Kummer aller Art

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Rezensionen zu "Kummer aller Art"

  1. 4
    09. Feb 2024 

    Unterhaltsam, feinfühlig, ehrlich...

    »Alle wirken innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa«, denkt sich Kioskbesitzer Armin, als er vergeblich versucht, erfolgreich zu meditieren. Und auch im Inneren der anderen Figuren dieser literarischen Kolumnen herrscht Unordnung: Frau Wiese kann nicht mehr schlafen, Herr Pohl ist nachhaltig verzagt, Lisa hat ihren ersten Liebeskummer, Vadims Hände zittern, Frau Schwerter muss ganz dringend entspannen, ein trauriger Patient hat seine Herde verloren, und Psychoanalytiker Ulrich legt sich mit der Vergänglichkeit an. Kummer aller Art plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht kommen. Klug, humorvoll und mit großem Sinn für Feinheiten und Absurditäten porträtiert Mariana Leky Lebenslagen von Menschen, denen es nicht an Zutraulichkeit mangelt, wohl aber am Mut zur Erkenntnis, dass man dem Leben nicht dauerhaft ausweichen kann. (Verlagsbeschreibung)

    Ich war zugegebenermaßen erstaunt und anfangs auch ein wenig enttäuscht, als ich fesstellen musste, dass dies nicht etwa der neue Roman von Mariana Leky ist, sondern eine lose Sammlung von Kurzgeschichten. Doch bald schon merkte ich, dass diese Erzählungen zwar unabhängig voneinander stehen, aber dennoch durch die Ich-Erzählerin und die Verortung der Geschichten einen Zusammenhang erhalten. Die Verwandtschaft, Nachbarschaft, Hausgemeinschaft sind es, um die sich die Erzählungen drehen - und um die Ich-Erzählerin selbst. Einzelne Figuren tauchen wiederholt auf, und so wird zumindest ein gewisser Rahmen um die losen Geschichten gelegt. Erstmals erschienen diese Texte als Kolumnen in PSYCHOLOGIE HEUTE.

    Was mir imponierte, war die feine Beobachtungsgabe Lekys auch für die kleinsten inneren Regungen, die verschiedensten Ängste, Kümmernisse, Probleme, die sie klar aber einfühlsam präsentiert ohne zu werten oder sich über Gefühle und Handlungen lustig zu machen, mögen sie auch noch so befremdlich erscheinen. Oftmals ist ein Augenzwinkern dabei - oder aber ein einfühlsames Gegenüber, das dem verunsicherten oder gequälten Menschen ein offenes Ohr leiht. Manches ist ganz interessant zu hören, anderes kommt einem vielleicht auch durchaus selbst bekannt vor. Aber man fühlt sich hier nicht ertappt, sondern sitzt nickend wissend da und denkt: ja, so was gibt's.

    Nicht jede der Geschichten sprach mich gleichermaßen an, aber der unaufgeregte, bildhafte, sanfte Schreibstil und der angenehme Vortrag von Katharina Quast (ungekürzte Hörbuchausgabe: 4 Stunden und 5 Minuten) sorgten insgesamt für ein wohliges und unterhaltsames Hörerlebnis.

    © Parden

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  1. Ein freundlicher Blick auf allzu Menschliches

    Ich habe das Hörbuch gehört, eingelesen von Katharina Quast.

    Mein Hör-Eindruck:

    Schlaflosigkeit, Schüchternheit, Angst vor Konflikten und andere Ängste und auch Liebeskummer – in diesem Buch geht es um Kummer und Kümmernisse, wie sie der Alltag dem Menschen beschert. Diese Kümmernisse beobachtet Mariana Leky in einer Art Mikrokosmos: in dem Mietshaus, in dem sie wohnt, und in ihrer Verwandtschaft, und in beiden Mikrokosmen pflegen die Beteiligten ein freundliches und vertrautes Miteinander. Daher tauchen auch immer wieder dieselben Personen auf, deren Kümmernisse Mariana Leky freundlich, aber präzise ins Visier nimmt: Frau Wiese mit ihrer Schlaflosigkeit und ihrer Verliebtheit, Herr Pohl mit seiner Angststörung und seinem (wie passend!) dauerzitterndem Zwergpinscher und immer wieder Onkel Ulrich, der Psychiater, der auch seine Kümmernisse hat.

    Mir hat der Blick der Autorin auf diese Kümmernisse gefallen. Sie wertet nicht, sie belehrt nicht besserwisserisch und erhebt sich nicht über die Betroffenen, sondern sie sucht das Gespräch, sie fühlt mit und sie hat Mitleid, aber sie suhlt sich nicht in Gefühlen, auch nicht bei ihren eigenen Kümmernissen. Gefühle werden personifiziert und immer visualisiert, wenn z. B. die liebeskranke Nichte von ihrem Liebeskummer begleitet wird und hinter diesem Hünen kaum mehr sichtbar ist. Mit solchen originellen und ausgesprochen fantasievollen Bildern verdeutlicht sie treffsicher und voller Sprachwitz die Gefühle der Betroffenen, ohne sie aber zu mindern oder der Lächerlichkeit preiszugeben. Im Gegenteil: sie stellt sie als Teil des menschlichen Alltags dar.

    Die Kolumnen werden vorgelesen von Katharina Quast. Ihre warme und flexible Stimme verstärkt die Grundhaltung der Texte: einen freundlichen, mitfühlenden und immer wohlwollenden Blick auf die Mitmenschen.

    Ich habe die Kolumnen in einem Zug angehört und fand die gelegentlichen Wiederholungen etwas ermüdend. Daher würde ich das Einzel-Hören empfehlen, aber das ist Geschmackssache.

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  1. 4
    12. Nov 2022 

    Nachbarn und andere

    Frau Wiese kann nicht schlafen. Nicht einmal die Schafe, die auf grünen Wiesen über Zäune hüpfen, helfen. Herr Pohl braucht machmal Hilfe, damit sein Hund Lori an die Luft kommt. Er wünscht sich, die Beruhigungshalsbänder für Hunde gäbe es auch für Menschen. Und das sind nur zwei der Nachbarn der Autorin, deren Verwandte viel mit Psychoanalyse zu tun haben und damit auch einige Schrullen aufzuweisen haben. Und es gibt natürlich auch die Nachbarschaft des Elternhaus, wo es schon etwas schockiert, wenn der Briefkasten der Kindheit nicht mehr da ist.

    Mit dieser Sammlung kleiner Geschichten, die zuerst als Kolumnen in der Zeitschrift Psychologie Heute erschienen sind, gibt die Autorin einen kleinen Einblick in die Lebenswelt einer meist freundlichen Nachbarschaft. Obwohl das Verhältnis untereinander nicht unbedingt eng ist, so tauscht man sich doch aus. Auch bei kleinen Problemen, zum Beispiel der fehlende Zucker oder eben der Hund, der mal vor die Tür muss, hilft man sich. Die Erzählerin bewegt sich auch darüberhinaus, so hat sie gelernt, auf Lesereisen mit den Verspätungen der Bahn klarzukommen und sich auf Bahnhofstoiletten umzuziehen. Auch Begegnungen mit pubertierenden Teenagern können durchaus bereichern.

    Ob man diese humorvollen und doch auch nachdenklich stimmenden kleinen Ausschnitte aus dem wirklichen Leben am Stück lesen möchte oder jeden für sich, muss man für sich entscheiden. So oder so wird man gut unterhalten, denkt, so ist es oder so würde man es sich wünschen würde. Die Geschichten sind manchmal so lebensnah, dass man hin und wieder meint, man könnte sich selbst daran erinnern oder zumindest an etwas ähnliches. Und so ist die Zeit, die man mit diesem Büchlein verbringt schnell verflogen, doch einzelne Geschichten oder Sätze, die man sofort unterschreiben würde, bleiben.

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  1. Kummer vereint

    Klappentext:
    „»Alle wirken innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa«, denkt sich Kioskbesitzer Armin, als er vergeblich versucht, erfolgreich zu meditieren. Und auch im Inneren der anderen Figuren dieser literarischen Kolumnen herrscht Unordnung: Frau Wiese kann nicht mehr schlafen, Herr Pohl ist nachhaltig verzagt, Lisa hat ihren ersten Liebeskummer, Vadims Hände zittern, Frau Schwerter muss ganz dringend entspannen, ein trauriger Patient hat seine Herde verloren, und Psychoanalytiker Ulrich legt sich mit der Vergänglichkeit an. Kummer aller Art plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht kommen.
    Klug, humorvoll und mit großem Sinn für Feinheiten und Absurditäten porträtiert Mariana Leky Lebenslagen von Menschen, denen es nicht an Zutraulichkeit mangelt, wohl aber am Mut zur Erkenntnis, dass man dem Leben nicht dauerhaft ausweichen kann.“

    Ja, Kummer aller Art haben wir alle schon durch und erlebt. Liest man nur gern darüber? Die Geschichten die hier Mariana LeKy erzählt, wurden in der Fachzeitschrift „Psychologie Heute“ in einer Kolumne veröffentlicht. Und nun nochmal zur Frage: Liest man Kummer aller Arten denn gern über andere? Genau diese Frage trifft uns mit jeder Geschichte hier direkt ins Mark, denn wer berichtet gern über Abstürze im Leben, über das Negative, über das Traurige? Die meisten sperren sich und da gibt Leky jeden die Gelegenheit mal in andere Seelen einzutauchen und mal ein wenig voyeuristisch in den Seelen der anderen Mitmenschen zu lesen, mal aus der Komfortzone kommen sozusagen. Und ganz wichtig sei hier angemerkt: Niemand hat `einen an der Klatsche´ wenn er sich in den hier angesprochenen Geschichten vielleicht dezent wiederfindet! Hier geht es darum zu reflektieren, es zu erzählen, zu lesen, darüber nachzudenken, ein wenig darüber zu philosophieren, Gedanken schweifen zu lassen und vielleicht mal in sich zu gehen. Ja, Kummer vereint uns wie Leky so schön schreibt. Niemand ist allein damit obwohl man sich auf dem Zenit des Kummers genau so fühlt. Es ist die Kunst Kummer zuzulassen und mit ihm zu wachsen. Er kann lehrreich sein in jeder Hinsicht, man muss es nur wollen.
    Das Buch hier bietet kurzweilige Geschichten die man einfach mal so zwischendurch lesen kann und das Buch es einem auch nicht übel nimmt wenn man mal 3 Tage nicht liest. Mariana Leky beweist hier ein ganz feines Händchen und Fingerspitzengefühl der Extra-Klasse. 5 von 5 Sterne für dieses besondere Buch!

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Miss Kim weiß Bescheid

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Rezensionen zu "Miss Kim weiß Bescheid"

  1. 4
    14. Okt 2023 

    Frauenleben in Südkorea...

    Nach ihrem feministischen Weltbestseller Kim Jiyoung, geboren 1982 widmet sich die koreanische Autorin Cho Nam-Joo weiterhin dem Schicksal von Frauen in ihrem Land, die unter den patriarchalen Strukturen leiden. Sieben Frauenleben werden beleuchtet und wieder gelingt es der Autorin, dass sich Frauen weltweit angesprochen fühlen. Miss Kim weiß Bescheid versammelt die Leben von sieben koreanischen Frauen im Alter von 10 und 80 Jahren. Jede einzelne dieser stellvertretenden Frauenbiografien wird vor einem aktuellen gesellschaftlichen Thema in Korea verhandelt: das heimliche Filmen von Frauen in der Öffentlichkeit, Hatespeech und Cybermobbing auf Social-Media-Plattformen, häusliche Gewalt, Gaslighting, weibliche Identität im Alter und die Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz. Auch sich selbst, die plötzlich weltbekannte Autorin, nimmt sie ins Visier. Ihr Erfolg ermöglicht ihr einerseits, ihr Leben als Schriftstellerin komfortabel zu führen, andererseits lässt sie der Hass, der ihr vor allem im Netz begegnet, nicht kalt. Cho Nam-Joos meisterhaftes Können besteht in der glasklaren Sprache, in der sie ihre Prosa verfasst und gleichzeitig in dem genauen Blick auf die Ungerechtigkeiten Koreas, den sie mit nichts verschleiert, sondern im Gegenteil messerscharf zu Papier bringt. Wie schon bei Kim Jiyoung, geboren 1982 sind auch die Schicksale dieser sieben Frauen nicht annähernd so weit von uns weg, wie wir meinen und hoffen. (Verlagsbeschreibung)

    Auch in ihrem Erzählband stellt Cho Nam-Joo wie schon in ihrem Debütroman "Kim Jiyoung, geboren 1982" Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen. Aus Sicht der jeweiligen Ich-Erzählerin befindet sich der Hörer meist unmittelbar in der aktuell intensiven oder fordernden Phase ihres Lebens. Das Spektrum der Geschichten reicht von einer jungen Liebe zweier Schulkinder, die durch Covid-19 eine unerwartete Erschwernis erfährt bis hin zu einer hochbetagten Frau, die sich von ihrer sterbenden Schwester verabschiedet und dabei in Erinnerungen taucht.

    Das Leben als Frau in Südkorea - ein Spagat zwischen Erwartungshaltungen unterschiedlichster Art. Berufsleben, Leistungsdenken, Kindererziehung, Rollenzuschreibung - die Dienende, die selbstverständlich hinter Männern zurücksteckt, hinter der älteren Generation, benachteiligt auf vielen Ebenen. Gerade für junge Frauen ist es oftmals sehr schwer, Familie und Beruf zu koordinieren - lange Arbeitstage, keine zeitlich ausreichende Kinderbetreuung, und ohne die Großelterngeneration gäbe es häufig keine Lösung. Diese Aufgaben haben aber stets die Frauen zu stemmen.

    Man erhält durch die Geschichten einen guten Einblick in die patriarchalisch geprägte Kultur und Tradition südkoreanischen Lebens. Bildung steht hoch im Kurs, neben der Schule gibt es zahllose Nachhilfeinstitute, die der Verbesserung der Schulnoten dienen. Nur die Besten erhalten die begehrten Studienplätze und starten somit mit mehr Chancen ins Berufsleben. Fleiß, Ehrgeiz, Disziplin - alles Tugendenden, die hochgehalten werden. Doch hat eine Familie nicht das Geld, um alle Kinder studieren zu lassen, sind es stets die Mädchen, die zurückstecken und dazu noch durch ihre Arbeit für die Studiengebühren ihrer Brüder aufkommen müssen. Sexuelle Übergriffe werden häufig bagatellisiert oder gar vertuscht - es sei denn, sie wehren sich wie hier in einer der Erzählungen auf originelle Weise.

    Erzählt wird meist in distanziertem Stil, nahezu nüchtern, was die Empfindungen von Ungerechtigkeit beim Hören jedoch nicht unterdrückt. Leise Ironie und gelegentlich auch ein Blick auf die jüngere Generation, die zeigt, dass sich womöglich Denkweisen punktuell ändern könnten, sorgen für Auflockerung. Allen Geschichten gemein ist, dass jede der starken Frauenfiguren letztlich den Blick nach vorne richtet, egal wie schwierig die jeweilige Lebenslage ist.

    Man sollte sich hüten, diese Erzählungen lediglich als Einblick in eine fremde Kultur abzutun. Denn patriarchalisch geprägte Strukturen gibt es nach wie vor auch bei uns, vielleicht nicht in dem extremen Ausmaß, aber so wirklich fremd erschienen mir viele der angesprochenen Themen nicht.

    Christiane Marx und Sabine Arnhold sind die beiden Sprecherinnen des leider gekürzten Hörbuchs (6 Stunden und 42 Minuten). Ein angenehmes Hörerlebnis, das neugierig macht auf weitere Bücher von Cho Nam-Joo.

    © Parden

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Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht

Buchseite und Rezensionen zu 'Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht' von  Andrea Petković
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht"

Format:Audible Hörbuch
Seiten:0
Verlag: Finch&Zebra
EAN:
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Rezensionen zu "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht"

  1. 4
    15. Feb 2022 

    Interessante Essays aus der Tenniswelt

    Zugegeben mir fiel zwar die Tennisspielerin Andrea Petković durchaus im Literarischen Quartett auf, auch war mir die Veröffentlichung der vorliegenden Essay-Sammlung bekannt, nur wurde ich auf ihr Können als Autorin erst durch einen Feuilleton-Beitrag in einer DIE ZEIT-Ausgabe im Januar 2022 aufmerksam. Dort kommentierte sie mit spitzer Feder den "Covid-Tennisskandal" um Novak Đoković bei den Australian Open. Und mit diesem Artikel war für mich entscheiden: Das Buch "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht" musst du lesen!

    Beginnend mit Eindrücken aus ihrer Kindheit, ihrem späteren Leben, Erfolgen und Misserfolgen, dem Tennissport als solchen und zuletzt auch aus dem Privaten legt die Autorin 18 Erzählungen vor, die literarisch niveauvoll einen abwechslungsreichen Einblick in diese Themen bieten. Dabei wirft sie meines Erachtens gerade zu Beginn des Buches etwas zu häufig mit Lebensweisheiten und Kalendersprüchen um sich. Einmal merkt sie dies sogar selbst an: "Der Körper ist ein Wunderwerk an Potenzial, das nur darauf wartet, ausgeschöpft zu werden. (Achtung! Kalenderspruch-Alarm!)". Aber auch weitere Sprüche sind manchmal etwas over-the-top: "Alles, was ich über das Leben weiß, ist, dass es wie der Ozean ist. [...] Alles, was ich über Tennis weiß, ist, dass Tennisliebhaber auch Lebensliebhaber sind. [...] Das Schöne am Tennis: Alles geht, nichts muss. [...] Im Ozean des Lebens, im Viereck des Tennisplatz, ist alles erlaubt - solange ich verdammt noch mal durchhalte, egal, was kommt." Etwas merkwürdig auch folgender Vergleich: "An Training war nicht zu denken, weil ich zu müde war. An Schlaf war nicht zu denken, weil ich zu wach war. Der klassische Flop eines Planes, seit die USA geglaubt hatten, sie hätten was in Vietnam zu suchen. Oder alle europäischen Länder jemals in Russland." Ein Vergleich, der angesichts einer falschen Entscheidung fix in zwei Tagen zwischen zwei Spielen aus den USA noch einmal in die Heimat nach Deutschland zu fliegen, eher unpassend wirkt. Aber das waren tatsächlich schon die schlimmsten Beispiele. Petković gewinnt im Verlauf des Buches an literarischem Selbstbewusstsein und außerdem stark an Humor und Selbstironie. So musste ich mitunter schallend lachen, wenn sie von YouTube-Algorithmen spricht, welche sie von Tennis-Match-Sequenzen innerhalb von vier Stunden "bei einem Make-up-Tutorial für Giraffen" ankommen lassen. Oder wenn es um erzwungene Schönheitsideale im Damentennis geht:

    "Wenn ich schon in meiner Arbeitszeit mit den Blicken der anderen konfrontiert werde, will ich wenigstens im Privaten meine Ruhe haben. Ich bevorzuge nun mal, ungesehen in Bondgirlmanier aus dem Wasser zu gleiten, die Haare nach hinten zu werfen, die Hüften zu wiegen - um dann auf eine Muschel zu treten, hinzufallen, Salzwasser zu schlucken und prustend wie eine Robbe an den Strand gespült zu werden. Mit beiden Beinen gen Himmel."

    Die Selbstironie bringt nicht jede*er Spitzensportler*in zustande. Chapeau Frau Petković , chapeau!

    Nun bin ich eine Person, die von Tennis wirklich absolut keine Ahnung hat. Weder weiß ich (immer noch nicht), wie im Tennis mithilfe der Mathematik ein*e Sieger*in ermittelt wird, noch sind mir irgendwelche Top-Weltranglisten-Athlet*innen bekannt. Ich würde gerade noch so Steffi Graf oder Boris Becker erkennen, wenn sie im Tennisdress vor mir stünden. Das machte es an manchen, aber nicht vielen, Stellen des Buches mitunter schwer, den geschilderten Geschehnissen zu folgen. Da wäre es mir Tennis-Banausin durchaus entgegen gekommen, wenn Petković einen kleinen Nebensatz der Erklärung eingefügt hätte.

    Für eine anregende Lektüre sind Vorkenntnisse des Sports jedoch nicht zwingend notwendig, sodass ich diese literarischen Ergüsse von Andrea Petković durchaus allen Interessierten empfehlen kann. Petković beweist, dass die, im Buch mehrfach gekonnt erwähnte, Faszination für anspruchsvolle Literatur auf ihr eigenes Schreiben abgefärbt hat. Natürlich ist sie (noch) kein David Foster Wallace, aber wer weiß, vielleicht kommt sie bei weiterem disziplinierten Training der Schreibkunst irgendwann einmal in seine Nähe. Dass sie diese Disziplin auf dem Platz beherrscht, hat sie scheinbar bereits bewiesen. Ich hab mir sagen lassen, dass es ein Qualitätsmerkmal sei, wenn jemand unter den Top 10 der Tennis-Weltrangliste spielt...

    Zuletzt noch ein Wort zum Cover des Buches. Meines Erachtens hat der Verlag hier die bestmögliche Entscheidung getroffen. Statt eine Top-Spielerin als Zugpferd mit sexy Bildchen auf den Buchdeckel zu drucken, rückt die Person Andrea Petković durch das dezente Design in den Hintergrund. Wer Interesse am Buch hat, wird aufgrund des Inhalts danach greifen, nicht weil die Autorin berühmt ist.

    So entscheide ich mich nach einem Leseeindruck, der 3,5 Sternen entspricht aufgrund des Gesamtpakets jedoch gern für die aufgerundeten 4 Sterne, empfehle das Buch gern weiter und freue mich schon auf weitere Veröffentlichungen der Autorin Andrea Petković. Die Tennisspielerin Andrea Petković würde ich wahrscheinlich weiterhin auf der Straße nicht erkennen, aber dann kann sie wenigstens galant über einen Stein stolpern, sich eben noch fangen, um dann vielleicht den Kaffee-to-go auf das eigene Shirt zu kleckern. Who knows...

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  1. AUS DEM NÄHKÄSTCHEN EINER TOP-TENNISSPIELERIN

    Der autobiografische Erzählband „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ ist das beeindruckende und sehr unterhaltsame literarische Debüt der Tennisspielerin Andrea Petković, die es bis auf Position 9 der Tennis-Weltrangliste schaffte.
    Es ist eine gelungene, bunt gemischte Sammlung von kurzen Geschichten, persönlichen Erinnerungen und Anekdoten aus ihrem ereignisreichen Leben als erfolgreicher Tennis-Profi, die aber nicht nur Fans dieses Sports zu unterhalten weiß, sondern vor allem auch durch sehr offene Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, ihre Selbstkritik und erstaunlich reife Lebensweisheiten beeindruckt.
    Hierbei hat sie sich jedoch auch die künstlerische Freiheit genommen, einige wahre Begebenheiten literarisch aufzuarbeiten und zu fiktionalisieren.
    Gekonnt nimmt uns Andrea Petković hinein in die Welt eines faszinierenden, aber auch knallharten Sports, liefert sie uns interessante Rückblicke auf ihre beeindruckende Karriere und gibt uns einen sehr aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen des internationalen Tenniszirkus. Wir begleiten diese faszinierende Sportlerin auf einer sehr persönlichen Reise durch ihr Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, auf der sie uns auch sehr eindrückliche Einblicke in ihr Innenleben und ihre Persönlichkeit gewährt.
    Sehr bewegend, warmherzig und mit einem humorvollen Unterton erzählt Petković von ihrer großen Liebe zum Tennis, von spektakulären Triumphen und unvergesslichen Glücksmomenten, aber auch über herbe Enttäuschungen, Verletzungspech und seelischen Tiefpunkten. Neben interessanten Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend in Darmstadt als Einwandererkind aus dem ehemaligen Jugoslawien, über ihren starken Assimilationswillen und ihre zerrissene serbisch-deutschen Seele erfahren wir auch vom hohen Stellenwert von besonderen Freundschaften in ihrem Leben und der Literatur, die für sie ein unabdingbarer, heilsamer Lebensbegleiter geworden ist.
    Kritisch beleuchtet sie nebenbei die Begleiterscheinungen von Ruhm und Bekanntheit, erzählt offen über Selbstzweifel, Einsamkeit und Frustration, lässt uns aber auch ihr Geheimnis von Ehrgeiz und Erfolgswillen ergründen.
    In vielen Episoden geht es natürlich auch um Tennis, in denen es sich um amüsante und ergreifende Dramen und Tragödien auf dem Court, während der Turniere und auf den Reisen um die Welt dreht, um spannende Begegnungen mit anderen Tennis-Profis oder um den anstrengenden Tennisalltag.
    FAZIT
    Ein gelungener, unterhaltsamer Erzählband mit amüsanten, bewegenden und faszinierenden Episoden aus dem Leben einer sympathischen Spitzensportlerin – humorvoll, selbstkritisch und warmherzig erzählt! Nicht nur für Tennisbegeisterte sehr lesenswert!

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Die Arne-Eriksen-Trilogie

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Arne-Eriksen-Trilogie' von Bernhard Stäber

Inhaltsangabe zu "Die Arne-Eriksen-Trilogie"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:1211
Verlag: beTHRILLED
EAN:
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Schäfers Ermittlungen: Sammelband 1: Folge 1-3

Buchseite und Rezensionen zu 'Schäfers Ermittlungen: Sammelband 1: Folge 1-3' von Mona Frick
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schäfers Ermittlungen: Sammelband 1: Folge 1-3"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:229
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Schäfers Ermittlungen: Sammelband 1: Folge 1-3"

  1. Verbrechen im Schwabenland Band 1-3

    "Mir Schwabe lasset uns net uff de Kopf scheiße, mir machet's Maul uff!" (unbekannt)
    Oberkommissar Jürgen Schäfer von der Kripo Stuttgart ist ein wirkliches Unikat, was er anfasst, das bringt er auch zu Ende. In seinem ersten Fall "Vergifteter Advent" soll der schwäbische Kommissar auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt ein Attentat verhindern. Zusammen mit seinem jungen Kollegen Florian Henning versuchen sie alles um die Täter zu finden. Aber was hat es mit dem Stand von Weihnachtsmann & Co zu tun? In "Letztes Heimspiel" gehen Schäfer und sein Freund Horst Bromstetter der extra zum Fußballspiel des VfB Stuttgarts aus Heidelberg angereist ist. Wie nicht anders zu erwarten findet Horst wieder einmal eine Leiche. Der Tod von Dieter Helfrich dem Manager von Frankfurt 94 gibt zudem weitere Rätsel auf. Gefährlich wird es, als man dann beinah Florian Hennings Verlobte vergiftet. In die "Die Tote(n) vom Tegernsee" erfährt Schäfer, das seine Großtante verstorben ist und ihn und seine Cousine im Testament vermacht hat. Doch wo bleibt die Cousine? Welch Zufall, dass zur selben Zeit das Ehepaar Bromstetter Urlaub am Tegernsee macht. Wieder einmal stößt Horst auf eine Leiche. Schön ist zudem, dass Schäfer ausgerechnet am Tegernsee die Liebe seines Lebens über dem Weg läuft.

    Meine Meinung:
    Die größten Merkmale der schwäbischen Kurzkrimis sind inzwischen die unterschiedlichsten Badeenten. In diesem Buch nun hat die Autorin die ersten drei Kriminalfälle in einen Sammelband zusammengefasst. Jürgen Schäfer verkörpert dabei einen schwäbischen Kommissar, der mit Dialekt, Raffinesse, ein wenig Bequemlichkeit und sehr guter Auffassungsgabe seine Fälle löst. Überraschenderweise taucht immer wieder das Heidelberger Ehepaar Bromstetter auf, das inzwischen einfach schon zu den Krimis gehört. Inzwischen sind Bromstetter und Schäfer zu besten Freunden geworden. Mit Florian Henning bekommt Schäfer außerdem einen engagierten Kollegen zur Seite, der noch etwas grün hinter den Ohren ist und noch viel von Schäfer lernen kann. Aber das beste bei den Kurzkrimis ist der schwäbische Dialekt und mitunter auch bei Band 3 bayrische. Egal ob humorvoll, schimpfend oder fluchend, Schäfer beherrscht alle schwäbischen Ausdrücke. Ich finde, so etwas gehört einfach zu einem Regionalkrimi dazu, dass man den Dialekt mit in die Geschichte einfliessen lässt. Die Autorin versteht es, humorvolle regionale Krimis zu schreiben. Deshalb freut es mich, dass man jetzt unter einem modernen Cover 3 Kurzkrimis zusammengefasst hat und so die Ermittler näher kennenlernt. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne für drei gut durchdachte Verbrechen aus dem Schwabenland.

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Wir schreiben für Euch

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Rezensionen zu "Wir schreiben für Euch"

  1. Kriminalistische Anthologie für die Hochwasseropfer

    "Ausgerechnet an diesem Tag hatten die Teilnehmer einer Besichtigungstour den ausgeweideten Toten zwischen den mittelalterlichen Foltergeräten im Gelnhausener Hexenturm gefunden." (Buchauszug)
    Die Zerstörung durch das Hochwasser in Deutschland hat uns alle erschüttert. 69 Autoren haben es sich mit 5 Büchern verschiedenen Genres zur Aufgabe gemacht, die Betroffenen des Hochwassers zu unterstützen. Der gesamte Erlös geht dabei an die Opfer, bei denen die meisten alles verloren haben. Die Bücher selbst sind verschiedenen Genres zugeordnet, eines davon ist dieses hier mit Krimi & Thriller Geschichten. Die einfühlenden Worte und ein Erlebnisbericht einer Betroffenen, wie es ihr und ihrer Familie erging am Abend des Hochwassers wühlt einen förmlich auf. Mit diesem Erlebnisbericht beginnt diese Anthologie von 15 kriminalistischen Geschichten und einem Abschlussgedicht von Thussi Hausberger. Diese Kurzgeschichten unterschiedlicher Länge laden den Leser zum Mitfiebern, Rätseln und Schmunzeln ein. Bei "Mord im Hexenturm" geht es um einen Toten, den der Täter mit den Foltergeräten des Hexenturms quält und ermordet. Zufällig wird er von einer Gruppe Besucher entdeckt, die schockiert sind. In "Glücks-Cent" wird ein Centstück jemand zum Verhängnis. "Wild verdirbt den Charakter", das kann man bei dieser Geschichte wahrlich sagen. Den Bernhilde Lauer muss sich wahrlich viel von ihrem Ehemann Karl-Hermann gefallen lassen. Dessen Leibspeise ist Wild, das er selbst erlegt. Jedoch ahnt er nicht, dass ihm dieses eines Tages zum Verhängnis werden wird. In "Boomer" wird für Christina, die allein in einem einsamen Haus im Wald lebt, die Suche nach ihrem Hund Boomer fast zum Verhängnis. "Sekundenschlaf" wer von uns kennt ihn nicht? Allerdings wird Melissas Sekundenschlaf für sie beinah zum Albtraum werden. Dann allerdings stellt sich alles ganz anders dar. Diese und viele weitere Geschichten befinden sich in dem Buch, bei dem unser Kauf wirklich etwas Gutes bewirkt. Den sowohl die Verlegerin Katharina Gerlach, Herausgeberin Sam Winters, Lektoren, Korrektoren, Coverdesigner und Autoren verzichten alle auf jegliche Bezahlung und Tantiemen. Denn jeder Cent soll den Hochwasseropfern zugutekommen. Fast alle Kurzgeschichten konnten mich überzeugen und unterhalten.

    Fazit:
    Selbst wenn ich fast alle Autoren vorher nicht kannte, war ich überrascht über die vielfältigen Geschichten. Im Anschluss an jede Kurzgeschichte befindet sich zusätzlich noch eine kurze Autorenbeschreibung, was ich als sehr hilfreich empfand. Dadurch habe ich außerdem festgestellt, dass viele Autoren selbst aus den Hochwassergebieten stammen und gerade deshalb das Engagement für diese 5 Anthologien für sie so wichtig war. Ich kann dieses Buch nur jedem weiterempfehlen, es unterhält und zudem tut man durch den Kauf noch etwas Gutes damit. Darum bekommt es von mir 4 1/2 von 5 Sterne.

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The New York Trilogy

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Rezensionen zu "The New York Trilogy"

  1. Hommage an Paul Auster

    Eine Buchbesprechung, die keine ist.
    „I am a fanatic reader and I am in love with literature.“ Diesen Satz findet man am Ende von der New York Trilogy (Hörbuch) in einem Interview mit dem Autor. Das macht ihn so sympathisch. Paul Auster hinterlässt gerne Spuren der Literatur, die er liebt und schätzt, in seinen Romanen. Diese Eigenheit habe ich in 4 3 2 1 so geliebt, das Buch, welches ich als ersten Roman von Paul Auster kennengelernt habe und durch diesen Roman und durch die New York Trilogie jetzt ist er einer meiner Lieblingsautoren geworden. Und weil Auster Paris liebt. Auch in der New Yorker Trilogie verweilen wir eine Zeitlang in Paris. Ich bin gespannt darauf, ob wir in jedem Roman von ihm, ein bisschen Parisatmosphäre schnuppern. Denn ich werde nach und nach alle Romane lesen, die Paul Auster je geschrieben hat.

    Dass mich „The New York Trilogy“ so geflasht hat, ist eigentlich sonderbar. Denn New York kenne ich ja nicht. Natürlich habe ich einige Sonderbarkeiten erfahren, was den Flash ein bisschen erklärt, womöglich allgemein bekannte Sonderbarkeiten, aber mir waren sie neu. Dass zum Beispiel Mrs Winchester aus Angst vor den Geistern der Menschen, die durch die Waffen ihres Gatten ums Leben kamen, ihrem Haus mehr und mehr Räume hinzufügte und jeden Tag in einem anderen schlief, damit die Geister sie nicht aufspüren konnten. Oder dass Paul Thoreau ein Waldschrat war, mehr oder weniger und in einem Gartenhaus lebte, oder ähnlich, jedenfalls auf jeden Komfort verzichtete. Es gab noch einen anderen Schriftsteller, über den er etwas berichtete, aber das habe ich vergessen, sorry. Walt Whitmann, jetzt fällt es mir wieder ein. Auch er muss ein sonderbarer Zeitgenosse gewesen sein.

    In seinen drei Geschichten driftet Paul vom Höxken zum Stöxken, immer logisch hergeleitet, aber diese Drifterei Austers ist schon schreiend komisch, weil er immer, einfach immer bei Büchern und Filmen und manchmal auch bei Musik landet. Ich nenne dies „die Austerschen Ausflüge“.

    Paul Auster beschäftigt sich mit dem Schreibprozeß. Er schreibt sich selber in seine Stories. Manchmal mehrmals. Auch das ist zum Schreien komisch. Generell aber ist die New York Trilogy nicht komisch. Aber kann Paul Auster etwas schreiben ohne auch in der Tragik komisch zu sein? Es ist eine leise Komik wie auch die Tragik seiner Geschichten leise ist.

    Eigentlich mag ich Surrealismus in Romanen nur bedingt. Dass Paul Auster mich mit seinen surrealistischen Geschichten einfängt, woran liegt das? Sie haben etwas mit mir zu tun. Ich emfinde Paul Auster als einen Seelenverwandten. Das mag ganz falsch sein. Ich kenne ihn ja nicht. Aber seine Themen liegen mir.

    Paul schreibt, so interpretiere ich es, über das Auflösen von menschlicher Begrenzung. Er löst jegliche Grenze auf. Er stößt seine Protagonisten über den Rand der Welt und folgt ihnen ins Nirwana. Eigentlich ist dies unerhört. Wie gelingt es ihm, das interessant und atemberaubend und nicht manieriert und blasiert klingen zu lassen?

    Paul Auster schreibt über Einsamkeit. Und über Verlust. Über die Sinnlosigkeit des Daseins. Darin ähnelt er ja nun den von mir verhassten Existenzialisten. Verhasste, aber faszinierende Existenzialisten. Aber in Austers Romanen ist Lebensfreude und Humor und Warmherzigkeit enthalten. Bei den Existenzialisten ist alles kalt und trostlos.

    Worum geht es nun im einzelnen? Um crazy things.

    Im Roman „The Locked Room“ nimmt ein Autor einen Auftrag an, der ihn letztlich dazu führt, sich selbst aufzulösen.
    In „City of Glass“ spielt Auster mit Farben. Die Protagonisten haben die Namen von Farben. Das ist verwirrend. Der Protagonist Blue ist am Ende einfach am Ende und eliminiert Black.
    In „Ghosts“ tauchen Protas der ersten beiden Bücher auf, z.B. der Detektiv Quinn, es gibt eine verrückte Verfolgungsjagd in Paris, der Icherzähler, dessen Namen ich gar nicht kenne, übernimmt das Leben eines früheren Schulfreundes und wird von dessen Geist verfolgt. Natürlich endet auch diese Geschichte im Absurden.

    Die drei Geschichten erzählen von Menschen, die einem Wahn zum Opfer fallen, die Realität und Wahn nicht auseinanderhalten können, von Menschen, die fanatisch an einem sinnlosen Unterfangen festhalten und plötzlich jede Orientierung im Leben verlieren. Seine Protagonisten sind keine strahlenden Siegertypen.

    Aber das ist es nicht, worin ich mich wiederfinde. Sondern im mäandernden Gedankenstrom des Autors über andere Autoren, über die Kunst an sich, über den Sinn des Lebens, über Gott und die Welt. Und darin, dass Auster darstellt, wie noch im Absurdesten und Abgedriftesten eine tiefe Komik liegt. Oder, andersrum, the other way round,s dass im Normalsten auch das Absurde mit am Tisch setzt. Die Grenzen verschwimmen. Das Gewisse schlüpft durch die Finger. Austers Geschichten beschreiben den Tod. Und er schreibt auch über das Zufällige. Paul Auster spielt gerne und experimentiert. Paul Auster schreibt so, wie ich koche. Seelenverwandt, sag ich doch.

    Fazit: Also, wenn ihr damit etwas anfangen könnt und nicht unbedingt erwartet, dass eine Geschichte einen stringenten Schluss hat, dann ist Paul Auster auch eurer Autor. Ich finde ihn fantastisch. Allerdings frage ich mich, warum mich Heinrich Steinfest so langweilt. Er macht nichts anderes. Oder?

    Kategorie: Belletristik.

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Detektiv Waterspoon: Blutgruppe 30: Krimi/Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Detektiv Waterspoon: Blutgruppe 30: Krimi/Thriller' von John Phillip Starck

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Format:Kindle Ausgabe
Seiten:486
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Miese kleine Morde: Crime Story

Buchseite und Rezensionen zu 'Miese kleine Morde: Crime Story' von Jussi Adler-Olsen

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Von seiner Frau verlassen und als Langweiler beschimpft, setzt Lars alles daran, von nun an das Beste aus sich herauszuholen. In dem Schönheitssalon, den er ab sofort besucht, staunt er darüber, wie viele Ehefrauen ihren Mann gern tot sähen - und dies bei der Gesichtsmassage auch noch freimütig ausplaudern. Lars beschließt: Gegen eine anständige Bezahlung wird er die Damen von ihren Gatten erlösen. Und tatsächlich sind die ersten Aufträge schnell erledigt. Doch dann beginnt alles schiefzulaufen.

Wolfram Koch liest Jussi Adler-Olsens höchst amüsante Kurzgeschichte mit viel Witz und Ironie.

Format:Audible Hörbuch
Seiten:0
EAN:
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Haverbecks schwierigste Fälle

Buchseite und Rezensionen zu 'Haverbecks schwierigste Fälle' von Achim Zygar

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Nur für kurze Zeit!

Der Sammelband enthält folgende Bücher:

Tod eines Pizzabäckers: Haverbeck ermittelt und lässt sich lange an der Nase herumführen (1. Fall)

Tod eines Musikers: Haverbeck ermittelt und lernt eine merkwürdige Welt kennen (2. Fall)

Tod einer Wahrsagerin: Haverbeck ermittelt und blickt in die Zukunft (3. Fall)

Tod einer Beauty-Queen: Haverbeck ermittelt und enthüllt einen teuflischen Plan (4. Fall)

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Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:893
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EAN:
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