Meine Reise zur Gelassenheit - Das Einmaleins für innere Ruhe und Loslassen von Stress und negativen Gedanken. Gelassenheit lernen mit dem Rundum-Entspannt-Buch für ein bewusstes Leben.

Buchseite und Rezensionen zu 'Meine Reise zur Gelassenheit - Das Einmaleins für innere Ruhe und Loslassen von Stress und negativen Gedanken. Gelassenheit lernen mit dem Rundum-Entspannt-Buch für ein bewusstes Leben.' von Gabriele Liesenfeld
NAN
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Inhaltsangabe zu "Meine Reise zur Gelassenheit - Das Einmaleins für innere Ruhe und Loslassen von Stress und negativen Gedanken. Gelassenheit lernen mit dem Rundum-Entspannt-Buch für ein bewusstes Leben."

Format:Taschenbuch
Seiten:163
EAN:9783950512502
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Dschinns: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Dschinns: Roman' von Fatma Aydemir
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Dschinns: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
EAN:9783446269149
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Rezensionen zu "Dschinns: Roman"

  1. Erstes Jahreshighlight 2022

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jan 2022 

    Hüseyin steht kurz vor dem Renteneintritt und hat sich endlich den Traum von einer Wohnung in Istanbul erfüllt. Hier will er mit seiner Ehefrau die arbeitsfreie Zeit genießen und Besuch von seinen Kindern aus Deutschland bekommen. Doch dann kommt es anders: Hüseyin stirbt kurz nach der Ankunft in der neuen Wohnung, seine Familie steht unter Schock. In der Trauer um Vater und Ehemann kommen immer mehr Verletzungen, Distanziertheit und Geheimnisse ans Licht.

    In „Dschinns“ erzählt Fatma Aydemir die Geschichte einer Familie in all ihren Facetten. Eingerahmt wird die Handlung von den Kapiteln der Eltern. Zuerst Hüseyin, der Vater und zum Schluss Emine, die Mutter. In beiden Fällen ist auch die Perspektive eine andere, denn es wird in der Du-Form erzählt, wie in einem Gespräch. Allein mit der Auflösung, wer hier eigentlich spricht, ist Aydemir ein echter Kunstgriff gelungen. Dazwischen eingebettet finden wir die Blickwinkel der vier Geschwister Ümit, Peri, Sevda und Hakan in personaler Erzählform, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit.

    Die vier Geschwister sind in ihrem Wesen recht unterschiedlich. Ümit, der jüngste, eher zart und empfindsam, Peri eine Feministin mit starkem Willen, Sevda eine alleinerziehende Mutter, immer im Konflikt mit ihrer eigenen und Hakan, der schon als Kind Ärger gemacht hat und sich nicht ganz legal durchs Leben schlägt. Gemeinsam haben sie aber ihren Kampf mit der eigenen Identität, die Abgrenzung von ihren Eltern und ganz im Allgemeinen den Wunsch, ihren Platz in der Welt zu finden. Emine sticht dabei heraus, ist aber auch der große Reibungspunkt der Familie – umso bedeutsamer ist ihre Perspektive am Ende.

    „Dschinns“ ist nicht nur ein sprachliches und erzählerisches Meisterwerk, es spricht auch eine Menge wichtige Themen an: die Auswanderung der Familie nach Deutschland und wie ihnen dort begegnet wird, die kurdische Herkunft, die sie verleugnen (müssen), die Traumata, die jedes einzelne Familienmitglied mit sich herumschleppt. Ich wünschte, ich könnte sie alle noch ein Stück auf ihrem Weg begleiten, so sehr sind sie mir ans Herz gewachsen. Definitiv mein erstes Highlight des Jahres!

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Wut und Böse

Buchseite und Rezensionen zu 'Wut und Böse' von Ciani-Sophia Hoeder
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wut und Böse"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
Verlag: hanserblau
EAN:9783446271159
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Rezensionen zu "Wut und Böse"

  1. Wichtiges Thema

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Dez 2021 

    Wut ist seit je her für die Geschlechter unterschiedlich besetzt; das beginnt schon als Kind. Während Jungs auch mal laut und aggressiv werden dürfen („Es sind eben Jungs“), sollen Mädchen „brav“ sein und ihre Wut unterdrücken. Diese von einander abweichende Bewertung setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort: Wütende Männer sind stark und durchsetzungsfähig, wütende Frauen sind Zicken und hysterisch. Dabei haben Frauen auch heutzutage noch jede Menge Gründe, um eigentlich dauerhaft wütend zu sein – warum sind wir es nicht?

    Diesem spannenden Thema widmet die Journalistin Ciani-Sophia Hoeder ihr erstes Sachbuch. Dabei verbindet sie auf gelungene Weise gesellschaftliche Betrachtungen mit historischen Rückblicken, faktischen Studien und persönlichen Erfahrungen. Zunächst klärt die Autorin den Begriff der Wut und seine Geschichte, schlägt dann den Bogen speziell zu weiblicher Wut und wagt am Ende den Ausblick, inwiefern Wut Veränderung schaffen kann und was eigentlich nach ihr kommt. Es fällt positiv auf, dass Hoeder dabei auch aktuelle Diskussionen und Entwicklungen einfließen lässt und einen intersektionalen Ansatz verfolgt.

    Schon früh im Text wird deutlich: Männer sind nicht wütender als Frauen, sie bewerten Wut nur anders. Frauen geben oft an, sich eher traurig oder enttäuscht zu fühlen, einfach weil das gesellschaftlich viel akzeptierter ist. Dabei ist es die männliche Wut, die als Ursache zu Aggression wird und zu riskanten Verhalten und Gewalt (vor allem gegen Frauen!) führt. In einer heterosexuellen Ehe werden Männer älter, weil sie ein besseres, sicheres Leben führen, Frau hingegen sterben früher – ist das nicht bezeichnend?

    Was können Frauen also tun? Die Wut für sich zurückfordern, sie „reclaimen“, sagt die Autorin; sie nicht länger unterdrücken, denn letztendlich macht genau das uns krank. Daher sollten wir stolz auf uns sein, wenn wir in einer Situation Wut empfinden und für uns selbst einstehen, um Gerechtigkeit zu erfahren. Wer bereits die einschlägige Literatur zur Ungleichbehandlung von Frauen kennt, für den ist vieles nicht neu, dennoch ist „Wut und Böse“ eine gelungene Zusammenfassung zu einem wichtigen Thema.

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Das Herz der Gewalt

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Herz der Gewalt' von Mikal Gilmore
NAN
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Inhaltsangabe zu "Das Herz der Gewalt"

Format:Taschenbuch
Seiten:0
Verlag:
EAN:9783442433759
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Althea Gibson - Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin

Buchseite und Rezensionen zu 'Althea Gibson - Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin' von Bruce Schoenfeld
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Althea Gibson - Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
Verlag: HarperCollins
EAN:9783749902590
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Rezensionen zu "Althea Gibson - Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin"

  1. Lesenswert

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Okt 2021 

    Klappentext:
    „Bis 1950 durfte sie nicht gegen Weiße spielen. Dann gewann sie Wimbledon.
    Althea Gibson war die erste Schwarze, die Wimbledon gewann. Doch der Weg dorthin war hart. Aufgrund ihrer Hautfarbe wird die US-Amerikanerin immer wieder diskriminiert und ausgegrenzt, auf dem Platz beschimpft und ausgebuht. Angela Buxton, Engländerin und Enkelin russischer Juden, kämpft aufgrund ihrer Herkunft mit ähnlichen Vorurteilen.
    Beide Frauen gelten im Profitennis der fünfziger Jahre als Außenseiterinnen – bis sie sich zusammentun und in Wimbledon 1956 das Damendoppel gewinnen. Ein Sieg, der wie ein Donnerschlag die damalige Sportwelt erschüttert. Am Ende ihrer Karriere hat Althea Gibson elf Grand-Slam-Titel geholt….“

    Ich muss gleich zu Beginn loswerden, nein, ich bin keine große Tennis-Guckerin im TV und verstehe auch nur bedingt etwas davon aber ist es dennoch ein sehr faszinierender Sport, der mich immer wieder einnimmt. Althea Gibson kannte ich und somit war ich äußerst gespannt wie ihre Geschichte und auch die von Angela Buxton hier umgesetzt wurde.
    Die Geschichte der beiden Damen ist so viel mehr als nur Tennis-Geschichte und das merkt man ganz schnell nach den ersten Seiten. Jede der beiden Damen könnte nicht unterschiedlicher sein, aber dennoch haben sie den gleichen schweren Rucksack auf den Schultern zu stemmen - ihre Herkunft.
    Mit voller Kraft und Engagement schlagen die beiden Ladys nicht nur die Bälle über das Spielfeld sondern auch hier die Sätze dem Leser regelrecht um die Ohren. Autor Bruce Schoenfeld hat hier wahres Talent bewiesen die damalige Zeit sowie aber auch die Damen zu porträtieren. Er spricht hier so viele Dinge an, wo man zwar heute den Kopf schüttelt, aber dennoch feststellt, das selbst heute noch solche Grausamkeiten beim Thema Rassismus etc. immer wieder aufkeimen. Wird das denn nie ein Ende haben? Und genau diese Wut darüber hat die beiden Damen zu unglaublicher Kraft aus sich herauswachsen lassen - wow! Einerseits sind sie Sinnbild für den Sport aber eben auch für den Kampf gegen Rassismus. Was dabei möglich ist, war eben der Gewinn von Wimbledon 1956 und noch so viel mehr….einfach nur beeindruckend und wahrlich gut geschrieben ohne dabei zu übertreiben oder etwas unausgesprochen zu lassen. Absolute Leseempfehlung und deshalb gibt es auch 5 von 5 Sterne!

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Wie viel von diesen Hügeln ist Gold: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wie viel von diesen Hügeln ist Gold: Roman' von C Pam Zhang
4.8
4.8 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783103973921
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Rezensionen zu "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold: Roman"

  1. Was macht ein Zuhause zum Zuhause?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Nov 2021 

    Die von chinesischen Einwanderern abstammenden Geschwisterkinder Lucy und Sam begeben sich im Wilden Westen des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit dem gestohlenen Pferd Nellie auf eine abenteuerliche Reise. Ihre schwere Last: eine Truhe der verstorbenen Mutter, darin die Leiche des Vaters. Doch die beiden sind nicht nur auf der Suche nach einer Begräbnisstätte...

    In ihrem bemerkenswerten Debütroman "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold" erzählt die 1990 in Peking geborene C Pam Zhang eine nahezu unglaublich wirkende Geschichte, die sich komplett auf die Sichtweise ihrer jungen Protagonist:innen einlässt. Es ist nicht nur sprachlich ein Fest. Zhang schafft es auch, so grundlegende Themen wie (sexuelle) Identität, Herkunft, Heimat, Familie, Tod und Trauer miteinander zu verbinden, dass alles wie aus einem Guss wirkt. Dabei gelingt es der Autorin mehr als einmal, mit gesellschaftlichen - und literarischen - Konventionen zu brechen und die Leser:innen immer wieder zu überraschen. In poetische Beschreibungen der schrecklich-schönen Natur mischen sich in Rückblicken brutale väterliche Gewaltausbrüche. Ein Tigerschädel liegt wie selbstverständlich neben einem Bisonskelett. Ein Kapitel wird "Pflaume" betitelt, dreht sich aber um das verwesende männliche Geschlechtsteil des Vaters. Immer wieder hält Zhang den Leser:innen den Spiegel vor, spielt mit den Erwartungen und den vorgefertigten Meinungen, um in einem nächsten Kapitel alles über den Haufen zu werfen und die Geschichte aus einer völlig anderen Perspektive zu erzählen. An der Grenze zum magischen Realismus lässt Zhang Geisterstimmen in den Wind hineinfließen und verwirrt damit nicht nur Lucy.

    Wo sich andere Autor:innen verheben könnten, schafft es Zhang in ihrer Mischung aus Coming-of-Age-, Abenteuer- und Familienroman fast spielerisch, die Spannung und das sprachliche Niveau hochzuhalten. Während die ein Jahr ältere Lucy die eigentliche Hauptfigur ist, hatte es mir vor allem das jüngere Geschwisterkind Sam angetan. Insbesondere im überragenden ersten Teil des Romans ist Sam so voller Wut und innerer Zerrissenheit, dass ich fast schon körperlichen Schmerz spürte und mich komplett in dieser Figur verlor.

    Und auch wenn die zweite Hälfte des Romans den Vergleich mit der einzigartigen ersten verlieren mag, ist sie keinesfalls enttäuschend. Die zentrale Frage des Buches "Was macht ein Zuhause zum Zuhause?" zieht sich konsequent wie ein roter Faden durch das Geschehen, um Lucy und Sam letztlich ganz unterschiedliche Antworten darauf finden zu lassen.

    Man muss sicherlich kein großer Prophet sein, um vorauszusagen, dass man von C Pam Zhang noch viel hören wird. Sämtliche amerikanischen Vorschusslorbeeren sind berechtigt, und es ist der Autorin und dem Roman zu wünschen, dass das Buch auch in Deutschland für die nötige Aufmerksamkeit sorgen wird. In diesem Zusammenhang sei auch die großartige deutsche Übersetzung von Eva Regul erwähnt.

    "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold" ist ein bemerkenswertes Buch von eindringlicher Intensität. Aufregend, überraschend und mit Themen wie Rassismus, der Ausbeutung der Natur und Fragen nach der sexuellen Identität äußerst zeitgemäß - ein echtes Ereignis.

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  1. Lucys und Sams Weg

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Okt 2021 

    Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Fast wie das titelgebende Gold, für mich aber nachhaltiger, Die in China geborene und jetzt in den USA lebende Autorin blickt in diesem Buch auf recht viele Thematiken. Einmal befasst sich die Autorin mit der Geschichte der Chinesen im Amerika und ihrer Stellung in diesem Land, ihrer Suche nach Gerechtigkeit und das Buch befasst sich ebenso mit dem Rassismus. Dann geht es auch um die Geschlechter, Frauen und Männer, es geht um die Identitätsfindung und um die Gleichstellung von Frauen und Männern. Dann wird auch der Goldrausch in Kalifornien thematisiert und ebenso auch der Mensch und dessen Umgang mit der Natur, deren vollkommene Ausbeutung. Ebenso werden auch die Indianer zum Thema, die einstigen Bewohner Amerikas und ihre jetzige Stellung, dies wird aus der Sicht der Chinesen beleuchtet, ein höchst interessanter Blickwinkel. Sind sie doch beide Unterdrückte des Weißen Mannes. Ganz schön viele Thematiken könnte man meinen. Aber in diesem Buch wird das alles geschickt in einer wunderschön zu lesenden Geschichte miteinander verwoben, die Schreibe ist ungemein interessant aufgebaut und die teilweise etwas blumige Sprache lässt mein Leserherz aufblühen. Man bemerkt thematisch und auch im Sprachklang deutlich die Herkunft der Autorin. Was mir sehr gefallen hat! Bitte mehr davon!

    Die zwei chinesischen Waisenkinder Lucy und Sam befinden sich auf einer Suche, auf einem Roadtrip. Die Vergangenheit hat sie geformt, lässt sie auch schwer wieder los und jetzt sind sie auf der Suche nach einer Zukunft. Dabei wachsen sie über sich hinaus, es ist absolut interessant ihren abenteuerlichen Weg mitzuverfolgen. Ich habe mich gefragt, ob unsere heutigen Kinder/Jugendlichen ähnliches bewältigen könnten. Man kann das sicher nicht vergleichen, ich weiß, ich tue es trotzdem. Denn irgendwie ist es schon bemerkenswert, was Lucy und Sam so alles schaffen. Aufgrund ihrer Jugend, ihrem Geschlecht und ihrer chinesischen Herkunft haben sie mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen und sie müssen sich entscheiden, ob ihre Zukunft in Kalifornien, wo sie geboren sind, oder in China, wo ihre Eltern geboren sind, liegt. Eine schwierige Entscheidung!

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  1. This land is not your land

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Aug 2021 

    „This land is not your land” steht auf der ersten Seite des Buches, und so ist es wohl.
    Sam ist elf und Lucy zwölf, als ihr Ba stirbt und sie allein zurückbleiben in einer heruntergekommenen Unterkunft mitten in den Hügeln, wo Ba Gold suchen wollte und schließlich Kohle schürfte.

    Für eine Beerdigung braucht man nach chinesischer Tradition zwei Silberstücke für die Augen, Wasser und ein Zuhause. Das hat Lucy von Ma gelernt. Ma ist schon lange fort…

    Selbst wenn sie Silberstücke hätten, wo mag Bas Zuhause sein? Die beiden Mädchen machen sich auf den Weg mit einem gestohlenen Pferd und der Leiche ihres Vaters.
    Hier erlebt man den wilden Westen und den Goldrausch aus ganz ungewöhnlicher Sicht. Mit großen Erwartungen kamen „Die 200“ nach Amerika, um festzustellen, dass sie in Amerika als billige Arbeitskräfte benötigt werden und das Gold nicht auf der Straße liegt.

    Traurig und anrührend erzählt Lucy von ihre Geschichte. Sam und sie sind in Amerika geboren, aber man sieht ihnen ihre Abstammung an. Sie wissen, sie werden nie richtig dazugehören und so versucht jede, ihren eigenen Weg zu finden. Sam findet sogar, sie käme als Junge besser zurecht. Aber obwohl die beiden Schwestern so unterschiedlich sind, verbindet sie doch ihre gemeinsame Vergangenheit. Ihre schicksalhafte Kindheit hat sie zusammengeschweißt, ihre Herkunft, die sie anderswo ausgrenzt, verbindet sie auch.

    Sie Sprache ist einfach, hat aber einen ganz eigenen Charme, einfache Worte, die Einsamkeit, Armut, Traurigkeit und Fatalismus transportieren und mitten ins Herz gehen. Ein Hauch chinesische Lebensklugheit schwingt mit. Die Mädchen haben in ihrem jungen Leben schon einiges gelernt von Ma und Ba.

    Erde, Wasser, Fleisch, Schädel, Salz, Gold, Pflaume, Blut heißen die Kapitel immer wieder und zeigen, dass man sich auf elementare Dinge besinnen muss, wenn das Leben schwierig ist.

    Dieses Buch ist besonders, zart und traurig, anrührend, grausam und auch schön, ein historischer Roman, der statt geschichtlicher Fakten ein Zeitgefühl wiedergibt und damit umso eindrucksvoller ist.

    Inka Löwendorf liest das Hörbuch 7 Stunden lang und transportiert ganz wunderbar eindringlich diese poetische Schlichtheit der Sprache. Auch gelegentliche chinesische Phrasen liest sie souverän. Dieses Buch ist als Hörbuch ganz besonders zu empfehlen.

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  1. Großartige Familiengeschichte im Goldgräbermilieu mit aktuellen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Jul 2021 

    Hätte dieser Roman nicht auf der Longlist für den renommierten Bookerpreis gestanden, hätte ich ihn wohl nie gelesen. Was wäre mir da entgangen?! Wir Vielleser sind doch immer auf der Suche nach dem besonderen Buch, nach der Perle, die aus dem Gewöhnlichen heraussticht. C. Pam Zhangs Debüt ist zweifellos ein solches Buch. Geschildert wird das harte Leben einer „unerwünschten“ chinesischen Einwandererfamilie in den USA zu einer Zeit, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Glückssucher in den amerikanischen Westen kamen.

    Die Autorin erzählt ihre Geschichte, der gewiss auch autobiografische Erfahrungen zu Grunde liegen, in vier Teilen überwiegend aus Lucys Perspektive. Im ersten Teil stellt sie uns die Geschwister Lucy (12) und Sam (11) vor, deren Vater Ba vor Kurzem gestorben ist. Ba war als Goldgräber in diese Hügel gekommen. Wie es scheint erfolglos, denn in letzter Zeit hat er sich im Kohleabbau verdingt, um das Lebensnotwendige für seine Familie zu verdienen. Die Mutter scheint bei einer schweren dritten Geburt ums Leben gekommen zu sein. Sehr berührend werden die Erinnerungen an diese ausgleichende, liebevolle und lebenspraktische Frau geschildert. Nun sind Lucy und Sam allein und suchen, wie es die Familientradition vorschreibt, nach dem geeigneten Platz, um Bas sterbliche Überreste zu begraben und ihm damit ein neues Zuhause zu geben.

    „Was bedeutet Zuhause, wo doch Ba mit ihnen ein so rastloses Leben gelebt hat? Er wollte im Handumdrehen sein Glück machen und trieb die Familie unermüdlich weiter wie ein Sturmwind im Rücken. Auf zu Neuem. Etwas Wildem. Dem Versprechen von großem Reichtum und großem Glanz.“ (S. 40)

    Die Geschwister sind sehr verschieden. Sam bemüht sich stets, der ersehnte Sohn des Vaters zu sein, eifert ihm nach, war dessen Liebling. Lucy sehnt sich nach einem anderen Leben, will lernen und sesshaft werden. Sam ist impulsiv, Lucy eher angepasst. Die Autorin gibt uns Rückblicke ins Familienleben, während die beiden Kinder durch die trockene Wildnis streifen. Der Vater hat sich nach dem Tod der Mutter sehr verändert, er trinkt viel und wird leicht aggressiv: „An Zahltagen brachte er seinen Lohn nach Hause, und dann flogen die Fäuste im rumpelnden Rhythmus. Lucy lernte, sich im Takt zu bewegen: Schritt und Drehung, wendig und still. Wenn sie schnell genug war, erwischten Bas Fäuste sie kaum. Sam lernte, zwischen Ba und Lucy zu treten, wenn der Tanz zu gewaltsam wurde.“ (S. 49)

    Im zweiten Teil des Buches wird die Uhr um drei Jahre zurückgedreht. Die Familie hat es schwer, von den überwiegend weißen Einwanderern akzeptiert zu werden. Sie bekommen eine menschenunwürdige Herberge, verdienen geringeren Lohn, werden gemobbt und stehen auch sonst am Rande der Gesellschaft. Während Ba sich aufs Träumen versteht, die Realität teilweise ausblendet und vom Gold erzählt, wird die Mutter zunehmend desillusionierter, flüchtet sich in chinesische Mythen und wünscht sich eine baldige Rückkehr in die Heimat. Es ist absolut faszinierend, dieser Geschichte zu folgen. Man kann die verschiedenen Stimmungen, die Charaktere, die Handlung wunderbar abgreifen. Jede Figur hat eine Vergangenheit, hat Hoffnungen und Wünsche. Es wird der Familie nicht nur von außen schwer gemacht, auch innerhalb gehen die Meinungen auseinander, gibt es Konflikte, die eben auch Auswirkungen auf die Geschwister und ihre Entwicklung haben.

    Im dritten Teil wird der Leser durch eine neue Perspektive völlig überrascht, die die bisherigen Erkenntnisse in einem absolut neuen, veränderten Licht erscheinen lässt. Im vierten Teil kehrt man schließlich zu den beiden Waisen zurück.

    Der Roman liest sich von Beginn an sehr spannend und besticht durch seine sprachliche Raffinesse, die man schon Kunst nennen darf. An dieser Stelle sei die Übersetzungsleistung von Eva Regul ausdrücklich gelobt, der es gelungen ist, die Wärme und Poesie, den Facettenreichtum und die Stimmungen wunderbar ins Deutsche zu übertragen. C. Pam Zhang erspart uns nichts von der trostlosen, gewaltumwölkten Kindheit der beiden Protagonistinnen, versteht es aber literarisch, ihr etwas den Schrecken zu nehmen. Es gibt unglaublich viele schöne Sätze, feine Sprachbilder und Metaphern, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Die Liebe zur Natur ist stets spürbar, die entsprechenden Beschreibungen sind eine Wonne. Mit den Augen Lucys sieht man das Schöne in all der Öde.

    Die Autorin bedient in diesem historischen Roman eine große Bandbreite an höchst aktuellen Spannungsfeldern: Es geht um den Raubbau an der Natur, auch heute noch werden Bodenschätze, Wälder, Tiere und Meere rücksichtslos ausgebeutet, ohne die Lebensgrundlage künftiger Generationen zu berücksichtigen. Es zählt nur das schnelle Geld.

    „Denn dieses Land, in dem sie leben, ist ein Land der verschwundenen Dinge. Ein Land, dem man sein Gold genommen hat, seine Flüsse, seine Bisons, seine Indianer, seine Tiger, seine Schakale, seine Vögel, sein Grün, seine Lebenskraft.“ (S. 160)

    Gleichfalls sind Rassismus, Ausgrenzung bestimmter Volksgruppen oder Migranten, die Bedeutung von Herkunft und Heimat omnipräsente Themen auf der ganzen Welt. Sehr sensibel greift die Autorin auch die Genderdiskussion mit ihrer Figur des androgynen Sam auf. Daran schließt sich das Hinterfragen tradierter, überkommener Rollenklischees an.

    Der Roman befriedigt literarische Ansprüche. Beim aufmerksamen Lesen findet man wiederkehrende Symbole und Motive, aus denen sich auch die attraktive Covergestaltung ergibt. Es wundert mich in diesem Fall nicht, dass „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“ ein Lieblingsbuch Barrack Obamas ist. Mit Sicherheit wird es auch eines meiner Lieblinge dieses Jahres werden. Es sticht aus der Fülle der Neuerscheinungen wohltuend heraus. Ich wünsche diesem Roman ganz viele Leser und bewerte ihn inhaltlich und sprachlich mit Bestnoten.

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  1. Die Reise ihres Lebens...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Jul 2021 

    Das auffällige Cover hat mich auf diesen Roman aufmerksam werden lassen und gebannt begann ich mit der Lektüre.

    In der Geschichte geht es um Lucy und Sam, die mit 12 und 11 Jahren ihren frisch verstorbenen Vater unter die Erde bringen müssen. Was wird ihnen die Reise bringen und werden sie dabei Hilfe bekommen?

    Besonders hervorheben möchte ich den Schreibstil der Autorin, der mich sofort in den Bann gezogen hat. Er erzeugt beim Leser direkt Bilder im Kopf und ein enormes Wohlfühlgefühl. Die schreckliche Situation der Kinder und das unwirtliche Leben sind intensiv beschrieben.

    Die beiden Hauptfiguren Lucy und Sam sind wie Feuer und Wasser und dennoch halten sie in der für beide stressigen Situation zusammen. Ich mochte vor allem Sam, weil sie einfach macht was sich für sie richtig anfühlt. So jemanden würde ich als Freigeist bezeichnen. Lucy als Beschützerin und große Schwester hat aber auch ihren Reiz.

    Klasse fand ich zudem, dass der Roman nicht geradlinig verläuft, sondern wir in der Zeit springen und so auch Gelegenheit bekommen die Eltern kennenzulernen und wie die Familie überhaupt erst in die Situation geraten ist.

    Überrascht hat mich, dass mit Geschlechterrollen gespielt wird. Hier merkt man als Leser, dass man selbst durch Klischees geprägt ist und der erste Eindruck nicht unbedingt der wichtigste sein muss.

    Fazit: Ein intensiver Roman, der mich auf besondere Weise unterhalten hat. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Klasse!

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Freiflug: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Freiflug: Roman' von Christine Drews
4
4 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Freiflug: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783832181307
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Rezensionen zu "Freiflug: Roman"

  1. Der Traum vom Fliegen...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Mai 2021 

    Da ich Geschichten mit starken Frauenpersönlichkeiten sehr mag, musste ich diesen Roman einfach lesen und ich wurde auf weiter Strecke doch sehr positiv überrascht.

    In der Geschichte, die in den 70er Jahren spielt, geht es um die Frauen Katharina Berner und Rita Maiburg, die nicht dem typischen Rollenklischee der damaligen Zeit entsprechen, sondern ihre beruflichen Träume verwirklichen wollen. Während es Katharina als Rechtsanwältin bereits gelungen ist, will sie der jungen Rita dabei helfen Pilotin zu werden. Aber ist es wirklich gut die Lufthansa zu verklagen?

    Die Kapitel sind in Monat und Jahr untergliedert und in jedem begleiten wir abwechselnd mal Rita und mal Katharina. Ein beobachtender Erzähler beleuchtet die Situationen, in denen sich die Frauen bewegen.

    Mir waren beide Figuren direkt sympathisch, vor allem weil sie trotz allem Gegenwind, der ihnen entgegen bläst, ihr Ziel vor Augen haben und sie versuchen es zu erreichen. Bei Rita mochte ich am meisten ihre fürsorgliche Art ihren Mitmenschen gegenüber, da habe ich mich direkt wiedererkannt. Und Katharina ist so taff, da hätte ich mir gern eine Scheibe von abgeschnitten.

    Richtig klasse fand ich zudem, dass es nicht nur um "Kann eine Frau eine Passagiermaschine fliegen" geht, sondern dass Frau Drews diverse Begebenheiten der damaligen Zeit einflechtet, so dass man sich beim Lesen wirklich so fühlt als würde man in den 70ern wandeln. Als emanzipierte Frau ist es gar nicht so einfach, das Geschilderte zu verdauen, ist man doch in der heutigen Zeit etwas anderes gewöhnt. Dies sollte man sich auch stets vor Augen führen, dass die heutigen Privilegien andere Frauen für uns erreicht haben.

    Während ich fast vom gesamten Buch hin und weg war, hat mich das Ende dann leider bitter enttäuscht. Ich möchte nicht spoilern, aber so ein kitschiges Ende hätte diese tolle Geschichte wirklich nicht gebraucht.

    Fazit: Ein spannender Fall, der auf wahren Begebenheiten beruht und einen die 70er intensiv genießen lässt. Von mir gibt es daher eine Leseempfehlung.

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  1. Frauenbewegung

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2021 

    Köln in den siebziger Jahren. Katharina hat gegen den Wunsch ihres Vaters Jura studiert und arbeitet in einer renommierten Kanzlei. Doch macht ihr die Arbeit in diesem Umfeld oft keinen Spaß, da sie als Frau diskriminiert und belästigt wird. Und auch die Gewinnmaximierung, auch auf Kosten der Mandanten, geht ihr mehr und mehr gegen den Strich. Daher macht sie sich selbstständig.

    Rita hat sich ihren Lebenstraum erfüllt und ist Pilotin geworden. Jetzt hat sie sich bei der Lufthansa beworben und hofft auf eine Zusage. Als ihr die Stelle jedoch mit dem Hinweis, dass die Lufthansa aus Prinzip keine Frauen einstellt, verweigert wird, beschließt sie zu kämpfen und reicht mit Hilfe von Katharina Klage ein.

    Die Geschichte basiert auf der wahren Geschichte von Rita Maiburg, die als erste Linienflugkapitänin der Welt in die Geschichte einging, dann aber ob ihres frühen Tods schnell vergessen wurde.

    Christine Drews gelingt es in ihrem Buch den Geist der siebziger Jahre perfekt einzufangen. Die Alltagsdiskriminierung der Frauen, der steigende Drogenkonsum und das Erwachen der Frauenbewegung spielen eine große Rolle. Was mich selbst zwischendrin immer wieder hat wütend werden lassen war, wie sehr Frauen in dieser Zeit noch systematisch und teilweise auch per Gesetz klein gehalten wurden. Und wie normal es war, sich abfällig über Frauen zu äußern. Die Sprüche, die da kamen, klangen teilweise so, wie sie auch siebzig Jahre früher üblich waren. Ich war teilweise wirklich fassungslos, wie normal das in meiner eigenen Kindheit noch war und wieviel sich seitdem doch glücklicherweise geändert hat.

    Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es liest sich flüssig, interessant und spannend. Und man ist am Ende froh, wie sehr sich doch vieles zum Besseren entwickelt hat.

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  1. Ein Roman über die erste Linienflugkapitänin der Welt

    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Mär 2021 

    „Sehr geehrte Frau Maiburg, vielen Dank für Ihr Schreiben vom 2. Mai 1974 und ihr Interesse an unserem Unternehmen. Da weibliche Flugzeugführerinnen in unserer Gesellschaft aus grundsätzlichen Erwägungen nicht zum Einsatz kommen, müssen wir Ihre Bewerbung leider ablehnen.“ (Zitat Pos. 840)

    Inhalt
    Katharina Berner ist Anwältin aus Überzeugung, sie will Menschen helfen. In der bekannten Kanzlei in Köln, für die sie tätig ist, liegt der Schwerpunkt auf den finanziellen Erfolgen und als Frau wird sie von den männlichen Kollegen nur bedingt ernst genommen. Sie will ihre eigene Kanzlei eröffnen, andererseits will sie keinesfalls ihre vermögenden Eltern um finanzielle Hilfe bitten, denn ihre Familie hat kein Verständnis dafür, dass sie Anwältin werden wollte, statt zu heiraten und für Mann und Kinder zu sorgen. Rita Maiburg, ist mit erst zweiundzwanzig Jahren eine ausgebildete Pilotin mit hervorragenden Abschlüssen. Als das kleine Unternehmen, für das sie tätig ist, in Konkurs geht, bewirbt sie sich bei der Lufthansa als Linienpilotin. Als die Lufthansa ihre Bewerbung ablehnt, weil sie grundsätzlich keine Frauen als Piloten anstellt, wird ihr von Freunden Katharina Berner empfohlen. Als die Anwältin kurz darauf ihr eigenes Büro eröffnen kann, nimmt sie den Fall an und die beiden Frauen beschließen, gegen die Lufthansa und damit auch gegen ihre Haupteignerin, die Bundesrepublik Deutschland, auf Umsetzung des Artikel 3, Grundgesetz zu klagen. Wenn sie gewinnen, wäre dies ein neuer, sehr wichtiger Präzedenzfall.

    Thema und Inhalt
    Dieser Roman mit biografischem Hintergrund spielt in den Siebzigerjahren und Themen sind die Ungleichbehandlung der Frauen, der Wunsch nach Eigenständigkeit als Gegensatz zu den konservativen Werten, Familie und Beziehungen.

    Charaktere
    Rita Maiburg wurde 1976 als erste Frau zur Linienflugkapitänin befördert und dieser Roman orientiert sich an ihrer Biografie. Obwohl Rita Maiburg damals von einer Anwältin vertreten wurde, ist die Figur der Katharina Berner fiktiv. Die vermögende Unternehmerfamilie, aus der sie stammt, steht für ein damals noch geltendes traditionelles Rollenbild der Frau, während Ritas Freunde für die Freiheit der Hippiezeit stehen.

    Handlung und Schreibstil
    Die Handlung spielt in den Jahren 1974 bis 1976. Dieser Zeitraum umfasst die Dauer des Verfahrens gegen die Lufthansa und wird durch einen Epilog und Prolog 1977 umschlossen. Die einzelnen Kapitel zeigen als Überschrift das genaue Datum und die personale Erzählform stellt jeweils Katharina oder Rita in den Mittelpunkt. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt weniger auf diesem interessanten Klageverfahren, sondern in den persönlichen Beziehungen und Konflikten im Freundes- und Familienkreis.

    Fazit
    Ein Roman, der die Schwierigkeiten jener Frauen aufzeigt, die ihren Weg und Ziele in einer damals noch Männern vorbehaltenen Berufswelt sehen. Ich hatte damit gerechnet, dass der Schwerpunkt auf dieser gesellschaftspolitisch so wichtigen Klage liegt, mir mehr Informationen und Details erhofft. In dieser Geschichte stehen jedoch Familie, Freundschaft, Liebe im Mittelpunkt, es ist ein unterhaltsam zu lesender Frauenroman.

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  1. Beginnende Emanzipation in der BRD

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Mär 2021 

    Kurzmeinung: Hier hätte man sich fokusieren müssen auf den Prozeß. So ist es eben nur ein "nettes Buch" geworden.

    Die Autorin hat sich ein spannendes Thema vorgenommen, einer ausgebildeten Pilotin wird mit der Begründung, man habe noch nie eine Frau eingestellt, die Anstellung bei der Deutschen Lufthansa verwehrt - und taucht dazu tief in die 1970er ein. Damit ist ihr Roman sozusagen schon ein historischer Roman, obwohl erst schlappe fünfzig Jahre vergangen sind.

    Es begegnen einem folgerichtig 70erJahreSpielzeug: Prilblumen, Palmolive, in das man seine Finger taucht, um sie zu pflegen, Schlaghosen und Ernte 23, der skandalträchtige Minirock, die Bravo, die Illustrierte Quick, die alle schon vergessen haben, und das Waschmittel Semil, das im Hause Bernau, der Unternehmersfamilie, in der wir romanmässig zuhause sind, produziert und verkauft wird. Semil soll wohl das gute alte Persil sein. Oder? Hätte es juristische Probleme gegeben, wenn man Semil Persil genannt hätte? Immerhin sagt die Autorin leise: Umweltverschmutzung.

    Man unterhält sich im Hause Bernau, das ist das Elternhaus der Rechtsanwältin, die später die Pilotin im Rechtsstreit "Rita Maiburg gegen die BRD als Hauptanteilseignerin der Lufthansa" vertreten wird, über nichts Privates, jedoch über alles Politische, obwohl man sehr konservativ ist und CDU wählt. Die jüngste Tochter Katharina hat einen richtigen Beruf ergriffen, das war keineswegs üblich im Hause Bernau, denn man hat es nicht nötig, dass die Frauen auch arbeiten, und will sich als Rechtsanwältin selbständig machen. Es werden am Mittagstisch Themen der Strafrechtsreform (Resozialisierung statt Schuld-Sühne-Prinzip) ebenso verhandelt wie Willy Brandts unrühmlicher Abtritt nach der Guillaume Affaire. Katharina steht dabei immer in scharfem Kontrast zum Rest der Familie.

    Die BRD ist ganz langsam im Wandel und die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft greift allmählich Platz. Jedoch ist noch viel Widerstand zu überwinden. Das merkt auch Rita Maiburg, die von Katharina vertreten, die Bundesrepublik als Inhaberin oder Teilhaberin der Deutschen Lufthansa verklagt, weil diese sich weigert, Frauen als Pilotinnen einzustellen.

    Der Roman liest sich leicht, weil das Thema einfach interessant ist: der Aufsehen erregende Prozeß gegen die Lufthansa beziehungsweise gegen die BRD und die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft. Auch Juristinnen sind noch nicht selbstverständlich. Allerdings muten die Dialoge naiv an. Da geht noch was.

    Die Anlaufzeit der Autorin bevor sie endlich zum springenden Punkt kommt, ist jedoch unendlich lang. Der Familienaufstellung im Hause Bernau wird immens viel Zeit und Raum geschenkt, dabei ist dieser Handlungsstrang von wenig Interesse und Bedeutung, zumal die Damen und Herren der Familie stereotyp abgehandelt werden, einschließlich von Familiengeheimnissen. Das ist langweilig und wirkt konstruiert. Alle Klischeevorstellungen, die man über die 70er hat, zusammenwürfeln und in das Buch stecken. Das funktioniert nicht. Man bräuchte Charaktere. Authentizität. Geistreiches und Scharfzüngiges. Gibt es nicht. Die Schreibweise ist schlicht und mit vielen Floskeln durchsetzt.

    Banalitäten. Stereotypen. Das ist schade, denn es hat zu allen Zeiten Originale gegeben!

    Auch die Informationspolitik der Autorin ist, zumindest in diesem Roman, zu durchschaubar, die Dialoge sind doch nur geschrieben, um den Leser zu informieren, man tut sich schwer, sie als echte Interaktion gelten zu lassen. Nur hin und wieder, wenn Katharina sich über die Ungerechtigkeiten, die Frauen ertragen müssen, empört, wird das Buch ein bisschen lebendig.

    Endlich kommt es zum Prozeß.

    Fazit: Als Film funktioniert „Freiflug“ sicherlich hervorragend, wenn man ihn mit den richtigen Schauspielern besetzt.

    Um ein richtig gutes Buch zu sein, müsste man jedoch an der Sprache feilen. Eine Charakterstudie bringen, sich von Banalitäten entfernen. Etwas zu sagen haben. Nicht bloß Allzubekanntes herunterspulen!

    Es wäre sicher auch hilfreich gewesen, aus der personalen Erzählweise auszusteigen, um übergeordnet erzählen, und vor allem, um denken und werten zu können. So wirken viele Dinge, Dialoge, Figuren, sogar das Zeitkolorit mit seiner Produktpalette platt. Das ist schade, weil das Thema eigentlich schon eine Bank ist. Darum bleiben trotz simpler Schreibe noch drei Punkte.

    Fazit: Merke: ein Roman ist kein Drehbuch!

    Kategorie: Unterhaltung.
    Verlag Dumont 2021

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Gegenwartsbewältigung

Buchseite und Rezensionen zu 'Gegenwartsbewältigung' von Max Czollek
NAN
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Inhaltsangabe zu "Gegenwartsbewältigung"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
EAN:9783446267725
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