Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)

Buchseite und Rezensionen zu 'Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)' von Tracy Clark
4
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Inhaltsangabe zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

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Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:430
Verlag: Edition M
EAN:
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Rezensionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

  1. Politiker des Grauens

    Der neue Fall für Harriet Foster ist sehr rasant und ausgesprochen politisch, da die ermordeten Personen alle im Stadtrat sind. Da stehen die Ermittler ganz schön unter Druck. All diese Gefühle, auch die Hilflosigkeit während der Ermittlungen werden sehr gut eingefangen und die Dynamik unter den Ermittlern sorgt auch für Spannung. In einer positiven Art und Weise, da solche Animositäten in der Arbeitswelt total normal sind. Harriet kommt auch ein wenig sympathischer und nicht mehr ganz so zerrissen daher. Ihr persönliches Befinden steht hinter dem Fall zurück, und das macht das Buch sehr ausgewogen . Wobei mir der Nebenstrang mit Glynnis dann schon wieder zu viel war. Die Haupthandlung ist komplex genug und hat für mein Empfinden diesen Nebenstrang nicht gebraucht, zumal er auch überhaupt nicht aufgelöst wird. (Man hätte wenigstens einen Cliffhanger dafür finden können, damit der Leser auf eine Weiterführung im nächsten Band hoffen kann. )

    Es werden einige Verdächtige präsentiert und glaubwürdig beleuchtet, und der Leser wird schon auf die eine oder andere Fährte gelockt. Ich finde auch, man kann dieses Buch lesen, ohne den Vorgänger zu kennen, es wird alles recht gut beschrieben. Sowohl Handlung als auch Erzählstil sind solide und spannend, allerdings verliert sich die Autorin oft in Einzelheiten und gibt der Handlung nicht genügend Raum. So auch beim Ende, dass ich mir gerne ein wenig anders vorgestellt hätte. Die mordende Person gibt zwar ihr Motiv preis, aber ein wenig Epilog hätte ich mir sehr gewünscht. Zudem fand ich das Verhältnis von Anzahl der Polizeibeamten zur Anzahl der Verdächtigen ein wenig unausgewogen. Mehr Ermittler als Verdächtige. Gut für die dynamisch-psychologische Spannung, schlecht für die Tätersuche. Da kann ein geübter Krimileser trotz mehrerer falscher Fährten sehr schnell hinter die Kulissen schauen.

    Fazit: Grundsolide vier Sterne mit Potenzial nach oben.

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Gestohlenes Kind (Ein Theo Weiland-Thriller 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Gestohlenes Kind (Ein Theo Weiland-Thriller 1)' von Caroline Seibt
5
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Format:Kindle Ausgabe
Seiten:459
Verlag: dp Verlag
EAN:
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Rezensionen zu "Gestohlenes Kind (Ein Theo Weiland-Thriller 1)"

  1. Eine gestohlene Kindheit die das Leben verändert

    "Eine schwierige Kindheit beeinflusst uns bei heute. Trotzdem ist es keine Ausrede für alles. Mann kann auch ein guter Mensch sein, wenn man es früher schwer hatte." (funpot)
    1985: Der 12-jährige Jakob dachte immer, wenn er die Regel seiner Mutter befolgt, kann ihm nichts passieren. Doch eines Tages muss er feststellen, das Böse kennt keine Regel und es schlägt immer dann zu, wen man es am wenigsten erwartet. Dass ihn nicht einmal mehr seine Mutter helfen kann, erfährt er schmerzlich am eigenen Leib.
    20 Jahre später zündet sich in der Innenstadt ein Familienvater selbst an. Für die Ermittler ist recht schnell klar, diese Tat ist ein Selbstmord. Doch warum hat der Tote ausgerechnet eine alte Visitenkarte von Theo Weiland in seiner Geldbörse? Dem traumatisierten Ermittler Theo Wieland, der nach einem Trauma zurzeit dienstuntauglich ist, bleibt der Tod des 38-jährigen Niklas Winter hingegen suspekt. Er ist sich ziemlich sicher, Niklas Tod ist kein Selbstmord gewesen. Doch kurz danach gibt es einen weiteren Toten und Niklas Sohn Luca verschwindet. Nun weiß Weiland, er muss schnell handeln, ehe ihm die Zeit davonläuft.

    Meine Meinung:
    Dieses Debüt der Autorin schockiert schon von Anfang an, indem der 12-jährige Jakob zu Hause von seiner Mutter entführt wird. Die Mutter selbst wird dabei schwer verletzt dem Tode überlassen. Warum und wieso das alles geschieht, erfährt der Leser erst mit der Zeit. Da kommt gleich die nächste schockierende Tat durch den Tod von Niklas Winter. Zwar wirkt alles zuerst wie ein ganz normaler Selbstmord. Doch warum sollte sich ausgerechnet ein Mann anzünden, der sein Leben lang Angst vor Feuer hatte? Für seinen Vorgesetzten Kommissar Bachmann ist sofort klar, dieser Mann hat sich selbst getötet. Allerdings lässt Weiland dieser Fall nicht los und er ermittelt einfach weiter selbst ohne Erlaubnis. Schließlich wurde er eh in eine kleine Abstellkammer verbannt, wo er bisher den Tag mehr verschläft als zu arbeiten. Den Weiland ist nachdem Tod seiner Frau traumatisiert und wurde als Ermittler kaltgestellt. Der Schreibstil ist unterhaltsam, spannend und gleichzeitig auch aufwühlend. Durch den kontinuierlichen Wechsel der beiden Handlungsstränge bleibt die Geschichte überaus fesselnd. Doch besonders die Szenen um Jakobs Aufenthalt sind nicht gerade einfach zu lesen und schockieren an einigen Stellen extrem. Ich frage mich immerzu, wohin haben sie Jakob gebracht? Zumindest scheint es in dieser Einrichtung mehrere Kinder zu geben, die nicht kindgerecht behandelt werden. Von daher ist dieses Buch sicher nicht für Leser, die mit Gewalt an Kindern ihre Probleme haben. Man kann sich allerdings sehr gut in Jakobs Gefühlswelt hineinversetzen und seine Ängste verstehen. Trotzdem erfasst man den wahren Zusammenhang dieser beiden Handlungen erst ganz am Ende des Buches. Chapeau, das ist der Autorin wirklich herausragend gelungen, den Leser mit so einer ausgezeichneten Story zu fesseln. Wie schon erwähnt, ist die Geschichte an einigen Stellen schon ein harter Tobak. Die Charaktere sind ebenfalls gut ausgedacht. Speziell der depressive, hitzköpfige und unglückliche Kommissar Weiland gefällt mir hier sehr gut. Ich bin gespannt auf weitere Bücher dieser Autorin und gebe 5 von 5 Sterne.

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Der Feind in ihrem Haus

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Feind in ihrem Haus' von John Marrs
4
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Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:407
Verlag: Edition M
EAN:
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Rezensionen zu "Der Feind in ihrem Haus"

  1. Kann mir das auch passieren?

    Ein weiterer Thriller von John Marrs ist auf dem deutschen Markt angekommen!

    Kann mir das auch passieren?

    *Der Feind in ihrem Haus* wurde Ende März 2024 in Deuschland veröffentlicht.
    Da ich den Schriftsteller noch nicht kannte, war ich auf dieses Buch besonders gespannt.

    Freischaffender Journalismus für unabhängige Medien, das war der Einstieg für den US-Schriftsteller John Marrs. In England schaffte er schlussendlich den Durchbruch als Autor.

    Deutsche Übersetzung von Tanja Lampa

    Worum geht´s:
    Ein Schicksal, das viele von uns früher oder später ereilen könnte.
    Die Demenz ihrer Mutter Gwen zwingt Connie nach Buckinghamshire zurückzukehren. Sie muss mit ihrem Geld sparsam umgehen und gleichzeitig den an sie gestellten Anforderungen, gerecht werden. Eines Tages kommt Paul in das Leben der Beiden. Er hilft, greift ihnen unter die Arme. Aber, Connie ist skeptisch. Sicher er verbirgt etwas.
    Obgleich die Demenz ihrer Mutter schon schlimm genug ist, entwickelt sich ein wahrer Albtraum und sie kann ihn womöglich nicht stoppen.

    Das Coverbild mit seiner blutroten Färbung. Ein Schlüssel- im Zusammenspiel mit dem Titel = ein sehr aufschlussreichendes Hinweisschild auf die Geschichte, die erzählt werden wird.

    Mein persönlicher Eindruck

    Es ergibt sich für mich realativ schnell, ein guter Überblick über die Hauptprotagonisten. Die Story kann nicht nur Interesse bei mir entfesseln sondern auch Überlegungen, wie ich mit einer so beschriebenen Situation umgehen würde?!
    Durch die Brisanz der Geschichte enfaltet sich ein guter Lesefluss und ich entwickele ein züges Lesetempo.
    Die eingestreuten Wendungen und Twists, sind angenehm und erhöhen das Tempo. EInige der Erzählstränge sind eher lax erzählt, wobei die Kract des Haupstrang es vermag, mich darüber hinweg zu trösten.
    Das Finale hat einen wirklich guten und überraschenden Plot in der Hinterhand. All dieses fürhrt zu einem rundum angenehmen Leseerlebnis.
    Zusammenfassung und Fazit:
    Ein Thriller, der thematisch viele von uns berühren kann.
    Kleine handwerkliche Schwächen sind vorhanden, vermögen jedoch weder Spannung noch positiven Gesamteindruck zu schwächen. Ich bin mir nicht sicher, ob kleine "holprig" erzählte Abschnitte vielleicht auch zum Teil, der deutschen Übersetzung zuzuschreiben sind.
    Fazit:
    Eine Story, die Spannung und Thrill für den Leser parat hält.
    Ich vergebe sehr gute 4*Lesesterne verbunden mit einer Leseempfehlung für Freunde des Genres, oder welche, die es werden wollen.

    ASIN ‏: ‎ B0CJLG1HS3
    Verlag: Edition M
    Seitenzahl: 407
    Formate: elektr. , Taschenbuch und Hörversion - Lesemodus

    Vielen Dank für das Vorab-Leseexemplar.

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Labyrinth der Masken

Buchseite und Rezensionen zu 'Labyrinth der Masken' von Leonardo Padura
5
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Inhaltsangabe zu "Labyrinth der Masken"

Diskussionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:355
Verlag: Unionsverlag
EAN:
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Rezensionen zu "Labyrinth der Masken"

  1. Der packende Sommerroman des Havanna-Quartetts

    „Er fühlte sich hoffnungslos überfordert, ohne im Mindesten die Antwort auf eine der tausend Fragen zu wissen, die sich ihm stellten.“ (Zitat Seite 53)

    Inhalt
    In diesem dritten Band des Havanna-Quartetts ist es Sommer geworden, 1989, ein heißer, staubiger August. Nach der Prügelei mit Teniente Fabricio vor drei Monaten ist Mario Conde zum Erkennungsdienst strafversetzt worden, während nicht nur gegen ihn interne Ermittlungen laufen. Doch nun wird er gebraucht, denn dieser Mord an einem jungen Mann in einem roten Frauenkleid mitten im Stadtwald von Havanna ist besonders heikel, der tote Transvestit stammt aus einer sehr bekannten, angesehenen Familie. Die ersten Spuren führen die beiden Ermittler El Conde und Manuel Palacios zu dem international bekannten Dramatiker und Theaterregisseur Alberto Marqués Basterrechea. Während der Teniente die Vor- und Nachgeschichte des Mordes zu ergründen versucht, der ausgerechnet am 6. August, dem Fest der Verklärung Christi, der Transfiguration, stattgefunden hat, führen seine Gespräche mit Alberto Marqués dazu, dass El Condes Vorurteile schwinden.

    Thema und Genre
    In diesem Kuba-Roman geht es um Politik, Korruption, Gesellschaft, Vorurteile, Diskriminierung, Homosexualität. Im Mittelpunkt von Mario Condes Ermittlungen stehen diesmal ein alter, exzentrischer Künstler und natürlich wieder die Literatur.

    Charaktere
    „Mario Conde ist kein Polizist, sondern eine Metapher und sein Leben spielt sich im virtuellen Raum der Literatur ab.“ (Zitat Seite 6, Vorbemerkung des Autors) Doch es liegt an der genauen Beobachtungsgabe, der Phantasie und dem genialen Können des Autors, reale Menschen in seine fiktiven Charaktere einzubringen, Mario Conde und auch alle anderen Figuren seiner Romane, ungemein glaubwürdig und lebensnah wirken zu lassen, mit ihren Fehlern, Zweifeln, Träumen und Gefühlen.

    Erzählform und Sprache
    Auch dieser dritte Kriminalfall, den Mario Conde während des Jahres 1989 lösen muss, ist nur ein Teil der Geschichte, um die es in diesem Kuba-Roman geht. Das Thema Homosexualität, die damit verbundenen Vorurteile, die politischen Versuche einer Umerziehung, in Verbindung mit dem alltäglichen Leben in Havanna in dieser Zeit des Umbruchs, verdichten und erweitern die Handlung zu einem intensiven, weit gefächerten Gesamtbild. Mario Conde sagt von sich selbst, ein Mann der Erinnerungen zu sein und so erfahren wir durch seine Gedanken interessante Details darüber, wie sich Kuba, und vor allem die Stadt Havanna, verändert haben. „Ich verstehe das, natürlich verstehe ich das, denn diese Insel hat den historischen Auftrag, immer wieder neu zu beginnen, alle dreißig oder vierzig Jahre. Das Vergessen ist Balsam für alle offenen Wunden ...“ (Zitat Seite 116). Die Sprache ist eine elegante, poetische Sprache der Literatur, verbunden mit der manchmal verstörend direkten Sprache einer Männerwelt.

    Fazit
    Ein spannendes, interessantes, beeindruckendes Leseerlebnis, eingebettet in die Liebe zu Kuba und zur Literatur.

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Handel der Gefühle

Buchseite und Rezensionen zu 'Handel der Gefühle' von Leonardo Padura
5
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Diskussionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:340
Verlag: Unionsverlag
EAN:
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Rezensionen zu "Handel der Gefühle"

  1. Meine anfängliche Skepsis endete in Begeisterung

    „Na prima, dachte er, wenn ichs mir recht überlege, äuft das doch so: Ich bring das Leben anderer Leute in Ordnung, krieg aber mein eigenes nicht in den Griff.“ (Zitat Seite 50)

    Inhalt
    Es ist Frühling 1989 in Havanna und einer der typischen Frühlingsstürme wirbelt den Staub durch die Straßen. Einen Tag nach dem Aschermittwoch wird Lissette Núñez Delgado in ihrer Wohnung tot aufgefunden, es war ein brutaler Mord. Die Gymnasiallehrerin für Chemie war nur vierundzwanzig Jahre alt geworden. Die ersten Spuren führen den Ermittler, Teniente Mario Conde, genau in jenes Gymnasium, in dem auch er vor Jahren seine Oberstufenzeit verbracht hatte. Der Fall ist heikel, denn neben Alkohol ist auch Marihuana im Spiel und bald wird El Condo und seinem Teampartner Sargento Manuel „Manolo“ Palacios klar, dass Spuren auf einen professionellen Drogenhandel hinweisen. Obwohl im Lauf der Ermittlungen langsam einige Fakten zusammenführen, passt für Conde irgend etwas einfach nicht, auch wenn er es zunächst nicht erfassen kann.

    Thema und Genre
    Die Serie um den Ermittler Mario Conde spielt in Havanna und es steht nicht der Kriminalfall im Mittelpunkt, sondern es geht um die politische Situation Kubas 1989, Korruption, Überwachung, Drogenhandel, Kleinkriminalität und das bunte Leben der unterschiedlichen Menschen in der Stadt Havanna, eine Stadt mit einer bewegten Vergangenheit und unendlich vielen Facetten. Es geht um Männerleben, Freundschaft, Liebe, Einsamkeit und um Literatur.

    Charaktere
    Als Junge träumte der Teniente Mario Conde davon, Schriftsteller zu werden und dieser Traum ist geblieben, eines Tages wird er den Polizeidienst verlassen und wieder schreiben. Er gilt als verbissen, intelligent und zu effizient für den Polizeidienst. Persönlich ist er pessimistisch, melancholisch, hat Macho-Allüren und liebt guten Rum, wenn erhältlich, sehr guten, starken Kaffee, wenn verfügbar, und in stillen Stunden träumt er davon, endlich die Liebe fürs Leben zu finden.

    Erzählform und Sprache
    Die Recherchen und Ermittlungen sind in den Tagesablauf von Mario Conde eingebettet, er teilt mit uns seine Liebe zu Havanna, zum Meer, zu Kuba und seine Erinnerungen. Wir beobachten ihn in seinem winzigen Büro im dritten Stock, das er wegen der Aussicht liebt, und das er sich mit Sargento Manolo teilt. Mit dem dünnen Carlos verbindet ihn eine enge Freundschaft fürs Leben, andere Freunde besucht El Condo, wenn er Tipps für seine Ermittlungen braucht. Diese sehr spezielle Figur El Condo hätte beinahe dazu geführt, dass ich nach etwa achtzig Seiten die Lektüre abgebrochen und das Buch zurück ins Regal gestellt hätte. Auch an die Sprache, literarisch, philosophisch, bildintensiv in den Schilderungen, in den Dialogen und speziellen Szenen jedoch umgangssprachlich, hart bis ins Vulgäre, musste ich mich gewöhnen. Doch dann plötzlich war ich im Sog der Geschichte, der Themenvielfalt und auch der Figuren dieses Romans, El Condo, frisch in die attraktive Saxofonspielerin Karina verliebt, eingeschlossen.
    Eine Bemerkung zur Reihenfolge der Bücher des Havanna-Quartetts: ich habe mit dem Frühling begonnen, ohne zuvor nachzulesen, doch diese Serie beginnt mit dem Winter und endet mit dem Herbst. Da es insgesamt um die Ereignisse nur eines Jahres geht und jeder Fall in sich abgeschlossen ist, sehe ich kein Problem in der geänderten Reihenfolge. Zur Zeit lese ich den Sommer, werde den Winter anschließen und zuletzt dann den Herbst lesen, da dieser doch einen gewissen Abschluss bildet.

    Fazit
    Ein intensiver Kuba-Roman mit vielen Facetten, offen, direkt, realistisch, auch sprachlich teilweise eine Herausforderung und gleichzeitig ein packendes Leseerlebnis.

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Wer zuerst lügt

Buchseite und Rezensionen zu 'Wer zuerst lügt' von Ashley Elston
3.65
3.7 von 5 (3 Bewertungen)

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Diskussionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:389
Verlag: Knaur eBook
EAN:
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Rezensionen zu "Wer zuerst lügt"

  1. 4
    16. Mär 2024 

    Lucca Marino II:

    Gemeinsam mit ihrer Mutter lebte sei in einem Trailerpark. Viel zu früh starb die geliebte Mutter an Krebs. Inzwischen hat sich einiges geändert in Evie Porters Leben. Sie hat einen Freund, um den sie beneidet wird. Sie will zu ihm ziehen. Während einer Party will sie sich vor Ryans hippen Freunden beweisen. Etwas, etwas sehr, aus dem Konzept kommt Evie als sie eine Frau als Lucca Marino vorstellt. Die Fremde sieht ihr überraschen ähnlich und irgendwie läuft sie mit Evies Namen rum. Niemand darf wissen, dass Evie garnicht Evie ist.

    Aus der Not heraus hat Evie begonnen sich durchs Leben zu mogeln. Oft hat sie Glück oder auch mal Hilfe, denn das Schlimmste wäre es erwischt zu werden. Endlich scheint alles nach Wunsch zu laufen und es winkt ein sorgloses Leben. Tja, und dann taucht Lucca Marino auf. Evie sollte doch Lucca Marino sein. Was hat das zu bedeuten? Zu allem Unglück stirbt die falsche Lucca Marino bei einem vermeintlichen Unfall. Und Evie Porter bekommt es langsam mit der Angst zu tun. Sollte sie selbst das Opfer sein? Wer könnte ein Interesse daran haben? Sie möchte sich Ryan anvertrauen. Doch sei kann ihm einfach nicht alles sagen.

    Evie ist noch nicht einmal dreißig und sie hat schon einiges erlebt. Das merkt man beim Lesen gleich. Und je mehr Facetten, die man von ihr kennenlernt, desto mehr Respekt bekommt man vor ihrer Intelligenz und ihrer Durchsetzungskraft. Das wird eine gewisse Weile nicht so klar. Erst wenn man merkt wie gewitzt Evie eigentlich ist, gewinnt sie an Profil und die Lektüre fängt an richtig Spaß zu machen. Auch wenn man eine solche Geschichte im wirklichen Leben nicht für möglich hält, funktioniert sie als fiktionale Story eben gut. Eine starke Frau geht ihren Weg. Man sorgt sich mit ihr, ob sie es schaffen wird, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Die echten Clous können nicht verraten werden. Die müssen Leser und Leserinnen selbst entdecken. Es kann mit gutem Gewissen gesagt werden, man wird gepackt. Der tolle Vortrag von Marina Gärtner trägt ein Übriges dazu bei, dass Evie Porters Geschichte lebendig wird.

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  1. Jeder hat sein Geheimnis

    Lucca Marino ist eine Trickbetrügerin, die diesen Namen schon lange nicht mehr verwendet hat, da sie unter immer neuen Namen auftritt. Sie arbeitet für einen ihr unbekannten Mann namens Mr. Smith. Der hat sie auf Ryan angesetzt. Als Evie Porter will sie bald bei Ryan einziehen, doch was der über Evie weiß, ist alles erlogen. Dann trifft sie bei einer Party eine Frau, die sich als Lucca Marino vorstellt. Am nächsten Tag ist die Frau tot und für Evie wird es gefährlich.

    Dieser Thriller ist packend und unblutig. Es dauert ein wenig, bis die Handlung Fahrt aufnimmt, aber dann kann man nicht mehr aufhören zu lesen. Immer wieder gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, bei der wir Evie erleben können, wie sie ihre Aufträge unter verschiedenen Namen ausführt.

    Evie ist eigentlich eine sympathische Person, auch wenn sie betrügt und lügt. Das macht sie sehr gut und perfekt geplant. Sie soll Ryan Informationen entlocken, aber ihr fehlt da ein wenig die professionelle Distanz, denn sie mag ihn. Aber auch Ryan hat etwas zu verbergen. Er ist schwer verliebt in Evie und ich mochte auch ihn. Nachdem die falsche Lucca Marino tot ist, wird Evie klar, dass Mr. Smith ein böses Spiel mit ihr treibt und nur seine eigenen Interessen verfolgt. Sie muss besser sein als er.

    Diese Geschichte ist wirklich wendungsreich und hat mich immer wieder verwirrt. Auch das Ende hat mich auch verblüfft.

    Ein spannender Psychothriller, der mir gut gefallen hat.

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  1. 3
    01. Mär 2024 

    Geduld zahlt sich aus, das Finale belohnt bestimmt

    Geduldig beim Aufbau belohnt zum Schluss

    Am 1. März 2024 veröffentlichte der Knaur Verlag folgenden Roman:
    Wer zuerst lügt

    Autorin:
    Ashley Elston ist eine amerikanische Schriftstellerin, die hauptsächlich für ihre Jugendromane bekannt ist. In ihrer Heimat konnte sie schon viele Leser überzeugen und hat viele Auszeichnungen in Empfang nehmen können.
    Mit diesem Roman präsentiert sie ihren ersten Thriller im Adult-Segment.

    Das Cover ist nicht außergewöhnlich kreiert worden. Es zeigt dem Betrachter das gespiegelte Halbprofil einer Frau. Mein Interesse hat es nicht geweckt. Hierfür waren dann der Klappentext und die Bloggerbeiträge ausschlaggebend.

    Zum Inhalt:
    Evie Porter ist eine junge Frau mit einem wahren Glücksgriff. Sie hat einen charmanten Freund in Ryan gefunden und plant mir ihm gemeinsam in eine tolle Südstaatenvilla zu ziehen. Auf einer Party wird ihr Lucca Porter vorgestellt.
    Evie ist entsetzt. Was läuft hier? Lucca Marino ist Evie's Name und diesen hat sie in langer Zeit nicht mehr benutzt!? Wer steckt hinter dieser Begegnung. Warum ist Lucca dann am nächsten Tag tot? Für die Profi-Betrügerin Eve beginnt eine gefährliche Zeit.

    Aufbau, Protagonisten, Spannung, Momentum, Finale
    Für den strukturellen Aufbau muss der Leser etwas Geduld aufbringen. Die Geschichte wird auf zwei Zeitschienen erzählt. Diese korrelieren insbesondere während der ersten Buchhälfte nur selten. Aufgrund dessen musste ich mich schon sehr auf das Gelesene konzentrieren. Oft hatte ich nach einer Lesepause den Eindruck etwas "überlesen" zu haben und musste einige Seiten zurückblättern, um das zu kontrollieren.
    Mein Lesefluss wurde hierdurch sehr entschleunigt.
    Insgesamt hat das mein Leseenthusiasmus geschmälert.
    Protagonisten: Evie wurde als besonders sympathische Akteurin beworben. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Ich konnte keine bis nur schwer, eine Verbindung zu ihr aufbauen und empfand sie als schlecht "greifbar". (Vielleicht spiegelt das aber auch den Betrug in ihrer gespielten Person)
    Insgesamt konnte ich weder zu Evie noch für einen anderen der Charaktere eine emotionale Bindung aufbauen.
    Auf echte Spannung musste ich warten. Da die Geschichte aus vielen ausgelegten Puzzleteilchen besteht und es bis zur 2. Buchhälfte dauerte, bevor diese anfingen, ein Gesamtbild zu ergeben. Es war definitiv geduldiges Dranbleiben angesagt.

    Zusammenfassung:
    Eine ungewöhnliche Geschichte, die den geduldigen Leser sicher, mit einer Wundertüte finaler Wendungen und Twist, belohnen kann & wird.

    Fazit:
    Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der auch mal den Aufbau einer Story abwarten kann und einfach weiterliest.
    Von mir gibt es gute 3,5 Lesesterne & bin gespannt, was andere Leser über ihre Leseerfahrung zu berichten werden.

    Seitenzahl: 400
    Formate: elektr., CD, Hörbuch und Paperback

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Die tödliche Rezeptur

Buchseite und Rezensionen zu 'Die tödliche Rezeptur' von Manuel Martensen
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die tödliche Rezeptur"

Diskussionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:334
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Die tödliche Rezeptur"

  1. Auf der Suche nach der Wahrheit

    "Ein gegebenes Versprechen ist eine unbezahlte Schuld." (William Shakespeare)
    Kurz vor Friedrich Börnsens Tod im Jahr 1986 muss Herrmann Jöhns seinem Chef und besten Freund ein Versprechen abgeben. Allerdings lassen die Umstände es nicht zu, dass Herrmann dieses Versprechen sofort einlösen kann. Erst Jahre später bricht der 82-Jährige in das Brauerei-Museum Nordsum ein, um sein Versprechen einzulösen. Endlich hat man das Exponat ausgestellt, das für ihn so wichtig war, um sein Versprechen einzulösen. Indessen macht sich Herrmanns Schwiegertochter und sein Enkel Krister Sorgen um ihn, weil er schon seit zwei Tagen verschwunden ist. Da sieht er seinen Großvater auf einer Überwachungsaufnahme, die man nach dem Tod eines Wachmanns entdeckt hat. Sollte sein Großvater wirklich den Wachmann erschlagen haben? Krister geht nun erst recht auf die Suche und gerät dadurch immer selbst unter Verdacht. Dabei gerät er immer tiefer in eine verborgene Familiengeschichte, die nicht nur ihn in große Gefahr bringt. Denn es gibt einen weiteren Anwärter, der hinter dem Brauereigeheimnis her ist.

    Meine Meinung:
    Im ersten Fall von Kommissar Bork geht es um ein altes Versprechen unter Freunden und einen Mord an einem Wachmann. Dieser beaufsichtigte das Brauerei-Museum der ehemaligen Brauerei Nordsum, die kurz vor dem Selbstmord des Besitzers an den dänischen Sundbaek-Konzern verkauft wurde. Was zweifellos für die Mitarbeiter und speziell für seinen Freund und Brauereimeister Hermann Jöhns unerklärlich ist. Stattdessen will Friedrich Börnsen, dass er ein Versprechen abgibt, das nur er alleine einlösen kann. Allerdings gerade diese Loyalität und Verbundenheit ihm gegenüber bringt Herrmann in größte Schwierigkeiten. Er muss sogar für eine gewisse Zeit ins Gefängnis, weil man annimmt, dass er Börnsen ermordet hat. Doch erst im hohen Alter von 82 Jahren bekommt er endlich die Chance, sein Versprechen einzulösen. Doch dafür muss er alleine in die Sonderausstellung des Museums gelangen. Was nicht gerade einfach ist für den betagten Mann, da er ja niemanden um Hilfe bitten kann. Der Plot um den Tod von Friedrich Börnsen, einem Versprechen um dessen Geheimnis drumherum, macht einerseits Spaß zu lesen, doch mir fehlt etwas die Spannung, die erst gegen Ende so richtig Fahrt aufnimmt. Ebenfalls blass bleibt für mich Kommissar Bork, der erst am Ende seinen großen Auftritt bekommt. Dagegen drehte sich vieles um Kristen, seinen Großvater und den anderen Täter. Mitunter empfinde ich manche Stellen sogar etwas langatmig. Allerdings spürt man außerordentlich gut bei den Protagonisten die ruhige, zurückhaltende, sture, aber ehrliche Art der Nordlichter. Dies ist dem Autor alle Achtung sehr gut gelungen und das bei den vielen Mitwirkenden in diesem Krimi. Wobei Krister mitunter schon etwas zu unüberlegt handelt und dadurch unnötig in Verdacht und Gefahr gerät, aber das sollte wohl so sein. Mit Kommissar Bork dagegen bin ich leider noch nicht richtig warm geworden, dafür fehlt es mir einfach an Tiefe bei seiner Person. Allerdings scheint er mir auch ein Mann der Tat zu sein, was vor allem beim Showdown am Ende des Buches zum Tragen kommt. Hier fährt der Autor noch einmal alles an Spannung auf, was mir zuvor etwas gefehlt hat. Gut finde ich, das wir am Ende noch erfahren, was das Geheimnis von Friedrich Börnsen gewesen ist. Das jemand anderes hinter einem weiteren Geheimnis her ist, machte die ganze Geschichte noch etwas interessanter. Ich hoffe, dass Kommissar Bork in den weiteren Fällen etwas mehr Raum für seine Ermittlungen bekommt. Es gibt noch Luft nach oben, darum 4 von 5 Sterne für diesen Krimi.

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Das Schweigen des Wassers

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Schweigen des Wassers' von Susanne Tägder
4.75
4.8 von 5 (8 Bewertungen)

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Format:Kindle Ausgabe
Seiten:367
Verlag: Tropen
EAN:
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Rezensionen zu "Das Schweigen des Wassers"

  1. 5
    04. Apr 2024 

    Altlasten

    Susanne Tägder „ Das Schweigen des Wassers“ ( 2024)

    Susanne Tägder, 1968 in Heidelberg geboren, ist Juristin und war Richterin am Sozialgericht in Karlsruhe, und hat nun mit „ Das Schweigen des Wassers“ ihren ersten Kriminalroman vorgelegt. Inspiriert wurde sie dazu durch eine Zeitungsreportage, in dem es um einen Fall aus DDR-Zeiten ging, der kurz nach der Wende wieder aufgerollt wurde.

    Die Geschichte setzt ein im Herbst 1991 in der fiktiven Stadt Wechtershagen in Mecklenburg - Vorpommern. Von hier ging Arno Groth 1960 in den Westen und hierher wird er als Hauptkommissar von seiner früheren Dienststelle in Hamburg geschickt. Abgeschoben fühlt er sich, als „ Altlast“ nach einem beruflichen Fehler. Nun soll er hier als Aufbauhelfer Ost seine neuen Kollegen in westdeutscher Polizeiarbeit schulen. Keine leichte Aufgabe, denn diese begegnen ihm mit Vorsicht und Misstrauen.
    Da wird er eines Tages auf dem Parkplatz der Polizeiwache von einem heruntergekommenen Mann angesprochen, ein Alkoholiker, wie es scheint. Der fühlt sich verfolgt und wolle nochmal wiederkommen, dieses Mal mit Beweisen. Während Groth noch überlegt, wie glaubwürdig diese Behauptung sei ( „ Jemand ist hinter mir her. Gilt das nicht für uns alle? denkt Groth. Wer wird denn nicht von etwas verfolgt, und wenn es nur die eigenen Fehler sind.“) und ob er der Sache nachgehen muss, da wird eine Leiche am Seeufer gefunden. Als Groth am Fundort eintrifft, stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten im Wasser um genau jenen Mann handelt. Der Bootsverleiher und Musiker Siegmar Eck. Für die Polizei vor Ort kein Unbekannter. War er doch in einem aufsehenerregenden Mordfall elf Jahre zuvor als Hauptverdächtiger festgenommen und verhört worden. Damals wurde die Polizistentochter Jutta Timm vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Doch Eck kam wieder auf freien Fuß ; er hatte ein hieb- und stichfestes Alibi. Allerdings hat man danach das Verfahren eingestellt ; der Mörder der jungen Frau wurde nie gefasst.
    Auch im aktuellen Fall versucht die Polizei die Sache schnell zu den Akten zu legen. Kein Verdacht auf Fremdeinwirkung; Eck scheint betrunken ins Wasser gefallen zu sein.
    Doch Groth lässt das Ganze keine Ruhe. Seinem Gefühl nach stimmt hier etwas nicht. Er vermutet einen Zusammenhang zu dem alten ungelösten Fall und beginnt zu ermitteln, gegen den Befehl seiner Vorgesetzten.
    Susanne Tägder entwickelt ihre Geschichte ruhig und mit viel Gespür für Details. Dabei fängt sie sehr gut die Atmosphäre dieser Umbruchszeit ein. Die DDR ist Geschichte, doch in den Köpfen ihrer früheren Bewohner steckt sie noch fest. Sie spüren die Verluste und fürchten sich vor dem Neuen. Auch die alten Seilschaften funktionieren nach wie vor.
    Erzählt wird aus zwei Perspektiven. Neben dem melancholischen Ermittler Groth ist Regine Schadow die zweite Hauptfigur. Ihre tatsächliche Rolle wird erst im Verlaufe der Handlung klar. Warum hat sie ihren guten Job im Kempinski in Berlin aufgegeben, um nun in einem drittklassigen Ausflugslokal in Wechtershagen als Kellnerin zu arbeiten? Will sie tatsächlich nur die Wohnung ihrer Großmutter aufräumen, wie sie sagt, oder verfolgt sie ganz andere Pläne? Wie stand sie zu dem ermordeten Siegmar Eck?
    Neben der Krimihandlung, bei der es um zwei zusammenhängende Verbrechen geht, überzeugt die Autorin vor allem mit ihrer Figurenzeichnung. Es sind beinahe alles Versehrte, die uns im Roman begegnen. Groth mit seiner grüblerischen Art und seinen Selbstzweifeln ist eine interessante Figur. Ein Kommissar mit einer Liebe zur Literatur, ein Mann, der mit Verlusten klarkommen musste - seine Ehe ist schon lange geschieden, seine Tochter gestorben - bringt allein schon deshalb viel Verständnis auf für diejenigen auf der Opferseite. Und auch Regine hat, trotz ihrer Jugend, schon viele traurige Erfahrungen machen müssen. Aber auch die Nebenfiguren werden vielschichtig gezeichnet, so z.B. der eher verschlossene Kollege mit fragwürdiger Vergangenheit, der Groth bei seinen Ermittlungen unterstützt oder der schweigsame und gebrochene Vater von Eck. All diesen Personen begegnet die Autorin mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen und Empathie.
    Susanne Tägder schreibt im Präsens. Das wirkt unmittelbarer und verstärkt den filmischen Effekt. Dabei bedient sie sich einer präzisen, z.T. lakonischen Sprache und zeigt gerade in den Dialogen ihr ganzes Können.
    Der Autorin ist mit „ Das Schweigen des Wassers“ ein atmosphärisch dichter und fesselnder literarischer Krimi gelungen. Gleichzeitig ist der Roman ein stimmig gezeichnetes Porträt jener Umbruchjahre. Es ist zu hoffen, dass Susanne Tägder weitere Fälle mit dem sympathischen Ermittler folgen lässt.

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  1. Gespenster der Vergangenheit

    Kriminalhauptkommissar Arno Groth ist im Herbst 1991 frisch zurück in seiner mecklenburgischen Geburtsstadt, dem fiktiven Wechtershagen nahe Demmin. Nicht ganz freiwillig hat er Hamburg verlassen, wo er seit seinem Weggang aus der DDR 1960 lebte und arbeitete, als Kriminalpolizist, weil aus dem Germanistikstudium für den passionierten Leser und Sammler von Erstausgaben nichts wurde. Nun soll er in der alten Heimat ermitteln und als Aufbauhelfer Ost ehemalige DDR-Volkspolizisten schulen, keine dankbare Aufgabe und nicht dazu angetan, sich Freunde unter den neuen Kolleginnen und Kollegen zu machen. Eine Scheidung, der Tod seiner Tochter und eine unverzeihliche berufliche Fehleinschätzung setzen dem von Zweifeln geplagten Mann darüberhinaus schwer zu.

    Ein Toter am Wechtsee
    Kaum angekommen, trifft Groth im Hof der Polizeiwache auf den Ex-Musiker und jetzigen Tretbootverleiher Siegmar Eck, einen verwahrlosten Alkoholiker, der sich verfolgt fühlt. Bevor dieser dem zweifelnden Groth Beweise dafür bringen kann, wird er tot am Bootsanleger des Wechtsees aufgefunden. Ohne Hinweise auf Fremdeinwirkung und mit einem plausiblen Unfallszenario wird der Tod als Unglücksfall eingestuft. Nur Groth mag sich damit nicht abfinden, gar zu seltsam erscheint rückblickend seine Begegnung mit dem Opfer. Als sich auch noch herausstellt, dass Eck zehn Jahre zuvor im Mordfall an der 19-jährigen Polizistentochter Jutta Timm als Haupttatverdächtiger galt, wegen seines bombensicheren Alibis jedoch freigesprochen wurde, ist Groths Ermittlerinstinkt endgültig geweckt. Warum fehlen in diesem abgeschlossenen Altfall aus dem Mai 1980, in dem nie ein Schuldiger ermittelt wurde, sämtliche Akten? Entgegen der Anordnung seines neuen Chefs verbeißt sich Groth in den Fall, wohlwissend, dass er sich keinen weiteren Fauxpas leisten darf.

    Und noch jemand ist neu in Wechtershagen: die Kellnerin Regine Schadow aus Berlin, wesentlich jünger als Groth, aber mit nicht weniger Altlasten. Sie arbeitet im zweitklassigen Ausflugslokal am Wechtsee, löst nebenher die Wohnung ihrer Großmutter auf und scheint einiges zu verbergen. Jedenfalls gibt sie immer nur so viel zu, wie Groth bereits weiß. Welche Verbindung hatte sie zum Opfer und warum hat sie wirklich ihre Stelle im Kempinski aufgegeben?

    Viel mehr als ein Whodunit-Roman
    Die 1968 in Heidelberg geborene ehemalige Richterin Susanne Tägder hat ihr sehr empfehlenswertes Krimidebüt "Das Schweigen des Wassers", das auf einem realen Mordfall von 1979 fußt, in der ehemaligen Heimat ihrer Eltern angesiedelt: Vorbild für Wechtershagen war die Stadt Neubrandenburg. Was den Krimi aus der Masse der Neuerscheinungen heraushebt, sind seine sprachliche Gewandtheit, die Wahl der beiden Zeitebenen kurz vor bzw. nach der Wende, die die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche und Stimmungen beleuchten, die ruhige, melancholische Atmosphäre sowie die glaubhaften Charaktere. Alle sind verwundet, sei es das Mordopfer Eck, dessen Leben nach der Anklage aus der Bahn geriet, der Kafka lesende Ermittler Groth mit seiner schwierigen Vergangenheit, sein neuer Kollege Gerstacker, der im Fokus der Stasi-Begutachtungskommission steht, oder die traumatisierten Mitglieder der Familie Timm. Ausgerechnet die alten DDR-Seilschaften, die den Mordfall von 1980 weitgehend vertuschten, haben die Zeiten allgemeiner Auflösung, Verunsicherung und Entwurzelung um 1989 unbeschadet überlebt.

    Einziger Wehmutstropfen beim Lesen war für mich, dass ich die Auflösung recht früh – und richtig – durchschaute, was ich selbst bei diesem literarischen Krimi, der viel mehr als nur Whodunit-Roman ist, schade finde. Auf eine Fortsetzung hoffe ich trotzdem, denn Susanne Tägder, Arno Groth und Wechtershagen haben unbedingt das Potential dafür.

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  1. Ost-westdeutsche Polizeiarbeit nach der Wende

    Hauptkommissar Groth wird in seine alte Heimatstadt geschickt, um den dortigen Kollegen die westdeutsche Polizeiarbeit zu vermitteln. Schon bald gibt es einen Toten und es war kein Unfall. Bei den Ermittlungen stoßen die Polizisten auf einen ungeklärten Fall, der schon viele Jahre zurückliegt.
    Dieser Krimi verläuft eher ruhig und unaufgeregt, nichtsdestotrotz ist es eine spannende Geschichte, die uns auch in die schwierige Zeit nach dem Mauerfall führt. Das Misstrauen in dieser Zeit ist spürbar. Groth soll den Kollegen zeigen, was westdeutsche Polizeiarbeit ist. Das kommt nicht gut an, denn die Mecklenburger Kollegen wissen, dass sie ihren Job können. Doch dieser Fall, zu dem sich dann noch ein Cold Case gesellt, bringt sie zusammen, denn alle haben das Interesse, die Fälle zu lösen. Sie lassen sich auch nicht durch Anordnungen von oben aufhalten.
    Groth war viele Jahre im Westen und muss nun in seine alte Heimatstadt zurück. Dabei hat er genug mit sich selbst zu tun, denn er trauert um seine Tochter. Doch er ist ein guter Polizist, der auch seinem Baugefühl folgt und der seine Fälle unbedingt lösen möchte. Aber es gibt auch andere, die ein Verlust zu beklagen haben und trauern.
    Die Autorin Susanne Tägder erzählt authentisch und eindringlich und auch die Personen sind glaubhaft dargestellt. Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall.
    Ein interessanter und spannender Krimi mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

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  1. Nicht nur das Wasser schweigt

    Susanne Tägder war Richterin in Karlsruhe. Sie ist nicht die erste Juristin, die zur Autorin mutiert, aber sie tut es auf wunderbare Weise und mit einem sehr eindringlichen, spannenden Timbre. Dem Roman diente ein realer Mordfall aus dem Jahr 1979 als Inspiration.

    Hauptkommissar Groth aus Hamburg wurde als Aufbauhelfer Ost nach Wechtershagen in Neubrandenburg versetzt. Dort ist er aufgewachsen, kurz vor dem Mauerbau siedelte er jedoch in den Westen über. Am neuen Arbeitsplatz betrachtet man den Kollegen mit großer Skepsis. Im Herbst 1991 wird nun die Leiche des Musikers Siegmar Eck aus dem nahe gelegenen Wechtsee gezogen. Im Umfeld des Opfers wird ermittelt. Während Groths Kollegen schnell von einem Unfall in Folge von übermäßigem Alkoholkonsum ausgehen, wird Groth stutzig, als er mehr über Ecks Leben erfährt. Eck war nämlich im Jahr 1980 Hauptverdächtiger im Mordfall der 19-jährigen Jutta Timm, der Tochter eines Volkspolizisten. Eck hatte damals ein Geständnis abgelegt, es anschließend widerrufen - am Ende wurde er freigesprochen. Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Fällen? Groth lässt dieser Gedanke nicht los, auch wenn er spürt, dass es unerwünscht ist, in alten DDR-Akten nachzuforschen.

    Die Ermittlung vollzieht sich langsam, die Informationen entfalten sich erst nach und nach. Immer mehr interessante Figuren betreten die Bühne. Die meisten von ihnen wirken auf irgendeine Art versehrt, was ihnen Komplexität und Tiefe verleiht. Die Autorin lässt sie uns in ihrem Lebensumfeld kennenlernen. So ist die Zeugin Regine Schadow nicht nur eine Kellnerin im Seerestaurant, sonders sie hat auch ein Leben in Berlin zurückgelassen, eine pflegebedürftige Großmutter und ein an ihr zehrendes persönliches Geheimnis. Groth selbst hat seine Tochter Saskia verloren, wodurch er weiß, wie sich Verlust anfühlt. Es wirkt keinesfalls rührselig oder konstruiert, wenn er sich mit Saskia in vertraute Zwiegespräche begibt. Groth erweckt den Anschein eines verletzten, einsamen Wolfes, der sich der Wahrheitsfindung verpflichtet sieht. Er ist literaturaffin, sein Zugang zur Poesie und den Werken Kafkas hat seine Fähigkeit, hinter die Fassaden zu blicken oder auf das Ungesagte zu lauschen, sehr geschult.

    Ebenso sorgfältig wie die Figurenzeichnung gelingt der Autorin die Darstellung der Schauplätze zu den unterschiedlichen Zeiten. Man muss vor Augen haben, dass Siegmar Eck im Jahr 1980 möglicherweise keinen fairen Prozess erhielt. Trotz Freispruch war er fortan ein gebrochener Mann, der sein Leben nie wieder richtig in den Griff bekommen hat. An verschiedenen Stellen des Romans wird deutlich, was es heißt, in die Mühlen eines skrupellosen Regimes zu geraten und wie gefährlich es sein kann, an dieser Vergangenheit zu rühren. Offenbar wurde im Fall Jutta Timm nach dem Prozess gegen Eck nicht weiter ermittelt. Was bedeutet das für die Familie des Opfers? Es sind vielfältige Ebenen, die in unterschiedlichen Szenen beleuchtet werden und die Qualität des Romans ausmachen.

    Faszinierend ist auch die Darstellung des Umbruchs in den neuen Bundesländern, der mit vielen Unsicherheiten und Ungerechtigkeiten einhergeht. Die Menschen fühlen sich abgehängt, verlieren von einem Tag zum anderen ihre Arbeit, werden von im Kapitalismus kundigen Westlern laufend übervorteilt. Entsprechend schlägt der Argwohn dem aus Hamburg versetzten Groth entgegen, der wiederum mit dem Blick von außen die Verstrickungen zu erkennen glaubt (schließlich ist er in Wechtershagen aufgewachsen). Die Diktatur hallt sowohl in den Köpfen der Menschen als auch in den Büroräumen der Behörde nach.
    Es wird viel geschwiegen in diesem Roman. Dennoch fesselt die ruhige, eindringliche Sprache von Beginn an. Immer wieder legt die Autorin ihren Figuren Sätze in den Mund, die zum Nachdenken anregen und die Bedingungen dieser Nachwendezeit verdeutlichen. Die verschiedenartigen Verwundungen des Figurenpersonals sorgen für latente Melancholie, der ich mich nicht entziehen konnte. Ich betrachte „Das Schweigen des Wassers“ als gelungenen literarischen Kriminalroman, der auch anspruchsvolle Leser begeistern sollte.

    Mit Groth hat die Autorin einen zurückhaltenden, sympathisch-aufrichtigen Ermittler geschaffen. Ich möchte aus dem Ende herauslesen, dass es eine Fortsetzung dieses großartigen Debüts geben wird.

    Große Lese-Empfehlung!

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  1. 5
    17. Mär 2024 

    Nach einem wahren Fall

    Als Hauptkommissar Groth Anfang der 90er Jahre nach vielen Jahren in Hamburg zurück in seine Heimatstadt geschickt wird, ergeht es ihm zunächst so wie jedem, der aus dem Westen in den Osten geht. Die Kollegen beäugen ihn misstrauisch. Als Aufbauhelfer Ost soll er Kollegen in westdeutscher Polizeiarbeit schulen. Doch eigentlich wollte man ihn nach einem ,,Fehltritt“ aus Hamburg weghaben.
    Als die Leiche des Bootsverleihers Siegmar Eck im örtlichen See gefunden wird, ahnt Groth bald, dass es kein Unfall war. Denn kurz zuvor hatte Siegmar Eck Groth aufgesucht und ihm anvertraut, dass er sich verfolgt fühle. Allerdings war Eck auch Alkoholiker und ein ziemliches Wrack. Groths Kollegen und vor allem sein Chef wollen den Fall möglichst schnell zu den Akten legen, was Groth misstrauisch macht. Zusammen mit einem Kollegen ermittelt er dennoch weiter und stößt auf den Fall eines getöteten Mädchens, der noch zu DDR-Zeiten nicht aufgeklärt wurde, bei dem Groth aber so einiges merkwürdig vorkommt.
    ,,Das Schweigen des Wassers“ ist inspiriert von einem wahren Fall. Die Autorin versteht es, die Atmosphäre in einem kleinen Dorf der Wendezeit glaubwürdig einzufangen. Groth, aber auch einige andere Figuren, wirken aus der Spur geworfen und auf der Suche, Die Stimmung des Romans ist eher bedrückend und melancholisch, doch der Kriminalfall und die menschlichen Schicksale dahinter packen den Leser.
    Sehr lesenswert!

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  1. 4
    16. Mär 2024 

    Blutwissen

    Im Jahr 1991 ist der Polizist Arno Groth aus Hamburg in seine Geburtsstadt in der ehemaligen DDR gezogen, um dort eine Stelle anzutreten. Eigentlich wäre er als Aufbauhelfer zu verstehen, doch wegen eines Falles, in dem er falsche Schlüsse gezogen, ist sein Einsatz wohl eher endgültig. Eines Tages kommt ein Anwohner an Groths offenes Bürofenster und behauptet, er fühle sich verfolgt. Da der Mann etwas heruntergekommen aussieht, tut der Beamte die Sache ab. Doch nur wenig später wird der Mann tot im See gefunden. Wegen der Alkoholisierung wird die Sache als Unfall betrachtet. Jedoch hat Groth ein ungutes Gefühl.

    So wie er sich damals im Westen zurechtfinden musste, muss sich Arno Groth nun auch im Osten zurechtfinden. Er kennt die alten Plätze noch, aber Menschen, die er von früher kennt, trifft er nur wenige. Wegen seiner Unachtsamkeit gegenüber der Anzeige des späteren Opfers, hat Groth ein schlechtes Gewissen. Unabhängig davon kann Groth wegen des engen zeitlichen Zusammenhangs nicht an einen Zufall glauben. Als es dann auch noch hinweise auf einen alten Mordfall gibt, ist Groth umso mehr überzeugt, dass es hier noch mehr zu ermitteln gibt. Seine Kollegen, die nicht unbedingt begeistert sind über die westliche Aufbauhilfe, unterstützen Groth nur wenig.

    Dieser ungewöhnliche Kriminalroman greift einen alten Fall auf, der eigentlich als abgeschlossen galt. Ausgehend von dem vermeintlichen Unfall im Jahr 1991 führen die Spuren zurück in die 1980er Jahre der DDR. Als Leser nimmt man Teil an einer Ermittlung, bei der sich ein beinahe Wessi und ein Ossi zusammenraufen, um an die Wahrheit zu kommen. Gleichzeitig begleitet man Arno Groth auf seinem Weg zurück in die alte Heimat, wie er sich erst fremd fühlt, dann nach und nach ankommt. Immer mehr durchschaut er die Vorgehensweisen damals in der DDR und eben auch kurz nach der Wende. Dabei muss er durchaus feststellen, dass es Intrigen auch im Westen geben kann. Gebannt verfolgt man die Suche nach der Wahrheit, bei der er unerwartete Hilfe erhält, immer unsicher, ob es nicht immer noch Personen gibt, die verhindern wollen, dass eben jene Wahrheit ans Licht kommt. Ein toller atmosphärischer Kriminalroman, der aus seiner ruhigen Erzählweise eine bemerkenswerte Spannung generiert. Diesen Roman kann man kaum aus der Hand legen, wenn man einmal mit der Lektüre begonnen hat.

    Das Cover ist etwas abstrakt gestaltet. Durch die Farbgebung ist es sehr auffällig und sollte verlocken, das Buch zur Hand zu nehmen.

    4,5 Sterne

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  1. 5
    16. Mär 2024 

    Krimi aus einer Zeit der Verunsicherung

    Susanne Tägder hat sich für ihren ersten Kriminalroman von einem Artikel von Renate Meinhof in der Süddeutschen Zeitung anregen lassen. Renate Meinhof schildert einen älteren Fall, der sich in ihrer Heimat Mecklenburg zugetragen hatte. Ein junges Mädchen, die Tochter eines Volkspolizisten, wird in einem Dorf nach einer Tanzveranstaltung ermordet. Die Ermittlungen werden von der StaSi übernommen, und da schon bald feststeht, dass der Täter in den eigenen Reihen zu finden ist, wird ein Sündenbock gesucht und auch gefunden.

    Der Roman spielt kurz nach der Wende. Der Hamburger Kommissar Groth wird in seine mecklenburgische Heimatstadt versetzt, um als Aufbauhelfer Ost seine ostdeutschen Kollegen in das neue Rechtssystem einzuführen. Er trifft auf Misstrauen und Ablehnung. Die Kollegen – und nicht nur die Kollegen – erleben die Wende als eine Zeit der Verunsicherung, weil altbekannte und vertraute Systeme weggebrochen sind. Sie fühlen sich entwurzelt, wie Susanne Tägder im vorangestellten Interview ausführt, und müssen sich notgedrungen neu orientieren, wenn sie überleben wollen.

    Groth ist ein Ermittler der leisen Art. Er liest gerne, er geht ins Theater, er liebt Gedichte und Kafka, hier vor allem „Der Hungerkünstler“. In der Figur des Hungerkünstlers erkennt er beklemmende Parallelen zu dem Mordfall, in den er hineingeworfen wird. Beklemmungen überkommen ihn auch, als er die Macht alter Seilschaften und Ungerechtigkeiten im nächsten Umkreis erkennt. Und so setzt er sich mit einem altgedienten Volkspolizisten über die Weisung hinweg, keine Altfälle, und erst recht nicht diesen, aufklären zu wollen. DDR-Akten auf dem Schreibtisch? Nicht erwünscht.

    Wie Groth ist auch der Roman einer der leisen Art. Natürlich geht es um die Aufdeckung eines Mordfalls, aber wer hier einen genialischen Ermittler, ein großes Showdown, gefährliche Situationen und jede Menge Aktion erwartet, wird enttäuscht werden. Stattdessen erfährt der Leser einiges über die Strafverfolgung in der DDR. Und er erfährt viel über das, was falsche Anschuldigungen im Leben eines Menschen und seiner Familie anrichten können und wie die Familie des Opfers jahrelang mit der Last leben muss, dass der Täter bewusst nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

    Das alles erzählt die Autorin in einem immer ruhigen Ton, der durch die eingestreuten Kafka-Zitate sehr nachdenklich wirkt. Diese ruhige und sehr subtile Art des Erzählens hat mir hervorragend gefallen.

    Lese-Empfehlung!

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  1. Ein Panorama der Versehrten

    Wechtershagen, Mecklenburg, im Herbst 1991: Hauptkommissar Arno Groth kehrt aus Hamburg in seine Heimatstadt zurück. Er soll dort eine Art "Aufbau Ost" betreiben und die ehemaligen DDR-Polizist:innen in westdeutscher Polizeiarbeit schulen. Während seiner Zeit im Büro fällt ihm ein Mann auf, der sich auf dem Parkplatz der Polizei herumtreibt. Hilfesuchend wendet sich dieser kurz darauf an ihn und stellt sich als Bootsverleiher Siegmar Eck vor. Er fühle sich verfolgt und ein Boot sei ihm gestohlen worden. Die Beweise dafür werde er Groth noch liefern. Drei Tage später fischt die Polizei einen Toten aus dem Wechtsee. Sein Name: Siegmar Eck...

    "Das Schweigen des Wassers" ist der Debütroman der gebürtigen Heidelbergerin Susanne Tägder, der jetzt bei Tropen erschienen ist. Es ist ein bemerkenswert souverän erzähltes Debüt, das vor allem durch seine starken Figuren, die melancholische Atmosphäre und die pointierten Dialoge glänzt. Doch auch auf der Handlungsebene weiß "Das Schweigen des Wassers" zu überzeugen. Denn der ertrunkene Eck ist nur der Pfeiler eines elf Jahre zurückliegenden Verbrechens. 1980 wurde im Tannenkruger Forst nämlich die Leiche der 19-jährigen Jutta Timm gefunden. Der Mord blieb unaufgeklärt, obwohl Eck seinerzeit bereits ein Geständnis abgelegt hatte, vor Gericht aber freigesprochen wurde.

    Das größte Plus sind aber die Figuren. Neben Protagonist Groth gibt es eine ganze Reihe an Charakteren, die den Leser:innen lange im Gedächtnis bleiben werden. Da ist beispielsweise Gerstacker, Groths nächster Kollege, der alles ganz genau nimmt und sich von niemandem reinreden lässt. Schon gar nicht von jemandem, der aus Westdeutschland kommt. Da ist Hennemann, Fotograf und Reporter der lokalen Zeitung, der zum Fall der ermordeten Jutta Timm eine ganz besondere Verbindung hat. Da ist Regine Schadow, Kellnerin eines zweitklassigen Lokals am See, die mehr über Eck weiß, als es anfangs scheint. Und da ist Ecks Vater, ein nach außen hin stoisch wirkender Hinterbliebener. Sie alle haben ihre Verletzungen erlitten und gemeinsam bilden sie so etwas wie ein Panorama der Versehrten. Tägder nähert sich diesen Verwundeten mit großer Empathie und Mitgefühl, nie verrät sie sie, welche Fehler sie auch begehen mögen. Hervorstechend ist aber tatsächlich Arno Groth. Der Kafka lesende Kommissar musste einige Schicksalsschläge verkraften. Er trauert noch immer um seine Tochter Saskia und auch beruflich hat er Hamburg nicht ohne Grund verlassen. Tägder widmet ihren Roman allen, "die ein rauer Wind aus ihrer Heimat fortgeweht hat" und bezeichnenderweise trifft dies auch auf Groth und viele ihrer Figuren zu. Groth ist ein herausragendes Beispiel an Menschlichkeit, ein Ermittler, der trotz seiner Probleme nie so verkorkst wirkt wie seine literarischen Kolleg:innen aus Schweden. Als eine Art einsamer Wolf hat er zunächst nicht nur mit den Verdrießlichkeiten alter Aktenarbeit zu tun, sondern auch mit der Missstimmung gegenüber eines aus dem Westen Zugezogenen. Gemeinsam mit Gerstacker bildet er mit zunehmender Dauer ein kongeniales Duo aus Herz und Verstand.

    Atmosphärisch erinnert "Das Schweigen des Wassers" in seiner Melancholie ein wenig an die Fälle von Friedrich Anis Ermittler Jakob Franck, die bedauerlicherweise seit 2017 auf eine Fortführung warten. In den Dialogen agiert Tägder aber ohne die Francksche Tristesse, sondern lockert den in seiner Gesamtheit eher düsteren Grundton immer wieder pointiert und feinsinnig auf. Beispielsweise, wenn Groth sich in einer Dorfkneipe auf die Suche nach einem ehemaligen Bandkollegen von Siegmar Eck begibt. Oder wenn Regine Schadow, die die zweite Hauptfigur in diesem Kriminalroman ist, ihre Oma im Pflegeheim besucht.

    Toll sind auch die plastischen Beschreibungen der fiktiven Stadt Wechtershagen, deren geographisches Vorbild Neubrandenburg ist, Herkunftsort von Susanne Tägders Eltern. So erfahren wir es in der Danksagung ganz am Ende des Buches. In dieser schildert die Autorin auch, woher die Idee des Krimis stammte. Die Geschichte basiert nämlich auf einem wahren Fall, den die Journalistin Renate Meinhof 2002 in der Reportage "Das eisige Echo des Verdachts" für die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte. Ich empfehle eindringlich die Lektüre dieser Reportage, die sich einfach und kostenfrei im Archiv des Reporter-Forums finden lässt. Allerdings erst nach der Lektüre von "Das Schweigen des Wassers", denn es wäre schade, sich die bis zum Ende bestehende Spannung möglicherweise dadurch zu verderben, wenn man schon zu viel weiß.

    Im Klappentext meint Schrifstellerkollege Andreas Pflüger über Susanne Tägder: "Diese Autorin ist gekommen, um zu bleiben." Wünschenswert wäre es auch, wenn man sagen könnte "Dieser Kommissar ist gekommen, um zu bleiben", denn man fühlt sich dem Protagonisten am Ende so verbunden, dass man ihn schwer wieder loslassen möchte. Mit "Das Schweigen des Wassers" gelingt Susanne Tägder jedenfalls ein bemerkenswert großer Schritt in Richtung des bislang rein männlichen Triumvirats der höchsten Klasse der deutschen Kriminalliteratur, bestehend aus Friedrich Ani, Matthias Wittekindt und Jan Costin Wagner.

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Ein perfektes Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein perfektes Leben' von Leonardo Padura

Inhaltsangabe zu "Ein perfektes Leben"

Diskussionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:355
Verlag: Unionsverlag
EAN:
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Unter Raubtieren: Roman (Lenos Polar)

Buchseite und Rezensionen zu 'Unter Raubtieren: Roman (Lenos Polar)' von Colin Niel
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Unter Raubtieren: Roman (Lenos Polar)"

Diskussionen zu "Nichts vergeht (Ein Fall für Harriet Foster 2)"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:350
Verlag: Lenos Verlag
EAN:
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Rezensionen zu "Unter Raubtieren: Roman (Lenos Polar)"

  1. Jäger, Gejagte und umgekehrt

    Im Béarn - das ist in Südfrankreich gleich östlich vom Baskenland - sollen Bären angesiedelt werden. In den Zentralpyrenäen gibt es schon welche, nun will die Region auch ihre eigenen haben; aus Slowenien sollen sie kommen. In der Bevölkerung gibt es eine breite Front dagegen. Martin, einer der Naturpark-Ranger, will unbedingt wieder Bären im Béarn. Seine Hündin hat er nach einer bereits in einer Treibjagd "versehentlich" erschossenen Bärin namens Cannelle benannt; ihr Junges könnte noch leben - Martin hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, "Cannellito" wiederzufinden. Obwohl er eigentlich allgemein die Hoffnung für die Natur in den Pyrenäen aufgegeben hat: Martin ist fanatischer Naturschützer, besonders Jäger sind ihm verhasst; und das in einer Gegend, in der Kompromisse mit Einheimischen unabdingbar sind.

    Apolline, genannt, Apo, ist ein stilles Mädchen aus reichen Hause, Studentin. (Eine iherer entfernteren Nichten ist übrigens Maribé mit dem gepimpten Busen, die wir bereits aus "Nur die Tiere" kennen.) Apos Leidenschaft ist die Jagd. Das Jägergen hat sie vom Papa, im Gegensatz zu diesem ist sie aber introvertiert, postet keine Trophäenfotos auf Instagram oder Facebook und ist am liebsten allein in der Natur unterwegs. Ihr Papa nennt sie scherzhaft "Legolas": Apo jagt mit einem Hightech-Bogen. Kleinere Jagden, zum Beispiel auf Gazellen in Südafrika, hat sie bereits erfolgreich absolviert.

    Schauplatzwechsel nach Namibia: Komuti ist ein junger Mann vom Volk der Himba. Gemeinsam mit seinem Vater versorgt er eine große Ziegenherde, der ganze Besitz der Familie. Eine Dürreperiode zwingt die Familie dazu, die Herde in eine entlegene Weide zu treiben. Hier werden fast alle Ziegen, an die hundert Tiere, in wenigen Nächten von einem einzelnen männlichen Löwen gerissen. Der gleiche Löwe bedroht auch die Herden anderer Himbafamilien. Wie in einer solchen Situation üblich, bitten die Himba darum, dass der Löwe offiziell zum Abschuss freigegeben wird. Eine solche Jagdfreigabe, die es nur in Ausnahmefällen gibt, kann dem Staat Namibia viel Geld einbringen, weil Großwildjäger aus aller Welt viel Geld dafür bieten. Apos Papa sichert sich die Jagd als Geschenk für sie (und bezahlt dafür eine fünfstellige Summe!). Was der junge Himba Komuti als krasses Unrecht empfindet: Seine Herde ist es, die der Löwe tötete. Er sollte diesen Löwen zur Strecke bringen dürfen.

    In überaus kunstvoller Weise strickt Colin Niel seine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die nur wenige Wochen auseinander liegen. Im März geht Apo auf Löwenjagd in Namibia - im April entdeckt Martin auf Instagram ein Foto der jungen Bogenschützin mit einem leblos scheinenden Löwen zu ihren Füßen. Seine ganze verzweifelte Wut auf alle Jäger konzentriert sich auf die junge Frau. Schnell hat er herausgefunden, wo sie lebt, und beginnt sie zu belauern wie ein Jäger seine Beute. So sind es letztlich zwei Jagden, die hier parallel erzählt werden. Der Autor versteht es ausgezeichnet, Spannung aufzubauen, und an großartigen Naturschilderungen mangelt es nicht. Speziell die Szenen in den Pyrenäen, in denen gerade der letzte tückische Frühlingsschnee gefallen ist, sind von einer plastischen Wucht, die ihresgleichen sucht.

    Wie schon in "Nur die Tiere" haben wir es auch in "Unter Raubtieren" mit einer mehrsträngigen Erzählweise zu tun, bei der die Ereignisse unter sehr verschiedenen Gesichtswinkeln beleuchtet werden. Die Wirkung der beiden Bücher auf mich persönlich war sehr unterschiedlich. In "Nur die Tiere" war ich anfangs sehr angetan von den überzeugenden Charakter- und Landschaftsschilderungen, bis im letzten Viertel die Geschichte in eine merkwürdig groteske Kulmination gipfelte. Mit "Unter Raubtieren" ging es mir umgekehrt: Im ersten Drittel erscheinen die Charaktere recht plakativ, manchmal borniert; sobald die Geschichte Fahrt aufgenommen hat, entwickelt sich eine düstere, dramatische Tragödie mit der Folgerichtigkeit einer Lawine, die zu Tal rollt. Den Ausgang kann man auf den letzten Metern ahnen - was dem Entsetzen keinen Abbruch tut.

    In meinem Lesetagebuch habe ich zu "Nur die Tiere" vermerkt, dass man bei vier (oder waren es gar fünf?) verschiedenen Perspektiven aus extrem unterschiedlichen Milieus nicht erwarten könne, dass alle authentisch erscheinen. Mit "Unter Raubtieren" erging es mir ebenso. Ein in meinen Augen völlig entbehrlicher Bericht aus dem Kopf des gejagten Löwen wäre besser entfallen - weit anschaulicher ist übrigens ein ähnlicher, sehr viel kürzerer Bericht aus dem Kopf eines Bären, der einen kurzen Auftritt hat. Dazu kommt die bereits erwähnte Schwierigkeit mit den Charakteren: Apo bleibt eine geheimnisvolle Figur, obwohl lange Passagen aus ihrer Sicht geschildert werden; Martin tritt als ziemlich plumper Fanatiker auf, der erst in der zweiten Hälfte nach und nach "gebrochen" wird. Ich konnte mich nicht recht zur Höchstwertung durchringen - gebe vier von fünf möglichen Punkten, lieber wäre mir fünf von möglichen sechs. Leseempfehlung trotzdem!

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