Die Weisheit der Demenz

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Weisheit der Demenz' von Hildegard Nachum
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Weisheit der Demenz"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
EAN:9783708808154
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Rezensionen zu "Die Weisheit der Demenz"

  1. Einfühlsamer Ratgeber für Pflegende und Angehörige

    Allein die Aufmachung dieses Buches beweist schon den großen Respekt, den Autorin und Verlag dem Schicksal demenziell Erkrankter entgegenbringen: Das feste Cover zeigt eine Pusteblume, die beginnt, sich im Wind zu zerstreuen, Vor- und Nachsatzpapier bestehen aus höchst ästhetischen Schwarzweißaufnahmen alter Menschen. Auch im Buch selbst befinden sich Fotos und Illustrationen. Ein Sachbuch, das alle Sinne anspricht!

    Hildegard Nachum ist zertifizierte Validationsmeisterin und in dieser Funktion in der Ausbildung von Pflegekräften aktiv. Sie verfügt über große Erfahrung sowie ein fundiertes Wissen. Sie wendet in ihrer Arbeit die Prinzipien und Techniken der sogenannten Validation an, einem Verfahren, das Naomi Feil entwickelt hat. Im Kern geht es dabei darum, demenziell veränderten Menschen Liebe und Respekt entgegenzubringen, sich in sie hineinzuversetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich ihrem Umfeld mitzuteilen. Der Mensch soll im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Die Veränderung wird als Chance betrachtet, um eventuell verschüttete Gefühle verarbeiten zu können. Je mehr die kognitiven Fähigkeiten verloren gehen, umso wichtiger ist die Kommunikation auf der emotionalen Ebene.

    Im ersten Teil des Buches werden die Krankheit und ihre Entwicklung beschrieben. Wer mit Demenzerkrankten zu tun hat, wird viele der beschriebenen Veränderungen wiedererkennen. Besonders hilfreich sind die konkreten Handlungsvorschläge. Der verwirrte alte Mensch macht nichts absichtlich oder geplant. Es liegt an uns Gesunden, seine Verhaltensmuster zu entschlüsseln, um die Ursachen für herausforderndes Verhalten zu finden und zu vermeiden.

    Die Autorin schildert im Hauptteil des Buches zahlreiche Fallbeispiele aus ihrer Praxis. Die Auswirkungen demenzieller Erkrankungen sind überaus vielfältig. Dennoch gibt es wiederkehrende Verhaltensmuster. So sind Hunger nach Liebe und Nahrung, Verlust geliebter Menschen, sozialer Rollen oder der Heimat Themen, die die Kranken oft unterbewusst beschäftigen. Auch der Krieg hat bei vielen Spuren hinterlassen, die Ängste herausbrechen lassen. Die Validation ist eine Technik, die hilft, den Kranken auf der emotionalen Ebene zu erreichen. Im Grunde sollten alle Pflege- und Betreuungskräfte in diesem Gebiet geschult sein. Allerdings braucht man dafür Ruhe und Zeit, die während der täglichen Arbeit meist nicht vorhanden ist.
    Das Buch gibt einen praxisorientierten Ansatz. Als Angehörige konnte ich noch einiges dazulernen und bin sicher, dass ich das Buch immer wieder zur Hand nehmen werde. Ich empfand es als überaus wohltuend, dass auf ausufernde medizinische Vorträge gänzlich verzichtet wurde. „Die Weisheit der Demenz“ ist wahrlich ein wunderbarer Wegweiser zum würdevollen Umgang mit desorientierten Menschen, wie der Untertitel verspricht.

    Sehr empfehlenswert!

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Was bleibt, wenn wir sterben

Buchseite und Rezensionen zu 'Was bleibt, wenn wir sterben' von Louise Brown
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Was bleibt, wenn wir sterben"

Nach dem Tod ihrer Eltern versucht die Journalistin Louise Brown der Endlichkeit des Lebens etwas Sinnstiftendes abzugewinnen. Sie wird Trauerrednerin und Zeugin dessen, was von uns bleibt. Dies verändert nicht nur ihre Einstellung zum Tod, sondern auch ihre Haltung zum Leben. Louise Brown schenkt uns unvergessliche Bilder, die daran erinnern, was uns als Menschen ausmacht. Ein tröstendes und befreiendes Buch, das Mut macht, das Leben auf die Dinge auszurichten, die von Bedeutung sind.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag:
EAN:9783257071764
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Rezensionen zu "Was bleibt, wenn wir sterben"

  1. 4
    02. Nov 2021 

    Über den Sinn der Veränderungen im Leben

    In ihrem Buch „Was bleibt, wenn wir sterben“ teilt Louise Brown ihre Erfahrungen als Trauerrednerin mit allen, die zum Thema Tod und Trauerbewältigung mehr erfahren wollen. Über dieses schmerzliche Ereignis spricht man nur ungern, möchte am liebsten das Thema vermeiden und seine eigenen Erfahrungen behält meistens für sich.

    Louisa Brown hat dazu eine andere Meinung. Nachdem sie in sehr kurzer Zeit ihre Eltern verloren hat, gab sie ihren Beruf als Journalistin auf und begann Trauerreden zu schreiben. So wurde sie zu Trauerrednerin, begleitet seitdem die Hinterbliebenen in der schweren Zeit, organisiert die Trauerfeier mit. Ihr neuer Job und die Gespräche mit den Trauernden haben ihr einen neuen Blick auf den Tod und den Sinn der Veränderungen im Leben eröffnet. Sie haben ihr Kraft gespendet und geholfen, ihre eigene Trauer zu bewältigen.

    Darüber schreibt sie in ihrem Buch. Sie erzählt über manche Trauerfeier, die sie mitorganisiert hatte, über die Verstorbenen und deren bewegenden Lebensgeschichten, über ihre Art und Weise der Trauerbewältigung. Sie gibt wertvolle Tipps, bringt die Lesenden auf Ideen, die man leicht umsetzen kann. Aber wie die Autorin selber zugibt: jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise. So habe ich einige ihrer Ideen als gut gefunden, andere wiederum nicht.

    Das Buch ist jedoch kein typischer Ratgeber. Vielmehr ist es ein Buch, das die Leserschaft zum Nachdenken über das eigene Dasein und über das was im Leben wirklich wichtig ist, animiert. Es tröstet und macht uns Mut, auch die schmerzlichen Veränderungen im Leben anzunehmen.

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  1. Die Frage aller Fragen

    Klappentext:
    „Nach dem Tod ihrer Eltern versucht die Journalistin Louise Brown der Endlichkeit des Lebens etwas Sinnstiftendes abzugewinnen. Sie wird Trauerrednerin und Zeugin dessen, was von uns bleibt. Dies verändert nicht nur ihre Einstellung zum Tod, sondern auch ihre Haltung zum Leben. Louise Brown schenkt uns unvergessliche Bilder, die daran erinnern, was uns als Menschen ausmacht. Ein tröstendes und befreiendes Buch, das Mut macht, das Leben auf die Dinge auszurichten, die von Bedeutung sind.“

    Autorin Louise Brown hat, so wie jeder Mensch von uns, ihre ganz eigene Erfahrung mit dem Tod gemacht. Schlussendlich hat sie sich dieses Thema zum Beruf gemacht und ist nunmehr Trauerrednerin. In diesem Buch erklärt sie dem Leser auf äußerst elegante und offene Art, wie es ihr damit ergeht. Dieses Buch ist eine Art Ratgeber aber eben auch Gedankensammlung. Brown erzählt kleine Geschichten und resümiert dann über ihr gewonnenes Fazit.
    Dieses Buch ist eine wahrliche Bereicherung zum Thema sterben und Tod. Jeder von uns macht sich irgendwann mal Gedanken dazu, was wohl danach kommen wird, was mit dem Eigentum passiert, was mit den Menschen die zurück bleiben geschieht. Brown hat hier und da sogar eine recht humorvolle und witzige Seite gezeigt und macht das eigene Denken darüber sogar etwas leichter. Sie will niemanden ihre Meinung aufzwingen, aber sie erhellt eine dunkle Thematik mit ihren Gedanken. Sie erzählt frei und ohne irgendwelche kirchlichen Hintergründe oder spirituelle Einflüsse. Sie berichtet nur von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen.
    Wir planen in jungen Jahren unsere berufliche Zukunft, irgendwann unsere Familie, später ganz lapidar unsere Urlaube, Hausgestaltung, Rentenvorsorge etc. ..warum nicht auch den eigenen Tod etwas besser planen und sich mal Gedanken über die eigene Beerdigung machen…schließlich kommen dann alle nur wegen einem selber…auch wenn man selber ein Zuschauer von sonstwo sein wird.
    5 von 5 Sterne für dieses tolle und lesenswerte Buch!

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  1. Vom Trauern und dem Umgang mit dem Tod...

    Ehrlich gesagt zähle ich zu den Menschen, die sich vor vermeintlich unangenehmen Themen wie dem Tod drücken und genau deswegen wollte ich dieses Buch lesen.

    Louise Brown macht anhand von Anektdoten aus ihrem Leben als Trauerrednerin klar, dass der Tod zum Leben nun mal leider dazu gehört und dass diese Erfahrung auch immer etwas Tröstliches haben kann.

    Gut gefallen hat mir wie sie mittels ihrer Erfahrungen durch den Verlust beider Elternteile ihre damit verbundenen Emotionen dem Leser übermittelt und dass es völlig normal ist überfordert zu sein, nicht wie eine Maschine zu funktionieren und dass es okay ist, wenn man Zeit braucht, um den Verlust zu verarbeiten.

    Ich muss gestehen, dass mich das Geschriebene sehr nachdenklich gestimmt und ich oft Herzklopfen hatte beim Lesen, da einem so viel durch den Kopf geht, mit dem man sich eigentlich nicht beschäftigen will. Wie wäre es, wenn man selbst seine Liebsten verliert? Würde ich daran zerbrechen?

    Das Buch kann in einem Rutsch oder in kleinen Dosen gelesen werden. Ich habe mich für letzteres entschieden, da ich zwischendurch eben auch gern mal meinen Gedanken zum Thema nachhängen wollte.

    In meinen Augen ein wichtiges Buch, was nicht nur Menschen hilft, die gerade einen Verlust erlitten haben, sondern dessen Lektüre vielleicht dazu beiträgt schon Schritte zu gehen und Überlegungen anzustellen, damit man es später selbst leichter hat und auch Hinterbliebene besser damit umgehen können.

    Fazit: In jedem Fall mal etwas anders, was nachdenklich stimmt und nachwirkt. Hier kann man auch immer mal wieder drin blättern. Ich spreche eine Empfehlung aus.

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Nelkenblatt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Nelkenblatt: Roman' von Yusuf Yeşilöz
3.35
3.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Nelkenblatt: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag:
EAN:9783039260126
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Rezensionen zu "Nelkenblatt: Roman"

  1. 4
    18. Jun 2021 

    Leise, zart und berührend…

    Die betagte Elsa, eine ehemalige Lehrerin, kann sich nach der Entlassung aus einer Klinik nicht mehr selbst versorgen.
    Sie hatte eine Herzoperation und es ist unklar, wie lange die alte Dame noch zu leben hat.
    Um das Pflegeheim zu umgehen, hat sich ihre Tochter Luzia um eine 24-Stunden- Betreuung gekümmert.
    …und jetzt ist die Migrantin Pina da. Pina, die ihr Studium pausieren muss, um Geld zu verdienen.

    Die drei Frauen sitzen am Esstisch in Elsas Wohnung und Pina hat gerade die „Aufnahmeprüfung“ bei der eleganten, willensstarken und kritischen, aber freundlichen Elsa bestanden.

    Elsa interessiert sich für Pina und die beiden kommen ins Gespräch. Sie lernen sich kennen.
    Es entspinnt sich in den folgenden Wochen eine zarte und leise Verbindung, von der der Autor ganz unaufgeregt und ruhig erzählt.

    Pina wuchs in dem kleinen, vermutlich kurdischen, Dorf Samhirada, das fast 4000 km entfernt ist, auf.
    Aus politischen Gründen musste sie aus ihrer Heimat fliehen.

    Elsa war Lehrerin. Sie zog ihre beiden Kinder nahezu alleine auf, weil ihr Mann berufsbedingt so gut wie nie zuhause war.

    Es macht Spaß, zu verfolgen, wie die betagte Elsa und die junge Pina sich einander annähern und es ist interessant, in ihre Lebensgeschichten einzutauchen.

    Yusuf Yesilöz greift in seiner Geschichte fast nebenbei und unaufdringlich, aber trotzdem unmissverständlich auf, wie bedeutsam es ist, den pflege- und hilfsbedürftigen Senioren die höchstmögliche Selbstbestimmung zuzugestehen, nachsichtig, interessiert und zugewandt zu sein… auch wenn der oder die zu Pflegende bisweilen eigenwillige und gebieterische Seiten zeigt ;-)

    Dass die Angehörigen der Senioren für die Pflegekraft dabei manchmal eine ganz besondere Herausforderung darstellen, wird genauso deutlich, wie die emotionale Belastung, der die Pflegekraft ausgesetzt ist.

    „Nelkenblatt“ ist ein berührendes, zartes und leises Buch über die letzte Phase des Lebens. Gleichzeitig entführt es uns in die sehr unterschiedlichen Biografien zweier Frauen aus verschiedenen Welten.

    Der Autor streift viele Themen, ohne sie gänzlich auszubuchstabieren. Er liefert Denkanstöße, statt detailliert in die Tiefe zu gehen.
    Mich störte das nicht besonders, obwohl es sicher interessant gewesen wäre und es mir gefallen hätte, mehr über die Gepflogenheiten in Pinas Heimat zu erfahren.

    Mir gefiel die z. T. poetische Sprache und immer wieder stolperte ich über schöne und bildhafte Formulierungen, wie z. B. „Genießen Sie Ihre Jugend und Gesundheit, solange die noch da sind. Sie rutschen einem irgendwann aus der Hand wie eine nasse Seife.“ (S. 27)

    „Nelkenblatt“ ist ein lesenswerter Roman, der ganz nebenbei Lust auf Reis mit Mandeln, Pinien und Rosinen sowie Joghurtsuppe mit Minze macht ;-)

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  1. Wirkt extrem konstruiert und bleibt zu oberflächlich

    Elsa wird bald sterben. Um sie rund um die Uhr umsorgen zu können, stellt ihre Tochter die junge Migrantin Pina als Pflegekraft ein. Pina musste aus politischen Gründen aus ihrer Heimat fliehen und wagt nun einen Neuanfang. Die beiden Frauen verstehen sich trotz all ihrer Verschiedenheit gut und erzählen sich viele Geschichten aus ihrem jeweiligen Leben.

    Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Eigentlich wollte ich diese Geschichte mögen, allerdings kam ich mit dem Schreibstil nicht wirklich zurecht. Ein Großteil des Buches besteht aus Gesprächen zwischen Pina und Elsa, was vollkommen in Ordnung wäre, würden diese nicht so unfassbar gestelzt und konstruiert auf mich wirken. Selten hat es sich beim Lesen für mich so angefühlt, als könnte eine solche Unterhaltung tatsächlich so stattfinden, meist wirkte es auf mich viel zu absichtlich genau so konzipiert. Darunter leiden für mein Empfinden auch die Charaktere, zu denen ich nicht wirklich eine Bindung aufbauen konnte und die mir merkwürdig fremd blieben, obwohl mich gerade Pinas Vergangenheit eigentlich sehr interessiert hat. Dazu kommt auch noch, dass mir die Sprache an vielen Stellen zu abstrakt war (etwa wenn vollkommen ernsthaft gefragt wird, ob Granatapfelbäume lachen können, und das dann ebenso ernsthaft bejaht wird; oder, wenn der Dunst über den Bergspitzen plötzlich Rumi zitiert), sodass mir bei einigen Abschnitten wirklich einfach nicht klargeworden ist, was mir das jetzt sagen soll.

    Die Rüchblenden auf die Vergangenheit der beiden Frauen blieben mir zu oberflächlich, die angedeuteten Themen wie etwa Gleichstellung von Mann und Frau werden nicht weiter ausgeführt, wodurch zur Abstraktheit des Textes leider auch immer mehr das Gefühl von Belanglosikeit kam.

    Man lernt die Protagonistinnen nicht richtig kennen, obwohl sich viel unterhalten wird mangelt es dabei an Tiefe; dazu die Schwierigkeiten, die ich mit dem Schreibstil hatte, das macht dann am Ende leider nur noch 2 Sterne. Schade, ich hatte mir mehr erhofft!

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  1. Eine leise Geschichte

    „Einen Ort gibt es, jenseits des Bösen. Ich und du, wir werden uns dort wiedersehen.“ (Zitat Pos. 141)

    Inhalt
    Nach einer politischen Studentendemonstration in ihrer Heimat muss Pina fliehen, denn es drohen ihr sechs Jahre Gefängnis. Nun lebt sie als Migrantin in der Schweiz und studiert im drittletzten Semester Kulturanthropologie. Nun wird sie von der Juristin Luzia als Pflegerin für ihre alte, schwer kranke Mutter Elsa engagiert, die sich weigert, in ein Pflegeheim zu gehen. Pina wohnt in Elsas Haus und soll mit Elsa spazieren gehen und dafür sorgen, dass diese das von der etwas herrischen Luzie vorgeschriebene gesunde Essen isst. Doch Elsa will lieber, dass ihr Pina etwas von ihrer Familie erzählt von ihrer alten Heimat und auch sie erzählt aus ihrem Leben.

    Thema und Genre
    In diesem Roman geht es um die leise Annäherung von zwei völlig unterschiedlichen Frauen, Elsa, Schweizerin, ist alt und ihr Leben geht zu Ende. Pina ist eine junge Frau, ein politischer Flüchtling aus einem völlig anderen Kulturkreis. Wichtige Themen sind Familie, Verständnis, Verlust, Trauer und Abschied.

    Charaktere
    Die junge Pina ist in ihrem neuen Land noch nicht wirklich angekommen, sehnt sich nach ihrer Familie, trauert um ihre verstorbene Mutter, die sie nicht mehr sehen konnte. Elsa spürt, dass ihr Leben bald zu Ende geht, sie weigert sich, nach draußen zu gehen, isst kaum, viel lieber will sie mit Pina ihre alten Fotoalben ansehen, reden und zuhören.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte spielt an schönen, sonnigen Herbsttagen und lebt von den Erzählungen den Erinnerungen der beiden unterschiedlichen Frauen. Es ist eine leise Geschichte, in deren Mittelpunkt Elsa und Pina stehen. Die schildert das Kennenlernen der beiden Hauptfiguren und das gegenseitige Verständnis. Die Tage fließen in einem konstanten Ablauf, es gibt keine herausragenden Ereignisse.

    Fazit
    Eine leise Geschichte über die Annäherung von zwei Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, eine ist bereits am Ende ihres Lebens angekommen, die andere hat ihr Leben noch vor sich.

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Der Moment zwischen den Zeiten: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Moment zwischen den Zeiten: Roman' von Marta Orriols
3
3 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Moment zwischen den Zeiten: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
EAN:9783423282123
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Rezensionen zu "Der Moment zwischen den Zeiten: Roman"

  1. 2
    23. Apr 2021 

    Trauerjahr

    Seit einigen Jahren sind Paula und Mauro verheiratet. Paula ist glücklich in der Ehe und auch mit ihrer Arbeit als Ärztin auf der Frühchenstation. Eines Mittags treffen sich die Beiden zum Essen und Mauro sagt, er wolle sich trennen. Paula fällt aus allen Wolken. Kurz darauf kommt Mauro bei einem Unfall ums Leben. Wie soll Paula nun weiterleben? Wie soll sie trauern, wo sie doch eigentlich getrennt war? Und wer ist die andere? Kann sie sich überhaupt jemals wieder öffnen? Eine Stütze ist Paula ihre Arbeit mit den Frühgeborenen. Auch hier ist es nicht immer einfach, aber wenn es eines der Kleinen schafft, ist es einfach das Beste.

    Zwei Schicksalsschläge so kurz nacheinander sind nicht leicht zu verarbeiten. Wie kommt Paula damit klar? Vielleicht sucht sie nach der anderen, vielleicht streift sie durch die Wohnung, erinnert sich. Oder sie stürzt sich in die Arbeit. Vielleicht findet sie Halt bei ihrer Familie oder der von Mauro. Vielleicht bietet sich ein Abenteuer eine Ablenkung. Möglichkeiten gibt es genug. Manchmal kann sie der Schwere einfach nicht entfliehen. Sie ist traurig und verletzt und sieht natürlich anfangs kein Licht am Ende des Tunnels.

    Nach der Beschreibung hofft man auf einen ansprechenden Roman, in dem es um die Bewältigung der beiden Schicksalsschläge geht. Man denkt vielleicht, es wird mehr zu den Gründen für die Trennung geben. Oder Mauro hätte noch etwas zu verbergen gehabt. Irgendwie war ein Wunsch da, Paula möge aktiver sein. Aber irgendwie trauert sie als hätte die Trennung keine Bedeutung. Und damit geht möglicherweise die Idee oder der Ansatz des Buches verloren. Wenn man einfach über eine trauernde Frau hätte lesen oder wie hier hören wollen, hätte man jedes Buch über eine trauernde lesen können. Fesselnd wäre gewesen zu erfahren, inwieweit die vorherige plötzliche Trennung einen Unterschied macht. Man kommt zu dem Schluss, in diesem Fall gar keinen. Zum Glück kann man Hörbücher auch beim Spazieren hören, so dass die Zeit gut verbracht ist.
    2,5 Sterne

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  1. Nur ein Augenblick

    Eine nicht mehr ganz junge Frau, Ärztin auf der Frühchenstation im Krankenhaus, lebt seit Jahren mit ihrem Freund Mauro. Sie sitzen im Restaurant beim Mittagessen und zum Schluss eröffnet er ihr fast beiläufig, dass er sich trennen möchte. Er hat eine neue Beziehung, es ist etwas Ernstes und es soll schnell gehen. Paula ist wie versteinert und das ist erst der Anfang: kurz danach hat Mauro einen tödlichen Verkehrsunfall.

    Nur Mauros Freund und Geschäftspartner weiß von der neuen Beziehung. Für alle anderen ist Paula die Hinterbliebene, die trauernde Frau. Doch in ihrer Trauer ist so viel mehr, da ist Wut auf Mauro, Wut auf die unbekannte neue Freundin, vielleicht auch Wut auf sich, weil sie nichts merkte. In ihren Schmerz mischen sich Erinnerungen an den allzu frühen Tod ihrer Mutter, ihre Einsamkeit als Jugendliche. Jetzt zieht sie sich wieder völlig in sich zurück und versucht der Stille durch endlose Schichten im Krankenhaus zu entgehen.

    Aber sie beginnt auch die Vergangenheit zu hinterfragen, hat sie Mauro eigentlich je richtig verstanden? Hat sie ihn geliebt?

    Es sind die unmittelbaren Monate nach dem schmerzhaften Ende einer Beziehung um die dieser Roman kreist. Der Schmerz, die Verletzung, die Wut, all diese Gefühle sind in Paula und bewegen ihre Gedanken und ihr Handeln. Es ist quälend darüber zu lesen, aber auf eine empathische Art quälend. Ich habe mich sehr in die Protagonistin hineinfühlen können.

    Der Autorin gelingt es trotz des Themas einen poetischen Erzählton zu finden. Die Szenen auf der Frühgeborenenstation sorgen auch immer wieder für zärtliche Augenblicke und Paula findet dort Ruhe und zu sich selbst. Ich fand den Roman sehr empathisch erzählt und die Entwicklung der Protagonistin sehr nachvollziehbar. Die verschiedenen Phasen der Trauer, von Verzweiflung und Schuldgefühlen bis hin zum neu erwachenden Optimismus und Lebensmut sind realistisch und fesselnd erzählt.

    Das Buch hat mich wirklich berührt.

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  1. Sehr authentisch, hat mich inhaltlich jedoch nicht überzeugt

    "Der Moment zwischen den Zeiten" von Marta Orriols handelt von Protagonistin Paula. Paula lebt in Barcelona und arbeitet als Neonatologin im Krankenhaus. Sie war lange mit Mauro verheiratet, der sie aber wegen einer Jüngeren verlassen hat und noch am selben Tag durch einen Autounfall ums Leben kam. Die Geschichte erzählt, in diversen Zeitsprüngen (davor, dazwischen, danach), wie Paula mit dem Tod von Mauro umgeht und was genau darum herum passiert ist.
    Erstmal muss ich den Schreibstil von Marta Orriols loben. Ich weiß, dass die Originalsprache des Buches nicht Deutsch ist, weil es übersetzt wurde, aber es liest sich einfach wundervoll. Die Beschreibungen von Pauls Umfeld und Emotionen sind immer wunderschön umgesetzt. Dennoch hat mich Paula als Charakter nicht erreichen können. Ihre Handlungen und Gedanken konnte ich fühlen aber nicht immer rational nachvollziehen... und da das Buch zu 90% von Marta und ihren Gedanken & Taten handelt, war das Buch für mich doch recht zäh. Klar, Emotionen sind alles andere als rational, dennoch möchte man sich als Leser damit identifizieren können und ein Verständnis für die Protagonistin aufbauen. Das ist mir aber nicht so recht gelungen.
    Was ich wirklich toll fand, war das Cover und der hochwertige Umschlag. Selbst ohne Schutzumschlag war noch eine einzelne Rose auf das Buch gedruckt, die irgendwie gut zum Inhalt gepasst hat. Sie vermittelt eine gewisse Tragik.
    Alles in alles war das Buch einfach nicht mein Fall. Durch den sehr guten Schreibstil und das tolle Cover hat es aber 3 Sterne verdient.

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An diesem Tage lasen wir nicht weiter

Buchseite und Rezensionen zu 'An diesem Tage lasen wir nicht weiter' von Will Schwalbe
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Inhaltsangabe zu "An diesem Tage lasen wir nicht weiter"

TB

Format:Taschenbuch
Seiten:384
EAN:9783548612010
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Sterben: Eine Erfahrung: 4 CDs

Buchseite und Rezensionen zu 'Sterben: Eine Erfahrung: 4 CDs' von Cory Taylor
NAN
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Inhaltsangabe zu "Sterben: Eine Erfahrung: 4 CDs"

Eine Erfahrung. Lesung. 248 Min.
Audio CD
2015 erfährt Cory Taylor, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. In nur wenigen Wochen hat sie ihre Memoiren verfasst, die kurz vor ihrem Tod im Juli 2016 erschienen. Auf bemerkenswerte Weise reflektiert sie über den Sinn der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Erfahrung, was das Sterben sie gelehrt hat. Der universellen Frage über ein Leben nach dem Tod begegnet sie als nicht-religiöser Mensch in einer für sie selbst überraschenden spirituellen Form. Ergreifend und zutiefst weise sind ihre Gedanken über das Sterben, die zugleich eine Hymne an das Leben sind.

Autor:
Format:Audio CD
Seiten:0
EAN:9783957130747
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Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester

Buchseite und Rezensionen zu 'Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester' von Charlotte Link
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester"

Das persönlichste Buch von Charlotte Link


Auf eindringliche Weise berichtet Bestsellerautorin Charlotte Link von der Krankheit und dem Sterben ihrer Schwester Franziska. Es ist nicht nur das persönlichste Werk der Schriftstellerin, voller Einblicke in ihr eigenes Leben, sondern auch die berührende Schilderung der jahrelang ständig präsenten Angst, einen über alles geliebten Menschen verlieren zu müssen. Charlotte Link beschreibt den Klinikalltag in Deutschland, dem sich Krebspatienten und mit ihnen ihre Angehörigen ausgesetzt sehen, das Zusammentreffen mit großartigen, engagierten Ärzten, aber auch mit solchen, deren Verhalten schaudern lässt und Angst macht. Und sie plädiert dafür, die Hoffnung nie aufzugeben – denn nur sie verleiht die Kraft zu kämpfen.


Ein subtiles, anrührendes Plädoyer für mehr Menschlichkeit. Ein Buch, das Kraft gibt, nicht aufzugeben und um das Leben zu kämpfen.


Format:Taschenbuch
Seiten:320
EAN:9783734102554
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Rezensionen zu "Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester"

  1. Ein Buch über den Abschied, die Liebe und eine unendliche Geduld

    Die für ihre Kriminalromane bekannte Schriftstellerin Charlotte Link hat sich mit dem Buch Sechs Jahre auf ein ihr bislang völlig fremdes Terrain gewagt - vor allem, weil sie es ihrer Schwester versprochen hatte.

    Anfang 2006 wird bei Charlotte Links Schwester Franziska im Alter von 41 Jahren Darmkrebs diagnostiziert. Die Situation wird von den Ärzten als kritisch eingeschätzt: Sie befürchten, dass bereits die Lymphknoten und das Bauchfell befallen sein könnten. Die Behandlung mit Chemotherapie, Bestrahlung und anschließender Operation beginnt praktisch sofort. Was jetzt so wirken mag, als hätte Charlotte Link das Wechselspiel der unterschiedlichen Therapieformen auf ein ganzes Buch ausgedehnt, ist falsch. Das Schreiben ist ihr Weg, sich mit dem langsamen Sterben ihrer ihr sehr nahestehenden Schwester auseinanderzusetzen und den Verlust zu verarbeiten.

    Bereits als junge Frau war Franziska zum ersten Mal an Krebs erkrankt: Sie litt unter Morbus Hodgkin, einer sehr seltenen Erkrankung des lympathischen Systems, die mithilfe von Chemo- und Strahlentherapie gut heilbar ist, wenn sie früh erkannt wird. So war es auch bei Franziska: 17 Jahre lang galt sie als krebsfrei, doch der dann auftretende Darmkrebs soll nicht zu ihrem Hauptproblem werden. Was ihr in den nächsten Jahren zu schaffen machen wird, sind die Vernarbungen auf der Lunge, die Jahrzehnte zuvor im Zuge der Morbus-Hodgkin-Therapie entstanden sind: Sie beginnen, sich auszubreiten und die Lungenkapazitäten allmählich dramatisch zu reduzieren. Franziska wird sechs Jahre mit allen nur erdenklichen Höhen und Tiefen, mit Hoffnungen und Enttäuschungen erleben. Sie klammert sich an ihr Leben und will sehen können, wie ihre Kinder aufwachsen.

    nnerhalb des ersten dieser sechs schweren Jahre stellen drei Ärzte unabhängig vomeinander Diagnosen, die alle mit Prognosen über Franziskas noch zu erwartende Lebenszeit einhergehen und sich später als falsch erweisen. Diese Diagnosen werden mit Attributen wie "Sie leben Ende des Jahres nicht mehr" oder "Nichts zu machen!" versehen und zum Teil so gefühlskalt und gnadenlos vorgetragen, dass sie in der Patientin schwere seelische Erschütterungen hervorrufen. Für psychisch labilere Menschen als es Charlotte Links Schwester war, können solche Situationen der Anlass für einen Suizid sein. Doch auch das Verhalten des Pflegepersonals in einer der beschriebenen Kliniken eignet sich nicht dazu, Menschen die Angst vor dem Klinikaufenthalt zu nehmen.

    Die Familie trifft jedoch bei ihrer Suche nach geeigneten Behandlungsmethoden auch auf sehr gute Mediziner, die so sind, wie sie sich jeder Patient wünscht: kompetent, geduldig und einfühlsam. In den Krankenhäusern, in denen sie tätig sind, geht auch das Pflegepersonal sehr fürsorglich mit den Patienten um. Möglicherweise gibt es hier einen Zusammenhang.

    Ich habe vereinzelte Rezensionen gelesen, in denen Charlotte Link vorgeworfen wurde, das Schicksal der Schwester und damit der ganzen Familie für ihr Buch auszuschlachten. Auch, dass es noch viele andere Menschen gibt, die genauso leiden wie Franziska, aber deren Schicksal nicht öffentlich wird, weil sie nicht prominent sind, wurde kritisiert. Prominenz hat jedoch hier einen großen Voteil: Die Stimme einer bekannten Person wird gehört, sie kann ihren Einfluss in der Öffentlichkeit und auf Entscheidungsträger nutzen. So war es auch hier: Noch während sie ihr Buch schrieb, wurde Charlotte Link bereits von zwei Kliniken um Lesungen gebeten. Den beiden Krankenhäusern ging es um den Umgang mit Schwerstkranken bzw. die Spätfolgen der Strahlentherapie. Die Medizin hat in den letzten Jahren das Dilemma einer klassischen Krebstherapie erkannt: Auch wenn die Erkrankung bei einem Patienten besiegt werden kann, kann er sich auch nach vielen Jahren seines Lebens nicht sicher sein.

    Sechs Jahre ist ein - naturgemäß - sehr emotionales Buch, das die Hilflosigkeit, in der unzählige Schwerstkranke und ihre Angehörigen stecken, zeigt. Es ist aber auch ein Buch voller Hoffnung und der Botschaft, in einer schweren Situation erst dann aufzugeben, wenn alle Möglichkeiten erschöpft sind. Es ist kein Buch, bei dem man nach dem Lesen der letzten Zeile nahtlos zum Tagesgeschehen zurückkehren kann.

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  1. 5
    25. Jun 2016 

    Charlotte Link: Sechs Jahre -

    Charlotte Link: Sechs Jahre - Der Abschied von meiner Schwester

    Von Charlotte Link habe ich "Das Haus der Schwestern" und "Die Rosenzüchterin" gelesen. Das ist schon sehr lange her. Und da ich damals noch kein Lesetagebuch führte, wollte ich die Bücher irgendwann noch einmal lesen. Bis heute bin ich nicht dazu gekommen, obwohl ich "Das Haus der Schwestern" zwischenzeitlich auch schon gehört habe.

    Nun bin ich über ein sehr privates Buch der Autorin gestolpert: "Sechs Jahre - Der Abschied von meiner Schwester".
    Schon im Vorwort lese ich, was mich in diesem Buch erwartet und dass es keine leichte Kost ist. Sechs Jahre lang kämpfen Charlotte Link und ihre Familie an der Seite ihrer Schwester Franziska gegen den Krebs, um am Ende doch zu verlieren. Franziska stirbt am 7. Februar 2012 mit sechsundvierzig Jahren nach sechsjährigem Kampf an dieser Krankheit. Sie nahm Charlotte vorher das Versprechen ab, darüber zu schreiben.

    Zwischen den Schwestern bestand seit ihrer Kindheit eine unheimlich enge Verbindung. Charlotte verlor mit dem Tod ihrer Schwester den wichtigsten Menschen ihres Lebens. Dieses Buch zu schreiben, war wohl auch ein Stück Trauerbewältigung.

    Doch nicht nur das. Sie war der Meinung, dass das, was sie in diesen sechs Jahren in Krankenhäusern erlebt haben, öffentlich gemacht werden sollte. Auf die Missstände sollte so lange hingewiesen werden, bis sich etwas Entscheidendes ändert.

    Als man im Februar 2006 bei Franziska Metastasen findet und auf die Suche nach dem Tumor gehen will, ist sie noch ganz ruhig. Sie war von den beiden Schwestern immer die sachlich und rational Agierende. Noch dazu war ihr die Situation vertraut. Achtzehn Jahre zuvor hat sie das schon einmal erlebt.
    An einem Vormittag hatte sie einen Termin bei einer Onkologin, zu dem sie noch ganz zuversichtlich ging. Innerhalb einer halben Stunde hat diese Onkologin dafür gesorgt, dass ein Psychologe Franziska wenig später eine tiefe Traumatisierung bescheinigt.
    Diese Onkologin sagte Franziska auf den Kopf zu, dass es für sie absolut keine Hoffnung gibt. Mit einer Chemo-/Strahlentherapie und der Entfernung des Tumors wird sie höchstens noch bis zum Ende des Jahres zu leben haben. Sie solle doch über den Verlauf ihres Sterbens ein Fotoalbum anlegen, damit ihre Kinder etwas hätten, das sie sich dann immer wieder anschauen können.

    Fehldiagnosen wird Franziska noch so einige bekommen. Zumeist negative, die sich dann doch nicht einstellen. Aber diese Erfahrungen macht es unmöglich an positive Diagnosen zu glauben.
    Noch eine Erfahrung, die die Familie in diversen Krankenhäusern gemacht hat: Sobald der Patient mit zwei Dingen zu kämpfen hat, die es nötig machen würden, stationsübergreifend zu arbeiten, ist er aufgeschmissen. Dazu scheinen die meisten Krankenhäuser nicht in der Lage zu sein. In einer Lungenklinik zum Beispiel wird überhaupt nicht darauf reagiert, dass Franziska nichts essen kann. Man stellt ihr das Tablett hin und holt es abends wieder ab. Ohne darauf zu reagieren, dass sie gar nichts zu sich nimmt. Wenn die Familie nicht Essen mitgebracht hätte, wäre sie dort einfach verhungert.

    Das Verhalten vieler Ärzte machte Charlotte Link sprachlos und mich als Leserin wütend. Sie fragte sich, warum ein Arzt einen helfenden Beruf ergreift,

    "wenn er gleichzeitig so menschenverachtend, rücksichtslos und fast feindselig mit Menschen umgeht, die sich in einer wehrlosen Situation befinden".

    Und wie kann es sein, dass solche Ärzte für ihr Tun nicht bestraft werden. Dass sie sich für Fehldiagnosen in rauen Mengen nicht entschuldigen und schon gar nicht verantworten müssen.

    Es hat sicherlich rechtliche Gründe, aber ich finde es äußerst schade, dass diese "Ärzte" hier nicht mit Namen genannt wurden.

    Glücklicherweise haben sie aber auch andere Ärzte und Klinikpersonal kennengelernt. Sie haben erlebt, dass man sich auch in einem Krankenhaus geborgen fühlen kann, wenn Ärzte und Schwestern mit den todkranken Patienten respektvoll und freundlich umgehen.

    Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Wie schon am Titel zu erkennen, gibt es kein Happy end. Trotzdem macht es ein bisschen Mut, die Hoffnung nicht zu schnell aufzugeben.
    Zwei Jahre wurden Franziska anfangs noch gegeben. Sechs Jahre hat sie noch geschafft. Sechs Jahre, die sicher nicht leicht waren, die sich die Familie aber noch gehabt hat.

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