Long Bright River: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Long Bright River: Roman' von Liz Moore
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Long Bright River: Roman"

Einst waren sie unzertrennlich, seit fünf Jahren sprechen sie nicht mehr miteinander, doch die eine wacht insgeheim über die andere. Jetzt aber ist die Lage bedrohlich geworden: Mickey, Streifenpolizistin in Philadelphia, findet ihre drogenabhängige Schwester Kacey nicht mehr auf den Straßen der Blocks, die sie kontrolliert und auf denen Kacey für ihren Konsum anschaffen geht.
Gleichzeitig erschüttert eine Reihe von Morden an jungen Prostituierten die von Perspektivlosigkeit und Drogenmissbrauch geplagte Stadt. In ihrem enorm spannenden Roman erzählt Liz Moore die Familiengeschichte von Mickey und Kacey und deren Entfremdung parallel zur Geschichte der Jagd nach einem Frauenmörder, die auch Mickey in große Gefahr bringt. Zugleich entwirft Liz Moore in diesem großen Roman das umwerfend authentische Porträt einer Stadt und einer Gesellschaft in der Krise.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:414
Verlag: C.H.Beck
EAN:
read more

Rezensionen zu "Long Bright River: Roman"

  1. Zwei Schwestern

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Mai 2020 

    Jetzt hatte ich wieder ein Knallerbuch in meinen Händen/vor meinen Augen. Eines von der Sorte, welches man nicht wieder weglegen kann, welches einen absolut fesselt. Ein Buch von der Sorte, wo man sich zwingen muss um 3:00 Uhr die Nachttischlampe auszumachen, obwohl man am nächsten Tag früh raus muss. Gerade jetzt ein Must Have, wie ich finde!

    In "Long Bright River" geht es um die Schwestern Mickey und Kacey aus einem etwas herunter gekommenen Viertel von Philadelphia, höchst unterschiedliche Frauen, die aber eines vereint, eine mit vielen Traumata behaftete Familiengeschichte, nun haben aber beide verschieden darauf reagiert, die eine, Mickey, wurde Streifenpolizistin und die andere, Kacey, rutschte ab. Drogen und Prostitution bilden den Rahmen für Kaceys weiteres Leben. Mickey hingegen versucht ein auf festen Pfeilern ruhendes Leben zu führen, aber einige Pfeiler sind nicht ganz so solide und bröckeln und nach und nach entsteht ein Bild einer zerrütteten Familie. Hier gibt es keine guten und keine schlechten Menschen, jeder trägt verschiedenes in sich und gerade diese Betrachtungsweise macht dieses Buch sehr authentisch. Dieses Buch ist einerseits eine wendungsreiche Kriminalgeschichte um die Morde an jungen Frauen und gleichzeitig eine absolut berührende Familiengeschichte und genauso ist dieses Buch eine Gesellschaftskritik, ein Blick auf die Drogenprobleme vieler Menschen in den USA. Etwas, was sehr mitnimmt, gerade wenn man den Titel des Buches und seine Erklärung im Text findet. Das ist etwas, was große Problematiken für dieses Land und seine Bewohner mitbringt, etwas, wo man sich gerade jetzt fragt, was passiert mit diesen Menschen in der Corona-Zeit? Und wo man hofft, dass der Großteil der Menschen in den USA endlich wach wird und dementsprechend wählt. Aber wenn man sich hierzulande umschaut, bekommt man es auch mit der Angst zu tun und fragt sich, wo der gesunde Menschenverstand mancher Mitmenschen abgeblieben ist! Die Spannung und der Sog des Buches waren riesig! Liz Moore ist definitiv ein Ausnahmetalent und ich bin sehr neugierig, was noch alles von dieser genialen Autorin zu uns kommt!

    Also, bitte unbedingt lesen!!!

  1. Spannender Pageturner vor realistischem Hintergrund

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Apr 2020 

    Mickey und Kacey sind Schwestern, die sich sehr auseinander entwickelt haben. Ihre Mutter ist relativ früh verstorben – an einer Überdosis. Laut Aussage der Großmutter gibt es auch den Vater nicht mehr. Die Großmutter hat die beiden Mädchen aus Verantwortungsgefühl übernommen und groß gezogen. Sie tat, was nötig war. Liebe, Fürsorge und Wärme gab es aber wenig, man lebte in bescheidenen Verhältnissen.

    Mickey schafft es, diesen zu entkommen. Sie ist eine fleißige Schülerin, absolviert eine Ausbildung zur Polizistin mit dem Ziel eines Tages Detective zu werden. Kacey ist der soziale Aufstieg nicht gelungen. Sie ist mittlerweile drogenabhängig und besorgt sich die notwendigen Mittel durch Prostitution. Obwohl die beiden Schwestern seit mehreren Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben, überwacht Mickey den Straßenstrich und die Stellen, wo sich Kacey normalerweise aufhält. Als jedoch Mordfälle an jungen Frauen die Stadt erschüttern und zeitgleich Kacey nicht mehr zu finden ist, wird die Schwester unruhig und forscht nach, eine Aufgabe, die sie in dunkle Kreise führt.

    Der Roman wird von Ich-Erzählerin Mickey erzählt. In der Gegenwart nimmt man Anteil an ihrem Leben als alleinerziehende Mutter, die zwischen Muttersein und Berufsalltag aufgerieben wird, zumal sie sehr hohe Ansprüche an sich selbst hat. Erschwerend hinzu kommt, dass sie in einer chauvinistischen Männerdomäne arbeitet und ihr Chef ihr nicht wohlgesonnen ist. Als Streifenpolizistin hat sie zudem ihren langjährigen Partner Truman verloren, mit dem sie vertrauensvoll zusammengearbeitet hat. In diesen Erzählstrang wird nun die spannende Suche nach dem Frauenmörder eingebettet. Es ist für Mickey offensichtlich, dass ihre Schwester ihm entweder schon in die Fänge geraten oder zumindest einer starken Gefährdung ausgesetzt ist. Sie ermittelt auf eigene Faust, geht Gefahren nicht aus dem Weg.

    Auf einer anderen Erzählebene erfahren wir immer mehr über die Kindheit und Jugend der beiden Schwestern. Wir bekommen Einblick in die Familienbande, die prekären Lebensumstände ohne Perspektiven. Der Roman ist sehr authentisch in Kensington, einem sozialen Brennpunkt der Stadt Philadelphia, angesiedelt. Dadurch bekommt man einen intensiven Blick auf das arme Amerika, auf die sozialen Nöte, die geringe staatliche Unterstützung. Der Weg Kaceys ins Drogenmilieu ist tragisch und doch schlüssig nachvollziehbar.

    Ich konnte diesen Roman kaum aus der Hand legen. Die Erzählebenen wechseln sich ab in „Damals“ und „Jetzt“, sie enden gerne mit einem Cliffhanger, so dass man wissen will, wie es weiter geht. Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Charaktere werden klar ausgearbeitet, ohne sich in gängigen Klischees zu verlieren, wie es häufiger bei amerikanischen Romanen der Fall ist. Der Verlag übertreibt nicht, wenn er das Buch als Kriminalroman und Sozialstudie zugleich bewirbt. Die Kombination ist wunderbar gelungen, man hat gleichermaßen Anspruch wie spannende Unterhaltung.

    Empfehlen möchte ich sowohl Buch als auch Hörbuch, das von Victoria Schätzle wunderbar gelesen wird. Mit Long Bright River habe ich meine übliche Lese-Komfort-Zone verlassen – mit großem Erfolg. Mit Überzeugung vergebe ich 5/5 Lesesterne.

  1. Ein Buch, das man nicht mehr weglegt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Feb 2020 

    Schade, vorbei, denke ich gerade und das denkt man nur bei den richtig guten Büchern. Das hier ist eins, ein Krimi mit Mehrwert, der eine Mordserie aufklärt, aber auch eine fesselnde Milieustudie bietet und dazu noch die anrührende Geschichte zweier Schwestern.

    Während Kacey, wie schon ihren Eltern, tief im Drogenmilieu landet, hat es Mickey geschafft. Sie ist Polizistin geworden und kontrolliert die Straßen Kensingtons, wo Junkies in abbruchreifen Häusern im Müll leben. Gelegentlich treffen sie aufeinander und benehmen sich wie Fremde, dabei waren sie als Kinder ein Herz und eine Seele.
    Als plötzlich mehrere junge Prostituierte tot aufgefunden werden, macht Mikey sich Sorgen. Kacey scheint verschwunden zu sein.

    Neben den aktuellen Geschehnissen blickt man immer wieder in die Kindheit der beiden Schwestern, ist dabei, wie sie sich auseinandergelebt haben und beide Schicksalsschläge hinnehmen mussten. Nach und nach klären sich die Rätsel. Wie kommt Mickey zu einem Sohn? Wer ist der Vater? Was hat die beiden auseinandergebracht? Und über allem schwebt die verhängnisvolle Frage: Wo ist Kacey? Lebt sie noch?

    Ich kann gar nicht genau den Finger darauf legen, was dieses Buch richtig macht, aber man fängt an und hört nicht mehr auf, obwohl gar nicht so sehr viel passiert.
    Die Sprache ist schön, ohne zu anspruchsvoll zu sein und schafft direkt Atmosphäre. Man ist nah dran an den Figuren, leidet mit und rätselt, wie denn wohl alles zusammenpassen mag. Zum Ende hin wird es sogar noch nervenzerfetzend.

    Meistens bin ich skeptisch, wenn ein Buch so durch die Bank gelobt wird, aber hier kann ich nur zustimmen: Es ist ein toll erzählter Pageturner, der ohne große Action fesselt und berührt. Dicke Empfehlung.

 

Robin und Lark: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Robin und Lark: Roman' von Alix Ohlin
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Robin und Lark: Roman"

"Robin und Lark" ist die Geschichte zweier Schwestern, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: die ältere klug, fleißig und still, die jüngere wild, impulsiv und eine begnadete Pianistin. Doch die ungleichen Mädchen verbindet ein starkes Band, nicht zuletzt entstanden durch die Nachlässigkeit der desinteressierten Mutter.
Als Lark Montreal verlässt, um in den USA aufs College zu gehen, verlieren sie jedoch beinahe vollständig den Kontakt - bis Robin eines Tages urplötzlich vor Larks Tür steht. Gemeinsam ziehen sie nach New York, wo Lark studiert und Robin das berühmte Musikkonservatorium Juilliard besucht. Sie wohnen zusammen, sind sich so nah wie lange nicht mehr. Bis wieder eine Schwester die andere verlässt: Robin verschwindet plötzlich von einer Konzertreise in Schweden. Fünf Jahre sehen sich die Schwestern nicht wieder...
Alix Ohlin erzählt atmosphärisch dicht von der Beziehung und dem Leben zweier Schwestern, von der unauflösbaren Verbundenheit dieser ungewöhnlichen, eigenwilligen Frauen. Ein Roman, in dem man versinkt, der einen in den Bann zieht und so schnell nicht wieder loslässt.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:336
Verlag: C.H.Beck
EAN:
read more
 

Die Optimisten

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Optimisten' von Rebecca Makkai
4.2
4.2 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Optimisten"

Die Liebe in schwierigen Zeiten.

Chicago, 1985: Yale ist ein junger Kunstexperte, der mit Feuereifer nach Neuerwerbungen für seine Galerie sucht. Gerade ist er einer Gemäldesammlung auf der Spur, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verleihen könnte. Er ahnt nicht, dass ein Virus, das gerade in Chicagos „Boys Town“ zu wüten begonnen hat, einen nach dem anderen seiner Freunde in den Abgrund reißen wird.
Paris, 2015: Fiona spürt ihrer Tochter nach, die sich offenbar nicht finden lassen will. Die Suche nach der Tochter gestaltet sich ebenso zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, denn in Paris trifft sie auf alte Freunde aus Chicago, die sie an das Gefühlschaos der Achtzigerjahre erinnern und sie mit einem großen Schmerz von damals konfrontieren.
Die Optimisten ist eine zutiefst bewegende Geschichte darüber, wie Liebe uns retten, aber ebenso vernichten kann, und wie uns traumatische Ereignisse ein Leben lang prägen können, bis Heilung möglich wird.

PULITZER PRIZE FINALIST

NATIONAL BOOK AWARD SHORTLIST

AUSGEZEICHNET MIT DER ANDREW CARNEGIE MEDAL

AUSGEZEICHNET MIT DEM LOS ANGELES TIMES BOOK PRIZE

NEW YORK TIMES 10 BEST BOOKS 2018

»Ein Pageturner ... eine packende und tief bewegende Geschichte über das Leben in schwierigen Zeiten.« Michael Cunningham in der The New York Times Book Review

»Fesselnd, spannend, wunderschön.« The Boston Globe

»Warmherzig und mehrdimensional erzählt ... Süchtigmachend.« The San Francisco Chronicle

»Vielstimmig, grandios.« The Chicago Tribune

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:624
Verlag: Eisele eBooks
EAN:
read more

Rezensionen zu "Die Optimisten"

  1. Auch in Krisenzeiten gilt: Immer optimistisch bleiben

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Jun 2020 

    Der Roman spielt auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen. Die eine beginnt im Jahre 1985 in Chicagos „Boystown“, einer Gegend, in der viele schwule junge Männer leben, lieben, feiern und das Leben genießen. Bis die bis dahin unbekannte Krankheit AIDS droht, dieses Dasein komplett zu beenden.

    Wir lernen Yale und Fiona auf Nicos Trauerfeier kennen. Yale war Nicos Freund, Fiona seine Schwester. In der Zeitebene von 1985 ist Yale die Hauptfigur. Er ist leidenschaftlicher Kunstexperte und arbeitet für eine kleine Galerie. Die Bekanntschaft mit Fiona führt zum Kontakt mit der über 90-jährigen Nora, die in ihrer Jugend Modell für bekannte Maler saß. Aus dieser Zeit verfügt sie noch über einige Bilder, die sie Yales Galerie stiften möchte. Die Familie nicht beglückt darüber, weil sie dann den Erbanspruch verlieren würde. Es entwickelt sich eine höchst interessante Auseinandersetzung rund um die Kunstwerke.
    Yales Privatleben scheint in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Er lebt seit Jahren mit Charlie in einer monogamen Partnerschaft, er hat einen großen Freundeskreis. An den Wochenenden trifft man sich in unterschiedlichen (Schwulen-)Bars, genießt das Leben, kämpft aber auch für die eigenen Rechte. Eingetrübt wird die Stimmung erst durch das neue Virus HIV, das Lücken in die Schwulenszene reißt. Trotzdem bleiben die jungen Männer optimistisch, versuchen mit der Bedrohung zu leben. Mancher lässt sich testen, mancher will es gar nicht wissen. Man hilft den Betroffenen, die vielfach keinen Kontakt mehr zu ihren Familien haben, in den Phasen der Krankheit bis hin zum Tod. So bedrückend dieses Szenario scheint, so gut ist es der Autorin gelungen, den Blick stets nach vorne zu richten, ohne allzu große Trübsal aufkommen zu lassen. Der Roman wirkt nie hoffnungslos. Ich denke, dass dort auch der Titel des Buches herrührt.

    Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 2015, also 30 Jahre später. Fiona steht nun im Mittelpunkt, die nach Frankreich gereist ist, um ihre verschollene Tochter Claire zu suchen. Claire soll mit dem falschen Mann in die Fänge einer Sekte geraten sein, sie hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. Fiona vermutet, dass sie mittlerweile eine kleine Tochter haben könnte.
    In Paris wohnt Fiona bei ihrem alten Freund, dem mittlerweile berühmten Fotografen Richard Campo, der damals in Chicago zum engsten Freundeskreis ihres Bruders Nico gehörte und noch Kontakte zu den Überlebenden von damals hat. Nach und nach wird Fiona, die offenbar vielen Sterbenden aus der Schwulenszene in ihren letzten Wochen beigestanden hat, mit ihrer verdrängten Vergangenheit, mit ihrer Trauer und erlittenen Verletzungen konfrontiert, die weitreichende Auswirkungen auf ihr eigenes Familienleben gehabt haben. So sind diese Tage in Paris nicht nur eine Suche nach Claire, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit und Einkehr eigene Ich, die neue Erkenntnisse zutage fördern. Wie nebenbei eingewoben werden auch die grausigen Terroranschläge vom 13. November 2015 mit ihren Folgen für die Pariser Bevölkerung.

    Die Zeitebenen wechseln sich kapitelweise ab. Beide Geschichten entwickeln ihren eigenen Sog, zum Ende hin erfährt man immer mehr Details aus der Vergangenheit, die Erklärungen liefern und Zusammenhänge zur Gegenwart herstellen, was etwas Erleuchtendes hat. Diese Komposition ist Makkai sehr gut gelungen.
    Das Buch entwickelt eine unglaubliche Wucht, weil man als Leser die Tragödie der um sich greifenden AIDS-Erkrankung hautnah aus erster Hand vor Augen geführt bekommt. Was für viele von uns damals nur Schlagzeilen aus einer anderen Welt waren, erhält auf einmal eine höchst persönliche Note: Zunächst war da nur die allgemeine Ungläubigkeit, bis man sah, was die Krankheit mit den Betroffenen machte: Sie höhlte aus, verursachte hässliche Ausschläge, inaktivierte die Immunabwehr und führte schließlich auf brutale Weise und unumkehrbar zu Tod. Die Nachricht, dass ein naher Freund erkrankt war, führte nicht nur zu Betroffenheit, sondern mitunter zu monatelanger Angst, auch selbst infiziert zu sein. Eine Angst, die erst durch den erlösenden Test genommen (oder bestätigt) werden konnte. Medikamente gab es noch nicht, AIDS war ein Todesurteil. Es blieb nur die Hoffnung auf einen möglichst späten Ausbruch der Krankheit. Dazu kam die Ächtung und allgemeine Diskriminierung der Schwulen in der Gesellschaft. Das alles wird sehr authentisch und doch unsentimental erzählt.

    Beide Erzählebenen lesen sich völlig unkompliziert, man hat keine Probleme beim Wechseln und Folgen. Insofern ist es ein entspannender Roman, der zudem zufällig zum richtigen Zeitpunkt erschienen ist: mitten in der Corona-Krise. Wieder bringt eine unbekannte Krankheit Tod und Leid über die Menschen und zwingt zur Veränderung von Gewohnheiten.

    „Die Optimisten“ ist ein wunderbares Buch zum Abtauchen. Es bringt einem eine vergangene Krise ins Bewusstsein, macht aber auch vor aktuellen Herausforderungen nicht Halt. Es hält eine erstaunliche Anzahl wirklich sympathischer Figuren parat, von denen nicht viele überleben. Trotzdem ist der Grundton optimistisch. Fiona hat in ihrem Leben viel Gutes geleistet und darüber ihre eigene Familie vernachlässigt. Am Ende hilft immer nur das Nachvorneschauen, ohne sich an Vergangenem festzuhalten. Das ist das, was man aus diesem überaus lesenswerten Roman mitnehmen kann: Immer optimistisch bleiben!

  1. Boystown

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mai 2020 

    Im Chicago Mitte der 1980er leben Yale und seine Freunde in einer eingeschworenen Community. Das Leben könnte so schön sein, gäbe es da nicht diese unheimliche Krankheit, die Lücken in ihre Reihen reißt. Fiona ist eine der wenigen jungen Frauen, die als Nicos Schwester ein festes Mitglied der Gemeinschaft ist. Und Nico ist einer der ersten aus ihren Reihen, der der Krankheit erliegt. Was soll dieses Virus? Sie wollten sich doch gerade ihren Platz in der Gesellschaft erobern, sie wollten feiern, sie wollten Spaß. Keiner wollte so jung sterben.

    Auf zwei Zeitebenen ist dieser Roman angesiedelt. Zum einen wie erwähnt in den 80ern des letzten Jahrhunderts - wie weit weg das klingt - und zum anderen im Jahr 2015 als Fiona nach Paris reist, um nach ihrer Tochter zu suchen. Überraschend trifft sie in der Stadt der Liebe ein paar der alten Bekannten wieder und damit erstehen auch die alten Zeiten vor ihrem inneren Auge wieder.

    Die Autorin zieht einen selbst in die Erinnerung an die eigene Jugend. Auch wenn man wegen der dörflichen Herkunft im direkten Umfeld nicht allzu viel mitbekam, so war die Krankheit und das Virus allgegenwärtig. Die Lust am Feiern wurde jäh ausgebremst, auf einmal war Vorsicht geboten. Und der Gedanke, mich betrifft es nicht, bot keine Erleichterung. Es konnte jeden treffen. Wie schlimm muss es da erst unter denen gewesen sein, die eigentlich nur ihr Leben leben wollten, beruflich durchstarten und ihre Liebe genießen? Plötzlich wurden Freunde, Kollegen und Liebste von ihrer Seite gerissen und doch steckten sie manchmal den Kopf in den Sand. Und Fiona mitten drin, häufig der letzte Halt für ihre Freunde.

    Mit dem von ihr gewählten Thema berührt die Autorin, besonders wenn man eine Erinnerung an die aufkommende Bedrohung hat. Gerade heutzutage wo es auch gilt gegen eine bedrohliche Krankheit, gegen die es kein Mittel gibt, anzukämpfen, bekommt das Buch eine zusätzliche Aktualität. Allerdings schafft die Autorin es nicht, einem die handelnden Personen wirklich nahe zu bringen. Vielleicht ist die Handlung etwas zu episodenhaft erzählt. Dennoch regt das Buch zum Nachdenken an und einige Szenen sind wirklich herzzerreißend.

  1. Ein interessanter, bewegender und hochaktueller Pageturner!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Mai 2020 

    Zwei Geschichten werden erzählt und geschickt miteinander verwoben. Sie greifen ineinander, werden schließlich zu einer Geschichte und am Ende schließt man das über 600-seitige Werk mit einem zufriedenen Lächeln und der Gewissheit, ein interessantes, berührendes und unterhaltsames Buch gelesen zu haben, das man nicht so schnell vergessen wird.

    Am einen Ende die Aids-Krise in Chicago (1980-er Jahre), am anderen Ende die Terroranschläge in Paris (2015).
    Dazwischen Krankheit und Tod. Leben, Leidenschaft und Liebe. Freundschaft, Verbundenheit, Vergebung und Treue.

    Die ganze Palette an Emotionen wird im Verlauf des Romans ausgelöst, aber zu keinem Zeitpunkt wird er kitschig oder rührselig.

    Nach dem Öffnen des Buches landen wir auf einem „Leichenschmaus“. Aber nicht in einer Gaststätte, sondern im eleganten Brownstone-Haus von Richard in Chicago im November 1985.

    Der väterliche, gut situierte, homosexuelle und talentierte Fotograf Richard hat eine Trauerfeier für die schwulen Bekannten und Freunde des vor drei Wochen an Aids verstorbenen, erst 25 Jahre alten Comiczeichners Nico organisiert.

    Auf der offiziellen Trauermesse ist die schwule Community nicht erwünscht.

    Neben dem 31-jährigen Yale und dem um 5 Jahre älteren Charlie, Nicos besten Freunden, ist auch Fiona, Nicos um vier Jahre jüngere Schwester, auf dem Fest bei Richard.
    Diese fünf Personen, Fiona, Nico, Yale, Charlie und Richard, werden uns den ganzen Roman über begleiten.

    Fiona und ihr verstorbener Bruder Nico waren eng miteinander verbunden.
    Er wurde mit 15 Jahren von den Eltern verstoßen. Sie hat sich mit ihrem Bruder solidarisiert und ihm und ihren gemeinsamen Freunden bis zuletzt die Treue gehalten.

    Yale und Charlie haben Nico am Sterbebett versprochen, sich um Fiona zu kümmern.
    Ein Versprechen, das letztlich in umgekehrter Weise eingelöst wurde.

    Alkohol, Drogen, Dia-Show… Eine feuchtfröhliche Party ist bei Richard im Gang. Genau so hätte es Nico gefallen.

    Yale wird auf dem Fest von Erinnerungen und Wehmut übermannt und zieht sich in ein Schlafzimmer in der ersten Etage zurück, um innerlich zur Ruhe zu kommen.
    Als er nach einiger Zeit wieder herunterkommt sind alle verschwunden. Das Haus ist wie ausgestorben.

    Was ist da passiert?
    Auf die Antwort müssen wir erst einmal warten, denn mit dem nächsten Kapitel gelangen wir ins Jahr 2015.

    Die inzwischen 51-jährige Fiona ist Psychologin und Geschäftsführerin eines Gebrauchtwarenladens „mit Mission“: Mit Umsatz und Erlös setzt sich Fiona für Aids-Erkrankte ein - eine Lebensaufgabe in Erinnerung an all‘ ihre verstorbenen Freunde und Bekannte.

    Im Moment befindet sie sich in einem Flugzeug nach Paris.
    Sie will dort mit Hilfe eines Privatdetektivs ihre Tochter Claire suchen, die sich vor einigen Jahren einer Sekte angeschlossen hat.

    Während ihres Aufenthalts wird sie bei Richard, dem mittlerweile 80-jährigen berühmten Fotografen, den wir bereits im ersten Kapitel kennengelernt haben und der damals die Trauerfeier für Fionas Bruder Nico organisiert hatte, wohnen.

    Nach diesem Kapitel wechseln wir regelmäßig zwischen 1985 ff und 2015 hin und her.
    Das Tolle dabei ist, dass jeder der beiden Erzählstränge interessant, unterhaltsam und packend ist und bewundernswert ist, wie die Autorin zwischen diesen beiden Ebenen eine Brücke schlägt.
    Es wirkt mühelos und unaufgeregt, wie sie die beiden Zeitstränge durch Personen, Geschehnisse und Erinnerungen verbindet.

    Wir lesen von den 1980-er Jahren, in denen das HIV-Virus zu grassieren und wüten begann und auch eine Bedrohung für Chicagos Schwulenszene wurde.
    Wir tauchen in „Chicagos Aidskrise“ ein, lesen von Tests, fehlenden Behandlungsmöglichkeiten, persönlichen Schicksalen, Vorurteilen, Ausgrenzungen und Demonstrationen.
    Mit rasanter Geschwindigkeit erkranken und sterben Infizierte. Die beängstigende Atmosphäre und die verunsicherte Grundstimmung erinnern an die momentane Bedrohung durch das Coronavirus. Ein Wiedererkennungseffekt, der gleichermaßen erschreckend wie faszinierend ist.

    Wir erfahren etwas über Yales Alltag in der Galerie, für die er gerade eine wertvolle Gemäldesammlung ergattern will, über Charlies Arbeit als Herausgeber der Zeitung „Out Loud Chicago“, einer „Schwulenzeitung“, und über die Liebesbeziehung der beiden Männer, die immer wieder von Charlies ungerechtfertigter Eifersucht überschattet wird.

    Die oben erwähnte wertvolle Gemäldesammlung stammt von Fionas und Nicos 90-jähriger Großtante Nora. Wir lernen aber nicht nur die faszinierende alte Dame, die einst Kunst studierte und bei berühmten Künstlern in Paris Modell saß, kennen, sondern auch Frank, ihren geldgierigen Sohn und Debra, ihre verwöhnte und übellaunige Enkelin, die beide mit der Spende nicht so ganz einverstanden sind.

    Ob es Yale schließlich gelingen wird, die Sammlung für die Galerie zu gewinnen und ob Fiona ihre Tochter in Paris finden wird, erzähle ich hier natürlich nicht, aber diese Geschichten in der Geschichte sind spannend, verschaffen einen interessanten Einblick in einen wichtigen Bereich der Kunstszene und zeigen auf, wie schnell Missverständnisse entstehen können, wie leicht Beziehungen Risse bekommen können und wie schwierig, unsinnig und unmöglich es oft ist, Schuld zuzuweisen.

    Rebecca Makkai schreibt empathisch, liebevoll, bewegend und ausdrucksstark.
    Sie zeichnet authentische und lebendige Charaktere und verwendet dabei eine flüssig zu lesende und bildhafte Sprache mit wunderschönen Formulierungen und Metaphern.

    Hier einige Kostproben:
    „Normalerweise war er ein Gummiball aus kinetische Energie…“ (Kindle, Pos. 219)

    Toll formuliert, so wahr und auch zum Schmunzeln: „Als ich in ihrem Alter war, dachte ich, ab 50 würde es nur noch bergab gehen. Tja. Die Vorteile, die zur Altersdiskriminierung führen, sind die einzigen, die sich von selbst korrigieren, nicht wahr?“ (Kindle, Pos. 2285)

    Welch schöne Metapher, um eine Infektionskette zu beschreiben: „Sie waren menschliche Dominosteine. Wie konnte er nicht wissen, dass er der nächste Dominostein in der Reihe war?“ (Kindle, Pos. 2594)

    Mit dieser Formulierung kann man sich die Szene doch ganz genau vorstellen: „Er ließ sich auf einen Barhocker sinken, SCHÄLTE die Sohlen vom klebrigen Boden und bestellte einen Manhattan.“ (Kindle Pos. 4457)

    Vielleicht überlegt sich der ein oder andere interessierte Leser skeptisch, dass er in einer real virusdominierten Welt nichts über ein anderes Virus lesen möchte, dass die Realität genug Schwere und Ernst bereithält und dass es gerade deshalb besonders bedeutsam ist, für ausgleichende Ablenkung und Unterhaltung zu sorgen.

    Ich habe vor der Lektüre keine dieser Überlegungen angestellt, weil ich blind auf Elke Heidenreichs Empfehlung vertraute, die keine Details über den Inhalt verriet.

    Jetzt, am Ende der Lektüre kann ich voller Überzeugung sagen, dass man den Roman auch bedenkenlos lesen kann, wenn man sich im Vorfeld diese Gedanken macht.

    Es geht zwar um eine ernste und berührende Thematik, aber der Roman ist vielschichtig, abwechslungsreich und durchweg fesselnd, kurzweilig, interessant und unterhaltsam.
    Makkai gelingt es, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Schwere und Leichtigkeit herzustellen.

    An dieser Stelle macht es Sinn, auf den Titel des Romans zu verweisen. Er heißt nicht umsonst „Die Optimisten“ und verweist zurecht darauf, dass es hier trotz schwerer und ernster Grundthematik nicht um Ausweglosigkeit, Pessimismus und Depression geht.
    Im Verlauf und vor allem gegen Ende des Romans wird klar, warum die Autorin gerade diesen Titel gewählt hat, der ein Gegengewicht zur mit dem Thema assoziierten Stimmung darstellt.

    Ich flog durch die Seiten und bezeichne ihn gerne als absolut lesenswerten Pageturner.

  1. Von Aids und vom Tod

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Mai 2020 

    Kurzmeinung: Verliert leider mit der Zeit durch Geschwätzigkeit und zu viele Handlungselemente.

    In dem Roman „Die Optimisten“ geht es um die Schwulenszene in den 1980ern in Chicago und die Veränderungen, die eintreten als das tödliche Aids-Virus ausbricht wie eine Seuche, gegen die man nichts tun kann.

    „Plötzlich ist Sex nicht mehr nur Sex“, lässt die Autorin ihren Hauptprotagonisten sagen. Sondern besetzt mit Angst und Krankheit, Verdächtigungen und aufgebrachten Unterstellungen gegenüber dem Gesundheitswesen und der Politik. Die sie (gefühlt) alle im Stich lassen. Denn zuerst hat man sich in der Szene endlich frei gefühlt, waren die 1980er die Zeiten des sexuellen Comingouts überhaupt und der Möglichkeit, sich auszuprobieren und von langhergebrachten Fesseln der Konventionen zu lösen. Das Paradies schlechthin! Und nun das: Zurück auf Null und von der Gesellschaft geächtet, ausgestoßen.

    Yale und Charlie sind ein monogames Paar, das schützt sie in diesen Zeiten vor Ansteckung und Tod. Der eine, Charlie, leitet mit Engagement und großem Erfolg eine Schwulenzeitung, der andere ist in der Kunstsparte tätig. Yale ist führender Angestellter einer der Northwesternuniversität angegliederten Galerie und fürs Fundraising zuständig. Dieses Fundraising umfasst sowohl finanzielle Zuwendungen wie auch das Anlandziehen von Vermächtnissen möglichst wertvoller Kunstgegenstände. Gerade ist Yale dabei, einer alten Dame zuzureden, der Galerie ihre millionenschweren Bilder zu vermachen und sie nicht der Familie zu überlassen. Eine schwierige Aufgabe. Zeitgleich: Das Idyll des schwulen Paares, Yale und Charlie, zerbricht als einer der beiden fremdgeht und sich ansteckt. Ist auch der andere angesteckt?

    Positiv ist zunächst herauszustellen, dass die Autorin das Geschehen der Schwulenszene in Chicago, das Aufkommen von Aids, die erschütternden Krankengeschichten sowie diverse politische Ereignisse, einschließlich der Kunstszene Chigacos, sehr authentisch darstellt.

    Leider auch akribisch. Die sorgfältige Recherche der Autorin führt deshalb zu manchen Längen. Subjektiv und drastischer ausgedrückt: Das Buch ist zu lang und ersäuft an seiner Detailfülle.

    Nach der Hälfte der Zeit verliert die geneigte Leserin allmählich das Interesse. Woran liegts im Einzelnen?

    Zwei parallel geführte Handlungstränge wechseln sich unnötigerweise regelmässig ab und lassen das Interesse erlahmen. Erstens hängen sie nur lose zusammen und zweitens gibt es keinen ersichtlichen Grund für den ständigen Wechsel, beide Stränge werden nicht immer dichter zusammengeführt, sondern bleiben für sich stehen bis zum Ende.

    Die Protagonisten, Yale in den 80igern und Fiona um 2015, begeistern nicht. Sie haben zu wenige Facetten. Leblos sind sie nicht und sie schwätzen auch eine Menge. Aber sie sind zu beschäftigt, um zu wirken. Yale mit seiner Kunst und dem Schwulsein und Fiona mit der Suche nach ihrer Tochter und Enkelin. Wer sind Fiona und Yale wirklich? No idea. Das Sosein kommt zu kurz.

    Die Handlung ist viel zu vollgestopft. Nicht nur verfolgen wir den sehr komplizierten Fundraisingsfall Yales in allen Einzelheiten, sondern auch seine Beziehungen zu Charles und zu quasi jedem, der ihm über den Weg läuft. Diverse Krankheitsverläufe und Todesfälle werden in der Rückschau beobachtet.

    In Paris wird es vollends wirr. Wir hasten mit einem Privatdetektiv durch die Gassen, brechen eine Wohnung auf, bereiten eine Ausstellung vor, arbeiten alte Beziehungen auf, haben sexuelle Abenteuer und erleben einen terroristischen Anschlag. Dazu schwätzen die Protagonisten ununterbrochen (vor sich hin). Dialoglastig ist ja per se nicht verkehrt, nur dann, wenn dies zum Nachteil "der Persönlichskeitsbildung" geht, dann schon.

    Fazit: Die historische Darstellung der Chicagoer Schwulenszene, einschließlich deren Verortung in Politik und Gesellschaft ist gut gelungen. Der zweite Teil mit Paris und allem drum und dran jedoch ist für ärgerliche Längen verantwortlich. Es wäre besser gewesen, ihn gar nicht zu bringen. Die Charakterzeichnungen hätten ausgeprägter sein können, ja müssen! Fiona ist eine sehr langweilige Person.

    Insgesamt ist der Roman schon gut lesbar, aber der große Wurf ist es nicht.

    Kategorie: (Fast historischer) Roman. Belletristik.
    Verlag: Eisele, 2020

  1. Ein Buch, das nicht spurlos am Leser vorbeigeht

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Apr 2020 

    Das Original, “The Great Believers”, rief in der englischsprachigen Literatur eine enorme Resonanz hervor – als habe der Roman endlich, endlich eine Lücke geschlossen, endlich ein kaum überwundenes Trauma in die richtigen Worte gefasst.

    Eine zugleich begeisterte und erschütterte Rezension folgte auf die nächste, der Roman wurde für einige Preise nominiert und gewann auch zahlreiche davon.

    Ich kann kaum in Worte fassen, was dieses Buch in mir hervorrief.

    Ich erinnere mich noch an die Zeit, als Aids sich das erste Mal durch die Nachrichten brannte wie ein Buschfeuer. Der Schock, aber vielerseits auch die direkt folgende Beschwichtigung: Gott sei Dank, dass mir das nicht passieren kann – das betrifft ja nur die Schwulen. (Erst später wurde klar: Aids kann auch Hetereosexuelle treffen.)

    Und so rückte eine Minderheit auf die furchtbarste Art ins Rampenlicht, während ihr Leid zugleich reißerisch ausgeschlachtet und marginalisiert wurde.

    Rebecca Makkai zollt diesem Leid drei Jahrzehnte später Respekt und echtes Mitgefühl.
    Das liest sich durchaus spannend, das liest sich sogar unterhaltsam, aber es reißt auch tiefe Wunden ins Leserherz, es bewegt, verstört und wühlt auf. Die Charaktere sind glaubhaft und komplex, und man hat immer im Hinterkopf: Wirst du das Buch überleben? Und du? Und du? Bitte, wenigstens du… Es schnürt einem die Kehle zu – und ja, ich habe geweint.

    Das ist meisterhaft geschrieben, in einer Sprache, die die Atmosphäre der Zeit und die Gefühle der Protagonisten mühelos zum Leben erweckt – da trifft jeder Satz ins Mark. ‘Zum Leben erweckt’? Da bin ich gerade vor meinen eigenen Worten erschrocken, die ungewollt zynisch wirken, wo doch nur wenige Charaktere das Buch überleben.

    Warum soll man das lesen? Warum sollte man sich das antun?

    Warum liest man überhaupt Bücher, die auf wahren Begebenheiten beruhen, wenn diese Begebenheiten schrecklich waren? In meinen Augen tut man das (auch), weil man die menschliche Natur verstehen will, die sich nie so prägnant und glasklar zeigt wie in Zeiten der Angst und des Schmerzes. “Die Optimisten” erfüllt genau dieses Bedürfnis nach Verstehen und Verständnis.

    Und der Roman zeigt ja nicht nur das Leid und den Schmerz, sondern auch die Hoffnung, die bedingungslose Liebe und die tief empfundene Freundschaft, ein wahres Kaleidoskop an Gefühlen. Da wird nichts künstlich aufgebauscht, nichts dramatisiert, aber auch nichts geschönt oder verharmlost.

    Die Autorin lässt die Gefühle der Charaktere, stellvertretend für die Gefühle der damals tatsächlich Betroffenen, ganz unaufdringlich einfach nur wirken. Sie gibt den Betroffenen eine Stimme und sie gibt auch den Schuldgefühlen der Überlebenden Raum. Und das wirkt so echt, dass man sich kaum vorstellen kann, dass Yale und seine Freunde nie wirklich gelebt haben.

    Der zweite Handlungsstrang im Jahr 2015 öffnet eine Tür für die Hoffnung.

    Hier wird deutlich: Heilung nach einem traumatischen Erlebnis ist möglich, doch erst müssen die eigenen Gefühle aufgearbeitet werden. Fiona, die die meisten ihrer Freunde überlebt hat, begreift, dass sie die Vergangenheit endlich loslassen muss, um das Verhältnis zu ihrer Tochter zu retten.

    Dieser Teil des Buches ist bitter nötig, denn wenn das Leid dargestellt wird, sollte auch die Hoffnung nicht verschwiegen werden. Der Autorin gelingt hier meines Erachtens die genau richtige Balance, ohne als Mehrgenerationenroman in die Kitsch-Falle zu tappen.

    Fazit

    In Chicago des Jahres 1985 rafft ein neuer Virus junge, bisher gesunde Männer aus der Schwulenszene dahin: Aids, das erst gar nicht ‘Aids’ hieß, sondern ‘Gay People’s Immuno Deficiency Syndrome’, weil man da noch dachte, es könne nur Schwule betreffen. Der junge Kunstexperte Yale muss zusehen, wie seine Freunde reihenweise sterben – immer in der Angst, er könnte der Nächste sein.

    Dreißig Jahre später wird Fiona, die Nichte eines Aids-Opfers, die im Kreise seiner größtenteils ebenfalls verstorbenen Freunde aufwuchs, erneut mit dieser Epoche konfrontiert.

    Rebecca Makkai beschreibt die Zeit, in der es noch keine Medikamente gegen Aids gab und Abertausende von Menschen auf furchtbare Art und Weise starben, ungeschönt, dabei aber nicht sensationsheischend, sondern mit Empathie und großem Respekt. Das geht unter die Haut, ist aber gerade deswegen sehr lesenswert.

 

The Chain - Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind

Buchseite und Rezensionen zu 'The Chain - Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind' von Adrian McKinty
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "The Chain - Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind"

Ein Thriller, der mit unseren schlimmsten Ängsten spielt, bis zum letzten Atemzug: Stell dir vor, sie kidnappen dein Kind, um es zurückzubekommen, musst auch du ein Kind entführen …

Was als ganz normaler Tag begann, wird zum Albtraum für die alleinerziehende Rachel, als ihre 13-jährige Tochter auf dem Weg zur Schule verschwindet. Die einzige Spur: Das Handy des Mädchens wird an der Bushaltestelle gefunden. Tatsächlich erhält Rachel kurz darauf einen Anruf von der Entführerin. Die Frau am Hörer – ebenfalls Mutter eines entführten Kindes –, gibt sich als Kylies Kidnapperin zu erkennen. Sie ist Teil des perfiden Netzwerks »The Chain«. Und sie hat Rachel auserwählt, die Kette der Kindes-Entführungen weiterzuführen: Wenn Rachel ihr Kind lebend wiedersehen will, muss sie nicht nur binnen weniger Stunden das Lösegeld auftreiben – sie muss ihrerseits ein Kind entführen und dessen Eltern dazu bringen, dasselbe zu tun. Die Kette muss weitergehen …

Höllischer Nervenkitzel aus den USA vom preisgekrönten Autor Adrian McKinty.

»›The Chain‹ gehört in die Liga der Weltklasse-Thriller à la ›Gone Girl‹ und ›Das Schweigen der Lämmer‹.«
Don Winslow

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:353
Verlag: Knaur eBook
EAN:
read more

Rezensionen zu "The Chain - Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind"

  1. Ohne Unterbrechung

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Die alleinerziehende Rachel glaubte, ihre Krebserkrankung sei überwunden. Doch die letzten Blutwerte machen weitere Untersuchungen notwendig. Ihre 13jährige Tochter Kylie ist Rachels Sonnenschein. Als Kylie eines Tages nicht von der Schule heimkehrt, ist Rachel äußerst besorgt. Die Gedanken an die Krankheit treten völlig in den Hintergrund. Schlimmer wird es noch als Rachel nur Kylies Handy findet. Und dann erhält Rachel einen Anruf. Eine ihr unbekannte Frau, behauptet, sie sei Teil einer Kette und sie habe Kylie nur entführt, damit sie ihr eigenes Kind wiederbekommt. Rachel ist entsetzt, welche Bedingungen ihr die Kette stellt, damit sie selbst ihre geliebte Tochter bald wieder in den Armen halten kann.

    Gerade geschieden und nicht gesund, in solch einer Situation möchte man jeglichen Stress vermeiden. Rachel hat mehr als Streß während sie langsam realisiert, in was für seine Lage sie geraten ist. Ihre Gedanken laufen auf Hochtouren, ihre Gefühle spielen verrückt, sie ist so angespannt, wie man es nur sein kann. Und natürlich ist sie bereit, alles zu tun, was für die Freilassung ihrer Tochter verlangt wird. Ihr Ex-Mann darf nichts erfahren, er würde sofort zur Polizei gehen. Kann sie überhaupt irgendwen um Hilfe bitten. Zunächst muss sie alleine mit der Situation zurechtkommen.

    Der Autor Adrian McKinty ist mit seiner Reihe um den irischen Bullen Sean Duffy vielleicht besser bekannt. Mit „Der Kette“ hat er seinen Schauplatz nach Amerika verlegt und einen rasanten Thriller herunter geschrieben. Ein spannendes Buch allemal, das ausdrucksstark vorgetragen wird von Sandra Borgmann. Allerdings muss man zunächst mit der Idee, die sicher ungewöhnlich ist, anfreunden, was nicht ganz einfach ist. Lässt man sich schließlich doch von der spannenden Handlung packen, so nimmt das Buch jedoch eine Wendung, die ihm noch mehr seiner Glaubwürdigkeit nimmt. Wenn man dann noch an die anderen Bücher (selbst wenn man nicht alle kennt) des Autors denkt, wird der vorliegende Roman es nicht ganz leicht haben, zu überzeugen.
    Krude, aber spannend.

 

Ein feiner Typ: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein feiner Typ: Roman' von Willy Vlautin
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ein feiner Typ: Roman"

Ein herzzerreißender Roman über wahre Freundschaft und Loyalität. --- Eigentlich ist er zu alt und sein Rücken macht ihm zu schaffen, aber Mr Reese geht in seinem einfachen Leben in den Bergen von Nevada ganz auf. Deshalb will er seine Farm eigentlich Horace übergeben. Der ist wie ein Sohn für ihn und sein bester Mann auf der Ranch. Aber obwohl auch Horace die Tiere und die Arbeit mit ihnen eigentlich liebt - es drängt ihn in die Stadt. Der Hütejunge muss sich und der Welt unbedingt beweisen, dass er mehr ist als das »Halbblut«, von dem die eigene Mutter nichts wissen wollte. Auch wenn er ahnt, dass es Mr Reese das Herz bricht, geht Horace nach Tucson, Arizona, um sich dort als Preisboxer ganz neu zu erfinden. Doch als Mr Reese zu lange nichts von dem Jungen hört, sorgt er sich und fährt los, um ihn zu suchen. --- »Überwältigend … Willy Vlautin ist inzwischen einer der großen Autoren Amerikas.« – Roddy Doyle

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:337
EAN:
read more
 

Mittellage

Buchseite und Rezensionen zu 'Mittellage' von William H. Gass
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mittellage"

Dies ist das herausragende literarische Opus von einem der großen Autoren seiner Generation. Ein grandioser Bildungsroman mit musikalischer Grundierung und das kunstvoll komponierte Porträt eines Angepassten, mit weiten Ausflügen in Politik, Historie, Soziologie, Psychologie und, nicht zuletzt, in die jüngere Musikgeschichte, von Schönberg bis Cage.

Die Mittellage ist das eingestrichene C auf dem Klavier, und der mittelmäßige Pianist Joey Skizzen kann es nicht spielen, weil auf seinem Instrument die Taste kaputt ist. Skizzen ist ein kleiner, skurriler Assistenzprofessor für Musik an einer unbedeutenden Universität im Mittleren Westen der USA - erklärter Hypokrit und Menschenfeind, ein Ge- und Vertriebener des Jahrhunderts, dem er angehört: Sein katholischer Vater floh vor den Nazis aus Österreich, indem er sich als Jude ausgab, und ließ die Familie dann in London sitzen. Mit Mutter und Schwester emigriert Skizzen in den streng protestantischen amerikanischen Bible Belt, wo er seinerseits das Leben eines Hochstaplers führt, um seiner verhassten Durchschnittlichkeit Glanzlichter aufzusetzen. Er gibt sich als Schönberg-Spezialist aus und lügt erfolgreich über seine Ausbildung und Vergangenheit. Zu Hause richtet er, wenn er nicht gerade Dosen in eine Tonne an der Wand tritt, auf dem Dachboden ein «Museum der Unmenschlichkeit» ein, sammelt Zeitungsartikel und Gräuelbilder. Seine Angst, die Menschheit werde vielleicht nicht überleben, ist längst von der Angst abgelöst worden, sie könnte bestehen bleiben …

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:608
EAN:
read more
 

Mit Blick aufs Meer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mit Blick aufs Meer: Roman' von Elizabeth Strout
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mit Blick aufs Meer: Roman"

Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis

Crosby, eine kleine Stadt an der Küste von Maine. Hier ist nicht gerade sehr viel los. Doch sieht man einmal genauer hin, ist jeder Mensch eine Geschichte und Crosby die ganze Welt. Elizabeth Strout fügt diese Geschichten mit liebevoller Ironie und feinem Gespür für Zwischenmenschliches zu einem unvergesslichen Roman.

Sie kann manchmal eine rechte Nervensäge sein: Olive Kitteridge, die pensionierte Lehrerin. Weil sie zu allem, was in dem Städtchen Crosby geschieht, eine dezidierte Meinung hat, halten sie einige für überkritisch. Dann wieder überrascht sie durch Selbstlosigkeit und Mitgefühl. Sie mischt sich ein und macht sich ihre Gedanken über ihre Mitmenschen: die schrille Barpianistin, die insgeheim einer verlorenen Liebe nachtrauert, einen ehemaligen Schüler, der keinen Sinn mehr im Leben sieht, ihren eigenen Sohn, der sich von ihren Empfindlichkeiten bevormundet fühlt, ihren Mann Henry, der die Ehe mit ihr nicht nur als Segen, sondern manchmal auch als Fluch empfindet. Und während sich die Menschen in Crosby mit ihrem ganz normalen Leben herumschlagen, den Problemen wie den Freuden, lernt Olive auf ihre alten Tage, das Leben zu lieben.

Elizabeth Strouts Roman erzählt von Liebe und Kummer, von Toleranz und Aufbegehren. »Mit Blick aufs Meer« ist ein weises und anrührendes Buch über die Natur des Menschen in all seiner Verletzlichkeit und Stärke, erfrischend ehrlich und unglaublich schön.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:353
EAN:
read more

Rezensionen zu "Mit Blick aufs Meer: Roman"

  1. Im Großen und Kleinen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2020 

    In dem kleinen Küstenort Crosby/Maine lebt Olive Kittridge, namensgebend für den Originaltitel, gemeinsam mit ihrem Ehemann Henry. Wir sehen Bilder ihrer Ehe, lernen die komplizierte Mutter-Sohn Beziehung zu Christopher kennen. Wie kleine Schubladen öffnen sich Erzählungen über ein Sammelsurium an anderen Bewohnern, Freunden, Nachbarn.
    Mit Blick aufs Meer ist eine Aneinanderreihung kleiner Geschichten alter Menschen, junger Menschen, Menschen, die miteinander alt werden, deren Leben sich kreuzen und wieder auseinanderlaufen, sich lieben, sich trennen. Mit all ihren Hoffnungen, Sehnsüchten, Ängsten und Träumen. Durch alle Geschichten hinweg ist Olive Kittridge das verbindende Element. Olive die dickliche alternde ehemalige Lehrerin. Olive, die so herrisch sein kann, kategorisch, etwas Gnadenloses hat sie an sich, und dann wiederum ist sie so verletzlich in ihrem Kummer, wenn sie an ihren verstorbenen Vater denkt oder um eine junge Frau weint, die sie kaum kennenlernen konnte. Das Leben zeigt sich in allen Facetten, leben sterben, lieben, verlieren, neu entdecken.
    „Sie weiß, dass Einsamkeit der Tod sein kann…Nach Olives Überzeugung braucht man zum Leben, was sie bei sich „Auftrieb“ nennt. Auftrieb im Großen, das sind Dinge wie Heiraten oder Kinder, Beziehungen, die uns über Wasser halten, aber solch mächtiger Auftrieb birgt gefährliche Unterströmungen in sich. Deshalb braucht man dazu noch den Auftrieb im Kleinen: ein freundlicher Verkäufer bei Bradlees etwa oder die Kellnerin bei Dunkin’ Donuts, die weiß, wie man seinen Kaffee möchte. Keine leichte Sache also.“
    Mit Olive zu leben war nie einfach, nicht für Henry, nicht für Christopher. Olive verhält sich nach außen hin oft unmöglich, trägt ihr Herz auf der Zunge, kann übergriffig bis gemein sein. Wenn es darauf ankommt, ist sie eine die zupackt, nicht wegsieht. Manchmal überkommt sie eine dunkle Schwärze, eine seltene Angst, ein Hunger nach dem Leben, Liebe Zuneigung.
    „Vor seinem eigenen Hunger darf man nicht weglaufen. Wer vor seinem eigenen Hunger wegläuft, ist auch nur eine Schießbudenfigur wie all die anderen.“
    Mit Blick aufs Meer ist ein sehr melancholisches Buch. Elizabeth Strout erzählt in ruhiger, klarer Sprache von Großen Dingen und unzähligen Kleinigkeiten des Lebens, völlig unaufgeregt und rührt trotzdem kleine feine Emotionen auf. Es ist ein leises Buch, manchmal unwirsch, dann wieder ganz behutsam und hinterlässt eine angenehme Erinnerung.

  1. Nicht weglaufen vor dem eigenen Hunger

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Jul 2020 

    Zwei Klammern halten die 13 Erzählungen in Elizabeth Strouts 2009 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Erzählband "Mit Blick aufs Meer" zusammen: die fiktive US-Kleinstadt Crosby an der nördlichen Küste von Maine und die ehemalige Mathematiklehrerin Olive Kitteridge, nach der die 2008 erschienene Originalausgabe benannt ist.

    Crosby ist ein Durchschnittsstädtchen mit Kirche, Grange Hall der Farmervereinigung und Lebensmittelladen. Genauso durchschnittlich sind seine Bewohnerinnen und Bewohner, die in den Geschichten abwechselnd aus dem Schatten ins Rampenlicht treten. Es sind Menschen wie der Psychiater Kevin Coulson aus New York, der in „Flut“ mit Selbstmordabsichten in seinen Heimatort zurückkehrt, die Barpianistin Angela O’Meara aus „Frau am Klavier“ mit Alkoholproblemen und unglücklichen Männerbeziehungen, die magersüchtige Nina White, die in „Hunger“ die verwitwete Daisy und den verheirateten Harmon noch enger zusammenschweißt, oder Julie Harwood, die in „Flaschenschiff“ am Hochzeitstag von ihrem Verlobten im Stich gelassen wird.

    Beim Bummel durch Crosby werfen wir einen Blick auf die Wendepunkte in ihrem Dasein, um uns dann der nächsten Figuren zuzuwenden. Lediglich Olive Kitteridge ist in allen Geschichten präsent, mal am Rande, mal im Zentrum. Ihr Leben und das ihrer Familie gibt Orientierung und steckt den zeitlichen Rahmen über mehrere Jahrzehnte ab.

    Raue Schale, weicher Kern
    Als ehemalige Mathematiklehrerin an der Crosby Junior High School kennt Olive jede und jeden im Städtchen. Dort wie in ihrer Familie wird sie mehr gefürchtet als gemocht. Ihre scharfe Zunge, ihr aufbrausendes Temperament und ihre radikale Ehrlichkeit sind anstrengend und berüchtigt. Nicht nur ihr gutmütiger, allseits beliebter Mann Henry, sondern vor allem ihr Sohn Christopher haben darunter zu leiden. Doch Olive wäre nicht Olive, wenn sie es nicht zugeben könnte:

    "… tief in mir sitzt etwas, und ab und zu pumpt es sich voll wie der Kopf eines Tintenfisches und stößt einen Schwall von Schwärze aus. Ich habe mir das nicht ausgesucht, aber so wahr mir Gott helfe, ich habe meinen Sohn geliebt." (S. 95/96)

    Zugleich kann Olive, die den Smalltalk hasst, aber in Notfällen zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftaucht und die richtigen Worte findet, ebenso einfühlsam wie verletzlich sein. Sie verabscheut ihre Korpulenz und Grobknochigkeit, möchte geliebt werden und lieben:

    "„Ich bin auch am Verhungern“, sagte Olive. Das Mädchen schaute zu ihr herüber. „Klar“, sagte Olive. „Oder was glaubst du, warum ich jeden Doughnut esse, den ich in die Finger kriege?“" (S. 126/127)

    Das Herausragende im Alltäglichen finden
    Immer wieder hat mich "Mit Blick aufs Meer" an die wundervollen Bücher von Kent Haruf erinnert, die alle im Städtchen Holt, Colorado, spielen. Hier wie dort stehen ganz gewöhnliche Menschen mit ihren alltäglichen Höhen und Tiefen im Mittelpunkt, geht es um Jugend und Alter, Eheprobleme und Ehefreuden, Familie, Tod, Befreiungsschläge und immer wieder um den Kampf gegen die Einsamkeit. Elisabeth Strout hat mich mit diesem ebenso empathisch wie kitschfrei erzählten Buch bestens unterhalten und Olive Kitteridge bleibt als Romanfigur im Gedächtnis – mit ihrer Gespaltenheit und Lebensweisheiten wie dieser:

    "Vor seinem eigenen Hunger darf man nicht weglaufen. Wer vor seinem eigenen Hunger wegläuft, ist auch nur eine Schießbudenfigur wie all die anderen." (S. 255)

  1. Kleinstadtgeschichten

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Jun 2020 

    Elizabeth Strout hat für diesen Roman 2009 den renommierten Pulitzerpreis erhalten. Sie porträtiert hierin die Einwohner einer fiktiven Kleinstadt in Maine, an der Ostküste der USA.
    Der Roman besteht aus insgesamt 13 Erzählungen mit wechselnden Protagonisten. Aber eine Gestalt taucht in den meisten Geschichten auf, mal als Hauptfigur, mal nur am Rande und verbindet so die einzelnen Episoden zu einem Ganzen: Olive Kitteridge, die Ehefrau, dann die Witwe des Apothekers, zuerst Mathematiklehrerin , später pensioniert.
    Olive ist eine vielschichtige Figur. Sie weckt beim Leser widerstreitende Gefühle und wird auch von den verschiedenen Personen im Buch unterschiedlich wahrgenommen. Sie ist zum einen gnadenlos ehrlich, schroff und sehr direkt, blind gegenüber ihren eigenen Fehlern ( zumindest am Anfang ) , dann aber wieder unerwartet warmherzig, hilfsbereit und einfühlsam.
    Ihr Mann Henry ist stets freundlich und zuvorkommend, allen gegenüber. Seine Gefühle zu einer jungen Angestellten von ihm sind anfangs eher väterlich, beschützend, später gehen sie tiefer. Aber eine Affäre bzw. eine Scheidung kommt für ihn nicht in Frage. Genauso wenig wie für Olive, die sich in einen Arbeitskollegen verliebt. Zu einem Bruch zwischen dem Ehepaar Kitteridge kommt es bei einem Überfall. Unter dieser Extremsituation sagt Olive Dinge, die besser ungesagt geblieben wären. Henry ist nicht mehr bereit, dies seiner Frau nachzusehen, vor allem, weil sie sich auch nie für irgendetwas entschuldigt. Erst im Alter, nach dem Tod ihres Mannes, erkennt Olive, wie viel Liebe Henry ihr entgegengebracht hat und wie oft sie diese unachtsam weggeschoben hat.
    Das Verhältnis zum Sohn Christopher ist schwierig. Obwohl Olive immer ihre Liebe zu ihm betont, erfährt der Leser, dass sie keine besonders gute Mutter war . Erst mit 38 Jahren heiratet Christopher etwas überstürzt und zieht weg. Nur so ist es ihm möglich, sich aus der erdrückenden Beziehung zu seiner Mutter zu lösen. Die Eltern sind natürlich enttäuscht, dass er nicht in dem Haus leben möchte, das sie für ihn gebaut haben. Bei einem späteren Besuch von Olive in New York hofft man auf eine Annäherung zwischen Mutter und Sohn, aber vergeblich. Hier werden viele Vorwürfe Christophers endlich ausgesprochen.
    Im letzten Kapitel wird der Leser mit Olive versöhnt. Die Schicksalsschläge haben ihre Sichtweise auf sich und ihre Mitmenschen verändert. Sie erkennt die Fehler, die sie gemacht hat und findet vielleicht noch ein letztes Glück.
    Auch in den anderen Geschichten, bei denen man verschiedene Bewohner der Kleinstadt näher kennenlernt, geht es um die kleineren und größeren Tragödien des Lebens, um Trauer, um Einsamkeit, um Lebenslügen und zerbrechende Illusionen. So erzählt die Autorin von einer Barpianistin mit einem Alkoholproblem, von einer Witwe, die mit einem verheirateten Mann eine Affäre hat , von einem magersüchtigen Mädchen, einem selbstmordgefährdeten Exschüler usw.
    Elizabeth Strout versteht es , unverwechselbare, lebendige Charaktere zu erschaffen. Bei aller Tragik ist der Roman doch oft auch komisch. Das alles ist klug und liebevoll erzählt, voller Weisheit und Lebenserfahrung.

 

Born to Run: Die Autobiografie

Buchseite und Rezensionen zu 'Born to Run: Die Autobiografie' von Bruce Springsteen
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Born to Run: Die Autobiografie"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:672
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453201316
read more
 

Flirting with Fire (Saving Chicago 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Flirting with Fire (Saving Chicago 1)' von Piper Rayne
4
4 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Flirting with Fire (Saving Chicago 1)"

Jeder weiß, dass es gefährlich ist, mit dem Feuer zu spielen. Weil man sich dabei verbrennen kann …  


Eigentlich wollte ich gar nicht an dem Ehemaligentreffen meiner Highschool teilnehmen, doch meine Freundinnen haben mich überredet. Sie waren es auch, die bei der Bachelor-Versteigerung in meinem Namen auf ein Date mit meinem ehemaligen Highschoolschwarm geboten haben. Ja, richtig gehört, selbst als ich „Fatty Maddie“ genannt wurde, stand ich auf den Quarterback unseres Footballteams. Nicht, dass er mich jemals beachtet hätte. Inzwischen verdient Mauro Bianco sein Geld im Kampf gegen das Feuer, aber wenn ich an ihn denke, steht mein Herz noch immer in Flammen. Ein Date, das ist alles, was ich versprochen habe. Nur ein paar Stunden, dann kann ich ihn wieder in der alten Schuhschachtel verstauen, die ganz hinten in meinem Schrank steht. 

Doch wie immer hat das Universum andere Pläne. Niemals hätte ich gedacht, dass Mauro innerhalb weniger Tage von meinem Highschoolschwarm zu meinem Geschäftspartner werden würde. Und auch nicht, dass die Vergangenheit uns so schnell einholt …

Meinungen zum Buch:
Wunderbar romantisch, dramatisch und ein Hauch Gefahr. Alles, was ein guter Liebesroman braucht. Toll! (Buchhändlerin Cosima Gläser)

Von Piper Rayne sind bei Forever by Ullstein erschienen:
The Bartender (San Francisco Hearts 1)
The Boxer (San Francisco Hearts 2)
The Banker (San Francisco Hearts 3)
The One Best Man (Love and Order 1)
The One Right Man (Love and Order 2)
The One Real Man (Love and Order 3)

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:288
Verlag: Forever
EAN:
read more

Rezensionen zu "Flirting with Fire (Saving Chicago 1)"

  1. leider nichts Neues

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Feb 2020 

    Maddison kauft Häuser und restauriert sie. Bei einer Auktion ersteigert sie zusammen mit einer Highschoolliebe ein Haus um es zusammen zu bearbeiten. Aber das ist nur der Anfang einer Liebesgeschichte.

    Am meisten hat mich bei diesem Buch das Cover angesprochen. Es sieht sehr nach Feuerwehrmann aus, worum es ja auch geht. Und das ohne extrem freizügig zu sein. Der Klappentext ist spannend und gut auf die Story abgestimmt, ohne zu viel zu verraten.

    Der Schreibstil war schnell und flüssig lesbar und ich habe es sehr gemocht, dass die Geschichte aus beiderlei Sicht beschrieben wird. Das gibt dem Ganzen noch ein bisschen mehr Tiefe.
    Madison also Charakter hat mir gut gefallen. Man erfährt aber gerade mal das nötigste von ihr. Was davon zu halten ist, muss jeder selbst entscheiden. Mir macht es nichts, dass man nur limitierte Infos von ihrem Leben bekommt. Es reicht auf jeden Fall um gut in der Geschichte zu sein.
    Mauro hat sich zu einem sehr liebenswerten Mann entwickelt, so war er doch in der Highschool noch das Arschloch. Wobei man in der Szene, die in der Highschoolzeit spielt, schon bemerkt, dass da etwas mehr hinter Mauros Fassade ist.

    Allgemein ist die Story nichts Neues. Das Paar versteht sich gut, lernt sich kennen und von irgendwo kommt jemand her, der das ganze versucht zu sabotieren. Bei einem Missverständnis wird weggelaufen anstatt sofort damit zu konfrontieren und somit unnötiges Drama geschaffen. Und das Ende hab ich so auch vorhergesehen. Wobei es da auch noch einen kleinen Twist gab um Lust auf den nächsten Band zu schaffen. Denn das war wirklich ein ganz mieser Cliffhanger.
    Was mich noch etwas gestört hat, war, dass ich bei der Brandszene das Gefühl hatte, da schreibt jemand, der sich keine wirklichen Gedanken darum gemacht hat und noch nie eine Feuerwehrserie gesehen hat. Oder sind die eher unrealistisch und diese Szene war es? Ich habe keine Ahnung.

    Das Buch an sich war nicht schlecht aber es ist definitiv kein Must Read.

  1. Typisches Piper Rayne Buch

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Jan 2020 

    Inhalt: „Flirting with fire“ von Piper Rayne ist am 29.11.2019 bei Forever erschienen. Es ist der erste Band der neuen „Blue Collar Brothers“-Reihe.
    Maddie wird von ihren beiden Freundinnen dazu überredet zum Ehemaligentreffen ihrer alten Highschool zu gehen. Genau diese beiden sind es auch die Maddie bei der Bachelorversteigerung ein Date mit Mauro Bianco verschaffen. Maddie ist wenig begeistert. Immerhin ist Mauro ihr Jugendschwarm und war damals der Quarterback, während sie von allen nur Fat-Maddie genannt worden ist. Das Date mit dem heutigen Feuerwehrmann läuft nicht wirklich gut. Doch dann ändert sich alles schnell und die beiden werden Geschäftspartner. Die Vergangenheit spielt aber auch noch eine Rolle...

    Meinung: Das Cover finde ich gelungen. Man weiß sofort, dass es um einen Feuerwehrmann geht. Die benutzten Farben gefallen mir gut. Übersetzt wurde das Buch von Cherokee Moon Agnew. Der Schreibstil gefällt mir gut. Das Buch lässt sich schnell und gut lesen. Mit 288 Seiten ist es auch nicht so dick. Dem Autoren-Duo, das hinter dem Pseudonym Piper Rayne steckt, ist es gelungen, dass man sich direkt problemlos in die Geschichte einfindet. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Maddies und Mauros Sicht.
    Dass die beiden Autorinnen sexy Helden mit Humor mögen, beweise sie auch wieder mit Mauro. In der Highschool ist er schon der beliebte und attraktive Quarterback gewesen, der sich vor Angeboten von Frauen kaum retten konnte. Auch heute kommt der Feuerwehrmann sehr gut bei den Frauen an. Doch mittlerweile ist er es leid nur auf sein Äußeres reduziert zu werden. Als Geschäftspartner möchte er Maddie zeigen, dass so viel mehr in ihm steckt. Was mich ein bisschen gestört hat, war sein Name. Natürlich ist so etwas immer eine Geschmackssache, aber mir persönlich gefällt er nicht. Er und Maddie sind beide kämpferische Personen. Sie setzen sich für das ein, was ihnen wichtig ist und richtig erscheint. Maddie ist dank ihrer Highschoolzeit etwas unser was ihren Körper angeht. Zwischendurch fand ich es etwas zu viel, so dass es ein bisschen nervig wurde. Natürlich kann ich sie verstehen. Insgesamt mochte ich Maddie ganz gerne.
    Genauso wie in Piper Raynes anderen Buchreihen, geht es auch in der neuen Reihe wieder um Freundinnen, die in jeweils einem einzelnen Band ihre große Liebe finden. Mir gefällt es, dass sie ihrem Motto treu bleiben. Auch in diesem Band lernt man schon die nächsten Hauptpersonen kennen, die ich bisher nett finde. Besonders gerne von den Nebencharakteren mochte ich Luca und Lauren, weswegen ich auch besonders froh bin, dass es in Band drei um die beiden gehen wird. In Band zwei geht es mit Mauros anderem Bruder Cristian und Maddies bester Freundin Vanessa weiter.
    Es gibt auch wieder einen Gastauftritt von einem alten Bekannten aus einer anderen Reihe von Piper Rayne.

    Fazit: Das Buch hat mich gut unterhalten. Die Geschichte war nichts besonderes, aber hat mir gefallen. Piper Rayne ist ihrem Stil treu geblieben. Definitiv etwas für alle die Piper Rayne Fans sind und/oder gerne sexy Feuerwehrmänner und Humor mögen.

  1. Gefiel mir gut

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Jan 2020 

    In der Highschool wurde Maddie „Fatty Maddie“ genannt, was sie nicht davon abhielt, für den Quarterback des Footballteams zu schwärmen. Doch Mauro Bianco hat sie nie beachtet. Mittlerweile liegt die Highschool mehrere Jahre zurück und es steht ein Ehemaligentreffen an. Bei dieser Gelegenheit haben Maddies Freundinnen in ihrem Namen auf ein Date mit Mauro geboten, der heute ein Feuerwehrmann ist. 

    Die Beschreibung des Romans hat mich sehr neugierig gemacht und ich habe mir eine tolle Story voll knisternder Momente erhofft. Außerdem kannte ich bisher noch kein Buch dieser Autorin und war dementsprechend sehr neugierig. 
    Der Schreibstil gefiel mir gut, er war bildhaft und lebendig und das Buch ließ sich sehr zügig lesen. 
    Die beiden Hauptcharaktere Maddie und Mauro haben mir beide gut gefallen. Ihre Entwicklungen in den neun Jahren seit der Highschool wirkten echt und nachvollziehbar. Das ist eine lange Zeit, in der grundsätzlich viel persönliche Entwicklung stattfindet, was man hier deutlich merkt. Als spätere Geschäftspartner empfand ich beide sehr harmonisch und stimmig miteinander. 
    Die Story fand ich interessant und ich war gespannt, wie sich die Beziehung der beiden entwickeln wird. Ich konnte prima mitfiebern. Sehr schön war die Mischung aus Humor und Romantik. Es gab auch viele gefühlvolle und knisternde Momente. Maddies Selbstzweifel waren stets präsent und auch nachvollziehbar, haben mich dennoch manchmal etwas gestört. 

    Die Geschichte hat mir gut gefallen und sie konnte mich gefangen nehmen. Gerne möchte ich mehr von dieser Autorin lesen und freue mich auf die weiteren Bände dieser Reihe. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  1. Gerne für zwischendurch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Nov 2019 

    Wer die Bücher von Piper Rayne kennt und liebt, weiß da kann man nicht viel falsch machen. Auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht.

    Das Schöne bei den Büchern ist, die Protagonistin ist das unscheinbare Mädchen von nebenan, die die immer denkt, dass sie eigentlich höchstens eine sechs wäre bei möglichen zehn Punkten. Genau das ist Madison. Sie ist eine von drei Freundinnen und hält sich für das Mauerblümchen, weil ihre beiden Freundinnen Lauren und Vanessa einfach viel mehr Ausstrahlung und Wirkung haben als sie.

    Und dann passiert es. Bei einer Wohltätigkeitsversteigerung ersteigert eine der beiden Freundinnen für Madison ein Date mit Mauro dem Feuerwehrmann. Mauro, der Schwarm aller Mädchen auf der Highschool und der unerreichte Traum von Madison, hat jetzt ein Date mit ihr. Madison ist völlig verunsichert und macht bei diesem Date dann auch tatsächlich alles falsch. Aber das Leben hält ja noch mehr Zufälle bereit. Beide treffen sich kurze Zeit erneut wieder und ersteigern, nach kurzer Überlegung, gemeinsam ein Haus um dieses gemeinsam zu rekonstruieren. Das und wie nahe sie sich dabei kommen und vor allem, ob es für Madison eine Chance bei Mauro gibt. Lest es selbst, ihr werdet nicht enttäuscht.

    Ich wusste, worauf ich mich bei dem Buch einlasse und lag genau richtig. Die Heldinnen bei Piper Rayne sind immer die Antihelden, sozusagen die aus der zweiten Reihe. Normalerweise erhalten sie selten eine Lobby. Hier bei den Autorinnen kommen sie groß heraus. Man leidet mit ihnen, denn es gibt, wie im normalen Leben immer Konflikte. Und man freut sich, wenn dann doch alles so kommt, wie man es sich für die Heldin einer solchen Geschichte wünscht.

    Das Buch liest sich angenehm. Toll fand ich die jeweils wechselnden Kapitel aus der Sicht von Madison und Mauro, das machte das Buch umso lesenswerter. Ich bin durch das Buch geflogen, haben mit Madison gelitten und gezittert und gehofft, dass es für sie perfekt ausgeht.

    Von mir gibt es für Liebhaber dieser Bücher eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

 

Mercy Seat: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mercy Seat: Roman' von Elizabeth H. Winthrop
5
5 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mercy Seat: Roman"

Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes.
Nach einer wahren Begebenheit, psychologisch fein und in einer an William Faulkner erinnernden multiperspektivischen Intensität erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse bis zum überraschenden Ende. Ein meisterhaftes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt und das niemanden kaltlassen wird.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:251
Verlag: C.H.Beck
EAN:
read more

Rezensionen zu "Mercy Seat: Roman"

  1. Absolut lesenswert!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Dez 2019 

    Die Autorin katapultiert uns tief in den rassistischen amerikanischen Süden der 1940er Jahre und lässt uns dort einen Tag miterleben.

    Die „grausige Gertie“, ein transportabler elektrischer Stuhl und keinesfalls ein „Mercy Seat“, wird auf einem Truck nach St. Martinville in Louisiana transportiert. Dort soll um Mitternacht Will, ein junger Schwarzer hingerichtet werden.
    Die Anklage: Vergewaltigung eines weißen Mädchens, das sich anschließend das Leben nahm.
    Man erkennt schnell, dass sowohl beim Prozess als auch bei der Anklage etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.
    Was da vor sich geht, ist haarsträubend und unfassbar!

    In jedem Kapitel wird eine andere Person beobachtet und verfolgt. So werden nach und nach die verschiedenen Protagonisten vorgestellt und aus verschiedenen Puzzleteilen entsteht ein berührendes, beklemmendes und empörendes Bild.
    Diese Erzählweise ist abwechslungsreich, interessant und kurzweilig. Man fliegt förmlich durch das Buch.

    Wir lernen Lane und Seward kennen, die beiden Männer, die die „grausige Gertie“ nach St. Martinville transportieren.
    Wir lernen Dale und Ora kennen, die Tankstellenbesitzer, deren Sohn im Kriegsdienst ist.
    Wir lernen Hannigan kennen, den Priester, der an seinem Glauben zweifelt.
    Wir lernen Polly Livingstone, den Staatsanwalt, der die Verurteilung ausgesprochen hat, seine Frau Nell und seinen Sohn Gabe, der von rassistischen Dorfbewohnern als Druckmittel benutzt wird, kennen.
    Wir lernen Frank und Elma kennen, die Eltern des zum Tode verurteilten jungen Mannes.
    Und natürlich lernen wir Will kennen, der in einer Gefängniszelle sitzt und auf seine Hinrichtung wartet.

    Durch wunderschöne und detaillierte Beobachtungen werden uns Orte und Szenen nahegebracht. Wir bekommen präzise Einblicke in die Gedankenwelt der jeweiligen Protagonisten.
    Die Geschichte ist beklemmend und empörend. Sie berührt und wühlt auf. Eine gespannte Neugierde wächst, je näher es Richtung Mitternacht, dem Zeitpunkt der geplanten Hinrichtung, geht.

    Es ist ein Buch, in dem man sich ab einem bestimmten Zeitpunkt unweigerlich fragt, was man selbst getan hätte, weil man das Dilemma erkennt. Man spürt Druck, Angst und Verzweiflung und ist sich gleichzeitig der unaussprechlichen Schuld bewusst, die mit einer bestimmten Entscheidung verbunden wäre.

    Es ist auch ein Buch, in dem man sich - mal wieder - fragt, warum um alles in der Welt die Hautfarbe ein Wertkriterium sein soll.

    Ich finde den Roman absolut lesenswert und empfehle ihn gerne weiter.

  1. Absolut lesenswert!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Dez 2019 

    Die Autorin katapultiert uns tief in den rassistischen amerikanischen Süden der 1940er Jahre und lässt uns dort einen Tag miterleben.

    Die „grausige Gertie“, ein transportabler elektrischer Stuhl und keinesfalls ein „Mercy Seat“, wird auf einem Truck nach St. Martinville in Louisiana transportiert. Dort soll um Mitternacht Will, ein junger Schwarzer hingerichtet werden.
    Die Anklage: Vergewaltigung eines weißen Mädchens, das sich anschließend das Leben nahm.
    Man erkennt schnell, dass sowohl beim Prozess als auch bei der Anklage etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.
    Was da vor sich geht, ist haarsträubend und unfassbar!

    In jedem Kapitel wird eine andere Person beobachtet und verfolgt. So werden nach und nach die verschiedenen Protagonisten vorgestellt und aus verschiedenen Puzzleteilen entsteht ein berührendes, beklemmendes und empörendes Bild.
    Diese Erzählweise ist abwechslungsreich, interessant und kurzweilig. Man fliegt förmlich durch das Buch.

    Wir lernen Lane und Seward kennen, die beiden Männer, die die „grausige Gertie“ nach St. Martinville transportieren.
    Wir lernen Dale und Ora kennen, die Tankstellenbesitzer, deren Sohn im Kriegsdienst ist.
    Wir lernen Hannigan kennen, den Priester, der an seinem Glauben zweifelt.
    Wir lernen Polly Livingstone, den Staatsanwalt, der die Verurteilung ausgesprochen hat, seine Frau Nell und seinen Sohn Gabe, der von rassistischen Dorfbewohnern als Druckmittel benutzt wird, kennen.
    Wir lernen Frank und Elma kennen, die Eltern des zum Tode verurteilten jungen Mannes.
    Und natürlich lernen wir Will kennen, der in einer Gefängniszelle sitzt und auf seine Hinrichtung wartet.

    Durch wunderschöne und detaillierte Beobachtungen werden uns Orte und Szenen nahegebracht. Wir bekommen präzise Einblicke in die Gedankenwelt der jeweiligen Protagonisten.
    Die Geschichte ist beklemmend und empörend. Sie berührt und wühlt auf. Eine gespannte Neugierde wächst, je näher es Richtung Mitternacht, dem Zeitpunkt der geplanten Hinrichtung, geht.

    Es ist ein Buch, in dem man sich ab einem bestimmten Zeitpunkt unweigerlich fragt, was man selbst getan hätte, weil man das Dilemma erkennt. Man spürt Druck, Angst und Verzweiflung und ist sich gleichzeitig der unaussprechlichen Schuld bewusst, die mit einer bestimmten Entscheidung verbunden wäre.

    Es ist auch ein Buch, in dem man sich - mal wieder - fragt, warum um alles in der Welt die Hautfarbe ein Wertkriterium sein soll.

    Ich finde den Roman absolut lesenswert und empfehle ihn gerne weiter.

  1. Mercy Seat!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Sep 2019 

    Es ist 1943 in Louisiana. Der junge Will Jones wurde wegen Vergewaltigung zum Tod durch den elektrischen Stuhl verurteilt. Das Urteil ist Unrecht, alle wissen es und niemand spricht es aus. Denn das vermeintliche Opfer war Wills Geliebte Grace, die Will nicht mehr helfen kann, die sich aus Verzweiflung umbrachte.
    In Mercy Seat berichtet Elizabeth H. Winthrop vom Tag vor der Hinrichtung. Dabei hält sich die Autorin an eine wahre Begebenheit, die so oder so ähnlich stattgefunden hat.
    Es ist nicht ungewöhnlich in den USA, auch heute noch, dass schwarze Männer für das gleiche Delikt schärfer bestraft werden, als weiße. Ungewöhnlich war, dass für Vergewaltigung die Todesstrafe verhängt wurde. Aber ungewöhnlich war auch, dass Will ein weißes Mädchen, Grace, liebte. Nicht ungewöhnlich war, dass man ihn dafür büßen ließ.
    Der Rassismus ist allgegenwärtig in dem beeindruckenden Roman, verankert in den Köpfen wie ein umgekehrtes Menschenrecht. Elizabeth H. Winthrop schreibt feinfühlig, völlig ohne Pathos. Es sind viele Stimmen, die sie erzählen lässt. Da sind Dale und Ora, das Ehepaar betreibt eine Tankstelle. „Nur für Weiße“ steht dort, weil es dort schon immer stand. Ora vermisst schmerzlich ihren Sohn, der in den Krieg ziehen musste. Sie will keinen Unterschied mehr machen zwischen den Menschen.
    Das sind der Bundesstaatsanwalt Polly, seine Frau Nell und sein Sohn Gabe. Polly hatte ganz besondere Gründe, das Urteil gegen Will zu erlangen. Da ist Hannigan , der Priester der sich um will kümmert und Gott nichts mehr zu sagen hat.
    Und natürlich ist da Will, der sein Schicksal akzeptiert hat, der sein Leben überdenkt, innerlich mit dem Geschehen abgeschlossen hat.
    Mercy Seat ist auch eine Reise der Dinge. Der elektrische Stuhl, der von Angola nach St. Martinsville transportiert wird. Der Grabstein, den Wills Vater Frank nach St. Martinsville noch vor Mitternacht bringen muss. Jede Reise verändert, Dinge wie Menschen.
    Mercy Seat hat einen ungewöhnlichen Schluss, aufwühlend, emotional nur sehr schwer erträglich. Ein neuer Tag kann beginnen, mit neuen Hoffnungen und Möglichkeiten. Ein neuer Tag mehr, um für Menschlichkeit, gegen Rassismus und gegen die Todesstrafe einzutreten.

  1. Brillantes Plädoyer gegen Rassismus

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Sep 2019 

    Gibt es eigentlich das „Jahr der Perle“ in irgendeinem Kalender? Zumindest scheint es besagtes Jahr im Literaturkalender zu geben. Wie sonst erklärt es sich, dass ich dieses Jahr schon so viele sprachlich und thematisch herausragende Bücher gelesen habe? Okay, „Mercy Seat“ von Elizabeth H. Winthrop wurde 2018 veröffentlicht, aber erst kürzlich kam die Idee einer gemeinsamen kleinen Leserunde auf, der ich mich recht kurzfristig, aber dafür umso nachhaltiger angeschlossen habe.

    (Nicht nur) im Louisiana der 1940er Jahre war Rassismus an der Tagesordnung; auch heute werden wieder (bzw. immer noch) an allen Ecken und Kanten der Welt Menschen denunziert – sei es wegen ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Gesinnung, ihrer Religion – es gibt genug (bekannte) Beispiele.

    Diesen tief in den Köpfen verankerten Rassismus spürt man auch in jeder Zeile von „Mercy Seat“. Zu der Schwere, der Dunkelheit, der Ausweglosigkeit hinter der Situation (ein junger Schwarzer soll auf dem elektrischen Stuhl für ein vermeintliches Verbrechen hingerichtet werden) gesellen sich aber auch immer wieder kleine Lichtblicke, die den ein oder anderen Charakter im Lauf der (wahren) Geschichte erweichen, um über die von ihm gehegten Vorurteile, über seine Trauer, über seine Verschlossenheit nachzudenken, ins Grübeln zu kommen und schließlich auch sich zu verändern, sich zu öffnen…

    Vieles bleibt am Ende ungesagt und trotzdem bleibt die Leserschaft nicht unbefriedigt zurück; im Gegenteil: in der Summe ergibt die Geschichte mit dem schlichten, dennoch großartigem Cover ein brillantes Plädoyer gegen Rassismus und die Todesstrafe.

    Für mich eines der emotional aufwühlendsten Bücher, die ich jemals gelesen habe und eine absolute Leseempfehlung!

  1. Will & Grace

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Jun 2019 

    Elizabeth H. Winthrop hat hier in meinen Augen ein wunderbares Werk geschaffen, welches zum Nachdenken anregt. Ich empfand es als einen Aufruf zur Menschlichkeit, und obwohl sich in den letzten Jahrzehnten vieles zum Besseren verändert hat, ist es in meinen Augen immer noch sehr wichtig, dass Menschen zum Nachdenken bewegt werden. jedes harte Herz, welches hoffentlich durch die Lektüre eines Buches, das Anschauen eines Filmes etc. … erweicht wird, ist ein immenser Gewinn.

    Bei diesem Buch besticht in meinen Augen die Handlung, dieses Schwere und Dunkle im Geschriebenen, die Sichtweisen der verschiedenen Personen zu diesem heftigen Thema, alles erzeugt bei mir einen sehr starken Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Wenn man einmal mit diesem Buch angefangen hat, kann man es nicht mehr weglegen.

    Nun ist dieses Buch ein historischer Roman, es spielt 1943 in Louisiana und behandelt den Rassismus in den Südstaaten der USA. Gleichzeitig ist dieses Buch aber auch in die heutige Zeit übertragbar. Der Rassismus in den Südstaaten existiert vielleicht nicht mehr in dieser offenen Form, ist aber trotzdem weiterhin spürbar. Und genauso nehmen diese rassistischen Umtriebe in der ganzen westlichen Welt wieder zu. Die Angst vor dem Fremden grassiert momentan, leider! Dieses Buch zeigt den Menschen hinter den ganzen Vorurteilen und gleichzeitig zeigt es auch, dass es Menschen gab und gibt, die nicht rassistisch denken und bestehendes Gedankengut hinterfragen. Etwas was Mut macht und optimistisch stimmt. Und deshalb kommt dieses Buch auch zu einem sehr günstigen und richtigen Zeitpunkt und ich wünsche ihm viele Leser!

    Zur Handlung: Der junge schwarze Will und die junge weiße Grace lieben sich, in den 40er Jahren in Louisiana. Eine Liebe die zum Scheitern verurteilt ist. Ein bedeutender Faktor für dieses Scheitern ist auch die Tatsache, dass der Vater von Grace ein Mitglied des Klans ist. Die beiden Liebenden werden vom Vater von Grace entdeckt, daraufhin bringt sich Grace um und Will wird wegen Vergewaltigung zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Dieses Situation und die Gedanken zu dieser werden von vielen verschiedenen Personen geschildert, aus vielen Perspektiven beschrieben. Die Mehrzahl der Personen zweifelt an dem Sinn des Urteils und bringt durch deren Überlegungen auch die Menschlichkeit von uns in den Vordergrund. Etwas was mir sehr gefällt, weil wir alle in einer Gesellschaft mit Anderen zusammenleben und empathisch auf unsere Mitmenschen blicken sollten und diese anklagenden Tendenzen klar überdenken sollten. Wie heißt es so schön?: Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Ein Satz über den nachgedacht werden sollte!

    Der Roman ist nicht gefühlsüberfrachtet geschrieben, ist eher in einer ruhigen und beschreibenden Art verfasst, erzeugt aber gerade dadurch bei mir eine ungeheure Tiefe.

    Ich kann nur sagen, unbedingt lesen!

 

Seiten