Spiele (Kommissar Carl Edson 2)

Buchseite und Rezensionen zu 'Spiele (Kommissar Carl Edson 2)' von Bo Svernström
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Spiele (Kommissar Carl Edson 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:608
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Rezensionen zu "Spiele (Kommissar Carl Edson 2)"

  1. Kindermord

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Nov 2020 

    Als er noch ein Kind war, hat Robert Lindström seinen Freund Max umgebracht. So lautet jedenfalls das Ergebnis der Untersuchung der Polizei. Robert war noch nicht strafmündig und wurde deshalb nicht verurteilt. Doch sein ganzes Leben ist geprägt von der Tat. Als Erwachsener funktioniert er, aber viel Freude im Leben hat er nicht. Als die Journalistin Lexa ihn um ein Interview bittet, ist er in heller Aufregung. Sie will ein Buch über seinen Fall schreiben und sie zweifelt an seiner Täterschaft. Um die selbe Zeit wird ein Mädchen tot aufgefunden. Und Robert hat sich in der Nähe des Fundorts aufgehalten. Kommissar Carl Edson schöpft Verdacht.

    Zum zweiten Mal ermittelt Carl Edson und wieder bekommt er es mit einem verwickelten Fall zu tun. Der Verdacht auf Robert drängt sich auf, aber kann es auch noch andere Verdächtige geben? Unklar ist, was mit dem Mädchen geschehen ist, nachdem ihre Eltern sie vermisst haben. Und warum hat sich Lexa gerade Roberts Fall ausgesucht, um darüber zu berichten. Schließlich hat Robert immer behauptet, dass er sich nicht an seine Tat erinnern kann und so kann er eigentlich keine großen Auskünfte geben. Und sehr auskunftsfreudig wirkt er auch nicht.

    Wie auch im ersten Band um Carl Edson legt der Autor sehr viel Wert auf die Schilderung der Lebensumstände des vermeintlichen Täters. Das führt zu dem Eindruck, dass die Ermittlungen manchmal am Rande nebenher laufen und Carl Edson als Person sehr neutral wirkt. Dennoch packt einen die Frage, ob Robert damals wirklich der Täter war. Und natürlich will mal wissen, wieso das Mädchen umgebracht wurde. Das Buch ist sehr verschachtelt und spielt auch auf verschiedenen Zeitebenen. Führt man sich das Hörbuch, das sehr ansprechend vorgetragen wird, zu Gemüte, muss man schon sehr genau aufpassen, um jeden Wechsel mitzubekommen. Dennoch ist es interessant und spannend nach und nach die verschiedenen Schichten der Story zu durchdringen. Für mich war dieser zweite Teil etwas fesselnder als der erste.

 

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück: Roman' von Lilly Bernstein
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:512
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Rezensionen zu "Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück: Roman"

  1. Sehr bewegend

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Nov 2020 

    Seit ihre Tante den Bäcker Matthias geheiratet hat, fand die kleine Anna ein liebevolles und im wahrsten Wortsinn ein warmes Zuhause. Sie verbringt glückliche Kinderjahre, auch wenn die Zeiten nicht einfach sind. Auch als ihre beste Freundin Ruth plötzlich verschwindet und die Wohnung der Kohns nur noch ein Trümmerfeld ist, fühlt sie sich in ihrem Zuhause sicher. Doch dann wird der Onkel doch noch eingezogen und sie und die Mutter müssen das Haus und die Bäckerei verlassen, das Haus ist ausgebombt.

    Harte Trümmerjahre und der alltägliche Kampf um ein wenig Essen und ein bisschen Wärme prägt Annas Jugendzeit. Aber die Menschlichkeit und Liebe, die sie erfahren hat, lässt sie Unrecht und Not ertragen und offen für das Leid der Mitmenschen zu bleiben.

    Ich habe einen Roman gelesen, der sich auch als Zeitbeschreibung lesen lässt. Die Autorin hat die die Kriegs- und Nachkriegsjahre sehr realistisch eingefangen und alles hätte sich auch so in Köln oder anderen Städten ereignen können. Eine sehr warmherzige und anrührende Geschichte, die mich so richtig gepackt hat. Anna ist die prägende Figur in diesem Roman, aber auch die anderen Protagonisten, besonders die Tante, haben mir sehr gut gefallen. Die Hunger- und Kältejahre nach Kriegsende sind realistisch erzählt, beim täglichen Kampf um das Notwendigste kann man nicht unberührt bleiben. Hier merkt man deutlich, dass die Autorin auf Familienerinnerungen zurückgreifen kann, denn sie und die Mutter stammen ebenfalls aus einer Bäckerfamilie. Diese Nähe spürte man in diesem Buch, ganz besonders bei kleinen alltäglichen Begebenheiten.

    Die farbige Erzählweise macht den Roman zu einem richtigen Pageturner, der Überlebenswille und Kampfgeist Annas haben mir so gut gefallen, dass ich auch über einige Längen im letzten Drittel sehr gut hinweglesen konnte. Natürlich darf es ein glückliches Ende geben, das hat ein Roman dem echten Leben manchmal voraus.

    Mir hat dieser Roman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund sehr gut gefallen.

 

So weit die Störche ziehen: Roman (Die Gutsherrin-Saga 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'So weit die Störche ziehen: Roman (Die Gutsherrin-Saga 1)' von Theresia Graw
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "So weit die Störche ziehen: Roman (Die Gutsherrin-Saga 1)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:641
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Rezensionen zu "So weit die Störche ziehen: Roman (Die Gutsherrin-Saga 1)"

  1. Richtig toll

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Nov 2020 

    Ostpreußen 1939: Die junge Dora Twardy wächst behütet auf dem Pferdegestüt ihrer Familie auf. Als die deutsche Wehrmacht Polen angreift und ihr Vater eingezogen wird, muss sie plötzlich erwachsen werden und die Verantwortung für den Hof übernehmen. Sie kämpft mit aller Macht für den Erhalt des Hofs. Unterstützung erhält sie von zwei Männern. Für wen schlägt ihr Herz mehr?

    Das tolle Cover und die spannend klingende Beschreibung haben mich total angesprochen, so dass ich das Buch unbedingt lesen wollte.
    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, denn ich war komplett in der Geschichte gefangen und hatte alles bestens vor Augen.
    Die Charaktere wurden richtig toll ausgearbeitet, ich hatte klare Bilder von ihnen vor Augen. Dora hat mir sehr gut gefallen, eine sehr sympathische und starke junge Frau, mit der ich absolut mitfiebern konnte. 
    Die Geschichte konnte mich absolut fesseln. Gerade unter dem Aspekt des Krieges und der daraus resultierenden Verluste und Widrigkeiten in die Vergangenheit einzutauchen, fand ich toll. Ich habe mit Dora mitgefiebert, mitgelitten und mitgehofft. Ihre Entwicklung im Laufe der Zeit fand ich großartig. Sie ist an den Aufgaben und der Verantwortung gewachsen, was sehr glaubwürdig rüber kam. Ich habe es genossen, Dora kennenzulernen und an ihrem Leben teilzuhaben.

    Ein hervorragender historischer Roman, der mir fantastische Lesestunden geschenkt hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

 

Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek' von Martin Maurer
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:364
Verlag:
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Rezensionen zu "Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek"

  1. "Liverpool"

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Nach dem Tod seiner Frau ist der Polizist Nick Marzek abgestürzt. Um sich wieder zu fangen, nimmt der die Hilfe eines Kollegen aus München an und lässt sich von Berlin an die Isar versetzen. Die Eingewöhnung bei der Mordkommission fällt ihm schwer, lenkt ihn aber von den Gedanken an seine Frau ab. Da wird Anfang 1984 ein folgenschwerer Brandanschlag auf die Münchner Diskothek Liverpool verübt. Zunächst geht die Polizei von einem Kleinkrieg rivalisierender Kiezgrößen hin. Denn kurz zuvor brannten auch Wohnwagen von Prostituierten aus. Völlig überraschend taucht dann jedoch ein Bekennerschreiben auf, das bei einer italienischen Presseagentur abgegeben wurde.

    Im Untertitel heißt es „Ein Fall für Nick Marzek“, was darauf hindeutet, dass es sich hier um den ersten Band einer Reihe handeln könnte. Mit seinen 43 Jahren ist Marzek auf jeden Fall jung genug, um noch einige Fälle aufzuklären. Bei seinem ersten richtigen Einsatz in München ist er gleich mit einem besonders verzwickten Fall befasst. Der vermeintliche Krieg im Rotlichtmilieu entpuppt sich als geheimnisumwitterter Anschlag, bei dem sogar ein politischer Hintergrund zu vermuten ist. Da das Bekennerschreiben von den italienischen Polizeibehörden weitergeleitet wurde, wird Nick nach Italien geschickt. Als seine Übersetzerin reist Graziella mit, die in der Mordkommission eigentlich als Putzfrau angestellt ist.

    Natürlich sind Nick Marzek und seine Kollegen frei erfunden. Der Kriminalfall um den Anschlag auf die Diskothek Liverpool allerdings nicht. Diese Geschehnisse beruhen auf einem echten Fall. Und immer, wenn man meint, der Autor hat seine Phantasie etwas zu sehr spielen lassen, dann kann nur empfohlen werden, spätestens nach Ende der Lektüre mal das www aufzusuchen, um weitere Hinweise zu finden. Man wird erstaunt feststellen, dass sich der Autor an den berichteten Tatsachen orientiert hat. Wahrheit und Fiktion hat der dabei so geschickt verwoben, dass man beinahe glauben könnte, selbst wenn auch nur beobachtend Teil der Ermittlung zu sein. Die Art der Nachforschungen sind sehr authentisch, kleinteilige Polizeiarbeit. Ob es in der realen Welt passieren könnte, dass eine Putzfrau ohne die entsprechende Ausbildung zur Übersetzerin gemacht wird, erscheint eher zweifelhaft. Allerdings bringt Graziella gerade die nötige Leichtigkeit und ein gewisses Flair, ohne das der Roman manchmal etwas zu trocken geraten könnte. Der Anschlag auf die Diskothek Liverpool hat sich irgendwie nicht in die Erinnerung eingebrannt. Die Opfer haben da allerdings etwas Besseres verdient und dieses Bessere hat der Autor auf packende Art geliefert.

  1. Eine auf Tatsachen beruhende Kriminalgeschichte

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Nov 2020 

    Martin Maurer führt uns in seinem zweiten Kriminalroman in das München der 1980er Jahre. Hierher versetzt wird der Berliner Kriminalkommissar Nick Marzek, 43 Jahre alt. Nach dem Tod seiner Frau versucht er nun hier Fuß zu fassen.
    Da erschüttert ein brutaler Brandanschlag auf eine Diskothek im Bahnhofsviertel die Stadt. Es gab zwar keine Toten, aber zahlreiche, z.T. schwerverletzte Menschen. Die Polizei geht zuerst von Revierkämpfen im Rotlichtmilieu aus und ermittelt in dieser Richtung. Bis ein Bekennerschreiben in italienischer Sprache auftaucht. Eine „ Gruppe Ludwig“ zeigt sich verantwortlich für den Anschlag. Hakenkreuz und Reichsadler auf dem Schreiben verweisen auf einen rechtsextremen Hintergrund. Das „ Gott mit uns“ aber irritiert. Ähnliche Verbrechen der Gruppe gab es zuvor schon in Oberitalien.
    Deshalb soll nun Marzek dorthin reisen, um Hinweise auf die Täter zu finden. Ihm zur Seite gestellt wird Graziella, die italienische Reinigungskraft des Kommissariats, da ein professioneller Übersetzer momentan nicht zur Verfügung steht.
    Das ungleiche Paar wühlt sich nun durch Aktenberge, befragt italienische Kollegen, findet Unterstützung bei einem Journalisten und einem pensionierten Ermittler; beide waren mit den Fällen betraut.Sie reisen auch an die verschiedenen Tatorte. Im Umgang mit den Italienern und der italienischen Mentalität ist Graziella eine große Hilfe für Marzek. Ohne sie wäre er verloren. Sie bringt auch ein wenig italienische Leichtigkeit in die zermürbende Ermittlungsarbeit.
    Am Ende sind nicht alle Fragen geklärt, wie auch in der Realität. Martin Maurer greift in diesem Roman auf eine tatsächliche Mordserie zurück. Die „Gruppe Ludwig“ gab es tatsächlich und bis heute ist nicht klar, ob und wenn ja, welche Hintermänner es gab.
    „ Die Krieger“ ist ein spannender und unterhaltsamer, gut lesbarer Kriminalroman. Das eigenwillige Ermittlerpaar hat das Potential für weitere Fälle. Beide Figuren sind vielschichtig angelegt. Nick ist psychisch angeschlagen; die Arbeit hilft ihm beim Verdrängen. Graziella ist eine temperamentvolle, aber auch verletzliche Frau, die ebenfalls ihr Päckchen zu tragen hat.
    Es macht Spaß, die beiden beim Ermitteln zu begleiten und die Kriminalgeschichte gewinnt durch die politische Dimension an Aktualität. Parallelen zu den NSU- Morden drängen sich auf.

  1. Aktuell damals wie heute

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Okt 2020 

    Kurzmeinung: Es hat Spaß gemacht, mit Nick und Gabriella in Italien auf Spurensuche zu gehen. Ein Duo, was unterschiedlicher nicht sein konnte. Das Thema sehr düster und erschreckend.

    Der Autor Martin Maurer war mir bisher unbekannt, obwohl er bereit im Jahr 2011 schon einen erfolgreichen Thriller vorgelegt hat. Dazwischen hat er Drehbücher geschrieben, eh er sich einem spannenden Fall, der auf Tatsachen basiert, gewidmet hat. Da er in Italien lebt, waren die Beschreibungen der Orte sehr authentisch geschildert.

    Wie bei so vielen Krimis ist auch der Ermittler Nick von Berlin in den Süden nach München versetzt worden. Die meisten Kommissare haben ein Problem in der Stadt, wo sie bisher ermittelt haben oder sind psychisch angegriffen gewesen. So auch Nick Marzek, 43 Jahre alt, Witwer und ein Sohn zu dem er keinen richtigen Draht mehr finden kann. Sein Freund und Kollege hat ihn nach München geholt. Er fremdelt noch heftig mit der Stadt. Da wir das Jahr 1984 schreiben, fährt Nick nur mit einem Faltstadtplan durch die Gegend.

    Ein verheerender Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool fand im Jahre 1984 in München statt. Es wurden zahlreiche Menschen schwer verletzt. Da vorher einige Revierkämpfe im Millieu stattfanden, auch Brandanschläge auf Wohnwagen von Prostituierten ging man davon aus, es handelt sich um Machteroberung von verschiedenen Gruppen. Als dann aber aus Italien ein Hinweis der Polizei kommt, es könne einen Zusammenhang zu dieser
    Tat mit vergangenen Verbrechen in Italien bestehen, da reist Nick nach Italien. Da er allerdings der Sprache nicht mächtig ist schickt man ihn gemeinsam mit der italienischen Reinigungskraft Gabriella auf die Reise. Schnell merkt er, ohne sie wäre er total aufgeschmissen in diesem fremden Territorium. Die Italiener haben auch nicht auf einen Ermittler aus Deutschland gewartet.

    Sie müssen sich zunächst durch Berge von Akten arbeiten und Gabriella hat so einige Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Aber das Übersetzen geht ihr leicht von den Lippen. Immer weiter arbeiten sie sich in die Tiefe und Dunkelheit des bösen Treibens einer Gruppe Namens "Ludwig" ein. Sehen anfangs kaum einen Zusammenhang und tappen lange im Dunkeln. Sind sich nicht sicher, ob man es hier nicht doch mit verschiedenen Kriminellen zu tun hat.

    Ein spannender und lohnenswerter Krimi war es auf jeden Fall. Zwischendurch konnte ich auch ein wenig italienische Leichtigkeit und Gastfreundschaft einfangen. Nach dem Nachwort des Autors musst ich zwangsläufig die genaue Geschichte nachlesen. Martin Maurer hat daraus einen tollen Krimi gemacht.

  1. Zeitreise in die 80er Jahre

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Okt 2020 

    Der Berliner Kommissar Nick Marzek nimmt nach dem Tod seiner Frau ein Angebot seines Freundes Aki, Kommissar in München, nach München in die Mordkommission zu wechseln an.
    Kurze Zeit später findet im Rotlichtbezirk Münchens ein Brandanschlag statt. Zunächst sieht es wie ein Bandenkrieg aus, nimmt dann doch eine politische Dimension an. Ein mit Hakenkreuzen und Runen versehenes italienisches Bekennerschreiben einer Gruppe LUDWIG, die sich schon zu verschiedenen Anschlägen in Europa, vornehmlich in Italien, bekannt hat, trifft ein. Die Ermittlungen in München laufen auf Hochtouren, jedem Hinweis wird nachgegangen. Schnell steht fest, dass vor Ort in Italien recherchiert werden muss. Die Wahl des Ermittlers fällt auf Nick Marzek. Doch Nick beherrscht die italienische Sprache nicht. Daher wird ihm als Alternative, aus Ermangelung eines Übersetzers, die italienische Putzfrau der Mordkommission, Graziella, zur Seite gestellt, die für ihn übersetzen soll. Doch schnell stellt Nick fest, dass Graziella Schwierigkeiten beim Lesen hat. Das hat zur Folge, dass das Durchforsten der Aktenberge mühsam wird. Trotzdem erweist sich Graziellas als kluge, landeskundige Ermittlerin. Sie versteht die Mentalität der Italiener, insbesondere der italienischen Polizei und Nick Marzek lässt sich gerne von ihrer Lebensfreude anstecken.
    Je mehr sich die beiden in die Akten der italienischen Kollegen vertiefen, umso klarer wird, dass die Anschläge das Werk der radikalen Grupp LUDWIG sind. Nick Marzek und Graziella erhalten bei ihren Nachforschungen Amtshilfe von der italienischen Polizei. Zusätzlich als Unterstützung hilft ihnen ein mittlerweile pensionierter Ermittler, den die ungelösten Fälle nie losgelassen haben.

    Sprache und Stil

    Die Sprache ist umgangssprachlich, wörtliche Rede und in kurzen Sätzen aneinandergereiht. (Parataxen). Dadurch wird der Thriller lebendig, Der Leser taucht in die achtziger Jahre ein und die Spannung wird greifbar.
    Der Autor mischt wahre Begebenheiten mit einer Fiktion. Der Anschlag auf die Diskothek Liverpool hat 1984 tatsächlich stattgefunden. Ebenfalls die Gruppe LUDWIG ist real. Alle Personen im Roman, bis auf Abel und Furlan, sind fiktiv. Auch die abenteuerliche Reise nach Italien hat so nicht stattgefunden.
    Ob diese Verknüpfung der Geschichte zwischen Fiktion und Wirklichkeit so dargestellt werden darf, beantwortet Martin Maurer in seinem Nachwort:

    „Mit genau dieser Frage beschäftigt sich die Krimireihe, um Hauptkommissar Nick Marzek, denn Kriminalliteratur darf, was Dokumentaristen, Journalisten und Historikern verwehrt bleibt: Geschehnisse fiktional einkleiden, Spuren weiterverfolgen und Gedanken weiterspinnen. Sie darf eine Geschichte erzählen, und vielleicht ist deren Wahrheit am Ende gar nicht so weit weg von der Realität. „(S. 361)

    Das Buch ist in 17 Kapitel in römischen Zahlen aufgeteilt mit jeweils kurzen Stichworten zum Inhalt. Im Nachwort gibt der Autor Martin Maurer einen historischen Überblick über das damalige Geschehen und ordnet es seinem Roman mit entsprechenden Hinweisen auf Quellen und Unterstützungen zu.

    Fazit
    „Die Krieger“ ist ein gut recherchierter, spannender und gleichzeitig klug durchdachter Thriller mit einer komplexen Geschichte um die Gruppe LUDWIG. Martin Maurer vereint die Geschichte in einer Mischung aus wahrer Begebenheit mit Fiktion.
    Die Frage bleibt offen: „waren die Täter Abel und Furlan alleine oder stand hinter ihnen ein komplexes Netzwerk, das bis heute im Dunkeln liegt?“ (Nachwort S, 361)

    Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.

 

Sam ist weg: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Sam ist weg: Roman' von Sophie Bienvenu
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sam ist weg: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:159
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Sam ist weg: Roman"

  1. Eine einfühlsame, nachdenkliche Geschichte

    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Sep 2020 

    „Vielleicht hat sie sich gesagt, wir treffen uns an unserem Schlafplatz, und sie hätte auch gern eine Nachricht hinterlassen, aber so was machen Hunde nicht. Sie ergreifen eher selten die Initiative, deshalb haben sie nie gelernt, wie man Bescheid sagt.“ (Zitat Pos. 394)

    Inhalt
    Das Leben von Mathieu war nie einfach gewesen, doch der letzte Schicksalsschlag wirft ihn endgültig aus der Bahn und er landet er auf der Straße. Seine Hündin Sam, die ihm aus seinem früheren Leben geblieben ist, begleitet ihn auch jetzt mit ihrem stillen Vertrauen und in den Nächten wärmen sie einander, denn der Winter hat begonnen. Doch sie haben Glück, ein Bekannter verreist über den Winter, seine leerstehende Wohnung überlässt er seiner Cousine Gabrielle und diese ist bereit, die beiden vorübergehend aufzunehmen. Da ist Sam plötzlich verschwunden. Mathieu hatte sie nur kurz vor einem Laden angebunden, in dem er öfter einkauft. Mathieu macht sich sofort auf die Suche und Gabrielle hilft ihm dabei, doch Montreal ist eine Großstadt und Sam kann überall sein.

    Thema und Genre
    Es geht um anonyme Schicksale in einer Großstadt, um Menschen, die durch besondere Umstände plötzlich aus ihrem Leben geworfen werden und versuchen, auf der Straße irgendwie über die Runden zu kommen. Themen sind Erinnerungen, Trauer, Verzweiflung und neue Hoffnung, Mut, und die Liebe.

    Charaktere
    Mathieus Kindheit ist von seiner dominanten Mutter und einem schweigsamen Vater geprägt. Sehr jung verliebt er sich in Karine, die Frau seines Lebens, die ihn und die gemeinsame Tochter Lila jedoch verlässt. Manchmal will Mathieu einfach aufgeben, doch er kann es nicht, irgendwie macht er immer weiter, gefangen in seinen Erinnerungen. Sam ist ein wichtiger Teil des früheren Lebens und darum muss er sie wiederfinden, er gibt nicht auf, folgt jeder Idee, wo er suchen könnte.

    Handlung und Schreibstil
    Der obdachlose Mathieu erzählt seine Geschichte selbst. Die aktuelle Handlung, die Stunden und Tage der Suche nach seiner Hündin Sam, wird in kurzen Abschnitten erzählt, die immer wieder durch seine Erinnerungen durchbrochen werden. So erfahren wir die wichtigsten Ereignisse aus seinem Leben, allerdings nicht chronologisch, sondern bruchstückhaft, kurze Geschichten und Situationen, die sich schließlich zu einem Gesamtbild über das bisherige Leben von Mathieu zusammenfügen. Die Hündin Sam ist das Bindeglied zu seinem früheren Leben und die Suche nach seiner Hündin wird für ihn auch zum Versuch, mit der Vergangenheit weiterzuleben. Die Frage, ob es ihm gelingen wird, Sam in der Metropole Montreal wiederzufinden, sorgt für Spannung und wir bangen und hoffen mit Mathieu. Die Sprache ist einfühlsam und gibt in teilweise einfachen, sehr persönlichen Sätzen nicht nur die aktuelle Situation und die Erinnerungen, sondern auch die Gedanken und Gefühle der Hauptfigur packend und glaubhaft wieder, führt uns direkt in sein Leben.

    Fazit
    Ein einfühlsamer, leiser, nachdenklicher Roman über die Hintergründe, die dazu führen können, einen Menschen völlig aus der Bahn zu werfen. Gleichzeitig ist es jedoch eine poetische Geschichte über das Leben, die Kraft der Liebe und den Mut, dass es irgendwie weitergeht.

 

Das Haus in der Claremont Street: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Haus in der Claremont Street: Roman' von Wiebke von Carolsfeld
3
3 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Haus in der Claremont Street: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:356
Verlag:
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Rezensionen zu "Das Haus in der Claremont Street: Roman"

  1. Zu viele Nebenschauplätze

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Sep 2020 

    Tom ist acht Jahre alt, als sein Vater Russell Mona, Toms Mutter, erschlägt und sich danach selbst tötet. Seither hat Tom kein Wort mehr gesprochen. Das traumatisierte Kind kommt zunächst zu seiner kinderlosen Tante Sonya, die aber bald mit dessen Betreuung überfordert ist. So zieht Tom zu Tante Rose und Onkel Will in die Claremont Street, wo er endlich ein Zuhause finden soll. Nur sehr langsam findet sich Tom in seiner neuen Normalität zurecht.
    „Das Haus in der Claremont Street“ ist der Debütroman von Wiebke von Carolsfeld. Ihr beruflicher Werdegang führte die Autorin über die Verlagswelt in Deutschland nach Kanada, wo sie als Filmemacherin tätig ist.
    Es ist grundsätzlich ein berührendes Setting, um das es in diesem Buch geht. Der Prolog ist eindringlich, geht unter die Haut. Ein kleiner Junge verliert „auf einen Schlag“ alles, Mutter, Vater, das Zuhause. Tom zieht sich in seiner Trauer in Schweigen zurück, fühlt sich am Tod der Mutter mitschuldig, weil er ihr nicht helfen könnte. Monas Tod ist aber für die gesamte Familie eine ungeheure Zerreißprobe. Denn genaugenommen schwelen schon immer in dieser Familie unausgesprochene Konflikte.
    Da ist Sonya, die Perfektionistin in ihrer kleinen sauberen, organisierten Welt. Doch sie leidet an ihrem unerfüllten Kinderwunsch, will Tom zu ihrem „Projekt“ machen an dem sie scheitert.
    „Nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen hätte sie sich ausgemalt, dass sie einmal hier enden würde, in dieser Speisekammer, mit diesem Jungen, der kein einziges Wort sprach und nicht weinte, ja der sich nicht einmal berühren lassen wollte. Ein Junge, für den sie von jetzt an verantwortlich war. Ein eigenes Kind, von jetzt auf gleich.“
    Rose hingegen kämpft an allen Fronten einer Alleinerzieherin: Geldmangel, Zeitmangel, der Sohn ein Pubertist, das Haus eine Bruchbude. Und zu allem Überfluss muss sie auch nicht mit Will, ihrem Bruder, klarkommen, der sich vor jeder Verantwortung drückt, wo er nur kann.
    Das ganze Familiengefüge droht auseinanderzubrechen:
    „Was uns nicht umbringt, macht uns stark. Das kann man doch nicht in Gegenwart eines Kindes sagen, das so traumatisiert ist wie Tom!....Und es stimmt nicht einmal. Tom ist nicht stärker, weil er überlebt hat. Keiner von uns ist stärker geworden. Und Mona ist tot. Manchmal bringt einen so eine Scheiße einfach um. Und Tatsache ist, dass keiner von uns irgendetwas unternommen hat, um das zu verhindern.“

    Doch anstatt Tom in den Mittelpunkt der Erzählung zu rücken, und damit eine tiefere Beziehung zu dem kleinen Protagonisten aufzubauen, ergeht sich die Geschichte am täglichen Kleinkrieg zwischen den Erwachsenen. Mit derselben Energie, die Rose auf ihre verstopfte Küchenspüle aufwendet, widmet sich die Autorin Nebenschauplätzen der Befindlichkeiten der Geschwister.

    „…, dass einem Familie nicht immer Sicherheit bietet…Das sollten Sie doch wohl wissen.“

    Hier meine ich, will die Autorin zu viel an Themen unterbringen und verliert dabei an Relevanz. Was ich schade finde.

  1. Wie eine Tragödie eine Familie vereint

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 10. Sep 2020 

    Sonya die nach einem schweren Schicksalsschlag den traumatisierten neunjährigen Sohn ihrer Schwester bei sich aufnimmt , hat es nicht leicht . Er redet nicht und schweigt beharrlich . Sie weiß sich bald nicht mehr zu helfen ... Durch Tom findet ihre ganze Familie wieder zusammen .

    Die Kapitel wechseln sich zwischen den einzelnen Charakteren ab . Die wiederum passen sehr gut in die Geschichte , sind glaubwürdig und jeder auf seine ganz besondere Art sympathisch . Der Schreib - und Erzählstil ist fast schon poetisch ,ruhig und hat für mich einen etwas traurigen Klang . Die Spannung in diesem Familienroman hält sich im Hintergrund . Es ist eher das nachdenkliche was bei mir im Vordergrund steht . Es gibt immer wieder Rückblicke wie es vor dem Schicksalsschlag war . Davon hätte ich mir allerdings etwas mehr gewünscht . Die Handlung spielt sich hauptsächlich in der Innenstadt von Toronto ab .

    Fazit : Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten in das Buch hineinzukommen . Es ist eher eine Erzählung mit einem traurigen Thema . Umso schöner und positiver wird er dagegen zum Schluss . Es ist ein berührender Familienroman der mich leider nicht richtig fesseln konnte .

 

Das Leben ist ein wilder Garten: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Leben ist ein wilder Garten: Roman' von Roland Buti
3.15
3.2 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Leben ist ein wilder Garten: Roman"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:176
Verlag:
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Rezensionen zu "Das Leben ist ein wilder Garten: Roman"

  1. wundervolle Poesie - aber was will sie mitteilen?

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 29. Aug 2020 

    Das Leben des Gärtner Carlos gerät in Aufruhr: Die Frau hat ihn verlassen, die Tochter studiert auswärts. Agon, sein Hilfsgärtner aus dem Kosovo, eine sensible Seele in einem massigen Körper, wird aus heiterem Himmel zusammengeschlagen. Und dann ist plötzlich Carlos demente Mutter verschwunden. Von seiner Frau verlassen und auch die Tochter ist auswärts, unterstützt ihn nur sein Mitarbeiter Agon bei der Suche. Dabei kommt er in einem Grandhotel am Berg der Vergangenheit seiner Mutter während des Zweiten Weltkriegs auf die Spur.

    Fazit:
    Die Geschichte von Gärtner Carlos wird in ausgesprochen poetischen Worten gelesen - da schlägt mein Literaturherz gleich höher. Sehr schön und flüssig zu lesen.
    Inhaltlich konnte mich die Geschichte nicht ganz überzeugen.
    Es wird sehr viel erzählt - man hat das Gefühl, der rote Faden geht verloren, und das was der Autor eigentlich erzählen möchte, kommt beim Leser nicht an.
    Das Leben des Gärtner Carlos gerät in Aufruhr: Die Frau hat ihn verlassen, die Tochter studiert auswärts. Agon, sein Hilfsgärtner aus dem Kosovo, eine sensible Seele in einem massigen Körper, wird aus heiterem Himmel zusammengeschlagen. Und dann ist plötzlich Carlos demente Mutter verschwunden. Von seiner Frau verlassen und auch die Tochter ist auswärts, unterstützt ihn nur sein Mitarbeiter Agon bei der Suche. Dabei kommt er in einem Grandhotel am Berg der Vergangenheit seiner Mutter während des Zweiten Weltkriegs auf die Spur.

    Fazit:
    Die Geschichte von Gärtner Carlos wird in ausgesprochen poetischen Worten gelesen - da schlägt mein Literaturherz gleich höher. Sehr schön und flüssig zu lesen.
    Inhaltlich konnte mich die Geschichte nicht ganz überzeugen.
    Es wird sehr viel erzählt - man hat das Gefühl, der rote Faden geht verloren, und das was der Autor eigentlich erzählen möchte, kommt beim Leser nicht an.

  1. Ein wenig Aufregung in einem wenig bewegten Leben

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Aug 2020 

    Carlo, ein Landschaftsgärtner in der Schweiz, führt ein wenig bewegtes Leben. Aufregung scheint ihm fremd – bis eines Tages seine Mutter verschwindet und er sich auf die Suche nach ihr macht.
    Ich bin sehr gerne Carlos Gedankengängen gefolgt und fand seine Sichtweise auf seine Umgebung und die Menschen in seiner Nähe oft sehr erfrischend und auch nie langweilig. Die Rückblicke auf die Beziehung zu seiner Frau stimmten meist traurig und auch insgesamt vermitteln seine Gedanken doch eher eine melancholische Stimmung. Obwohl er eigentlich fest im Leben steht, hatte ich manchmal den Eindruck, dass er sich etwas verloren durch die Welt bewegt.
    Die Geschichte um seine Mutter – ihre ihm bisher unbekannte Vergangenheit – fand ich von der Grundidee spannend, aber mir fehlte da doch etwas mehr Substanz. Ich hätte gerne mehr darüber erfahren und fand es etwas schade, dass seine Mutter und ihre Geschichte nicht etwas mehr Platz eingenommen haben. Interessanter war dann eigentlich doch seine – ungläubige – Reaktion darauf.
    Gefühlt mehr Platz hat dann die Geschichte um seinen Mitarbeiter, Agon, eingenommen. Da dieser ein sehr besonderer Charakter und außerdem auch sehr präsent ist, war das auch passend. Als die Sprache auf dessen Vergangenheit kommt, wird diese jedoch auch sehr kurz abgehandelt, was ich wiederum schade fand.
    Möglicherweise ist das „Nicht-tiefer-Gehen“ ja gewollt, aber mir hat doch etwas gefehlt. Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen, aber die Geschichte um Carlo hatte leider für mich nicht das Potenzial, mir länger im Gedächtnis zu bleiben.

  1. Vom Verschwinden des Gärtners

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 16. Aug 2020 

    Der Landschaftsgärtner Carlo Weiss ist Mitte 40, seine Frau Ana hat ihn vor geraumer Zeit verlassen, seine Tochter Mina studiert im Ausland, sein Angestellter Agon landet nach einem tätlichen Angriff im Krankenhaus. Dann bekommt Carlo einen Anruf aus dem Pflegeheim, in dem seine Mutter Pia untergebracht ist. Die demente Frau ist verschwunden. Carlo spürt sie auf im Hotel Grand National, einem Luxushotel bei Montreux, mit dem Pia durch nostalgische Erinnerungen ihrer Jungend verbunden ist.
    „Das Leben ist ein wilder Garten“ des französisch Schweizer Schriftstellers Roland Buti ist ein sehr wehmütiger Roman über die Brüchigkeit irdischer Existenz. Es sind schöne Bilder, die Buti mit seiner Sprache formt.
    Carlo verbringt seinen Alltag mit Arbeit, die ihn zu erfüllen scheint. Er ist einsam, die Lücken, die entstanden sind, als seine Tochter und kurz darauf auch seine Frau Ana aus der Wohnung auszogen, kann er jedoch nicht füllen. Carlo ist lethargisch und farblos. Die Gespräche mit seiner Mutter scheinen ihm peinlich und langweilig zu sein. Bei den wenigen Begegnungen mit Ana lebt die sexuelle Komponente ihrer früheren Beziehung wieder auf, die trotz der körperlichen Nähe immer auf Distanz bleibt.
    Carlos Hilfsgärtner Agon ist Exilkosovare und ist für mich eindeutig der interessantere Charakter. Vor dem Bürgerkrieg war Agon Französischlehrer. Er ist in der französischen Literatur belesen, liebt seinen Schrebergarten. In dem „Schrank von einem Kerl“ steckt ein zuweilen kindliches Gemüt, glaubt an die Legenden seiner Heimat und steckt voller Überraschungen.
    „Gärten sind sozialistisch, die Natur ist kapitalistisch.“
    In der geschützten Welt des Gartens bleibt nichts dem Zufall überlassen, während die Natur der Unordnung und dem Triumph des Stärksten Vorschub leistet.
    „Ein Garten überlebt das Verschwinden des Gärtners nicht.“
    Carlos Mutter Pia zieht sich in die Erinnerungen ihrer Jugend zurück, entrückt in eine Abwesenheit von der Welt, nimmt „Urlaub von sich selbst“.
    Im Grand National offenbart sich für Carlo einen Lebensabschnitt seiner Mutter, von dem er nichts ahnte.
    „Mama hatte eine Existenz vor mir gehabt, und nachher lebte sie ihr Leben ohne mich weiter. Diese beiden Realitäten blieben für mich im Dunklen.“
    Letztlich muss sich Carlo die Frage stellen, wie genau er seine Mutter konnte, ob sie jemals glücklich war.
    Butis „wilder Garten“ ist mehr ein langsamer Fluss, der träge von einem Handlungsstrang zum nächsten mäandert. Zu gewollt sind die Bilder, die sich zur Natur aufdrängen, zu maniriert die geschliffene Sprache. Zu lose fügen sich Gedanken zur Natur, zur Einsamkeit, zur Selbstbestimmtheit aneinander. Zu viele Türen werden geöffnet.
    „Man muss die Tür hinter sich zumachen können.“ sagt Agon. Dieses Buch kann ich ganz getrost zumachen.

  1. Ruhiger, wundervoll erzählter Roman

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Aug 2020 

    MEINE MEINUNG
    In seinem jüngsten Roman „Das Leben ist ein wilder Garten“ erzählt der mehrfach preisgekrönte Schweizer Autor Roland Buti eine berührende, nachdenklich stimmende Geschichte über das Leben in all seinen schillernden Facetten. Es ist ein zarter, einfühlsam erzählter Roman der sich mit Einsamkeit, Entfremdung, Liebe, Trauer, Verlusten und den verpassten Gelegenheiten im Leben beschäftigt, aber auch mit Heimatgefühl und Naturverbundenheit.
    Schon bald hat mich der wundervoll ruhige und einfühlsame Erzählstil des Autors mit seinen bildmächtigen, sehr atmosphärischen Schilderungen gefangen genommen. Buti kommt in seiner beschaulichen, etwas melancholischen Geschichte oft ohne viele Worte aus, so dass vieles der Fantasie des Lesers überlassen bleibt. Dennoch versteht er es hervorragend, uns auch mit überraschenden Wendungen, humorvollen Passagen und feiner Ironie zu unterhalten.
    Nach und nach tauchen wir ein in das auf den ersten Blick recht ruhige Leben des Protagonisten und Ich-Erzählers Carlo Weiss - einem Landschaftsgärtner, der in der Arbeit in seinen Gärten völlig aufgeht und den die Natur auf wundersame Weise zu erden scheint. Nach dem Scheitern seiner Ehe lebt er allein und kämpft gegen seine innere Leere und Einsamkeit an. Seine Freizeit verbringt er meist mit dem angestellten Hilfsgärtner Agon, einem hünenhaften, sanftmütigen, aus dem Kosovo stammenden Flüchtling mit einem Hang für Philosophie und französische Klassiker. Doch als Carlo`s hochbetagte, demente Mutter Pia spurlos aus ihrem Seniorenheim verschwindet und Agon von zwei brutalen Landsleuten krankenhausreif geprügelt wird, gerät Carlo`s kleine, geordnete Welt unversehens ins Wanken – umso mehr als Carlo seine Mutter im luxuriösen Hotel Grand National in den Bergen nahe der Schweizer Grenze aufspürt, die dort in ihrer einstigen Heimat ihre letzten Tage verbringen möchte.
    Fesselnd ist es mitzuerleben, wie Carlo sich nach und nach seiner oft verwirrten Mutter annähert und dabei viele gut gehütete Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs enthüllt werden, die mit dem Grand National zusammenhängen. Ganz neue Seiten entdeckt Carlo an seiner Mutter und erfährt schließlich verblüffende Details aus ihrem damaligen Leben – von ihren außergewöhnlichen Talenten, ihren Träumen, ihrer großen Liebe, aber auch ihrem schmerzvollen Verlust. Ganz nebenbei erkennt er, wie wenig er über das Leben seiner Mutter weiß. So muss er sich eingestehen, dass er vieles von dem, was um ihn herum geschehen ist, nur oberflächlich wahrgenommen und nicht verstanden hat, ja, dass die Menschen, die ihm am nächsten sind, ihm stets rätselhaft und fremd geblieben sind und er mehr oder weniger blind und unsensibel durch sein Leben geht.
    Buti hat in seinem Roman wundervolle, ausgefallene Charaktere geschaffen, die einen mit ihren Eigenarten faszinieren und die man nur ungern gehen lässt. Er versteht es hervorragend, die Emotionen und Gesten seiner liebenswerten Figuren glaubhaft und treffend zu skizzieren. Vor allem mit seinem Hilfsgärtner Agon, seiner dunklen, beklemmenden Vergangenheit im Kosovo aber auch mit seinen pragmatischen Lebensweisheiten ist Buti eine überaus tiefgründige, authentische Figur gelungen, die mich sehr beeindruckt und für einige Schmunzelmomente gesorgt hat.
    Langsam entfaltet sich die Vielschichtigkeit der Geschichte mit ihren wiederkehrenden Motiven, die zunehmend an Tiefgang gewinnt und zum Nachdenken anregt. Geschickt sind die verschiedenen, eher beiläufig erzählten Handlungsstränge miteinander verwoben, werden zum Ende hin zusammengeführt und doch bleibt einiges vage in der Luft hängen.
    Schade, dass dieser Roman so schnell zu Ende ging, denn ich hätte gerne noch einige Hintergründe erfahren – es fühlte sich fast ein bisschen so an, als hätte sich der Autor unbemerkt durch die Seitentür hinausgeschlichen…

    FAZIT
    Ein ruhiger, wundervoll erzählter Roman mit einer melancholischen, vielschichtigen und nachdenklich stimmenden Geschichte über das Leben und außergewöhnlichen Charakteren!

  1. Schön erzählt

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Aug 2020 

    Das Leben ist ein wilder Garten – was für ein schöner Titel und was für ein einnehmender Klappentext.

    Das nicht sehr umfangreiche Buch ist Carlos Sicht erzählt. Seine Frau Ana hat ihn verlassen, was er auch nach Jahren bedauert und nicht recht versteht, die Tochter studiert in London, ist ihm längst entfremdet. Seine Mutter lebt im Altersheim.
    Er ist Gartenarchitekt und seine Firma läuft wohl gut. Einer seiner Angestellten ist Agon, ein Schrank von Mann mit einem sensiblen Charakter und so wie es scheint, sein einziger Vertrauter.

    Eines Tages verschwindet die schon leicht demente Mutter aus dem Heim und Carlo findet sie im Heimatdorf in den Bergen, in einem Luxushotel. Den Bezug erfährt er ganz allmählich und erkennt, dass seine Mutter ein Leben vor Ehe und Mutterschaft hatte, sogar ein amouröses Verhältnis mit einem Hotelgast.

    So mäandert das Geschichte durch die Seiten. Es passiert nicht viel, aber das auf eine schöne Weise. Buti hat einen sehr rhythmischen Sprachstil, das macht das Lesen wirklich angenehm. Aber trotzdem: mir fehlte was. Gedanken und Szenen werden angerissen und verlieren sich dann. Warum, zum Beispiel, wurde Agon angegriffen? Ein roter Faden, der die Geschichte vielleicht gestützt hätte, fehlt völlig, aber so plätscherte die Geschichte angenehm vor sich hin.

  1. Wie das leben so spielt

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Aug 2020 

    Roland Buti ist sprachlich versiert. Er schafft wunderbare Bilder, kann atmosphärisch Orte und Landschaften so gekonnt beschreiben, dass man sie vor sich sieht, die Charaktere und ihre Gefühlslagen haben Hand und Fuß. „Das Leben ist ein wilder Garten“, heißt Butis neues Buch und dieser Titel scheint mir Programm zu sein, denn so richtig stringent und zusammenhängend stellt sich die erzählte Geschichte nicht dar.

    Im Mittelpunkt steht Ich-Erzähler Carlo Weiss, der als Landschaftsgärtner selbständig ist und interessanterweise exquisite Gärten für betagte, wohlhabende Menschen anlegt. Sein Mitarbeiter Agon stammt aus dem Kosovo, ist ein Hüne von Mann und gleichzeitig eine Seele von Mensch. Er hat sich eine kleine Schrebergarten-Idylle angelegt, die jedoch von den Stadtvätern bedroht wird. Eine Umsiedlung der Kleingartenanlage ist vorgesehen. Als sei das nicht genug, erleidet Agon auch noch einen mysteriösen Überfall.

    Carlo selbst hat eine erwachsene, studierende Tochter. Er leidet darunter, dass nicht nur sie die gemeinsame Wohnung verlassen hat, sondern auch seine Frau, die Krankenschwester Ana, gleich mit. Er fühlt sich einsam und empfindet die Lücken in seiner Küche sehr plastisch:
    „Sie hatte einiges mitgenommen, was ich nicht ersetzt hatte. (…) Die Proportionen der Küche hatten sich unter dem Einfluss eines sonderbaren Phänomens verändert. Sämtliche Geräusche darin kamen mir deutlich lauter vor. Zwischen den Gegenständen war ein ungewohnter Abstand eingezogen, als hätte sich der Ort, an dem wir sechzehn Jahre lang zweimal am Tag zusammen gegessen hatten, mit der Zeit ausgeleiert.“ (S. 11)

    Aufgeschreckt wird Carlo von der Nachricht, dass seine Mutter aus dem Altersheim verschwunden ist. Zum Glück findet er sie schnell, sie ist in einem ehemaligen Luxushotel abgestiegen, das schon bessere Zeiten gesehen hat. Offensichtlich hatte sie schon als junge Frau engen Kontakt zu diesem Haus, dort trifft sie einen alten Freund wieder und darf fortan im Hotel wohnen.

    Die alte Dame verliert an Kraft und flüchtet sich zusehends in die Vergangenheit. Dabei lernt der Sohn nicht nur seine Mutter von einer neuen Seite kennen, sondern er erfährt auch viel über deren Leben als junge Frau. Der Umgang mit der demenzkranken Mutter fällt ihm nicht leicht, auch weil er den Wahrheitsgehalt ihrer Erzählungen nicht einschätzen kann. Eine Hilfe im Umgang mit der Mutter wird ihm Noch-Ehefrau Ana. Die Beziehung zu ihr ist nicht spannungsfrei und von ihrer Seite aus höchst ambivalent, was dem Protagonisten sehr zu schaffen macht:
    „Meine Sehnsucht schmerzte. Es fühlte sich an wie Heimweh. Die Arme dieser Frau waren mein eigentliches Zuhause, und ich wusste, dass ich mich überall sonst fremd fühlen würde.“ (S.95)

    Buti lässt die einzelnen Handlungsstränge für sich wirken. Alle haben sie einen Bezug zur Natur, zu Gärten und zu Vögeln. Jeden einzelnen gestaltet er bildreich und zuweilen poetisch aus, die Figuren haben klare Konturen und Handlungsorten wird Leben eingehaucht. Das ist große schriftstellerische Kunst.

    Trotzdem hat mir etwas an dem kleinen Roman gefehlt. Ich hätte mir einen stärkeren Zusammenhang unter den verschiedenen Geschichten und mehr Spannung gewünscht. Mir war klar, dass es sich hier um eine ruhig erzählte Familien- und Freundschaftsgeschichte handelt. Ein bisschen mehr Schwung hätte ihr jedoch gut getan. Alles plätschert (von wunderbaren Formulierungen getragen) vor sich hin, ohne große Überraschungen und ohne komplette Auflösung am Ende. Manche Fragen bleiben offen – wie im richtigen Leben auch. Der Titel des Buches ist offensichtlich Programm: Das Leben ist ein wilder Garten – nicht alles lässt sich in eine gerade Bahn und Struktur bringen. Jedes Leben hat seinen eigenen Kreislauf. Der Klappentext wirkt im Gegensatz dazu reißerisch und weckt andere Erwartungen: eine „ungeahnt glamouöse Vergangenheit“ wird man bei Carlos Mutter vergeblich suchen. Auch biedert sich das Cover sehr den derzeit inflationär im Buchhandel ausliegenden historischen Frauenromanen an.

    Ein lesenswertes, ruhiges, fein geschliffenes Buch ohne nennenswerte Spannungskurve. Brillant formuliert mit kurzen philosophischen Ausflügen. Wer so etwas gerne liest, wird das Buch zufrieden zuklappen. Mir hat der Roman mittelgut gefallen, er lässt sich interessant und flüssig lesen. Langeweile kommt ebenso wenig auf wie ein kräftiger Lesesog. An Butis letzten Roman „Das Flirren am Horizont“, für den der Autor mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde, kommt dieser neue meines Erachtens nicht heran.

 

Der letzte Satz: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der letzte Satz: Roman' von Robert Seethaler
4
4 von 5 (10 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der letzte Satz: Roman"

Gustav Mahler auf seiner letzten Reise – das ergreifende Porträt des Ausnahmekünstlers. Nach „Das Feld“ und „Ein ganzes Leben“ der neue Roman von Robert Seethaler. An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise. "Der letzte Satz" ist das ergreifende Porträt eines Künstlers als müde gewordener Arbeiter, dem die Vergangenheit in Form glasklarer Momente der Schönheit und des Bedauerns entgegentritt.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:91
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Der letzte Satz: Roman"

  1. Seine letzte Reise...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Nov 2020 

    An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise.
    "Der letzte Satz" ist das ergreifende Porträt eines Künstlers als müde gewordener Arbeiter, dem die Vergangenheit in Form glasklarer Momente der Schönheit und des Bedauerns entgegentritt.

    Melancholie - das ist das Wort, das mir gleich zu Beginn des kurzen Romans in den Sinn kam. Und dieses Wort blieb bei mir bis zum Ende. Ein alter Mann am Ende seines Lebens, auf dem Deck eines Schiffes. Um ihn herum das weite Meer und der Himmel - und der Schiffsjunge, der den Auftrag hat, ihn zu umsorgen. Denn Gustav Mahler wartet weniger auf das Ziel der Reise: Europa, sondern viel mehr auf den nun nahen Tod.

    Er überlässt sich seinen Gedanken und Erinnerungen, wehmütig meist. Und durch die Rückblicke in die Vergangenheit schält sich in groben Zügen das Leben des alten Mannes heraus - das Leben eines berühmten Dirigenten und Komponisten: Gustav Mahler (7.7.1860 - 18.5.1911). Ein strenger Dirigent, der das äußerste von seinen Musikern forderte, ein von der Musik Besessener.

    Aber auch ein Mann, der die Ruhe brauchte wie die Luft zum Atmen, lange Wanderungen unternahm, sich wohlfühlte in der Natur. Und ein Mensch, der einst seine große Liebe gefunden hat, doch der mit dem Tod seiner kleinen Tochter einen großen Verlust erlitt und dem seine Frau allmählich entglitt, weil die Musik den Mittelpunkt seines Lebens darstellte.

    Ein akribischer, fleißiger, bis über alle Grenzen hinaus gehender, zur Perfektion getriebener Musiker - aber auch ein am Leben Gescheiterter, der am Ende nicht versteht, weshalb er alle um sich her verloren hat, einsam ist und verzagt. So jedenfalls zeichnet Robert Seethaler den österreichischen Komponisten - ein Abriss in Moll...

    Wird die Kürze des Romans einem ganzen Leben gerecht? Seethaler hat mit seiner komprimierten Darstellung ein schemenhaftes Bild geschaffen, bei dem die melancholische Grundstimmung Satz für Satz in den Leser tröpfelt. Die Vita Gustav Mahlers allerdings bleibt dabei doch sehr fragmentarsich, die Person selbst sehr oberflächlich skizziert und wenig greifbar.

    Für mich ein düsterer Leseeinruck, der mir insgesamt zu sehr an der Oberfläche blieb. Bilder einzelner Lebensstationen Gustav Mahlers tauchten vor meinem inneren Auge auf, doch als Person bekam ich den berühmten Komponisten leider nicht zu fassen...

    © Parden

  1. Bewegendes Porträt des Ausnahmekünstlers Gustav Mahler

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Nov 2020 

    Mit seinem neuen Buch „Der letzte Satz“ ist dem österreichischen Schriftsteller Robert Seethaler erneut ein eindrucksvoller, berührender und eher stiller Roman gelungen.
    Auf gerade einmal 125 Seiten widmet er sich dem Leben und Schaffen des berühmten Musikers, genialen Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler (1860–1911), der die symphonische Musik von der Spätromantik in die Moderne lenkte. Seethaler entwirft mit seinem ruhigen, ausgefeilten Erzählstil ein faszinierendes und ungewöhnliches Portrait dieses Ausnahmekünstlers und bringt uns den zerbrechlichen Menschen hinter dem Genie, einen kreativen Schöpfer und Interpreten, einen verzweifelt Liebenden sowie mit dem Schicksal ringenden Menschen nahe.
    Mit einer klaren, poetischen Sprache nimmt Seethaler den Leser in seiner Rahmenhandlung mit auf Gustav Mahlers letzte Reise an Bord des Passagierschiffes „Amerika“, auf dem der berühmte Komponist mit seiner Frau Alma und Tochter Anna von New York Richtung Europa reist. Von schwerer Krankheit gezeichnet, die meiste Zeit auf dem Sonnendeck verbringend und von einem eigens abgestellten jungen Schiffsjungen umsorgt, hängt er seinen Gedanken und Erinnerungen nach. Immer wieder wird diese Rahmenhandlung durchbrochen von Rückblicken des alternden Künstlers, in denen er sein Leben in der Vorahnung seines nahenden Todes Revue passieren lässt. So folgen wir Mahlers wirren, unzusammenhängenden Gedankenstrom und assoziativen Erinnerungsfetzen, in denen er sich noch einmal auf verschiedene Episoden, kleine Anekdoten und einschneidende Geschehnisse in seinem Leben zurückbesinnt.
    Ob nun sein schwieriges Verhältnis zu seiner Ehefrau Alma, die einst zu den begehrtesten Frauen Wiens zählte und sich von ihm enttäuscht einem anderen zuwendete, der tragische Tod seiner älteren Tochter Maria oder seine ihn quälenden Gedanken an seine unvollendeten Kompositionen - der Leser erhält sehr aufschlussreiche Einblicke in das Innenleben dieses eigenbrötlerischen Außenseiters und hochtalentierten, mit seinem Leben hadernden Künstlers.
    Mit viel psychologischem Feingefühl ist es dem Autor gelungen, Gustav Mahler in seiner Genialität aber auch seiner inneren Zerrissenheit, Melancholie, Trauer und Verbitterung sehr glaubhaft einzufangen. Zugleich lässt er uns auch an seinen Glücksmomenten und Schicksalsschlägen teilhaben.
    Sehr einfühlsam und anschaulich zeichnet Robert Seethaler in kurz angerissenen Szenen Mahlers grandioses Wirken und einzigartiges Schaffen nach - das Arbeiten an seinen Sinfonien in seinem abgeschiedenen Kompositionshäuschen, seine Tätigkeit als Direktor der Wiener Hofoper oder seine Gedanken an die Uraufführung seines Ausnahmewerks die 8. Sinfonie. Sehr gelungen und humorvoll erzählt Seethaler beispielsweise in einer Anekdote das Modellsitzen des Maestros beim berühmten Auguste Rodin in Paris. Sehr eindrucksvoll ist auch seine Begegnung mit dem großen Sigmund Freund im holländischen Leiden geschildert, bei dem sich Mahler Hilfe für seine gescheiterte Ehe erhoffte.
    Obwohl der Autor uns an einigen sehr emotionalen, tragischen Momenten in Mahlers Leben Anteil nehmen lässt, blieb für mich stets eine seltsame Distanz, die leider eine wirkliche Nähe und Anteilnahme für Gustav Mahler vermissen ließen.
    Dennoch ist es Robert Seethaler gelungen, mit wenigen, aber sehr pointierten Worten eine beeindruckend skizzierte Lebensgeschichte niederzuschreiben und bei mir wieder Interesse an einem faszinierenden Ausnahmekünstler und seinen außergewöhnlich musikalischen Werken zu wecken.
    FAZIT
    Ein unterhaltsames und bewegendes Porträt des Ausnahmekünstlers Gustav Mahler – ruhig und einfühlsam erzählt! Nicht ganz so gelungen wie andere Werke von Seethaler, aber dennoch lesenswert!

  1. Ein scheidender Künstler...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Aug 2020 

    Aufgrund der Buchpreisnominierung und da mir "Der Trafikant" schon so gut gefallen hatte, wollte ich mir den neuen Seethaler nicht entgehen lassen. Ich begab mich auf die Spuren von Gustav Mahler.

    In der Geschichte geht es um den berühmten Musiker und Dirigenten Mahler, der schwer krank mehr oder weniger auf seinen Tod wartet. Was für Gedanken gehen da einem durch den Kopf? Wie weit plant man sein Leben noch oder gibt man gänzlich auf?

    Robert Seethaler hat mit diesem Buch mal wieder ein Meisterwerk geschaffen, denn sprachlich ist es einfach eine Wucht. Beim Lesen musste ich immer wieder innehalten und tolle Sätze herausschreiben.

    Man bekommt durch den Roman ein Gefühl für Menschen, die ihrem Lebensende nah sind und zeitgleich einen kleinen Einblick in das Leben des Künstlers. Ausführliche, biografische Informationen sollte der interessierte Leser nicht erwarten, denn das Meiste spiegelt sich in Gedanken und Gefühlen wider.

    Auch wenn das Buch nur 126 Seiten hat, so ist es doch so viel mehr, da Emotionen aus einem herausgelockt werden beim Lesen. Man konnte den Schmerz des Künsterls in jeder Zeile spüren.

    Fazit: Eine tolle Geschichte, die zu Recht für den Buchpreis 2020 nominiert worden ist. Ihr solltet euch dieses Kleinod nicht entgehen lassen. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Spitzenklasse!

  1. Gustav Mahlers letzte Reise

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Aug 2020 

    Gustav Mahler verlässt New York, die Stadt, in der er große Erfolge als Konzertmeister und Dirigent feiern durfte, zum letzten Mal. Er ist chronisch krank, von Schmerzen gepeinigt, fiebrig und schwach. Auf dem Passagierschiff Amerika hat man eigens für ihn einen Teil des Sonnendecks abgetrennt, wo er sich gerne aufhält. Ein Schiffsjunge wurde abkommandiert, um sich um die Bedürfnisse des berühmten Gastes zu kümmern.

    Die Weite des Meeres lässt auch die Gedanken Mahlers durch die Zeit mäandern. Er erinnert sich an Stationen seines Lebens. Gerne war er in den Bergen, oft auf der Suche nach entscheidenden Inspirationen für seine Musik. Während seiner Arbeitsphasen erlebte ihn sein Umfeld oft als gereizt und launisch, alles musste sich der Kunst unterordnen – auch sein Körper. Gustav Mahler war ein Genie, ein Perfektionist, der auch anderen viel abverlangte.

    Einst konnte er die schönste Frau Wiens für sich gewinnen, Alma Werfel. Mit ihr hatte er zwei Töchter. Die ältere von beiden, Maria, starb noch im Kindesalter – ein Schicksalsschlag, den er nie verwunden hat. Die Ehe war anfangs glücklich, nutzte sich jedoch über die Jahre ab, nun ist sich Mahler sicher, dass Alma ein Verhältnis zu einem Baumeister hat.

    Mahlers Gedanken fließen aber auch an seine Wirkungsstätten. Er erinnert sich an seine Arbeit mit Orchestern, die er zu Höchstleistungen trieb und an seinen größten Erfolg, die Uraufführung der Achten Sinfonie der Tausend in Wien. Auch an einen Besuch bei Professor Freud erinnert er sich.

    Diese Erinnerungsfetzen werden unterbrochen von Szenen auf dem Schiffsdeck. Bedingt durch seine Leiden ist die Stimmung melancholisch-gedrückt. Lichtblicke scheinen die Gespräche mit dem Schiffsjungen zu sein, auf den er regelrecht wartet und in dem er ein Stück der eigenen Jugend zu erkennen glaubt. Der Junge passt auf den Musiker auf, versorgt ihn und verwickelt ihn in Gespräche, die manchmal anrühren, manchmal aber auch barsch sind:
    „Was ist das für Musik, die sie machen? Erzählen Sie mir etwas darüber?“
    „Nein. Man kann über Musik nicht reden, es gibt keine Sprache dafür. Sobald Musik sich beschreiben lässt, ist sie schlecht.“ (S. 65)

    Für Mahler ist die Musik das Höchste im Leben: „Musik hat noch jeden Menschen hinter sich gelassen und braucht im Grunde weder Musiker noch Zuhörer. Musik braucht nichts und niemanden, sie ist einfach da.“ (vgl. S. 72)

    Robert Seethaler hat einen kleinen Roman über einen großes Genie geschrieben. Seine Prosa ist gewohnt eindringlich und verständlich. Man muss den Text langsam lesen, um das Zwischenmenschliche, die Stimmungen, das Ungesagte aufnehmen zu können. Man kann sich wunderbar in die Figur des Gustav Mahler hineindenken, dessen Krankheit so allgegenwärtig ist, dass der Tod während dieser Schiffspassage schon vor der Tür steht. Dem Komponisten ist klar, dass er in Kürze sterben wird. Insofern sind seine Gedanken auch als Resümee über sein Leben zu verstehen. Seethaler arbeitet mit Bildern, Stimmungen und Motiven. Das macht er sehr gekonnt, gerade die letzten Seiten haben es ungemein in sich… Im kurzen Epilog gelingt mit einem Perspektivwechsel noch ein Kunstgriff, den ich sehr gelungen finde und der einen zusätzlichen Nachhall beim Leser erzeugt.

    Der Roman ersetzt definitiv keine Biografie über den Komponisten oder seine Frau. Aber er macht neugierig, sich anschließend mit ihnen oder mit Mahlers Musik zu beschäftigen.

    Die Nominierung zur Longlist des DBP 2020 halte ich für sehr gerechtfertigt und wünsche dem Roman viele Leser.

  1. wunderschön geschriebener trauriger Rückblick

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Aug 2020 

    An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise.

    Fazit:
    Die letzte große Reise des Musikers und Dirigenten Gustav Mahler wurd in diesem Buch mit einem wunderschönen Schreibstil sehr detailliert und emotional beschrieben - das Buch lässt den Leser gemeinsam mit dem Musiker auf dessen Leben zurückblicken. In kleinen Abschnitt wird Glück und Unglück herausgehoben - die Emotionen sind beim Lesen richtig zu spüren - und das war für mich auch das richtig besondere an diesem Buch. Als Leser wird man komplett mitgenommen - absolut gelungen.
    Erwarten darf man keinesfalls eine ausführliche Biografie - es sind wirklich nur kleine Lebensabschnitte, die thematisiert werden.

  1. Ein melancholischer Rückblick

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Aug 2020 

    Gustav Mahler blickt während seiner letzten Schiffreise auf sein Leben zurück. So wie sein Blick über das endlose Meer schweift, schweifen seine Gedanken zurück und ermöglichen dem Leser einen Einblick in verschiedenste Episoden seines Lebens. All die Momente, die er mit seiner Frau Alma verbringen durfte, welche er so sehr liebt, das Glück, das er empfindet, wenn er seiner Tochter beim Spielen zusieht. Seine Zeit als Dirigent bei der Wiener Oper, verschiedene Reisen. Es ist ein wenig, als zöge sein Leben schon hier nochmals an ihm vorbei, denn Mahler ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat.

    Das Buch lässt sich ganz wunderbar lesen, der Schreibstil Seethalers ist wirklich sehr angenehm. Auch das Episodenhafte des Buches, das Hin- und Herspringen zwischen Gegenwart und Vergangenheit mit einem fließenden Übergang gefiel mir gut. Warum ich dennoch nur drei Sterne vergebe: Es war mir tatsächlich zu kurz. Ich habe sehr lange gebraucht, um mich an die doch sehr exzentrische Art Mahlers zu gewöhnen, und ganz warmgeworden bin ich damit auch bis zum Schluss nicht. Vielleicht hätte ich einfach noch 100 Seiten mehr gebraucht, so aber habe ich mich nicht wirklich mit Mahlers Art anfreunden können. Es hat mich schlichtweg nicht so sehr berührt wie ich anfangs gehofft hatte, ich war beim Lesen eher ein neutraler Beobachter, der auf ein zweifellos interessantes Leben zurückschaut, an diesem aber nicht wirklich teilhaben kann.

    Nichtsdestrotrotz hat mir das Buch gefallen, und wer Gustav Mahler besser kennt als ich (für mich war das komplettes Neuland), der wird sicherlich seine Freude an diesem Buch haben!

  1. Annäherung an einen großen Künstler

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Aug 2020 

    Robert Seethaler ist ein sehr erfolgreicher Schriftsteller. Bisher hat er in seinen Büchern das Leben einfacher Menschen beschrieben, äußerst gelungen in „ Ein ganzes Leben“.
    In seinem neuesten Buch ( Roman wäre fast zu viel für diesen schmalen Band) steht ein berühmter Mann im Zentrum, Gustav Mahler, 1860 geboren, Komponist und der größte Dirigent seiner Zeit.
    Es ist im Februar 1911. Gustav Mahler sitzt in Wolldecken gewickelt auf dem Sonnendeck des Ozeandampfers „ Amerika“. Er ist auf der Heimreise von seinem zweiten Aufenthalt in den USA. Anstrengende Wochen voller Arbeit liegen hinter ihm. Mahler ist krank; ihn friert, er fühlt, dass es zu Ende geht.
    Ein Schiffsjunge kümmert sich fürsorglich um ihn, bringt ihm heißen Tee und Botschaften von seiner Frau Alma, die sich mit der sechsjährigen Tochter Anna unter Deck befindet. Ab und zu führen die beide kurze Gespräche über das Meer, das Wetter.
    Mahler sitzt hier und lässt sein Leben Revue passieren. Er erinnert sich an seine großen Erfolge, aber auch an Demütigungen und die dunklen Stunden im Leben.
    Er war schon immer in kränklicher Verfassung, litt zeitlebens an Migräne, Schlaflosigkeit und anderen Gebrechen. Trotzdem arbeitete er wie ein Besessener. Er war gefürchtet bei den Musikern, die er an ihre Grenzen brachte und darüber hinaus, „ ein Höllenhund am Pult“.
    Zehn Jahre lang war Mahler Direktor der Wiener Staatsoper, brach dort mit alten Konventionen und das Publikum war erst irritiert und dann begeistert. Allerdings gab es auch immer wieder antisemitische Diffamierungen. Zwei Amerika- Reisen folgten und Mahler feierte Triumphe an der MET und mit den New Yorker Philharmonikern.
    Aber nicht nur seine Gesundheit litt unter dem riesigen Arbeitspensum, sondern auch seine Ehe mit Alma. Wie glücklich war er , als er mit 42 Jahren die wesentlich jüngere Frau heiratete. Alma, Tochter aus gutem Hause, galt es die „ schönste Frau Wiens“. Doch bald merkt sie, dass die Musik immer die erste Stelle bei ihm einnimmt. Stehen keine Aufführungen an, zieht sich Mahler in seine Komponierhäuschen zurück.
    Dann folgt ein tragischer Schicksalsschlag. Die älteste Tochter Maria stirbt mit fünf Jahren an Diphterie. Das Paar entfremdet sich immer mehr. Und Mahler weiß, dass er seine Frau verloren hat. Durch einen irrtümlich an ihn adressierten Brief erfährt er von der Affäre seiner Frau mit Walter Gropius. Eifersucht und verletzter Stolz spricht aus ihm : „ Dein Baumeister ist ein Idiot. Du bist die Geliebte eines Idioten.“
    Alma bleibt bei ihm, aber Mahler macht sich darüber keine Illusionen. „Wahrscheinlich hatte seine Krankheit sie gehalten.“ „Sie würde bei ihm bleiben bis zum Schluss, das war mehr, als er erwarten durfte. Letztendlich war er derjenige, der ging.“
    Wir erfahren noch von Mahler’s Sitzung bei Rodin, der eine Büste von ihm machen soll; eine eher komische Szene. Und einen kleinen Auftritt hat Siegmund Freud, den Mahler in Leiden besucht und der ihm bei einem Spaziergang den Ratschlag „Arbeit und ein warmer Pullover“ mit auf den Weg gibt.
    Das letzte Schlusskapitel gehört dem fiktiven Schiffsjungen, der später vom Tod des berühmten Künstlers in der Zeitung liest.
    Die Eckdaten aus Mahler’s Leben bringt Seethaler in diesem kleinen Buch unter, auch trifft er gut das Wesen dieses schwierigen Künstlers. Allerdings fällt kaum ein Wort über Mahler’s Musik. Die Erklärung dazu liefert der Autor im Text selbst. Auf die Frage des Schiffsjungen : „ Was ist das für Musik, die Sie machen?“ lässt er Mahler antworten: „ Man kann über Musik nicht reden, es gibt keine Sprache dafür. Sobald Musik sich beschreiben lässt, ist sie schlecht.“
    Robert Seethaler ist mit diesem Buch eine Annäherung an den großen Musiker Mahler gelungen. Er weckt des Lesers Interesse und macht Lust, Mahler zu hören. Ein Buch voller Melancholie und Atmosphäre, dicht und poetisch , das mich berührt hat und das ich gerne empfehle.

  1. Licht und Schatten eines Musikerlebens

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Aug 2020 

    Die letzte Überfahrt Gustav Mahlers 1910 von New York nach Europa bildet den Rahmen für den nur 126 Seiten starken Roman "Der letzte Satz" von Robert Seethaler. Der bereits vom Tode gezeichnete Dirigent und Komponist, der im Mai 1911 mit nur 50 Jahren in Wien verstarb, weiß um sein nahes Ende. Während seine Frau Alma und die sechsjährige Tochter Anna den Vormittag unter Deck verbringen, sitzt Mahler oben, eingewickelt in Wolldecken und umsorgt von einem kindlichen Schiffsjungen in feiner, viel zu großer Uniform, seinem einzigen Gesprächspartner:

    "Den Kopf gesenkt, den Körper in eine warme Wolldecke gewickelt, saß Gustav Mahler auf dem eigens für ihn abgetrennten Teil des Sonnendecks der Amerika und wartete auf den Schiffsjungen. Das Meer lag grau und träge im Morgenlicht. Nichts war zu sehen außer dem Tang, der in schlierigen Inseln an der Oberfläche schwamm, und einem überaus merkwürdigen Schimmern am Horizont, das aber, wie ihm der Kapitän versichert hatte, absolut nichts bedeutete." (Romanbeginn S. 7)

    Zeit für eine Bilanz
    Eingebettet in diese Rahmenhandlung lässt Robert Seethaler Mahler auf die Licht- und Schattenseiten seines Lebens zurückblicken. Zeitlebens war er kränklich, litt unter dem "Desaster eines sich selbst verzehrenden Körpers" und seiner zarten Gestalt, unter Migräne, Schlaflosigkeit, Schwindelanfällen, Mandelentzündungen, Hämorrhoiden, Magen- und Herzbeschwerden. Trotz dieser körperlichen Einschränkungen und seiner jüdischen Herkunft stieg Mahler zum größten Dirigenten seiner Zeit und gefeierten Komponisten auf. An Deck wandern seine Gedanken zurück in seine Zeit als Direktor der Wiener Hofoper zwischen 1897 und 1907, zu seinem Wirken in New York, Konzertreisen in zahlreiche europäische Städte, Komponier-Sommer in Toblach sowie zur monumentalen Uraufführung der Achten Symphonie 1910 in München vor 4000 Zuhörern.

    Auf dem Höhepunkt seiner Macht als Wiener Operndirektor schien sein Glück vollkommen, als er 1902 mit der 19 Jahre jüngeren Alma eine der schönsten und begehrtesten Frauen Wiens heiratete. Alma stammte aus bestem Haus, war klug und Mahlers große Liebe. Nach dem frühen Tod der älteren Tochter Maria verschlechterte sich jedoch das Verhältnis der Ehepartner zu seinem großem Kummer zusehends und Alma verließ ihn nur wegen seines sich abzeichnenden Todes nicht für den „Baumeister“, den im Roman nicht namentlich genannten Walter Gropius:

    „Alles, woran ich einmal geglaubt habe, existiert nicht mehr. Vielleicht war es auch nie da. […] Ich wollte dich, du warst Gustav Mahler, das Genie, und ich habe mich in dich verliebt. In deine Hände. In deinen Mund. In deine idiotisch hohe Stirn. Es war ein Traum, und wir haben ihn eine Zeitlang gemeinsam geträumt. Aber jetzt bin ich aufgewacht.“ (S. 88/89)

    Mensch Mahler
    Mir hat dieses kleine Büchlein mit den meisterhaften Übergängen zwischen Gegenwart und Erinnerungen und Robert Seethalers beneidenswerter Kunst der knappen Worte gut gefallen, auch wenn es nicht an seinen überragenden Roman "Ein ganzes Leben" oder an "Der Trafikant" heranreicht. Viel Erfahren habe ich über den Menschen Gustav Mahler, sein Leben, seine Melancholie, seine Träume - so wie Seethaler sie sich vorstellt -, wenig dagegen über seine Musik, was Mahler dem Schiffsjungen aber plausibel erklärt:

    „Man kann über Musik nicht reden, es gibt keine Sprache dafür. Sobald Musik sich beschreiben lässt, ist sie schlecht.“ (S. 65)

  1. Intensiv, dicht, poetisch

    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    „Dort draußen läuft ein Glück im Gras herum, und hier drinnen sitzt ein anderes mit mir am Tisch. Ich habe alles, was ich mir wünsche. Ich bin ein glücklicher Mann.“ (Zitat Seite 19)

    Inhalt
    Ein halbes Jahr nach seinem großartigen Erfolg in München reist Gustav Mahler an Bord der ‚Amerika‘ mit Alma und Anna wieder nach New York. Erst fünfzig Jahre alt, ist er nach wie vor voll musikalischer Schaffenskraft, ein unruhiger Geist, doch sein Körper ist von seiner schweren Krankheit gezeichnet und müde. Mit Blick auf das Meer denkt er über die vergangenen letzten Jahre nach.

    Thema und Genre
    Der Autor beschreibt einige Stunden im Leben des Komponisten Gustav Mahler, doch durch dessen Erinnerungen wird dieser Roman auch eine sehr persönliche Biografie des Künstlers.

    Charaktere
    Gustav Mahler wird als eigenwilliger, aber überzeugter Künstler geschildert, als Komponist ebenso innovativ, fordernd und auf der Suche nach der perfekten musikalischen Ausdruckskraft, wie als Dirigent. Gleichzeitig erfahren wir viel über den Menschen Gustav Mahler, seine Liebe zu seiner Frau Alma und zu seinen Töchtern, seine Begeisterung für die Natur und seinen Blick für das Glück der kleinen Dinge. Doch er erkennt auch, wie selbstverständlich es für ihn war, dass sich auch seine Familie seinem musikalischen Genie unterordnet.

    Handlung und Schreibstil
    Es sind nur wenige Stunden am Beginn eines neuen Morgens, in denen Gustav Mahler allein auf seinem persönlichen Lieblingsplatz auf dem Sonnendeck des Schiffes sitzt. Betreut von einem Schiffsjungen, hängt er seinen Gedanken nach und reist in der Erinnerung zurück zu den wichtigen Ereignissen der letzten Jahre.

    Fazit
    In seiner leisen, eindrücklichen Sprache erzählt der Autor auf nur 126 Seiten eine in ihrer Tiefe und Dichte beeindruckende Geschichte eines intensiv gelebten Künstlerlebens. „Ich hätte noch so viel mehr komponieren können. Es fühlt sich an, als hätte ich gerade erst angefangen, dabei ist es schon wieder zu Ende.“ (Zitat Seite 30)

  1. Schöne Worte des Bedauerns

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    Ein kranker Mann am Deck der America bei der Überfahrt von New York über den Atlantik. Es ist Gustav Mahler, der Komponist, der Dirigent, der Herr Direktor. Auf seiner letzten Reise, gezeichnet von Krankheit und Schwäche, betreut von einem Schiffsjungen, zieht er Bilanz über sein Leben, sein Schaffen, seine Ehe mit Alma.
    Mahlers letzte Reise ist Robert Seethalers „Der letzte Satz“. Es ist ein sehr melancholisches Kurzporträt eines begabten Künstlers, eines gebrochenen, müden Mannes.
    Gefangen in einem seit Kindheit kränkelnden Körper, getrieben von seinem musikalischen Ausnahmegenie erinnert sich Mahler an sein Wirken als Direktor der Wiener Hofoper. Wie jung er damals war, als alle dabei sein wollten, man „diesen kleinen, zappeligen Juden sehen (wollte), der es aus unerfindlichen Gründen geschafft hat, das beste und störrischste Orchester der Welt zu disziplinieren.“
    Doch das musikalische Werk Mahlers steht nicht im Vordergrund dieses schmalen Büchleins. Seethaler reduziert Mahler auf ein Minimum, auf Schmerzen, Schwäche, Schlaflosigkeit.
    „Nein. Man kann über Musik nicht reden. Es gibt keine Sprache dafür. Sobald Musik sich beschreiben lässt, ist sie schlecht.“
    So sinniert Mahler über die Endlichkeit des Lebens und die Unendlichkeit des Meeres. Dieses Motiv der Weite, Kälte, Vielfalt und Tiefe des Meeres kommt immer wieder. Doch die schönen Worte des Bedauerns, die Seethaler dafür findet, erreichen diese Tiefe nicht.
    Immer wieder führen Mahlers innere Monologe zu vergangenen Ereignissen, versäumten Gelegenheiten. Der Verlust eines Kindes hat ihn schwer getroffen. Seine Ehe zu Alma besteht nur mehr aus Loyalität.
    Erstaunlicherweise erscheint Alma - die nicht nur Mahlers Frau war sondern später auch Muse, Geliebte, Ehefrau anderer namhafter Künstler der Wiener Secession und Bauhauszeit, wie dem „Baumeister“ Hans Gropius, Oskar Kokoschka, Franz Werfel…, war – sehr brav und bieder bis zu dem Moment, als Mahler sich Almas Affäre mit Gropius gemahnt.
    Nur flüchtig streift Seethaler am Antisemitismus an, mit dem Mahler konfrontiert war. Bedeutsame Begegnungen mit Auguste Rodin oder Sigmund Freud, sind nur kleine Gedankensplitter. Was von Mahler übrig bleibt, ist ein kleiner, rührseliger, einsamer Mann. Zu mehr hat die Kürze dieses Buches wohl nicht gereicht.

 

Lovely Mistake (Bedford-Reihe 2)

Buchseite und Rezensionen zu 'Lovely Mistake (Bedford-Reihe 2)' von Sarah Stankewitz
2.5
2.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Lovely Mistake (Bedford-Reihe 2)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:321
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Lovely Mistake (Bedford-Reihe 2)"

  1. Hat mich Enttäuscht

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    Nach einem Rohrbruch in ihrer eigenen Wohnung zieht Molly anstatt bei ihrer besten Freundin Brooke und deren Freund Chase, bei Chase bestem Kumpel Troy ein. Durch ein Versprechen, dass sie sich selbst und auch ihrer Mutter gegeben hat, möchte sie nicht mehr von Männern angefasst werden. Doch diese Regel bei Troy durchzusetzen ist alles andere als einfach für Molly.

    Ich mag das Cover des Buches sehr. Es sieht dem, des ersten Bandes recht ähnlich, was ich immer sehr gerne hab, wenn man die Zugehörigkeit zum Vorgänger sieht. Man muss jedoch den ersten Band nicht zwingend gelesen haben, jedoch ist es ganz schön zu wissen, wie es zur Beziehung zwischen Brooke und Chase gekommen ist.
    Der Schreibstil war schön locker flockig und ich konnte nur so durch die Seiten fliegen. Ich mochte es auch sehr, dass nicht nur aus Sicht von Molly sondern auch aus Troys, die Geschichte erzählt wird. Das gab dem ganzen noch eine schöne Tiefe, da man die Gefühle beider Hauptcharaktere erfahren hat.

    Ich muss sagen, Molly hat mich sehr genervt. Irgendwie hat sie sich so gar nicht wie eine Frau ihres Alters benommen sondern eher wie ein Teenager. Die Sache mit dem ja nicht von Männern angefasst werden war
    mehr als nur kindisch.

    (ACHTUNG SPOILER!) Was mich am meisten gestört hat: Sie holt sich einen Hund aus dem Tierheim, danach geht sie erstmal auf ein Date um sich dann mit ihm im Bett rumzuwälzen und dann zu faul zu sein mit dem Hund raus zu gehen, sondern das Troy machen zu lassen. (SPOILER ENDE)

    Troy habe ich auch nicht so richtig verstanden. Molly hat ihn schon einmal abserviert und sich einfach nicht mehr bei ihm gemeldet. Dann kommen sie sich näher und sie sägt ihn wieder ab. An dieser Stelle hätte ich sie einfach ihrer Wege gehen lassen. Das hat mich auch ganz schön genervt.

    Alles in allem war die Geschichte eher so naja. Der ganze Aufbau hat mir irgendwie gar nicht gefallen. Ich verstehe die Idee dahinter, aber die Umsetzung hat mich so gar nicht zu Frieden gestellt. Da fand ich den ersten Band besser. Schade eigentlich.

  1. Unterhaltsamer 2. Teil mit Schwächen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    „Lovely Mistake“ von Sarah Stankewitz ist der 2. Band der Bedford-Reihe. Im Zentrum steht Molly, die noch unter schlechten Erfahrungen mit ihrem Exfreund leidet und zeitgleich ihre schwerkranke Mutter unterstützt. Um sich nicht ablenken zu lassen und ihr Herz zu schützen setzt sie sich Regeln: Nicht verlieben, keine Dates und bloß nicht anfassen. Als sie ein Wasserschaden aus der Wohnung vertreibt, zieht sie notgedrungen beim attraktiven Handwerker Troy ein. Regeln sind ja bekanntermaßen zum Brechen da, oder?

    Erstmal möchte ich anmerken, dass ich die Cover der Bedford-Reihe liebe. Ich finde sie einfach wunderschön in ihrer Einfachheit und Eleganz. Inhaltlich konnte mich dieser Band nicht 100%-ig überzeugen. Die Charaktere Molly und Troy fand ich beide sehr sympathisch. Troy fand ich sehr authentisch und liebenswert, wenn er auch mehr Ecken und Kanten hätte haben können. Mollys Verhalten konnte ich trotz ihrer Situation und Vergangenheit nicht immer nachvollziehen. Auch das Ende war mir einfach zu glatt, etwas zu klischeehaft und kitschig. Ein bisschen zu viel des Guten und des Dramas. Zudem waren mir einige Handlungsstränge im Buch einfach zu vorhersehbar,
    Gut gelungen waren die Szenen, wo beide sich näherkamen. Da hat die Autorin das Knistern wirklich sehr gut rübergebracht. Generell mag ich den Schreibstil von Sarah Stankewitz sehr gerne, da er sehr direkt und nicht ausschweifend ist.

    Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, fand den ersten Teil aber stärker.

 

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