viel über den jüdischen Glauben. Der Leser verfolgt das Geschehen ausschließlich durch Hoodies Augen und Gedanken. Er setzt sich kritisch mit den Inhalten seines Glaubens und Lebens auseinander und erzählt dabei das Ganze immer mit einer Spur Ironie.
    Die Freundschaft zu Anna-Marie verläuft schließlich anders als gedacht und die Situation insgesamt spitzt sich ab dem ersten Drittel des Buches immer weiter zu. Teilweise hatte ich nicht erwartet, dass es sich so heftig entwickeln würde. Aber dank Hoodies Sarkasmus wird es nie zu dramatisch und das nimmt der Handlung die Schwere.
    Das Ende gefiel mir sehr gut. Es war kein typisches Happy End, aber es ging in eine versöhnliche Richtung und ließ noch Raum für Entwicklung und Interpretation. Ich war allerdings traurig, von Hoodie Abschied nehmen zu müssen. Ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen, wahrscheinlich wegen seiner kritisch-hinterfragenden und gleichzeitig sarkastischen Art. Und auch seine große Schwester Zippy war ein starker Charakter in diesem Buch, die immer den Durchblick hat und das richtige sagt oder tut zur richtigen Zeit. Ohne sie hätte die ganze Geschichte nicht so gut funktioniert.
    Die meisten jüdischen Begriffe werden im Text erklärt, aber für einige wären Fußnoten oder ein Glossar am Ende eventuell hilfreich gewesen.

    Fazit:
    -----------
    Freundschaft, jüdischer Glauben, Rechtsextremismus und Toleranz in einer Mischung aus Spannung, Ernst und Humor vereint

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Vergesst unsere Namen nicht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Vergesst unsere Namen nicht: Roman' von Simon Stranger
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Vergesst unsere Namen nicht: Roman"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag: Eichborn
EAN:9783847900726
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Rezensionen zu "Vergesst unsere Namen nicht: Roman"

  1. O wie Offenbarung des Bösen, V wie Vergebung

    Während der norwegische Literaturzug mit dem Kronprinzenpaar und zahlreichen Autoren, unter ihnen auch Simon Stranger, seinem Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse entgegenrollte, habe ich mit großer Anteilnahme Strangers Holocaust-Roman "Vergesst unsere Namen nicht" gelesen. Inspiriert vom Stolperstein für den Urgroßvater seiner Frau in Trondheim, hat er mit Familienangehörigen gesprochen, Handlungsorte aufgesucht und in Archiven recherchiert. Trotzdem ist sein Buch ein Roman, denn nicht alles ließ sich rekonstruieren und Lücken galt es mit Fantasie zu füllen.

    J wie Jude
    Einer jüdischen Tradition gemäß stirbt ein Mensch zwei Mal: wenn das Herz aufhört zu schlagen und wenn sein Name zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird. Genau wie der Künstler Gunter Demnig mit den von ihm erdachten Stolpersteinen möchte auch Stranger diesen zweiten Tod hinausschieben. „A“ bis „Z“ sind die 26 Kapitel überschrieben, jeder Buchstabe liefert Stichwörter, die sich zuletzt wie ein Puzzle zur ganzen Geschichte zusammenfügen.

    S wie Stolperstein
    Die Familie von Hirsch Komissar, dessen Stolperstein in Trondheim liegt, kam nach den Judenprogromen in den 1880er-Jahren aus Russland nach Norwegen. In Trondheim führte er ein Bekleidungsgeschäft. Am Tag der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht floh Hirsch Komissar mit seiner Frau und den drei Kindern nach Schweden, kehrte aber kurz darauf wieder zurück. Am 12.01.1942 wurde er verhaftet, zeitweise im Lager Falstad gefangen gehalten und am 07.10.1942 hingerichtet. Dass sein Sohn Gerson später zusammen mit seiner Frau Ellen und den beiden Töchtern, eine davon Strangers Schwiegermutter, ausgerechnet in das Haus zog, in dem so viele Gefangene der norwegischen Gestapo gefoltert und ermordet wurden, mutet angesichts dieser Familiengeschichte unglaublich an.

    R wie Rinnan
    Noch mehr als dem Opfer widmet sich Simon Stranger einem Täter, dem norwegischen Gestapo-Vertrauten Henry Oliver Rinnan (1915 – 1947), 1945 einer der meistgesuchten norwegischen Kriegsverbrecher. Beim Prozess gegen die sogenannte „Bande“ trug er die Nummer eins am Revers und ein Gutachten bescheinigte ihm große Intelligenz, Anomalien im Gefühlsleben und eine eigentümliche Macht über seine Mitmenschen. Erstaunt war ich, dass Rinnan, so wie Stranger ihn beschreibt, keinerlei politische Überzeugungen hatte. Triebfeder für seinen Verrat an Widerstandskämpfern und Juden sowie für erbarmungslose Folterungen, Gewaltexzesse und Tötungen im sogenannten „Bandenkloster“ waren Machtstreben und Eitelkeit dieses ob seiner geringen Körpergröße mit tiefen Minderwertigkeitskomplexen behafteten Mannes.

    M wie Machtlosigkeit
    Ganz besonders interessant fand ich Strangers Gedanken zum Entzug der Menschlichkeit durch die Täter:

    "Allen, die ermordet werden, muss die Menschlichkeit genommen werden… Alles, was an Persönlichkeit erinnert, muss verschwinden, um zu verhindern, dass die Henker sich in den Gesichtern ihrer Opfer selbst wiedererkennen. Diese notwendige Distanz ist die Voraussetzung. Ohne sie ist der nächste Schritt unmöglich, er wäre wie ein Angriff auf das eigene Spiegelbild."

    Z wie Zukunft
    Warum wurde in der Familie von Strangers Frau Rikke zu den Ereignissen des Krieges meist geschwiegen? „Es war der Wunsch zu vergeben und weiterzugehen… Dass wir etwas ändern können, das ist der Weg in die Zukunft.“ Und doch ist es wichtig, diesen Teil der Geschichte lebendig zu halten, nicht nur, um den zweiten Tod der Opfer hinauszuzögern, sondern auch, um der neuen Rechten entgegenzutreten und Außenseiter nicht zu Tätern werden lassen. Das Buch von Simon Stranger ist ein wertvoller Beitrag dazu.

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Wo wir zu Hause sind

Buchseite und Rezensionen zu 'Wo wir zu Hause sind' von Maxim Leo

Inhaltsangabe zu "Wo wir zu Hause sind"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783462000405
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weiter leben. Mit MP3-CD: Eine Jugend

Buchseite und Rezensionen zu 'weiter leben. Mit MP3-CD: Eine Jugend' von  Ruth Klüger

Inhaltsangabe zu "weiter leben. Mit MP3-CD: Eine Jugend"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:286
Verlag: Wallstein
EAN:9783835302983
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Lügen in Zeiten des Krieges. Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Lügen in Zeiten des Krieges. Roman' von Louis Begley

Inhaltsangabe zu "Lügen in Zeiten des Krieges. Roman"

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Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:224
Verlag: Suhrkamp
EAN:9783518390467
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Zwischen Du und Ich: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Zwischen Du und Ich: Roman' von Mirna Funk

Inhaltsangabe zu "Zwischen Du und Ich: Roman"

Diskussionen zu "Auf dem Seil: Franz Kafka: Eine Würdigung"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783423282673
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