Das gespaltene Haus

Buchseite und Rezensionen zu 'Das gespaltene Haus' von Manfred Berg
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das gespaltene Haus"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:544
Verlag: Klett-Cotta
EAN:9783608984088
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Rezensionen zu "Das gespaltene Haus"

  1. Die Polarisierung überlagert den gesunden Menschenverstand

    Kurzmeinung: Eine kluge und umfassende, intensive Beschäftigung und Darstellung amerikanischer Gegenwartsgeschichte. So gut geschrieben - ich würde auch 10 Sterne vergeben!

    Dr. Manfred Berg ist Professor für amerikanische Geschichte und lehrt an der Universität Heidelberg.

    In angenehm unwissenschaftlicher Sprache und chronologisch lose entlang der Präsidentschaften (von den Präsidenten bekommt Lyndon B. Johnson am meisten Raum) führt Manfred Berg durch einen großen Teil amerikanischer Geschichte.

    Es kommen alle Themen, über die Dissens in der Gesellschaft besteht oder die Problemfelder aufmachen, aufs Tapet: zum Beispiel

    - die Dauerblockade politischer Prozesse, - die jeweiligen Feindbilder der Liberalen und der Konservativen,-- der Big Sort, - repressive Wahlgesetze, - der Vertrauensverlust in die politisch-elitäre Riege, - die antikommunistische Hysterie, - die Black-Power- „als politische Botschaft jedoch lief Black Power im Kern auf den Bruch mit der weißen Gesellschaft und der Gewaltlosigkeit hinaus“, - der White Blacklash, - Einwanderung und demografischer Wandel:

    ZITAT „Einwanderung und demografischer Wandel waren zu popularisierenden Identitätsfragen der amerikanischen Politik geworden“,

    -die Globalisierung, - Frauenrechte/Recht auf Abtreibung versus Schutz des Lebens, - -Culture war, - Campus-Kriege, - Rights Revolution, - Waffenkultur: gun rights vs. gun control:

    ZITAT „Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen begossen werden“ (Th. Jefferson),

    - Mass shootings, - amerikanische Hybris:

    ZITAT „Die Amerikaner mochten sich nachträglich einreden, das ihre Regierung sie in einen unnötigen Krieg hineingelockt hatte, aber die Mehrheit glaubte Bush auch deshalb, weil sie ihm glauben wollte“ (Irakkrieg), -

    um nur einige Themen zu nennen, samt der dazugehörigen umstrittenen Gesetzeswerke und – Gesetzesvorhaben.

    DER KOMMENTAR UND DAS LESEERLEBNIS:
    Dass man ohne sich der einschlägigen wissenschaftlichen Nomenklatur zu bedienen, ein politisches Sachbuch schreiben kann, beweist Manfred Berg aufs Feinste! Er kann komplexe Zusammenhänge formulieren, ohne eine Univorlesung daraus zu machen. Ich wusste, dass es geht, hatte aber bis dato keinen Autorenbeweis! Hier ist er!
    Dieses Werk ist trotzdem anspruchsvoll, in keiner Sekunde langweilig und äußerst informativ. Und man versteht es problemlos.

    „Das gespaltene Haus“ bietet keine Lösungen an, wie man aus dem Freund/Feind-Denken und Gegeneinander-Kämpfen wieder herauskommt, zeigt jedoch leider, dass es schlimmer um den Westen steht als angenommen! Politiker und Volk haben den gesunden Menschenverstand zugunsten einseitiger Parteinahme fallengelassen! Wo soll das nur enden? Reißen wir uns doch wenigstens hier am Riemen und arbeiten miteinander an der Lösung von Problemen und nicht gegeneinander. Dazu gehört in allererster Linie, dass man miteinander spricht und nicht Kontakte cancelt, weil sie unbequem sind.

    Fazit: „Das gespaltene Haus“ ist mein zweites Lesehighlight dieses Jahr und bietet auch versierten Zeitungslesern und Amerikakennern noch neue Details. Ich würde auch zehn Sterne vergeben und

    Ich gebe eine Leseempfehlung!

    Kategorie: Sachbuch: Amerikanische Gegenwarts-Geschichte
    Verlag Klett-Cotta, 2024

 

Das Jahrhundert der Toleranz

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Jahrhundert der Toleranz' von Richard David Precht

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
EAN:9783442316076
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Feuerpanorama

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Rezensionen zu "Feuerpanorama"

  1. Literarisches Kriegstagebuch aus Charkiw

    Vom Beginn des Krieges bis Mitte April in Charkiw / Ukraine – ein literarisches Kriegstagebuch voller Eindrücke, Beobachtungen, Gedanken

    Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich schreiben: ein wunderbares Buch. Doch das passt nicht. Aber es ist ein persönlicher Tatsachenbericht, den ich rundherum nur loben kann. Dabei stapelt der Autor tief, er schreibt im Vorwort, es sei ein schnell, unter Bombenhagel geschriebenes Buch, daher ehrlicher, weil keine zweite Schicht von Korrektur darüber läge. Um so mehr habe ich mich gewundert, von welch literarischer Qualität es ist.

    Der Autor nimmt uns in seine geliebte Heimatstadt Charkiw mit, die zweitgrößte Stadt im Osten, nicht weit von der russischen Grenze, beschreibt die Kriegsschäden, das mühsame tägliche Leben, das Schlangestehen für Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente – unvorstellbar für uns im Frieden und Wohlstand lebende Menschen.

    Der Autor versteht es, dem Leser die ganze Bandbreite eines solchen mühseligen Lebens unter ständiger Angst zu vermitteln, die Banalitäten des Alltags, die Gefühle, die Gedanken, die Angst, der Mut, die Wut und ja, auch den Hass.

    'Das Gefühl in meinem Herzen ist wie schwarze Tinte, die vom Grund eines tiefen Sees aufsteigt und sich nicht mit dem klaren Wasser vermischt.' (88)

    Er erzählt auch von Erinnerungen, nicht als Selbstzweck, sondern als Kontrast zum mühsamen Leben, wie es jetzt ist. Dabei lernt man als Leser ganz nebenbei einiges über Charkiw und Umgebung. Der Autor selbst ist russischsprachig, hat als kleines Kind eine Zeit in Kursk verbracht und hat selbst die russische Indoktrination und vergiftete Propaganda im Kindergarten, in Geschichten, Büchern und Liedern erlebt (130). In diesem Zusammenhang ist es schockierend, seine Berichte von Menschen zu lesen, die das Offensichtliche leugnen und auch noch behaupten, die Ukrainer (die Nazis) würden selbst Bomben auf ihre eigenen Leute werfen. Dafür finde ich keine Worte mehr, aber man hat ja selbst schon solche Äußerungen im Video gesehen und gehört.

    'Ein Teil von ihnen ist vom russischen Fernsehen vergiftet, das so tödlich ist wie konzentrierte Abgase.' (33) - 'die giftige Milch der russischen Fernsehpropaganda' (101)
    Dieses Buch ist mal sachlich, mal emotional, mal lyrisch, mal nachdenklich und schildert den Schrecken mal sarkastisch, mal in poetischen Tönen.

    'Alles hier besitzt eine filmische Qulität von Unwirklichkeit' (21)
    'Es handelt sich also um den wahrscheinlich sinnlosesten Krieg der Geschichte. Die Russen kämpfen gegen Dinge, die es gar nicht gibt.' (16)
    Ich hatte mir dieses Buch ausgeliehen, habe es aber dann gekauft, nicht nur weil ich es hervorragend finde, sondern auch, weil ich damit einen ukrainischen Autor ein wenig unterstützen kann. Ich wünsche diesem Buch viele, viele Leser und ich denke an den Autor und seine Familie und wünsche ihnen alles Gute.

 

DDR-Erbe in der Seele

Buchseite und Rezensionen zu 'DDR-Erbe in der Seele' von Udo Baer

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Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:235
Verlag: Beltz
EAN:9783407866363
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Der große Plan

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Rezensionen zu "Der große Plan"

  1. Packend, brisant, interessant

    „Doch das Böse in diesem Fall ist so perfide und im Bösen so perfekt, wie ich es in meiner Laufbahn als Polizist und Privatermittler noch nicht erlebt habe. (Zitat Seite 360)

    Inhalt
    Georg Dengler arbeitet jetzt seit zehn Jahren als Privatermittler und die Auftragslage ist, nun ja, schwankend. Da tritt das Auswärtige Amt in Berlin an ihn heran. Eine wichtige Mitarbeiterin, Anna Hartmann, ist verschwunden und Dengler soll im Auftrag des Außenministers die Ermittlungen des BKA und des Innenministeriums unabhängig begleiten. Zur Zeit ist Anna Hartmann als Beraterin der Troika im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise tätig. Der einzige Anhaltspunkt ist ein kurzes Handyvideo, aufgenommen am 27. Dezember, wo zu sehen ist, wie Anna Hartmann zu nächtlicher Stunde rasch an einem dunklen Van vorbeigehen will und nicht mehr auftaucht. Mit ihr verschwindet auch ihr Laptop. Alles deutet auf eine Entführung hin und Dengler fragt sich, woran sie wirklich gearbeitet hat. Könnte sie brisante Daten im Zusammenhang mit der finanziellen Rettungsaktion für Griechenland entdeckt haben, die sie an die Öffentlichkeit bringen wollte? Diesen Fall kann er nicht allein bearbeiten, zusammen mit seiner Freundin Olga, seiner neuen Mitarbeiterin Petra Wolff und seinem verlässlichen Freundeskreis beginnt er zu recherchieren, doch jemand scheint jeden ihrer Schritte zu kennen und ist ihnen mindestens einen Schritt voraus, skrupellos, denn nur tote Menschen reden nicht.

    Thema und Genre
    In diesem Kriminalroman geht es um aktuelle Themen wie internationale Finanzmärkte und Finanzinstrumente, die Finanzkrise der EU im Zusammenhang mit Griechenland, Politik heute und in der Vergangenheit, im von den Nationalsozialisten besetzten Griechenland.

    Charaktere
    Mit wenigen geschichtlichen Ausnahmen sind die handelnden Personen fiktiv, jedoch realistisch und absolut glaubhaft, ihr Verhalten nachvollziehbar.

    Handlung und Schreibstil
    Der Autor ergänzt auch in diesem neunten Fall des Privatermittlers Georg Dengler die packende Handlung und Ermittlungen mit genau und ausführlich recherchierten Fakten. Die entsprechenden Erläuterungen stehen in einem gelungenen Gleichgewicht zu den Ereignissen und sie unterbrechen den Spannungsbogen keineswegs, sondern sind ebenso spannend und interessant zu lesen. Parallel zur aktuellen Handlung führt eine Geschichte in die Vergangenheit von Annas Großvater Otto Hartmann, der, aus einfachen Verhältnissen stammend, zu einem erfolgreichen Direktor der Deutschlandbank aufgestiegen war. Nicht nur Georg Dengler erwarten in diesem gefährlichen, herausfordernden Fall eine Reihe von Überraschungen und völlig unvorhersehbaren Entwicklungen, sondern auch uns Lesende.

    Fazit
    Auch Martin Klein, Verfasser von Horoskopen und angehender Autor von Kriminalromanen, gehört zu Georg Denglers Freundeskreis. „Georg, deine Fälle eignen sich nicht für Kriminalromane,“ stellt Martin auf Seite 282 fest – hier irrt er, wie diese spannende, facettenreiche, interessante Mischung aus brisanten Themen, Fakten und fiktiver Krimihandlung beweist.

  1. 5
    01. Mär 2020 

    Die etwas andere Euro-Rettung

    Es könnte Denglers großer Durchbruch werden. Das Außenministerium beauftragt den Privatdetektiv aus Stuttgart, im Fall einer verschwundenen, wahrscheinlich entführten Mitarbeiterin zu ermitteln, das Budget ist beinahe unbegrenzt hoch.

    Anna Hartmann wird zufällig gefilmt, als sie mitten in der Nacht im Berliner Botschaftsviertel hinter einem Lieferwagen verschwindet und nie wieder auftaucht. Da sie für die Troika arbeitete, die das Hilfsprogramm für die Eurorettung im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise erstellte, führt eine Spur Denglers in diesen Bereich. Doch jedes Mal, wenn er den Entführern etwas näher kommt, werden diese ermordet, sodass Dengler beinahe mit leeren Händen dasteht. Doch ein riskanter Trick führt zu einem Austausch von einem Datenträger gegen die Entführte, doch diese überlebt den Austausch nicht lange und Dengler selbst wird schwer verwundet. Welcher scheinbar unbesiegbare Gegner steckt hinter diesen Aktionen?

    Wie schon in einigen der Vorgängerromanen der Reihe fasst Wolfgang Schorlau erneut ein heißes Eisen an, dieses Mal die griechische Finanzkrise. Dabei werden dem Leser die wirklichen Entwicklungen verdeutlicht, nämlich Finanzspekulationen vor allem deutscher und französischer Banken, die alles andere als seriös agieren, aber der Rubel muss ja rollen und die Aktionäre müssen zufrieden gestellt werden, selbst wenn das gesamte griechische Volk darunter leiden muss. Das die bundesdeutsche Presse dabei den Griechen selbst die Schuld gibt, ist perfide und falsch.

    Ein weiterer Erzählstrang stellt die Beschreibung der deutschen Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg dar, die die griechische Forderung nach Reparationen gar nicht so abwegig wie oftmals dargestellt erscheinen lässt.

    Und, wie immer, der ausführliche Anhang Schorlaus macht deutlich, dass wirtschaftspolitischen und historischen Hintergründe der Romanhandlung - leider, möchte man fast sagen - nicht frei erfunden sind.

  1. 4
    03. Dez 2018 

    Verschwunden

    Die junge Mitarbeiterin des Berliner Außenministeriums Anna Hartmann ist verschwunden. Der Privatdetektiv Georg Dengler erhält den Auftrag, nach ihr zu suchen. Ein Fall, der zunächst eher unspektakulär erscheint. Als jedoch eine Aufzeichnung einer Handykamera nahelegt, dass Hartmann möglicherweise entführt wurde, gewinnt die Suche an Brisanz. Dengler beginnt sich mit Annas Arbeit zu beschäftigen. Sie war für die Troika tätig, die die Griechenlandhilfen verteilen und kontrollieren sollte. Hat Anna etwa begonnen, an ihrer Arbeit zu zweifeln? Was hat sie über die Wege des Geldes herausgefunden, dass eigentlich die griechische Wirtschaft stützen sollte oder auch den Griechen zugute kommen sollte.

    In seinem neunten Fall kommt der Privatdetektiv und ehemalige Polizist Georg Dengler mit einem Vorgang in Berührung, der sich ganz anders entwickelt als zuerst vermutet. Soll er auftragsgemäß nur das Verbleiben einer Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes aufklären? Wieso überhaupt kommt der Auftrag nicht aus der Familie? Hat sich die junge Frau mit der Durchführung ihrer Aufträge etwa Feinde gemacht? Es herrscht Stille, eine Lösegeldforderung geht zunächst nicht ein. Dengler beginnt, tiefer zu graben. Könnte das Ganze tatsächlich mit den Griechenlandhilfen zusammenhängen? Doch so groß war die Bedeutung von Hartmanns Tätigkeit eigentlich nicht.

    Natürlich könnte man sich über Denglers neue und erste Mitarbeiterin Petra Wolf amüsieren, die ihn in die Tiefen oder Untiefen einer ordentlichen Kalkulation einweiht und gleich die entsprechenden Rechnungen schreibt. Doch das Amüsement vergeht einem bald, wenn man die die Ausführungen zur Griechenlandkrise liest. Auch dies ist eine Sichtweise, die mehr als nur eine gewisse Plausibilität beinhaltet. Und man sollte ob dieser möglichen Sichtweise mal wieder in sich gehen und überlegen, ob so manche unbedachte Äußerung nicht doch fehl am Platze sein könnte. Schließlich geht es wie so oft um Menschen, die der Raffgier der Mächtigen geopfert werden. Wie man es von dem Autor schon gewohnt ist, öffnet er einen anderen Blickwinkel auf ein bekanntes Thema und regt damit zum Nachdenken an, ob das, was einem so vorgegaukelt wird, einer Überprüfung standhalten würde. Einige der literarisch verarbeiteten Ideen und Recherchen sind jedenfalls erschreckend plausibel und logisch. Vielleicht sollten sich einige doch bescheiden und mal eine ehrliche Rechnung aufmachen.
    4,5 Sterne

 

Seelische Trümmer

Buchseite und Rezensionen zu 'Seelische Trümmer' von Bettina Alberti

Inhaltsangabe zu "Seelische Trümmer"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: Kösel-Verlag
EAN:9783466347537
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Guten Morgen, du Schöner

Buchseite und Rezensionen zu 'Guten Morgen, du Schöner' von Greta Taubert
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Guten Morgen, du Schöner"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:249
Verlag: Aufbau Verlag
EAN:9783351034641
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Rezensionen zu "Guten Morgen, du Schöner"

  1. Wie ist er so, der Ostmann?

    Über dieses Buch bin ich eher zufällig gestolpert als darüber im TV berichtet wurde. Gespannt habe ich mit der Lektüre begonnen und schnell gemerkt: Hier werde ich abgeholt, nicht nur im Bezug auf die dargestellten Männer, sondern auch auf meine Kindheit in der DDR.

    Greta Taubert interviewt in ihrem Buch Männer, die zwischen 30 und 60 sind, die als Ossiboys die Wende erlebt haben und was das mit ihnen gemacht hat. Sie hat eine bunte Auswahl getroffen, denn es sind nicht nur hetero Männer vertreten. Zudem sind sowohl Wendegewinner als auch -verlierer dabei, so dass man ein recht authentisches Bild erhält.

    Die Jungs erzählen in eigenen Worten was sie erlebt haben und die meisten Geschichten haben mich doch sehr berührt und meine Augen nass werden lassen. Das Geschilderte deckt sich auch sehr mit meinen eigenen Erfahrungen. Der Ostmann lässt sich nicht in die Karten schauen, möchte der Beschützer und der Starke sein und hat angeblich keine schwache Seite. Dabei wissen wir doch alle, dass jeder Mensch Schwächen und Stärken hat und dazu einfach stehen sollte.

    Durch das Sachbuch entsteht nach meinem Empfinden endlich mal ein Bild wie der ostdeutsche Mann wirklich tickt und nicht was die Printmedien den Menschen einreden wollen. Denn nur eine Minderheit der Jungs zählt zu den grölenden Wutbürgern, wählt rechts und hat keinen Respekt vor Frauen, aber das gibt es in den alten Bundesländern auch.

    Taubert zeigt durch ihre Interviews, vielleicht unbewusst, wie das Aufwachsen in der DDR war und warum dieser Menschenschlag eben ein anderer ist, sowohl Männer als auch Frauen. Mir ergeht es sehr oft so, dass ich im Westen Deutschlands oder im Ausland unterwegs bin und wenn ich dann Menschen kennenlerne, mit denen es direkt matcht, dann kommen auch sie aus der DDR und eine unbewusste Verbundenheit ist da.

    Fazit: Wer einen Blick hinter die Fassade wagen will, der muss hier unbedingt reinschauen. Intensiv, unterhaltsam und vor allem augenöffnend. Klasse!

 

Putins Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Putins Welt' von  Gloger
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Putins Welt"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:395
Verlag: Piper
EAN:9783492310406
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Rezensionen zu "Putins Welt"

  1. Russland ist für den Westen ein Problem geworden.

    Kurzmeinung: Must read!

    In ihrem 2015 veröffentlichten und zuletzt 2017 überarbeiteten Buch „Putins Welt“, zeigt Katja Gloger auf, wie die Sowjetunion sich seit Putin und mit Putin veränderte. Dabei greift die Autorin zeitlich bisweilen bis auf den Zweiten Weltkrieg zurück, bemüht sich, Gorbatschow und die Deutsche Wiedervereinigung zu erklären, aber sie beginnt in der spannenden Neuzeit. Obwohl die aktuellste Entwicklung nicht enthalten ist, da Glogers Betrachtungen 2017 aufhören, ist Glogers Buch ein Augenöffner. Und was für einer!

    Denn schon immer war Russland ein Land, das auf der einen Seite an Minderwertigkeitskomplexen gegenüber dem modernen Westen wie an Großmannssucht und imperialistischem Größenwahn gelitten hat. Schon Katharina die Große sagte, sie könne ihr Land nur beschützen, in dem sie es ausdehne, mit anderen Worte, die Nachbarn überfalle, erobere und ausnutze. Kontrolle war Russlands Politik über die Jahrhunderte. Zu dieser Politik ist Putin zurückgekehrt. Reaktionär und militaristisch wurde die Politik dieses Landes. Doch eine kleine Weile davor schien es, als ob sich Russland dem Westen öffnen wolle. Als ob es fähig zur friedlichen Kooperation mit seinen Nachbarn und mit der Welt wäre. Was für eine Illusion! Weder fähig noch willens.

    Gloger zeigt uns viele Schattierungen des großen, weiten Landes, das völlig auf eine harte Hand der Autokratie setzt, eine Regierungsform, die gegen das Versprechen, für die Bürger zu sorgen und sie zu beschützen (ein Versprechen, das nur ansatzweise erfüllt wird) bedingungslose Loyalität erwartet, verlangt und erpresst. Autokratie war immer das Mittel der Wahl, die bevorzugte Regierungsform Russlands, ob unter den Zaren oder unter den Präsidenten oder Vorsitzenden der kommunistischen Partei, eine andere Art zu herrschen, kennt das Land nicht. Russland ist auch das Land, in dem es keine Aufklärung westlicher Prägung gegeben hat. Trotz Revolution und Kommunismus ist es auch ein Land voller religiöser Traditionen und Mythen. Vom Kommunismus ist nicht viel übrig geblieben.

    Ein paar Schlagworte sollen hier dennoch genügen, um den bristanten Inhalt des sachkenntnisreichen Buchs anzureißen: die korrupte und rücksichtslose Russen-GmbH, der (überwältigende) Kapitalismus unter Freunden, Kleptokratie, Kapitalflucht, Hochrüstung, Gaskrieg, vernachlässigte Infrastrukturen, Eindämmung sämtlicher zivilisatorischer Rechte, Übernahme von 90 Prozent aller Medien durch den Staat, Propaganda bis zum Abwinken, Fake News, Informationskrieg gegen das Ausland -„Journalisten werden Soldaten des Krieges. Man will die westlichen Medien zersetzen und verunglimpfen, man kämpft gegen die Information an sich; gelobt sei das Narrativ. In Russia ist investigativer Journalismus lebensgefährlich.“ Einflussnahme auf die im Ausland lebenden Russen: „Millionen Russischsprachiger haben sich nach dem Zerfall der Sowjetunion außerhalb der russischen Staatsgrenzen wiedergefunden. Ihr Potential, Sprache und Kultur müsse genutzt werden, um Einfluss auf das nahe Ausland zu gewinnen. Wir müssen sie unter unsere politische Kontrolle bringen um so eine machtvolle politische Enklave zu schaffen, die zur Basis unseres politischen Einflusses wird.“ Sergei Alexandrowitsch Karaganow. Geheimpolizeistaat. Frauendiskriminierung.

    Gerhard Schröders Kumpelei mit Putin wird ebenso thematisiert wie Putins Vergangenheit in der DDR, wo er keineswegs nomale deutsche Lebensverhältnisse kennen und schätzen lernte, sondern gesellschaftlich mit seinen eigenen Geheimdienstlern und mit Stasi-Leuten verkehrte. Für Putin war der Zusammenbruch des sowjetischen Einflussbereiches eine Katastrophe historischen Ausmaßes.

    Ultrapatriotischer Rechtsnationalismus, eine ideologische Richtung, die auch im Westen Fuß fasst, sich dort aber noch in der Minderheit befindet, ist in Russland salonfähig und wird befördert. Gewaltausübung als politisches Mittel der Auseinandersetzung ist tolerabel und akzeptabel.
    Die russische Idee, die die Kontrolle des benachbarten Auslands zum Ziel hat, im Klartext, das benachbarte Ausland seiner Identität und Selbstbestimmung zu berauben, kann nur überleben in scharfer Abgrenzung zum Feindbild des „verkommenen Westens.“

    Wohlgemerkt: Katja Gloger schreibt über die POLITIK des Landes und über seine von Putin gehätschelte Oberschicht, die sogenannten Oligarchen. Den russischen Menschen gegenüber fühlt sie sich verbunden. Sie haben kaum eine Chance, sich geistig aus dem Dunstkreis der russischen Staatsprogaganda zu lösen. Wenn kritische Journalisten zu Staatsfeinden erklärt und eliminiert werden, kann man verstehen, dass sich kritisches Denken höchstens noch in einem Mäuseloch regt.

    Fazit: Russland ist ein Land, in dem man momentan nicht leben möchte. Dem einzelnen Bürger wird viel abverlangt, er wird in systematischer Unmündigkeit und Informationsferne gehalten, es wird an seine patriotische Seele appelliert, damit er auf Kurs bleibt. Wenige werden unsagbar reich, die meisten müssen sich irgendwie über Wasser halten. Freilich, in der Ukraine waren die Zustände auch nicht besser.

    Schade, dass das Buch nicht ganz bis in die Jetztzeit reicht. Das ist das einziges Manko. Es ist super verständlich geschrieben und spannend. Die Floskel „ich konnte es kaum aus der Hand legen“ nehme ich für diesmal für Glogers Recherche in Anspruch.

    Eine dicke Leseempfehlung gibt es von mir!

    Kategorie: Sachbuch: Geschichte. Politik.
    Verlag: Hierax Medien, 2022

 

Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine' von Serhii Plokhy
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783455015263
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Rezensionen zu "Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine"

  1. Aktuell, informativ, fundiert, klar verständlich

    „Die Ukraine, erst vor kurzem ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gerückt, hat eine lange, dramatische und faszinierende Geschichte, die oft von den großen Narrativen der Imperien, die das Land jahrhundertelang beherrschten, überlagert wird.“ (Zitat Pos. 65)

    Thema und Inhalt
    Der Autor Serhii Plokhy, Historiker und Professor für ukrainische Geschichte, legt hier ein Werk über die mehr als zweitausend Jahre alte, wechselvolle Geschichte der Ukraine vor, von den Kimmerern, den Skythen, über die der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, über die Rus-Wikinger, Mongolen, Kosaken, Österreich-Ungarn, die russischen Zaren, Russland, die UDSSR bis zur Eigenstaatlichkeit 1994, aktualisiert mit den Ereignissen ab 2014 und einem Epilog über das aktuelle Jahr 2022. Der Text wird ergänzt durch zehn Landkarten, welche 770 vor Christus beginnen, Zeittafeln, welche die Ereignisse im Zusammenhang mit der Ukraine in die wichtigen historischen Daten des Weltgeschehens einordnen. Es folgen das Who’s Who der ukrainischen Geschichte, eine Namenstafel, ebenfalls chronologisch und nicht alphabetisch, ein Literaturverzeichnis und Sachregister.

    Umsetzung
    Bereits Herodot gliedert das Land in Küste, Steppe, Wald und diese Unterteilung zieht sich durch die Jahrtausende der ukrainischen Geschichte, dieses Landes, das über Jahrhunderte um die Eigenständigkeit kämpfte und das doch immer wieder neu aufgeteilt und unterschiedlichen Ländern zugeordnet wurde. Der Autor betrachtet die unterschiedlichen Regionen nicht in getrennten Abschnitten, sondern immer gemeinsam, mit Blick auf das Ganze. So erfahren wir nicht nur über die unterschiedlichen Völker, die gleichzeitig in der Ukraine gelebt haben, die Herrscher, kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern auch über das Leben der Menschen, die wirtschaftliche Entwicklung, Gesellschaftsformen, Sprachen, Bildung, Politik und Religion.
    Es sind grundsätzliche Fragen, die in diesem Buch gestellt und beantwortet werden, Fragen wie: was hat die Ukraine-Krise ausgelöst, wodurch unterscheiden sich die Ukrainer von den Russen, wer hat Anspruch auf die Krim und die Ostukraine und die sich aus der Geschichte ergebenden Argumente. Auch die Veränderungen, die mit dem Euromaidan 2014, dem russischen Angriff auf die Krim und den Donbas einhergingen, werden geschildert, damit verbunden die Veränderungen in der ukrainischen Gesellschaft, in denen der heutige Widerstand begründet ist.
    Die Sprache ist informativ, sachlich und trotz der komplexen Themen erklärt der Autor die Zusammenhänge verständlich und nachvollziehbar.

    Fazit
    Dieses interessante, umfassende Werk über die Geschichte der Ukraine trägt zum besseren Verständnis der Entwicklungen in der Ukraine bei. Denn es ist die Geschichte eines großen Landes mit vielen unterschiedlichen Regionen, aus denen sich unterschiedliche kulturelle Räume ergeben, die jedoch eine gemeinsame Sprache, Geschichte und der Wille eint, die im Referendum vom 1. Dezember 1991 mit überwältigender Mehrheit bejahte Unabhängigkeit zu verteidigen. „In der Praxis gibt es keine einfach auszumachende kulturelle Grenze, die die Krim von den benachbarten Regionen der Südukraine oder den Donbas von den anderen östlichen Regionen scheiden würde.“ (Zitat Pos. 16238)

 

Ein Haus und geteilte Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Haus und geteilte Leben' von Christiane Töllner
5
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Inhaltsangabe zu "Ein Haus und geteilte Leben"

Format:Taschenbuch
Seiten:230
EAN:9783939680710
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Rezensionen zu "Ein Haus und geteilte Leben"

  1. Deutsche Zeitgeschichte, interessant und packend erzählt

    „Aber als ein Haus ohne Gäste erreicht mich das Geschehen im Ort längst nicht mehr so wie früher. So geht diese Saison ziemlich an mir vorbei. Es fühlt sich an, als hätte es sich ausgesommert.“ (Zitat Seite 35)

    Inhalt
    Nach der „Aktion Rose“ am Beginn des Jahres 1953 sind Otto und Alma auf ihrer Flucht in Berlin angekommen und leben dort unter sehr bescheidenen Umständen. Das Haus vermisst sie sehr und sie vermissen ihre Heimat Rügen. Auch ihr Sohn Horst musste mit seiner Frau Rosi Greifswald verlassen, in den Westen fliehen. Er bewirbt sich um eine Stelle als Dozent auf Schloss Bieberstein in der Rhön, die er auch erhält. Immer mehr Freunde und Bekannte verlassen die DDR, das Haus beobachtet mit Sorge, wie es in Sellin leiser wird. Doch dann nimmt auch hier das Leben wieder Fahrt auf, wenn auch völlig anders als bisher. Das Haus wurde in kleine Wohneinheiten unterteilt und diese einzeln vermietet. Die Jahre vergehen, nun gibt es Radio und Fernsehen, und so ist auch das Haus über die aktuellen Ereignisse informiert, denkt darüber nach, es sind viele Themen: von der Politik, über das Tagesgeschehen, Kultur, bis zu den wichtigen Sportereignissen. Nach der Wende wartet das Haus sehnsüchtig auf Horst und Rosi, bis es im Jahr 1993 endlich so weit ist. Genau einhundert Jahre nach dem Bau des Hauses stehen sie nach mehr als vierzig Jahren zum ersten Mal wieder vor dem Haus und überlegen. Wird es ein neues Kapitel für das Haus „Helene“ geben?

    Thema und Genre
    Dieses Buch ist der zweite Teil der Geschichte des Hauses „Helene“ in Sellin auf Rügen und die damit verbundene Geschichte der Familie Töllner.

    Charaktere
    Der Erzähler ist das Haus 1903 erbaute Haus. Vor allem jedoch ist es die Geschichte der Menschen aus mehreren Generationen. Es sind Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der Familie der Autorin.

    Handlung und Schreibstil
    Wie bereits im ersten Teil der Familiengeschichte ist es das Haus, das beobachtet, über die Beobachtungen und Informationen nachdenkt und diese erzählt. Es ist eine lebhafte, facettenreiche Mischung. Schilderungen des Alltags in der DDR, gleichzeitig auch in der Bundesrepublik, das Leben auf beiden Seiten der Mauer, werden mit der jeweils relevanten politischen und wirtschaftlichen Situation verknüpft. Auch über kulturelle Ereignisse berichtet das Haus und besondere Ereignise wie den Katastrophenwinter 1979 und so wird auch die Geschichte des Ostseebades Sellin und der Insel Rügen Teil der Handlung.
    In der zweiten Hälfte des Buches geht es um das wiedervereinigte Deutschland, die Unsicherheiten in den Jahren danach und die Veränderungen. Ein architektonisch interessantes Kapitel zeigt Bilder des baulichen Zustandes der einzelnen bekannten Häuser nach der Wende und heute, nach umfassenden Erhaltungsarbeiten. Anekdoten, Briefausschnitte und viele Fotografien ergänzen den Text. Im Anhang am Buchende finden sich der Stammbaum, das Abbildungsverzeichnis und eine ausführliche Quellenangabe.

    Fazit
    Eine facettenreiche, packende Reise durch die letzten siebzig Jahre Zeitgeschichte Sellins, der Insel Rügen und Deutschlands, und gleichzeitig ein Streifzug durch die zeitlose, beeindruckende Schönheit der Natur dieser Insel. Wer diese wechselvollen Jahre erlebt hat, wird durch dieses Buch sicher auch in eigene Erinnerungen zurückgeführt. Für die jüngere Generation, die Urlaubsgäste aus allen Teilen Deutschlands und Europas, oder eine Wienerin auf Rügen wie mich, bietet dieses Buch eine Fülle von neuem Wissen, eindrücklich und persönlich berichtet, aus einer originellen Erzählperspektive geschildert, und mit unterhaltsamer Leichtigkeit zu lesen.

 

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