Mein Leben als amerikanischer Sklave

Buchseite und Rezensionen zu 'Mein Leben als amerikanischer Sklave' von Frederick Douglass
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mein Leben als amerikanischer Sklave"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:154
EAN:9783150113721
read more

Rezensionen zu "Mein Leben als amerikanischer Sklave"

  1. Unbedingt lesen!

    Klappentext:

    „Frederick Douglass ist eine Ikone des afroamerikanischen Befreiungskampfes – mit seiner 1845 erschienenen Autobiographie, die jetzt in einer neuen Übersetzung vorliegt, wurde er schlagartig berühmt. Darin blickt er auf sein Leben in der Sklaverei zurück. Er erzählt vom Alltag der Ausgebeuteten, den Herrschaftsstrukturen auf den Plantagen und den kleinen Fluchten, die ihm das Leben als Diener einer Familie ermöglichte. Als Junge lernte er heimlich Lesen und erfuhr so immer mehr über Unterdrückung und Ausbeutung der Schwarzen. Schließlich gelang ihm die Flucht – und eine aufsehenerregende Karriere als Aktivist gegen die Sklaverei und als Politiker begann.

    Seine Schilderungen führen auf die Tabakplantagen Marylands und in die Häfen Baltimores. Dabei beschreibt Douglass die Brutalität der Aufseher, die Lebensumstände der Sklaven, ihre Solidarität untereinander – und nicht zuletzt seinen mühseligen Weg in die Freiheit. Ganz nebenbei entsteht das Porträt einer starken Persönlichkeit, die sich schon in jungen Jahren für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt – mit einer unverwechselbaren Stimme.“

    Wenn eine Buch über 177 Jahre hinweg so einen Hype erlebt, zählt es wohl zurecht in die Rubrik „ganz besondere Weltliteratur“ und genau das ist es auch. Das was man hier liest, liest man nicht einfach nur mal so, man verinnerlicht es sich, man staunt, man ist geschockt, man ist sprachlos, fassungslos und weiß eigentlich gar nicht mehr wohin mit sich. Das Menschen anderen Menschen so ein Leid zufügen (ich verzichte hier bewusst auf das Wort „konnten“, denn Apartheid und Rassendiskrimierung ist leider immer noch viel zu aktuell) ist einfach nicht zu glauben. Douglass‘ Aufzeichnungen sind schwere Kost aber sie mahnen und sind Zeitzeugnis einer anderen Zeit. Die wachen Geister unter uns werden dennoch so einige Vergleiche in der heutigen Zeit ziehen können und es stellt sich einfach die Frage nach dem Warum. Warum maßen wir Menschen uns an über eine Hautfarbe (oder eine Herkunft oder….) einen Menschen zu diskriminieren? Damals wie heute ist das Thema noch aktuell und genau aus diesem Grund erhält dieses Buch beim Verlag Reclam wieder eine neue Stimme. Dennoch bleibt immer wieder ein Tenor in Douglass Worten: Kämpfen für die Freiheit! Besser hätte man es nicht festhalten können. Sein Werdegang raus aus der Sklaverei war besonders und wahrlich beeindruckend. Ich kann dieses Buch nur empfehlen und verzichte hier weiter auf inhaltliche Angaben. Es ist einfach nur lesenswert! 4 von 5 Sterne.

    Teilen
 

Großer Bruder, kleine Schwester

Buchseite und Rezensionen zu 'Großer Bruder, kleine Schwester' von  Thúy
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Großer Bruder, kleine Schwester"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Kunstmann, A
EAN:9783956144561
read more

Rezensionen zu "Großer Bruder, kleine Schwester"

  1. 5
    06. Jan 2022 

    Einblicke

    Ein intensives Buch! Ein berührendes Buch! Ein Highlight!

    Kim Thúy, eine kanadische Autorin vietnamesischer Abstammung, die ihre ersten zehn Lebensjahre in Vietnam verbrachte, bevor ihre Eltern mit den Kindern als boat people flohen und sich schließlich in Montreal in der kanadischen Provinz Quebec neu ansiedelten.

    Natürlich ist das Thema Vietnam ein immer noch wichtiges Thema, auch andere Romane der Autorin künden davon. Aber die Art, in der diese Autorin schreibt, ist wunderbar, ihre Schreibweise ist etwas blumig, etwas künstlerisch, etwas verspielt, allerdings ist die Handlung fast durchweg furchtbar und monströs zu nennen, dennoch blitzt auch immer wieder ein gewisser Humor der Autorin durch. Aber anders kann man wahrscheinlich nicht auf dieses Grauen schauen, mit diesem Grauen leben. Ein richtig interessanter Schreibstil und eine Autorin, die ich definitiv beobachten werde. Schon der Kunstmann Verlag kündet ja von einer hohen Qualität, die die Schaffenskraft der Autorin auszeichnet! Insgesamt ist dieses kleine dünne Buch "Grosser Bruder, kleine Schwester" ein packender und intensiver Blick nach Vietnam, ein berührender und schmerzender Blick auf das Grauen, dem das Land und seine Bewohner ausgesetzt waren, erst war es als Kolonie Indochina der Kolonialmacht Frankreich untergeordnet und dann war es ein Spielball der Weltmächte in einem blutigen Stellvertreterkrieg, dann war es ein geteiltes Land, ein "Grosser Bruder Nordvietnam und die kleine Schwester Südvietnam". Ein intensiver Blick auf das Wirken der Bestie Mensch gelingt der Autorin in diesem Buch!

    Über viele verschiedene Einzelschicksale erzählt Kim Thúy eine vietnamesische Geschichte, gibt über Alexandre und Mai, über Tam und die Amme, über Naomi und den Piloten, über Louis und Pamela, über Em Hong und Isaac und über viele andere Personen gravierende und gewaltige Einblicke in das Leben im Land Vietnam, erzählt von der Operation Babylift und von MY Lai, erzählt von Schwarz und von Weiß, erzählt von den schlechten und von den guten Taten der Amerikaner in Vietnam. Kim Thúy erzeugt mit "Grosser Bruder, kleine Schwester" ein nachhallendes Buch und erweckt in mir eine Neugier auf weitere schriftstellerische Zeugnisse dieser interessanten Autorin.

    Teilen
 

Der versperrte Weg: Roman des Bruders

Buchseite und Rezensionen zu 'Der versperrte Weg: Roman des Bruders' von Georges-Arthur Goldschmidt
4.2
4.2 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der versperrte Weg: Roman des Bruders"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:111
Verlag:
EAN:9783835350618
read more

Rezensionen zu "Der versperrte Weg: Roman des Bruders"

  1. 4
    10. Sep 2022 

    Traumata

    Georges-Arthur Goldschmidt schaut in diesem Buch auf das Leben seines Bruders Erich Goldschmidt und ermöglicht über diese Blicke der Leserschaft Einblicke in eine vergangene Zeit und Einblicke in das Miteinander der Brüder. Beide sind durch das Erleben ihrer verrückt machenden Zeit und von tiefen und immer wiederkehrenden Verlusten gezeichnet, aber auch durch ein auf Kämpfen und Eifersucht beruhenden Miteinanders. Sicherheiten sind wohl für beide ein Fremdwort und was macht so ein Erleben wohl mit Kindern, die ja gewisse Sicherheiten auch in ihrer Entwicklung brauchen. "Der versperrte Weg" ist ein Blick auf eine tiefe Zerrissenheit, auf ein durch den Faschismus erworbenes Trauma. Dabei ist das Buch kühl erzählt, behandelt es doch verschiedene Traumata, denen man sich wahrscheinlich aber nur mit einer gewissen Distanz annähern kann, ohne daran zu zerbrechen. Wenn man bedenkt, wie lange der Autor gebraucht hat, um diesen Blick zu verfassen, kann man vielleicht davon ausgehen, dass diese Thematik schon lange in ihm arbeitet. Denn dieses Buch behandelt ja nicht nur das Trauma der Nazizeit, sondern auch das Trauma der Brüder untereinander, in dem der Autor im Blick des Bruders, den er auch noch selbst zeichnet, nicht gut wegkommt. Und damit zeigt der Autor ja auch eine Ehrlichkeit, die gewürdigt gehört, denn wer steht schon so sehr zu seinen eigenen in jungen Jahren geschehenen Fehlern, dass er sie in einem Buch einer großen Masse eröffnet. Dazu muss man ja auch sagen, dass die Fehler der Jugend ja auch tiefgreifende Folgen für die Brüder hatten, gewisse Abgründe sich wohl nicht mehr überbrücken ließen. Und dann steht dieses Buch dann noch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises von 2021 und gewinnt dadurch noch eine größere Reichweite, ein größeres Publikum. Das Öffnen des Autors wird einer größeren Gruppe zugänglich, diese sicher nicht einfache Offenbarung wird öffentlich, sicher wurde die Thematik auch in manch einer Leserunde und/oder Talkrunde heiß diskutiert. An mancher wird der Autor teilgenommen haben, manche wird er bloß irgendwo mitgeschnitten haben. Ich muss sagen, ich finde es sehr mutig von Georges-Arthur Goldschmidt dieses Buch veröffentlicht zu haben und ich kann nur sagen, dass ich es sehr gern gelesen habe und dass ich dieses Buch gut platziert auf der Longlist des Deutschen Buchpreises von 2021 finde.

    Teilen
  1. Versuch einer Erinnerung

    Erich und Jürgen-Arthur Goldschmidt sind Brüder, geboren in Deutschland in den 1930er Jahren. Die ursprünglich jüdischen Eltern sind schon vor Jahren zum Protestantismus konvertiert. Aber und er nationalsozialistischen Gesetzen gelten die Goldschmidts immer noch als Juden. Um die Kinder zu retten, werden die Buben nach Italien verschickt. Die Wege der Brüder trennen sich während des Krieges. Jürgen-Arthur, nunmehr Georges-Arthur, überlebt in einem französischen Internat. Erich jedoch schließt sich der Resistance an. Erste viele Jahrzehnte später begegnen die Brüder einander wieder.

    Der versperrte Weg stand 2021 auf der Longlist für den deutschen Buchpreis und fiel mir deswegen auf.
    Georges-Arthur Goldschmidt, der heute über 90-jährige Schriftsteller versucht den Roman (s)eines Bruders zu schreiben. Der versperrte Weg ist eine Geschichte voller Lücken. Das Buch ist der Versuch einer Erinnerung. Über die ersten Lebensjahre erzählt Goldschmidt zügig, später merken wir, wie schwer es dem Autor fällt, die Lebenslücken des Bruders mit eigener Wahrnehmung zu füllen

    "Warum bin ich gerade der, der ich bin?"

    Der Krieg verstellt den eigentlichen Lebensweg. Was wäre gewesen, wären die Eltern nicht jüdisch gewesen, welchen Weg wäre Erich, aber auch Georges-Arthur Goldschmidt gegangen? Die äußeren Umstände zwingen das Schicksal auf.

    Sprachlich beeindruckt mich das schmale Buch, die Suche nach Identität, der Versuch einer Annäherung nach einer Entfremdung berührt.

    Teilen
  1. Verdammt und entwurzelt

    Kurzmeinung: Lesenswert!

    In dem vorliegenden Roman verarbeitet der Autor wohl einige biographische Begebenheiten. Er begleitet seinen Helden vom ersten Lebensjahr an bis zum letzten. Dabei werden manche Episoden ausführlich beschrieben, andere Lebenszeiten nur gestreift.

    Im Wesentlichen geht es darum, wie ein Kind die willkürliche Ausgrenzung erlebt und verarbeitet, die in der Zeit des deutschen Nationalsozialismus unzähligen Menschen unsägliches Leid brachte. Äußerlich übersteht Erich diese Zeit gut. Zusammen mit seinem Bruder wird er in Sicherheit gebracht und lebt in Frankeich. Doch die inneren Schäden sind nicht wiedergutzumachen.

    Der Kommentar:
    Die große Stärke des Romans liegt darin, dass der Autor versucht, verständlich zu machen, wie die sowie so schon schwierige Suche nach sich Selbst und seiner Identität einen jungen Menschen innerlich völlig aus der Bahn werfen kann, wenn äußere unüberwindbare Widerstände dazu kommen. Die Geschichte wirkt auf uns ein, auch wenn sie uns nicht umbringt. Das nennt man dann wohl Schicksal!

    Man bekommt als Leser bemerkenswerte Einblicke in das Seelenleben eines getriebenen, innerlich entwurzelten Menschen.

    Allerdings wirkt es manchmal so, als ob das Sprachvermögen des Autors dem inhaltlichen Anspruch nicht ganz gerecht werden könnte. Da bleiben Unschärfen, die man als Leser nicht aufdröseln kann.

    Ein anderer nicht hoch genug zu veranschlagender Aspekt des Romans ist der, dass er beschreibt, wie die Geschichte manchmal auf Menschen wirken kann ,nämlich wie eine griechische Tragödie: wie man es auch dreht und wendet, es muss zur Katastrophe kommen, denn, sagt sich Erich, wenn ich kein Jude gewesen wäre, wäre ich mit meinem Naturell unter dem Nationalsozialismus mit Sicherheit ein sehr böser Mensch geworden. Es gab keinen Weg für ihn. Was den Titel erklärt.

    Fazit: In all seiner Schmalheit ein eindringlicher, guter Roman, der große Empathie weckt.

    Zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2021.

    Kategorie: Belletristik.
    Verlag: Wallenstein 2021

    Teilen
  1. 4
    10. Sep 2021 

    Bruder

    Die Goldschmidts leben während der 1920er in Reinbek bei Hamburg. Die älteste Schwester ist schon fast aus dem Haus und Erich ist der kleine Herrscher des evangelisch geprägten Hauses. Bis sein kleiner Bruder Jürgen-Arthur im Jahr 1928 auf die Welt kommt. Erichs Welt bricht zusammen, weil dieser Kleine ihm die Aufmerksamkeit der Eltern entzieht. Als die Nazi-Herrschaft beginnt, kommt es schlimmer. Die Familie, obwohl sie sich seit Jahren als protestantisch empfindet, zählt per Dekret plötzlich zu den deutschen Juden und verliert somit ihren bürgerlichen Status. Die Eltern sind sich der Gefahr bewusst und um wenigstens die Jungs zu retten, schicken sie diese ins Exil.

    Über Italien geht es für Erich und Jürgen-Arthur in ein Internat im Osten Frankreichs. Die Brüder leiden aneinander, besonders Erich fällt es schwer, seinen empfindsamen, aber in seinen Augen oberflächlichen Bruder zu ertragen. Sobald es möglich ist schließ er sich dem Widerstand an und schlägt auch später eine militärische Laufbahn bei der Fremdenlegion ein. Eine enge Verbindung haben die beiden Brüder nicht und ihre Eltern sehen sie nie wieder.

    In seinem autobiographischem Roman widmet sich Georges-Arthur Goldschmidt hauptsächlich dem Leben seines Bruders. Wie die Familie aus ihrer vermeintlich sicheren bürgerlichen Existenz gerissen wird ist wirklich tragisch, wobei zu bedenken ist, dass auch das Selbstbild zerstört wird. Plötzlich aus einer Gesellschaft ausgestoßen zu sein, zu der man sich zugehörig fühlte, lässt einen sicher halt- und orientierungslos zurück. Doch durch ihr Exil erhalten die Jungen, insbesondere Erich, einen Blick von außen auf das perfide Nazi-Regime. Und so bekommt Erich die Chance, die Nazis im Widerstand zu bekämpfen. Es ist ergreifend, wie schwierig das Leben bleibt, als Einzelkämpfer, dessen Bindungen schließlich eher bei der Fremdenlegion liegen als bei der Familie. Dieser kurze, sehr lesenswerte Roman schildert eindringlich das Hadern mit dem auferlegten Schicksal, welches nie wirklich aufhört.

    Teilen
  1. Die Geschichte des älteren Bruders

    „Es ist ein sonderbares Gefühl, so nahe aneinander gelebt zu haben und so wenig vom älteren Bruder zu wissen.“ (Zitat Pos. 166)

    Inhalt
    Erich Goldschmidt ist fast fünf Jahre alt ist, als am 2. Mai 1928 sein Bruder Jürgen-Arthur geboren wird und dieses schreiende Baby ist für Erich ein Eindringling. Dennoch fühlt er sich später für seinen Bruder verantwortlich. Besonders ab diesem 18. Mai 1938, an dem die Eltern sie beide zu Verwandten nach Italien schicken, um sie in Sicherheit zu bringen, denn plötzlich sind sie keine Deutschen mehr, sondern Juden. Da ist Erich vierzehn Jahre alt, Jürgen-Arthur zehn. Bald ist auch Italien nicht mehr sicher und am 17. März 1939 werden sie nach Frankreich geschickt, wo sie die nächsten Jahre im Internat einer Privatschule verbringen. Nach dem Abitur ist Erich für die Résistance tätig, um seine neue Heimat Frankreich im Kampf gegen die Nationalsozialisten zu unterstützen. Dennoch wird Erich immer das Gefühl haben, irgendwo zwischen Deutschland und Frankreich zu stehen, in Deutschland verfolgt, weil er Jude ist, in Frankreich nach Kriegsende verfolgt, weil er Deutscher ist.

    Thema und Genre
    Im Mittelpunkt dieses autobiografischen Romans steht diesmal der ältere Bruder des Autors. Es geht darum, wie sehr die Verfolgung, Lebensgefahr und Flucht aus Deutschland das Leben eines jungen Menschen, im konkreten Fall das Leben von Erich, nachhaltig prägen.

    Charaktere
    Erich ist Deutscher, protestantisch erzogen und als er plötzlich aus dem Freundeskreis des Gymnasiums ausgeschlossen wird, weil er Jude ist, bricht für ihn die Welt zusammen, er versteht das nicht. Dieser Verlust der Heimat prägt sein ganzes Leben, obwohl er sich rasch in Frankreich zu Hause fühlt, bleibt eine innere Zerrissenheit.

    Handlung und Schreibstil
    Der Autor erzählt die Geschichte seines Bruders chronologisch, wobei Kindheit und Jugend im Mittelpunkt stehen, vor allem die Ereignisse ab dem Jahr 1938. Immer wieder müssen sie fliehen, entkommen nur knapp, werden versteckt und im Jahr 1943 trennen sich ihre Wege. Während Jürgen-Arthur bei Bauern untertaucht, beginnt Erich, für die Résistance tätig zu sein. 1947 treffen sich die Brüder kurz, aber die hier erzählte Geschichte erfährt der Autor von seinem Bruder erst, als sie sich Ende der siebziger Jahre in Deutschland wiedersehen. In leiser, eindringlicher Sprache schildert der Autor das Leben eines Menschen, der von seiner persönlichen Vergangenheit geprägt ist und sich selbst damit den eigenen Lebensweg zu versperren scheint.

    Fazit
    „Warum bin ich gerade der, der ich bin?“ (Zitat Pos. 812). Diese autobiografische Geschichte erzählt von einer Generation, die in Deutschland aufwuchs, um über Nacht plötzlich als Jude verfolgt, bedroht zu werden und gerade noch durch Flucht aus dem Land entkommt, das für sie bisher Heimat war.

    Teilen
 

Becoming (English - US Edition): Michelle Obama

Buchseite und Rezensionen zu 'Becoming (English - US Edition): Michelle Obama' von Michelle Obama
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Becoming (English - US Edition): Michelle Obama"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: Crown
EAN:9781524763138
read more
 

Nach der Flut das Feuer: The Fire Next Time

Buchseite und Rezensionen zu 'Nach der Flut das Feuer: The Fire Next Time' von James Baldwin
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Nach der Flut das Feuer: The Fire Next Time"

Format:Taschenbuch
Seiten:128
EAN:9783423147361
read more
 

Diese Wahrheiten

Buchseite und Rezensionen zu 'Diese Wahrheiten' von Jill Lepore
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Diese Wahrheiten"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1120
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406739880
read more
 

Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe

Buchseite und Rezensionen zu 'Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe' von Klaus Brinkbäumer
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:391
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406756399
read more
 

Der tiefe Graben

Buchseite und Rezensionen zu 'Der tiefe Graben' von Ezra Klein
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der tiefe Graben"

Die messerscharfe Analyse der Ereignisse, die Republikaner und Demokraten immer mehr zu reinen „Klientelparteien“ haben werden lassen, reicht zurück bis in fünfziger Jahre, als die großen Verwerfungen unserer Zeit ihren Ausgang nahmen. Klein zeigt, warum Trump nicht der Ursprung, sondern eine logische Folge dieser Entwicklung ist, und welche Auswirkungen das auf Gesellschaft, Medien und Politik hat. Werden künftig die eigenen Wähler gezielt begünstigt? Ist das Ende der freien amerikanischen Gesellschaft gekommen? Kann die gesellschaftliche Spaltung jemals wieder überwunden werden?

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783455010022
read more

Rezensionen zu "Der tiefe Graben"

  1. Unbegreifliches begreiflich machen - USA und sein Staat

    Ich bekenne, dass ich im November 2016, als feststand, dass Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wurde, fassungslos darüber war, wie bekloppt die Amis sein konnten. Polemisch? Klar! Aber ich stand bestimmt nicht allein mit meiner Meinung da. Und daran änderten auch zahlreiche Erklärungsversuche der Wahlergebnisse durch versierte Nachrichtenkommentatoren nichts. Meine Überzeugung stand fest, so felsenfest, dass ich an einen erneuten Sieg Trumps 2020 kaum gezweifelt habe.

    4 Jahre Kopfschütteln, schlechte Witze und einen halben Mauerbau später, Häuptling Gelbhaar war zur festen Größe in den TV-Bildern des Tages geworden, ist der Spuk vorüber und es scheint, dass auch meine Betäubung nachlässt. Zumindest war ich wieder offen für Erklärungen und dieses Buch gab sie mir.

    Kein großes T im Titel und keine nervende Anspielung, stieg ich ein und... blieb zwar nicht verschont von diesem irren Intermezzo, durfte aber ein paar wichtige Erkenntnisse um die gespaltenen Staaten von Amerika sammeln.
    Trump blieb zwar ein Anker in den Geschichten um Wahlkämpfe, Machthaber und andere politische Theaterstücke, wohl aber nur deshalb, weil ich nur mit wenigen anderen Namen (Obama, Biden, Sanders, Clinton...) vertraut war und diese Abhandlung sich auf us-amerikanische Staatsführung, und damit natürlich auch im personellen, mir nicht bekannten, Bereich in die Tiefe ging, beschränkt.
    Anfangs hat es mich irritiert, keine Seitenblicke in andere Staatssysteme werfen zu können, keine kenntnisreichen Vergleiche der präsidentiellen Demokratie der Staaten mit zum Beispiel der deutschen parlamentarischen Demokratie zu haben (wird ganz kurz am Schluss des Buches erwähnt), aber nach und nach wurde mir klar, dass Klein sich hier ganz und gar aufs eigene Land konzentrierte und getreulich dem Schuster, bei seinen eigenen Leisten blieb.
    Dafür entschädigte er im ersten Teil seines Buches mit einer Konsolidierung von Gedanken zum Verhalten von Menschen. Was treibt Wähler an die Urne, welche Emotionen werden angesprochen und, ganz wichtig, mit welchen Hintergründen handeln sie. Von Gruppenbildung und Identitätsstiftung war da die Rede, so ließ sich kaum verhindern, dass man als Leser sofort Parallelen zum eigenen Land zog.
    Aber natürlich waren das die Grundlagen zum Verständnis des sehr eigenen Staatsgebildes der USA, dessen Geschichte sich nicht mit denen europäischer Länder vergleichen lässt. Netterweise fasste Ezra Klein diese Punkte nach dem fünften Kapitel noch einmal zusammen und so fühlte ich mich gut gerüstet für den Schritt in die Rolle der Medien und der zunehmenden Polarisierung der Bevölkerung, die dann zwangsläufig wohl zu dem führte, was folgte. Keineswegs ein Versehen, sondern eher Ausdruck von Verlustängsten, Machtgier und dem festen Willen zum Umbruch. Unsagbare Dinge wurden in die Weltöffentlichkeit gepostet, political Uncorrectness wurde zum beherrschenden Ton und selbst die fädenziehenden Republikaner waren geschockt vom Springteufel, der sich nicht in seine Box zurückdrücken ließ.

    Aber das Buch wäre nur halb so interessant, wenn es sich allein auf eine Begutachtung der Dinge beschränkt hätte. Klein schlägt zum Schluss drei kleine Korekkturen im politischen System vor, die Dilemmata, wie den Shutdown der Regierung, oder Gesetzesblockierungen durch Filibuster und die Erstarrung der Parteien verhindern könnten. Diese Änderungen würden Amerika wirklich wieder great again machen, so Kleins Überzeugung, und seine Macht zum Wohle aller Menschen nutzen können.

    Ein anstrengendes, aber in jedem Fall lohnendes Lesevergnügen, welches mir den Glauben an die US-Amerikaner ein klein wenig zurückgegeben hat und mir mal wieder gezeigt hat, dass einfach nichts einfach ist.

    Teilen
  1. Ein Augenöffner!

    Kurzmeinung: Man hätte für die Zitate und Buchtitel und Artikeltitel und Autorennamen und deren Titel - mehr Fußnoten verwenden müssen. Aber sonst: top!

    Tatsächlich hat mir das leicht verständliche Buch von Ezra Klein über die Geschichte und Gegenwart der politischen Landschaft in Amerika, (endlich) geholfen, zu verstehen, was vor sich geht.

    Rätseln wir in Europa doch daran herum, warum „Donnie“ mit seinen Unverschämtheiten, Lügen und Rüpeleien in den Staaten nicht die Empörung hervorruft wie bei uns und warum "Donnie", also der ehemalige republikanische Präsident Donald Trump fast unbeschadet durch das Impeachment kam und seine Anhänger loyal zu ihm stehen, sozusagen „bis zum letzten Tweet“.

    Der Konflikt reicht wahrlich weit zurück. Im Prinzip bis zu den Anfangsgründen, bis zur Erstellung der Verfassung, die in manchen Dingen nicht klar genug gefasst ist. Die einen sagen, Verfassung lebt und verändert sich und muss sich den Zeiten anpassen, die anderen meinen, nein, sie ist „tot“, was ihre Anpassungsfähigkeit angeht und der Status quo muss erhalten bleiben. Um jeden Preis. Die erste Auffassung wird von den Demokraten vertreten, die zweite von den Republikanern.

    Und damit wären wir schon fast beim Kern der Sache. Erhalt oder Veränderung. Was soll denn erhalten bleiben? Die Macht der weißen, alten Männer. Der demographische Wandel jagt der herrschenden Schicht Angst ein. Dabei heißt Herrschaft in den meisten Fällen nur, zu sagen, wo es langgeht. Was natürlich mit wirtschaftlichen Privilegien einhergeht.

    Und wem Privilegien entzogen werden sollen, auch wenn diese Umverteilung gerecht wäre, windet sich.

    Verändert hat sich, dass sich die Parteien bis zu dem Punkt polarisiert haben, dass sie nicht mehr zusammenarbeiten können. Diese Polarisierung hat den Menschen auf der Straße polarisiert, woraufhin als Antwort auf eine polarisierte Masse, die politischen Parteien sich noch mehr polarisierten, was die Menschen auf der Straße dazu brachte sich noch weiter zu polarisieren… ein Teufelskreis.

    Geblieben ist auch das komplizierte Wahlsystem der USA. Das überaus reformbedürftig ist. An dieser Reform werden sich jedoch noch Generationen die Zähne ausbeißen. Oder einfach aufgeben.

    Das System von Repräsentantenhaus und Senat und die präsidiale Demokratie behindern sich oft gegenseitig. Völlig legal. Aber der nicht allzu sehr an Politik interessierte Landwirt/Arbeiter/Angestellte durchschaut nicht, dass die Tatsache, dass etwas Notwendiges nicht passiert, z.B. Straßenbau/Reparaturen, Aufbau der Infrastruktur nicht der Mehrheitspartei, die gerade regiert, geschuldet ist, sondern der Blockade der Opposition. So behindern sich alle gegenseitig und lügen, dass sich die Balken biegen.

    Das sind nur einige Aspekte des Buches, die ich heraushebe. Auch die Presse spielt eine unrühmliche Rolle, da sie die gemäßigten Politiker nicht hypt, sondern diejenigen, die am lautesten kreischen und am rüpelhaftesten sind, weil sie (die Presse) quotenorientiert denkt.

    Fazit: Die präsidiale Demokratie der USA macht keinen vertrauenswürdigen Eindruck auf mich. Sie ist anfällig für sozusagen alles. Und was wir künftig von ihr zu erwarten haben, solange die amerikanische Politik sich selbst blockiert und verhindert, ist nichts Gutes. Doch hundert Jahre später könnten sich manche Probleme rein durch den demographischen Wandel von selber aufgelöst haben ... oder es herrscht Bürgerkrieg total.

    Kategorie. Sachbuch. Politik.
    Hoffmann und Kampe, 2020

    Teilen
 

Seiten