Von Monsterschleim, Gummihühnern und Freilandrosen

Buchseite und Rezensionen zu 'Von Monsterschleim, Gummihühnern und Freilandrosen' von Nine Olausen Nielebock
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Von Monsterschleim, Gummihühnern und Freilandrosen"

Diskussionen zu "Von Monsterschleim, Gummihühnern und Freilandrosen"

Format:Taschenbuch
Seiten:210
Verlag: CharlesVerlag
EAN:9783948486594
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Rezensionen zu "Von Monsterschleim, Gummihühnern und Freilandrosen"

  1. Hinter den Kulissen des Films

    Mein Eindruck:
    ----------------------

    "Also: Das wird hier keine »Weißt du noch, wie schön es mal war?«-Story, auch keine Abrechnung mit einigen Leuten – wie gesagt, das ist arm und zickig und es gibt immer zwei Seiten. Es wird ein hoffentlich unterhaltsames Buch, in dem man als entweder potenzieller »Filmmensch« (wer denkt sich eigentlich immer diese komischen Bezeichnungen aus?) oder als interessierter Filmfan nachlesen kann, wie es ist oder war, wenn Schauspieler (ich nenne oft mit Absicht keine Namen, nur bei netten Geschichten natürlich!) mies gelaunt rumschreien oder Filmkollegen heulend und unterzuckert oder überfordert zusammenbrechen. Aber auch wie Synergien entstehen und man sich mit Kloß im Hals in den Armen liegt (also fast. Nicht immer. Aber kam durchaus vor), weil durch reine Magie auf allen Seiten (Licht, Regie, Talent) der perfekte Take gedreht wurde, einige Sekunden Stille herrschten, spontaner Applaus losbrach und man in diesem magischen Moment dabei sein durfte. Das kam nicht oft vor, aber wenn, dann war dies ein unbeschreibliches Gefühl."

    Das Titelbild gefiel mir sehr gut. Auf Filmstreifen sind oben und unten verschiedene Requisiten abgebildet. Mich hat das sehr neugierig gemacht, da ich immer schon Fan vom Film und besonders Fakten zum Thema "Hinter den Kulissen" bin.
    Schade nur, dass es wenige dieser Bilder im Innenleben gibt. Es gibt zwar Fotos, diese zeigen aber überwiegend die Autorin und/oder ihren Film-Bekanntschaften.

    Die Autorin war lange Zeit im Film-Requisitengeschäft und hat dabei einiges erlebt. In diesem Buch berichtet sie über ihre besten Geschichten. Die Handlung ist weitestgehend chronologisch erzählt und die Kapitel tragen den gleichen Titel wie die Filme, an denen sie mitgewirkt hat.

    Einige Kapitel fand ich sehr langatmig und weniger spannend, darin erzählt sie von ihren persönlichen Erlebnissen, die nicht immer direkt mit dem Film zu tun haben. Spannender fand ich dann schon Kapitel zu Themen, in denen steht wie künstlerische Kotze hergestellt wird oder wie alkoholische Getränke simuliert werden im Film. Auch einige lustige Anekdoten über Pannen beim Dreh oder wie einige Schauspieler sich privat geben, fand ich interessant. Insgesamt empfand ich das Buch aber als recht oberflächlich und viele Begriffe, die zwischendurch erläutert werden wie bspw. "Best-Boy", "Cherrypicker" oder "Grip" hätte man auch einfach im Internet nachschlagen können.
    Der Autorin sei zu Gute gehalten, dass sie das Buch aus der Erinnerung geschrieben hat und sich zu der Zeit des Erlebens keine Notizen gemacht hatte, da sie ursprünglich nicht vorhatte, ein Buch zu schreiben. Insgesamt hätte es für mich aber gerne mehr ans "Eingemachte" gehen dürfen. Die Beschreibungen waren eher nüchtern erzählt und vieles ist sehr kurz und oberflächlich abgehandelt worden. Zudem gingen mir manchmal die Anspielungen auf die eigene Figur der Autorin etwas auf die Nerven.
    Dennoch ein nettes Lesevergnügen, bei dem man einige lustige Fakten über das Making-of von Filmen erfährt.

    Fazit:
    ----------------------
    Kurzweilige Lesevergnügen mit einigen lustigen Fakten hinter die Filmkulissen - teilweise aber auch langatmig und oberflächlich.

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Vom Glück zu lesen

Buchseite und Rezensionen zu 'Vom Glück zu lesen' von Martin Latham

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
EAN:9783832181550
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Die Privilegierten: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Privilegierten: Roman' von Thomas von Steinaecker
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:624
Verlag: S. FISCHER
EAN:9783103975178
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Rezensionen zu "Die Privilegierten: Roman"

  1. Bedient das Narrativ

    Da ich den Roman der Longlist 2023, der später in die Shortlist kam, „Muna“ gelesen hatte, wollte ich auch ganz bewusst einen Roman lesen, der in diesem Jahr nicht nominiert wurde. Und das war dann eben Thomas von Steinaeckers „Die Privilegierten“ mit 623 Seiten.

    Der Roman beginnt mit dem Schulalter des Protagonisten und Ich-Erzählers Bastian Klecka und endet weit in der Zukunft, etwa im Jahr 2039. Er umspannt also ungefähr sechzig Jahre. Die Geschichte hat herausragende Momente, besonders bei den Tiergeschichten: drei Mal Katze, einmal Wolf. Dazu kommt Bastians Verzweiflung im Alter, die so berührend und nachvollziehbar beschrieben ist, dass man nicht nur mitfühlt, sondern sogar Angst bekommt vor dem möglichen eigenen Erleben solcher Zustände. Respekt!

    Eine lebenslange Freundschaft verbindet die drei Klassenkameraden: Bastian, Ilie Popescu und Madita. Sie gründen den „Klub der Katze“. Auch wenn die Berufe, Lebenswege und späteren Wohnorte dieser drei Freunde so unterschiedlich sind, wie sie nur sein können, halten sie immer Kontakt, mal mehr, mal weniger, aber immer.

    Bastians Eltern sterben früh bei einem Unfall und der Großvater zieht ihn auf. Wir lesen von seiner Schul- und Studentenzeit, bis zur Heirat und Geburt des Sohnes Samy und weit darüber hinaus. Über Berufs- und Wohnortwechsel, alles sehr ausführlich und streckenweise auch recht langatmig.

    Das Kennen- und Liebenlernen der späteren Ehefrau Brigitte bleibt für mich sehr blass. Die gegenseitigen Abmachungen und Vereinbarungen, z. B. wer aufs Kind aufpasst, wirken roboterhaft und unglaubwürdig. Schublade auf, Absprache raus, Schublade wieder zu. Sogar die Streitigkeiten der Eheleute wirken seltsam unecht. Die Stärken des Autors liegen eindeutig woanders. Siehe oben.

    Kommen wir zur unerquicklichen Bedienung des gerade gängigen Narrativs, dafür gibt es hier unzählige Beispiele. Mit dem jetzigen Wissen: Ich hätte dies Buch nicht lesen mögen. Das können leider auch die oben erwähnten herausragenden Momente nicht wettmachen. S. 187: „Ich hielt immer zu den Demokraten, den Schwarzen, Homosexuellen und anderen benachteiligten Minderheiten. […] Ich war zwar weiß, deutsch, wohlhabend, männlich, mittelalt. Doch am Ende des Tages gehörte ich zu den Guten.“

    Und ja, es geht noch weiter, S. 242: „Madita hatte sich zunächst geweigert, nach Ibiza mit dem Flugzeug zu reisen. Erst nach einer nächtlichen Konferenzschaltung, in deren Verlauf Ilie und ich ihr versprechen mussten, ein dreistelliges CO2-Zertifikat zu kaufen, hatte sie sich breitschlagen lassen.“

    S. 245: „[…] wir diskutierten sehr angeregt-produktiv über Trump und die sehr offensichtlich unvermeidbare rechte Apokalypse.“ Es folgen die „Unwörter“, die man nicht mehr sagen darf, wie z. B. „Zigeuner“, S. 268.
    S. 284: „Der Sender vertrat eine extrem liberale Gesinnung.“ Und dann, Achtung aufgepasst: „Wäre bekannt geworden, dass jemand aus den Redaktionen AfD wählt oder eine abweichende Gesinnung vertrat, wäre er früher oder später gegangen worden.“ Das ist nun wirklich extrem liberal. Satire aus.

    Und nein, es hört noch nicht auf, S. 298: „Die Kirchensteuer konnte man ohnehin sinnvoller verwenden, für NGO-Projekte in Afrika oder CO2-Zertifikate zum Beispiel.“ Oder auf Seite 376: „was sie oder er sich für die Zukunft in Deutschland erhoffe, mehr Toleranz gegenüber Geflüchteten, mehr Diversity, mehr alternative Energien, mehr Kreativität, mehr Farbe, ja, als ein winziges Mädchen piepste, sie wünsche sich mehr Frauenpower in Führungspositionen, […] und mir war … auf einmal nicht mehr bange um die Zukunft.“

    Selten gibt es auch Gegenstimmen, natürlich von jemandem, der abwegige Thesen verbreitet, so meint es Bastian, der so Empathie bewusste Erzähler. Also der abwegige Thesen-Verbreiter stellt auf Seite 471 die historische Einmaligkeit des Holocausts angesichts des Genozids im osmanischen Reich und in Ruanda in Frage. – Also ja, auch andere Völker als die Deutschen haben sich des Genozids schuldig gemacht, sogar viel neueren Datums. Quelle Spiegel, diverse Artikel: „In nur hundert Tagen töteten radikale Hutu 1994 in Ruanda rund 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu, die sich weigerten mitzumachen.“ Natürlich hat derlei normalerweise in einer Rezension nichts zu suchen, aber ich möchte den zahlreichen o. g. Zitaten etwas entgegensetzen. Und politisiert wird ja in diesem Roman reichlich.

    Fazit: Wer auch nur ansatzweise mit der derzeitigen Politik im Lande nicht einverstanden ist, der sollte diesen Roman lieber nicht lesen. Denn zu viel Meinungsmache verdirbt das Lesevergnügen. **

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Verschickungskinder: Eine verdrängte Geschichte

Buchseite und Rezensionen zu 'Verschickungskinder: Eine verdrängte Geschichte' von Lena Gilhaus
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Verschickungskinder: Eine verdrängte Geschichte"

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Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
EAN:9783462002881
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Rezensionen zu "Verschickungskinder: Eine verdrängte Geschichte"

  1. Ein wichtiges Buch zu einem verdrängten Thema

    Ein wirklich dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte - auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs... Hunderttausende Kinder wurden über Wochen, teilweise Monate in Erholungs- oder Heilkuranstalten verschickt, meist ohne irgendeinen Kontakt zu den Eltern. Und das teilweise unter erbärmlichsten, grausamen Umständen, geprägt von Gewalt und "Schwarzer Pädagogik". Das gilt nicht für alle Einrichtungen und nicht für alle Kinder - aber leider für viele. Lena Gilhaus, selbst Tochter eines Verschickungsopfers recherchiert viele Jahre über dieses viel zu wenig bekannte Thema, sprach mit Opfern und versuchte auch, mit Vertretern der Einrichtungen bzw. deren Trägern in Kontakt zu treten. Und das schockiert dann ein zweites Mal: Wie sehr die blocken, oft erst dann reden, wenn die Beweislast nicht mehr wegzudiskutieren ist... Und das gilt für alle, egal ob Kirchen oder die DAK, oder...
    Lena Gilhaus zeigt neben den erschreckenden Erlebnissen auch die Entwicklung dieser furchtbaren Pädagogik, die entgegen der gängigen Meinung kein Ergebnis des Nationalsozialismus war, sondern aus der Kaiserzeit und der Weimarer Republik kam und dort auch theoretisch untermauert wurde (Adalbert Czerny, Daniel Gottlob Moritz Schreber, Karl Behm, Johanna Haarer...), die NS-Zeit war tatsächlich ein Bruch mit einer Tradition, die nach 1945 weitergeführt wurde.
    Eines muss man aber allen auf den Weg mitgeben, die sich für dieses Buch interessieren: Das ist keine leichte Lektüre, die Berichte der Opfer über psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt sind kaum auszuhalten - aber wir müssen nur das Lesen ertragen, nicht die grausame Realität.

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Wishful Drinking: Carrie Fisher

Buchseite und Rezensionen zu 'Wishful Drinking: Carrie Fisher' von Carrie Fisher

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Format:Taschenbuch
Seiten:176
EAN:9781847397836
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1989 - Wahrheit oder Tod

Buchseite und Rezensionen zu '1989 - Wahrheit oder Tod' von Val McDermid
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "1989 - Wahrheit oder Tod"

1989 ist ein Schicksalsjahr für Europa: Eine unheimliche neue Seuche breitet sich aus, und die Welt hinter dem Eisernen Vorhang verändert sich rasant. 10 Jahre nach einer journalistischen Enthüllung, die sie beinahe das Leben gekostet hätte, arbeitet Allie Burns als Leitende Redakteurin in Manchester und ist mehr denn je entschlossen, den Kranken und Ausgestoßenen der Gesellschaft eine Stimme zu geben. Ihr Recherchen weisen Allie jedoch einen gefährlichen Weg: nach Ost-Berlin, das am Rande der Revolution steht. Und der dunkle Kern ihrer Story ist schockierender, als Allie ahnen kann. Um diese Geschichte zu erzählen, muss die Journalistin erneut ihre Freiheit und ihr Leben riskieren …

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Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:464
Verlag: Knaur TB
EAN:9783426529843
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Rezensionen zu "1989 - Wahrheit oder Tod"

  1. Tolle Zeitreise

    10 Jahre später.
    Allie ist glücklich mit Rona, allerdings ist sie arbeitstechnisch nicht mehr so glücklich. Ihr Investigativressort wurde gestrichen und sie muss jetzt mit Sensationsjournalismus klarkommen.
    Dieses Buch bietet eine Besonderheit: Zwei Handlungsstränge, die zwar einem roten Faden folgen, aber nicht viel miteinander zu tun haben, wobei die Kriminalhandlung extrem in den Hintergrund rückt. Sie ist nur auf den ersten Seiten fassbar und dann wieder zum Ende hin. Wie auch in dem Vorgänger 1979 dreht sich alles um die Epoche. Für mich, als damals 16-jährige, war es eine tolle und spannende Zeit und ich konnte alles sehr gut nachempfinden. Eine wundervolle Zeitreise, auf die mich dieses Buch hier geschickt hat. Allie ist nach wie vor eine Person, mit der man gut mitfiebern kann und gerade die Sequenzen in Ost-Berlin fand ich sehr spannend. Das Thema HIV wird im Buch genauso großgeschrieben , wie damals, als es hochaktuell war und es ist Aufhänger des zweiten Handlungsstranges. Sehr gut geschrieben und recherchiert. Der andere Handlungsstrang beleuchtet eine Vergangenheit und bringt Allie nicht nur auf die richtige Spur , sondern auch auf einen Knaller – Artikel. Ich bin gespannt, wie es 1999 weitergeht.
    Man muss sich ein wenig auf dieses Buch einlassen können, da die Kriminalhandlung eben sehr dezent ist und Allie als Journalistin eben so ermittelt wie sie kann und darf. Gut fand ich, dass alle relevanten Katastrophen einen Platz gefunden haben in diesem Buch. Manchmal hat mir dadurch ein wenig die kriminalistische Spannung gefehlt, aber die Nostalgie und die guten Gefühle überwiegen hier total. Schön ist auch, dass Allie sich auf ihre Liebe zu Rona verlasen kann und die Autorin dort keine Schicksale eingefügt hat, so kann man sich ganz auf die Themen der Außenwelt konzentrieren. Der Schreibstil ist sehr routiniert und beschreibt alles genauso als wäre man dabei.
    Mir hat dieses Buch wieder sehr gut gefallen.

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Story: Die Prinzipien des Drehbuchschreibens

Buchseite und Rezensionen zu 'Story: Die Prinzipien des Drehbuchschreibens' von Robert McKee

Inhaltsangabe zu "Story: Die Prinzipien des Drehbuchschreibens"

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Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:580
EAN:
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Zum Schreien komisch, zum Heulen schön. Die Macht des Filmgenres

Buchseite und Rezensionen zu 'Zum Schreien komisch, zum Heulen schön. Die Macht des Filmgenres' von Ralf Kinder

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Diskussionen zu "Von Monsterschleim, Gummihühnern und Freilandrosen"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:409
Verlag: Lübbe
EAN:9783404940110
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Crime: Kriminalromane und Thriller schreiben

Buchseite und Rezensionen zu 'Crime: Kriminalromane und Thriller schreiben' von Larry Beinhart

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Format:Taschenbuch
Seiten:235
EAN:9783932909504
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Die Jagd

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Jagd' von Sasha Filipenko
4.8
4.8 von 5 (5 Bewertungen)

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071580
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Rezensionen zu "Die Jagd"

  1. 4
    21. Jan 2023 

    Ein düsterer Blick auf russische Verhältnisse...

    Wolodja Slawin ist ein Oligarch mit politischen Ambitionen. Als der junge Journalist Anton Quint enthüllt, dass der selbsternannte Patriot sein Vermögen außer Landes gebracht hat und seine Familie lieber an der Côte d’Azur weilt als in Russland, schwört Slawin Rache. Aus den Stimmen von Jägern und Gejagtem setzt sich die Geschichte einer Menschenjagd mit fatalen Folgen zusammen. Temporeich, schonungslos, literarisch meisterhaft komponiert – ein Roman, nah an der Realität, von einem mutigen Kritiker der Zustände in Russland und seinem Heimatland Belarus. (Klappentext)

    Auch wenn mich "Rote Kreuze" und "Der ehemalige Sohn" seinerzeit nicht vollständig überzeugen konnten, halte ich Sasha Filipenko für einen wichtigen Autor, da er unangenehm den Finger in die Wunde zu legen vermag und sich davon auch nicht abhalten lässt. Dementsprechend war ich auch wieder neugierig auf den aktuellen Roman des heute in der Schweiz (im Exil) lebenden Weißrussen.

    Der Roman verfolgt verschiedene Handlungsstränge, was anfangs etwas verwirrend ist, sich aber zunehmend verdichtet und aufklärt. Überschrieben mit Sätzen aus einer musikalischen Sonate ( Exposition, Durchführung, Reprise usw.) ist der Aufbau zudem sehr eigenwillig, passt aber wiederum zu einem der Charaktere, der sich der Musik verschrieben hat. Das Bild, das Sasha Filipenko hier zeichnet, ist ein düsteres, schonungsloses, erschreckendes, desillusionierendes - und ein doch womöglich realistisches. Das macht die Leseerfahrung so unangenehm.

    Erzählt wird von einer Bärenjagd, grausam geschildert, um dann auf die Jagd nach einem investigativen Journalisten zu schwenken, dem die Hunde sinnblidlich genauso auf den Fersen sind wie dem zuvor erwähnten Bären. Der Oligarch, dem der Journalist zu nahe getreten ist, weiß sich auf seine Art zu wehren. Seine Handlanger betreiben Psychospielchen, verbreiten falsche Informationen, stacheln die Meinung der Öffentlichkeit durch Fake-News an, treiben einen Keil zwischen den Journalisten und seine Familie sowie seine Freunde - kurz: ziehen alle illegalen Register, ohne dass sie jemand belangen könnte oder auch nur wollte. Eine Jagd, bei der dem Opfer zuletzt kein Ausweg mehr bleibt - Happy End ausgeschlossen...

    "Vielmehr scheint mir, dass ich nicht der Einzige bin, der leere Nachrichten versendet... Unser Imperator spricht in Worten, die nichts bedeuten, sein Gefolge denkt sich Gesetze aus, die keinen Sinn ergeben ..." (S. 13)

    Leicht kafkaeske Züge erhält die Erzählung durch einen Nebenstrang von einer Gerichtsverhandlung über jemanden, der im Internet einfach eine leere Seite gepostet hat. Diesem wird eine subversive Haltung unterstellt, zumal hunderte von Menschen diesen Post weiter verbreitet haben. Die Positon des Staatsanwalts und des Rechtsanwalts wird von einer einzigen Person bekleidet, das Urteil fällen die virtuellen Zuschauer im Netz durch einen Klick. Alle, die auf "unschuldig" plädieren, müssen eine saftige Gebühr zahlen und sämtliche relevanten Informationen hinterlassen, die ein Aufspüren ihrer Person mühelos ermöglicht. Alle anderen können kosten- und folgenfrei ihr Urteil fällen. Eine absurde Dystopie innerhalb des Romans, die aber ebenfalls für Bauchschmerzen sorgt. Scheint sie doch lediglich eine etwas überzogene Darstellung der Realität zu sein...

    Ein düsterer Blick auf russische Verhältnisse von einem Autor, der nach Weißrussland schließlich auch Russland verlassen musste. Ein realistisches Bild? Sasha Filipenko wird es wissen...

    © Parden

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  1. Das Sinnbild für Mobbing und Schikane...

    Da mir die anderen Romane des Autors sehr gefielen, musste ich natürlich auch hier reinlesen und es hat mich ehrlich gesagt umgehauen.

    In der Geschichte geht es um Anton Quint, einem Journalisten, der gerne provokativ schreibt und Missstände aufdeckt. Seine letzte Enthüllung hat leider einem Oligarchen so gar nicht gefallen und er muss die Konsequenzen tragen. Wie weit geht man, um sich selbst treu zu bleiben?

    Der Roman las sich für mich fast so wie ein Drehbuch oder Theaterstück, da viel Redeanteil enthalten ist und der Leser Hinweise bekommt, was ihn als Nächstes erwarten wird.

    Es wird sehr anschaulich dargestellt wie die russische Gesellschaft tickt und dass es eben nur darauf ankommt wer Macht und Geld hat und nicht wer im Recht ist. So lässt sich auch verstehen warum auch aktuell im Land kaum Widerstand zu spüren ist, denn da gehören Mut und Mumm dazu das auszuhalten.

    Die eigentliche Jagd auf den Journalisten hat mir Gänsehaut verschafft, denn mir war nicht klar wie grausam es zugehen könnte. Man konnte sich intensiv vorstellen wie sich Anton Quint quält und ich muss gestehen, dass ich sehr schnell aufgegeben und mich zurückgezogen hätte.

    Lews Erzählungen über sein Leben als junger Mann und wie er dann zum Gangster wurde, das hatte schon etwas für sich. Es machte ihn jetzt nicht sympathisch, aber sein Handeln war doch irgendwie nachvollziehbar, schließlich musste er aus seinem Schlamassel wieder heraus. Und auch für den Oligarchensohn hatte ich irgendwie Mitgefühl, das hat Filipenko sehr geschickt gemacht.

    Fazit: Eine bedrückende Geschichte, die mich völlig in ihren Bann gezogen und mich begeistert hat. Klare Leseempfehlung. Klasse!

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  1. Spannung in Form einer Sonatenhauptsatzform

    Erschüttert und aufgewühlt war ich nach diesem Roman: so viel eiskaltes Handeln, so wenig Empathie und 0 Unrechtsbewusstsein! Und warum das Ganze? Weil Anton Quint, Journalist und frisch gebackener Vater, schon zu viel über den Oligarchen Wladimir Slawin herausgefunden hatte.

    Dass der Autor inzwischen nicht mehr weder in Belarus noch in Russland lebt, kann ich sehr gut nachvollziehen - zu sehr zeigt er die Probleme Russlands auf, legt den Finger in die Wunde. Und so lesen wir von einem Showprozess wegen eines leeren Posts in ‚social media‘, von einem Bären, der angebunden zur Unterhaltung von Hunden in einer Grube zerrissen wird (ein Anwalt auf die gleiche Art!), von Methoden, die angewendet werden wenn einer ernsthafte Probleme bereitet (ein LKW an der Kreuzung, eine Kugel in den Kopf, Gift, ein Sturz aus einem vergitterten Fenster……….), von der ‚sanften‘ Tour (‚Nieren zerkloppen‘, ein paar Finger brechen), aber auch die Methode ‚Plus minus auf Heimatliebe‘.

    Die Spannung wird geschickt aufgebaut: Lew Smyslow besucht in Lugano seinen um 10 Jahre jüngeren Bruder Mark kurz vor dessen Konzert. (Daher auch die Gestaltung des Romans als Sonatenhauptsatzform!) Er erzählt nicht nur, wie es ihm nach dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Absturz der Familie erging, sondern auch, wie er Arbeit bei Kalos (Freund aus Kindheitstagen) ‚Onkel Wolodja‘ fand und wie diese Arbeit ausschaut. (Und ich fragte mich dauernd, warum Lew ihm das alles erzählt.)

    Auch in diesem Buch (wie auch in seinen früheren) werden keine Namen genannt, aber jeder weiß bestimmt, wer mit ‚Imperator‘ gemeint ist. Ich konnte das Buch vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen! Bei den ganzen Beobachtungen („Was auch immer im Land passiert, wie sehr die Staatsmacht auch pfuscht, meine Kommentare stellen klar, dass an allem die USA schuld sind.“) fiel mir die alte Führungs-Weisheit ein, die da lautet: ‚der Fisch stinkt vom Kopf her‘.

    Ich empfehle dieses neue Werk von Sasha Filipenko jedem, der sich mit der aktuellen russischen Geschichte beschäftigt! Fünf Sterne vergebe ich an diesen Roman, der mich lange beschäftigen wird!

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  1. 5 Sterne für diesen Lese-Knaller

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:
    „Ein Journalist, der zu viel weiß. Ein Sohn, der seinen Vater verrät. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt. Ein korrupter Schreiberling ohne jeden Skrupel. Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren. Sasha Filipenko erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet.“

    Sasha Filipenko gehört nach „Rote Kreuze“ zu meinem ganz festen Stamm-Autoren-Repertoire. In seinem aktuellen Werk „Die Jagd“ dürfen wir ihn wieder in Höchstleistung erleben. Der bietet uns eine Hetzjagd an! Also nutzen wir Leser diese Chance und lassen uns jagen oder werden wir die Jäger sein?
    Journalist Anton Quint hat etwas, was andere nicht haben und das ist zu viel Wissen. Ich will hier versuchen ganz behutsam auf den Inhalt neugierig zu machen, ohne etwas zu verraten. Dieses Wissen wird ihm zum Verhängnis. Und dann ist da noch dieser Oligarch mit einer Macht, die den Leser fast erschlägt. Wow! Filipenko fängt auch in diesem Buch wieder eine politische Lage in den Ostländern auf und zeigt schonungslos und offen das Böse. Hier braucht man wahrlich etwas stärkere Nerven. Wer offen durch die Welt geht und sich für Weltpolitik ein wenig interessiert, wird hier viele Parallelen erkennen, und wie gesagt, kennt man das als Leser von Filipenko sehr gut. Er zeigt aber auch, das Idealismus und zu viel Akribie komplett das Gegenteil erzielen können und den Menschen der dies betreibt, aus der Bahn werfen kann. Filipenko hat auch hier wieder einen scharfen und dieses Mal auch etwas gewaltbereiten Ton am Leib. Hier werden wir Leser mit Gewalt konfrontiert, aber keine Angst, Sie werden kein blaues Auge dabei bekommen oder gar den KGB auf den Hals gehetzt bekommen. Aber seien Sie vorsichtig und auf der Hut! Anton wollte auch nur „Gutes tun“ und trat in ein Wespennest und zertrat dabei fast die Königin. Er wird zum Spielball, die Hetzjagd die hier beschrieben wird, bringt uns Leser wirklich in Fahrt und fast um den Verstand.
    Es war wieder ein Fest Filipenko zu lesen, er hat einen grandiosen und treffenden Stil. Er bohrt in Wunden und traut sich den Mund aufzumachen. Er weiß genau den Leser gekonnt am Ball zu halten, er weiß, wie er uns gefangen nehmen muss um dieser Geschichte treu zu bleiben.
    Dieses Buch bekommt von mir wieder 5 von 5 Sterne verliehen und eine Leseempfehlung!

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