Großer Bruder, kleine Schwester

Buchseite und Rezensionen zu 'Großer Bruder, kleine Schwester' von  Thúy
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Großer Bruder, kleine Schwester"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Kunstmann, A
EAN:9783956144561
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Rezensionen zu "Großer Bruder, kleine Schwester"

  1. Einblicke

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Jan 2022 

    Ein intensives Buch! Ein berührendes Buch! Ein Highlight!

    Kim Thúy, eine kanadische Autorin vietnamesischer Abstammung, die ihre ersten zehn Lebensjahre in Vietnam verbrachte, bevor ihre Eltern mit den Kindern als boat people flohen und sich schließlich in Montreal in der kanadischen Provinz Quebec neu ansiedelten.

    Natürlich ist das Thema Vietnam ein immer noch wichtiges Thema, auch andere Romane der Autorin künden davon. Aber die Art, in der diese Autorin schreibt, ist wunderbar, ihre Schreibweise ist etwas blumig, etwas künstlerisch, etwas verspielt, allerdings ist die Handlung fast durchweg furchtbar und monströs zu nennen, dennoch blitzt auch immer wieder ein gewisser Humor der Autorin durch. Aber anders kann man wahrscheinlich nicht auf dieses Grauen schauen, mit diesem Grauen leben. Ein richtig interessanter Schreibstil und eine Autorin, die ich definitiv beobachten werde. Schon der Kunstmann Verlag kündet ja von einer hohen Qualität, die die Schaffenskraft der Autorin auszeichnet! Insgesamt ist dieses kleine dünne Buch "Grosser Bruder, kleine Schwester" ein packender und intensiver Blick nach Vietnam, ein berührender und schmerzender Blick auf das Grauen, dem das Land und seine Bewohner ausgesetzt waren, erst war es als Kolonie Indochina der Kolonialmacht Frankreich untergeordnet und dann war es ein Spielball der Weltmächte in einem blutigen Stellvertreterkrieg, dann war es ein geteiltes Land, ein "Grosser Bruder Nordvietnam und die kleine Schwester Südvietnam". Ein intensiver Blick auf das Wirken der Bestie Mensch gelingt der Autorin in diesem Buch!

    Über viele verschiedene Einzelschicksale erzählt Kim Thúy eine vietnamesische Geschichte, gibt über Alexandre und Mai, über Tam und die Amme, über Naomi und den Piloten, über Louis und Pamela, über Em Hong und Isaac und über viele andere Personen gravierende und gewaltige Einblicke in das Leben im Land Vietnam, erzählt von der Operation Babylift und von MY Lai, erzählt von Schwarz und von Weiß, erzählt von den schlechten und von den guten Taten der Amerikaner in Vietnam. Kim Thúy erzeugt mit "Grosser Bruder, kleine Schwester" ein nachhallendes Buch und erweckt in mir eine Neugier auf weitere schriftstellerische Zeugnisse dieser interessanten Autorin.

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Der versperrte Weg: Roman des Bruders

Buchseite und Rezensionen zu 'Der versperrte Weg: Roman des Bruders' von Georges-Arthur Goldschmidt
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der versperrte Weg: Roman des Bruders"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:111
Verlag:
EAN:9783835350618
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Rezensionen zu "Der versperrte Weg: Roman des Bruders"

  1. Verdammt und entwurzelt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Dez 2021 

    Kurzmeinung: Lesenswert!

    In dem vorliegenden Roman verarbeitet der Autor wohl einige biographische Begebenheiten. Er begleitet seinen Helden vom ersten Lebensjahr an bis zum letzten. Dabei werden manche Episoden ausführlich beschrieben, andere Lebenszeiten nur gestreift.

    Im Wesentlichen geht es darum, wie ein Kind die willkürliche Ausgrenzung erlebt und verarbeitet, die in der Zeit des deutschen Nationalsozialismus unzähligen Menschen unsägliches Leid brachte. Äußerlich übersteht Erich diese Zeit gut. Zusammen mit seinem Bruder wird er in Sicherheit gebracht und lebt in Frankeich. Doch die inneren Schäden sind nicht wiedergutzumachen.

    Der Kommentar:
    Die große Stärke des Romans liegt darin, dass der Autor versucht, verständlich zu machen, wie die sowie so schon schwierige Suche nach sich Selbst und seiner Identität einen jungen Menschen innerlich völlig aus der Bahn werfen kann, wenn äußere unüberwindbare Widerstände dazu kommen. Die Geschichte wirkt auf uns ein, auch wenn sie uns nicht umbringt. Das nennt man dann wohl Schicksal!

    Man bekommt als Leser bemerkenswerte Einblicke in das Seelenleben eines getriebenen, innerlich entwurzelten Menschen.

    Allerdings wirkt es manchmal so, als ob das Sprachvermögen des Autors dem inhaltlichen Anspruch nicht ganz gerecht werden könnte. Da bleiben Unschärfen, die man als Leser nicht aufdröseln kann.

    Ein anderer nicht hoch genug zu veranschlagender Aspekt des Romans ist der, dass er beschreibt, wie die Geschichte manchmal auf Menschen wirken kann ,nämlich wie eine griechische Tragödie: wie man es auch dreht und wendet, es muss zur Katastrophe kommen, denn, sagt sich Erich, wenn ich kein Jude gewesen wäre, wäre ich mit meinem Naturell unter dem Nationalsozialismus mit Sicherheit ein sehr böser Mensch geworden. Es gab keinen Weg für ihn. Was den Titel erklärt.

    Fazit: In all seiner Schmalheit ein eindringlicher, guter Roman, der große Empathie weckt.

    Zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2021.

    Kategorie: Belletristik.
    Verlag: Wallenstein 2021

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  1. Bruder

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Sep 2021 

    Die Goldschmidts leben während der 1920er in Reinbek bei Hamburg. Die älteste Schwester ist schon fast aus dem Haus und Erich ist der kleine Herrscher des evangelisch geprägten Hauses. Bis sein kleiner Bruder Jürgen-Arthur im Jahr 1928 auf die Welt kommt. Erichs Welt bricht zusammen, weil dieser Kleine ihm die Aufmerksamkeit der Eltern entzieht. Als die Nazi-Herrschaft beginnt, kommt es schlimmer. Die Familie, obwohl sie sich seit Jahren als protestantisch empfindet, zählt per Dekret plötzlich zu den deutschen Juden und verliert somit ihren bürgerlichen Status. Die Eltern sind sich der Gefahr bewusst und um wenigstens die Jungs zu retten, schicken sie diese ins Exil.

    Über Italien geht es für Erich und Jürgen-Arthur in ein Internat im Osten Frankreichs. Die Brüder leiden aneinander, besonders Erich fällt es schwer, seinen empfindsamen, aber in seinen Augen oberflächlichen Bruder zu ertragen. Sobald es möglich ist schließ er sich dem Widerstand an und schlägt auch später eine militärische Laufbahn bei der Fremdenlegion ein. Eine enge Verbindung haben die beiden Brüder nicht und ihre Eltern sehen sie nie wieder.

    In seinem autobiographischem Roman widmet sich Georges-Arthur Goldschmidt hauptsächlich dem Leben seines Bruders. Wie die Familie aus ihrer vermeintlich sicheren bürgerlichen Existenz gerissen wird ist wirklich tragisch, wobei zu bedenken ist, dass auch das Selbstbild zerstört wird. Plötzlich aus einer Gesellschaft ausgestoßen zu sein, zu der man sich zugehörig fühlte, lässt einen sicher halt- und orientierungslos zurück. Doch durch ihr Exil erhalten die Jungen, insbesondere Erich, einen Blick von außen auf das perfide Nazi-Regime. Und so bekommt Erich die Chance, die Nazis im Widerstand zu bekämpfen. Es ist ergreifend, wie schwierig das Leben bleibt, als Einzelkämpfer, dessen Bindungen schließlich eher bei der Fremdenlegion liegen als bei der Familie. Dieser kurze, sehr lesenswerte Roman schildert eindringlich das Hadern mit dem auferlegten Schicksal, welches nie wirklich aufhört.

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  1. Die Geschichte des älteren Bruders

    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Sep 2021 

    „Es ist ein sonderbares Gefühl, so nahe aneinander gelebt zu haben und so wenig vom älteren Bruder zu wissen.“ (Zitat Pos. 166)

    Inhalt
    Erich Goldschmidt ist fast fünf Jahre alt ist, als am 2. Mai 1928 sein Bruder Jürgen-Arthur geboren wird und dieses schreiende Baby ist für Erich ein Eindringling. Dennoch fühlt er sich später für seinen Bruder verantwortlich. Besonders ab diesem 18. Mai 1938, an dem die Eltern sie beide zu Verwandten nach Italien schicken, um sie in Sicherheit zu bringen, denn plötzlich sind sie keine Deutschen mehr, sondern Juden. Da ist Erich vierzehn Jahre alt, Jürgen-Arthur zehn. Bald ist auch Italien nicht mehr sicher und am 17. März 1939 werden sie nach Frankreich geschickt, wo sie die nächsten Jahre im Internat einer Privatschule verbringen. Nach dem Abitur ist Erich für die Résistance tätig, um seine neue Heimat Frankreich im Kampf gegen die Nationalsozialisten zu unterstützen. Dennoch wird Erich immer das Gefühl haben, irgendwo zwischen Deutschland und Frankreich zu stehen, in Deutschland verfolgt, weil er Jude ist, in Frankreich nach Kriegsende verfolgt, weil er Deutscher ist.

    Thema und Genre
    Im Mittelpunkt dieses autobiografischen Romans steht diesmal der ältere Bruder des Autors. Es geht darum, wie sehr die Verfolgung, Lebensgefahr und Flucht aus Deutschland das Leben eines jungen Menschen, im konkreten Fall das Leben von Erich, nachhaltig prägen.

    Charaktere
    Erich ist Deutscher, protestantisch erzogen und als er plötzlich aus dem Freundeskreis des Gymnasiums ausgeschlossen wird, weil er Jude ist, bricht für ihn die Welt zusammen, er versteht das nicht. Dieser Verlust der Heimat prägt sein ganzes Leben, obwohl er sich rasch in Frankreich zu Hause fühlt, bleibt eine innere Zerrissenheit.

    Handlung und Schreibstil
    Der Autor erzählt die Geschichte seines Bruders chronologisch, wobei Kindheit und Jugend im Mittelpunkt stehen, vor allem die Ereignisse ab dem Jahr 1938. Immer wieder müssen sie fliehen, entkommen nur knapp, werden versteckt und im Jahr 1943 trennen sich ihre Wege. Während Jürgen-Arthur bei Bauern untertaucht, beginnt Erich, für die Résistance tätig zu sein. 1947 treffen sich die Brüder kurz, aber die hier erzählte Geschichte erfährt der Autor von seinem Bruder erst, als sie sich Ende der siebziger Jahre in Deutschland wiedersehen. In leiser, eindringlicher Sprache schildert der Autor das Leben eines Menschen, der von seiner persönlichen Vergangenheit geprägt ist und sich selbst damit den eigenen Lebensweg zu versperren scheint.

    Fazit
    „Warum bin ich gerade der, der ich bin?“ (Zitat Pos. 812). Diese autobiografische Geschichte erzählt von einer Generation, die in Deutschland aufwuchs, um über Nacht plötzlich als Jude verfolgt, bedroht zu werden und gerade noch durch Flucht aus dem Land entkommt, das für sie bisher Heimat war.

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Becoming (English - US Edition): Michelle Obama

Buchseite und Rezensionen zu 'Becoming (English - US Edition): Michelle Obama' von Michelle Obama
NAN
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Inhaltsangabe zu "Becoming (English - US Edition): Michelle Obama"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: Crown
EAN:9781524763138
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Nach der Flut das Feuer: The Fire Next Time

Buchseite und Rezensionen zu 'Nach der Flut das Feuer: The Fire Next Time' von James Baldwin
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Inhaltsangabe zu "Nach der Flut das Feuer: The Fire Next Time"

Format:Taschenbuch
Seiten:128
EAN:9783423147361
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Diese Wahrheiten

Buchseite und Rezensionen zu 'Diese Wahrheiten' von Jill Lepore
NAN
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Inhaltsangabe zu "Diese Wahrheiten"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1120
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406739880
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Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe

Buchseite und Rezensionen zu 'Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe' von Klaus Brinkbäumer
NAN
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Inhaltsangabe zu "Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:391
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406756399
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Der tiefe Graben

Buchseite und Rezensionen zu 'Der tiefe Graben' von Ezra Klein
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der tiefe Graben"

Die messerscharfe Analyse der Ereignisse, die Republikaner und Demokraten immer mehr zu reinen „Klientelparteien“ haben werden lassen, reicht zurück bis in fünfziger Jahre, als die großen Verwerfungen unserer Zeit ihren Ausgang nahmen. Klein zeigt, warum Trump nicht der Ursprung, sondern eine logische Folge dieser Entwicklung ist, und welche Auswirkungen das auf Gesellschaft, Medien und Politik hat. Werden künftig die eigenen Wähler gezielt begünstigt? Ist das Ende der freien amerikanischen Gesellschaft gekommen? Kann die gesellschaftliche Spaltung jemals wieder überwunden werden?

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783455010022
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Rezensionen zu "Der tiefe Graben"

  1. Unbegreifliches begreiflich machen - USA und sein Staat

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jun 2021 

    Ich bekenne, dass ich im November 2016, als feststand, dass Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wurde, fassungslos darüber war, wie bekloppt die Amis sein konnten. Polemisch? Klar! Aber ich stand bestimmt nicht allein mit meiner Meinung da. Und daran änderten auch zahlreiche Erklärungsversuche der Wahlergebnisse durch versierte Nachrichtenkommentatoren nichts. Meine Überzeugung stand fest, so felsenfest, dass ich an einen erneuten Sieg Trumps 2020 kaum gezweifelt habe.

    4 Jahre Kopfschütteln, schlechte Witze und einen halben Mauerbau später, Häuptling Gelbhaar war zur festen Größe in den TV-Bildern des Tages geworden, ist der Spuk vorüber und es scheint, dass auch meine Betäubung nachlässt. Zumindest war ich wieder offen für Erklärungen und dieses Buch gab sie mir.

    Kein großes T im Titel und keine nervende Anspielung, stieg ich ein und... blieb zwar nicht verschont von diesem irren Intermezzo, durfte aber ein paar wichtige Erkenntnisse um die gespaltenen Staaten von Amerika sammeln.
    Trump blieb zwar ein Anker in den Geschichten um Wahlkämpfe, Machthaber und andere politische Theaterstücke, wohl aber nur deshalb, weil ich nur mit wenigen anderen Namen (Obama, Biden, Sanders, Clinton...) vertraut war und diese Abhandlung sich auf us-amerikanische Staatsführung, und damit natürlich auch im personellen, mir nicht bekannten, Bereich in die Tiefe ging, beschränkt.
    Anfangs hat es mich irritiert, keine Seitenblicke in andere Staatssysteme werfen zu können, keine kenntnisreichen Vergleiche der präsidentiellen Demokratie der Staaten mit zum Beispiel der deutschen parlamentarischen Demokratie zu haben (wird ganz kurz am Schluss des Buches erwähnt), aber nach und nach wurde mir klar, dass Klein sich hier ganz und gar aufs eigene Land konzentrierte und getreulich dem Schuster, bei seinen eigenen Leisten blieb.
    Dafür entschädigte er im ersten Teil seines Buches mit einer Konsolidierung von Gedanken zum Verhalten von Menschen. Was treibt Wähler an die Urne, welche Emotionen werden angesprochen und, ganz wichtig, mit welchen Hintergründen handeln sie. Von Gruppenbildung und Identitätsstiftung war da die Rede, so ließ sich kaum verhindern, dass man als Leser sofort Parallelen zum eigenen Land zog.
    Aber natürlich waren das die Grundlagen zum Verständnis des sehr eigenen Staatsgebildes der USA, dessen Geschichte sich nicht mit denen europäischer Länder vergleichen lässt. Netterweise fasste Ezra Klein diese Punkte nach dem fünften Kapitel noch einmal zusammen und so fühlte ich mich gut gerüstet für den Schritt in die Rolle der Medien und der zunehmenden Polarisierung der Bevölkerung, die dann zwangsläufig wohl zu dem führte, was folgte. Keineswegs ein Versehen, sondern eher Ausdruck von Verlustängsten, Machtgier und dem festen Willen zum Umbruch. Unsagbare Dinge wurden in die Weltöffentlichkeit gepostet, political Uncorrectness wurde zum beherrschenden Ton und selbst die fädenziehenden Republikaner waren geschockt vom Springteufel, der sich nicht in seine Box zurückdrücken ließ.

    Aber das Buch wäre nur halb so interessant, wenn es sich allein auf eine Begutachtung der Dinge beschränkt hätte. Klein schlägt zum Schluss drei kleine Korekkturen im politischen System vor, die Dilemmata, wie den Shutdown der Regierung, oder Gesetzesblockierungen durch Filibuster und die Erstarrung der Parteien verhindern könnten. Diese Änderungen würden Amerika wirklich wieder great again machen, so Kleins Überzeugung, und seine Macht zum Wohle aller Menschen nutzen können.

    Ein anstrengendes, aber in jedem Fall lohnendes Lesevergnügen, welches mir den Glauben an die US-Amerikaner ein klein wenig zurückgegeben hat und mir mal wieder gezeigt hat, dass einfach nichts einfach ist.

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  1. Ein Augenöffner!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Dez 2020 

    Kurzmeinung: Man hätte für die Zitate und Buchtitel und Artikeltitel und Autorennamen und deren Titel - mehr Fußnoten verwenden müssen. Aber sonst: top!

    Tatsächlich hat mir das leicht verständliche Buch von Ezra Klein über die Geschichte und Gegenwart der politischen Landschaft in Amerika, (endlich) geholfen, zu verstehen, was vor sich geht.

    Rätseln wir in Europa doch daran herum, warum „Donnie“ mit seinen Unverschämtheiten, Lügen und Rüpeleien in den Staaten nicht die Empörung hervorruft wie bei uns und warum "Donnie", also der ehemalige republikanische Präsident Donald Trump fast unbeschadet durch das Impeachment kam und seine Anhänger loyal zu ihm stehen, sozusagen „bis zum letzten Tweet“.

    Der Konflikt reicht wahrlich weit zurück. Im Prinzip bis zu den Anfangsgründen, bis zur Erstellung der Verfassung, die in manchen Dingen nicht klar genug gefasst ist. Die einen sagen, Verfassung lebt und verändert sich und muss sich den Zeiten anpassen, die anderen meinen, nein, sie ist „tot“, was ihre Anpassungsfähigkeit angeht und der Status quo muss erhalten bleiben. Um jeden Preis. Die erste Auffassung wird von den Demokraten vertreten, die zweite von den Republikanern.

    Und damit wären wir schon fast beim Kern der Sache. Erhalt oder Veränderung. Was soll denn erhalten bleiben? Die Macht der weißen, alten Männer. Der demographische Wandel jagt der herrschenden Schicht Angst ein. Dabei heißt Herrschaft in den meisten Fällen nur, zu sagen, wo es langgeht. Was natürlich mit wirtschaftlichen Privilegien einhergeht.

    Und wem Privilegien entzogen werden sollen, auch wenn diese Umverteilung gerecht wäre, windet sich.

    Verändert hat sich, dass sich die Parteien bis zu dem Punkt polarisiert haben, dass sie nicht mehr zusammenarbeiten können. Diese Polarisierung hat den Menschen auf der Straße polarisiert, woraufhin als Antwort auf eine polarisierte Masse, die politischen Parteien sich noch mehr polarisierten, was die Menschen auf der Straße dazu brachte sich noch weiter zu polarisieren… ein Teufelskreis.

    Geblieben ist auch das komplizierte Wahlsystem der USA. Das überaus reformbedürftig ist. An dieser Reform werden sich jedoch noch Generationen die Zähne ausbeißen. Oder einfach aufgeben.

    Das System von Repräsentantenhaus und Senat und die präsidiale Demokratie behindern sich oft gegenseitig. Völlig legal. Aber der nicht allzu sehr an Politik interessierte Landwirt/Arbeiter/Angestellte durchschaut nicht, dass die Tatsache, dass etwas Notwendiges nicht passiert, z.B. Straßenbau/Reparaturen, Aufbau der Infrastruktur nicht der Mehrheitspartei, die gerade regiert, geschuldet ist, sondern der Blockade der Opposition. So behindern sich alle gegenseitig und lügen, dass sich die Balken biegen.

    Das sind nur einige Aspekte des Buches, die ich heraushebe. Auch die Presse spielt eine unrühmliche Rolle, da sie die gemäßigten Politiker nicht hypt, sondern diejenigen, die am lautesten kreischen und am rüpelhaftesten sind, weil sie (die Presse) quotenorientiert denkt.

    Fazit: Die präsidiale Demokratie der USA macht keinen vertrauenswürdigen Eindruck auf mich. Sie ist anfällig für sozusagen alles. Und was wir künftig von ihr zu erwarten haben, solange die amerikanische Politik sich selbst blockiert und verhindert, ist nichts Gutes. Doch hundert Jahre später könnten sich manche Probleme rein durch den demographischen Wandel von selber aufgelöst haben ... oder es herrscht Bürgerkrieg total.

    Kategorie. Sachbuch. Politik.
    Hoffmann und Kampe, 2020

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Die Zerstörung Amerikas

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Zerstörung Amerikas' von Elmar Theveßen
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Zerstörung Amerikas"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
EAN:9783492070584
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Rezensionen zu "Die Zerstörung Amerikas"

  1. Und jetzt haben wir den Salat!

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Nov 2020 

    In einer komplexen Welt sehnen sich viele Menschen nach einfachen, klaren Strukturen. Und nach einfachen Wahrheiten. Dies ist weiß, dies ist schwarz. Punktum. Und je mehr man sich mit einer Partei identifiziert, desto weniger muss man sich mit seinen Repräsentanten auseinandersetzen. Oder es ist einem sowie so egal. Aus Politikverdrossenheit. Das politische Establishment hatte allerdings wirklich einen Denkzettel verdient, do you hear me now? Sagten die Amerikaner.

    In dem ansprechend gestalteten und geschriebenen Sachbuch Elmar Theveßens versucht der Autor nicht nur, dahinter zu kommen, warum der Trumpismus die Amerikaner nicht zum Erbrechen bringt. Warum sie nicht nur hinnehmen, dass ihr gewählter Präsident, Fakenews verbreitet, sexistisch ist, rassistisch und Feindbilder zementiert, sondern warum sie ihren Präsidenten fast als Gott bejubeln. Alles dies, aber nicht nur. Theveßen beschreibt auch, wie sehr die kenntnis- und richtungslose Regierung Trumps das Land in eine schwere Krise gestürzt hat und die Staatsschulden ins Unermessliche haben ansteigen lassen.

    enn Trump hat dem Land mehr geschadet als genutzt. Seine Steuersenkungen kamen vor allem den großen Konzernen zugute, die ihren Reichtum keineswegs weitergeben.

    Zitat:

    „Insgesamt 91 Großkonzerne unter den genannten Unternehmen, zum Beispiel Amazon, IBM, General Motors und Netflix, zahlten überhaupt keine Bundessteuern in den USA oder bekamen sogar noch Erstattungen von der amerikanischen Steuerbehörde zurück.“

    Und selbst wenn den kleinen Haushalten unterm Strich kurzzeitig ein wenig mehr im Geldbeutel bleibt, werden sie langfristig ärmer, weil das Einkommen der oberen Schichten signifikanter ansteigt.

    Zitat:

    „Amerikas Bruttoinlandsprodukt ist seit 1980 um 79 Prozent gestiegen. … Im gleichen Zeitraum wuchs das Einkommen der unteren Hälfte der arbeitenden Bevölkerung … nur um 40 Prozent. Für die Gruppe der mittleren Einkommen betrug die Steigerung 50 Prozent. Gleichzeitig schoss das Einkommen der Reichsten 0,01 Prozent der arbeitenden Bevölkerung um 420 Prozent in die Höhe.“

    Diesen Trend befeuerte Trump mit seiner Politik.

    Der menschengemachte, von Trump geleugnete Klimawandel trifft auch die Staaten hart. Küstennahe Landstriche versalzen, viele kleine Betriebe, die im Gegensatz zu großen nicht gefördert werden, müssen schließen. Die Regierung tut nichts dagegen. Im Landesinneren vertrocknet das Land.

    Theveßen zählt des weiteren auf, wie die republikanischen Bundesstaaten ihre Wahlkreise neu zuschneiden, so dass benachteiligte Minderheiten keine Chance haben, für ihre (demokratischen) Vertreter eine Mehrheit zu finden;

    wie Trump Gelder für die Erhaltung von Nationalsparks zusammenstreicht,

    er führt den Handelskrieg mit China ins Feld, der die Waren für die Kleinverdiener verteuert und die kleinen Betriebe benachteiligt,

    er zeigt auf, wie sehr Trump ein Feindbild braucht, um seine Misswirtschaft zu verschleiern

    und nicht zuletzt widmet er einen Großteil des Buches dem Missmangement in der Coronakrise.

    Aber alle diese doch zu Buche schlagenden Fakten scheinen dem Trumpismus egal zu sein. Die Leute sind blind geworden. Emotionen zählen mehr als Fakten. Die Journalisten haben das ihre dazugetan, muss man ehrlicherweise sagen, um ihn zu befördern, weil man trefflich Schlagzeilen mit dem Rüpel Trump machen kann.

    Und jetzt haben wir den Salat.

    Theveßens Buch kommt knapp vor den Wahlen 2020 heraus, aber der Autor sieht das Festkrallen des Autokraten Trump am Thron voraus!

    Fazit. Ein mit persönlichem Zungenschlag geschriebenes Sachbuch, das informativ ist und leicht zu lesen. Allerdings arbeiten Sachbücher mit Fakten und Zahlen. Das dürfte klar sein oder? Für meinen Geschmack ist die Coronakrise zu ausgewalzt dargestellt und auch das Impeachment hätte ich nicht ganz so detailliert gebraucht, aber trotzdem ist „Die Zerstörung Amerikas“ ein Buch, das betroffen macht. So schnell wird der Trumpismus nicht vom Tisch sein.

    Kategorie: Sachbuch. Politik.
    Verlag: Piper. 2020

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