Sara auf der Suche nach Normal

Buchseite und Rezensionen zu 'Sara auf der Suche nach Normal' von Wesley King
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sara auf der Suche nach Normal"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag: Magellan GmbH
EAN:9783734847301

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

  1. Tolles Jugendbuch, was auch schwere Themen aufarbeitet

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Mär 2021 

    „Sara auf der Suche nach Normal“ von Wesley King ist ein etwas anderer Jugendroman. Im Fokus steht die junge Sara, die so ziemlich jede psychische Erkrankung hat, die ich kenne. Das sind zugegebenermaßen nicht viele, aber genug, um Sara das Leben schwer zu machen. Dabei möchte Sara doch nichts lieber als normal sein. Aber was bedeutet normal sein? Sara ist sie da nicht immer sicher. Daher führt sie darüber Buch bzw. sammelt regeln für’s „normal sein“. Eine wesentliche Regel, um normal zu sein, ist es sich mit jemanden anzufreunden. Das ist allerdings nicht besonders einfach, wenn man sehr schüchtern ist und kaum spricht. Eines Tages lern Sara Erin kennen, die ihr erklärt, dass es gar kein „normal“ gibt.
    Mit „Sara auf der Suche nach Normal“ ist Wesely King ein sehr charmanter Jungenroman gelungen, der psychische Erkrankungen thematisiert. Ich finde das wunderbar, denn im Leben ist nicht immer alles rosa mit Wölkchen. Zudem hat Wesley King durch seinen Schreibstil und seiner zauberhaft pragmatischen Sara einen wunderbaren Charakter geschaffen, um auch jungen Lesern Einblick in das Thema zu geben. Insbesondere Saras Gefühle, wenn sie beschimpft und ausgegrenzt wurde, haben mich zutiefst berührt.
    Besonders gefallen hat mir aber Saras Entwicklung über die Seiten hinweg. Ihre neuen Freunde und Bekanntschaften ecken ganz andere Seiten an ihr. Zu Beginn hätte ich ihr nicht zugetraut, dass sie so für ihre Freunde eintritt. Als weiterer Hauptcharakter hat mir Erin sehr gut gefallen. Sie hat in vielerlei Hinsicht eine ganz andere Meinung wie Sara, was den Leser zum nachdenken anregt. Wenn die beiden sich über das „Normal sein“ unterhalten, liest es sich manchmal eher wie ein innerer Konflikt von jemanden, der sich differenziert mit dem Begriff beschäftigt.
    Total niedlich fand ich wie bestimmte Themen im Buch verpackt wurden. Egal ob Blauwalin oder Sternenkinder. Wesley King weiß sich auszudrücken und schwere Themen konsumierbar und Lesergerecht zu verpacken. Auch toll fand ich den Querverweis auf Daniel. Da mir Sara so gut gefallen hat, habe ich nach weiteren Büchern von Wesley King gesucht und bin auf Daniel is Different gestoßen. Jetzt weiß ich ja auch von welchem Daniel die rede ist.
    Von mir gibt es für „Sara auf der Suche nach normal“ eine klare Kaufempfehlung.

 

Das alles ist Familie

Buchseite und Rezensionen zu 'Das alles ist Familie' von Michael Engler
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das alles ist Familie"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:32
EAN:9783845837062

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Das alles ist Familie"

  1. Kindgerechte Diversität

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mär 2021 

    Inhalt: „Das alles ist Familie“ wurde von Michael Engler erzählt und von Julianna Swaney gezichnet. Dieses Kinderbuch ist am 01.02.2021 bei arsEdition erschienen.
    Lars findet ein Päckchen. Adressiert ist es „An Familie“ und den Rest kann man dank des Regens nicht mehr erkennen. Gemeinsam mit seiner jungen Nachbarin Lina macht er sich auf die Suche nach der Familie, der das Päckchen gehört. Die beiden lernen die Nachbarschaft kennen und wie eine Familie aussehen kann.
    Einen besseren Titel für dieses Buch gibt es wohl nicht. Er ist kindgerecht und gibt den Inhalt des Buches wieder. Die Farben des Titels sind genauso bunt wie die unterschiedlichen Familienformen. Auch auf dem Cover kann man schon Diversität in der Nachbarschaft erkennen. Diversität ist genau das, worum es in diesem Buch geht. Es geht nicht nur um verschiedene Familienformen, sondern auch um die Diversitäten vom Mensch an sich. Lars und Lina treffen nicht nur auf Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Eltern und auf Adoptiveltern, sondern auch auf Familien mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Es gibt auch ein Kind, das im Rollstuhl sitzt. Im Vordergrund steht natürlich die Suche nach dem Besitzer des Päckchens. So lernt man spielerisch an jeder Haustüre andere Menschen und Familienkonstellationen kennen.

    Fazit: Ich absolviere gerade meine Ausbildung zur Kinderpflegerin. Noch nie habe ich im Kindergarten ein so diverses Buch entdeckt. Leider sind die meisten Bücher mit Menschen nicht wirklich divers. Ich finde das sehr schade, da ich es wichtig finde den Kindern von Anfang an zu zeigen, dass jeder Mensch und jede Familie anders ist. Dieses Buch bietet einiges an Gesprächsstoff mit den Kindern. Man kann schauen, welche Familienkonstellationen man schon kennt und in welchen Personen oder Charakteren die Kinder sich wiederfinden. Hier fühlt sich sicherlich kein Kind bei ausgeschlossen! Das Buch zeigt hervorragend, dass Diversität in Kinderbüchern gar nicht so schwierig ist und, dass es für den Begriff Familie keine festen Regeln gibt. Ich finde, dass dieses Buch für jedes Kind geeignet ist und es bei keinem Kind fehlen darf!

 

Trennung in 10 Tagen

Buchseite und Rezensionen zu 'Trennung in 10 Tagen' von Frank Osbuch
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Trennung in 10 Tagen"

Jeder von uns hat schon eine Trennung hinter sich – man passt nicht recht in das eigene Leben und der Fokus ist immer auf die grade verlorene Beziehung gerichtet. Nie, absolut nie, hat ein anderer Mensch, so gelitten wie man selbst gerade und der beste aller möglichen Partner, ist von uns gegangen… Besonders Begabte reden sich auch gern die Schuld an der Trennung ein. In Frank Osbuchs Roman werden alle Aspekte einer zeitgemäßen Trennung und Liebeskummer betrachtet und in 10 Tagen humorvoll verarbeitet. Nie ohne eine Prise bösen Humors und tiefschürfender Männerlogik. Dafür sorgt die facettenreiche, bunte Gedankenwelt von Trennungsopfer Marc. Trennungen von Partner, von Freunden und der Abschied durch den Tod. Marc durchlebt viele Facetten des Abschiednehmens, doch alle mit dem ihm eigenen Witz. Trotzdem legte Frank Osbuch Wert darauf, auch die tatsächlichen Phasen einer Trennung und was sie mit uns anstellen zu analysieren und verständlich zu verpacken. Dieses Buch soll uns unterhalten, es soll uns den Spiegel vorhalten und Lösungen aufzeigen. Nicht mehr, nicht weniger.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:184
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more
 

Die Unzertrennlichen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Unzertrennlichen: Roman' von Stuart Nadler
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Unzertrennlichen: Roman"

Format:Broschiert
Seiten:368
EAN:9783462049886

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more
 

Die Liebe empathischer Menschen

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Liebe empathischer Menschen' von Luca Rohleder
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Liebe empathischer Menschen"

Format:Taschenbuch
Seiten:222
EAN:9783981797589

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Die Liebe empathischer Menschen"

  1. Ernstes Thema und sehr informativ

    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Nov 2019 

    Der Klappentext klingt vielversprechend und macht neugierig auf mehr. Es ist in sehr interessantes Thema, was aber auch sehr komplex ist und was man unbedingt zum zweite mal lesen sollte.

    Die Gestaltung des Buches ist sehr fröhlich, liebevoll macht.

    Das Buchcover ist mega nett gestaltet. Es ist dunkelrot und den mitten sieht man ein Herz. Sehr bunt und sehr auffallend gestaltet, finde ich und es passt perfekt zum Thema.

    Obwohl das Thema interessant ist und man wirklich viel lernen kann, ist es sehr anstrengend bzw komplex geschrieben. Der Leser erfährt, viele Informationen und bekommt somit Beispiele genannt. Was ich schon ahnte, aber mich überrascht ist, dass auch Beziehungen uns schwer krank machen können. Der Autor stellt die vielen Punkten vor, kam mir aber vor, als würde ich in der Schule sitzen, statt ein Buch zu lesen und zu lernen. Manche Bücher, die ich zu den spirituellen Büchern lese, sind immer sehr humorvoll und witzig und sehr leicht geschrieben. Hier fehlte für mich ein wenig die Leichtigkeit Zum Beispiel sagte der Autor: „Und jetzt kommen wir zum nächsten Thema.“ Ich als Leserin fühlte mich wie eine Schülerin. Das erzeugte für mich keine Spannung oder Neugierde, sondern eher so wie „wir müssen weiter lernen.“ Es gab zu jedem Kapitel ein Fazit, was ich sehr gut fand.

    Die Idee mit dem Partner darüber reden ist klasse, vor allem wenn man „gekränkt ist“, allerdings hatte das für mich nichts mit einer wahren Liebe zu tun. Bei einer wahren Liebe ist für mich, dass zwei Persönlichkeiten zusammen sind und nicht wie zwei Liebesbessene. Die beiden Personen haben ihren eigenen Freiheiten und entwickeln sich frei. Nicht das sie nachher „C.O Abhängig“ werden. Aber zu dem Thema gibt es bestimmt auch noch Bücher dazu.

    Alles in allem, hat mir das Buch gut gefallen. Ich werde das Buch nochmal lesen müssen, um die Zusammenhänge zu verstehen, denn dies ist wirklich ein komplexes Thema.

 

Über die Grenze

Buchseite und Rezensionen zu 'Über die Grenze' von Maja Lunde
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Über die Grenze"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:192
Verlag: Urachhaus
EAN:9783825151515

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Über die Grenze"

  1. Ernstes Thema kindgerecht erzählt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Nov 2019 

    "Über die Grenze" erzählt die Geschichte der zehnjährigen Gerda, die 1942 zusammen mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Otto zwei jüdische Geschwister Daniel und Sarah von Norwegen über die Grenze nach Schweden bringen möchte, wo deren Vater auf sie wartet.

    Die vier Kinder sind lebensecht dargestellt und handeln wie Kinder dieses Alters. Manchmal sind sie zu vertrauensseelig, auf der anderen Seite aber nicht voreingenomen wie manche Erwachsene, sondern gehen offen durch die Welt. Die Charaktere Gerda, Otto und Daniel sind dreidimensional beschrieben und sehr verschieden. Während Gerda quirlig, abenteuerlustig und mutig ist, verhält sich ihr Bruder zurückhaltend und ist sehr schlau.

    Die Flucht ist spannend. Immer wieder geraten die Vier in Gefahr und müssen verschiedene Schwierigkeiten bewältigen. Einfühlsam und kindgerecht stellt Maja Lunde das Thema Judenverfolgung dar. Man erlebt, was es heißt, auf der Flucht zu sein und um sein Leben oder das anderer zu fürchten.

    Die Sprache ist einfach und bildhaft, sodass Kinder ab neun Jahren der Geschichte gut folgen können. Schöne und einfach gehaltene Illustrationen durchbrechen den Textfluss.

    Fazit:

    Einfühlsam und kindgerecht erzählt die Bestsellerautorin Maja Lunde von vier Kindern, die von Norwegen nach Schweden flüchten, und dabei so einigen Gefahren trotzen müssen.

  1. Glaub an dich selbst und du kannst alles schaffen!

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Okt 2019 

    Maja Lunde kennt man ja eher von ihren Erwachsenenbüchern, die auf den Zustand des Klimas aufmerksam machen. Hier schlägt sie einen ganz anderen Weg ein, was mir richtig gut gefiel.

    In der Geschichte geht es um Gerda, die Abenteuergeschichten über alles liebt. Doch dann erwartet sie ein echtes Abenteuer, denn Sarah und Daniel sind Juden und brauchen ihre Hilfe. Gemeinsam begeben die Kinder sich auf die Flucht, doch werden sie diese waghalsige Aktion wirklich meistern können?

    Gerda fungiert in der Geschichte als Ich- Erzählerin und schildert ihr Leben, welches sie mit ihrem älteren Bruder Otto führt. An ihr hat mir vor allem ihr Mut und ihre Abenteuerlust gefallen. Sie geht gerne Risiken ein, um ihre Ziele zu erreichen. Ihren Bruder Otto, der das genaue Gegenteil ist, kann sie nicht so gut leiden.

    Mir hat richtig gut gefallen, dass der Fokus nicht nur allein auf der Flucht lag, sondern dass auch die Streitereien zwischen den Geschwistern beleuchtet werden, denn dadurch wirkt die Handlung noch realer. Ansonsten wird die Flucht spannend geschildert, so dass man nicht weiß, ob der Plan wirklich gelingt.

    Besonders empfand ich zudem, dass die Geschichte mal nicht in Deutschland spielt wie so viele andere, sondern im besetzten Norwegen. Schnell vergisst man, dass zu der Zeit der rechte Terror in vielen Ländern herrschte und die Juden auf der Flucht waren.

    Das sehr ernste Thema wird in meinen Augen sehr kindgerecht erzählt, so dass die Vergangenheit auch für die Generation Smartphone greifbar und verständlich ist.

    An jedem Kapitelanfang sorgen Zeichnungen zur Handlung für zusätzliche Unterhaltung, denn so können sich die Kinder das Gelesene noch besser vorstellen.

    Fazit: Für geschichtsinteressierte Kinder und Leseratten genau das Richtige. Lesemuffel werden das Buch wahrscheinlich als zu langweilig empfinden, da man schon Interesse an der Thematik mitbringen sollte.

 

Durch die Nacht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Durch die Nacht: Roman' von Stig Sæterbakken
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Durch die Nacht: Roman"

»Einer der wichtigsten Autoren meiner Generation« Karl Ove Knausgård

Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein durch und durch bürgerliches Leben. Doch als sein erst achtzehnjähriger Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, droht es die Familie zu zerreißen. Karls Frau Eva steht unter Schock, die Tochter Stine verstummt. Auch Karl ist in seiner Trauer gefangen. Er denkt zurück an sein Kind, vor allem aber an das, was die Familie schon vor dessen Tod auf eine Belastungsprobe stellte: Karls Liebschaft mit der deutlich jüngeren Mona. Ist es diese Affäre, die Ole-Jakob in den Tod getrieben hat? Die Schuldfrage steht im Raum – und Karl läuft davon.
Er begibt sich auf eine Reise in die Slowakei. Dort hofft er, Erlösung zu finden: in einem Haus, in dem man, so heißt es, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird – und das man entweder geheilt oder gebrochen verlässt.
›Durch die Nacht‹ ist die Anatomie eines Trauerprozesses und ein Buch, das unter die Haut geht. Stig Sæterbakken schont seine Leser nicht. Dieser so dringlich erzählte Roman schildert die Abgründe, die in uns allen lauern, und wie leicht wir die verletzen, die uns nahestehen.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:289
EAN:

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Durch die Nacht: Roman"

  1. „Die Welt verhöhnte uns.“

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Okt 2019 

    Karl und Eva führen eine Bilderbuchehe, mit den zwei gemeinsamen Kindern Ole-Jakob und Stine. Da ist ganz viel Liebe, das spürt man beim Lesen immer wieder, doch dann gerät alles aus dem Ruder: Karl verlässt die Familie für ein junges Mädchen, tauscht Liebe gegen flüchtige Lust. Wenig später ist Ole-Jakob tot, vermutlich Suizid, und hinterlässt die Hinterbliebenen mit quälenden Fragen.

    Wer ist schuld? Karl flieht vor dieser Frage, flieht vor sich selbst.

    Stig Sæterbakken erzählt die Geschichte einer Familie, die nach dem Selbstmord des 18-jährigen Sohnes Stück für Stück zerbricht. „Durch die Nacht“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Schattengründe von Schuld, Trauer, Scham und Zorn, und das ist keine leichte Kost – umso verstörender, wenn man weiß, dass sich der Autor 2012 das Leben nahm, ein Jahr nach Erscheinen des Romans.

    Wer selbst schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat – vor allem zu jung, vor allem unerwartet –, kennt dieses Gefühl der fassungslosen Trauer, das hier geradezu die Seiten tränkt. Wie man neben sich steht. Wie man den Eindruck hat, dass die ganze Welt aus dem Takt geraten ist, während man selber versucht, wieder Halt zu finden.

    Die Trauer des Lesers, selbst wenn sie nur noch als leises Echo widerhallt, gibt dieser Geschichte einen tiefen Resonanzboden, und das macht sie in meinen Augen so universell und zeitlos.

    Schon nach wenigen Seiten beschlich mich das Gefühl, dass ich leicht den Tritt verlor, auf trügerischem Gelände ins Rutschen kam. Für einen Augenblick gefangen zwischen dem Impuls, das Buch zur Seite zu legen, und dem, mich fallen zu lassen, las ich dann doch direkt weiter – in der dumpfen Erwartung, dass das Buch den emotionalen Tiefpunkt noch lange nicht erreicht hatte.

    Und damit lag ich richtig.

    Der Autor schont weder seine Charaktere noch den Leser (und beim Schreiben sicher auch sich selber nicht).

    Zitat:
    „Kälte kam und ging. Wärme kam nie. Es gab nur Kälte und die Abwesenheit von Kälte.“

    Dennoch will man wissen, muss man wissen, wie es weitergeht. ‚Sogwirkung‘ ist ein überstrapazierter Begriff, aber er trifft es am ehesten: dieses Gefühl der Unvermeidlichkeit und gleichzeitig der gespannten Erwartung.

    Sæterbakken schreibt Charaktere, die man sicher nicht immer mögen muss, die sich aber geradezu schmerzhaft authentisch lesen. Selbst in ihren Fehlern und Schwächen sind sie einfach durch und durch menschlich – man kann ihnen als Leser daher alles verzeihen, auch wenn sie sich selbst rein gar nicht verzeihen können.

    Zitat:
    „Tausend Mal am Tag vergaß ich, dass Ole-Jakob tot war. Tausend Mal am Tag fiel es mir plötzlich ein. Beides war unerträglich.“

    Besonders Karl, der trauernde Vater, ist sicher kein strahlender Held. Er setzt seine Familie auf Spiel, wirft die Liebe seines Lebens weg, und wofür? Für eine Affäre, die nicht mehr ist als eine erotische Stichflamme, eine oberflächliche, kurzlebige Verliebtheit. Und dann ist es passiert: Ole-Jakob ist tot und Karl muss sich fragen, ob er seinen Sohn in den Selbstmord getrieben hat. Dennoch konnte ich für ihn nichts empfinden außer ehrliches Mitleid und den Wunsch, er möge in irgendeiner Form seinen Frieden finden – angesichts seiner Trauer wird alles andere bedeutungslos.

    Zitat:
    „Während ich so dastand, ging die Sonne unter, und es wurde Nacht. Seitdem ist Nacht.“

    Tatsächlich verliert er jedoch den Halt und damit jeden Bezug zur Realität.

    Denn sein Freund Boris erzählt ihm von einem Haus in der Slowakei, das man als geläuterter Mensch verlässt – sofern man es im Vollbesitz der geistigen Kräfte überlebt, was nicht gewährleistet ist. Urban Legend? Schauergeschichte? Ammenmärchen? Egal. Karl sieht nur noch diese eine Möglichkeit, die quälenden Schuldgefühle hinter sich zu lassen. So oder so.

    Er bricht auf, dieses Haus zu suchen – den Ort, wo „Hoffnung zu Staub wird“. Die Handlung kippt, während Karl sich zunehmend in Selbstauflösung befindet. Was danach wirklich passiert und was seiner wahnhaften Depression entsprungen ist, dessen kann man sich als Leser nie hundertprozentig gewiss sein.

    Die Geschehnisse lesen sich zunehmend unwirklich und alptraumhaft, Kafka und Edgar Allan Poe lassen grüßen.
    Sæterbakken balanciert gekonnt zwischen Realität und Surrealität, mit ausdrucksstarken Worten voller Dringlichkeit und Atmosphäre. Einfache Antworten liefert er nicht – tatsächlich fühlte ich mich vom Ende im ersten Moment geradezu vor den Kopf gestoßen! –, dafür aber eine Vielzahl möglicher Interpretationen. Zentral steht meines Erachtens auf jeden Fall die Frage, was der Selbstmord eines geliebten Menschen im Leben der Hinterbliebenen anrichtet.

    FAZIT

    Ole-Jakob war erst 18, doch Ole-Jakob ist tot. Zurück bleiben seine Eltern und seine Schwester, die sich fragen müssen, warum er außer dem Freitod keine Lösung sah. Vater Karl geht zugrunde an seiner Schuld, als sein bester Freund ihm von einem geheimnisvollen Haus erzählt, das jeden Besucher von seinen tiefsten Ängsten läutert – oder ihn in den Wahnsinn treibt. Verzweifelt bricht Karl auf zu einer Reise, bei der es für ihn um alles oder nichts geht.

    Das Buch hat mich zutiefst erschüttert – nicht nur, weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass sich der Autor etwa ein Jahr nach Veröffentlichung das Leben nahm. Es ist schon ungeachtet dessen sicher keine leichte Lektüre für nebenher. Zum einen atmen die Worte geradezu Trauer und Schmerz, und zum anderen nimmt die Geschichte immer surrealere Wendungen – bis hin zu einem Ende, nach dem ich alles hinterfragte, was ich über die Geschichte zu wissen glaubte.

    Ich erwäge, das Buch direkt noch einmal zu lesen, um zu schauen, wo und wie sich dieses Ende angekündigt hat. Noch einmal durch die Nacht.

    #ThePassionWeShare
    #ReadingThroughTheNight
    #DurchDieNachtLesen

 

Frau im Dunkeln: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Frau im Dunkeln: Roman' von Elena Ferrante
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Frau im Dunkeln: Roman"

Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen – an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter ...


Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:188
EAN:

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Frau im Dunkeln: Roman"

  1. Goldene Himbeere ganz klar

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 08. Feb 2020 

    Mein Fazit vorab: Das Geld sollte man sich wirklich sparen. Ich bin eigentlich grosser Ferrante Fan, finde sowohl die Themen als auch den Schreibstil fein, tiefgründig, lesenswert, immer... Bis jetzt!
    Das vorliegende Werk, puh... Das Cover und das Papier sind gewohnt schön, es gibt ein Lesebändchen, gut, die Sprache ist Ferrantegemäß schön flüssig zu lesen... That's aber auch all.
    Dass eine fast fünfzigjährige Professorin , die alleinstehend in den Strandurlaub reist um zu arbeiten/auszuspannen/raus zu sein und es stattdessen nötig hat, selbstgefällig über andere anwesende Strandgäste zu urteilen und einer Vierjährigen ihre heißgeliebte Puppe zu stehlen und sich daran ergötzt, ekelhaft. Mit ebensolcher Leichtigkeit und Selbstgefälligkeit erzählt sie in ihrer Geschichte, dass sie ihre Kinder früher für ganze drei Jahre wortlos verließ, einfach so, aus purer Eigenliebe und weil sie sich doch lieber noch ein bisschen mehr entwickeln wollte und überhaupt ihren Mann sowieso ja nicht mehr so liebt... Sorry dafür fehlt mir leider vollkommen das Verständnis. Es gab ersichtlich in ihrer Reflexion weder Leidensdruck, noch Depression, die eine Begründung ansatzweise hätten nachvollziehbar machen können. Keine Geldsorgen, keine eheliche Gewalt, die man als Ursache ihres Verhalten hätte erkennen können, nö nur Eigenliebe. Was will die Schriftstellerin denn damit ausdrücken, bitte? Dass es vollständig gleichgültig ist, Verantwortung zu haben für kleine Menschen, dass man auch eine Ehe, alles einfach aus einer blossen Laune der Eigenliebe heraus einfach so hinter sich lassen kann, ohne Gewissenbisse, vollkommen frei... Nicht genug dessen, erhebt sich die Protagonistin dann auch noch über andere und verurteilt naserümpfend deren Verhalten (am Strand, in ihrem Leben, in deren Ehe, im Umgang mit ihren Kindern), wozu ihr in meinen Augen jedes "Recht" dazu abhanden gekommen ist. Dessen nicht genug, legt sie in der Geschichte fortwährend auch noch ihr Unverständnis über ihre schlechte Beziehung zu ihren Töchtern dar. Ernsthaft?!

    Verstörend auch die Tatsache, dem kleinen Mädchen am Strand ihre Puppe zu stehlen und dies zu verschweigen und sich dann über die entsetzte Reaktion der Mutter, beim Mitteilen dieser Tatsache, auch noch zu wundern... Wo soll ich weiter machen, furchtbar! Ganz klar: KEINE Leseempfehlung, die Sterne sind lediglich der sprachlichen Gewandtheit der Autorin geschuldet und meinem Wissen, dass sie es besser kann!

  1. Die gute Mutter

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Feb 2019 

    Leda ist bald fünfzig. Schon lange geschieden, die beiden erwachsenen Töchter sind nach Kanada zu ihrem Vater gezogen, mietet die Professorin für Anglistik an der Universität Florenz für den Sommer eine Wohnung am Meer. Am Strand trifft sie auf eine Großfamilie, deren Verhalten, laut, ruppig, ordinär, sie an ihre eigene Kindheit und Jugend in Neapel erinnert. Einzig die junge Mutter Nina mit ihrer kleinen Tochter Elena sticht aus dieser Gruppe angenehm hervor. Leda beginnt, Resümee zu ziehen über ihr Leben, ihre Töchter, ihre Rolle als Mutter und Frau.

    Frau im Dunkeln ist ein schmaler Band, Jahre vor der Neapolitanischen Saga geschrieben. Viele Elemente die Elena Ferrante in ihrem epischen Werk verwendet hat, tauchen schon hier bei diesem Roman auf. Ein bisschen erscheint mir die Autorin wie eine italienische Lily Brett, die immer wieder die gleiche Geschichte in diversen Varianten erzählen möchte. Hier ist es die Endvierzigerin Leda, eine beruflich erfolgreiche Frau, selbständig, gebildet, intellektuell, die im Mittelpunkt der Handlung steht. Die Begegnungen, die sie in ihrem Urlaub macht, lassen sie über ihr Leben nachdenken. Leda wollte mehr sein in ihrem Leben als nur Mutter und Ehefrau eines erfolgreichen Mannes. Sie will raus dem Schatten ihres Mannes, hat ein enormes Bedürfnis frei zu sein, nach „Kreativität, Lob, Anerkennung, eigenem Geld“.

    „Körperliche Müdigkeit ist wie ein Vergrößerungsglas. Ich war zu müde, um zu arbeiten, zu denken, zu lachen, zu weinen, diesen Mann zu lieben, der zu intelligent war, zu verbissen damit beschäftigt, seine Wette mit dem Leben zu gewinnen, zu abwesend. Liebe erfordert Energie, und die hatte ich nicht mehr. Wenn er zärtlich wurde und mich küsste, wurde ich nervös, ich fühlte mich missbraucht, als ein Anreiz für seine im Grunde einsamen Gelüste.“
    Elena Ferrante kratzt hier an einem fast verbotenen Thema, in dem sie die absolute Mutterliebe in Frage stellt. Leda geht sehr hart mit sich selbst zu Gericht. Es ist eine ehrliche und offene Innenschau. Mutterliebe ist kein Naturgesetz, man wagt es nur oft nicht daran zu rütteln.

 

Durch die Nacht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Durch die Nacht: Roman' von Stig Sæterbakken
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Durch die Nacht: Roman"

Gebundenes Buch
"Einer der wichtigsten Autoren meiner Generation" Karl Ove Knausgård

Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein durch und durch bürgerliches Leben. Doch als sein erst achtzehnjähriger Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, droht es die Familie zu zerreißen. Karls Frau Eva steht unter Schock, die Tochter Stine verstummt. Auch Karl ist in seiner Trauer gefangen. Er denkt zurück an sein Kind, vor allem aber an das, was die Familie schon vor dessen Tod auf eine Belastungsprobe stellte: Karls Liebschaft mit der deutlich jüngeren Mona. Ist es diese Affäre, die Ole-Jakob in den Tod getrieben hat? Die Schuldfrage steht im Raum - und Karl läuft davon. Er begibt sich auf eine Reise in die Slowakei. Dort hofft er, Erlösung zu finden: in einem Haus, in dem man, so heißt es, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird - und das man entweder gebrochen oder geheilt verlässt.

'Durch die Nacht' ist die Anatomie eines Trauerprozesses und ein Buch, das unter die Haut geht. Stig Sæterbakken schont seine Lesernicht. Dieser so dringlich erzählte Roman schildert die Abgründe, die in uns allen lauern, und wie leicht wir die verletzen, die uns nahe stehen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
EAN:9783832183653

Diskussionen zu "Sara auf der Suche nach Normal"

read more

Rezensionen zu "Durch die Nacht: Roman"

  1. „Die Welt verhöhnte uns.“

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Okt 2019 

    Karl und Eva führen eine Bilderbuchehe, mit den zwei gemeinsamen Kindern Ole-Jakob und Stine. Da ist ganz viel Liebe, das spürt man beim Lesen immer wieder, doch dann gerät alles aus dem Ruder: Karl verlässt die Familie für ein junges Mädchen, tauscht Liebe gegen flüchtige Lust. Wenig später ist Ole-Jakob tot, vermutlich Suizid, und hinterlässt die Hinterbliebenen mit quälenden Fragen.

    Wer ist schuld? Karl flieht vor dieser Frage, flieht vor sich selbst.

    Stig Sæterbakken erzählt die Geschichte einer Familie, die nach dem Selbstmord des 18-jährigen Sohnes Stück für Stück zerbricht. „Durch die Nacht“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Schattengründe von Schuld, Trauer, Scham und Zorn, und das ist keine leichte Kost – umso verstörender, wenn man weiß, dass sich der Autor 2012 das Leben nahm, ein Jahr nach Erscheinen des Romans.

    Wer selbst schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat – vor allem zu jung, vor allem unerwartet –, kennt dieses Gefühl der fassungslosen Trauer, das hier geradezu die Seiten tränkt. Wie man neben sich steht. Wie man den Eindruck hat, dass die ganze Welt aus dem Takt geraten ist, während man selber versucht, wieder Halt zu finden.

    Die Trauer des Lesers, selbst wenn sie nur noch als leises Echo widerhallt, gibt dieser Geschichte einen tiefen Resonanzboden, und das macht sie in meinen Augen so universell und zeitlos.

    Schon nach wenigen Seiten beschlich mich das Gefühl, dass ich leicht den Tritt verlor, auf trügerischem Gelände ins Rutschen kam. Für einen Augenblick gefangen zwischen dem Impuls, das Buch zur Seite zu legen, und dem, mich fallen zu lassen, las ich dann doch direkt weiter – in der dumpfen Erwartung, dass das Buch den emotionalen Tiefpunkt noch lange nicht erreicht hatte.

    Und damit lag ich richtig.

    Der Autor schont weder seine Charaktere noch den Leser (und beim Schreiben sicher auch sich selber nicht).

    Zitat:
    „Kälte kam und ging. Wärme kam nie. Es gab nur Kälte und die Abwesenheit von Kälte.“

    Dennoch will man wissen, muss man wissen, wie es weitergeht. ‚Sogwirkung‘ ist ein überstrapazierter Begriff, aber er trifft es am ehesten: dieses Gefühl der Unvermeidlichkeit und gleichzeitig der gespannten Erwartung.

    Sæterbakken schreibt Charaktere, die man sicher nicht immer mögen muss, die sich aber geradezu schmerzhaft authentisch lesen. Selbst in ihren Fehlern und Schwächen sind sie einfach durch und durch menschlich – man kann ihnen als Leser daher alles verzeihen, auch wenn sie sich selbst rein gar nicht verzeihen können.

    Zitat:
    „Tausend Mal am Tag vergaß ich, dass Ole-Jakob tot war. Tausend Mal am Tag fiel es mir plötzlich ein. Beides war unerträglich.“

    Besonders Karl, der trauernde Vater, ist sicher kein strahlender Held. Er setzt seine Familie auf Spiel, wirft die Liebe seines Lebens weg, und wofür? Für eine Affäre, die nicht mehr ist als eine erotische Stichflamme, eine oberflächliche, kurzlebige Verliebtheit. Und dann ist es passiert: Ole-Jakob ist tot und Karl muss sich fragen, ob er seinen Sohn in den Selbstmord getrieben hat. Dennoch konnte ich für ihn nichts empfinden außer ehrliches Mitleid und den Wunsch, er möge in irgendeiner Form seinen Frieden finden – angesichts seiner Trauer wird alles andere bedeutungslos.

    Zitat:
    „Während ich so dastand, ging die Sonne unter, und es wurde Nacht. Seitdem ist Nacht.“

    Tatsächlich verliert er jedoch den Halt und damit jeden Bezug zur Realität.

    Denn sein Freund Boris erzählt ihm von einem Haus in der Slowakei, das man als geläuterter Mensch verlässt – sofern man es im Vollbesitz der geistigen Kräfte überlebt, was nicht gewährleistet ist. Urban Legend? Schauergeschichte? Ammenmärchen? Egal. Karl sieht nur noch diese eine Möglichkeit, die quälenden Schuldgefühle hinter sich zu lassen. So oder so.

    Er bricht auf, dieses Haus zu suchen – den Ort, wo „Hoffnung zu Staub wird“. Die Handlung kippt, während Karl sich zunehmend in Selbstauflösung befindet. Was danach wirklich passiert und was seiner wahnhaften Depression entsprungen ist, dessen kann man sich als Leser nie hundertprozentig gewiss sein.

    Die Geschehnisse lesen sich zunehmend unwirklich und alptraumhaft, Kafka und Edgar Allan Poe lassen grüßen.
    Sæterbakken balanciert gekonnt zwischen Realität und Surrealität, mit ausdrucksstarken Worten voller Dringlichkeit und Atmosphäre. Einfache Antworten liefert er nicht – tatsächlich fühlte ich mich vom Ende im ersten Moment geradezu vor den Kopf gestoßen! –, dafür aber eine Vielzahl möglicher Interpretationen. Zentral steht meines Erachtens auf jeden Fall die Frage, was der Selbstmord eines geliebten Menschen im Leben der Hinterbliebenen anrichtet.

    FAZIT

    Ole-Jakob war erst 18, doch Ole-Jakob ist tot. Zurück bleiben seine Eltern und seine Schwester, die sich fragen müssen, warum er außer dem Freitod keine Lösung sah. Vater Karl geht zugrunde an seiner Schuld, als sein bester Freund ihm von einem geheimnisvollen Haus erzählt, das jeden Besucher von seinen tiefsten Ängsten läutert – oder ihn in den Wahnsinn treibt. Verzweifelt bricht Karl auf zu einer Reise, bei der es für ihn um alles oder nichts geht.

    Das Buch hat mich zutiefst erschüttert – nicht nur, weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass sich der Autor etwa ein Jahr nach Veröffentlichung das Leben nahm. Es ist schon ungeachtet dessen sicher keine leichte Lektüre für nebenher. Zum einen atmen die Worte geradezu Trauer und Schmerz, und zum anderen nimmt die Geschichte immer surrealere Wendungen – bis hin zu einem Ende, nach dem ich alles hinterfragte, was ich über die Geschichte zu wissen glaubte.

    Ich erwäge, das Buch direkt noch einmal zu lesen, um zu schauen, wo und wie sich dieses Ende angekündigt hat. Noch einmal durch die Nacht.

    #ThePassionWeShare
    #ReadingThroughTheNight
    #DurchDieNachtLesen

 

Seiten