COLD CASE - Das gebrannte Kind

Buchseite und Rezensionen zu 'COLD CASE - Das gebrannte Kind' von Tina Frennstedt
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "COLD CASE - Das gebrannte Kind"

Format:Broschiert
Seiten:416
Verlag: Lübbe
EAN:9783785727539
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Rezensionen zu "COLD CASE - Das gebrannte Kind"

  1. "Fegefeuer". Der 3. Teil der Cold Case Reihe

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Jan 2022 

    3,5 Sterne

    Eine Brandstifter geht in Schonen um, bereits 4 Menschen sind in den Flammen gestorben. Der Täter hat zuvor die Brandmelder entfernt und die Häuser nummeriert.
    Bis Tess Hjalmarsson aufgrund der Zeugenaussage einer Überlebenden erkennt, dass diese Fälle mit einem alten Fall aus der Vergangenheit zusammenhängen, denn auch damals wurde bei einem Brand, in dem die Mutter des 5jährigen Tim starb, dieselbe Musik gehört. Der damalige Täter wurde nie gefasst.
    Tess und ihr Cold Case Team ermitteln unter Hochdruck bis Tess erkennt, dass auch sie im Visier des Täters steht...

    Meine Meinung:
    "Das gebrannte Kind" ist der dritte Teil der Cold Case Reihe um Tess Hjalmarsson, in dem man wieder viele bekannte Personen trifft. Der Fall ist jedoch in sich abgeschlossen und kann daher eigenständig gelesen werden. Alles wichtige aus Tess' privatem Leben sowie ihrer bisherigen Fälle werden kurz angeschnitten.
    Tess ist wieder sehr nahbar beschrieben, sie ist nicht nur ein Super-Cop, sondern ein Mensch mit Fehlern und Ängsten, wodurch man sich gut in sie hineinversetzen kann. Die Polizeiarbeit, das Zusammentragen von Fakten und Beweisen, ist wieder sehr interessant und authentisch dargestellt.

    Tina Frennstedt fesselt wieder mit einem packenden Schreibstil und hohem Spannungsbogen, auch wenn recht bald vorhersehbar war, wer der Täter ist; jedoch gibt es diesmal einige Dinge, die nicht so gut ausgearbeitet waren.
    Es gab lose Enden, und es blieben einige Fragen offen, nicht nur, was die Motivation des Täters betrifft, sondern auch andere Dinge, Kleinigkeiten, die eigentlich gar nicht hätten erwähnt werden müssen. Auch wurde einiges nicht aufgelöst, das einem im Verlauf der Geschichte wichtig erschien. Und auch das Motiv des Täters, und dass sich ein 5jähriges Kind an so viele Dinge erinnern kann, war für mich nicht nachvollziehbar. Und bzgl. der Morde auch einige Logikfehler.
    Auch über den deutschen Titel bin ich nicht glücklich, der Originaltitel "Fegefeuer" hätte viel besser gepasst und nicht zu viel verraten.
    Weiters wurde der "Fall Jenny" anfangs angesprochen, in dem Tess eigentlich ermitteln sollte und wo man dachte, um diesen Fall geht es in diesem Buch, welcher jedoch bald in Vergessenheit geriet und erst am ende wieder - als Cliffhanger für nächsten Band - angeschnitten wurde.
    Und Tess sowie ihre Partnerin Sandra verhielten sich manchmal total unverständlich, zum Beispiel als der Hund einen Giftköder gefressen hat oder ein unbekannter Bauarbeiter auf dem Grundstück war. Das war ihnen quasi total egal, und das konnte ich absolut nicht nachvollziehen.
    Aber alles in allem wieder ein spannender Cold Case aus der Feder von Tina Frennstedt.

    Hilfreich ist wie bei den Vorgängerbänden der Plan von Schonen in der vorderen Klappe, in dem ich sehr gerne Tess Einsatzorte nachschlage. Leider sind diesmal viele Handlungsorte, die in diesem Band vorkommen, nicht eingezeichnet.

    Fazit:
    Der dritte Teil der Cold Case-Reihe. Wieder spannend und lebendig geschrieben; doch war der Täter schnell klar, und es gab einige losen Enden und Fragen, die offen blieben, daher diesmal nur 3,5 Sterne. Ich bin trotzdem schon sehr auf den nächsten Band gespannt, in dem diesmal hoffentlich der "Fall Jenny" aufgeklärt wird!

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Idaho: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Idaho: Roman' von Emily Ruskovich
3.75
3.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Idaho: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:417
Verlag: Hanser Berlin
EAN:
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Rezensionen zu "Idaho: Roman"

  1. Nichts als unbearbeitete Fragen

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 30. Jun 2021 

    Dreh- und Angelpunkt des Debütromans "Idaho" der jungen US-Amerikanerin Emily Ruskovich ist eine Familientragödie. Im August 1995 unternimmt die Familie Mitchell, Vater Wade, Mutter Jenny sowie die sechs- und neunjährigen Töchter May und June, im Pick-up einen Ausflug zum Mount Loeil, um Holz für den Winter zu machen. Völlig unvermittelt erschlägt die Mutter May mit einem Axthieb, June flüchtet in den Wald und bleibt verschollen.

    Emily Ruskovich erzählt die Geschichte der Familie über fast 50 Jahre schlaglichtartig, beginnend 1973 bis 2025. Die nicht-chronologisch geordneten Kapitel tragen Jahreszahlen als Überschrift, eine Erzählweise in Puzzleart, die ich eigentlich sehr mag. Auch sprachlich hat mir die Geschichte gut gefallen und die Idee, die Betroffenen immer aus der Sicht anderer zu schildern, hätte interessant sein können.

    An der Art, wie die Autorin Wades frühe Demenzerkrankung ab ca. 2000 schildert oder das sich durch die einsetzende Pubertät von June verändernde Verhältnis zu ihrer kleinen Schwester, wird deutlich, wie genau sie beobachtet und wie gut und empathisch sie feine Nuancen in Worte umsetzen kann. Gefallen haben mir auch die Naturbeschreibungen. Die Szenen aus dem Gefängnisalltag Jennys und ihrer Mitgefangenen sind trotz ihrer Ausführlichkeit noch interessant. Sehr schwierig einzuordnen war für mich die zweite Frau Wades, die Klavierlehrerin Ann, die er nur zehn Monate nach dem Mord an May und dem Verschwinden Junes geheiratet hat, und die der psychischen Belastung nicht gewachsen ist. Daneben gab es aber auch Handlungsstränge, die für mich keinerlei Bedeutung hatten, wie die Kinderlosigkeit eines in Tatortnähe lebenden Ehepaars oder der Unfall eines Schülers von Ann und dessen weiteres Leben. Im Gegenteil hatte ich nach dem sehr verheißungsvollen Romanbeginn immer mehr den Eindruck, dass Emily Ruskovich ein gegebenes Versprechen, nämlich die Ursachen der doppelten Tragödie zu beleuchten, nicht einlösen konnte und dies mit kryptischen Andeutungen und immer neuen Abschweifungen verschleiert werden sollte. Ich habe gewiss keinen Krimi mit einer perfekten Auflösung erwartet und kann mit dem einen oder anderen losen Faden durchaus leben, aber wenn gar keine Anstrengung unternommen wird, Antworten näher zu kommen, fühle ich mich als Leserin verschaukelt. Wenn es zum Thema nichts zu sagen gibt ("Es ist einfach passiert."), muss man dann einen Roman darüber schreiben? Da ich nichts erfahre, was mir Anhaltspunkte für eigene Überlegungen geben könnte, ist mir das nicht nur zu wenig, ich war sogar verärgert.

    Schade um die Lesezeit, die ich besser hätte nutzen können. Normalerweise sind Romane des Hanser Verlags eine Bank für mich, in diesem speziellen Fall leider ausnahmsweise nicht. Alternativ empfehle ich "Dann schlaf auch du" von Leïla Slimani mit einer ähnlichen Ausgangssituation, aber wesentlich gelungenerer Umsetzung.

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  1. Was geschah auf dem Mount Loeil

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Feb 2019 

    Dieser Roman ist eine etwas verworrene Geschichte, in der es um Realität und Irrealität geht. Der Leser muss sich mit einer Geschichte befassen, die aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird, wobei letztendlich das klärende Gespräch der betroffenen Personen nicht so richtig erfolgt. Es werden eher viele verschiedene Vermutungen präsentiert, der geneigte Leser darf sich aus diesen unterschiedlichen Gedanken, teils mit realem, teils mit irrealem Hintergrund seine eigenen Gedanken machen. Es geht um reale Erinnerungen und die pure Einbildungskraft. Und wir Leser fragen uns zum Teil, was ist wahr/real. Der Roman ist nicht chronologisch geordnet und auch immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben, was die sowieso schon verwirrende Geschichte noch etwas verworrener gestaltet. Aber mir persönlich sehr gefällt. Ich liebe dieses Hin- und Herspringen. Und ich liebe auch den Sprachklang der Ruskovich. Und ich liebe die Art, in der Ruskovich ihre Charaktere zeichnet, denn genau das macht sie grandios. Diese Autorin hat Potenzial und ich denke wir werden noch von ihr hören. Dieser Roman entwickelt außerdem eine starke Sogwirkung.

    Zur Handlung: Wade, Jenny und ihre zwei Töchter June und May fahren an einem Augusttag im Jahre 1995 zum Holzholen auf den Mount Loeil, dabei kommt es zu einem folgeschweren Unglück. Die kleine Tochter May wird erschlagen, die größere Tochter verschwindet spurlos, die Ehefrau Jenny bezichtigt sich der Tat und geht ins Gefängnis, der Familienvater Wade bleibt allein zurück. Wobei nicht wirklich klar wird ob dies auch so war. Für mich ergeben sich zwei Deutungsmöglichkeiten, wobei es im Buch zu keiner eindeutigen Lösung kommt. Erschwerend kommt hinzu, das in der Familie von Wade die frühe Form der Demenz vorkommt, was Wade in einer nachvollziehbaren Weise Angst bereitet und zu dem familiären Drama noch dazukommt. Wade hatte vor dem Unfall in der Schule die Lehrerin Ann kennengelernt, hatte dort Klavierstunden genommen, weil er gehört hatte, dass Klavierspielen den Degenerationsprozess des Gehirns eventuell verlangsamen könnte. In der Zeit entsteht eine Nähe zwischen den Beiden, dies mündet schließlich in die Heirat und das Zusammenziehen von Ann und Wade. Ann weiß um die Geschehnisse beim Holzholen und versucht ihrerseits in einer etwas skurrilen Art für sich Licht ins Dunkel der Geschehnisse von damals zu bringen. Wade's Erkrankung wird nun nach acht Jahren Ehe schlimmer und mündet schon in gewissen Gewaltausbrüchen seiner Ehefrau gegenüber, die sie versucht zu ertragen, bei mir aber eine Angst auslöste und die Frage wie weit das noch gehen sollte. In dem Buch werden die Geschehnisse zwischen den Jahren 1973 und 2025 dargestellt, es werden die Sichten der verschiedenen Hauptakteure des Romans gezeigt, und auch ihr Beziehungsgeflecht untereinander, dadurch bekommt der interessierte Leser Einblicke und kann sich seine eigenen Gedanken machen und für sich selbst nach Deutungen suchen. Denn es wird am Ende nichts aufgelöst, es werden keine Fakten präsentiert, das dürfen wir Leser für uns selbst entscheiden. Was ich aber als nicht störend empfand, denn die Charakterzeichnungen der Ruskovich geben genug Raum für Lösungen ab.

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  1. Virtuos erzählt!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Dez 2018 

    Eine Familie ist im Wald beim Brennholz sammeln. Vater, Mutter, zwei Mädchen. Es ist heiß, die Eltern arbeiten die Kinder spielen und plötzlich ist da ein Beil, eines der Mädchen tot, die sechsjährige May, die neunjährige Schwester June auf ewig im Wald verschollen. Die Mutter Jenny geht für die Tat lebenslänglich ins Gefängnis.

    Der Vater Wade leidet an einer familiären Disposition der Frühdemenz, seine zweite Frau Ann, die er ein Jahr nach der Katastrophe heiratet, beginnt ein Leben in Wades Retrospektive.

    Idaho ist ein beklemmendes atmosphärisch dichtes Meisterwerk. Unzählige Zeitebenen, viele Fäden, die zusammen und wieder auseinanderlaufen. Personen tauchen auf, bei denen man zu Beginn ihre Wertigkeit für das Buch unterschätzt, aber die die Autorin so gekonnt als Bande für ihre fortwährend rollende Erzählkugel verwendet. Das Buch zieht einen virtuos in ein Geflecht von Schuld, Vergebung, Liebe, Erinnerung. Bei aller Grausamkeit des Geschehens bleibt so viel Zärtlichkeit für die Figuren über.

    Was bleib von der Vergangenheit, wenn einen die Erinnerung dazu fehlt, wenn einem das Gedächtnis im Stich lässt. Was passiert, wenn echte Erinnerung von gedachter oder erzählter Erinnerung überdeckt wird. So wie Ann versucht den Hergang der Katastrophe zu rekonstruieren, so verliert sich der Leser in von der Autorin offensichtlich gewünschten Spekulationen. Ganz geschickt manipuliert Emily Ruskovich den Leser, allein an die Möglichkeit völlig irrationaler Geschehnisse zu glauben. Ein wenig ist das Buch wie ein Gemälde von Escher, alles dreht sich, führt scheinbar im Kreis, verwinkelt, verschoben und nur bei einer kleine Änderung des Blickwinkels schon wieder ganz anders.

    Mich hat das Buch über weite Strecken außerordentlich begeistert. Und doch, fühlte ich mich zum Schluss von der Autorin ein wenig allein gelassen. Je länger ich allerdings über das für mich zunächst so unbefriedigende Ende nachdenke, komme ich immer mehr zu dem Ergebnis, dass in den letzten Sätzen alles das steht, was es über das Buch zu wissen gilt.

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  1. Nichts ist so, wie es gewesen sein wird

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Apr 2018 

    Ann, eine junge Klavierlehrerin, heiratet Wade, der ein Jahr zuvor auf dramatische Weise seine Töchter verlor, während seine Exfrau im Gefängnis sitzt. Doch damit nicht genug, leidet er wie sein Vater und Großvater an Demenz, die ihn bereits im vergleichsweise jungen Alter befällt. Einerseits ein Segen angesichts der schrecklichen Vorkommnisse, andererseits wird ihm immer wieder schmerzlich bewusst, wie nach und nach seine Töchter in Vergessenheit geraten. Ann versucht derweil anhand der Fundstücke im Haus (Fotos, Kleinigkeiten wie Spielzeug, Haargummis etc.), sich selbst ein Bild von dem damaligen Geschehen zu machen.
    Auch wenn die Geschichte zu Beginn wie ein Krimi erscheinen mag, ist es alles andere als das. Zwar wird eine unglaubliche Spannung im Hinblick auf die tatsächlichen Ereignisse am Berg aufgebaut, denen man sich langsam aus unterschiedlichen Richtungen nähert. Doch tatsächlich wird damit (wie auch mit anderen Geschehnissen) deutlich gemacht, wie sehr Vorstellung und Phantasie die Vergangenheit bestimmen, die sich wiederum auf die Gegenwart auswirken können. Ann ist beispielsweise immer mehr davon überzeugt, eine Mitschuld an diesem Unglück zu haben, was sie in große Gewissensbisse stürzt.
    Das Buch verlangt ein aufmerksames Lesen, denn die Perspektiven wechseln häufig zwischen verschiedenen Personen, sodass man bei einer gewissen Achtlosigkeit schnell die Übersicht verlieren kann, was Realität und was Imagination ist. Zudem ist die Sprache trotz der überaus düsteren Atmosphäre sehr poetisch, für die man sich Zeit nehmen sollte. Die Autorin hat ein Gefühl für gelungene Beschreibungen wie beispielsweise beim Thema Briefe '..., zum Verschließen angeleckt von den Zungen der Vergangenheit.' (S. 73) oder 'Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt. Man kann es singen, so sanft man will, die Worte fletschen trotzdem die Zähne. Gott will nicht immer.' (S.101).
    Gewiss ist es kein Gute-Laune-Buch oder lockere Unterhaltung für die Strandliege. Dafür aber eine spannende Lektüre, die Anregungen zum Umgang mit der eigenen Vergangenheit und den Erinnerungen daran liefert.

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Im Ruin: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Im Ruin: Roman' von Barbara Kadletz
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Im Ruin: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
EAN:9783990650486
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Rezensionen zu "Im Ruin: Roman"

  1. Modern und poetisch, easy, würde Katharina sagen

    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Jan 2022 

    „Man kann auch an einem guten Ort auf einer Irrfahrt sein. Man irrt dabei halt nicht durch die Welt, sondern dreht sich immer auf der Stelle, permanent im Kreis herum.“ (Zitat Seite 73, 74)

    Inhalt
    Als David und Katharina das kleine Lokal im zehnten Wiener Gemeindebezirk von den alten Vorbesitzern übernehmen, liegt ihr Leben noch vor ihnen, denken sie. Jetzt ist David tot und Katharina. erst dreinundreißig Jahre alt, ist damit beschäftigt, das Leben im Andenken an ihn und die gemeinsame Vergangenheit weiterzuführen, sie funktioniert (meistens), und an weniger guten Tagen verlässt sie sich auf ihre Mitarbeiterin und beste Freundin Sabina. Ari ist auf der Flucht aus seinem Leben und landet durch Zufall in Wien. Schlaflos, erstaunt und verwirrt streift er durch Favoriten, diesen besonderen Bezirk, gleichsam eine Insel in der Großstadt, und entdeckt plötzlich diese kleine Bar „Ruin“ im Erdgeschoss eines ungewöhnlichen Hauses. Bekannt für den hervorragenden Kaffee, bietet das „Ruin“ seinen Gästen Frühstück ab siebzehn Uhr und dazu Getränke bis spät in die Nacht hinein. Es ist neunzehn Uhr, ein besonders gemütlicher Tisch in einer Nische ist frei und Ari hat Lust auf Frühstück, von nun an täglich, immer pünktlich um neunzehn Uhr.

    Thema und Genre
    In diesem Roman geht es um Veränderungen, die Suche nach einem neuen oder alten Platz im eigenen Leben, um Trauer, Verlust, Freundschaft und um Wien und ein typisches Grätzellokal, das für die unterschiedlichsten Menschen so etwas wie Geborgenheit und Heimat bedeutet.

    Charaktere
    Die Figuren dieser Geschichte sind moderne Großstadtmenschen. Einfühlsam und humorvoll lässt die Autorin sie auch unkonventionelle Wege gehen, während sie realistisch die Probleme und Konflikte schildert. Gerade weil sie bisher nicht Teil eines gemeinsamen Lebens waren, können Katharina und Ari einander unvoreingenommen begegnen und auch dort interessierte und kritische Fragen stellen, wo andere aus Rücksicht und Sorge dies nicht tun.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte spielt in Wien, genau gesagt, im zehnten Wiener Gemeindebezirk, und der Zeitrahmen umfasst weniger als ein Jahr, vom Spätsommer bis zum nächsten Frühling. Rückblenden in Form von Katharinas Erinnerungen ergänzen die aktuelle Handlung, in der auch immer die entsprechende Musik mitklingt. Die Sprache der Autorin ist modern, manchmal kantig, grantig, aber immer auch charmant, Eigenschaften, mit denen man auch Wien und das Wienerische beschreiben könnte. „Easy“, wie Katharina zu sagen pflegt.

    Fazit
    „Romantischer Dadaismus“, diesen Begriff erfinden Katharina und Ari in einem Dialog in Bezug auf ihre unterschiedlichen Strategien, wieder in das eigenen Leben zu finden, und besser kann man diese kluge, poetische Geschichte nicht beschreiben.

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Dschinns: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Dschinns: Roman' von Fatma Aydemir
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Dschinns: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
EAN:9783446269149
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Rezensionen zu "Dschinns: Roman"

  1. Erstes Jahreshighlight 2022

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jan 2022 

    Hüseyin steht kurz vor dem Renteneintritt und hat sich endlich den Traum von einer Wohnung in Istanbul erfüllt. Hier will er mit seiner Ehefrau die arbeitsfreie Zeit genießen und Besuch von seinen Kindern aus Deutschland bekommen. Doch dann kommt es anders: Hüseyin stirbt kurz nach der Ankunft in der neuen Wohnung, seine Familie steht unter Schock. In der Trauer um Vater und Ehemann kommen immer mehr Verletzungen, Distanziertheit und Geheimnisse ans Licht.

    In „Dschinns“ erzählt Fatma Aydemir die Geschichte einer Familie in all ihren Facetten. Eingerahmt wird die Handlung von den Kapiteln der Eltern. Zuerst Hüseyin, der Vater und zum Schluss Emine, die Mutter. In beiden Fällen ist auch die Perspektive eine andere, denn es wird in der Du-Form erzählt, wie in einem Gespräch. Allein mit der Auflösung, wer hier eigentlich spricht, ist Aydemir ein echter Kunstgriff gelungen. Dazwischen eingebettet finden wir die Blickwinkel der vier Geschwister Ümit, Peri, Sevda und Hakan in personaler Erzählform, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit.

    Die vier Geschwister sind in ihrem Wesen recht unterschiedlich. Ümit, der jüngste, eher zart und empfindsam, Peri eine Feministin mit starkem Willen, Sevda eine alleinerziehende Mutter, immer im Konflikt mit ihrer eigenen und Hakan, der schon als Kind Ärger gemacht hat und sich nicht ganz legal durchs Leben schlägt. Gemeinsam haben sie aber ihren Kampf mit der eigenen Identität, die Abgrenzung von ihren Eltern und ganz im Allgemeinen den Wunsch, ihren Platz in der Welt zu finden. Emine sticht dabei heraus, ist aber auch der große Reibungspunkt der Familie – umso bedeutsamer ist ihre Perspektive am Ende.

    „Dschinns“ ist nicht nur ein sprachliches und erzählerisches Meisterwerk, es spricht auch eine Menge wichtige Themen an: die Auswanderung der Familie nach Deutschland und wie ihnen dort begegnet wird, die kurdische Herkunft, die sie verleugnen (müssen), die Traumata, die jedes einzelne Familienmitglied mit sich herumschleppt. Ich wünschte, ich könnte sie alle noch ein Stück auf ihrem Weg begleiten, so sehr sind sie mir ans Herz gewachsen. Definitiv mein erstes Highlight des Jahres!

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Der fürsorgliche Mr Cave: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der fürsorgliche Mr Cave: Roman' von Matt Haig
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der fürsorgliche Mr Cave: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag: Droemer HC
EAN:9783426282618
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Rezensionen zu "Der fürsorgliche Mr Cave: Roman"

  1. Absturz in den Wahnsin

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Jan 2022 

    Der Antiquitätenhändler Terence Cave fühlt sich verflucht. Bereits zwei nahe Angehörige hat er durch unnatürliche Todesfälle verloren und dann stirbt auch noch sein 15-jähriger Sohn Reuben bei einer Mutprobe. Cave bleibt zurück, als alleinerziehender Vater von Reubens Zwillingsschwester Bryony und ihm ist eines klar: seine Tochter muss um jeden Preis beschützt werden. Was mit einer guten und verständlichen Intention beginnt, nimmt bald jedoch wahnhafte Züge an und selbst Terences Schwiegermutter Cynthia kann das drohende Unheil nicht mehr abwenden.

    Nach dem „Comfort Book“ und der „Mitternachtsbibliothek“ ist „Der fürsorgliche Mr. Cave“ mein dritter Roman von Matt Haig. Erzählt wird aus der Perspektive des Protagonisten Terence in der Vergangenheits- und Ichform und zwar in einem Brief, den er rückblickend für seine Tochter schreibt. Als Leser*innen befinden wir uns also die meiste Zeit im Kopf des Antiquitätenhändlers – und das ist wirklich nicht angenehm. Nur einmal wechselt das Geschehen kurz in die Außensicht, um eine zentrale Stelle zu schildern; dieser Kunstgriff ist dem Autor gut gelungen.

    Abgesehen davon muss ich leider sagen, dass ich mir eine etwas andere Art von Geschichte erwartet hatte; eine, die sich mehr mit dem Prozess des Trauerns und der gesamten Familie auseinandersetzt. Was aber letztendlich erzählt wird, ist Terences langsamer Abstieg in den Wahnsinn. Natürlich ist auch das auf eine gewisse Art nur eine Form dessen, was Verlust mit uns macht, aber eben in seiner extremsten Weise. Mr. Craves Gedanken zu folgen, ist stellenweise wirklich unangenehm. Das kann ich zwar durchaus als literarisch gut umgesetzt anerkennen, aber eine Beziehung lässt sich so zu den Charakteren nur schwer aufbauen. Terence selbst ist völlig verblendet, weshalb wir Tochter Bryony auch nicht objektiv wahrnehmen können. Cynthia ist zwar eine stärkere Figur, kommt aber nur selten zu Wort.

    Schade finde ich auch, dass wieder einmal der deutsche Titel nicht die Kraft und Bedeutung des Originals hat. Dieser lautet „The Possession of Mr Cave“ und trägt einen doppelten Sinn in sich: Einmal die Tatsache, dass Terence Bryony behandelt, als sei sie sein persönlicher Besitz. Und auf der anderen Seite fühlt er sich wörtlich, als habe Reubens Geist von ihm Besitz ergriffen. Der deutsche Titel hingegen birgt ein Versprechen, das die Handlung nicht einlösen kann.

    Hat mir das Buch gefallen? Nur teilweise. Werde ich die Bücher des Autors weiterhin lesen, weil ich seinen Kampf für die Akzeptanz von Depressionen und psychischer Krankheiten im Allgemeinen unterstützenswert finde? Auf jeden Fall.

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Papa stirbt, Mama auch

Buchseite und Rezensionen zu 'Papa stirbt, Mama auch' von Maren Wurster
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Papa stirbt, Mama auch"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Hanser Berlin
EAN:9783446271128
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Rezensionen zu "Papa stirbt, Mama auch"

  1. Berührt bis ins Mark…

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Jan 2022 

    Klappentext:

    „Ein Buch, das uns alle betrifft: Maren Wursters zutiefst berührende Reflektion über Fürsorge und Übergriffigkeit, Krankheit und Tod – und die Suche nach der eigenen Geschichte.

    Ein persönliches, in seiner Offenheit radikales, überraschend tröstliches Buch über den Abschied von den Eltern – und der literarische Versuch, die eigene Herkunft zu ergründen. Der Vater liegt auf der Intensivstation, die demenzkranke Mutter wird in einem Pflegeheim betreut. Dazwischen steht die Tochter, selbst Mutter eines kleinen Kindes, und muss sich kümmern, weiß aber nicht, wie. Sie fängt an, sich zu erinnern: an ihre Kindheit, an das Ferienhaus in Spanien, aber auch an die Sucht des Vaters und die Unnahbarkeit der Mutter. Und während sie das Leben der Eltern vom Moment des Sterbens aus erzählt, begreift sie nach und nach, was die beiden eigentlich für Menschen waren, was für ein Mensch sie selbst geworden ist.“

    Manchmal gibt es Bücher, die will man eigentlich gar nicht lesen, weil die Vogelstrauß-Politik manches Mal beim Menschen das Einfachste zu sein scheint. Tut das gut? Nein. Wir können uns vor so vielen Dingen und Situationen nicht verstecken und verschließen, denn sie werden kommen, eines Tages…ob wir wollen oder nicht.

    Autorin Maren Wurster hat mir das wieder klar gemacht. In ihrem Buch beschreibt sie eine Art Sterbebegleitung ihrer Eltern aber nicht in dem Sinne wie man das „professionell“ kennt, sondern wie man es als Kind seiner Eltern macht - mit Liebe bis zum Schluss, egal was war…Wurster erzählt von ihrem Vater, der vom Alkohol zerfressen war und der dafür seine Quittung des Lebens bekommt - er liegt im sterben. Wursters Mutter führt ihr eigenes Leben weit ab von dem, was sie weiß: sie hat eine fortschreitende Demenz und geht in ihrem Kopf ihren eigenen Weg des Lebens bis zum Schluss. Wursters Worte sind nicht nur berührend und traurig, ja sie quälen den Leser genau an der Stelle wo es richtig schmerzt. 140 Seiten braucht es dafür, dass man als Leser aufwacht und darüber nachdenkt wie man selbst damit umgehen würde. Braucht man dann so ein Buch? Umbedingt! Es zeigt, dass es einem nicht nur allein so geht. Alle Kinder ziehen irgendwann dieses Los des Schicksals. Wurster begleitet die beiden und erlebt eine riesige Kraft der Liebe zwischen ihnen, eine Liebe, an die sie selbst nicht mehr gedacht/geglaubt hätte, nach allem was war. Und vielleicht war es genau das was sie brauchte um die beiden für sich nochmal neu kennenzulernen. Wer waren ihre Eltern? Sie geht auf Spurensuche und findet sich selbst als Ergebnis der beiden wieder.

    Mein Fazit: aufwühlend, schmerzend, traurig, hammerhart, aufrüttelnd, wie ein Weckruf an alle Kinder…Ein gigantisches Buch mit einer noch gigantischeren Message. Lesen! Unbedingt lesen und mit sich selbst darüber sprechen…5 von 5 Sterne! Wobei diese wahrlich noch untertrieben sind!

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