Die Stimme: Thriller. Was wäre, wenn deine smarten Geräte mehr wissen, als dir lieb ist?

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Stimme: Thriller. Was wäre, wenn deine smarten Geräte mehr wissen, als dir lieb ist?' von S. K. Tremayne
NAN
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Inhaltsangabe zu "Die Stimme: Thriller. Was wäre, wenn deine smarten Geräte mehr wissen, als dir lieb ist?"

Format:Broschiert
Seiten:400
Verlag: Knaur HC
EAN:9783426227381

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Aus den Winterarchiven

Buchseite und Rezensionen zu 'Aus den Winterarchiven' von Merethe Lindstrøm
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Inhaltsangabe zu "Aus den Winterarchiven"

Merethe ist mit ihrer Familie aufs Land gezogen. Hier, am Rand eines Waldes, zwischen endlosen Tagen und Nächten ohne Schlaf, schreibt sie an ihrer Erzählung über Mats, mit dem sie zusammenlebt. Sie erzählt von einer Liebe, die alles in den Schatten stellt. Von der Nähe zu einem Menschen, der nur selten den Wunsch verspürt zu leben. Von der Angst, sich selbst zu verlieren, von der aber noch größeren Bedrohung, den zu verlieren, den sie liebt. Darüber, trotzdem weiterzumachen. Zu leben, zu lieben. Sie will verstehen, und so schreibt sie in immer enger werdenden Kreisen, während die Welt in Kälte und Eis erstarrt. Bis der Winter langsam dem Frühling weicht. Aus den Winterarchiven ist ein sehr eindringlicher, sehr persönlicher Roman. In glasklaren Bildern beschreibt Merethe Lindstrøm das Leben zweier Menschen, die sich in einer existenziellen Not und Hilflosigkeit gegenüber dem Leben befinden.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:294
EAN:
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Nach einer wahren Geschichte: Roman (Taschenbücher)

Buchseite und Rezensionen zu 'Nach einer wahren Geschichte: Roman (Taschenbücher)' von Delphine de Vigan
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Nach einer wahren Geschichte: Roman (Taschenbücher)"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
EAN:9783832164256
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Rezensionen zu "Nach einer wahren Geschichte: Roman (Taschenbücher)"

  1. Anfänglich gewöhnungsbedürftig, der dritte Teil ist aber alles e

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Aug 2020 

    Anfänglich gewöhnungsbedürftig, der dritte Teil ist aber alles erklärend und das Buch fulminant

    Delphine de Vigan thematisiert hier eine Geschichte, die sich mit Fiktion und Wahrheit befasst, geschickt zwischen Beidem hin und herpendelnd. Die Autorin hat vorher das Buch "Das Lächeln meiner Mutter" herausgebracht, das deutliche biographische Züge trägt und daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Autorin danach mit Fiktion und Wahrheit auseinandersetzt. Man kann sich in etwa vorstellen, was Presse und Leser und auch die eigene Familie und Freunde aus einem autobiographischen Buch ziehen, was sie mit solchen Informationen machen können.

    Auch ich hatte bei der Lektüre von "Nach einer wahren Geschichte" immer die Frage vor den Augen, ist das wahr oder eine Fiktion, verglich die Geschichte mit den biographischen Daten der Autorin. ... Irgendwo im Buch wird auch erwähnt, dass sie bisher aus den Augen anderer nur zwei interessante Bücher geschrieben hatte, das erste und das sechste Buch ( "Tage ohne Hunger" und "Das Lächeln meiner Mutter" ). Beides sind Bücher, die deutliche biographische Züge tragen. Doch machen keine deutlichen biographischen Bezüge ein Buch minderwertig? Meine Antwort auf diese interessante Frage ist eindeutig ein Nein. Natürlich können biographische Züge begeistern, aber schlussendlich muss ein Buch etwas mit mir machen, mich erreichen und/oder begeistern, dann hat der Autor genau das geschafft, was ich mir wünsche, egal, ob nun deutlich autobiographisch erkennbar oder nicht.

    Ich hatte "Nach einer wahren Geschichte" schon einmal begonnen, war etwas erstaunt über die Schreibweise und beschloss schließlich zuerst "Das Lächeln meiner Mutter" zu lesen, denn "Nach einer wahren Geschichte" bezieht sich sehr auf den Vorgänger. Das war kein Fehler wie ich finde. Gerade nach der Lektüre von "Das Lächeln meiner Mutter" und auch "Dankbarkeiten" empfindet man "Nach einer wahren Geschichte" ganz anders, der ganze Sprachklang ist anders. Ich driftete ständig in meinen Gedanken ab, dieses Buch war definitiv eine Herausforderung, die sich aber unheimlich gelohnt hat, denn im dritten Teil des Buches dröselt sich alles auf/alles erklärt sich und für mich wird auch dieses Buch, trotz der damit verbundenen anfänglichen Leseschwierigkeiten zu einem herausragenden Werk, das mir satte 5 Sterne wert ist.

    Doch um was geht es genau in "Nach einer wahren Geschichte", zentral gestellt ist eine Freundschaft zweier Frauen, Delphine und L., die sich nach und nach in eine Geschichte um Fremdbestimmung entwickelt, zu einem Psychospiel a la Hitchcock gestaltet. Anders, interessant und auch soghaft kann man "Nach einer wahren Geschichte" nennen, aber auch wirklich boshaft trifft zu.

 

Glasflügel: Ein Kopenhagen-Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Glasflügel: Ein Kopenhagen-Thriller' von Katrine Engberg
4.2
4.2 von 5 (9 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Glasflügel: Ein Kopenhagen-Thriller"

Jeppe Kørner ermittelt in einem spektakulären Mordfall, der ganz Kopenhagen beschäftigt: Im ältesten Brunnen der Stadt, inmitten der Fußgängerzone, wurde eine Leiche gefunden. Auf die Hilfe seiner Kollegin Anette Werner kann er diesmal nicht zählen, denn die muss sich statt um den Mordfall um ihr Baby kümmern. Bald schon stößt Kørner auf eine düstere Einrichtung für hilfsbedürftige Jugendliche und auf Leute, die ihre eigene Vorstellung von Fürsorge haben.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
EAN:9783257071238
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Rezensionen zu "Glasflügel: Ein Kopenhagen-Thriller"

  1. Stolpernder Ermittler

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Apr 2020 

    Im dritten Band „Glasflügel“ der dänischen Thrillerreihe um den Ermittler Jeppe Kørner führt die Autorin Katrine Engberg ihre Leser in die Niederungen des dänischen Gesundheitssystems, genauer gesagt zu psychisch kranken Jugendlichen und dem Umgang mit ihnen.

    Sommerfuglen heißt eine Privatklinik, mittlerweile geschlossen, in der Jugendliche mit psychiatrischen Behandlungsbedürfnissen aufgefangen und betreut werden sollten. Der leichtfüßige schöne Name widerspricht vollkommen dem, was hinter den Gemäuern des Anwesens passierte und was Jeppe Kørner im Zusammenhang mit seinen Ermittlungen an spektakulären Mordfällen in Kopenhagen allmählich herausfindet. Da wurden junge Menschen aus privatwirtschaftlicher Geldgier und dem Bestreben nach wissenschaftlicher Reputation misshandelt und als Versuchskaninchen missbraucht, alles unter den abgewandten Blicken der Gesundheitsbehörden und der Gesellschaft. Beschwerden und Nachfragen von Angehörigen liefen ins Leere.
    Dann, zwei Jahre nach der Schließung der Privatklinik beginnt eine spektakuläre Mordserie am ehemaligen Personal. Verdächtige gibt es reichlich, und Polizeiassistent Jeppe Kørner hat alle Hände voll zu tun, in verschiedene Richtungen zu ermitteln, zumal er in diesem Band zumindest offiziell ohne seine Kollegin Anette Werner auskommen muss, weil sie sich seit drei Monaten im Mutterschaftsurlaub befindet.

    Wie in jedem ihrer Bücher fährt die Autorin zunächst eine Menge Personal auf, viele alte Bekannte und auch neue Personen. Sie schafft es dabei, mit vielen Wegkreuzen und Brotkrumen Spuren und lose Fäden auszulegen, was für hohe Spannung in diesem leisen Thriller sorgt. Man tappt als Leser genau wie Jeppe Kørner lange Zeit im Dunkeln, und Katrine Engberg ist wie bereits bei den Vorgängerbänden für eine Überraschung mit großem Showdown gut.
    Daneben gibt es für den Leser viele Nebenher-Informationen aus guter Recherchearbeit, zum Beispiel zum dänischen Gesundheitssystem, über alte medizinische Instrumente oder Schmetterlinge. Mir gefällt prinzipiell diese Mischung aus Information durch gute Recherchearbeit und kriminalistischer Handlung ausgezeichnet, zumal der Handlungsfluss nicht wirklich unterbrochen wird.
    Katrine Engberg bleibt den Figuren aus ihren ersten Bänden treu. Jeppe stolpert durch die Ermittlungen und gerät dabei ohne die Hilfe seiner Kollegin Anette fast ins Abseits - ihm soll der Fall sogar entzogen werden. Auch privat hängt er wieder/immer noch in den Seilen, sein Leben ist immer noch weder Fisch noch Fleisch, er ist unentschlossen wie es für ihn weitergehen soll. Esther de Laurenti, die ältere Dame mit Spürsinn, und ihr Mitbewohner Gregers, tauchen auch wieder auf und kommen zumindest mit Personen in Berührung, die in den Kriminalfall verwickelt sind. Und Anette Werber, die sich in ihrem Babyurlaub langweilt, trägt entscheidend zur Lösung des Falles bei, wenn diesmal auch zunächst heimlich und mit dem Unmut ihres Lebensgefährten.

    Der Thriller lebt von den Schauplätzen der Ermittlungen und den Rahmenbedingungen, weniger von der Ermittlung selbst. Vielstimmig erzählt, auch aus der Sicht des Mörders, verzetteltet sich in meinen Augen die Ermittlungsarbeit diesmal zu sehr. Der Kriminalassistent Jeppe Kørner wirkt wie bereits in den vorangegangenen Bänden unprofessionell , aber mir fehlte diesmal beim Lesen seine Kollegin Anette Werner an seiner Seite als Ausgleich. So stolpert man längere Zeit durch den Krimi, komplett ohne Richtung.
    Die Autorin bleibt sich treu - mag vielleicht sein, dass das für mich bei Band drei schon ein wenig zu abgenutzt ist, dass der Hauptermittler weder die Untersuchung noch sein Privatleben wirklich im Griff hat.
    Trotz allem ist es ein lesenswerter solide geschriebener Krimi, der zum Miträtseln anregt, der einen logischen Schluß mit Auflösung hat, auch wenn mir persönlich der Showdown diesmal etwas zu übertrieben war.

  1. Spannend und kritisch

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Apr 2020 

    Spannend und kritisch

    Mit Glasflügel kreierte die Autorin Katrine Engberg den dritten Teil ihrer Kopenhagen-Thriller-Serie.

    Im Brunnen in der Kopenhagener Innenstadt wurde eine Leiche gefunden. Ein Fall für die Polizei, soviel steht fest. Jeppe Kørner wird direkt hinzugezogen, doch für Jeppe wird der aktuelle Fall wohl zu einer Zerreißprobe, da er diesmal ohne seine Kollegin Anette Werner ermitteln muss. Anette hat erst kürzlich entbunden und versucht sich auf die Mutterfreuden zu konzentrieren, was ihr nur bedingt gelingt.

    Die Autorin konzipiert direkt mehrere Handlungssträngen. Sie erzählt von der aktuellen Ermittlung, aber ebenso vom Alltag der der beurlaubten Anette. Sie lässt uns am Leben des Pflegers Simon teilhaben, der frustriert ist, da das System den psychisch erkrankten nicht ausreichend genug hilft, obwohl er viele tolle Ideen zu dem Thema hat. Wir lernen eine Krankenschwester kennen, die sich gerne als rettender Engel sehen möchte, und dabei unkonventionelle Wege geht. Auch eine Freundin Jeppes, Esther de Laurenti, ist wieder mit von der Partie. Sie erlebt schlimme Dinge, und kann diesmal nicht auf Kørners Unterstützung hoffen, da er durch den Fall enorm unter Druck steht, seine Chefin will eine schnelle Aufklärung. Dies ist nur ein Teil der Charaktere, die einem im Roman begegnen. Doch jeder reiht sich irgendwann ins Gefüge ein, ein Geniestreich der Autorin.

    Als weitere Morde geschehen, die wie der erste durch ein seltenes medizinisches Werkzeug ausgeübt wurden, kommt der Verdacht auf, dass sich alles um eine Einrichtung dreht, die psychisch kranke Jugendliche betreut hat. Alle die mit dieser Einrichtung zutun hatten, könnten zu Opfern werden.....oder Täter sein.

    Die Fäden der einzelnen Stränge laufen irgendwann zusammen, und offenbaren so nach und das große Ganze. Dieses Rätselraten und ertüffteln neuer Erkenntnisse hat mir sehr gefallen. Auch das private der Ermittler findet Raum in der Handlung, dies hat mir auch zugesagt, da es sich in einem erträglichen Rahmen bewegte und nicht von der eigentlichen Story ablenkte.
    Für mich ein gelungenes Leseerlebnis, das ich gerne weiterempfehle.

  1. Meisterin ihres Fachs

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Mär 2020 

    Eine Frau liegt tot im Kopenhagener Caritasbrunnen. Von Nächstenliebe und Barmherzigkeit keine Spur. Denn die Tote wurde bei vollem Bewusstsein ausgeblutet und dann von ihrem Mörder abgeladen. Jeppe Kørner muss hier in diesem Fall auf sich allein gestellt ermitteln. Denn seine langjährige Partnerin Anette Werner ist in Mutterschaftsurlaub. Es ist ein spektakulärer Fall, und der Täter hat mit nur einem Opfer nicht genug.
    Katrine Engberg hat mit Glasflügel nun schon den dritten Teil aus der Kopenahgenreihe vorgelegt. Das altbewährte Team gibt es so nicht mehr. „Kørner jetzt ohne Werner. Werner jetzt ohne Arbeit“. Die dänische Autorin schafft es mit Leichtigkeit einen kompakten spannenden und absolut logisch konstruierten Kriminalfall aufzurollen und dabei nicht an gesellschaftspolitischer Kritik zu sparen. Es geht gegen das Gesundheitssystem, gegen profitorientierte Institutionen, gegen ein System, das zu Lasten der Patienten und des medizinischen Personals geht. Katrine Engberg spinnt viele Fäden, fordert den Leser nahezu heraus, den Fall vor den Ermittlern zu lösen, um dann doch wieder ganz neue Wege einzuschlagen. Wer die ersten beiden Bände aus dieser Reihe kennt, trifft alle bekannten Gesichter wieder. Mit dieser Bindung zu den vertrauten Protagonisten verzeiht man auch einige zufällige Gegebenheiten.
    Glasflügler, Schmetterlinge mit absolut unscheinbaren Flügeln und gefährlich wirkenden Körpern, sind Meister des Mimikrys, der Anpassung und Täuschung. Katrine Engberg wiederum ist Meisterin ihres Fachs.

  1. Purzelbaumfabrik...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Mär 2020 

    Jeppe Kørner ermittelt in einem spektakulären Mordfall, der ganz Kopenhagen beschäftigt: Im ältesten Brunnen der Stadt, inmitten der Fußgängerzone, wurde eine Leiche gefunden. Auf die Hilfe seiner Kollegin Anette Werner kann er diesmal nicht zählen, denn die muss sich statt um den Mordfall um ihr Baby kümmern. Bald schon stößt Kørner auf eine düstere Einrichtung für hilfsbedürftige Jugendliche und auf Leute, die ihre eigene Vorstellung von Fürsorge haben.

    Sommerfuglen - Schmetterling. Das klingt leicht und beschwingt, doch stellt sich das in diesem Krimi als eine privat geführte psychiatrische Wohnstätte für Kinder und Jugendliche heraus. Seit zwei Jahren ist diese Wohnstätte nun geschlossen, und doch wirft Sommerfuglen einen großen Schatten auf das heutige Kopenhagen.

    Denn ehemalige Angestellte des Wohnheims werden nach und nach tot in Springbrunnen und Seen der Stadt aufgefunden, ausgeblutet und nackt. Verdächtige gibt es mehr als genug, und Polizeiassistent Jeppe Kørner kommt den zahlreichen Spuren kaum hinterher. Doch wirklich voran kommt er nicht, und der Druck der Öffentlichkeit und in den eigenen Reihen wächst: ein Ermittlungserfolg muss her!

    "...der zarte Glasflügler. Zerbrechlich, beinahe durchsichtig. Aber nur scheinbar. So lagern etwa die Larven des Glasflüglers das Gift des Nachtjasmins in ihren Körpern ein, so dass sie auch nach dem Schlüpfen für ihre Feinde tödlich sind. Der unscheinbare Schmetterling ist der gefährlichste." (S. 105)

    Band drei der Reihe um Jeppe Kørner ist ein düsterer, leiser Thriller. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven - nicht nur Jeppe Kørner ermittelt hier, der privat in einer unklaren Übergangssituation feststeckt, sondern auch seine ehemalige Kollegin Anette Werner, die sich mit ihrer drei Monate alten Tochter gerade in Elternzeit befindet. Anette hat Probleme mit ihrer Mutterrolle und lenkt sich mit den Ermittlungen nebenher ab von der ewigen Schlaflosigkeit und dem Gefühl, keinen Erwartungen gerecht zu werden. Die Perspektive des Täters taucht hier episodenhaft auf, genau wie die der alternden Krimiautorin Esther de Laurenti, die ich bereits aus Band eins kenne. Und Personen aus dem Umkreis des geschlossenen Wohnheims Sommerfuglen geraten hier ebenso immer wieder in den Fokus des Geschehens.

    "Ich würde einen Knall bekommen." Jeppe sah ihn überrascht an. "Einen Knall? Wovon?" - "Wenn ich da arbeiten müsste. In so einer Purzelbaumfabrik." Der kindliche Ausdruck ließ Jeppe laut auflachen. "Purzelbaumfabrik! Das ist ein ultramodernes Krankenhaus mit allen erdenklichen Therapieangeboten." - "Na ja, das meine ich doch. Die ganze Zeit hat man es mit Leuten zu tun, die in einer anderen Welt leben. Nach einer Weile weiß man doch gar nicht mehr, wo oben und unten ist." (S. 280 f.)

    Im Fokus der verzweigten Erzählung steht ein düsterer Aspekt des dänischen Gesundheitssystems. Neben Überforderungserscheinungen des medizinischen Personals bei chronischer Unterbesetzung durch radikale Sparmaßnahmen wird hier sehr deutlich, in welchem Abseits sich psychisch kranke Menschen befinden. Weggesperrt und meist mit reichlich Medikamenten und sonstigen Behandlungsmethoden eingedeckt, sind sie weit entfernt von einem normalen Leben und der Teilhabe an der Gesellschaft. Gerade für betroffene Jugendliche und junge Erwachsene eine schwer zu verkraftende Situation.

    Sommerfuglen als psychiatrische Wohnstätte sollte gerade solche Jugendliche auffangen. Doch Jeppe Kørner entdeckt hier ganz eigene Machenschaften, die ein noch dunkleres Licht werfen auf den Umgang mit psychisch kranken Menschen.

    "War es tatsächlich denkbar, dass es in Dänemark junge Menschen gab, die keinerlei Zukunft hatten? Ein Gedanke, den Jeppe schlimm fand. Mit siebzehn müsste die Welt ein Gabentisch der Möglichkeiten sein, das Dasein eine einzige große lebendige Zukunft. Nicht eine endlose Wiederholung von wohlmeinender, aber unzureichender Fürsorge und einsamen Tagen." (S. 362)

    Doch neben diesen düsteren Themen ist dies in erster Linie ein Thriller. Jeppe Kørner zeichnet sich nicht gerade durch fulminante Ermittlungsarbeit aus, manches wirkt gar nur wenig professionell. Dennoch bleibt er am Ball und erlebt mit seinem neuen Kollegen am Ende einen gehörigen Showdown, der es in sich hat.

    Ein leiser Thriller mit einem lauten Thema - und mit Figuren, die zunehmend vertraut werden und denen ich in einem weiteren Band gerne wiederbegegnen würde.

    © Parden

  1. Tickende Zeitbomben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Mär 2020 

    Der dritte Fall für das Ermittlerduo Jeppe Kørner und Anette Werner beginnt
    mit einem Leichenfund im ältesten Brunnen Kopenhagens, mitten in der Fußgängerzone. Dem Opfer wurde mit einem mittelalterlichen Gerät die Hauptschlagadern aufgeschnitten. Schon am nächsten Tag findet sich eine zweite Leiche, wieder ausgeblutet in einem Brunnen.
    Jeppe Kørner und sein Team finden zwar bald heraus, dass die Opfer alle im Gesundheitssystem beschäftigt waren, doch die Ermittlungen kommen nicht voran. Außerdem muss Kørner auf seine Kollegin Anette Werner verzichten, da sie sich in Elternzeit zuhause befindet. Allerdings kommt Werner mit ihrer Rolle als Mutter nur schlecht zurecht. Aus Langeweile und Frust schaltet sie sich doch in den Fall ein und stellt private Ermittlungen an.
    Als sich Spuren zu der Einrichtung ,,Sommerfuglen", einer Wohnstätte für psychisch labile Jugendliche ergeben, verdichten sich die Verdachtsmomente. Allerdings stößt auch der Leser auf immer neue Verdächtige, da sich einige Figuren merkwürdig verhalten. Teilweise weiß man nicht mehr, wer ,,normal" ist: die Patienten, ihre Angehörigen, die Pfleger oder die Ärzte und Psychiater? Alle wirken wie tickende Zeitbomben. Engberg führt den Leser immer wieder an der Nase herum, so wie auch Jeppe Kørner und seine Kollegen immer wieder die falsche Person in Verdacht haben. Kørner selbst hat neben seiner Arbeit auch genug mit seinem Privatleben zu kämpfen. Nach seiner Trennung lebt er im Moment bei seiner überfürsorglichen Mutter, seine neue Freundin hält er noch geheim, da sie eine Kollegin ist. So schlägt er sich die Nächte um die Ohren und hat mit ständiger Übermüdung zu kämpfen. Diese Unkonzentriertheit führt wohl auch dazu, dass er mit seinem behäbigen und faul wirkenden Kollegen Falck in große Gefahr gerät.
    Zum Ende hin nehmen Action, Tempo und Spannung deutlich zu. Wer Krimis mag, in denen auch das Privatleben der Ermittler und zwischenmenschliche Begebenheiten eine Rolle spielen, wird hier mit Katrine Engbergs Wortwitz und anschaulichem Erzählstil aufs Beste unterhalten.

  1. Sommerfuglen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Mär 2020 

    Der Morgen beginnt nicht schön für den Kopenhagener Schüler, der sich mit Zeitungsaustragen sein Taschengeld aufbessert. In einem Stadtbrunnen findet er einen Toten. Es bleibt nicht bei diesem Leichenfund. Jeppe Kørner wird auch an den Folgetagen damit konfrontiert. Alle Toten haben eines gemeinsam: sie waren in einer privaten Jugendpsychiatrie – dem Haus Sommerfuglen (Schmetterling) – tätig. Das Heim wurde nach dem Suizid einer jungen Bewohnerin geschlossen, ihr Vater gab der Heimleitung die Schuld. Damit steht er ganz oben auf der Verdächtigenliste.

    Aber es ist nicht so einfach, wie es scheint. Jeppe, der schmerzlich seine Kollegin Anette Werner vermisst, stochert im Nebel, Verdächtige haben ein Alibi, ehemalige Bewohner sind zum Teil in anderen Kliniken oder im Ausland.

    Eines wird dem Leser aber schnell klar, die Missstände in Sommerfuglen gingen tief und sie stehen sicher auch den Morden in Verbindung. Außerdem zeigt die Autorin in ihrem spannenden Krimi auch die Systemfehler in einem Gesundheitssystem auf, in dem Patienten sich der Wirtschaftlichkeit unterordnen müssen. Die Überforderung der Schwestern und Pfleger ist greifbar.

    So beginnt nämlich auch das Buch. Im vorangestellten Prolog werden wir Zeugen, wie eine an ihre Grenzen gekommene, labile Schwester einen hochbetagten und schwierigen Patienten per Injektion „erlöst“. Damit begleitet mich natürlich den ganzen Krimi über die Frage, ob hier schon ein Fingerzeig auf den Täter gegeben wurde.

    Anette Werner fühlt sich in der Elternzeit unglaublich müde, es gibt keine ruhigen Nächte mehr, aber auch gelangweilt. Ihr fehlt die Arbeit, vielleicht auch die intellektuelle Herausforderung. Was in manchen Krimis der Part der Privatermittler ist, die der Polizei ins Handwerk pfuschen, das übernimmt nun Anette. Allerdings mit guten Ergebnissen, die Jeppe immer mal wieder auf die Sprünge helfen. Denn wer als Ersatz einen netten Kollegen bekam, der intern der „Hosenträger-Onkel“ genannt wird, kann auch jede Hilfe gebrauchen.

    In einem kleinen Nebenstrang darf man sich auch auf die Schriftstellerin Esther freuen, die man schon aus den vorhergegangen Büchern kennt. Auch hier schafft es die Autorin, mich lange im Unklaren zu lassen, ob Esters Erlebnis eine Verbindung zu Sommerfuglen zeigt.

    Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Spannung kontinuierlich hoch und wird immer wieder mal durch leisen Humor oder eine witzige Bemerkung gebrochen. Deutlich zu spüren ist auch das Anliegen, das die Autorin transportieren möchten: die Zustände in einem immer stärker belasteten Gesundheitssystem, das für Personal und Patienten gleichermaßen grenzwertig ist.

  1. Brunnenleiche

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Mär 2020 

    Endlich ist das Baby da, Anette Werner ist in Elternzeit. Und obwohl sie ihre kleine Tochter umhegt, hat sich das große Mutterglück noch nicht eingestellt. Anette vermisst ihre Arbeit. Und Jeppe Kørner vermisst Anette. In einem Brunnen in der Stadtmitte wurde eine Leiche gefunden und Jeppe leitet die Ermittlungen. Bei dem Opfer handelt es um eine Mitarbeiterin eines Krankenhauses, eine auf den ersten Blick unbescholtene Frau. Die Polizeibeamten finden zunächst keine eindeutigen Hinweise. Jeppes alte Bekannte Esther de Laurentis braucht neuen Schwung in ihrem Leben. Vielleicht bietet des Einzug eines neuen Nachbarn hier eine Chance.

    In seinem dritten Fall ist Jeppe Kørner zum ersten Mal auf sich alleine gestellt. Der Umbruch in seinem Leben ist fast geschafft, die Trennung überwunden, das Haus verkauft. Dass er übergangsweise wieder bei seiner Mutter wohnt, ist nicht ideal, aber es ist eben so. Umso glücklicher ist er über die neue Frau in seinem Leben. Dagegen tut Anette Werner sich noch etwas schwer mit dem Familienleben und so ganz kann sie es nicht lassen, Nachforschungen anzustellen. Der Fall führt ins Gesundheitssystem Dänemarks. Auch wenn in Dänemark der Glücksquotient hoch ist und das Leben hyggelig, so sind die Mitarbeiter in den Krankenhäusern und Praxen doch gestresst und überarbeitet, so wie eigentlich überall.

    Wie so häufig bei Ermittlungen dauert es ein Weilchen, bis sich aus einigen Spuren ein Bild ergibt. Mit leichter Hand und einigem Humor versteht es die Autorin, ein interessantes Thema aufzuarbeiten. Sie beschreibt die Überforderung in der Gesundheitsbranche und auch die Tragik, die sich daraus ergeben kann. Aber auch die Abgebrühtheit und Gier, die entstehen können, wenn in ein System viel Geld fließt. Eine Thematik, die einen schon mitnimmt. Dann freut man sich auf die Ausflüge zu Esther und Gregers, wobei man besonders Ester manchmal einen größeren Anteil am Geschehen wünscht. Sie wäre sicher für so manche Idee gut. Insgesamt ist dieser fesselnde Kriminalroman bestens geeignet, um einen Einblick in die nicht ganz so heile Welt der Medizin zu erhalten. Dabei wird nichts beschönigt, aber dennoch so elegant beschrieben, dass die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Hinzu kommt, dass man sich bei einem dritten Fall schon auf das Wiederlesen guter alter Bekannter freut.

  1. Probleme im kranken dänischen Gesundheitssystem

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Mär 2020 

    "Manchmal kann ein kleiner, unschuldiger Fehltritt katastrophale Konsequenzen haben. So ist das Leben nun mal." (Buchauszug)
    Jeppe Kørner und sein Team hat es mit außergewöhnlichen Morden zu tun. Ein Serientäter geht in Kopenhagen um, der seine Opfer ausbluten lässt und anschließend in den Brunnen Kopenhagen ablegt. Leider muss Jeppe diesmal ohne Anette Werner ermitteln, den diese weilt gerade in Elternzeit und muss sich um ihr Baby kümmern. Doch schnell führen die Verbindungen der Opfer nach Sommerfuglen einem ehemaligen psychiatrischen Behandlungsinstitut von Kindern und Jugendliche. Was ist damals dort geschehen? Rächt sich jemand an den ehemaligen Mitarbeitern? Kørner und Werner, (die im Hintergrund ohne seine Erlaubnis ermittelt) stechen in ein krankes Gesundheitssystem. Ein System das Betroffene und Angehörige zu tickenden Zeitbomben werden lassen und dabei kommen sie selbst in große Gefahr.

    Meine Meinung:
    Das rote Cover mit dem glänzenden Schmetterling ist für mich etwas Besonderes, da man selten so etwas vom Diogenes Verlag kennt. Dies ist der dritte Band der Kørner /Werner Reihe, für mich allerdings der erste da ich die Autorin bisher nicht kannte. Ich habe ja immer so meine Probleme mit skandinavischen Krimis und auch hier hatte ich zu Anfang Mühe in das Buch zu kommen. Den die Autorin stellt zu Beginn ihre ganzen Charaktere vor, die sie in die Geschichte einfließen lässt. Da ist natürlich jemand, der diese Reihe schon kennt sicher im Vorteil, weil er einige Personen schon kennt. Im dann Plot packt die Autorin ein wirklich heißes Eisen an, den es geht um das dänische Gesundheitswesen, insbesondere um eine psychische Behandlungseinrichtung. Bei dieser kam es damals zu einem mysteriösen Selbstmord einer Jugendlichen und einem Unfall eines Mitarbeiters, ehe sie dann geschlossen wurde. Jahre später werden nun ehemalige Mitarbeiter brutal ermordet aufgefunden. Erschreckt hat mich besonders, wie man mit den betroffenen Jugendlichen umgegangen und heute noch umgeht. Wer weiß, wie es bei uns in manchen psychischen Einrichtungen zugeht? Wenn man die ersten 90 Seiten dieses Buches überwunden und sich auf den Schreibstil mit mehreren Handlungssträngen eingelassen hat, dann wird diese Geschichte immer interessanter. Natürlich schildert die Autorin auch einiges aus dem Privatleben der Ermittler, was mich jedoch nicht gestört hat. Gegen Ende steigert sich dann das Ganze zu einem Showdown und einer Auflösung, die mich wirklich überrascht hat. Jeppe Kørner ist mir sofort sympathisch, seine ehrgeizige, kompetente Art hat mir gefallen, auch wenn sein Privatleben momentan eher etwas kompliziert ist. Die junge Mutter Anette Werner kann sich über ihr Babyglück noch nicht recht freuen, ihr fehlt vor allem ihre Arbeit. Deshalb ermittelt sie trotzdem mit im Fall, was Jeppe und ihrem Mann weniger gefällt. Dann gibt es weitere Charaktere, voll Ernsthaftigkeit und Harmonie, doch auch der Humor kommt bei der Autorin nicht zu kurz, was den ganzen Krimi belebt. Insbesondere die detaillierten Recherchen, die hier betrieben wurden, konnte ich sehr gut in dieser Geschichte spüren. Sätze wie diesen:
    "Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der einen Seite des Erdballs einen Orkan auf der anderen auslösen.", haben mich zum Nachdenken gebracht. Dieser Band hat mich definitiv neugierig auf die andern beiden Bücher gemacht. Den ich bin mir sicher, dass ich dann manche Personen noch besser nachvollziehen könnte. Ich jedenfalls kann dieses Buch weiterempfehlen und gebe 5 von 5 Sterne.

  1. Wichtiges Thema aufgegriffen.

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 05. Mär 2020 

    Kurzmeinung: Ermittelt wird im psychiatrischen Umfeld. Der Roman lebt von seiner gesellschaftspolitischen Relevanz.

    In „Glasflügel“ lässt die dänische Autorin ihr Team in der Psychiatrie ermitteln. Genauer gesagt, geht es um junge Menschen, deren Verhaltensauffälligkeit so groß ist, dass sie sich nicht in die „normale“ Gesellschaft eingliedern können. Das ist ein wichtiges Thema. Wie geht man mit diesen Menschen um? Wie kann man ihnen helfen? Wie begegnet man ihnen? Wie sieht es in ihnen aus? Die Autorin hat insoweit mit Einfühlungsvermögen geschrieben und hier und da Innensicht gewährt. Das ist das überaus große Plus dieses Romans. Wenn die Autorin überhaupt Figuren mit Charakter geschaffen hat, ist dies am ehesten bei den betreffenden Jugendlichen gelungen.

    Die Ermittler geraten nach der dritten Leiche unter Druck. Anette Werner, die Partnerin von Jeppe, ist in Mutterschutz. Und Jeppe arbeitet mit dem dicken Falk zusammen. Bald ergründen sie, was „damals“ in der privat geführten psychiatrischen Betreuungsanstalt „Sommerfuglen“ passiert ist. Denn dorthin deuten alles Spuren.

    Die Kritik:

    Katrine Engbergs Roman lebt nicht direkt von dezdiert ausgearbeiteten Charakteren. Das kann man leider nicht sagen. Die meisten Figuren sind nur schematisch dargestellt, skizzenhaft. Eine Ausnahme mögen die Jugendlichen bilden, doch Verdächtige und Ermittler sind nur grob modelliert.

    Der Roman lebt ganz vom Milieu, in dem der Fall spielt, ein Fall, der sehr nett aufgebaut und einigermassen logisch ausgearbeitet ist, den informationsgebenden Dialogen und von einer Schreibe, die versucht, das nächste sprachliche Level zu erklimmen. So versucht Engberg sich an Beschreibungen und gelegentlich poetischen Betrachtungen über Kopenhagen oder die Liebe oder das Leben. Oder die Landschaft. Doch hat man das Gefühl, sie setze jedesmal neu an, wenn ein nächster Absatz kommt, jedesmal eine Art Neuanfang des Romans.

    Den stark hauptsatzlastigen Stil Engbergs verwendet man durchaus um Atemlosigkeit und Spannung zu erzeugen, aber um das sprachliche Niveau entscheidend zu heben, hätte es in den beschaulicheren Teilen durchaus auch längere Sätze gebraucht und Konjunktionen, die alles als Schmiermittel verbinden und einen flüssigen Lesesatz entstehen lassen. Ein richtiger Leseflow aber entsteht bei „Glasflügel“ nicht, es wirkt alles ein wenig bemüht. Am Sprachgebrauch gibt es noch einiges zu verbessern, allein wie oft man „gierig“ an Zigaretten gezogen hat oder die Luft einsaugte, läßt schmunzeln. Von den Luftschnappern noch gar nicht zu reden. Doch gehobene Sprache verträgt keine Phrasen. Gar keine.

    Fazit: Durchschnittliches Lesevergnügen mit durchschnittlich nettem Krimi, der sich löblicherweise immer wieder in gehobener Sprache versucht, jedoch auch oft in Phrasen und Floskeln absinkt, was durchaus schade ist. Der Fall spielt in einem gesellschaftspolitisch relevanten Umfeld, was das Leseinteresse wachhält und auch belohnt, bietet aber dennoch nur „Krimi nach Schema F“ an oder „Krimi von der Stange.“

    Kategorie: Kriminalroman,
    Verlag, Diogenes, 2020

 

Aus den Winterarchiven

Buchseite und Rezensionen zu 'Aus den Winterarchiven' von Merethe Lindstrøm
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(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Aus den Winterarchiven"

Gebundenes Buch
Merethe ist mit ihrer Familie aufs Land gezogen. Hier, am Rand eines Waldes, zwischen endlosen Tagen und Nächten ohne Schlaf, schreibt sie an ihrer Erzählung über Mats, mit dem sie zusammenlebt. Sie erzählt von einer Liebe, die alles in den Schatten stellt. Von der Nähe zu einem Menschen, der nur selten den Wunsch verspürt zu leben. Von der Angst, sich selbst zu verlieren, von der aber noch größeren Bedrohung, den zu verlieren, den sie liebt. Darüber, trotzdem weiterzumachen. Zu leben, zu lieben. Sie will verstehen, und so schreibt sie in immer enger werdenden Kreisen, während die Welt in Kälte und Eis erstarrt. Bis der Winter langsam dem Frühling weicht. Aus den Winterarchiven ist ein sehr eindringlicher, sehr persönlicher Roman. In glasklaren Bildern beschreibt Merethe Lindstrøm das Leben zweier Menschen, die sich in einer existenziellen Not und Hilflosigkeit gegenüber dem Leben befinden.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:294
EAN:9783957576217
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Auf Erden sind wir kurz grandios: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Auf Erden sind wir kurz grandios: Roman' von Ocean Vuong
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Auf Erden sind wir kurz grandios: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
EAN:9783446263895
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Rezensionen zu "Auf Erden sind wir kurz grandios: Roman"

  1. Ich glaube, ich war am Ertrinken.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Nov 2019 

    Ein wirklich interessantes Buch! Ein biographisches Buch. Ein berührendes Buch. Und ebenso ein manchmal erschreckendes Buch. Die Hauptfiguren sind drei vietnamesische Personen, die Großmutter Lan, die Mutter Rose und der Sohn, die Erzählstimme, alle drei sind aus Vietnam in die USA emigriert. Die Emigration und daraus resultierende Probleme sind hier aber nicht das Hauptthema. Das Hauptthema ist das Menschsein und die damit einhergehende Unvollkommenheit, wie die Protagonisten mit ihrer Unvollkommenheit und der, der anderen Mitmenschen leben und umgehen. Die Großmutter Lan, die der Krieg und die folgenden Ereignisse in Vietnam krank gemacht haben, die Mutter Rose, die durch das Erleben um ihre Mutter und ebenso durch das Erleben Vietnams und der Gewalt in diesem Land und ebenso das Erleben einer neuen Welt, der sie ausgeliefert scheint, auch weil sie zu keiner/wenig Kommunikation durch mangelnde Sprachkenntnisse fähig ist, eine Veränderung erfährt, der Sohn, der seine Verwandten erlebt, um seine Herkunft weiß und sich einen Platz im neuen Land sucht und schließlich die Liebe findet, eine homoerotische Liebe, eine besonders für Vietnamesen stigmatisierte Liebe. Ein Buch der leisen Töne, aber manchmal auch mit einer wortgewaltigen Kraft, die den Leser schier umhaut. Chronologisch nicht geordnet, springen die Gedankengänge des Sohnes hin und her, er schreibt einen Brief an seine englisch nicht beherrschende Mutter und schildert seine Gedanken zu Familie, Leben und Liebe, Gedanken, die er ihr verbal schlecht mitteilen kann und nach und nach, in verschiedenen Fetzen, entsteht die Lebensgeschichte der drei tragenden Personen. Und damit auch die Lebensgeschichte Ocean Vuongs, den Autobiographisches trägt dieses Buch ungemein und ich finde auch die Namensgebung des Autors sehr aussagekräftig. Für diese Geschichte gebührt dem Autor und seiner Familie tosender Beifall. Dieses teilweise sehr unzusammenhängende hat mir das Lesen etwas schwer gemacht, aber die lyrische Kraft in den Worten von Ocean Vuong, die immer wieder durchschimmert und auflodert, entschädigt ungemein und spricht von einem äußerst interessanten Autor. Bisher hat der Autor nur Poesie herausgebracht, "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist sein erster Roman. Ein interessantes Werk! Wenn er es in meinen Augen in der Zukunft schafft, seine Geschichte etwas mehr zu bündeln, mehr einen Erzählfluss zu erschaffen, wird er noch ein ganz Großer werden. Aber auch jetzt ist dieses Buch ein sehr lesenswertes. Und auch hier kann ich nur sagen: Lesen!, aber durch die sehr fragmentarische Schreibweise polarisiert dieses Buch seine Leser und diesen Sachverhalt sollte der geneigte Leser sich vor Augen führen.

  1. „Little Dog“ ist ein Junge

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Jul 2019 

    „Little Dog“ ist ein Junge vietnamesischer Abstammung. Er wächst mit der psychisch labilen Großmutter Lan und seiner Mutter Rose in Hartford, Connecticut, auf. Die Mutter ist Analphabetin, überarbeitet. Das Leben der Familie ist geprägt von Armut und Alltagsrassismus.

    „Auf Erden sind wir kurz grandios“ ist ein Brief, den der Sohn schreibt. Ein sehr langer Brief, an eine Mutter, die nicht lesen kann. Er schreibt über seine Kindheit und Jugend, aber auch über das Leben von Großmutter und Mutter während des Krieges in Vietnam. Die Männer in dieser Familie stehen für Krieg und Gewalt, namenlose Soldaten, schlagende Ehemänner. Rose ist das Produkt dieses Krieges, ein Überbleibsel. In Amerika, entwurzelt, ohne Sprachkenntnisse bleibt ihr oft nur die Sprache der Gewalt, um ihren Sohn zu erziehen.

    „Du weißt ja, dass in dem Dorf, wo Lan aufgewachsen ist, ein Kind, meist das kleinste oder schwächste der ganzen Schar, nach den schändlichsten Dingen benannt wird…“ „Little Dog“ ist ein sehr schmächtiger Junge, in einem „queeren Körper“, wie er selber über sich sagt. So gesehen ist es noch liebevoll, wie ein kleiner Hund gerufen zu werden.

    Ocean Vuong debütiert mit diesem Roman auf einzigartige Weise. Es ist kein einfacher Text, inhaltlich, stilistisch und sprachlich. Der Autor lässt seinen Protagonisten erzählen, kurz und grandios, er zeigt wie schmal der Grat des Lebens ist, wie nahe sich gegensätzliche Gefühle sein können: Liebe und Hass, Schläge und Zärtlichkeit, Sprache und Verstummen, Verlangen und Verzweiflung.

    Er schreibt über Wurzeln und Heimat, über ein (Über)leben in der Fremde, die zur Heimat werden soll, während die Herkunft fremd wird.
    Sprache, Fremdsprache, Muttersprache, das sind ganz wesentliche Elemente in diesem Buch. Ocean Vuong ziseliert manches Mal ganz kleine Feinheiten, und manches Mal wirft er Wort, wie Felsbrocken, hart und wuchtig in den Text.

    „Ich schreibe, weil man mir gesagt hat, niemals einen Satz mit weil zu anzufangen. Aber ich wollte keinen Satz bilden – ich wollte freikommen. Weil Freiheit, so heißt es, nur der Abstand zwischen dem Raubtier und seiner Beute ist.“ In Little Dogs Vorfahren steckt noch der Krieg.Er selbst sucht nach Freiheit, nicht nur eine physische, sondern auch die Freiheit zu denken was, zu lieben wen, zu sein wer und wie man will. …und es manchmal zum frei sein reicht, wenn man die Gitterstäbe des Käfigs, der einen umschließt nicht sieht.

 

Patchwork

Buchseite und Rezensionen zu 'Patchwork' von Ulrike Infante
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Patchwork"

Format:Taschenbuch
Seiten:80
EAN:9783954886739
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Rezensionen zu "Patchwork"

  1. Einblicke...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Okt 2017 

    Ulrike Infante wollte mit ihrer Geschichte der Öffentlichkeit begegnen. Es war ihr wichtig, dass die Menschen erfahren und anerkennen, welche Kraft sie täglich aufbringen musste, um als Mitglied unserer Gesellschaft respektiert zu werden. Im Jahre 1991 wurde sie aufgrund ihrer Schizophrenie invalidisiert.

    In Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Aufsätzen und Gedichten erzählt sie aus ihrem Leben, das sich zwischen Hochgefühl, lähmender Antriebslosigkeit und Wahn bewegte. Die Briefe erlauben einen Einblick in ihre letzten Lebensjahre. In den anderen Texten begegnet man der früheren Ulrike, die Träume und Ziele wie viele junge Frauen hatte.

    Obwohl ihr psychisches Leiden ihren Lebensentwurf immer wieder durchkreuzte, blieb sie eine engagierte Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft suchte und sich stets neu erkämpfen musste. In der ehemaligen DDR als Studentin, Dolmetscherin, Geliebte und Frau eines peruanischen Mannes, nach der Wiedervereinigung als Mutter und auch als psychisch Kranke.

    Ulrike Infante verstarb kurz vor Veröffentilchung ihres Buches im Alter von fünfzig Jahren.

    "Mit zweiundzwanzig Jahren wurde ich schwer krank und musste lange Zeit in einer psychiatrischen Klinik bleiben. Mir gefiel nicht, dass andere über psychisch kranke Menschen berichteten, ich wollte es selbst schaffen, ein Buch zu schreiben. Heute weiß ich, dass Schreiben hilft, zu leben." (Ulrike Infante)

    Gerade Schizophrenie ist eine Erkrankung, in die ich mich persönlich nicht hineinversetzen kann. Da ich immer wieder auch mit Müttern zu tun habe, die an Schizophrenie erkrankt sind, war ich sehr neugierig auf dieses Buch - auf die Schilderungen, auf die Einblicke in das Innenleben einer betroffenen Frau.

    Interessant war die Lektüre allemal. Nicht wirklich chronologisch angeordent, taucht der Leser ein in Briefe, Tagebuchnotizen und Gedichte, die den jeweiligen Zustand der Autorin dokumentieren. Dabei entblättert sich jedoch in erster Linie einfach - ein Leben. Urike Infante als Frau mit Sehnsüchten und Ängsten, mit einer Begabung für Sprachen und Sprache, mit einer Liebe zur Literatur und Theater, mit einer Tochter, die in Peru bei ihrem Vater aufwuchs.

    "Ich will ohne weitere Medikamente leben, solange es geht. Ich will nicht gedämpft vor mich hin starren und sagen, es geht mir gut. Ich will die Zeit intensiv erleben."

    Immer wieder schreibt die Autorin von einer Antriebslosigkeit, von dem Gefühl, ständig beobachtet zu werden, nicht wirklich in der Welt zu sein. Um so erstaunlicher, dass die konkrete Diagnose erst im Alter von 27 Jahren gestellt wurde. Die Schilderungen der Symptome erfolgen jedoch meist im Nachhinein, nach dem Abklingen, eher distanziert, aus der Beobachterperspektive, oft nur kurz angedeutet. Es fällt mir also nach wie vor schwer, mir das eigentliche Erleben bei einer Schizophrenie vorzustellen.

    Der Leser erfährt nicht, woran Ulrike Infante gestorben ist. Für die, die ihr nahestanden - allen voran ihre Tochter - ist dieses Buch jedoch ein tröstliches Vermächtnis, ein überaus persönliches. Und ein mutiges. Denn es gehört Mut dazu, seine psychische Erkrankung zu veröffentlichen. Dafür meine Hochachtung!

    © Parden

 

Ich will doch bloß sterben, Papa

Buchseite und Rezensionen zu 'Ich will doch bloß sterben, Papa' von Michael Schofield
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ich will doch bloß sterben, Papa"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:336
Verlag: Kösel-Verlag
EAN:9783466309948
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Rezensionen zu "Ich will doch bloß sterben, Papa"

  1. Man sollte das Buch unbedingt zu Ende lesen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Aug 2015 

    Als Michael und Susan Schofield Eltern der kleinen January werden, ist ihr Glück perfekt. Doch es ist nur von kurzer Dauer. Von Anfang an ist Janni anders. Sie schläft als Säugling höchstens 4 - 5 Stunden am Tag und die nur in 20 Minuten Etappen. Die Eltern sind verzweifelt und merken sehr schnell, dass Janni ständig beschäftigt werden muss. Doch ihr Verhalten wird immer seltsamer und bald ist Janni ständig beim Arzt. Die Eltern denken, ein Geschwisterchen würde ihrer Tochter gut tun, doch von Anfang an ist Janni schrecklich aggressiv gegen ihren Bruder Bodhi. Mit 4 Jahren war das Mädchen schon mehrmals in der Psychiatrie, weil sie ständig versucht Leute zu verletzen. Die Eltern sind am Ende ihrer Kräfte. Mit sechs Jahren bekommen sie dann endlich eine Diagnose: Schizophrenie! Die Eltern sind verzweifelt, denn Schizophrenie ist die schlimmste der psychischen Erkrankungen und nicht heilbar. In dem Buch "Ich will doch nur sterben, Papa" hat Michael Schofield ihren Leidensweg aufgeschrieben.

    Der Klappentext des Buches war schon ziemlich erschreckend und ich fragte mich, ob so ein kleines Kind wirklich schon an Schizophrenie erkrankt sein kann. Kann man damit geboren werden? Als ich dann anfing zu lesen, war ich schnell entsetzt. Nicht wegen Janni, die sich später nur noch Jani nennt und hysterisch wird, wenn sie jemand mit January anspricht, sondern wegen ihren Eltern. Von Anfang an setzten sie dem Mädchen keinerlei Grenzen. Ließen sich von ihre schlagen und verletzen und erfüllten ihr sofort jeden Wunsch, damit sie keine Tobsuchtsanfälle bekommt. Zu dem Zeitpunkt war ich der absoluten Meinung, dass die Eltern selbst an Janis Verhalten schuld wären.

    Es wurde noch viel schlimmer, denn es kamen einige Dinge ans Licht, die Michael verbockt hat und die waren einfach bestürzend. Außerdem dachte der Vater er wäre der Nabel der Welt und der Einzige, der mit Jani zurecht kommt. Alle anderen waren Idioten, weil sie nicht sofort Janis Genie erkannten oder sie behandelten wie ein "normales" Kind. Egal was Jani auch tat, es hieß von Michael, dass sie schließlich ein Genie mit einem IQ von 146 ist. Da brauchte das Mädchen keine Umgangsformen und musste auch nicht nett zu anderen Kindern sein, weil die ihr ja sowieso komplett unterlegen waren. Ich war oft so richtig wütend beim Lesen.

    Aber je weiter ich in dem Buch kam, desto mehr Mitleid empfand ich für diese Familie. Sie haben wirklich sehr schlimme Zeiten hinter sich und es wurde immer deutlicher, dass Jani an Schizophrenie leidet. Sie hatte ständig Halluzinationen, konnte sie aber nicht als solche erkennen, weil es ihr ja von Geburt an so ging. Was für ein schlimmes Schicksal das doch ist.

    Jedem, der das Buch gelesen hat empfehle ich, die Filme über die Familie auf YouTube zu schauen. Denn auch der Sohn Bodhi ist wohl an Schizophrenie erkrankt. Wie verkraften das die Eltern nur? Sie haben keine freie Sekunde und leben nur in ständiger Angst um ihre Kinder.

    Es ist sehr schwer dieses Buch zu bewerten. Die Familie macht schreckliches durch, auch wenn der Vater oft ein Idiot ist. Wir viele Punkte soll man dafür vergeben? Immerhin ist Michael so ehrlich und schreibt auch über sein und Susans Versagen. Über ihre Hilflosigkeit und der fehlenden Hilfe von Seiten des Staates. Nach langem Überlegen habe ich mich jetzt entschlossen 4 von 5 Punkte zu vergeben, denn vielleicht kann das Buch anderen Eltern von psychisch erkrankten Kindern Mut machen. Ich bin jedenfalls froh, diese Geschichte gelesen zu haben, denn es zeigte mir wieder wie viel Glück es doch ist gesunde Kinder zu haben.

    © Beate Senft