Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt' von  Barbara Rieger (Hg.)
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:216
Verlag:
EAN:9783701181971

Diskussionen zu "Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt"

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Rezensionen zu "Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt"

  1. Positionen neu überdenken

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Aug 2021 

    Ich bin eine immer noch engagierte Mutter zweier erwachsener Kinder und bei meiner Tochter, meiner Schwiegertochter erlebe ich hautnah mit, was es heißt, heutzutage Mutter zu sein. Allein deshalb hat mich dieses Buch angesprochen
    ( das Cover war es sicherlich nicht!).
    Die Herausgeberin Barbara Rieger versammelt hier die Texte von fünfzehn weiteren deutschsprachigen Autorinnen ; die Jüngste ist Jahrgang 1986, die älteste Jahrgang 1963. Alle setzen sich auf ihre ganz spezielle Weise mit dem Thema „ Mutterschaft“ auseinander. Es gibt fiktionale Texte, aber auch Essays, Briefe, Autobiographisches usw. Im Anhang werden alle Autorinnen kurz vorgestellt.
    Ganz aktuell beschäftigt sich eine Schwangere kurz vor der Geburt nicht nur mit den üblichen Fragen und Zweifeln, sondern muss sich auch mit der derzeitigen Bedrohung durch das Virus auseinandersetzen.
    Franziska Hauser macht sich in ihrem lesenswerten Aufsatz „ Wechseljahre treffen auf Pubertät, treffen auf Lockdown und erinnern an Mauerfall“ Gedanken über die Unterschiede zwischen Ost und West. In der ehemaligen DDR bekam man Kinder, oft relativ früh, ohne über die Frage nachzudenken, ob man sich diese leisten könne. Denn: „ Das Existieren war billig, der Luxus teuer. Seit der Wende ist es umgekehrt.“ Danach musste sie sich überlegen, wie sie ihren Kindern klarmachen sollte, dass überall greifbarer Luxus nicht zu haben ist, weil nach Abzug von Miete und Essen kaum was übrig bleibt.
    Teresa Bücker stellt die provokante Frage: „ Ist es radikal, ein Kind ohne Partner zu bekommen?“ Welche Möglichkeiten haben Frauen mit Kinderwunsch ( 74% der deutschen Single- Frauen ), wenn sie auf Männer treffen, die keine Kinder möchten ( 67% der deutschen Single- Männer ) ? Warten auf bessere Zeiten ? Mit dem Risiko, dass sie bis dahin zu alt sind, um ihren Kinderwunsch zu realisieren. Oder soll sie sich für das Kind und gegen den Mann entscheiden? Wenn ja, braucht es dafür das richtige Umfeld , „… um gemeinsam das Dorf zu bauen, das die Kleinfamilie aus zwei müden Erwachsenen niemals war und sein kann.“
    Gleich drei Autorinnen beschäftigen sich mit den Problemen, vor denen schreibende Mütter stehen. Als Gegenbeispiel führt Sandra Gugic einen Jung- Autor an, der seine Schreibkrise überwunden hat, indem er von morgens früh um 8 Uhr bis nachts um 1 Uhr an einem sog. Tagebuch schrieb , „…mit einer Nachmittagspause für die Familie….Ich muss lachen. Ich stelle mir vor, wie seine Partnerin den geplagten Autor von den alltäglichen Unterbrechungen abgeschirmt haben muss, die jedes Familienleben mit sich bringt,…, wie schon Jahrzehnte, Jahrhunderte vor ihr Frauen Raum und Zeit geschaffen haben für die Kreativität ihrer Partner.“
    Und die diesjährige Bachmann- Preisträgerin Nava Ebrahimi schreibt : „ Mutter sein und schreiben, das heißt immer an einer Stelle wund zu sein. Entweder es fehlen die Aufträge und Lesungen, oder es fehlt die Zeit mit den Kindern.“ Trotzdem ist es wichtig zu schreiben, auch über Muttersein, denn : „ Kinder haben mein Denken verändert, meinen Blick auf die Welt , auf meine eigene Kindheit, auf meine Eltern, auf Beziehungen insgesamt.“
    Gertrud Klemm beleuchtet das Thema Adoption. Sie selbst hat zwei Adoptivkinder, die sie mit fünf und elf Monaten aus Südafrika adoptiert hat. Sie erinnert an den beschwerlichen Weg, von dem langsamen und schmerzhaften Aktzeptieren der eigenen Unfruchtbarkeit über das mühselige Adoptionsverfahren bis zu dem Tag,wo man die Kinder in Empfang nehmen darf.
    Das Buch endet mit einem Manifest der Mütter, nicht mehr zu schweigen, sondern ihre Forderungen lauthals zu stellen.
    Wie in jeder Anthologie gibt es Texte, die einem sofort ansprechen, andere, die erkämpft werden wollen und solche, die einem ( im Moment ? ) nichts sagen. Doch „ Mutter werden. Mutter sein“ ist ein wichtiges, ein lesenswertes Buch, für alle Mütter, für alle Väter und für alle ohne Kinder. Denn es lädt dazu ein, Positionen neu zu überdenken und zu hinterfragen, Probleme zu erkennen und nach Lösungen zu suchen. Denn die Rolle, die Mütter in der Gesellschaft einnehmen, sagt viel über die jeweilige Gesellschaft aus.

 

Unbarmherziges Land: Ein Kentucky-Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Unbarmherziges Land: Ein Kentucky-Krimi' von Chris Offutt
4
4 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Unbarmherziges Land: Ein Kentucky-Krimi"

Eine tote Frau in den Bergen. Alle wissen etwas, doch der Justiz vertraut keiner. Willkommen in Kentucky. Mick Hardin, Ermittler für das CID der US-Army, ist auf Heimaturlaub. Seine Frau ist hochschwanger, doch sie reden nicht miteinander. Seine Schwester Linda, erst kürzlich zum ersten weiblichen Sheriff von Rowan County aufgestiegen, steht vor ihrem ersten Mordfall, den ihr die lokalen Politiker am liebsten wegnehmen würden. Der übliche Chauvinismus oder geht es um mehr? Mit ihrem Bruder Mick macht sich Linda an die Lösung des Falls, denn sie weiß, dass unter der schönen und rauen Hügellandschaft Kentuckys die Gewalt brodelt und die offizielle Justiz keinen guten Stand hat. Bleibt nur die Frage, was tödlicher ist: die Menschen oder die Unbarmherzigkeit der Natur.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:224
Verlag:
EAN:9783608505122

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Rezensionen zu "Unbarmherziges Land: Ein Kentucky-Krimi"

  1. Kentucky - wo Rache nicht nur ein Wort ist

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Aug 2021 

    Nach acht Monaten kehrt Mick Hardin, Ermittler bei der US-Army, aus Europa zurück zu seiner Frau Peggy nach Kentucky. Seine Schwester Linda hat ihn informiert, dass Peggy schwanger ist – von Peggy selbst hat er seit sechs Wochen nichts gehört. Und es erwartet ihn nicht nur eine veritable Ehekrise, auch Linda bittet ihn um Hilfe. Sie ist seit kurzem der erste weibliche Sheriff des County und hat bereits einen Mordfall zu lösen. Die Herren der Politik scheinen ihr dies jedoch nicht zuzutrauen und wollen den Fall lieber in Männerhänden sehen; doch Linda lässt sich nicht so leicht kaltstellen.
    Was uns Chris Offutt hier präsentiert, ist ein Krimi, in dem die Hauptrolle der Bundesstaat Kentucky spielt ;-) Chris Offutt, der selbst aus dieser Gegend kommt, beschreibt Land und Leute so ausdrucksvoll, dass man bald ein Gefühl für die Atmosphäre dort bekommt. Die Menschen dort in den dünn besiedelten Wäldern und Bergen haben keine Erwartungen an den Staat; über die Jahre hinweg geht es ihnen schlechter als besser.

    "Überall sonst leben die Menschen jedes Jahr ein bisschen länger. Nur bei uns wird das Leben im Schnitt kürzer. Das gibt es sonst nirgendwo in Amerika. Vor zwanzig Jahren haben die Leute hier noch länger gelebt." Seite 58

    Was zählt, ist die Familie. Die steht über Allem.

    "Tanner war ruhig und schüchtern, die Leute mochten seine Art, aber trotzdem bekam er nie einen Fuß auf die Erde. Eine Kultur, in der Blutsverwandtschaft über allem stand, konnte Tanner nicht vertrauen. Im ganzen County wurde er nur „der Adoptierte“ genannt." Seite 80

    Im Zweifel gilt: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der Staat in Form des Gesetzes bzw. des Sheriffs hat hier nur wenig bis nichts zu melden.
    Angesichts der Schilderungen von Micks und Lindas Leben wie auch das diverser Einheimischer gerät der Kriminalfall fast ein wenig in den Hintergrund, was für eingefleischte Krimifans vermutlich etwas enttäuschend sein könnte. Insbesondere Micks Eheleben fand ich etwas zu ausführlich dargestellt; dennoch bleibt die Geschichte spannend und die Auflösung bzw. das Ende hat es wirklich in sich.
    Sollte es eine Fortsetzung geben – ich wäre wieder dabei ;-)

  1. Alte Sitten

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Aug 2021 

    Mick Hardin ist als Militärermittler in Deutschland stationiert. Seine Ehe mit Peggy ist schwierig. Dass Peggy schwanger ist, hat er von seiner Schwester Linda erfahren. Hardin reist nach Kentucky. Als eine weibliche Leiche entdeckt wird, ist Linda froh, dass sie die Sache mit Mick besprechen kann. Linda ist noch nicht lange als Sheriff des Ortes tätig. Da Peggy sowieso nicht mit ihm reden will, macht sich Mick gerne auf den Weg zum Fundort, um nach Spuren zu suchen. Auch die Anwohner befragt er. Dabei kommen Erinnerungen an die Zeit hoch als Mick Hardin selbst noch hier lebte.

    Mick Hardin ist ein ungewöhnlicher Ermittler mit seinen Erfahrungen bei der Armee. Doch auch seine Schwester ist eine durchsetzungsfähige Polizistin, die sich nicht so schnell die Butter von Brot nehmen lässt. Die Leute am Ort haben sich inzwischen an ihre Position als Sheriff gewöhnt. Meist folgen sie Lindas Anweisungen auch. Der Todesfall ist schon ungewöhnlich und zunächst mal müssen die verwandtschaftlichen Beziehungen der Toten geklärt werden. Aus welcher Familie stammt sie, in welche Familie hat sie eingeheiratet. Der Ort ist so klein, dass jeder jeden kennt, im Grunde über ein paar Generationen. Die familiären Freundschaften und Feindschaften sind festgefügt. Fremde kommen eigentlich nicht dazwischen. Deshalb wundert sich Linda, wieso auch das FBI einen Beamten schickt.

    Mick Hardin ist ein eigensinniger, aber sympathischer Ermittler, der seinen Weg geht und sich vielleicht mit einer leichten Verzögerung den Situationen stellt so wie sie sich ihm darbieten. Er und seine Schwester bilden ein gutes Team, auch wenn sie ihre Berufe normalerweise an sehr unterschiedlichen Plätzen ausüben. Am Ende dieses Kriminalromans ist alles auf unkonventionelle Art geregelt, doch die Zahl der Todesfälle ist doch etwas hoch. Abgesehen davon ist dies ein Krimi mit witzigen trockenen Dialogen und einer kenntnisreichen Beschreibung des dörflichen Leben in einem kleinen Ort in Kentucky. Die Einwohner wissen um die Familienbande teilweise über mehrere Generationen. Es nutzt auch nichts, wenn jemand weggezogen ist. Die Erinnerung bleibt. Das ist packend und treffend beschrieben. Das, die ansprechende Sprache und die knorrigen, aber sympathischen Personen, machen den Roman sehr lesenswert. Das merkt man im Übrigen schon auf den ersten Seiten.

  1. Karge Landschaft – wortkarge Menschen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Jul 2021 

    Die karge und raue Landschaft Kentuckys ist in diesem Krimi nicht nur Kulisse und Schauplatz, sondern spielt eine zentrale Rolle, hat sie doch die Menschen, die hier leben, seit Generationen tief geprägt. So auch den Hauptakteur Mick Hardin, Ermittler für das CID der US-Army, der sich im Moment auf Heimaturlaub befindet. Allerdings verbringt er diesen nicht zu Hause bei seiner hochschwangeren Frau, sondern in einer Hütte im Wald, in der er bei seinem Großvater aufgewachsen ist. Denn seine Frau ist nicht von ihm schwanger…
    Als eine weibliche Leiche in den Bergen gefunden wird, muss Hardins Schwester Linda, die erst kürzlich zum ersten weiblichen Sheriff von Rowan County aufgestiegen ist, ihren ersten Mordfall aufklären. Da sowohl Linda als weiblicher Sheriff als auch die Justiz im Allgemeinen keinen guten Stand in den Kentucky Hills haben, bittet sie ihren Bruder um Unterstützung. Dieser stürzt sich mit seinen ganz eigenen Methoden in die Ermittlungen, da er dabei seine privaten Probleme gut verdrängen kann, aber auch, um für Gerechtigkeit zu kämpfen.
    Mick und Linda bilden ein eher wortkarges, aber gut funktionierendes Geschwister-Ermittlerpaar. Privatleben und der eigentliche Kriminalfall nehmen etwa gleich viel Raum ein, was aber der Spannung keineswegs abträglich ist. Der Krimi ist schlüssig, unterhaltsam und durchweg spannend. Einzig der Schluss war mir etwas zu ,,amerikanisch“ heldenhaft. Aber vielleicht darf Mick Hardin ja noch in einem Folgeband ermitteln?

  1. Ein"typischer" Krimi der gut zu lesen ist

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Jul 2021 

    Linda,die in Eldridge County Sheriff ist,muss ihren ersten Mordfall lösen.Aber die lokalen Politiker sind nicht sonderlich begeistert davon und legen ihr Steine in den Weg und wollen Linda aus dem Fall drängen.Wie gut dass ihr Bruder Mick Hardin gerade auf Heimaturlaub da ist. Er ist Ermittler bei der US-Army.Mit ihm macht sie sich auf den Fall zu lösen. In der Hügellandschaft Kentucky's gibt es nur eine Frage:Wer oder was ist tödlicher?Die Menschen oder die Unbarmherzigkeit der Natur.

    Die Protagonisten waren mir gleich sympathisch besonders Linda gefiel mir dabei gut.Der Schreibstil ist klar,eher ruhig und flüssig zu lesen.Die Spannung nimmt zwar zu aber für mich bleibt auf einer gewissen Höhe "hängen".

    Fazit:Auf dem Land und in den Wäldern Kentucky's ist das Leben härter aber auch einfacher als in der Stadt.Ich konnte mich gut in die Gegend hinein versetzen.Die Bewohner in den Dörfern sind eine Spezies für sich.Die meisten sind untereinander verheiratet und man kennt sich.Das Buch fängt ruhig an was auch am Schreibstil liegt.Meiner Meinung nach ist der Krimi "leicht" ich hatte ihn mir eher dichter und düsterer vorgestellt.Was ja nicht gerade das schlechteste ist,im Gegenteil. So bin ich auch recht zügig durch das Buch gekommen.Die Dialoge sind nicht besonders lang da die Bewohner zurückhaltend und argwöhnisch sind.Der Krimi hat zwei Handlungsstränge die der Ermittlungen und das Privatleben von Mick das auch spannend gehalten wird.Bis zum Ende hin ist mir die Story doch etwas kühl vorgekommen.Der Autor schreibt mit einer gewissen Distanz meiner Meinung nach.Es ist ein "typischer"Krimi der recht gut zu lesen ist.

 

Garten, Baby!

Buchseite und Rezensionen zu 'Garten, Baby!' von Christine Zureich
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Garten, Baby!"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:176
Verlag: Ullstein fnf
EAN:9783961010158

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Die Bildhauerin

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Bildhauerin' von Pia Rosenberger
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Bildhauerin"

Tommy, Andy und Steve leben in gut situierten Verhältnissen. Sie sind verheiratet, haben Kinder, sind beliebte Mitglieder im Golfclub und trinken hier und da ein Bierchen miteinander: Wer würde sie nicht für fürsorgliche Familienväter halten? Niemand ahnt etwas von ihrem lukrativen Nebengeschäft; einem Geschäft, das einst von Männern betrieben wurde, die, ebenso wie sie, als anständig galten. Alles könnte so reibungslos weiterlaufen wie bisher, denn ihre Ware ist begehrt. Doch als eine Frau aus ihrem Bekanntenkreis tot aufgefunden wird, stößt nicht nur die Polizei auf sie, sondern auch der Privatdetektiv Jackson Brodie. Sein jüngster, völlig harmloser Auftrag führt ihn direkt zu den drei Ehrenmännern – und bald ist Brodie mittendrin in einem Fall um verschwundene junge Frauen und eine Zeugin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ihre schreckliche Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können … Mit einer rasanten Erzählweise, beeindruckenden Figuren und beißendem Humor legt Kate Atkinson in ihrem Roman die Bigotterie und die seelische Grausamkeit unserer Gesellschaft offen.

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783746637709

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Rezensionen zu "Die Bildhauerin"

  1. Eine tragische und zerstörerische Liebe

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Jul 2021 

    Eigentlich sagte mir der Name Camille Claudel nichts, aber mit gefällt die Reihe „Herausragende Frauen zwischen Aufbruch und Liebe“, daher habe ich zu diesem Buch gegriffen. „Die Bildehauerin“ ist der fünfte Band der Reihe und er beschäftigt sich mit der französischen Bildhauerin und Malerin Camille Caudel.
    Camille Claudel hatte schon sehr früh den Wunsch, Bildhauerin zu werden. Während ihr Vater sie unterstützt, hält ihre Mutter davon überhaupt nichts. Aber im Jahr 1881 ist es Frauen nicht möglich zu studieren. Daher schreibt sie sich bei der Académie Colarossi ein. Sie wird von Alfred Boucher gefördert. Bevor er nach Florenz geht, macht er Camille mit Auguste Rodin bekannt. Er unterrichtet und fördert sie. Camille wird Rodins Muse und Geliebte. Durch ihn wird sie in der Öffentlichkeit bekannt, aber sie möchte ihren eigenen Weg gehen und nicht immer im Zusammenhang mit Rodin betrachtet werden.
    Pia Rosenberger erzählt die Geschichte unterhaltsam und spannend. Ihr Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. In Rückblenden erfahren wir mehr über Camilles Kindheit, die nicht einfach war und sie wohl für ihr weiteres Leben geprägt haben.
    Camille Claudel weiß früh, was sie will und sie verfolgt diesen Weg beharrlich. Ihre Mutter lässt sie spüren, dass sie damit nicht einverstanden ist, während der Vater sie unterstützt. In jener Zeit bestimmten die Männer, wo es langgeht und viele Wege waren den Frauen versperrt. Rodin ist sehr viel älter als Camille, als sie ihm begegnet. Er erkennt ihre Begabung und Kreativität und eröffnet ihr Möglichkeiten. Aber Camille ist auch seine Muse und befruchtet seine Arbeiten. Doch sie will als eigenständige Künstlerin Anerkennung erhalten. Dafür geht sie recht rücksichtslos ihren Weg, der im späteren Leben recht einsam ist, denn sie hat viele Freunde für ihre Bildhauerei geopfert. Ihre Liebe zu Rodin ist krankhaft und artet später ihn in Wahn und Paranoia aus. Rodin ist gebunden und auch nicht bereit, sich für Camille zu trennen. Obwohl ich Camille Claudel als Persönlichkeit interessant finde, konnte ich mich in diese Frau doch nicht hineinversetzen. Auguste Rodin blieb mir als Persönlichkeit zu blass.
    Gerne hätte ich mehr über Claudels späteres Leben erfahren. Für mich endete diese Geschichte zu abrupt. Trotzdem habe ich diese Romanbiografie über eine interessante Künstlerin gerne gelesen.

  1. Zeit des Fin de Siècle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2021 

    „Ich fordere lautstark die Freiheit!“

    Paris, 1881. Camille Claudel ist siebzehn und weiss schon genau was sie werden will: Bildhauerin. Doch ein Studium an der École des Beaux-Arts bleibt ihr verschlossen. Sie beschließt daher mit drei Freundinnen ein Atelier zu mieten und stürzt sich in das Leben der Bohème. Sie lernt den viel älteren Auguste Rodins kennen, der durch ihre Plastiken auf sie aufmerksam wurde. Schon bald protegiert und unterrichtet er sie. Zunächst ist sie eine unentbehrliche Mitarbeiterin und wird dann seine Geliebte. Aber nur Muse zu sein, reicht ihr auf Dauer nicht.
    Es ist die Zeit, in der es noch absolut unüblich war als Frau sich zu verwirklichen. Sie muss gegen Widerstände kämpfen, um sich in der „Männerdomäne“ der Kunst zu behaupten.
    Ihr Mut mit „alten Zöpfen“ und Vorstellungen zu brechen und auch wagemutig zu sein, wird am Ende eine große Chance auf Erfolg, der diesen Mut belohnt.

    Der Roman ist gut zu lesen. Ein gut recherchierter biografischer Roman, der Einblick in die damalige Zeit des Fin de Siècle gibt.

    .

  1. Ein Leben für sie Kunst

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Apr 2021 

    Klappentext:
    „Paris, 1881. Die siebzehnjährige Camille Claudel weiß schon früh, was sie will: Bildhauerin werden. Doch als Frau bleibt ihr ein Studium an der École des Beaux-Arts verschlossen. Gemeinsam mit drei Freundinnen mietet sie ein Atelier und stürzt sich in ein Leben der Bohème. Schon bald erregt sie mit ihren Plastiken die Aufmerksamkeit des viel älteren Auguste Rodins. Dieser protegiert und unterrichtet sie, Camille wird zu seiner unentbehrlichen Mitarbeiterin – und schließlich auch zu seiner Geliebten. Doch sie wünscht sich mehr, als nur eine seiner Musen zu sein.“

    Autorin Pia Rosenberger geht mit ihrem Buch „Die Bildhauerin“ wieder einen Schritt nach vorn in der Reihe „mutige Frauen der Kunst“. Wer sich mit Auguste Rodin befasst kommt unweigerlich auch an Camille Claudel nicht vorbei, aber auch das wissen nur die Kunstkenner unter uns. Rosenberg geht hier, leider nur bedingt, auf ihr Leben und Handeln ein. Es ist natürlich wieder NUR ein biografischer Roman und keine reine Biografie, aber dennoch fehlen mir ein paar wichtigen Fakten, die dem Roman sehr gut zu Gesicht gestanden hätten. Wie einige Rezensenten bereits bemerkt haben, war ihr Lebensabend alles andere als schön und genau dieses und weiteres Feingefühl fehlt dem Roman. Natürlich erleben wir ihre flammende künstlerische Lust, ihre Energie und auch die entstehende Liebe zu Rodin - aber das sind eben nur die Sonnenseiten ihres Lebens. Die Schattenseiten werden hier so gut wie nicht beleuchtet und somit fehlt dieser Tiefgang völlig. Nur weil die Dame vielleicht nicht jedem Menschen gleich ein Begriff ist, sollte man wichtige Fakten nicht einfach „nicht“ erwähnen. Die Zeit des La Boheme kommt hier ebenfalls schön zu Zug, aber auch irgendwie nur mit angezogener Handbremse. Der Glanz und das Bunte der damaligen Zeit bleiben etwas blass.
    Alles in allem ein gelungener biografischer Roman mit kleinen Schwächen. Er zeigt ein Bild einer Frau die, wie immer in diesen Büchern, ihrer Zeit voraus war und einfach fehl am Platze war. Sie war eine kraftvolle Person, die heute leider oft vergessen wird.
    4 von 5 Sterne

 

Das Wanderkind: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Wanderkind: Roman' von  Aude
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Wanderkind: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:128
EAN:9783520616012

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Rezensionen zu "Das Wanderkind: Roman"

  1. Ein kleines Meisterwerk

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Aug 2021 

    Corinne und Pierre wünschen sich noch ein zweites Kind. Nach einer Fehlgeburt sollen es nun Zwillinge werden. Einer der beiden ist allerdings sehr schwach, sodass die Ärzte Corinne darauf vorbereiten, ein totes und ein lebendiges Kind gebären zu müssen. Doch aller Wahrscheinlichkeit zum trotz leben beide Zwillinge! Benôit ist zwar sehr schwach und zerbrechlich aber offenbar mit einem enormen Lebenswillen ausgestattet. Der Kleine, wie er von allen genannt wird, scheint in sich zu ruhen und einfach immer zufrieden zu sein. Ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Hans, der von Zweifeln geplagt ist und eifersüchtig über seinen Bruder wacht.

    Claudette Charbonneau alias Aude, schreibt einfach wunderbar. Kein Wort ist zu viel, keins zu wenig. Ihre Figuren sind lebendig und immer wieder stößt man auf Sätze zum innehalten. Sie beschreibt nachvollziehbar die Dynamiken innerhalb der Familie und besonders zwischen beiden Brüdern. Besonders der Wandel den Hans durchmacht ist bemerkenswert. Zwischenzeitlich einfach unausstehlich, versteht man ihn nach und nach besser, bis man schließlich ganz und gar mit ihm fühlt.

    Aude ist hier auf knapp 150 Seiten ein kleines Meisterwerk gelungen. Traurig, hoffnungsvoll und schmerzhaft schön. Eine berührende Geschichte zum immer wieder lesen, die ich uneingeschränkt empfehlen kann.

  1. Zwillinge

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Apr 2021 

    Der Roman "Das Wanderkind" der kanadischen Autorin Aude ist der literarische Beweis für die Aussage "Weniger ist mehr". Denn dieses dünne Büchlein, mit gerade mal 130 Seiten kommt mit einer Wahnsinns-Geschichte daher, die den Leser mit einer erzählerischen Wucht umbläst. Darauf war ich definitiv nicht vorbereitet.

    Die Wahnsinns-Geschichte ist schnell erzählt: Eine Familie erwartet Nachwuchs. Die Mutter, Corinne, ist mit eineiigen Zwillingen schwanger. Bereits in der Schwangerschaft zeichnen sich Komplikationen ab. Einer der Jungs in ihrem Bauch ist kräftiger entwickelt als sein Bruder und raubt ihm sämtliche Energien und Lebenskraft. Er wächst und gedeiht im Bauch der Mutter auf Kosten seines Bruders.
    Dieser Zustand wird sich auch nach der Geburt nicht ändern und ein Leben lang anhalten. Der eine Bruder, Hans, ist der starke, vor Kraft strotzende Zwilling, der andere Bruder, der Kleine, ist der schwache und zurückgebliebene Zwilling. Hans ist der dominante Zwilling, der für den Zustand seines Bruders verantwortlich ist, der Kleine ist das Opfer. Doch am Ende erweist sich diese Rollenverteilung nur als eine Frage der Sichtweise.

    "Corinne hat ihn nie geliebt. Da ist sich Hans sicher. Für sie ist er schon immer der Henker seines Bruders. Ein Monster! Er weiß noch genau, wie sie, als sie noch klein waren, ihm angewidert beim Essen zugesehen hat, weil er immer Hunger hatte, während der Kleine wie ein Spatz gegessen hat."

    Dieser Roman erzählt in zeitlich aufeinander folgenden Episoden die Geschichte dieser Familie, von der Schwangerschaft der Mutter, über die Kindheit der Zwillinge, bis hin zu deren Erwachsensein. Im Mittelpunkt steht die Beziehung der Zwillinge zueinander, wobei die Sichtweise von Hans die maßgebliche ist. Das Leben der Zwillinge ist wie eine Fortsetzung der Zeit, die sie im Mutterbauch verbracht haben. Hans braucht seinen Zwilling, um in Leben zurechtzukommen. Er lässt nicht zu, dass andere - weder die ältere Schwester der Beiden noch die Eltern - an dieser Verbindung teilhaben.

    "Seit ihrer Geburt haben viele Menschen auf verschiedene Weise versucht, die Zwillingszelle zum Platzen zu bringen, als ob sie eine Bedrohung wäre. Keiner hat es geschafft."

    Wie andere diese Verbindung bewerten und was sie mit ihnen macht, erfahren wir durch Wechsel in der Erzählperspektive von Hans auf die Eltern sowie die Schwester.

    Eine Sichtweise fehlt: die des Kleinen - eine Bezeichnung, die sich jeder angewöhnt hat, wenn von diesem Zwilling die Rede ist. Man sollte meinen, dass er namenlos ist (er heisst Benoit). Er ist einfach nur präsent, wird von allen geliebt, nimmt aber so gut wie keinen Anteil an der Handlung. Doch seine Anwesenheit in dieser Geschichte ist immer spürbar. Mit diesem besonderen Protagonisten hat die Autorin ein Figur erschaffen, die nicht real wirkt, aber wie ein guter Geist über die Familie und über seinen Bruder im Besonderen wacht.
    Mehr möchte ich über die Familie nicht erzählen. Die Buchbeschreibung des Verlags gibt noch weniger von dem Inhalt Preis.

    "Ein Zwillingspaar, der eine groß und kräftig, der andere klein und zerbrechlich. Einem von ihnen ist es bestimmt, den anderen am Leben zu erhalten."

    Doch ohne meine Angaben zum Inhalt könnte ich nicht wiedergeben, welche Entwicklung dieser Roman beim Lesen genommen hat und welche Wirkung er am Ende auf mich hatte.

    Das Szenario des einen Zwillings, der auf Kosten des Anderen überlebt, ist unvorstellbar schmerzlich und traumatisch für alle Beteiligten. Ich bin daher von einer Geschichte ausgegangen, die sich auf die Trauer über den Verlust sowie das Leben mit der vermeintlichen Schuld konzentriert. Die Autorin schlägt jedoch einen anderen Weg ein: sie erzählt die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern und deren emotionaler Abhängigkeit voneinander. Der Eine kann nicht ohne den Anderen und nimmt Einfluss auf dessen Entwicklung. Und am Ende wird der Eine gelernt haben, ohne den Anderen zu leben.

    Diese Geschichte geht zu nahe und ist aufwühlend. Denn Schmerz und Glück sind hier so eng miteinander verwoben, dass sie sich kaum voneinander trennen lassen. Ähnlich wie die beiden Zwillinge.

    Die kanadische Autorin Claudette Charbonneau (alias Aude) gilt als eine der wichtigsten Autorinnen der frankokanadischen Literaturszene. Der Roman "Das Wanderkind" hat in ihrem Land sehr viel Beachtung gefunden. Leider verstarb sie bereits im Jahre 2012 an einer Krebserkrankung. Es gibt nur 5 Romane sowie etliche Kurzgeschichten von ihr, die - soweit mir bekannt ist - bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden sind (Ausnahme: Das Wanderkind). Ich hoffe doch sehr, dass dies bald nachgeholt wird. Denn "Das Wanderkind" ist große Erzählkunst, welche die Gier nach weiteren Geschichten dieser Autorin bei mir geweckt hat.

    © Renie

 

Die Mütter

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Mütter' von Brit Bennett
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Mütter"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
EAN:9783498006839

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Die Erfindung der Null: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Erfindung der Null: Roman' von Michael Wildenhain
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Erfindung der Null: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:303
Verlag:
EAN:9783608983050

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Rezensionen zu "Die Erfindung der Null: Roman"

  1. Die Null bezieht ihren Wert durch ihre Umgebung.

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 15. Sep 2020 

    Kurzmeinung: Man sollte den Lesern mehr Erklärungen anbieten und sich nicht so sehr im Geheimnisvollen, Surrealen oder Hochgeistigem verbeißen. Wildenhain ist (oft) einfach zu verschnörkelt.

    Michael Wildenhain, das hat er mit seinen Romanen bereits hinlänglich bewiesen, ist ein unbequemer Autor. Er mutet seiner Leserschaft einiges zu. Ob sich die literarische Zumutung auszahlt, ist die Frage. So oder so: in seinen Romanen geht es um das Scheitern der menschlichen Existenz.

    Sein neuster Roman „Die Erfindung der Null“ dreht sich um den Loser, insofern natürlich eine Null, Dr. Martin Gödeler.

    Martin ist hochbegabt. Ein Mathematiker. Der sich in die reine Mathematik nicht nur verbeißt, sondern verliebt hat. Ein Überflieger. Der im Laufe seines Lebens drei Frauen trifft, die ihn prägen. Zunächst läuft alles bestens, er verliebt sich in seine intelligente Kommilitonin Gunde, bekommt ein Kind mit ihr und schreibt schließlich an seiner Doktorarbeit. In der er sich alsbald verheddert. Er findet keinen Ausweg, keinen Abschluss, er gerät in tiefe innere Not. Sein Absturz zeichnet sich bereits ab. Schnell wird ihm alles schal. Martin ist ein Scheiternder per excellence.

    Vielleicht ist ja die reine Mathematik als zentraler Lebensinhalt zu hoch philosophisch und blutleer, um ein Leben auszufüllen? Solche Fragen stellt man sich am Rande. Bevor Martin aufgibt, er neigt zum Aufgeben, neigt mehr zur Null als zur Eins, trifft er auf die herausragende Dozentin der Mathematik Dr. Elisabeth Lucile Trouvé und verfällt ihr mit Haut und Haar. Er wechselt die Frau, er wechselt die Stadt. Er ist wieder mathematisch zentriert und „Lu“ kann ihm das Wasser reichen. Die dritte Frau, Susanne Melforsch, ist eine Stalkerin. Sie ist rätselhaft. Wirft sich ihm an den Hals als sie zwanzig ist, kehrt zurück mit siebenundvierzig und bringt ihn schlussendlich vor den Kadi.

    Bei der Wiederbegegnung der beiden, ist Martin längst eine echte Null. Lebt in einer Souterrainwohnung, die er vergammeln lässt, er ist verwahrlost, innen und außen.

    Der Kommentar: Der Roman von Michael Wildenhain hat, wie seine ersten beiden Romane auch, eine politische Komponente. Sie ist nicht zentral, es scheint dem Autor aber wichtig zu sein, darzustellen, dass Menschen an ihrer Politik scheitern. Also am realen Leben. Dort haben sie keinen Einfluss, sie bleiben eine Nullnummer.

    Der Roman hat eine philosophische Komponente, was nicht verwunderlich sein dürfte, da es um „die reine Mathematik“ geht, um etwas Verkopftes, das nur wenige Menschen begreifen. Kein Wunder, dass der Pragmatismus der Susanne M. eher greift als das rein Geistige. Und eigentlich siegt. Der Protagonist wird von seiner Umgebung bestimmt. Wie eine Null eben den Wert wechselt, je nachdem, von welcher Zahl sie bestimmt wird.

    Natürlich gibt es im Roman noch jede Menge Nebenhandlung, Odysseus taucht ebenso auf (warum ist er nicht in „Das Singen der Sirenen“ geblieben?) wie der Mathematiker Evariste Galois, mit dessen Existenz sicherlich alle Leser bestens vertraut sein dürften (bitte aufzeigen wer ihn nicht kennt!), pöbelnde, gewalttätige Jugendliche spielen eine Rolle, zu denen der Protagonist eine seltsame Affinität hat. Und ein Staatsawalt, dem Martin sein Leben erzählt.

    Nun könnte man denken, das ist doch ein super Roman. Handlung, Metaebene, Philosophie, Kriminalfall. Ja, könnte man. Ist aber nicht. Denn das Meiste muss die geneigte Leserin interpretieren. Die Geschichte ist weder linear noch stringent. Man muss zwischen unwichtigem Wust ein paar klare Gedanken extrahieren. Das ist nicht nur fordernd, sondern leider auch, trotz allerhand Tiefschürfendem, äußerst langweilig. Das mag daran liegen, dass Martin selber so langweilig ist: Eben eine Null.

    „Die Erfindung der Null“ ist ein allzu kompliziertes, hochphilosophisches Machwerk, das Mehrwert hat, wenn man bereit ist, sich durch ein Dornengestrüpp von Nebenhandlungen und assoziativen Gedanken zu wühlen. Ein wenig mehr an Erklärung und Erläuterungen plus Interpretation sollte der Autor dem Leser jedoch künftig unbedingt an die Hand geben, sonst läuft er Gefahr bald der einzige Leser seiner Werke zu bleiben.

    Fazit: Zu ambitioniert.

    Kategorie: (Zu) anspruchsvoller Roman
    Klett Cotta, 2020

 

Das Glück ist zum Greifen da: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Glück ist zum Greifen da: Roman' von Deloy, Sylvia
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Glück ist zum Greifen da: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783404179213

Diskussionen zu "Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt"

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Mittwoch also: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mittwoch also: Roman' von Lotta Elstad
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mittwoch also: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783462052039

Diskussionen zu "Mutter werden. Mutter sein. - Autorinnen über die ärgste Sache der Welt"

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Rezensionen zu "Mittwoch also: Roman"

  1. Nicht irgendein Mittwoch...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Dez 2019 

    Ehrlich gesagt bin ich aufgrund der besonderen Optik auf das Buch aufmerksam geworden. Zudem interessierte mich die Thematik sehr, weshalb ich gespannt mit der Lektüre begann.

    In der Geschichte geht es um Hedda, die ungewollt schwanger wird und weiß, dass sie das Kind nicht haben möchte. Doch so einfach ist es nicht eine Abtreibung durchführen zu lassen. Die Bedenkzeit wird alles andere als leicht. Für welchen Weg wird sich Hedda entscheiden?

    Die Hauptakteurin fungiert als Ich- Erzählerin, weshalb man sehr nah an den Gefühlen dran ist. Dies finde ich gerade bei der Thematik sehr wichtig.

    Im Vordergrund stehen weder die Schwangerschaft noch der geplante Schwangerschaftsabbruch, sondern die komplizierten Beziehungen, die Hedda pflegt. Mich hat das persönlich nicht gestört, weil genau diese ja der Grund sind, weshalb sie erst in die Lage geraten ist. Die ungewollte Schwangerschaft wird immer mal wieder am Rande beleuchtet, was für meinen Geschmack absolut ausreichend war, um sich ein Bild zu machen, ohne gleich komplett runtergezogen zu werden.

    Am meisten emotional berührt hat mich die Internetrecherche zu Schwangerschaftsabbrüchen und die Laienvorschläge diesbezüglich. Das hat mich wirklich sehr traurig gemacht, dass Frauen so verzweifelt sind.

    Ebenfalls bedrückt hat mich, dass die Entscheidung offenbar nicht allein die Frau treffen darf, die betroffen ist, sondern andere mit ihr bestimmen und gegebenenfalls auch über sie hinweg entscheiden können. Dies war mir so nicht bewusst.

    Ich habe das Buch gern gelesen und finde es wichtig, dass man so etwas nicht tabuisiert. Vielleicht nicht gerade leichte Kost, aber trotzdem sehr unterhaltsam.

    Fazit: Ein mutiges Buch, welches ich jeder Frau ans Herz lege, weil es ein Thema beleuchtet, über das kaum jemand spricht. Gute Unterhaltung garantiert!

 

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