Die Bildhauerin

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Bildhauerin' von Pia Rosenberger
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Bildhauerin"

Tommy, Andy und Steve leben in gut situierten Verhältnissen. Sie sind verheiratet, haben Kinder, sind beliebte Mitglieder im Golfclub und trinken hier und da ein Bierchen miteinander: Wer würde sie nicht für fürsorgliche Familienväter halten? Niemand ahnt etwas von ihrem lukrativen Nebengeschäft; einem Geschäft, das einst von Männern betrieben wurde, die, ebenso wie sie, als anständig galten. Alles könnte so reibungslos weiterlaufen wie bisher, denn ihre Ware ist begehrt. Doch als eine Frau aus ihrem Bekanntenkreis tot aufgefunden wird, stößt nicht nur die Polizei auf sie, sondern auch der Privatdetektiv Jackson Brodie. Sein jüngster, völlig harmloser Auftrag führt ihn direkt zu den drei Ehrenmännern – und bald ist Brodie mittendrin in einem Fall um verschwundene junge Frauen und eine Zeugin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ihre schreckliche Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können … Mit einer rasanten Erzählweise, beeindruckenden Figuren und beißendem Humor legt Kate Atkinson in ihrem Roman die Bigotterie und die seelische Grausamkeit unserer Gesellschaft offen.

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783746637709
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Rezensionen zu "Die Bildhauerin"

  1. Zeit des Fin de Siècle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2021 

    „Ich fordere lautstark die Freiheit!“

    Paris, 1881. Camille Claudel ist siebzehn und weiss schon genau was sie werden will: Bildhauerin. Doch ein Studium an der École des Beaux-Arts bleibt ihr verschlossen. Sie beschließt daher mit drei Freundinnen ein Atelier zu mieten und stürzt sich in das Leben der Bohème. Sie lernt den viel älteren Auguste Rodins kennen, der durch ihre Plastiken auf sie aufmerksam wurde. Schon bald protegiert und unterrichtet er sie. Zunächst ist sie eine unentbehrliche Mitarbeiterin und wird dann seine Geliebte. Aber nur Muse zu sein, reicht ihr auf Dauer nicht.
    Es ist die Zeit, in der es noch absolut unüblich war als Frau sich zu verwirklichen. Sie muss gegen Widerstände kämpfen, um sich in der „Männerdomäne“ der Kunst zu behaupten.
    Ihr Mut mit „alten Zöpfen“ und Vorstellungen zu brechen und auch wagemutig zu sein, wird am Ende eine große Chance auf Erfolg, der diesen Mut belohnt.

    Der Roman ist gut zu lesen. Ein gut recherchierter biografischer Roman, der Einblick in die damalige Zeit des Fin de Siècle gibt.

    .

  1. Ein Leben für sie Kunst

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Apr 2021 

    Klappentext:
    „Paris, 1881. Die siebzehnjährige Camille Claudel weiß schon früh, was sie will: Bildhauerin werden. Doch als Frau bleibt ihr ein Studium an der École des Beaux-Arts verschlossen. Gemeinsam mit drei Freundinnen mietet sie ein Atelier und stürzt sich in ein Leben der Bohème. Schon bald erregt sie mit ihren Plastiken die Aufmerksamkeit des viel älteren Auguste Rodins. Dieser protegiert und unterrichtet sie, Camille wird zu seiner unentbehrlichen Mitarbeiterin – und schließlich auch zu seiner Geliebten. Doch sie wünscht sich mehr, als nur eine seiner Musen zu sein.“

    Autorin Pia Rosenberger geht mit ihrem Buch „Die Bildhauerin“ wieder einen Schritt nach vorn in der Reihe „mutige Frauen der Kunst“. Wer sich mit Auguste Rodin befasst kommt unweigerlich auch an Camille Claudel nicht vorbei, aber auch das wissen nur die Kunstkenner unter uns. Rosenberg geht hier, leider nur bedingt, auf ihr Leben und Handeln ein. Es ist natürlich wieder NUR ein biografischer Roman und keine reine Biografie, aber dennoch fehlen mir ein paar wichtigen Fakten, die dem Roman sehr gut zu Gesicht gestanden hätten. Wie einige Rezensenten bereits bemerkt haben, war ihr Lebensabend alles andere als schön und genau dieses und weiteres Feingefühl fehlt dem Roman. Natürlich erleben wir ihre flammende künstlerische Lust, ihre Energie und auch die entstehende Liebe zu Rodin - aber das sind eben nur die Sonnenseiten ihres Lebens. Die Schattenseiten werden hier so gut wie nicht beleuchtet und somit fehlt dieser Tiefgang völlig. Nur weil die Dame vielleicht nicht jedem Menschen gleich ein Begriff ist, sollte man wichtige Fakten nicht einfach „nicht“ erwähnen. Die Zeit des La Boheme kommt hier ebenfalls schön zu Zug, aber auch irgendwie nur mit angezogener Handbremse. Der Glanz und das Bunte der damaligen Zeit bleiben etwas blass.
    Alles in allem ein gelungener biografischer Roman mit kleinen Schwächen. Er zeigt ein Bild einer Frau die, wie immer in diesen Büchern, ihrer Zeit voraus war und einfach fehl am Platze war. Sie war eine kraftvolle Person, die heute leider oft vergessen wird.
    4 von 5 Sterne

 

Das Wanderkind: Roman

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Rezensionen zu "Das Wanderkind: Roman"

  1. Zwillinge

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Apr 2021 

    Der Roman "Das Wanderkind" der kanadischen Autorin Aude ist der literarische Beweis für die Aussage "Weniger ist mehr". Denn dieses dünne Büchlein, mit gerade mal 130 Seiten kommt mit einer Wahnsinns-Geschichte daher, die den Leser mit einer erzählerischen Wucht umbläst. Darauf war ich definitiv nicht vorbereitet.

    Die Wahnsinns-Geschichte ist schnell erzählt: Eine Familie erwartet Nachwuchs. Die Mutter, Corinne, ist mit eineiigen Zwillingen schwanger. Bereits in der Schwangerschaft zeichnen sich Komplikationen ab. Einer der Jungs in ihrem Bauch ist kräftiger entwickelt als sein Bruder und raubt ihm sämtliche Energien und Lebenskraft. Er wächst und gedeiht im Bauch der Mutter auf Kosten seines Bruders.
    Dieser Zustand wird sich auch nach der Geburt nicht ändern und ein Leben lang anhalten. Der eine Bruder, Hans, ist der starke, vor Kraft strotzende Zwilling, der andere Bruder, der Kleine, ist der schwache und zurückgebliebene Zwilling. Hans ist der dominante Zwilling, der für den Zustand seines Bruders verantwortlich ist, der Kleine ist das Opfer. Doch am Ende erweist sich diese Rollenverteilung nur als eine Frage der Sichtweise.

    "Corinne hat ihn nie geliebt. Da ist sich Hans sicher. Für sie ist er schon immer der Henker seines Bruders. Ein Monster! Er weiß noch genau, wie sie, als sie noch klein waren, ihm angewidert beim Essen zugesehen hat, weil er immer Hunger hatte, während der Kleine wie ein Spatz gegessen hat."

    Dieser Roman erzählt in zeitlich aufeinander folgenden Episoden die Geschichte dieser Familie, von der Schwangerschaft der Mutter, über die Kindheit der Zwillinge, bis hin zu deren Erwachsensein. Im Mittelpunkt steht die Beziehung der Zwillinge zueinander, wobei die Sichtweise von Hans die maßgebliche ist. Das Leben der Zwillinge ist wie eine Fortsetzung der Zeit, die sie im Mutterbauch verbracht haben. Hans braucht seinen Zwilling, um in Leben zurechtzukommen. Er lässt nicht zu, dass andere - weder die ältere Schwester der Beiden noch die Eltern - an dieser Verbindung teilhaben.

    "Seit ihrer Geburt haben viele Menschen auf verschiedene Weise versucht, die Zwillingszelle zum Platzen zu bringen, als ob sie eine Bedrohung wäre. Keiner hat es geschafft."

    Wie andere diese Verbindung bewerten und was sie mit ihnen macht, erfahren wir durch Wechsel in der Erzählperspektive von Hans auf die Eltern sowie die Schwester.

    Eine Sichtweise fehlt: die des Kleinen - eine Bezeichnung, die sich jeder angewöhnt hat, wenn von diesem Zwilling die Rede ist. Man sollte meinen, dass er namenlos ist (er heisst Benoit). Er ist einfach nur präsent, wird von allen geliebt, nimmt aber so gut wie keinen Anteil an der Handlung. Doch seine Anwesenheit in dieser Geschichte ist immer spürbar. Mit diesem besonderen Protagonisten hat die Autorin ein Figur erschaffen, die nicht real wirkt, aber wie ein guter Geist über die Familie und über seinen Bruder im Besonderen wacht.
    Mehr möchte ich über die Familie nicht erzählen. Die Buchbeschreibung des Verlags gibt noch weniger von dem Inhalt Preis.

    "Ein Zwillingspaar, der eine groß und kräftig, der andere klein und zerbrechlich. Einem von ihnen ist es bestimmt, den anderen am Leben zu erhalten."

    Doch ohne meine Angaben zum Inhalt könnte ich nicht wiedergeben, welche Entwicklung dieser Roman beim Lesen genommen hat und welche Wirkung er am Ende auf mich hatte.

    Das Szenario des einen Zwillings, der auf Kosten des Anderen überlebt, ist unvorstellbar schmerzlich und traumatisch für alle Beteiligten. Ich bin daher von einer Geschichte ausgegangen, die sich auf die Trauer über den Verlust sowie das Leben mit der vermeintlichen Schuld konzentriert. Die Autorin schlägt jedoch einen anderen Weg ein: sie erzählt die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern und deren emotionaler Abhängigkeit voneinander. Der Eine kann nicht ohne den Anderen und nimmt Einfluss auf dessen Entwicklung. Und am Ende wird der Eine gelernt haben, ohne den Anderen zu leben.

    Diese Geschichte geht zu nahe und ist aufwühlend. Denn Schmerz und Glück sind hier so eng miteinander verwoben, dass sie sich kaum voneinander trennen lassen. Ähnlich wie die beiden Zwillinge.

    Die kanadische Autorin Claudette Charbonneau (alias Aude) gilt als eine der wichtigsten Autorinnen der frankokanadischen Literaturszene. Der Roman "Das Wanderkind" hat in ihrem Land sehr viel Beachtung gefunden. Leider verstarb sie bereits im Jahre 2012 an einer Krebserkrankung. Es gibt nur 5 Romane sowie etliche Kurzgeschichten von ihr, die - soweit mir bekannt ist - bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden sind (Ausnahme: Das Wanderkind). Ich hoffe doch sehr, dass dies bald nachgeholt wird. Denn "Das Wanderkind" ist große Erzählkunst, welche die Gier nach weiteren Geschichten dieser Autorin bei mir geweckt hat.

    © Renie

 

Elijas Lied (Debütromane in der FVA)

Buchseite und Rezensionen zu 'Elijas Lied (Debütromane in der FVA)' von Amanda Lasker-Berlin
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Elijas Lied (Debütromane in der FVA)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783627002749
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Die Mütter

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Die Erfindung der Null: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Erfindung der Null: Roman' von Michael Wildenhain
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Erfindung der Null: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:303
Verlag:
EAN:9783608983050
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Rezensionen zu "Die Erfindung der Null: Roman"

  1. Die Null bezieht ihren Wert durch ihre Umgebung.

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 15. Sep 2020 

    Kurzmeinung: Man sollte den Lesern mehr Erklärungen anbieten und sich nicht so sehr im Geheimnisvollen, Surrealen oder Hochgeistigem verbeißen. Wildenhain ist (oft) einfach zu verschnörkelt.

    Michael Wildenhain, das hat er mit seinen Romanen bereits hinlänglich bewiesen, ist ein unbequemer Autor. Er mutet seiner Leserschaft einiges zu. Ob sich die literarische Zumutung auszahlt, ist die Frage. So oder so: in seinen Romanen geht es um das Scheitern der menschlichen Existenz.

    Sein neuster Roman „Die Erfindung der Null“ dreht sich um den Loser, insofern natürlich eine Null, Dr. Martin Gödeler.

    Martin ist hochbegabt. Ein Mathematiker. Der sich in die reine Mathematik nicht nur verbeißt, sondern verliebt hat. Ein Überflieger. Der im Laufe seines Lebens drei Frauen trifft, die ihn prägen. Zunächst läuft alles bestens, er verliebt sich in seine intelligente Kommilitonin Gunde, bekommt ein Kind mit ihr und schreibt schließlich an seiner Doktorarbeit. In der er sich alsbald verheddert. Er findet keinen Ausweg, keinen Abschluss, er gerät in tiefe innere Not. Sein Absturz zeichnet sich bereits ab. Schnell wird ihm alles schal. Martin ist ein Scheiternder per excellence.

    Vielleicht ist ja die reine Mathematik als zentraler Lebensinhalt zu hoch philosophisch und blutleer, um ein Leben auszufüllen? Solche Fragen stellt man sich am Rande. Bevor Martin aufgibt, er neigt zum Aufgeben, neigt mehr zur Null als zur Eins, trifft er auf die herausragende Dozentin der Mathematik Dr. Elisabeth Lucile Trouvé und verfällt ihr mit Haut und Haar. Er wechselt die Frau, er wechselt die Stadt. Er ist wieder mathematisch zentriert und „Lu“ kann ihm das Wasser reichen. Die dritte Frau, Susanne Melforsch, ist eine Stalkerin. Sie ist rätselhaft. Wirft sich ihm an den Hals als sie zwanzig ist, kehrt zurück mit siebenundvierzig und bringt ihn schlussendlich vor den Kadi.

    Bei der Wiederbegegnung der beiden, ist Martin längst eine echte Null. Lebt in einer Souterrainwohnung, die er vergammeln lässt, er ist verwahrlost, innen und außen.

    Der Kommentar: Der Roman von Michael Wildenhain hat, wie seine ersten beiden Romane auch, eine politische Komponente. Sie ist nicht zentral, es scheint dem Autor aber wichtig zu sein, darzustellen, dass Menschen an ihrer Politik scheitern. Also am realen Leben. Dort haben sie keinen Einfluss, sie bleiben eine Nullnummer.

    Der Roman hat eine philosophische Komponente, was nicht verwunderlich sein dürfte, da es um „die reine Mathematik“ geht, um etwas Verkopftes, das nur wenige Menschen begreifen. Kein Wunder, dass der Pragmatismus der Susanne M. eher greift als das rein Geistige. Und eigentlich siegt. Der Protagonist wird von seiner Umgebung bestimmt. Wie eine Null eben den Wert wechselt, je nachdem, von welcher Zahl sie bestimmt wird.

    Natürlich gibt es im Roman noch jede Menge Nebenhandlung, Odysseus taucht ebenso auf (warum ist er nicht in „Das Singen der Sirenen“ geblieben?) wie der Mathematiker Evariste Galois, mit dessen Existenz sicherlich alle Leser bestens vertraut sein dürften (bitte aufzeigen wer ihn nicht kennt!), pöbelnde, gewalttätige Jugendliche spielen eine Rolle, zu denen der Protagonist eine seltsame Affinität hat. Und ein Staatsawalt, dem Martin sein Leben erzählt.

    Nun könnte man denken, das ist doch ein super Roman. Handlung, Metaebene, Philosophie, Kriminalfall. Ja, könnte man. Ist aber nicht. Denn das Meiste muss die geneigte Leserin interpretieren. Die Geschichte ist weder linear noch stringent. Man muss zwischen unwichtigem Wust ein paar klare Gedanken extrahieren. Das ist nicht nur fordernd, sondern leider auch, trotz allerhand Tiefschürfendem, äußerst langweilig. Das mag daran liegen, dass Martin selber so langweilig ist: Eben eine Null.

    „Die Erfindung der Null“ ist ein allzu kompliziertes, hochphilosophisches Machwerk, das Mehrwert hat, wenn man bereit ist, sich durch ein Dornengestrüpp von Nebenhandlungen und assoziativen Gedanken zu wühlen. Ein wenig mehr an Erklärung und Erläuterungen plus Interpretation sollte der Autor dem Leser jedoch künftig unbedingt an die Hand geben, sonst läuft er Gefahr bald der einzige Leser seiner Werke zu bleiben.

    Fazit: Zu ambitioniert.

    Kategorie: (Zu) anspruchsvoller Roman
    Klett Cotta, 2020

 

Das Glück ist zum Greifen da: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Glück ist zum Greifen da: Roman' von Deloy, Sylvia
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Glück ist zum Greifen da: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783404179213
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Mittwoch also: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mittwoch also: Roman' von Lotta Elstad
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mittwoch also: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783462052039
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Rezensionen zu "Mittwoch also: Roman"

  1. Nicht irgendein Mittwoch...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Dez 2019 

    Ehrlich gesagt bin ich aufgrund der besonderen Optik auf das Buch aufmerksam geworden. Zudem interessierte mich die Thematik sehr, weshalb ich gespannt mit der Lektüre begann.

    In der Geschichte geht es um Hedda, die ungewollt schwanger wird und weiß, dass sie das Kind nicht haben möchte. Doch so einfach ist es nicht eine Abtreibung durchführen zu lassen. Die Bedenkzeit wird alles andere als leicht. Für welchen Weg wird sich Hedda entscheiden?

    Die Hauptakteurin fungiert als Ich- Erzählerin, weshalb man sehr nah an den Gefühlen dran ist. Dies finde ich gerade bei der Thematik sehr wichtig.

    Im Vordergrund stehen weder die Schwangerschaft noch der geplante Schwangerschaftsabbruch, sondern die komplizierten Beziehungen, die Hedda pflegt. Mich hat das persönlich nicht gestört, weil genau diese ja der Grund sind, weshalb sie erst in die Lage geraten ist. Die ungewollte Schwangerschaft wird immer mal wieder am Rande beleuchtet, was für meinen Geschmack absolut ausreichend war, um sich ein Bild zu machen, ohne gleich komplett runtergezogen zu werden.

    Am meisten emotional berührt hat mich die Internetrecherche zu Schwangerschaftsabbrüchen und die Laienvorschläge diesbezüglich. Das hat mich wirklich sehr traurig gemacht, dass Frauen so verzweifelt sind.

    Ebenfalls bedrückt hat mich, dass die Entscheidung offenbar nicht allein die Frau treffen darf, die betroffen ist, sondern andere mit ihr bestimmen und gegebenenfalls auch über sie hinweg entscheiden können. Dies war mir so nicht bewusst.

    Ich habe das Buch gern gelesen und finde es wichtig, dass man so etwas nicht tabuisiert. Vielleicht nicht gerade leichte Kost, aber trotzdem sehr unterhaltsam.

    Fazit: Ein mutiges Buch, welches ich jeder Frau ans Herz lege, weil es ein Thema beleuchtet, über das kaum jemand spricht. Gute Unterhaltung garantiert!

 

Cherubino: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Cherubino: Roman' von Andrea Grill
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Cherubino: Roman"

Eine starke Frau, zwei Männer, eine Schwangerschaft und die große Oper - in ihrem neuen Roman erzählt Andrea Grill eindringlich von einer Sängerin zwischen Kind und Kunst.

Die 39-jährige Sängerin Iris Schiffer ist zielstrebig, selbstbewusst und auf gutem Karriereweg. Demnächst gibt sie als Cherubino in Mozarts Oper "Hochzeit des Figaro" ihr Debüt an der Met, und unverhofft wird ihr eine Hauptrolle bei den Salzburger Festspielen angeboten. Aber die schönste Nachricht ist ihre Schwangerschaft, von der Iris zunächst weder den beiden in Frage kommenden Vätern noch ihrer Agentin etwas verrät, zumal die Premiere in Salzburg und der Tag der Geburt nah beieinander liegen. Andrea Grill erzählt von einer souverän handelnden Frau, die erst allmählich bereit ist, ihre Schwangerschaft anzunehmen. Von den Männern nimmt sie, was sie braucht. Denn das, was zählt, sind sie und ihr Kind.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:320
EAN:
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Rezensionen zu "Cherubino: Roman"

  1. Bald in Frost, bald in Glut, ohne Ruhe…

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 23. Nov 2019 

    Ich möchte zunächst dem Klappentext ein wenig widersprechen: Iris ist nicht nur schnell verliebt in den kleinen Astronauten in ihrem Bauch, singt ihm umgedichtete Kinderlieder vor und nimmt die Schwangerschaft enthusiastisch an, sondern sie erzählt den potentiellen Vätern durchaus davon. Dabei verkündet sie beiden, das Kind sei ihres – im vollen Bewusstsein, das sie nur den einen liebt, der andere aber der bessere Vater sein wird.

    Das Ensemble:

    Sergio ist Sänger und kreativer Gefühlsmensch. Er freut sich unbändig darüber, dass er Vater werden soll, hat große Pläne für eine gemeinsame Zukunft als kleine Familie und liebt Iris abgöttisch.

    Ludwig dagegen ist karriereorientierter Kopfmensch – und verheiratet. Er hat weder ein echtes Interesse an Iris‘ Kind noch die Absicht, seine Frau jemals für sie zu verlassen.

    Dennoch ist es, wie könnte es anders sein, Ludwig, von dem Iris besessen ist. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute kreisen ihre Gedanken um ihn.

    „Ihre Verbindung würde immer Wunsch bleiben, die Unerfüllbarkeit war die Voraussetzung, von Anfang an.“

    Eine Ménage à trois mit ungleichen Bedingungen:
    Ludwig weiß von Sergio, aber Sergio nicht von Ludwig. Eine ungeheure Respektlosigkeit, von der Sergio nichts ahnt.

    Iris mag Sergio zwar, liebt ihn vielleicht sogar sotto voce, aber im Grunde benutzt sie ihn nur, um sich in Ludwigs Abwesenheit nicht einsam zu fühlen. In der Rolle des Vaters für ihr Kuckuckskind gefällt er ihr – jedoch mehr aus Kalkül denn aus Liebe. Den Gedanken, er könne tatsächlich der Vater sein, lässt sie gar nicht zu.

    Was sie unter dem Herzen trägt, muss einfach ein Teil von Ludwig sein – das will sie glauben, fortefortissimo.

    Es fiel mir schwer, in Iris die zielstrebige, selbstbewusste und souverän handelnde Frau zu sehen, die der Klappentext verspricht.

    Zu sehr werden ihre Launen, ihre Ängste, ihre Träume und ihre Pläne bestimmt von ihrer Abhängigkeit zu Ludwig.

    Eine gewisse Emanzipation erfährt sie durch ihr Kind: Iris blüht auf im Verlauf ihrer Schwangerschaft, ihre Stimme ist ausdrucksstärker denn je. Sie findet geschickte Ausreden, um die Schwangerschaft so lange wie möglich zu verstecken und alles zu vermeiden, was diese gefährden könnte. Gleichzeitig umgeht sie Schutzgesetze, die ihr das Auftreten verbieten könnten.

    Sie will beides: Kind und Karriere.

    Hochschwanger schlüpft sie in die Rolle des Cherubino, des verliebten Jünglings – mit verstecktem Babybauch. Das ist so absurd, dass man als Leser nicht erwartet, es könne wirklich gut ausgehen. Doch Iris geht jedes Risiko ein, mit Bravado. Ob sich das auszahlt oder rächt, lasse ich hier offen.

    Dennoch: Iris löst sich nie ganz aus den alten Strukturen.

    Ihre persönliche kleine Welt wird von Männern bestimmt. Frauen gibt es nur am Rande, und so richtig zugehörig fühlt sie sich anscheinend nie in Domänen, die sie als typisch weibliche empfindet. Dazu passt, dass sie als Sängerin oft männliche Rollen verkörpern muss.

    Überhaupt liest sich die Geschichte fast wie das Libretto einer klassischen Opera buffa.

    Da ist alles dabei: Liebe, Verkleidungen und Täuschungen, Verwechslungen und drohende Katastrophen, doch alles immer mit der Hoffnung auf ein Finale, in dem die Sympathieträger siegen. Das ist durchaus originell und einfallsreich, verlor für mich jedoch dadurch sehr an Wirkung, dass Iris über lange Passagen allzu fixiert auf Ludwig ist.

    Die Charaktere lesen sich oft mehr wie Rollen denn wie echte, authentische Menschen.

    Sie entwickeln sich meines Erachtens nur in begrenztem Rahmen. Ihnen fehlt eine gewisse Dreidimensionalität, eine grundlegende Lebendigkeit – ihre Eigenschaften werden beschrieben, indes nicht ausreichend in Aktion gezeigt. Besonders Iris vermittelt nicht annähernd die rohen Emotionen, die man von einer Frau in ihrer Ausnahmesituation erwarten würde.

    Die Stimmung kippt immer dann, wenn Iris sich auf ihre nächste große Rolle vorbereitet:

    Die Hauptrolle in der tragischen Oper „Sophie’s Choice“, die den Holocaust thematisiert.

    Sophie ist eine Mutter, die wählen muss zwischen ihren beiden Kindern – wer soll leben, wer soll sterben? Ich fand sehr interessant, wie dieser Teil der Geschichte die Handlung aufbricht und ganz neue Aspekte eröffnet. Hier bestünde die Möglichkeit, die Charaktere aus ihren starren Rollen zu lösen, eine Chance auf echte Entwicklung und mehr Tiefgang.

    In meinen Augen werden die neuen Impulse jedoch nur unzureichend hinterfragt und behandelt.

    Für Iris als werdende Mutter wird die Beschäftigung mit dieser Rolle unerträglich, daher bricht sie stets ab, wenn sie in ihrer Recherche mehr in die Tiefe gehen müsste.

    Auch das Ende des Romans liest sich in Folge wie ein übereilter Vorhang: plötzlich Finale.
    Nicht alles wird erklärt, nicht alles wird begründet. Man fragt sich, ob Iris jetzt doch eine Entscheidung getroffen hat zwischen Kind und Karriere – und falls ja, wie selbstbestimmt dies wirklich war. Kann Iris wirklich eine Entscheidung treffen, die nicht aus einer Art von Zwang entsteht?

    Sie wird im Verlauf der Handlung so bestimmt von den Männern in ihrem Leben, das man das bezweifeln mag.

    Noch ein paar Worte zum Schreibstil:
    Der liest sich manchmal nüchtern, dann wieder verspielt, dann eindringlich und ganz nah dran an Iris‘ Gedankenwelt, jedoch immer einfach und flüssig zu lesen. So ganz überbrückt er die Distanz zwischen Leser und Geschichte meiner Meinung nach allerdings nicht.

    Fazit

    Iris ist eine 39-jährige Opernsängerin, die kurz vorm Durchbruch steht. Als sie feststellt, das sie schwanger ist, muss sie abwägen: Kind oder Karriere? Lässt sich beides verbinden? Sie verschweigt ihre Schwangerschaft, versteckt den zunehmenden Babybauch, macht einfach weiter. Doch der Geburtstermin überschneidet sich mit dem Beginn der Salzburger Festspiele… Dazu kommt, dass sie nicht mit Sicherheit weiß, welcher der beiden Männer in ihrem Leben der Vater ist. Ludwig oder Sergio? Sie will die Liebe des einen – der ist jedoch chronisch verheiratet –, und die Sicherheit des anderen.

    Die Geschichte ist durchaus interessant und liest sich auch flüssig und unterhaltsam, über lange Passagen wie die Handlung einer Oper. Letztlich dreht sich für mich aber alles zu sehr um die halberfüllte Liebe Iris‘ zu Ludwig, obwohl die Geschichte Stoff für viele interessante Fragen bietet.

  1. Im Überschwang

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Sep 2019 

    Die Opernsängerin Iris Schiffer ist glücklich. Sie hat ein Engagement an der New Yorker Met und die Salzburger Festspiele winken. Ihre etwas unerwartete Schwangerschaft soll da kein Hindernis sein. Iris ist selbstständig und da gibt es keinen Mutterschutz, aber sie hat gehört, dass Schwangere keine Aufträge mehr bekommen. Was also tun? Am besten Nichts. Zunächst mal lebt Iris so weiter als habe sich nichts verändert. Weder ihren Auftraggebern noch den beiden möglichen Vätern oder der Familie sagt Iris etwas. Sie macht das mit ihrer Schwangerschaft erstmal mit sich selbst ab. Ewig wird sich ihr Zustand zwangsläufig nicht verbergen lassen.

    Nicht so einfach, für neue Rollen zu lernen und gleichzeitig an das werdende Kind zu denken. Sind die vielen Reisen etwa nicht gut für den kleinen Wurm? Wird sie überhaupt weiter singen können? Momentan ist die Stimme der 39jährigen so gut wie noch nie, sie kann nicht sicher sein, dass das so bleibt. Und wird sie Schwangerschaftsbeschwerden haben und was wird die Familie sagen? Und immer wieder die Inszenierungen, an denen Iris unbedingt teilnehmen will. Angebote sind halt auch Chancen, die nicht verpasst werden dürfen, Chancen, die man nur einmal bekommt.

    Viel erfährt man über das Innenleben der singenden Schwangeren oder der schwangeren Sängerin. Der Wille, die Karriere nicht zu kurz kommen zu lassen. Die Sorge, mit dem Kind könnte etwas sein. Der Wunsch nach einem sorgenden Vater. Die Begründung für die Geheimhaltung. Man taucht ein in das Seelenleben der Iris Schiffer, es mäandert zwischen den Polen der Karriere und der voranschreitenden Schwangerschaft. Die Idee der Autorin, dies einfach mal zu thematisieren, ist ausgesprochen ansprechend. Sie ist eine moderne Frau, die selbst entscheidet. Und vieles, was sie sich vorgenommen hat, schafft sie auch. Obwohl sie sich auf ihre Männer stützt, wenn es möglich ist oder sie es für nötig hält, bleiben diese doch eher blass. Es ist Iris, die Sängerin, die sich in ihre Rollen hineinsingt und summt, die ebenso Eindruck hinterlässt wie Iris, die Schwangere, die ihr werdendes Kind umsorgt. Ein ungewöhnliches Thema, dass gelungen aufbereitet und gefühlvoll serviert wird.

 

Desorientale: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Desorientale: Roman' von Négar Djavadi
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Inhaltsangabe zu "Desorientale: Roman"

Gebundenes Buch
In ihrem fulminanten, komisch-tragischen, autobiographischen Debütroman erzählt Négar Djavadi aus der Sicht ihres Alter Egos Kimiâ Sadr die Geschichte ihrer Familie, die aus Iran stammt. Ein zweiter Erzählstrang betrifft Kimiâ selbst und ihre Schwangerschaft. Die klappt nur mit Hilfe der Medizin und der Mann dazu ist auch nur geliehen - Kimiâ liebt eher Frauen. In Teheran geboren und seit zehn Jahren im Pariser Exil, hat Kimiâ stets versucht, ihr Land, ihre Kultur, ihre Familie auf Abstand zu halten. Doch die Geister der Vergangenheit holen sie wieder ein, um in einem überwältigenden Bilderreigen die Geschichte der Familie Sadr in drei Generationen vor ihr abzuspulen: die Drangsale im Leben der Ahnen, ein Jahrzehnt der politischen Revolution, die Winkelgassen der Adoleszenz, berauschende Rockmusik, das schelmische Lächeln einer blonden Bassistin. Und dann gibt es, im dunklen Kern dieses atemberaubenden Romans über den Iran von gestern und das Frankreich von heute, noch eine furchtbare Geschichte zu erzählen

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406714535
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Cherubino: Roman

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Rezensionen zu "Cherubino: Roman"

  1. Bald in Frost, bald in Glut, ohne Ruhe…

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 23. Nov 2019 

    Ich möchte zunächst dem Klappentext ein wenig widersprechen: Iris ist nicht nur schnell verliebt in den kleinen Astronauten in ihrem Bauch, singt ihm umgedichtete Kinderlieder vor und nimmt die Schwangerschaft enthusiastisch an, sondern sie erzählt den potentiellen Vätern durchaus davon. Dabei verkündet sie beiden, das Kind sei ihres – im vollen Bewusstsein, das sie nur den einen liebt, der andere aber der bessere Vater sein wird.

    Das Ensemble:

    Sergio ist Sänger und kreativer Gefühlsmensch. Er freut sich unbändig darüber, dass er Vater werden soll, hat große Pläne für eine gemeinsame Zukunft als kleine Familie und liebt Iris abgöttisch.

    Ludwig dagegen ist karriereorientierter Kopfmensch – und verheiratet. Er hat weder ein echtes Interesse an Iris‘ Kind noch die Absicht, seine Frau jemals für sie zu verlassen.

    Dennoch ist es, wie könnte es anders sein, Ludwig, von dem Iris besessen ist. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute kreisen ihre Gedanken um ihn.

    „Ihre Verbindung würde immer Wunsch bleiben, die Unerfüllbarkeit war die Voraussetzung, von Anfang an.“

    Eine Ménage à trois mit ungleichen Bedingungen:
    Ludwig weiß von Sergio, aber Sergio nicht von Ludwig. Eine ungeheure Respektlosigkeit, von der Sergio nichts ahnt.

    Iris mag Sergio zwar, liebt ihn vielleicht sogar sotto voce, aber im Grunde benutzt sie ihn nur, um sich in Ludwigs Abwesenheit nicht einsam zu fühlen. In der Rolle des Vaters für ihr Kuckuckskind gefällt er ihr – jedoch mehr aus Kalkül denn aus Liebe. Den Gedanken, er könne tatsächlich der Vater sein, lässt sie gar nicht zu.

    Was sie unter dem Herzen trägt, muss einfach ein Teil von Ludwig sein – das will sie glauben, fortefortissimo.

    Es fiel mir schwer, in Iris die zielstrebige, selbstbewusste und souverän handelnde Frau zu sehen, die der Klappentext verspricht.

    Zu sehr werden ihre Launen, ihre Ängste, ihre Träume und ihre Pläne bestimmt von ihrer Abhängigkeit zu Ludwig.

    Eine gewisse Emanzipation erfährt sie durch ihr Kind: Iris blüht auf im Verlauf ihrer Schwangerschaft, ihre Stimme ist ausdrucksstärker denn je. Sie findet geschickte Ausreden, um die Schwangerschaft so lange wie möglich zu verstecken und alles zu vermeiden, was diese gefährden könnte. Gleichzeitig umgeht sie Schutzgesetze, die ihr das Auftreten verbieten könnten.

    Sie will beides: Kind und Karriere.

    Hochschwanger schlüpft sie in die Rolle des Cherubino, des verliebten Jünglings – mit verstecktem Babybauch. Das ist so absurd, dass man als Leser nicht erwartet, es könne wirklich gut ausgehen. Doch Iris geht jedes Risiko ein, mit Bravado. Ob sich das auszahlt oder rächt, lasse ich hier offen.

    Dennoch: Iris löst sich nie ganz aus den alten Strukturen.

    Ihre persönliche kleine Welt wird von Männern bestimmt. Frauen gibt es nur am Rande, und so richtig zugehörig fühlt sie sich anscheinend nie in Domänen, die sie als typisch weibliche empfindet. Dazu passt, dass sie als Sängerin oft männliche Rollen verkörpern muss.

    Überhaupt liest sich die Geschichte fast wie das Libretto einer klassischen Opera buffa.

    Da ist alles dabei: Liebe, Verkleidungen und Täuschungen, Verwechslungen und drohende Katastrophen, doch alles immer mit der Hoffnung auf ein Finale, in dem die Sympathieträger siegen. Das ist durchaus originell und einfallsreich, verlor für mich jedoch dadurch sehr an Wirkung, dass Iris über lange Passagen allzu fixiert auf Ludwig ist.

    Die Charaktere lesen sich oft mehr wie Rollen denn wie echte, authentische Menschen.

    Sie entwickeln sich meines Erachtens nur in begrenztem Rahmen. Ihnen fehlt eine gewisse Dreidimensionalität, eine grundlegende Lebendigkeit – ihre Eigenschaften werden beschrieben, indes nicht ausreichend in Aktion gezeigt. Besonders Iris vermittelt nicht annähernd die rohen Emotionen, die man von einer Frau in ihrer Ausnahmesituation erwarten würde.

    Die Stimmung kippt immer dann, wenn Iris sich auf ihre nächste große Rolle vorbereitet:

    Die Hauptrolle in der tragischen Oper „Sophie’s Choice“, die den Holocaust thematisiert.

    Sophie ist eine Mutter, die wählen muss zwischen ihren beiden Kindern – wer soll leben, wer soll sterben? Ich fand sehr interessant, wie dieser Teil der Geschichte die Handlung aufbricht und ganz neue Aspekte eröffnet. Hier bestünde die Möglichkeit, die Charaktere aus ihren starren Rollen zu lösen, eine Chance auf echte Entwicklung und mehr Tiefgang.

    In meinen Augen werden die neuen Impulse jedoch nur unzureichend hinterfragt und behandelt.

    Für Iris als werdende Mutter wird die Beschäftigung mit dieser Rolle unerträglich, daher bricht sie stets ab, wenn sie in ihrer Recherche mehr in die Tiefe gehen müsste.

    Auch das Ende des Romans liest sich in Folge wie ein übereilter Vorhang: plötzlich Finale.
    Nicht alles wird erklärt, nicht alles wird begründet. Man fragt sich, ob Iris jetzt doch eine Entscheidung getroffen hat zwischen Kind und Karriere – und falls ja, wie selbstbestimmt dies wirklich war. Kann Iris wirklich eine Entscheidung treffen, die nicht aus einer Art von Zwang entsteht?

    Sie wird im Verlauf der Handlung so bestimmt von den Männern in ihrem Leben, das man das bezweifeln mag.

    Noch ein paar Worte zum Schreibstil:
    Der liest sich manchmal nüchtern, dann wieder verspielt, dann eindringlich und ganz nah dran an Iris‘ Gedankenwelt, jedoch immer einfach und flüssig zu lesen. So ganz überbrückt er die Distanz zwischen Leser und Geschichte meiner Meinung nach allerdings nicht.

    Fazit

    Iris ist eine 39-jährige Opernsängerin, die kurz vorm Durchbruch steht. Als sie feststellt, das sie schwanger ist, muss sie abwägen: Kind oder Karriere? Lässt sich beides verbinden? Sie verschweigt ihre Schwangerschaft, versteckt den zunehmenden Babybauch, macht einfach weiter. Doch der Geburtstermin überschneidet sich mit dem Beginn der Salzburger Festspiele… Dazu kommt, dass sie nicht mit Sicherheit weiß, welcher der beiden Männer in ihrem Leben der Vater ist. Ludwig oder Sergio? Sie will die Liebe des einen – der ist jedoch chronisch verheiratet –, und die Sicherheit des anderen.

    Die Geschichte ist durchaus interessant und liest sich auch flüssig und unterhaltsam, über lange Passagen wie die Handlung einer Oper. Letztlich dreht sich für mich aber alles zu sehr um die halberfüllte Liebe Iris‘ zu Ludwig, obwohl die Geschichte Stoff für viele interessante Fragen bietet.

  1. Im Überschwang

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Sep 2019 

    Die Opernsängerin Iris Schiffer ist glücklich. Sie hat ein Engagement an der New Yorker Met und die Salzburger Festspiele winken. Ihre etwas unerwartete Schwangerschaft soll da kein Hindernis sein. Iris ist selbstständig und da gibt es keinen Mutterschutz, aber sie hat gehört, dass Schwangere keine Aufträge mehr bekommen. Was also tun? Am besten Nichts. Zunächst mal lebt Iris so weiter als habe sich nichts verändert. Weder ihren Auftraggebern noch den beiden möglichen Vätern oder der Familie sagt Iris etwas. Sie macht das mit ihrer Schwangerschaft erstmal mit sich selbst ab. Ewig wird sich ihr Zustand zwangsläufig nicht verbergen lassen.

    Nicht so einfach, für neue Rollen zu lernen und gleichzeitig an das werdende Kind zu denken. Sind die vielen Reisen etwa nicht gut für den kleinen Wurm? Wird sie überhaupt weiter singen können? Momentan ist die Stimme der 39jährigen so gut wie noch nie, sie kann nicht sicher sein, dass das so bleibt. Und wird sie Schwangerschaftsbeschwerden haben und was wird die Familie sagen? Und immer wieder die Inszenierungen, an denen Iris unbedingt teilnehmen will. Angebote sind halt auch Chancen, die nicht verpasst werden dürfen, Chancen, die man nur einmal bekommt.

    Viel erfährt man über das Innenleben der singenden Schwangeren oder der schwangeren Sängerin. Der Wille, die Karriere nicht zu kurz kommen zu lassen. Die Sorge, mit dem Kind könnte etwas sein. Der Wunsch nach einem sorgenden Vater. Die Begründung für die Geheimhaltung. Man taucht ein in das Seelenleben der Iris Schiffer, es mäandert zwischen den Polen der Karriere und der voranschreitenden Schwangerschaft. Die Idee der Autorin, dies einfach mal zu thematisieren, ist ausgesprochen ansprechend. Sie ist eine moderne Frau, die selbst entscheidet. Und vieles, was sie sich vorgenommen hat, schafft sie auch. Obwohl sie sich auf ihre Männer stützt, wenn es möglich ist oder sie es für nötig hält, bleiben diese doch eher blass. Es ist Iris, die Sängerin, die sich in ihre Rollen hineinsingt und summt, die ebenso Eindruck hinterlässt wie Iris, die Schwangere, die ihr werdendes Kind umsorgt. Ein ungewöhnliches Thema, dass gelungen aufbereitet und gefühlvoll serviert wird.

 

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