Wenn ich wiederkomme

Buchseite und Rezensionen zu 'Wenn ich wiederkomme' von Marco Balzano
4.3
4.3 von 5 (20 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wenn ich wiederkomme"

Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern – die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Als ihrem heranwachsenden Sohn etwas zustößt, muss sie eine Entscheidung treffen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071702
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Rezensionen zu "Wenn ich wiederkomme"

  1. Ein viel zu unbekanntes Massenschicksal

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Dez 2021 

    „Wäre die Erinnerung ein Stück Holz, ich würde sie ins Feuer werfen. Und dann zuschauen, wie sie zu Asche verbrennt.“ (S. 296)

    Ja, ich weiß: Marco Balzano hat mit Franz Kafka nichts zu tun. Und doch habe ich sofort beim Lesen des Eingangszitats an Franz gedacht; wäre ihm doch auch lieber gewesen, alle seine Erinnerungen sprich Texte (nach seinem Tod) in Flammen aufgehen zu sehen und zu Asche werden zu lassen. Wie gut, dass Max Brod sich nicht an diese (testamentarische) Verfügung gehalten hat. Ob die beiden sich im Literatenhimmel wohl immer noch deswegen streiten? *g*

    Okay, lassen wir das. Hier geht es schließlich um Marco Balzano´s neuen Roman „Wenn ich wiederkomme“ (erschienen im Diogenes Verlag und übersetzt von Peter Klöss). Darin geht es um Daniela, 2-fache Mutter, die von jetzt auf gleich ihre Familie im rumänischen Kleinstdorf verlässt, um in Mailand bis an die Grenze zur Erschöpfung als Pflegekraft zu arbeiten – ein Schicksal, das zwar bekannt, aber kaum Beachtung findet. Umso besser, dass sich ein Bestsellerautor wie Marco Balzano des Themas angenommen hat, zumal in dem kurzen Nachwort erläutert wird, wie er auf den Inhalt seines Romans gekommen ist.

    Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt: zunächst kommt Sohn Manuel zur Sprache, der zum Zeitpunkt des Verschwindens seiner Mutter 12 Jahre alt ist und rückblickend seine Sicht der Dinge in seiner Wahrnehmung und ergo auch in einer sprachlich eher locker gehaltenen Weise erzählt. Von Anfang an wird klar, dass ihm etwas zugestoßen sein muss – was, verrate ich hier natürlich nicht, da die LeserInnen es eh am Ende des ersten Abschnitts erfahren *g*.

    Mutter Daniela, deren Bericht wir im zweiten Teil mit sprachlich deutlich gehobener Erzählweise hören bzw. lesen, pendelt zwischen Verzweiflung und Rechtfertigung für ihr Tun; sie hat es eigentlich nur gut gemeint und wird trotzdem von einigen Personen aus ihrem Umfeld dafür diffamiert. Ich kann sie auf der einen Seite verstehen, auf der anderen Seite hätte sie vermutlich mehr „Verständnis“ erfahren, wenn sie von vornherein kommuniziert hätte, was sie vorhat. Aber vermutlich wäre sie auch dann angegriffen worden – ein trauriger Teufelskreislauf…

    Der letzte Abschnitt gehört Angelica – Tochter bzw. Schwester und mehr in der Gegenwart „verankert“. Aber auch ihr merkt man die Verbitterung über die jahrelange ungewollte „Mutterrolle“ an. Und trotzdem ist sie eine der wenigen Personen, die in Ansätzen Verständnis für Daniela aufbringt – geht sie am Ende doch einen noch konsequenteren Weg.

    Wenn man (noch) nicht mit pflegebedürftigen Angehörigen „konfrontiert“ ist, fällt es schwer, das Schicksal der zigtausenden Arbeitsmigrantinnen, die alles bis zur Selbstaufgabe dafür tun, dass es ihren Familien in Osteuropa gut bzw. bessergeht als es die dortigen Verhältnisse erlauben, zu erfassen und einzuordnen. Aber auch das Schicksal der sogenannten „Eurowaisen“ (Kinder, die – sofern sie nicht eine Familie haben, die sich während der Abwesenheit der Mutter um sie kümmert – in speziellen Einrichtungen unterkommen) ist nahezu unbekannt. Man kann Herrn Balzano deswegen eigentlich nur dankbar sein, dass er sich eines gesellschaftlich kaum beachteten Themas angenommen hat.

    4* und eine Leseempfehlung für alle, die gerne Anspruch und „Leichtigkeit“ (im Sinne von: gut lesbar) kombinieren.

    ©kingofmusic

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  1. Familiendrama aus drei Perspektiven

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Dez 2021 

    Pflegenotstand scheint nicht nur ein deutsches Problem zu sein, auch andere europäische Länder haben damit zu kämpfen. Der norditalienische Autor Marco Balzano hat sich dieser brisanten Thematik angenommen, indem er das Schicksal rumänischer Frauen beleuchtet, die als Arbeitsmigrantinnen nach Italien gehen, um dort mitunter illegal in der häuslichen privaten Altenpflege tätig zu sein.

    Genau das ist das Schicksal der Protagonistin Daniela. In ihrer Heimat, einem kleinen „Geisterdorf“ in Rumänien, fehlt ihr die Perspektive, ihr Mann hat seit Monaten keine Arbeit, trinkt gerne und kommt seinen Familienpflichten in keiner Weise nach. Eine Freundin hat ihr die Tätigkeit als Altenpflegerin in Mailand schmackhaft gemacht. Daniela möchte ihren Kindern etwas bieten können und ihnen den Aufstieg sichern, für den eine gute Schulbildung die Grundlage bildet. Gute Schulen kosten in Rumänien Geld. Daniela verlässt ihre Familie ohne Vorbereitung, ohne Erklärung, ohne Verabschiedung…

    Im ersten Teil kommt ihr damals 12-jähriger Sohn Manuel zu Wort. Der Junge ist anfangs völlig erschüttert über die Abreise seiner Mutter. Nur langsam gewöhnt er sich an die veränderten Umstände. Zunächst übernimmt seine 20-jährige Schwester Angelica die Mutterrolle. Der Vater versagt erneut, indem er eine Arbeit als Fernfahrer annimmt und fortan nicht mehr bei seinen Kindern lebt. Als Angelica zum Studium das Dorf verlässt und Manuel einen weiteren Verlust verkraften muss, verliert dieser immer mehr den Halt. Er vermisst seine Mutter, fühlt sich einsam, kommt aus der seelischen Balance. All das findet in einem tragischen Ereignis einen Höhepunkt, der den ersten Teil des Romans beendet und Daniela zurück nach Rumänien führt.

    Im nächsten Teil schildert Daniela ihre Sichtweise, die naturgemäß von der Manuels abweicht. Unbestreitbar wird deutlich, dass Daniela nur das Beste für ihre Kinder will, ihr aber die Konsequenzen ihres Handelns nicht klar sind. Auch sie fühlt sich fremd in Italien, ihr Aufenthalt dort ist kein Zuckerschlecken. Die Arbeit ist hart, der Lohn gering, oft ist sie der Willkür der von ihr betreuten Senioren oder deren Angehörigen ausgeliefert. Als Leser bekommt man einen sehr guten Einblick in diese Verhältnisse. Daniela leidet unter dem Verlust ihrer Kinder, fühlt sich als Versagerin. Natürlich hat sie auch schöne Momente in der Fremde, diese sind aber nur von kurzer Dauer oder werden überlagert. Entgegen der anfänglichen Hoffnungen verlängert sich ihr Engagement in Italien Jahr um Jahr. 

    Im dritten Teil berichtet Angelica, wie sie den Weggang der Mutter sowie die Entwicklung ihres Bruders erlebt hat. Diese letzte Perspektive rundet den Roman aus meiner Sicht wunderbar ab und liefert wichtige ergänzende Szenen.

    Das Thema ist hochaktuell. Frauen aus ärmeren Gegenden Europas verlassen ihre Familien, um betagte Senioren in wohlhabenderen Ländern zu pflegen und ihnen dadurch das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Welche Auswirkungen hat das auf die Familien der Pflegenden, welchen Preis müssen sie zahlen? Der Roman zeigt Licht- und Schattenseiten dieser sozialen Entwicklungen auf, zeichnet ein glaubwürdiges Bild der Realität. Balzano beleuchtet insbesondere den Mikrokosmos Familie, indem er drei Stimmen getrennt voneinander auftreten lässt. Das schafft große Nähe und Intensität. Mir hat das gut gefallen. Das Buch macht neugierig, sich intensiver mit der Thematik der Arbeitsmigration zu beschäftigen, insbesondere dann, wenn man selbst die Verantwortung für pflegebedürftige Familienangehörige hat. Naturgemäß kennt man hierzulande nur die eine Seite der Medaille, macht sich wenig Gedanken darüber, wie die zumeist polnischen Hilfskräfte die Trennung von ihrer Familie empfinden. Der Autor lässt am Ende bewusst Fragen offen, die zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Bei all der geschilderten Dramatik kann es kein reines Happy End geben, Daniela kann die Uhr ja nicht zurückdrehen.

    Mit „Wenn ich wiederkomme“ ist Balzano erneut ein sehr lesenswerter Roman gelungen, der sich spannend in einem Zug lesen lässt. Den unterschiedlichen Perspektiven wurden auch sprachlich differenzierte, aber insgesamt gut verständliche Stimmen gegeben, was deren Authentizität erhöht. Die Protagonisten sind glaubwürdig und komplex angelegt, man bekommt tiefe Einblicke in ihr Seelenleben und ihre Konflikte. Im Mittelteil sind meines Erachtens jedoch einige Nebencharaktere recht stereotyp geraten, was der Dramaturgie zu Gute kommen mag, mich aber gestört hat.

    Insgesamt hat mich der Roman nicht in dem Maße packen können wie sein Vorgänger „Ich bleibe hier“, der im letzten Jahr bei Diogenes erschienen ist. Dennoch empfehle ich auch „Wenn ich wiederkomme“ sehr gerne allen Lesern, die sich gerne mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Von Marco Balzano kann man kaum enttäuscht sein; es ist erstaunlich, welch umfangreiche Themenpalette er fesselnd und gekonnt umsetzen kann.

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  1. Arbeitsmigration exemplarisch dargestellt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Nov 2021 

    Das Thema Arbeitsmigration hat Marco Balzano schon in einem früheren Roman aufgegriffen. In seinem Buch „ Das Leben wartet nicht“ ging es um Kinder aus dem armen Süden Italiens, die Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen haben, um im reichen Norden Arbeit zu finden.
    In seinem neuesten Roman geht es nun um das Heer der Frauen aus Osteuropa , die als Pflegekräfte in den wohlhabenden europäischen Ländern arbeiten und dort deren Sozialsysteme vor dem Kollaps bewahren. Was das für die Frauen und deren Familien bedeutet, zeigt er uns hier exemplarisch.
    Daniela ist eine dieser Frauen. Sie lebt in einem kleinen Ort in Rumänien. Die Zeiten sind hart. Die Ceaucescu- Diktatur hat ein kaputtes Land hinterlassen. Ihr Mann hat seine Arbeit in der Fabrik verloren, ihr Arbeitgeber ist mittlerweile zahlungsunfähig. Da entschließt sich Daniela zur Flucht. Bei Nacht und Nebel reist sie nach Mailand , wo ihr eine Freundin einen Job als private Altenpflegerin besorgt hat. Zurück lässt sie ihren Mann und ihre beiden Kinder, den 12jährigen Manuel und die acht Jahre ältere Tochter Angelica. Der Schritt fällt ihr schwer, doch sie sieht keinen anderen Ausweg. Für ihre Kinder und deren Zukunft macht sie es; die sollen es einmal besser haben.
    Doch Manuel ist fassungslos. Er kann nicht verstehen, dass seine Mutter gegangen ist ohne ein Wort. Er verzeiht ihr das nicht und unterstellt ihr, dass sie sich in ein Italien ein schönes Leben machen will.
    Der Vater ist völlig überfordert mit der neuen Situation. Bald darauf verschwindet auch er, verdient nun sein Geld als LKW- Fahrer zwischen Polen und Russland. Angelica übernimmt die Mutterrolle für ihren jüngeren Bruder. Doch später zieht sie zum Studium in die Stadt.
    Manuel wechselt, dank des Geldes, das Daniela schickt, auf ein privates Gymnasium. Aber hier fühlt sich der Junge überhaupt nicht wohl. Ständig bekommt er zu spüren, dass er nicht dazugehört. Als bald darauf auch noch der Großvater stirbt, der einzige Vertraute des Heranwachsenden, verliert Manuel jeglichen Halt und er begeht eine folgenschwere Dummheit.
    Diesen ersten Teil der Geschichte erfährt der Leser aus der Sicht Manuels. Nun, im zweiten und umfangreichsten Abschnitt des Romans, wechselt die Perspektive. Hier ist es die Mutter, die zu Wort kommt. Sie sitzt am Bett ihres im Koma liegenden Sohnes und erzählt ihm von ihrem Leben in Italien. Am Anfang ist sie völlig überfordert mit der neuen Aufgabe. Rund um die Uhr alte Menschen betreuen und pflegen, ist ein harter Job. Noch dazu, wenn man dafür überhaupt nicht ausgebildet wurde. Sie erzählt von der Ausbeutung als illegale Arbeitskraft, von Rassismus und Einsamkeit. Vier Jahre wird Daniela in Italien bleiben, arbeitet als Altenpflegerin oder als Kindermädchen. Dabei verlässt sie nie die Sehnsucht nach daheim, nach ihren Kindern. Doch sie spürt, dass sie nach und nach die Verbindung zu ihnen verliert. Die Telefongespräche werden immer kürzer und nichtssagender. Bei ihren seltenen Besuchen bringt sie Sohn und Tochter neue Handys und schicke Markenklamotten mit, aber Einfluss hat sie keinen mehr auf sie.
    Im dritten Teil sehen wir Danielas Fortgehen noch aus der Perspektive der älteren Tochter. Sie kommt emotional mit dem Verlust der Mutter besser zurecht, da sie schon ein eigenständiges Leben führt und auch eine stärkere Bindung zum Vater hat. Was sie überfordert ist die Erzieherrolle bei ihrem Bruder. Doch für Angelica scheint sich Danielas Einsatz gelohnt zu haben. Sie hat ihr Studium erfolgreich abgeschlossen.
    Dass sich der Autor für drei Perspektiven entschieden hat, gibt ihm die Möglichkeit, die Problematik von allen Seiten zu beleuchten. Mit Daniela richtet er seinen Fokus auf das Schicksal dieser Frauen, die auch bei uns eine wichtige Funktion erfüllen. Unsere zunehmend alternde Gesellschaft stellt uns vor große Probleme. Wer kümmert sich um die Alten und Pflegebedürftigen? Die mittlere Generation kann selten dieser Aufgabe vollumfänglich nachkommen, Plätze in Seniorenheimen sind knapp. Auch möchten viele Ältere ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen. Da bietet sich die Hilfe in Form polnischer ( bei uns ) oder rumänischer ( in Italien) Frauen an. Dass sich bei diesen Frauen oftmals ein Burnout diagnostizieren lässt, verweist auf die hohe Belastung psychischer und physischer Art . Als „ Italienkrankheit“ wird diese Diagnose bezeichnet, wie Marco Balzano in seinem Nachwort schreibt.
    Es ist nicht nur die Arbeitsbelastung, was die Frauen seelisch krank werden lässt, sondern auch die Sehnsucht nach den Kindern und Schuldgefühle ihnen gegenüber. Das beschreibt der Autor anschaulich an Daniela, die einerseits bei ihrem kranken Sohn um Verzeihung bittet, gleichzeitig aber ihm verständlich machen will, dass sie keine andere Wahl hatte.
    Doch was diese Situation bei den zurückgelassenen Kindern anrichtet, sieht der Leser an Manuel. Dabei hatte dieser noch Glück. Es gab eine Schwester und Großeltern, die sich kümmern konnten. Manche dieser zurückgelassenen Kinder kommen in Heime oder bleiben sich selbst überlassen.
    Abgerundet wird die Geschichte durch die Perspektive der älteren Tochter.
    Marco Balzano hat seine Figuren komplex angelegt. Man hat Verständnis für ihre Situation, aber nicht immer für ihr Verhalten. Geschildert wird dies in einer einfachen schlichten Sprache, passend zur jeweiligen Erzählstimme. Trotz des nüchternen Tons berührt einem das Gelesene.
    Ebenfalls angesprochen wird, was die Migration für die Region bedeutet. Ganze Ortschaften sterben aus; zurück bleiben oftmals nur die Kinder und die Alten. Perspektivlosigkeit wird mit Alkohol bekämpft. Auch schafft es eine Zwei- Klassengesellschaft. Dort, wo Vater oder Mutter im Ausland arbeiten, hat die Familie mehr Geld und kann sich schmücken mit Konsumartikeln.
    Marco Balzano hat für seinen neuen Roman wieder viel recherchiert, mit Betroffenen geredet. So packt er sehr viel Stoff in seine Geschichte, das geht nicht immer ohne Klischees .
    Doch er ist ein Autor, der mit jedem seiner Bücher ein Anliegen hat. Hier will er auf ein Schicksal aufmerksam machen, wie es das zu Tausenden gibt. Er löst damit Nachdenklichkeit und Betroffenheit aus.
    Ein wichtiges Buch, das sich zu lesen lohnt, auch wenn es nicht an die literarische Qualität seines letzten Romans heranreicht.

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  1. Die Geschichte einer Arbeitsmigrantin

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Nov 2021 

    Daniela Matei (47) steht vor einer schweren Entscheidung. In ihrem kleinen rumänischen Dorf hat ihre Familie eine schlechte Zukunftsperspektive. Ihr Mann Filip ist arbeitslos. Gute Bildung für ihre Tochter Angelica und ihren Sohn Manuel ist jedoch teuer. Und das Haus verfällt aus Geldmangel zusehends. Heimlich schleicht sich Daniela daher eines Morgens aus dem Haus, um in Mailand eine Stelle als private Altenpflegerin anzunehmen.

    „Wenn ich wiederkomme“ ist ein Roman von Marco Bolzano.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus drei Teilen, die sich in unnummerierte Kapitel gliedern. Erzählt wird in chronologischer Reihenfolge in der Ich-Perspektive, aber aus der Sicht unterschiedlicher Personen. Dadurch entstehen einige Überlappungen, jedoch nicht zu viele inhaltliche Redundanzen.

    In sprachlicher Hinsicht ist der Roman sehr gelungen. Je nach Erzählperspektive ist die Wortwahl jugendlich oder erwachsener, mehr oder weniger umgangssprachlich. Insgesamt ist der dialoglastige Schreibstil allerdings recht einfach, was dem Bildungsniveau der Protagonisten und Protagonistinnen hervorragend entspricht und daher für mich kein Manko darstellt.

    Den meisten Raum in der Geschichte nimmt Daniela ein. Aber auch ihre Kinder Manuel und Angelica spielen wichtige Rollen. Keiner der Charaktere ist mir so richtig sympathisch - mit Ausnahme einer Nebenfigur. Sie blieben mir seltsam fremd. Gut gefällt mir aber, dass die Personen aufgrund ihrer Grautöne und Schwächen sehr lebensnah und mit psychologischer Tiefe ausgestaltet sind.

    Besonders gereizt hat mich an der Lektüre die Situation der billigen Pflegekräfte aus dem Ausland. Die Geschichte lenkt den Blick auf ein wichtiges Thema. Meine Erwartung an den Roman hat sich dahingehend erfüllt, dass die Geschichte darstellt, wie sich die zeitweise Arbeitsmigration auf die betroffenen Frauen und ihre Familien auswirkt - sowohl in sozialer als auch in psychischer Hinsicht. Der Autor hat sich intensiv mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Das geht unter anderem aus der Nachbemerkung hervor. Darin erklärt der Autor auch, dass er mit Absicht weitere Aspekte in die Geschichte aufgenommen hat. Mir hätte ein deutlicherer Fokus besser gefallen.

    Auf rund 300 Seiten kann der Roman mit mehreren Wendungen überraschen. Die Geschichte ist kurzweilig, aber konnte mich leider nicht so sehr berühren wie erhofft. Das Ende lässt einige Fragen offen und somit Spielraum für eigene Interpretationen.

    Das Cover ist hübsch, wirkt allerdings recht willkürlich. Der deutsche Titel ist erfreulicherweise wörtlich aus dem Italienischen („Quando tornerò“) übersetzt worden.

    Mein Fazit:
    „Wenn ich wiederkomme“ von Marco Bolzano ist trotz seiner Schwachpunkte ein lesenswerter Roman, der Aufmerksamkeit für eine wichtige Problematik erzeugt.

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  1. " ... diese sterbende Welt ..."

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Nov 2021 

    "Wenn ich wiederkomme" beschäftigt sich mit Frauen, die in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind, aber trotzdem so gut wie unsichtbar. Es geht um osteuropäische Pflegerinnen, die ihre Heimat - in der es keine adäquate Arbeit gibt - verlassen, um sich um in sozial weit besser gestellten Familien um pflegebedürftige Menschen zu kümmern. Bei uns in Deutschland sind es meist Frauen aus Polen; in Italien, der Heimat des Autors, sind es Rumäninnen. Eine von ihnen ist Daniela, eine gute ausgebildete Frau aus dem Dorf Rădeni unweit der Grenze zu Moldawien. Sie ist verheiratet, hat einen Sohn namens Manuel, zwölf Jahre alt, und eine acht Jahre ältere Tochter namens Angelica. Nachdem ihr Mann arbeitslos geworden ist und sich seit einem Jahr nur halbherzig bzw. gar nicht um neue Arbeit kümmert, entschließt sie sich zu einem verzweifelten Schritt: Sie verlässt ihre Familie Knall auf Fall und reist nach Mailand, um dort eine Stelle als Pflegerin zu suchen.

    In drei Kapiteln erfahren wir die Auswirkungen auf die Familie. Das erste berichtet aus der Sicht von Manuel, des Sohnes, der sich verlassen fühlt und mit der Mutter und den ganzen Umständen hadert. Die beiden versuchen, per Smartphone Kontakt zu halten, aber das sind natürlich nur halbe Sachen. Dem Wunsch der Mutter, dass er sich in der Schule anstrengt und gute Noten erzielt (damit sich ihr Wegzug wenigstens gelohnt hat) begegnet er mit zunehmendem Trotz. Als der Vater endlich auswärts Arbeit annimmt und die Schwester zum Studium wegzieht, bleiben ihm nur noch die Großeltern. Im zweiten Kapitel wechselt die Perspektive zu Daniela. Wir erfahren, wie sie sich in Italien zurechtzufinden versucht, ihre verschiedenen Arbeitsstellen (darunter auch eine als Kindermädchen) als "Angelernte" ausfüllt, Ausbeutung und Verachtung ertragen muss. Im dritten Kapitel schließlich erzählt die ältere Tochter Angelica, die eigentlich an Manuel Mutterstelle vertreten soll, ohne das recht zu können oder auch nur zu wollen. Nach außen hin profitiert sie am meisten vom Einsatz ihrer Mutter - sie studiert erfolgreich, könnte ein selbständiges Leben führen. Doch geht Danielas Plan - "wenn ich wiederkomme, wird alles besser" - so auf? Und kommt sie überhaupt so richtig "wieder"?

    Der Roman ist in schlichter Sprache geschrieben, die den drei Erzählern angepasst ist; voll dramatischer und inniger Momente. " Was die Leute Fortschritt nennen", sagt etwa Manuels Opa, der sich nach dem Weggang der Mutter um ihn kümmert, "kommt mir wie ein Unfug vor, der die Menschen noch schlechter gemacht hat. Aber ich bin ein alter Mann. Wenn ich so alt wäre wie du, ich würde nicht hierbleiben und auf diese sterbende Welt bauen." Obwohl das Dorf Rădeni als ländliche Idylle geschildert wird, ist es keine heile Welt. Die Erwachsenen ziehen entweder weg oder verfallen der Mutlosigkeit und dem Alkohol. Ganze Scharen von Frauen verlassen ihre Familien, um in Italien invalide und demente Menschen zu betreuen; eine Arbeit, für die ihnen die Qualifikation fehlt und die sie oft schwer überfordert. Fern von ihren Kindern sinken diese Frauen so oft in Einsamkeit und Depression, dass Ärzte bereits von der "Italienkrankheit" sprechen.

    Balzano hat sich aus persönlicher Betroffenheit über ihre Situation, wie er in seinem Nachwort schreibt, bemüht, diesen Frauen und ihren Familien eine Stimme zu geben. Es ist ein wenig fraglich, ob er damit mehr erreicht als ein diffuses schlechtes Gewissen bei den westeuropäischen Lesern, denn wirkliche Lösungen sind ja für niemanden in Sicht. Was ihm fraglos gelingt, ist eine Vorstellung von den landwirtschaftlich geprägten, strukturarmen Dörfern im Osten, in denen oft nur die Großeltern bei den Kindern verbleiben, während die ganze Mittelgeneration von der Bildfläche verschwindet. Was leider völlig fehlt, ist eine Beleuchtung der Rolle des Familienvaters, der von allen Beteiligten scheinbar ohne Nachfrage aus der Pflicht entlassen wird; er verschwindet einfach. Insgesamt bleiben in dem trotz großer Bedrückung schön erzählten Roman viele Leerstellen - was andererseits durchaus auch seinen Reiz hat. Leicht eingeschränkte Leseempfehlung.

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  1. Italienkrankheit und Eurowaisen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Nov 2021 

    Wenn alte Menschen Hilfe benötigen, nicht ins Heim möchten und die Angehörigen sie nicht pflegen können oder wollen, kommen osteuropäische Pflegekräfte als tragende Säule der Altenpflege ins Spiel. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch gehen Fachleute von einigen Hunderttausend Pflegemigrantinnen aus, vor allem aus Polen, Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine. Ihre persönlichen Schicksale und die ihrer zurückgelassenen Familien bleiben meist im Dunkeln.

    Der italienische Autor Marco Balzano greift solche verborgenen Themen gerne auf, zuletzt das Schicksal der Südtirolerinnen und Südtiroler in "Ich bleibe hier". Für seinen Roman "Wenn ich wiederkomme" hat er über Rumäninnen in italienischen Haushalten und ihre sogenannte „Italienkrankheit“ recherchiert, hat mit vielen von ihnen gesprochen, in Rumänien Einrichtungen für zurückgelassene Kinder und Jugendliche, die „Eurowaisen“, besucht und sich ein hohes Ziel gesetzt:

    "Es zu schreiben, war für mich ein Versuch der Wiedergutmachung." (Nachwort S. 311)

    Eine Familie von vielen
    Aus drei Perspektiven schildert Marco Balzano das Leben der Familie Matei aus einem ostrumänischen Dorf an der moldawischen Grenze. Im ersten Teil erfahren wir durch Manuel, wie die Mutter Daniela die Familie ohne Ankündigung verließ, als er zwölf Jahre alt war, seine Schwester Angelica zwanzig. Mit einer illegalen Beschäftigung als Altenpflegerin in Mailand möchte Daniela die finanziellen Notlage durch die Arbeitslosigkeit des antriebsschwachen Ehemanns lindern. Manuel verliert nacheinander die Mutter, den Vater, der Arbeit in Russland findet, die Schwester, als sie ein Architekturstudium beginnt, und den geliebten Großvater. Unausweichlich kommt es zur Tragödie, als die exklusive Privatschule sich als Qual entpuppt, die Einsamkeit immer unerträglicher und der sporadische Kontakt zur Mutter von zunehmender Entfremdung und Befangenheit überschattet wird:

    "Ein unbekanntes Schweigen drückte uns nieder, und ich wusste weder ein noch aus." (S. 33)

    Im zweiten Teil, dem umfangreichsten, erfahren wir Danielas Sicht: die Alternativlosigkeit ihres Weggehens, die Schuldgefühle, die unerfüllten Träume und ihr von Abhängigkeit und Rassismus geprägtes Leben in Italien:

    „Ihr habt echt ein Händchen im Umgang mit unseren Alten und Kinder…“
    „Wen meinen Sie mit >ihr<, Signora?“
    „Na, ihr aus dem Osten. Ihr könnt das besser als Philippinas, dafür können die besser putzen, stimmt’s?“ (S. 185)

    Erzählerin im dritten Teil ist Angelica. Ihre Promotion beweist Daniela, dass ihr Opfer nicht vergebens war. Zwar ist Angelica ihrer Mutter dankbar, andererseits prangert sie deren ausschließliche Fixierung auf das Geld an, möchte selbst einen anderen Weg gehen und fühlt sich um ihre Jugend gebracht:

    "Mein Vater mag alle möglichen Mängel dieser Welt haben, aber er ist der Einzige in der Familie, der mich nie ausgenutzt hat.“ (S. 270)

    Melancholisch und relevant
    Mein anfängliches Verständnis für Daniela und ihre Notlage und meine Bewunderung für ihren Ehrgeiz bezüglich der Ausbildung ihrer Kinder schwanden leider im Laufe des Romans. Wie sie Manuel und Angelica immer fremder wird, so erging es auch mir, und ich konnte zunehmend weniger Mitgefühl für ihre Sturheit aufbringen. Marco Balzano hat angesichts seines großen Materialvorrats viel in diese Figur gepackt, unter anderem auch eine unkommentierte Ceaușescu-Nostalgie, die mich angesichts von dessen unzweifelhaften Verbrechen gestört hat. Trotzdem ist der melancholische, einfach geschriebene Roman unbedingt zu empfehlen, denn er rückt Menschen ins Licht, mit denen wir – direkt oder indirekt – in Berührung kommen, von denen wir aber nichts wissen.

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  1. Italienkrankheit und Eurowaisen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Nov 2021 

    "Wenn ich wiederkomme", so das Versprechen der rumänischen Mutter im gleichnamigen Roman von Marco Balzano, "dann wird alles besser".
    Daniela sieht keinen anderen Ausweg, als heimlich nachts abzuhauen. Sie verlässt Heimat und Familie, um in Italien Geld zu verdienen, damit ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen und das unfertige Häuschen zuende gebaut werden kann. Sie hat sich nicht verabschiedet, weil sie Angst vor ihrer eigenen Courage hat.

    Daniela arbeitet schwarz als Pflegerin in Privathaushalten. Zunächst ist es auch die Hoffnung, dass sie nur ein Jahr durchhalten muss, um alle finanziellen Sorgen zu tilgen, doch schon bald merkt sie, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Die Italienkrankheit, Depression, macht sich bei Daniela breit. Zerrissen zwischen schlechten Gewissen und dem Pflichtgefühl "es allein schaffen zu müssen", merkt sie nicht, wie ihre beiden Kinder in der Heimat unter der Trennung leiden.

    Ihr Sohn ist gerade einmal zwölf, als Daniela geht, aber in vier Jahren Abwesenheit der Mutter driftet er nach und nach ab, in seine eigene Welt, die aus materiellen Forderungen an die Mutter, Schulschwänzen und riskanten Manövern besteht. Die größere Schwester, die für ihn die Verantwortung tragen soll, ist damit überfordert und distanziert sich innerlich von ihren Aufgaben, die sie scheinbar noch erfüllt.

    Und dann geschieht das Unglück. Danielas Jüngster baut einen schweren Unfall und fällt ins Koma. Die ans Krankenbett herbeigeeilte Mutter hütet nun ununterbrochen den tiefen Schlaf des Sohnes und erzählt ihm von ihren Erlebnissen und diversen Jobs in Italien.

    Der Roman wird von der Troika, Sohn, Mutter und Tochter getragen, die in ihren Abschnitten ihre Sicht der Dinge darlegen und das ganze Ausmaß einer dysfunktionalen Familie (der Vater verließ kurz nach Daniela die Familie) offenbaren. Insbesondere bei den Schilderungen der Mutter konnte sich Balzano so manches Klischee nicht verkneifen und will doch den Fokus auf das Prekariat der Migrationsarbeiterinnen in Italien gelenkt wissen. Er will aufzeigen, anklagen und wiedergutmachen.

    Ich glaube jedoch, dass dieser Roman nicht der geeignete Weg dazu ist. Wer die Hilfeleistung einer ausländischen Kraft (bei uns in Deutschland sind es wohl hauptsächlich die Polen) in Anspruch nimmt, weiß sehr genau, welchen Bedingungen diese Menschen ausgesetzt sind. Sie haben sie selbst geschaffen. Ich setzte voraus, dass dies nicht mit böser Absicht geschieht, sind es doch die eigenen Angehörigen, die der Obhut bedürfen, aber der Spielraum für anderweitige Lösungen ist begrenzt. Es ist ein tiefliegenderes Problem unserer Gesellschaft, das mit dieser Art Betroffenheitsliteratur den Finger in die Wunde legt, aber leider keinen Fahrplan für eine menschlichere Zukunft beilegt.

    Sollte dieser Anspruch nicht an diesen Roman gestellt werden, so hätte das Schicksal der Eurowaisen (den verlassenen Kindern) doch ein wenig mehr Tiefgang gutgetan. So aber bleibt die Betrachtung oberflächlich, mit viel Gefühlsduselei, ohne männlichen Gegenpart, aber wenigstens mit, wenn auch zwiespältigem, Happy End.

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  1. "Manchmal geht es nicht anders" (80)

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Nov 2021 

    Im letzten Jahr habe ich Marco Balzanos Roman "Ich bleibe hier" gelesen, der mir sehr gut gefallen hat.

    Umso höher die Erwartungen an den neuen Roman, der von der Rumänin Daniela Matei erzählt, die in ihrer ausweglosen Situation beschließt, ihre Familie im Stich zu lassen, um in Italien als Pflegerin zu arbeiten. Zunächst ein befremdlicher Gedanke, Kinder und Ehemann im Stich zu lassen, doch Daniela hat sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht.

    Im ersten Teil des Romans "Wo bist du" erzählt der inzwischen 16-jährige Sohn Danielas Manuel aus der Ich-Perspektive.

    "Du hättest eigentlich gar nicht geboren werden dürfen" (13), sagt seine Mutter zu ihm, denn Daniela hätte nach der Geburt ihrer ersten Tochter Angelica eigentlich keine Kinder mehr bekommen können. Umso mehr wird Manuel, der acht Jahre nach seiner Schwester auf die Welt kommt, zu ihrem Liebling.

    "Angelica ist gut organisiert und alles andere als kleinlich. Sie drückt sich nie vor der Arbeit, im Gegenteil. Sie ist eine, die sich aufopfert. (...) sie zieht den Karren, bis sie zusammenbricht." (13f.)

    Folglich ist es Angelica, die sich um Manuel kümmert, als Daniela ihre Familie ohne Abschied verlässt. Der Vater Filip Matei ist Arbeiter in einer Fabrik gewesen, die schon lange geschlossen ist. Auch Daniela hat ihre Arbeit verloren. "Seit einem Jahr schlugen wir uns mit den Schecks der Arbeitslosenversicherung durch." (18)

    In einem Brief, den Daniela hinterlässt, erklärt sie ihren Kindern: "Ich muss fort, damit ihr studieren könnt und anständig zu essen bekommt. Denn ich möchte, dass ihr die gleichen Chancen habt wie die andern." (19)

    Sie verspricht Geld zu schicken, was sie auch tut, und bittet Angelica, sich um ihren Vater und Bruder zu kümmern. Daniela glaubt nicht, dass Filip sich aus seiner Lethargie wird lösen können, um der Familie zu helfen. Obwohl Danielas Arbeit die finanzielle Situation der Familie verbessert, Angelica studieren und Manuel auf ein Privatgymnasium gehen kann, wäre es Manuel lieber, seine Mutter wäre bei ihm. Er ist wütend auf sie, weil sie aus der Ferne keinen echten Anteil an seinem Leben nehmen kann. Auch Filip verlässt die beiden Kinder, da er eine Anstellung als Lastwagenfahrer gefunden hat: "Minus zwei" (36), ist Manuels Kommentar. Einzig zu seinem Opa Mihai hat er ein inniges Verhältnis und liebt es, mit ihm im Garten zu arbeiten.

    Im 2.Teil des Romans "Weit weg" kommt Daniela zu Wort und erzählt von ihren verschiedenen Arbeitsstellen in Italien, als Pflegerin und Kindermädchen, und davon, warum sie ihre Familie zurückgelassen hat.

    Zu Filip sagt sie am Telefon: "Ich hab deine leeren Versprechungen satt, deine beschissenen Schwüre: Ich such mir eine Arbeit, ich streng mich an, ich hör auf zu trinken." (78)

    "Manchmal geht es nicht anders", hatte sie im Bus gesagt. Dieser Satz nahm mir die Schuld." (80)

    Das, was sie in Italien erwartet, ist harte Arbeit, eine Arbeit, für die sie eigentlich nicht ausgebildet ist. Sie muss bei den alten Menschen, die sie pflegt, wohnen, hat kaum Zeit für sich selbst. Oftmals ist sie am Rande ihrer Kräfte. Als sie nach Rumänien zurückkehrt, attestiert ihr ein Arzt die "Italienkrankheit".

    "Damit bezeichnen Psychiater eine spezielle Form von Depression, die jene befällt, die jahrelang fern von zu Hause und den Kindern leben, um anderswo Alte, Bedürftige und Kranke zu versorgen." (155)

    In diesem Teil wird deutlich, dass sich Balzano intensiv mit der Thematik befasst hat - er war auch in Rumänien, um sich selbst ein Bild von der Situation der Eurowaisen vor Ort zu machen. Seine Intention ist es, den rumänischen Pflegekräften und ihren Kindern eine Stimme zu geben, wie er im Nachwort betont. Es ist ihm wichtig alle Seiten zu Wort kommen zu lassen, so dass folgerichtig im letzten Teil des Romans Angelica ihre Sicht der Ereignisse dargelegt.

    Das Konzept, die Ereignisse aus drei Perspektiven zu erzählen, geht auf, denn
    "Außerdem gibt es keine gemeinsamen Erinnerungen, jeder hat seine eigene und macht aus ihr, was er will." (230)
    Bolzano hat für den Roman mit zahlreichen Frauen und ihren Kindern gesprochen, dadurch wirken die drei Figuren in sich stimmig und authentisch. Abgesehen von den Kindern, die Daniela in Italien betreut, vermeidet er Klischees und zeichnet ein differenziertes Bild der handelnden Personen.
    Ein Roman, der mich nachdenklich gemacht hat und der dazu führt, dass ich die Frauen, die auch bei uns als Pflegerinnen eingesetzt werden, mit anderen Augen sehe. Klare Leseempfehlung!

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  1. Zerfall

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Nov 2021 

    Marco Balzano hat sich hier an ein schwieriges Thema gewagt. Die weibliche Migration aus wirtschaftlich schwächeren Staaten in die westliche Welt. Gerade soziale Berufe/soziale Berufszweige haben viele unbesetzte Stellen. Unterbezahlte Stellen, die der landeseigenen Bevölkerung nicht zum Lebenssicherung reichen, aber für Frauen und Mädchen aus wirtschaftlich schwächeren Staaten durchaus interessant und reizvoll erscheinen. Zumindest erst einmal. Hier in diesem Buch sind es die Rumänen in Italien, aber diese stehen nur exemplarisch für diese moderne Sklaverei, denn es strömen aus den verschiedensten Ländern Frauen in die westliche Welt.

    Daniela verlässt wegen der chronischen Geldnot ihre rumänische Familie, bestehend aus ihrem Mann Filip und ihrer Tochter Angelica und ihrem Sohn Manuel und geht nach Italien, um dort Italiener zu pflegen und zu behüten. Doch dieses Ausreisen, dieses Wegfallen hat psychische und soziale Folgen für alle Familienangehörigen, denn alle verändern sich, finden andere Wege, müssen sie finden, driften auseinander. Ein Unfall führt wieder zusammen. Doch passiert dies wirklich? Missverständnisse weiten sich aus, werden unüberbrückbar. Marco Balzano schildert diese Folgen empathisch und treffend und auch berührend in seinem Buch "Wenn ich wiederkomme" in drei Teilen, drei Mitglieder der Familie kommen in diesen Teilen/in diesen Zeilen zu Wort, unterschiedlich in Klang und Sicht und leider manchmal auch etwas überzeichnet. Dabei erschafft er Figuren, die keine Schwarz-Weiß-Zeichnung aufweisen, sie sind nicht Gut oder Böse, sie sind beides. Man versteht sie, man versteht sie nicht, man hat sie gern und man verachtet sie. Ein richtig gelungener Blick, aber auch ein manchmal etwas verwirrender Blick! Ein Blick, der nicht immer gefällt, der aber recht real rüberkommt, authentisch ist.

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  1. Folgen der modernen Sklaverei

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Nov 2021 

    Auf der ganzen Welt verlassen Frauen ihre Familien um Geld zu verdienen, damit ihre Kinder eine bessere Zukunft haben sollen. Doch um welchen Preis? Von einer dieser Frauen und ihrer Familie handelt Marco Bolzanos neues Buch, und es macht deutlich, welche Bürde auf solchen Familien lastet.

    Daniela aus einem kleinen Dorf in Rumänien verschwindet ohne jemandem Bescheid zu sagen buchstäblich bei Nacht und Nebel nach Italien, um sich dort wie viele ihrer Landsfrauen eine Arbeit als Pflegerin zu suchen, damit sie ihren Kindern ein Studium finanzieren kann. Nur einen Brief hinterlässt sie für den zwölfjährigen Manuel und die 20jährige Angelica und so versuchen sie sowie ihr Vater und die Großeltern, ihr Leben so gut wie möglich weiterzuleben.

    Erzählt wird aus den Perspektiven Danielas sowie der Kinder, und so unterschiedlich diese auch sein mögen, ist schnell klar, dass alle sehr unter der Situation zu leiden haben. Als der mittlerweile 16jährige Manuel einen schrecklichen Unfall erleidet, ist Daniela sofort an seiner Seite, voller Schuldgefühle und schlechtem Gewissen, das durch die Distanz zu ihrer nunmehr 24jährigen Tochter noch verstärkt wird.

    Marco Bolzano macht mit den unterschiedlichen Sichtweisen deutlich, welche Probleme durch die Entscheidung Danielas entstanden sind und was diese Arbeit in der Ferne für Alle bedeutet. Manuel, mit 12 Jahren noch ein Kind, fehlt die ihn unterstützende und liebende Mutter am meisten; als sein Großvater stirbt, der einzig verbliebene Vertraute, bricht ihm sein letzter Halt weg. Daniela hingegen, die in der Fremde in einer Art modernem Sklaventum lebt und daran fast zugrunde geht, erwartet dafür zumindest in gewisser Weise eine Form der Dankbarkeit, die ihr jedoch verwehrt wird. Zu stark ist das Gefühl der Kinder, verraten worden zu sein; zu groß der Abstand geworden in den Zeiten zwischen ihren jährlichen Besuchen; zu erdrückend das Schweigen über die Dinge, die gesagt werden müssten. Und Angelica findet sich mit 20 Jahren ungefragt in der Rolle einer Erziehungsberechtigten wieder, in der sie sich nicht sieht, die sie aber dennoch versucht auszufüllen; einer Rolle, der sich der Vater verweigert und stattdessen davor flüchtet.

    Es ist ein belastendes weil realistisches Szenario, das hier dargestellt wird; insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass dieser Exodus von Frauen, die ihre Familien hinter sich lassen, um ihnen eine bessere Zukunft zu bieten, noch immer alltäglich ist und vermutlich so bald kein Ende finden wird. Nicht nur in Italien – überall auf der Welt, auch bei uns.

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  1. Weibliche Gastarbeiter im Schatten der Gesellschaft...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Nov 2021 

    Nachdem ich "Ich bleibe hier" und "Das Leben wartet nicht" mit großer Begeisterung gelesen habe, war klar dass ich auch sein neustes Werk lesen wollen würde.

    In der Geschichte geht es um die Rumänin Daniela, die ihre Heimat verlässt, um ihren Kindern ein besseres Leben zu bieten. Sie geht einfach heimlich. Was hat das für Konsequenzen für die zurückgelassenen Kinder und auf die Partnerschaft? Und wie wird es ihr in der Ferne ergehen?

    Der Roman ist in drei Abschnitte gegliedert und man erlebt aus der Sicht von Daniela und ihren beiden Kindern wie sie das Weggehen empfinden. Im Fokus stand für mein Gefühl stets Daniela als die Flüchtige.

    Am meisten hat mich das Schicksal von Daniela berührt, wie roh die Arbeitgeber mit ihr umgehen, in welchen Klischees sie denken und was von ihr alles abgefordert wird. Beim Lesen hatte ich beinahe selbst seelische und körperliche Schmerzen, weil mir das Geschilderte so nahe ging. Vor allem glaubte ich zwischendrin, dass sie als Kindermädchen ihr Glück und ihre Zufriedenheit gefunden hat und dann kommt ihr das Leben dazwischen.

    Wie gewohnt ist der Erzählstil Balzanos eher unaufgeregt und nüchtern. Der Leser wird mehr durch die Geschehnisse als durch schöne Worte berührt. Mir gefällt diese Art, da die aktuellen Zeiten im echten Leben aufregend genug sind.

    Gut gefallen hat mir außerdem, dass man für jeden Protagonisten Partei ergreift. Zu Beginn konnte ich Tochter Angelica so gar nicht einschätzen und mochte sie nicht so wirklich, aber als sie zu Wort kommt, entwickelt man Verständnis und die bereits gebildete, eigene Meinung wendet sich nochmal.

    Fazit: Ein Thema, welches unbedingt offener und häufiger angesprochen gehört, denn der Gastarbeiter von heute ist eben nicht mehr nur der starke Mann vom Lande. Solide Unterhaltung, die bei mir noch lange nachwirken wird. Gern spreche ich eine Empfehlung aus.

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  1. Was hält eine Familie aus?

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Nov 2021 

    Daniela lebt in der rumänischen Provinz mit ihren Kindern Manuel und Angelica ein bescheidenes Leben. Als sie ihren Job verliert und auch ihr nahezu unsichtbarer Ehemann finanziell nichts beiträgt, entscheidet sie sich, nach Italien zu gehen, um dort als Altenpflegerin zu arbeiten - ohne ihre Familie darüber vorher zu informieren. Wie geht es den verlassenen Kindern nach Danielas Weggang? Was bedeutet das neue Leben für die Mutter selbst? Darüber schreibt Marco Balzano in seinem berührenden Familienroman "Wenn ich wiederkomme".

    Die Besonderheit dieses Romans ist nicht die Dreistimmigkeit, die Balzano gewählt hat, um Manuel, Daniela und Angelica Gehör zu verschaffen. Die Wahl unterschiedlicher Perspektiven ist heutzutage ja fast schon gängige Praxis, auch wenn es Balzano ungewöhnlich gut gelingt, diese Stimmen auch tatsächlich unterschiedlich klingen zu lassen. Seine Kunst ist eindeutig die Figurenkonstruktion und der Umgang mit diesen.

    Daniela, Manuel und Angelica sind Figuren, die es den Leser:innen nicht leicht machen. Verbohrt, fast schon verbissen, beharren sie auf ihren Perspektiven, gestehen sich selten Fehler ein, obwohl sie zahlreiche begehen und verurteilen die jeweils anderen für ihr Verhalten. Und dennoch gelingt es Marco Balzano fast spielend leicht, dass man mit den Dreien fühlt, sich in sie hineinversetzen kann und ihnen nahezu alles verzeiht. Dafür sorgt nicht nur der einnehmende Schreibstil, sondern auch das Verständnis selbst, das Balzano seinen Charakteren empathisch entgegenbringt.

    Das Buch liest sich schnell, verzichtet nahezu vollständig auf literarische Spielereien, setzt auf viele Dialoge und weiß dennoch zu überzeugen. Am besten hat mir dabei der Mittelteil aus Danielas Perspektive gefallen. Hier nähert man sich der Figur schrittweise an, nach und nach erkennt auch sie selbst ihre Fehler. Balzano wechselt dazu manchmal in die ungewohnte "Du"-Perspektive, mit der sich Daniela direkt an ihren Sohn richtet und erzeugt eine noch höhere Identifikation bei den Leser:innen, die sich dadurch auch selbst angesprochen fühlen.

    Ein weiteres Plus des Romans ist das Anliegen Balzanos, den osteuropäischen Frauen eine Stimme zu geben, die ihre Heimat und die eigene Familie verlassen, um sich um Fremde zu kümmern. Auch dies gelingt ihm sehr gut, denn "Wenn ich wiederkomme" berührt nicht nur, sondern regt auch zum Nachdenken und zum Diskutieren an.

    Nicht ganz umschifft er dabei sämtliche Klischeeklippen: der demenzkranke Mann, der mal voller Wut auf Daniela reagiert, mit dem sie aber auch durchaus warme und zärtliche Momente verbringt; die vernachlässigten Anwaltskinder, die Daniela allein durch ihre geschenkte Aufmerksamkeit auf den richtigen Weg bringt; der gutaussehende Arzt, mit dem sie eine Affäre eingeht - hier passiert wenig Überraschendes, und man könnte ein wenig genervt sein, wenn man nicht schon lange diese warmen Gefühle für die Figuren hegte.

    Gerade durch den letzten Perspektivwechsel hin zu Angelica nimmt Balzano dem Roman zudem ein wenig Intensität. Tatsächlich fühlte ich mich Daniela und Manuel mittlerweile nämlich so nahe, dass ich lieber erfahren hätte, wie es mit ihnen weitergeht, als eine dritte Perspektive kennenzulernen, die zudem nicht viel Neues zur Romanhandlung beitragen konnte. Kleinere Kritikpunkte eines aber ansonsten überzeugenden Romans.

    "Ich war nicht fähig, die Sehnsucht hinter deiner Wut zu begreifen. Weißt du was? Bevor ich wegfuhr, wusste ich gar nicht, was das ist: Sehnsucht", erklärt Daniela ihrem Sohn in der wohl bewegendsten Stelle des gesamten Romans. Es ist ein Gewinn, dass Marco Balzano die Sehnsüchte dieser Menschen aufzeigt: schonungslos, bewegend und mit viel Herz.

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  1. Arbeitsmigration - ein nachdenklicher Familienroman

    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Nov 2021 

    „Du verstehst deine Mutter nicht, weil sie dir erlaubt hat, eine andere Frau zu werden.“ (Zitat Seite 276)

    Inhalt
    Manuel wächst in Rădeni auf, einem rumänischen Dorf nahe der Grenze zu Moldawien. Er ist zwölf Jahre alt, als er eines Morgens erwacht und seine Mutter ist weg. Heimlich hat Daniela die Familie verlassen und ist jetzt auf dem Weg nach Italien, wo sie in Mailand eine Stelle als private Pflegerin angenommen hat. Zurück bleiben Manuel, seine acht Jahre ältere Schwester Angelica und sein arbeitsloser Vater. Angelica muss sich, gemeinsam mit den Großeltern, um die Familie kümmern. Daniela will mit dem Geld, das sie verdient, ihren beiden Kindern eine gute Ausbildung und damit eine bessere Zukunft finanzieren. Besonders Manuel leidet unter dieser Situation, die immer kürzer werdenden Besuche der Mutter, die doch wieder wegfährt. Dann stirbt Opa Mihai, sein einziger Halt. Es gibt Tage, da läuft es für Manuel besser, dieser eine Tag war vom Aufwachen an keiner dieser guten Tage.

    Thema und Genre
    Dieser Roman handelt von den Migrantinnen, die ihre Familien verlassen, um im Ausland als billige Arbeitskräfte tätig zu sein, meistens als Haushaltshilfen und im privaten Pflegebereich. Es geht um diese Mütter, doch vor allem geht es um das Leben der zurückgelassenen Kinder und Jugendlichen, in ihren Heimatländern „Eurowaisen“ genannt.

    Charaktere
    Daniela will ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten und ist enttäuscht, dass vor allem Manuel ihr Opfer nicht zu schätzen weiß, er fühlt sich von ihr im Stich gelassen, verraten. Manuel würde viel lieber die Landwirtschaftsschule besuchen, als das Gymnasium, das seine Mutter mit ihrer Arbeit in Italien finanziert. Angelica studiert, muss durch den Weggang der Mutter aber die Verantwortung für den Haushalt und den jüngeren Bruder übernehmen, was sie zornig macht und überfordert.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte wird in drei Abschnitten von jeweils einer der Hauptpersonen als Ich-Erzähler, teilweise rückblickend, geschildert. „Außerdem gibt es keine gemeinsamen Erinnerungen, jeder hat seine eigene und macht aus ihr, was er will.“ (Zitat Seite 230) Im ersten Teil beschreibt Manuel diese Jahre, beginnend mit dem Morgen, an dem seine Mutter ohne ein Wort abgereist ist. „Im Leben geht es nur darum, einander nah zu sein, wie bei den Kaninchen im Stall, wenn’s draußen friert.“ (Zitat Seite 30) Das denkt der junge Manuel, wünscht sich die Mutter zurück und ist ihr absolut nicht dankbar. Im zweiten Teil erzählt Daniela, die Mutter, von ihrer Arbeit als Pflegerin und Kindermädchen, von den Menschen, die sie in Mailand betreut hat, von ihrem Alltag und den Lebensumständen während dieser Zeit. Sie ist überzeugt, das Richtige getan zu haben, als sie, zu Hause arbeitslos geworden, ins Ausland arbeiten ging. Dieser zweite Teil verbindet die vergangenen Jahre mit der Gegenwart. Im dritten Teil erzählt die Tochter Angelica die Geschichte in der Gegenwart weiter, es ist zugleich auch ihre Geschichte. In diesem letzten Abschnitt geht es auch um die Frage, ob diese Familie noch einmal zusammenfinden kann. Die Sprache ist leise, klar und einfühlsam.

    Fazit
    Die Geschichte einer Familie, die plötzlich Tausende von Kilometern voneinander entfernt ist, weil die Mutter das abgelegene rumänische Dorf verlässt, überzeugt, keine andere Wahl zu haben. Dieser Roman beleuchtet vor allem die andere Seite, was macht diese Situation mit der Familie, mit den heranwachsenden Kindern, die in der Heimat zurückbleiben. Die Intention des Autors ist es, auf die Situation aufmerksam zu machen. Diese Geschichte verurteilt nicht, aber sie wirft viele Fragen auf, die zum Nachdenken anregen.

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  1. Gewaltige Worte, eindringliche Worte.

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Okt 2021 

    Autor
    Marco Balzano

    Inhalt
    „»Du hättest eigentlich gar nicht geboren werden dürfen.«
    Das sagt mir Moma seit sechzehn Jahren.“

    Gewaltige Worte, eindringliche Worte. Und doch liebt seine Mutter ihn. Manuel lebt gemeinsam mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester Angelica in einer Kleinstadt am Rande Rumäniens, ihr Einkommen ist gering.
    Doch das Leben der Familie ändert sich von einem Tag auf den anderen. Morgens verschwindet Manuels Mutter Daniela ohne Abschied. Sie ist nach Mailand gegangen, um zu arbeiten, weil sie ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten möchte. Erst später meldet sie sich. Im Sommer besucht sie die Familie. Sie bringt Geschenke mit, doch diese können nicht verhindern, dass die Familie zerbrochen ist. Der Vater ist Trinker und arbeitslos. Manuels Schwester ist acht Jahre älter und meint, die Erziehung ihres Bruders übernehmen zu müssen. Als der Großvater stirbt, verliert er den Halt und stellt damit auch Daniela vor einer großen Entscheidung.
    Marco Balzano zeigt Probleme von auf Gastarbeiterfamilien auf.

    Sprache und Stil
    Balzanos erzählt eine einfühlsame, ruhige Geschichte. Er schreibt schnörkellos und findet treffende Worte für die Gefühle und Situationen der Charaktere.
    Drei Erzählperspektiven aus Sicht einer jeweils anderen Person in der Ich-Form unterteilen den Roman.
    Im ersten Teil erzählt der Sohn Manuel seine Geschichte, der plötzlich seine ältere Schwester als Erziehungsperson akzeptieren soll. Er muss damit zurechtkommen, dass seine Mutter plötzlich fort ist und er nur noch telefonisch mit ihr Kontakt halten kann.
    Im zweiten Teil spricht die Mutter. Sie ist zurückgekommen nach Rumänien, weil ihr Sohn im Koma liegt. Seine Mutter sitzt an seinem Krankenbett und erzählt ihm ihre Geschichte und schildert die Gründe, warum sie fortgegangen ist. Sie spricht von ihren Ängsten und das ständige schlechte Gewissen, da ihre Kinder ohne sie aufwachsen müssen.
    Der dritte Teil zeigt die Perspektive der Tochter Angelica, Manuels ältere Schwester. Sie hat die Verantwortung für ihren Bruder zu übernehmen, sich nicht gewünscht. Doch durch die Arbeit ihrer Mutter konnte sie studieren und eine andere Zukunft aufbauen.

    Unaufgeregt erzählt Marco Balzano diese Geschichte von einer rumänischen Arbeiterin, die Land und Familie verlässt. Durch den Wechsel der Perspektiven werden nicht nur Gedanken und Gefühle der Protagonisten sichtbar, sondern auch die Vielschichtigkeit des Themas.

    Fazit
    Auch in diesem Roman „Wenn ich wiederkomme“ hat Marco Balzano seine Stimme Themen und Menschen geliehen, die neben der großen Weltgeschichte nicht gesehen und nicht wahrgenommen werden.
    Das zentrale Thema des Romans ist das armutsbedingte Leben, das dazu zwingt, die Familie und die Heimat zu verlassen, um anderswo bessere Chancen zu finden.
    Marco Balzano Roman spricht ein wichtiges Problem unserer europäischen Gesellschaft an: die Suche nach Arbeit.
    Geprägt in einer Zeit der immer älter werdenden Gesellschaft, die Pflege und Betreuung benötigt, versuchen vor allem Frauen ihr Glück in der Fremde als Pflegerinnen.
    Gleichzeitig wird die Einsamkeit in der Fremde und auch die psychische Belastung, die ihre Arbeit mit sich bringt, deutlich spürbar.

    Danielas Traum vom angeblich besseren Leben in Italien bekommt den Namen: „Italienkrankheit“

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  1. Der Preis für ein besseres Leben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Okt 2021 

    Heimlich verlässt Daniela ihre Familie um in Italien als Altenpflegerin zu arbeiten. Der Job soll ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen; eine gute schulische Ausbildung und ein Leben ohne finanzielle Probleme. Doch der 14-jährige Sohn Manuel und seine acht Jahre ältere Schwester Angelica können die Entscheidung ihrer Mutter nicht akzeptieren. Das Gefühl verlassen zu werden verstärkt sich, als kurze Zeit später auch der Vater weggeht, um in einem fremden Land nach Arbeit zu suchen.

    Auch Daniela ist in Italien unglücklich. Sie vermisst ihre Familie und leidet unter der spürbaren Ablehnung ihrer Kinder. Als sie vom schweren Unfall ihres Sohnes erfährt, fährt sie sofort nach Rumänien zurück.

    Im Krankenhaus weicht sie nicht vom Bett ihres schwer verletzten Sohnes ab und erzählt Manuel, der nicht ansprechbar ist, ihre Geschichte. Es ist eine bewegende Geschichte, die Danielas Beweggründe und ihre Pläne klar und überschaubar macht. Trotzdem kann mich Daniela als Mutter nicht überzeugen. Zwar kann ich ihre Gefühle und Ängste besser verstehen, aber mir fehlt das Verständnis für ihr Verhalten.

    Der Grund dafür ist mit aller Wahrscheinlichkeit der Anfang dieser Geschichte, der aus Sicht von Manuel im ersten Teil des Romans erzählt wird. Der Titel dieses Abschnitts „Wo bist du“ unterstreicht klar und deutlich, wie schmerzhaft Mutters heimliches Weglaufen für den 14-jährigen Manuel ist. Es ist der Teil des Romans, der mich am meisten berührt hat.

    Im dritten Teil des Buches kommt Angelica zu Wort. Auch bei ihr haben die Entscheidungen der Eltern tiefe Spuren hinterlassen und neue Weichen für ihre Zukunft gestellt.

    In dem Roman „Wenn ich wiederkomme“ spricht Marco Balzano einige wichtige Probleme unserer europäischen Gesellschaft an. Es ist vor allem die Migration auf der Suche nach Arbeit. Und es ist auch die immer älter werdende Gesellschaft, die Pflege und Betreuung benötigt. Diese undankbaren Aufgaben übernehmen vor allem Frauen aus den Ländern, in denen der Lebensstandard niedriger ist als in dem ersehnten „Traumland“. Im Roman von Marco Balzano ist Italien dieses Traumland. Danielas Traum vom angeblich besseren Leben in Italien bekommt den Namen „Italienkrankheit“.

    Nüchtern und kompromisslos erzählt Balzano von den schlimmen Nebenwirkungen dieser „Krankheit“, über ihre Auswirkung auf die Betroffenen und auf ihre Familien. Er skizziert schonungslose Bilder der harten Realität, bewegt zum Nachdenken und Wiedergutmachung.

    Ein bemerkenswerter Roman!

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  1. Wer kümmert sich?

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Okt 2021 

    Eine Familie in Rumänien, beide Eltern haben keine Arbeit, die Kinder Manuel und Angelica wenige Perspektiven. Da beschließt die Mutter Daniela, heimlich, zu gehen. Nach Italien, um dort als Altenpflegerin zu arbeiten. Bald verabschiedet sich auch der Vater. Manuel, der zu dieser Zeit ein pubertierender Jugendlicher ist, findet keinen Halt. Bis ein Unfall seine Mutter wieder zurück zur Familie führt.

    Marco Balzano spricht hier für viele Frauen, für viele Familien, die ein ähnliches Schicksal teilen wie Daniela und ihre Kinder. „Wenn ich wiederkomme“ hat ein wichtiges und notwendiges Thema zum Inhalt. Die Arbeitsmigration osteuropäischer Frauen hinterlässt eine Leere in den Familien. Sie selbst arbeiten und leben weiterhin in prekären Verhältnissen, oft schwarz, über- und unterqualifiziert gleichermaßen, von der Hand in den Mund, dem Wohlwollen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen ausgeliefert. In Italien hat sich offenbar sogar das Wort „Italienkrankheit“ etabliert, welches die physischen und psychischen Belastungen der Pflegerinnen zusammenfasst. Mehr dazu kann man auch im Nachwort des Autors zum Buch lesen.

    „…keiner kümmert sich um die, die sich kümmern…“

    In diesem Roman erfahren wir von Manuel, Daniela und Angelica, wie sie mit diesem Leben zurechtkommen müssen. Daniela muss wohl so sein, nach außen hin abweisend, um ihre Schuldgefühle zu verbergen. Damit macht sie es aber der Leserin auch nicht leicht, mit ihr mitzufühlen. Mit ihrem Fortgehen sichert Daniela zwar finanziell die Zukunft ihrer Kinder ab, die emotionale Leere lässt sich dadurch nicht füllen. Entfremdet kehrt sie wieder, es ist ein schwieriger Annäherungsprozess, die Distanz und Sprachlosigkeit vorherrschend. Die Entfernung ist für die Leserin allzu deutlich, das mag mit ein Grund sein, warum ich zwar die Personen und ihr Handeln nachvollziehen kann, ich aber nicht berührt wurde.

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  1. Lesenswert

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Okt 2021 

    Daniela ist eine von vielen Müttern, die ihr Heimatland Rumänien verlässt, um anderswo Arbeit zu finden und ihen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Es verschlägt sie nach Mailand, wo sie wie so viele andere Menschen aus Osteuropa als billige Arbeitskraft in der Pflege für Kinder und Alte eine Anstellung sucht. Für sie ist dieser Schritt nicht einfach - sie muss ihre Familie zurücklassen und alles, was sie kennt. Doch auch Danielas Kinder, besonders ihr Sohn Manuel, leiden unter der Trennung.

    Im ersten Teil des Romans stehen die Gedanken und Gefühle Manuels im Mittelpunkt. Er muss damit zurechtkommen, dass seine Mutter plötzlich fort ist und er nur noch telefonisch mit ihr Kontakt haben kann. Das Geld, das sie verdient, schickt sie ihrer Familie nach Hause - aber kann das wirklich ein Ersatz für ihre Liebe und eine intakte Familie sein? Im zweiten Teil wird dann die Perspektive der Mutter geschildert; ihre Gründe fortzugehen, ihre Ängste und das ständige schlechte Gewissen, weil ihre Kinder ohne sie aufwachsen müssen. Im letzten Abschnitt kommt dann Manuels ältere Schwester Angelica zu Wort, die jahrelang die Verantwortung für ihren Bruder getragen hat und diesen Druck, die Familie zusammenhalten zu müssen, nun nicht mehr weiter hinnehmen und aus ihrem alten Leben ausbrechen will.

    Zentrales Thema des Romans ist die armutsbedingte Migration. Danielas Situation ist alles andere als ein Einzelfall, sie steht exemplarisch für unzählige Andere, die ihre Heimat und die Familie zurücklassen, um anderswo bessere Chancen zu finden. Der Ansatz, mit der Prespektive Manuels zu beginnen, hat mir dabei sehr gut gefallen - denn seine Wut, seine Verzweiflung über den Verlust der Mutter sind so gut beschrieben, dass ich deren eigene Verzweiflung danach umso eingängiger nachempfinden konnte. Die Alternativlosigkeit, weil sie in einer Gegend aufgewachsen ist, in der große Armut für die Mehrheit zum Alltag gehört. Ihre Einsamkeit, als sie ohne ihre Kinder und ihren Mann in einem fremden Land von vorne anfangen muss, die körperliche und psychische Belastung, die ihre Arbeit dort oft mit sich bringt. Das alles wurde deutlich spürbar.

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  1. Fluch und Segen zugleich

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Sep 2021 

    Klappentext:

    „Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern – die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Als ihrem heranwachsenden Sohn etwas zustößt, muss sie eine Entscheidung treffen.“

    Ich muss gestehen, ich bin Marco Balzano’s Worten immer schon verfallen und so auch hier. In seiner aktuellen Geschichte greift er ein Thema auf, das so einige Menschen gern als Tabu- oder Grauzone bezeichnen würden, ich hingegen nenne sie „Menschen die helfen müssen, weil sie finanziell nicht anders können“. Die Geschichte hier rund um Daniela, die ihre Familie wegen der Arbeit verlässt, in ein anderes, fremdes Land mit fremden Kulturen geht um Geld zu verdienen, als Pflegerin, Kinderfrau arbeitet. Für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit das wir „Osteuropäer“ als Pflegekräfte anheuern, aber steckt doch hinter jedem dieser Menschen auch eine Geschichte und eine Seele die auch Leid erfährt, obwohl sie sich selbst tagtäglich um Leid kümmert, es versucht, dieses Leid ein wenig lebenswerter zu machen…..Marco Balzano hat hier mit seiner klaren und heftigen Sprache den Kern der Thematik getroffen. Er schreibt unverfroren ehrlich, gefühlvoll und äußerst emotional über Protagonistin Daniela, dass man komplett mit ihr mitfühlt und ja, auch leidet. Man kann als Leser die eine Seite der Medaille verstehen aber auch die andere, die, die gern vergessen und verdrängt wird….Dürfen wir uns einen Menschen für Geld „kaufen“, nur um das er uns bedingungslos hilft und dabei seine eigene Welt hinten anstellt oder gar verdrängen soll? Sie merken schon, diese Geschichte hier wirft nicht nur viele ethische Fragen auf, sondern hat auch sehr sehr viel Gesprächspotential und vor allem, spricht die Geschichte ein großes gesellschaftskritisches Thema an. Balzanos Wortspiel ist dabei nie wertend sondern mahnend und genau da liegt der feine Unterschied. Der aufmerksame Leser wird hier sogar noch mehr entdecken und bekommt, wie immer eigentlich bei Balzano, ein echtes Schmuckstück und Lesehighlight in der Literaturwelt! 5 von 5 Sterne!

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  1. Ein dreistimmiger Familienroman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Sep 2021 

    Der für die Rezension gewählte Titel ist ein Zitat aus dem Kapitel Nachbemerkung, das am Ende des Buches steht. Gehört meiner Meinung nach zum wichtigsten Teil des Buches, als Vorwort hätte ich es noch besser gefunden. Als Vorbereitung auf das Buch.
    Schon hier mache ich deutlich, dass das Buch drei Erzählstränge hat. Die beiden Kinder der Rumänin Daniela, die als Pflegekraft nach Italien geht und auch sie selbst, kommen jeweils mit einem eigenen Kapitel zu Wort. Hierbei geht es nicht nur um die Beweggründe der Mutter wegzugehen, auch um die Folgen für die in Rumänien Zurückbleibenden. Der Vater kommt per se schon mal nicht zu Wort, kurz gesagt er "taugt nichts".
    Das Thema Pflegekräfte die in Deutschland fern der Heimat ihr Leben führen müssen betraf mich bisher wenig. Eigene Erfahrung noch keine, wenn Bekannte erzählten stand immer im Mittelpunkt der Gespräche was für eine Perle manche seien, wie schwierig andere. Die Perlen bekamen immer Extras wie ausrangierte Kleidung für ihre Kinder und wenn man ihnen ermöglichte mit anderen Pflegekräften einmal im Monat einen Kaffee zu trinken, dann galt man schon als sozialer Arbeitgeber.
    Die Kluft zwischen arm und reich ist und bleibt gross und ungerecht. Viele versuchen sie zu überwinden, aber oft kommt das wovor man flieht in anderer Form wie ein Bumerang zurück. Bumerang, so heisst auch passenderweise eine Kapitelüberschrift in diesem Buch.
    Der Roman sensibilisiert hoffentlich einige Leser für das Thema ausländische Pflegekräfte, geändert werden müsste aber so viel mehr.

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  1. Italienkrankheit...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Sep 2021 

    Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern – die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Als ihrem heranwachsenden Sohn etwas zustößt, muss sie eine Entscheidung treffen. (Klappentext)

    Erster Satz: „Du hättest eigentlich gar nicht geboren werden dürfen.“

    Wer schon einmal in der Situation war eine Entscheidung treffen zu müssen, wie ein pflegebedürftiger Angehöriger am besten versorgt werden kann, der wird sich auch mit der Thematik „Pflegerin aus dem Osten“ auseinandergesetzt haben. Kaum jemand jedoch wird in diesem Zusammenhang darüber nachdenken, wie es diesen Pflegerinnen bei ihrer Arbeit ergeht. Und was die Entscheidung, für diese im Verhältnis gut bezahlte Arbeit ihr Land und ihre eigene Familie zu verlassen, für die Frau und ihre Angehörigen eigentlich bedeutet. Marco Balzano hat sich mit diesem in vielen westlichen wie östlichen Ländern aktuellen Thema auseinandergesetzt, und sein neuester Roman liefert dazu ein bedrückendes und mahnendes Bild.

    „Wenn ich wiederkomme“ ist ein dreistimmiger Familienroman, der in drei Teile gegliedert ist und aus wechselnden Ich-Perspektiven erzählt wird.

    Als Erster kommt der anfangs 12jährige Manuel zu Wort, den das heimliche Verschwinden seiner Mutter ins ferne Mailand sehr trifft. Sein Vater Filip ist keine wirkliche Unterstützung, er war immer schon labil und unzuverlässig, und so wundert es kaum, dass er sich weder um seine Kinder noch um den Haushalt kümmert, sondern bald ebenfalls die Familie verlässt. Manuel schwankt zwischen großer Einsamkeit, Sehnsucht und Wut auf seine Mutter, die bald einsetzende Pubertät macht es nicht leichter. Weder seine acht Jahre ältere Schwester noch die Oma, die die Kinder versorgt, bieten dem Jungen den notwendigen Halt. Und als der Großvater stirbt, dem Manuel sich als Einzigem noch nahe fühlte, droht die Einsamkeit ihn zu überwältigen.

    „Als meinem Vater klar wurde, dass seine Frau sich davongemacht hatte, begann er, die Tür mit Tritten zu traktieren und mit den Fäusten gegen die Wand zu schlagen, während ich hinaus unter die Pergola ging und so laut ihren Namen schrie, dass es nach einer Weile sogar Papa zu viel wurde…“

    Im zweiten Teil des Romans erfährt der Leser aus Sicht der Mutter Daniela die Gründe für ihr heimliches Verschwinden aus dem kleinen Dorf in Rumänien sowie einen Einblick in ihr Leben mit ihren wechselnden Stellen in Mailand, immerhin bereits vier Jahre lang. Daniela spart jeden Cent, um ihre daheim gebliebene Familie finanziell zu unterstützen. Außer Zigaretten gönnt sie sich nichts, und neben schwerer körperlicher Arbeit laugt das ständige Kreisen um die alternden Menschen am Ende ihres Lebens mit ihren diversen körperlichen und geistigen Gebrechen die junge Frau zunehmend aus. Durch regelmäßige Telefonate versucht Daniela, den Kontakt zu ihren Kindern zu halten, doch nur zu bald wird deutlich, dass das auf diese Entfernung kaum geht und dass man sich nicht mehr viel zu sagen hat.

    „Ich muss nur einen Weg finden, mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen, damit es ihm an nichts fehlt, aber die Wahrheit interessiert mich nicht (…) Die ganze Vergangenheit interessiert mich nicht. Wäre die Erinnerung ein Stück Holz, ich würde sie ins Feuer werfen. Und dann zuschauen, wie sie zu Asche verbrennt.“

    Der dritte Teil widmet sich schließlich Danielas Tochter Angelica, von der die Mutter erwartet hat, dass diese nicht nur einen guten Schulabschluss macht und anschließend studiert, sondern dass sie sich als acht Jahre ältere Schwester auch um Manuel und den Haushalt kümmert. Eine zwangsläufige Überforderung, die mit Schuldgefühlen und Abwehr einhergeht, und trotz der Dankbarkeit Angelicas für die Möglichkeit eines Studiums und damit eines anderen Lebens als das der Mutter, bleiben auch Zorn, Unverständnis und Ablehnung.

    „Ich hätte so gern weniger Angst vor der Liebe, die mich mit ihr verbindet, vor dem Schicksal, das ihrem ähneln könnte. Ich hätte gern weniger Angst davor, dass ihr ausgemergeltes Gesicht mit der Zeit zu meinem wird.“

    „Heimat und Entwurzelung“ – diesen Begriffen bleibt Marco Balzano auch in diesem Roman treu. Eindringlich schildert er anhand seiner fiktiven Figuren die psychischen wie sozialen Folgen dieser so besonderen Arbeits- und Lebenssituation. Ein Weiterleben mit und trotz der Entscheidungen anderer, die man selbst nicht gefällt hätte und die es schwer machen, seinen eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Distanziert aber dennoch gefühlvoll gewährt der Autor dem Leser Einblick in das Erleben der verschiedenen Familienmitglieder, der Schreibstil ist einfach aber eingängig und dabei oftmals wie kurz angebunden, was zur Verletzlichkeit der erzählenden Personen passt, die durch die spröde Art sich zu geben sich selbst zu schützen versuchen. Ein melancholischer Ton durchzieht die Seiten, spürbar die Einsamkeit und Trostlosigkeit – mich hat die Erzählung oftmals ergriffen.

    Familien, die auseinanderbrechen, Frauen, die sich entwurzelt fühlen, Kinder, die auf der Strecke bleiben. Dieses Ausmaß an „Kollateralschäden“ hätte ich so nicht vermutet. Und doch geht es noch schlimmer, wie der Autor in seinem aufschlussreichen Nachwort erläutert. Nicht wenige Kinder rumänischer Frauen, die sich gezwungen sehen, im Ausland für das Auskommen ihrer Familien zu sorgen, können nicht von Angehörigen zu Hause betreut und verpflegt werden, sondern landen als „Eurowaisen“ in staatlichen Heimen, denen es finanziell aber ebenfalls nicht gut geht. Dazu kommt noch oftmals eine Burnout-Problematik hinzu, die die Frauen fast zwangsläufig befällt, weil sie sich um fremde Menschen mit schweren Gebrechen in einem fremden Land mit einer fremden Sprache kümmern müssen und kaum noch ein eigenes Leben führen können, während die Mitglieder der eigenen Familie ihnen immer fremder werden und sie ihre Rolle als Mutter nicht länger erfüllen können. „Italienkrankheit“ nennen Balzano (und die Psychologen) das - seine Recherchen zu dem Roman hat der Autor im Wesentlichen auf rumänische Pflegerinnen in Italien fokussiert.

    „Wer eine Geschichte erzählen will, muss ihr zuhören können: Die Worte dieser Frauen, Kinder und Jugendlichen sind der Keim, aus dem dieses Buch geboren wurde. Es zu schreiben, war für mich ein Versuch der Wiedergutmachung.“

    „Wiedergutmachung“ scheint allerdings ein hehres Ziel… In jedem Fall aber hat Marco Balzano mit seinem bedrückenden Roman diese sich einander so ähnelnden Schicksale der Familien sichtbar gemacht, deren Mütter sich aus finanzieller Not heraus entschließen, ganz unabhängig von ihrem bisherigen Leben und ihren eigentlichen Qualifikationen, als Pflegerin in Italien zu arbeiten. Ein Schicksal, das hier beispielhaft und eindringlich dargestellt wird und das den Leser nachdenklich zurücklässt.

    Unbedingt lesenswert!

    © Parden

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Glückskinder: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Glückskinder: Roman' von Teresa Simon
5
5 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Glückskinder: Roman"

München 1945. Auf dem Schwarzmarkt in der Möhlstraße treffen sich alle, die nach Glück und ein wenig Leben suchen. Nylons, Kaffee, Schokolade und Schmuck wechseln hier die Besitzer. Auch Toni, die ihr Zuhause verloren hat und nun bei ihrer Tante Vev wohnt, versucht, auf dem Schwarzmarkt das Nötigste für die Familie zu organisieren. Als sie die Holländerin Griet kennenlernt, spürt Toni zunächst eine tiefe Abneigung. Sie ahnt nicht, dass Griet eine schwere Zeit hinter sich hat, über die sie nie wieder sprechen möchte. Sie könnten einander helfen. Doch das geht nur, wenn sie ehrlich zueinander sind und ihre Vorurteile überwinden ...

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:512
EAN:9783453424067
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Rezensionen zu "Glückskinder: Roman"

  1. Absolut mitreißend

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Mär 2021 

    München 1945: Toni hat ihr Zuhause verloren und wohnt nun bei ihrer Tante Vev. Auf dem Schwarzmarkt versucht sie, das Wichtigste und Nötigste zu organisieren. Als sie die Holländerin Griet kennenlernt, mag sie sie zuerst nicht. Doch auch Griet hat eine schwere Zeit hinter sich. Werden sie einen Weg finden, sich gemeinsam zu helfen und zu unterstützen? 

    Ich kannte bereits mehrere Romane dieser Autorin, die mir allesamt sehr gut gefallen haben. Deshalb bin ich voller Vorfreude in dieses Buch gestartet.
    Der Schreibstil ließ sich sehr leicht und flüssig lesen und die Seiten flogen nur so dahin. Es war wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
    Die Charaktere waren sehr lebendig und authentisch. Ich konnte mich prima in sie hineinversetzen, ihren Gedanken folgen und ihre Gefühle verstehen. Toni und Griet fand ich beide sympathisch und sie sind mir ganz schnell ans Herz gewachsen.
    Die Geschichte hat mich sofort gefangen genommen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Es war auf jeder Seite zu spüren, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt und bestens recherchiert hat. Alles wirkte sehr authentisch und ich konnte in die damalige Zeit eintauchen und die Probleme und Schwierigkeiten regelrecht miterleben. Die Zeit nach dem Krieg, die vielen Verluste, die Ängste vor der Zukunft und wie es weitergehen soll - alles war unglaublich echt beschrieben. Aber auch die Hoffnung und der Wille, die die Frauen hatten und sich gegenseitig gaben, war toll beschrieben. Ich habe richtig mit ihnen mitgefiebert auf ihrer Suche nach dem Glück.

    Ein fantastischer und mitreißender Roman, der mich begeistert hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen. 

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  1. Jeder muss sein Glück selbst finden

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Feb 2021 

    "Wir wissen, dass ein Glück, das wir der Lüge verdanken, kein wahres Glück ist." (Heinrich Heine)
    München 1945: Der Krieg ist zu Ende, die alliierten Mächte haben ihre Zonen eingenommen. München wird derweil von den Amerikanern besetzt und der Schwarzmarkt boomt, da man für viele Nahrungsmittel anstehen muss. Nylonstrümpfe, Zigaretten, Schokolade und Schmuck werden zu den beliebtesten Handelswaren. Auch Familie Brandl, die inzwischen bei Tante Vev wohnen, müssen sich mit ihrem Schmuck über Wasser halten. Dabei lernt Antonia (Toni) den sonderbaren Louis kennen, der immer wieder Waren beschaffen kann und Tonis Herz erobert. Als eines Tages der Holländerin Griet van Mook in der Wohnung ein Zimmer zugewiesen wird, reagiert Toni mit starker Abneigung. Sie kann ja nicht ahnen, das Griet eine schwere Zeit hinter sich hat, von der sie sich zu erholen versucht. Griet möchte diese Zeit nur noch vergessen und spricht mit niemandem darüber.

    Meine Meinung:
    In Teresa Simons neustem Roman geht es um zwei junge Frauen, die unterschiedlicher kaum sein können, und trotzdem verbindet sie das Schicksal des Kriegs miteinander. Der Schreibstil ist unterhaltsam, fesselnd, emotional und bewegend in kurzen Kapiteln mit verschiedenen Handlungssträngen dargestellt. München ist nach dem Krieg größtenteils zerstört, der Wohnraum und das wenige, was die Menschen haben, ist knapp. Besonders an Lebensmittel, Kohle und Holz fehlt es an allen Enden. Währenddessen quartieren die Amerikaner zwangsweise Flüchtlinge und ehemalige KZ-Häftlinge in den Häusern und Wohnungen ein, ob es den Bewohnern passt oder nicht. Nachdem die Wohnung der Brandls beim Bombenangriff zerstört wurde, sind sie in Tante Vevs kleiner Wohnung untergekommen. Trotzdem müssen sie eines Tages die Holländerin Griet bei sich aufnehmen, die 1942 im Widerstand gekämpft hat, verhaftet wurde und ins KZ kam. Doch Griets Leben umgibt ein Geheimnis, das sie niemandem anvertrauen kann, zu sehr ist ihre Angst vor den Konsequenzen. Die Ablehnung der Familie Brandl, besonders aber Tonis bekommt sie jeden Tag zu spüren, weshalb sie versucht, den Kontakt zu meiden. Jedoch die Faszination zu dem sonderbaren Louis scheint die beiden Frauen zu verbinden. Werden die beiden je den richtigen Wegen für sich finden, damit sie glücklich werden? Teresa Simon zeigt hier durch ihre gute und reichliche Recherchearbeit, wie schwer die Zeiten in der Nachkriegszeit waren. Nicht nur die ehemaligen Gefangenen und Flüchtlinge mussten leiden und hungern, sondern auch viele Deutsche, die nichts mehr hatten. Die Geschichte von Toni und Griet den beiden Hauptcharakteren, zeigt beide Seiten auf. Ich erlebe den Todesmarsch, bei dem viele Menschen ihr Leben lassen mussten. So bangt auch Griet lange um das Leben ihrer Freundin Leni, die schwer krank ist. Viele der Gefangenen möchten so schnell es geht nach Hause, doch Griet hat kein zu Hause mehr, weshalb sie nach München möchte. Die Autorin greift in dieser Geschichte alles an historischen Gegebenheiten auf, sei es die Besatzungsmächte, Entnazifizierung, die Nürnberger Prozesse, Schwarzmarkt und die Währungsreform der D-Mark. Ich erlebe das Leid, die Armut und den Hunger der Menschen die eigentlich nur eines wollen den Frieden. Ebenso zeigt es das Bangen um die Männer, die noch inhaftiert oder gar im Krieg gefallen sind. Dabei konnte mich besonders die quirlige, natürliche und unkomplizierte Toni überzeugen, ebenso wie die traumatisierte, verschlossenen und distanzierte Griet. Gut gefallen hat mir auch der sympathische, fürsorgliche Captain Walker und der selbstbewusste, motivierte Max. Jedoch der verwegene, unnahbare Louis dagegen blieb für mich weitestgehend rätselhaft. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, da es einen guten Einblick in die deutsche Nachkriegszeit vermittelt und gebe 5 von 5 Sterne.

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  1. Neuanfang zwischen Trümmern

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Feb 2021 

    Wenn ich mich mit einem gut recherchierten historischen Roman unterhalten möchte, ist Teresa Simon für mich inzwischen immer die erste Wahl! Sie verbindet immer sehr gelungen packende Frauenschicksale mit einem genau und lebendig wiedergegebenen Zeitbild.

    Ihr neuester Roman „Glückskinder“ ist in München unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs angesiedelt. Die Versorgungslage ist schwierig und Toni versucht so viel wie möglich auf dem Schwarzmarkt zu organisieren. Zusammen mit der Mutter und der Schwester lebt sie bei Tante Vev, genau wie eine weitere Tante und ihr Sohn. Man rückt eben zusammen weil die eigenen Wohnungen schon längst den Bomben zum Opfer fielen.

    Griet van Mook hat als Zwangsarbeiterin den Krieg überstanden und auch den letzten Marsch aus dem Gefangenenlager überlebt. Entwurzelt strandet auch sie München und wird bei Tante Vev einquartiert. Es ist eine Zwangsgemeinschaft, Griet und Toni stehen sich sehr ablehnend gegenüber.

    Ich bin immer wieder auf’s Neue erstaunt, wie lebendig Teresa Simon den geschichtlichen Hintergrund ihrer Romane gestaltet. Das setzt nicht nur Kopfkino in Gang, Immer wenn ich das Buch aufgeschlagen habe, bin ich auf einer Zeitreise gewesen und ganz in der Geschichte aufgegangen. Das setzt natürlich eine sorgfältige Recherche voraus und bei der Autorin, eine studierte Historikerin, kann man sich darauf verlassen. Dass dieses Buch in ihrer Heimatstadt München spielt, merkt man an den vielen kleinen Anekdoten, die diesen Frauenroman bereichern.

    Die Geschichte ist emotional und aufwühlend erzählt, den Protagonisten und ihrem Schicksal konnte ich mich nicht entziehen, ich habe mit ihnen gehofft und gebangt. „Glückskinder“ bleiben sie trotz aller Schicksalsschläge, denn sie haben den Krieg überlebt und die Hoffnung auf einen Neuanfang nicht aufgegeben.

    Teresa Simon hat ein Gespür dafür, ein Zeitbild zu entwickeln und die Leserinnen mitzunehmen, ihnen eine Welt nahezubringen, wie es einem reinen historischen Bericht nie gelingen kann. Das macht den verdienten Erfolg ihrer Bücher aus.

    Der Verlag hat durch seine schöne Umschlaggestaltung dem Buch auch noch den passenden Rahmen mitgegeben.

    .

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  1. Lass dich vom Glück finden!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Feb 2021 

    In der Geschichte geht es um die Brandl- Frauen, die 1945 in München das Kriegsende erleben. Sie versuchen, auch durch Schwarzmarktkäufe, über die Runden zu kommen. Wird Bruder Max aus der Gefangenschaft irgendwann heimkehren? Und was ist mit dem vermissten Vater? Zu allem Überfluss müssen sie auch noch eine ehemalige KZ- Insassin aufnehmen. Kann das gut gehen?

    Mit diesem Roman ist es Frau Simon gelungen ein realistisches Bild von München nach dem Krieg zu zeichnen. Man sieht die zerstörten Gebäude, das Chaos auf den Straßen und die Schwarzmarktstände bildlich vor Augen und kann auch das Schöne wahrnehmen, was den Krieg überlebt hat.

    Die Hauptfiguren Toni Brandl und Griet van Mook sind wie Feuer und Wasser und dennoch verbindet sie etwas: die jungen Fraun wollen neu anfangen und das Glück wiederfinden.

    Toni Brandl habe ich als tatkräftige, junge Frau erlebt, die für das Überleben ihrer Familie jedes Risiko eingeht. Das Handeln auf dem Schwarzmarkt ist alles andere als ungefährlich. Die Einblicke in die Arbeit eines Verlages durch sie fand ich interessant.

    Griet van Mook hat viel erlebt als Zwangsarbeiterin und KZ- Häftling. Der Todesmarsch ging mir richtig unter die Haut. Es war unglaublich schön mit anzusehen, wie sie wieder auf ihre Füße kommt und etwas aus sich macht. Ihr wohlbehütetes Geheimnis will man als Leser unbedingt lüften. Die vielen Informationen zu den amerikanischen GIs und was sie alles mit ins Land brachten, war spannend, da ich bisher vermehrt nur Bücher über russisch besetzte Zonen gelesen hatte.

    Die eingestreuten Liebschaften kamen immer ohne Kitsch daher und lasen sich mehr als angenehm.

    Dieses Buch ist einfach ein Schmöker, den man nicht mehr weglegen kann, denn der Schreibstil der Autorin saugt den Leser regelrecht auf und lässt ihn alles um sich herum vergessen. Das ist gerade in der aktuellen Zeit eine willkommene Abwechslung. Zudem lernt man viel über die damalige Zeit.

    Die Rezepte am Ende des Romans zeigen doch sehr deutlich, wie gut wir es derzeit haben.

    Fazit: Unglaublich fesselnd und Geschichte zum Anfassen. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus. Spitze!

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Der zweite Schlaf: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der zweite Schlaf: Roman' von Robert Harris
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der zweite Schlaf: Roman"

England ist nach einer lange zurückliegenden Katastrophe in einem erbärmlichen Zustand. Der junge Priester Fairfax wird vom Bischof in ein Dorf entsandt, um dort die Beisetzung des mysteriös verstorbenen Pfarrers zu regeln. In der Umgebung finden sich besonders häufig jene verbotenen Artefakte aus vergangener Zeit – Münzen, Scherben, Plastikspielzeug –, die der Pfarrer akribisch gesammelt hat. Hat diese ketzerische Leidenschaft zu seinem Tod geführt? Robert Harris’ erster Roman »Vaterland« war ein Ereignis. Seine Berühmtheit wuchs mit historischen Politthrillern wie »Pompeji« und seiner groß angelegten Cicero-Trilogie (»Imperium«, »Titan«, »Dictator«). Ob nun Antike oder jüngere Neuzeit (»Intrige«, »Konklave«, »München«) – auch wenn in seinen Büchern faktenfeste und erfundene Historie sich mischen, so muss man den vordergründigen Mantel nicht weit lüpfen, und die hintergründige Aktualität scheint auf. Robert Harris schreibt letztlich immer über das Hier und Jetzt.

Format:Taschenbuch
Seiten:432
EAN:9783453424784
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Cainstorm Island - Der Gejagte: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Cainstorm Island - Der Gejagte: Thriller' von Marie Golien
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Cainstorm Island - Der Gejagte: Thriller"

Eine atemlose Flucht durch eine Megacity. Und Millionen schauen zu.

"Meine Zuschauer lieben die Gefahr. Zumindest, wenn ich sie erlebe und sie durch meine Augen dabei zuschauen dürfen."

Emilios Welt ist geteilt. Auf der einen Seite das reiche Asaria. Auf der anderen Seite Cainstorm Island, überbevölkert, arm und von Gewalt zerfressen. Dort kämpft der 17-Jährige, umgeben von brutalen Gangs, gegen die Schulden seiner Familie. Eines Tages spricht ihn ein Mitarbeiter von Eyevision an und bietet Emilio einen Deal. Emilio willigt ein, sich einen Chip in den Kopf implantieren zu lassen. Dieser Chip ist an seinen Sehnerv angeschlossen und überträgt jeden Tag eine halbe Stunde lang, was Emilio sieht. Seine Videos, waghalsige Kletter- und Trainsurf-Aktionen, kommen an, die Zuschauerzahlen steigen langsam. Bis sein Leben eine unvorhergesehene Wendung nimmt: Emilio gerät in das Gebiet einer Gang und tötet einen der Anführer in Notwehr. Live und auf Sendung. Das Video verbreitet sich rasend schnell und Emilio wird zum Gejagten. Und zwar nicht nur von der Gang, sondern auch von Eyevision, die sehr eigene Pläne mit Emilio haben.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:336
EAN:9783423762427
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Rezensionen zu "Cainstorm Island - Der Gejagte: Thriller"

  1. Spannend und mitreißend

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Apr 2019 

    Die Welt, wie Emilio sie kennt, ist zweigeteilt. Auf der einen Seite das reiche Asaria, auf der anderen Seite das arme und übervölkerte Cainstorm Island. Dort lernt der Siebzehnjährige zwischen Gangs und kämpft gegen die Schulden seiner Familie. Er ist bereit, sich für die Firma Eyevision einen Chip in den Kopf implantieren zu lassen. Da der Chip an den Sehnerv angeschlossen ist, überträgt er jeden Tag dreißig Minuten lang, was Emilio sieht. Um seinen Zuschauern etwas zu bieten, macht er in dieser Zeit waghalsige Dinge. Doch dann gerät er in das Gebiet einer Gang und töten einen der Anführer aus Notwehr. Damit wird Emilio zum Gejagten.

    Dieser Jugendthriller hat mir richtig gut gefallen und macht mich sehr neugierig auf einen zweiten Teil.
    Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen und war dabei äußerst fesselnd. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte das Buch nicht mehr weglegen.
    Die Charaktere wurden bildhaft und authentisch beschrieben. Emilio als Hauptprotagonist  war unglaublich stark und charaktervoll gezeichnet und ich fand ihn sofort sympathisch. Ich war von ihm fasziniert und konnte mit ihm mitfiebern und hoffen, dass er heil aus der Sache herauskommt.
    Die Story war sehr rasant und actionreich und bot so manche unvorhersehbare Wendung, so dass ich durchgängig gefesselt war und das Buch unbedingt verschlingen musste. Dank der bildhaften Beschreibungen habe ich alles richtig miterleben können und war wirklich mittendrin. Ich war gespannt, wie Emilio die Hetzjagd durchsteht und wie er aus dem Ganzen herauskommt. Aber auch, wie Eyevision die Situation für sich nutzt.
    Die Spannung wurde schnell sehr gut aufgebaut und hielt sich bei mir konstant bis zum Ende. Der zweite Teil, auf den das Ende hindeutet, ist ein absolutes Muss!

    Ein spannender und mitreißender Thriller, den ich empfehlen kann und dem ich 5 von 5 Sternen gebe.

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Paradise Valley: Das Verhängnis: Mystery-Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Paradise Valley: Das Verhängnis: Mystery-Thriller' von Carlo Meier
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Paradise Valley: Das Verhängnis: Mystery-Thriller"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:256
Verlag: Fontis
EAN:9783038481492
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Rezensionen zu "Paradise Valley: Das Verhängnis: Mystery-Thriller"

  1. Das Rätsel rund um Paradise Valley

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Apr 2019 

    "Das Verhängnis unserer Kultur ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig." (Albert Schweitzer)
    Lena, ihre Schwester Toyah, Mia und Tom sind weiter auf der Suche nach ihrer von 12 Jahren verschwundenen Mutter. Außerdem möchte Lena wissen, was es mit diesem Medaillon auf sich hat und warum jemand hinter diesem her ist. Der Weg nach Kalifornien in Richtung Paradise Valley hat ihnen außerdem noch einen weiteren Passagier zugefügt. Harrison der am besten das vom Alter gezeichnete Auto reparieren kann, kommt kurzentschlossen ebenfalls mit ihnen mit. Zu fünft und mit wenig Geld in den Taschen wird diese Fahrt zum reinsten Abenteuer. Doch dann erreichen sie das Yawani Reservat, bei dem sie die Vorfahren ihrer Mutter vorfindet. Von dort ist es auch nicht mehr weit bis Paradies Valley, doch die Begrüßung als sie dort ankommen ist nicht gerade herzlich. Viele sonderbare Dinge gehen in diesem Tal vor sich und selbst ihre Mutter dürfen sie nur recht kurz sehen. Über allem scheint dieser eigenartige White zu herrschen. Auch Lenas Ängste wachsen immer mehr, wird die Prophezeiung der Yawanis eintreten als sie sagten: "Man kommt rein ins Paradise Valley, aber es kam bisher noch keiner wieder heraus."

    Meine Meinung:
    Ein schönes Cover mit einem Ausschnitt des Highways passte sehr gut zum Buch. Nachdem ich den ersten Teil dieser Trilogie gelesen hatte, wollte ich unbedingt wissen wie es mit den Zoom-Crew, wie sich die Jugendlichen nannten, weiterging. Der Schreibstil war schon wie beim letzten Mal recht einfach, mit kurzen Sätzen und in jugendlicher Sprache, so das es genau das richtige für die Altersgruppe 10–12 Jahre ist. Mehrere Handlungsstränge wurden diesmal erzählt, wobei mich am meisten irritierte, das alle Stränge bei mir offene Fragen zurückließen. Da war z. B. Ravindran, bei dem ich gar nicht wusste, warum man diese Handlung in das Buch miteinbrachte. Auch Alec und Harrisons Geschichte bleiben weitestgehend offen, genauso wie das der restlichen Zoom Crew. Von daher hoffe ich, das in Band 3 die Auflösung von allem kommt. Beim Plot ging es natürlich wie schon beim letzten Mal um die Suche nach der Mutter von Lena und Toyah, die sie 12 Jahre nicht gesehen hatten. Für mich nach wie vor unverständlich, wie eine Mutter hochschwanger ihre zwei kleinen Kinder alleine lassen konnte. Doch es ging auch noch um das Geheimnis dieses Medaillons das Lena zu ihrem 16. Geburtstag bekommen hatte. Die Charaktere waren im Grunde wie schon in ersten Band genau richtig für junge Leser ausgesucht. Neugierig, freundlich, nett, zuvorkommend und abenteuerlustig beschreibt die Zoom-Crew am besten. Besonders gefällt mir das man mit interessanten Trailern bei YouTube für diese Bücher wirbt, bei denen sich lauter junge Leute einbrachten. Natürlich bin ich kein Freund von offenen Geschichten, für mich sieht das immer nach Verkaufstaktik aus. Doch bei einer Trilogie wie dieser lässt sich das wohl nicht ganz vermeiden. Von daher ist es sicher gut, wenn man alle Teile dieser Reihe liest, zumindest hatte ich bei diesem Buch am Ende noch sehr viele Fragen. Auch wenn ich nicht dieser Altersgruppe angehöre, denke ich, das dieses Trilogie bei jungen Leser aufgrund der Spannung sehr gut ankommt. Was das Thema christlicher Glaube anbelangt, ist vieles recht oberflächlich gehalten. Trotzdem von mir für diesen Teil, wie schon beim ersten Band 4 von 5 Sterne.

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Niemalswelt

Buchseite und Rezensionen zu 'Niemalswelt' von Marisha Pessl
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Niemalswelt"

Tödliche Wahl – der neue Roman der New-York-Times-Bestsellerautorin Marisha Pessl!
Ein packender Genre-Mix aus Psycho-Thriller, Coming-of-Age und Mystery.

Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist wirklich passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen – bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt. Der Schlüssel zur Entscheidung scheint Jims Tod zu sein – in ihrer Verzweiflung beginnen die Freunde nachzuforschen, was wirklich mit ihm passiert ist, in jener Nacht, in der er in den Steinbruch stürzte. Und langsam wird klar, dass sie alle etwas zu verbergen haben …


Ein echter Page-Turner, der einen nicht mehr loslässt!

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:386
Verlag: Carlsen
EAN:
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Rezensionen zu "Niemalswelt"

  1. Wincroft

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Aug 2019 

    Nun ist es schon ein Jahr her, dass ihr Freund Jim verschwand und zwei Tage später tot aufgefunden wurde. Beatrice hat seinen Tod noch immer nicht überwunden, aber sie will wissen, was in der Nacht wirklich geschehen ist. Noch einmal will sie die Freunde von damals treffen, in Wincroft, wo sie so viel Zeit verbracht haben. Doch je näher das Ziel kommt, desto unsicherer wird Beatrice, ist Wissen wirklich essentiell? Mit den Freunden ist es nicht wie früher, Jim war ihr Zentrum und ihr Zusammenhalt. Ohne ihn sind sie nur eine Gruppe von jungen Leuten, die nach einer Party einen Unfall hatte.

    Ein Unfall, mit dem der Wächter auf den Plan gerufen wird, der den jungen Leuten mitteilt, dass sie die selbe Zeit immer wieder erleben müssen, bis sie entschieden haben, wer überleben wird, denn nur einer kann überleben. Wie Beatrice im Buch selbst erwähnt, der Groundhog Day lässt grüßen. Und dieser Tag mutet Beatrice und ihren Freunden einiges zu. Auch wenn es Momente gibt, in denen sie ihre quasi Unsterblichkeit beinahe genießen, kommen die Fünf doch zu dem Schluss, dass sie zusammenwirken wollen, um der ewigen Wiederholung zu entfliehen. Nur so können sie es schaffen, aufzuklären, was vor Jims Tod geschehen ist.

    Man fragt sich anfänglich schon, ob die Autorin einer bekannten Idee eine neue Facette abgewinnen kann. Zum Glück muss man nicht lange lesen, um von der Handlung des Buches gefangen genommen zu werden. Beatrice lernt ihre Freunde auf eine ganz neue Art kennen. Gemeinsam und auch getrennt durchlaufen sie Phasen, in denen ihr Aufenthalt in der Niemalswelt mehr oder weniger erträglich ist. Doch je mehr ihnen klar wird, dass sie letztlich nur zusammen stark sind, desto mehr können sie die Zeit vor Jims Tod rekonstruieren und ihre Empfindungen unter einander, seien sie positiv oder negativ, entschlüsseln. Es überrascht nicht, dass dabei einige Überraschungen ans Licht kommen. Hat man erstmal mit der Lektüre begonnen, findet man hier eines der seltenen Bücher, die einen eintauchen lassen in eine fremde Welt, die man erst wieder verlassen möchte, wenn das letzte Rätsel gelöst ist.

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  1. Zeitschleifenfantasy

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 03. Apr 2019 

    Vor einem Jahr starb Jim Mason unter ungeklärten Umständen. Seine Freundin Bee trauerte lang um ihn. Jeglichen Kontakt zu ihrer früheren Clique hat sie abgebrochen. Doch nun trifft sie wieder auf ihre damaligen Freunde, Whitley, Hannah, Kip und Cannon, und will einen Neuanfang starten, mit verheerenden Folgen. Nach einem Autounfall, glücklich darüber glimpflich davon gekommen zu sein, kehren sie in Whitleys Haus zurück. Da klopft ein Fremder an die Tür.
    „Ihr seid alle tot!“, sind seine Worte. Die fünf Jugendlichen befinden sich von nun in der Niemalswelt, zwischen Leben und Tod. Sie erleben ihren letzten Tag wieder und wieder, bis sie sich einigen können, wer tatsächlich überlebt.
    Vielleicht lag es am Genre - Niemalswelt ist als Jugendbuch konzipiert - aber auch zum Gutteil an der Handlung, dass ich mich mit diesem Buch nicht anfreunden wollte. Immerhin, die Idee der immer wiederkehrenden Zeitschleife ist nicht neu. Damit konnte uns schon vor einem Vierteljahrhundert Bill Murray und der Murmeltiertag erheitern. In der Niemalswelt ist nun gar nichts lustig, die Protagonisten erleben viele seltsame Dinge. Es schien mir das Gute an einem derart absurd konstruierten Plot, dass die Vorgänge nicht nachvollziehbar sein müssen. In einer Welt, die es nicht gibt, muss nichts Gesetzen der Logik oder Physik entsprechen. Und sollten nicht Jugendbücher eine für junge Menschen positive Identifikationsfigur enthalten? Bee, in ihrer betulichen Art, ihre Freunde nennen sie „Schwester Bee“, war mir dafür zu langweilig. Stil und Sprache sind eher simpel und lebt von Wiederholungen. Einmal, viermal, 10 Mal, wie oft habe ich das nun schon gelesen?
    Den Ausflug ins Jugendbuchgenre werde ich wohl so bald nicht wiederholen.

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Ayda, Bär und Hase

Buchseite und Rezensionen zu 'Ayda, Bär und Hase' von Navid Kermani
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ayda, Bär und Hase"

Ungekürzte Ausgabe, Lesung. 240 Min.
Audio CD
Ayda ist fünf Jahre alt und lebt in einem multikulturellen Viertel. Sie kann schon sehr viel: Gedichte aufsagen, bis 23 rechnen und zwei Sprachen, nämlich Deutsch und Persisch. Und sie kennt sogar ein türkisches Wort: "üzüntülü" - "betrübt". Genau das ist Ayda oft, weil ihre Freunde aus dem Kindergarten sie nie mitnehmen, wenn sie mit den Fahrrädern unterwegs sind. Also macht sich Ayda allein auf den Weg und trifft auf Bär und Hase. Eine enge und ungewöhnliche Freundschaft zwischen den dreien beginnt - trotz ihrer großen Unterschiede.
Navid Kermani, u. a. ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, schuf mit seinem bislang einzigen Kinderbuch eine humorvolle Hymne auf das Leben und ein herzerfrischendes Plädoyer für das Miteinander unterschiedlichster Kulturen.

Format:Audio CD
Seiten:0
EAN:9783839848760
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Rezensionen zu "Ayda, Bär und Hase"

  1. Ein modernes Märchen für Kinder - für Toleranz und Mut...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    Ayda ist fünf Jahre alt und lebt mit ihren Eltern in einem multikulturellen Viertel in Köln. Sie kann schon sehr viel: Gedichte aufsagen, bis 23 rechnen und zwei Sprachen, nämlich Deutsch und Persisch. Und sie kennt sogar ein türkisches Wort: »üzüntülü« – »betrübt«. Genau das ist Ayda oft, weil ihre Freunde aus dem Kindergarten sie nie mitnehmen, wenn sie mit den Fahrrädern unterwegs sind. Also macht sich Ayda allein auf den Weg und trifft auf Bär und Hase. Die beiden haben Angst vor den Menschen, weil man sie nicht ernst nimmt oder sogar fürchtet. Doch auf Ayda lassen sie sich ein. Gemeinsam entdecken die drei, wie aufregend die Welt ist, und schon bald verbindet sie eine tiefe Freundschaft.

    Navid Kermani, u. a. ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, schuf mit seinem bislang einzigen Kinderbuch eine humorvolle Hymne auf das Leben und ein herzerfrischendes Plädoyer für das Miteinander unterschiedlichster Kulturen.

    "Ein bisschen üzüntülü ist man immer", sagte Ayda. "Das gehört zum Glück dazu. Wenn du nie üzüntülü bist, dann weißt du auch gar nicht, was das Glück ist."

    Im Leben ist man häufig glücklich und traurig zugleich. Ayda und ihr Vater (Bâbâ) resümieren letztlich, dass es doch eigentlich reicht, wenn das Leben bis zum Himmel schön ist, ansonsten könnte man sich ja verlaufen... Dies ist der philosophische rote Faden, den Kermani kindgerecht durch die Geschichte webt und damit ein großes Thema des Lebens thematisiert: die Frage nach dem vollkommenen Glück bzw. ob es dieses geben kann, denn ein bisschen üzüntülü ist man schließlich immer…

    Die Erzählung ist in vier Teile gegliedert, und jeder Teil beginnt mit der persischen Märchenformel "Yeki bud, yeki nabud, gheir az chodâ hietsch-kas nabud" - Einen gab's, den anderen nicht, niemand gab's außer Gott. Um dann fortzufahren: "Eine Ayda gab's" - und dann den Faden der Erzählung wieder aufzunehmen. Wie ein Märchenerzähler übernimmt hier eine neutrale Figur die Moderation der Geschichte und unterbricht diese gelegentlich auch, um den jungen Leser/Hörer dirket anzusprechen und dabei durchaus auch ein wenig zu veräppeln. Dies lockert das Geschehen zusätzlich auf und sorgt für eine zunehmende Vertrautheit. Zwischen den einzelnen Teilen wird persische Musik eingespielt, was die Fremdartigkeit untermalt, um die es in dieser Geschichte eben auch geht.

    Navid Kermani gelingt es hier auf kindgerechte Weise aufzuzeigen, dass Kinder (und Erwachsene) auf der ganzen Welt ähnlich fühlen. Wenn dargelegt wird, wie betrübt Ayda ist, weil niemand mit ihr spielen will, wird das ein deutscher Kevin, eine spanische Mercedes oder ein türkischer Mustafa ganz ähnlich empfinden, wenn er/sie in eine vergleichbare Situation gerät. Insofern schafft der Autor hier eine großartige Identifikationsmöglichkeit für die kleinen Leser/Hörer.

    Ebenso kindgerecht und vollkommen ohne erhobenen Zeigefinger legt Navid Kermani dar, dass Fremdartigkeit immer im Auge des Betrachters liegt. Durch die Tierfiguren (Hase und Bär) gelingt auch ein Blick auf die Menschen im Allgemeinen - und siehe da: beim Tanzen beispielsweise bewegen sich nicht nur die Iraner etwas verrückt, nein, auch die Spanier - und die Kölner ja gleich sowieso mit ihrem ewigen Geschunkel im Karneval. "Die Menschen spinnen alle. Egal, wo sie herkommen." Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

    Die ungekürzte Hörbuchausgabe (3 Stunden und 29 Minuten) wird sehr unterhaltsam gelesen von Dietmar Bär, der gerade auch die kölschen Ausdrücke, die hier immer wieder Einzug halten, gekonnt rüberbringt.

    Ein modernes Märchen für Kinder ab 5 Jahren, in dem Gefühlen, Toleranz, Offenheit, Freundschaft und Mut ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Mit munterer Leichtigkeit wird hier die Angst vor dem Fremden genommen und dazu ermutigt, auch mal einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Empfehlenswert!

    © Parden

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Die Borger auf dem Fluss

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Borger auf dem Fluss' von Mary Norton
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Borger auf dem Fluss"

Ungekürzte Ausgabe, Lesung. 270 Min.
Audio CD
Die wundersame Reise in einem Teekessel
Wieder einmal müssen die winzigen Borger Pod, Homily und Arrietty fliehen. Arrietty ist darüber diesmal sogar froh. Sie hätte es sowieso nicht länger bei den eingebildeten Verwandten ausgehalten. Spiller, der einsame Stromer, hilft ihnen bei der Flucht. In einem alten, am Flussufer gestrandeten Teekessel finden sie Unterschlupf. Aber kaum haben sie sich provisorisch eingerichtet, werden sie vom Regen überrascht und der Fluss reißt den Teekessel mit. Für die kleine Familie beginnt eine gefährliche Reise ...
Mary Nortons Klassiker der Kinderliteratur beeindruckt mit Originalität, spritzigen Dialogen und einer umwerfenden Detailverliebtheit. Ein zeitloses Meisterwerk!

Autor:
Format:Audio CD
Seiten:0
EAN:9783839848586
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Rezensionen zu "Die Borger auf dem Fluss"

  1. Auch Band drei kann wieder überzeugen!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    Wieder einmal müssen die winzigen Borger Pod, Homily und Arrietty fliehen. Arrietty ist darüber diesmal sogar froh. Sie hätte es sowieso nicht länger bei den eingebildeten Verwandten ausgehalten. Spiller, der einsame Stromer, hilft ihnen bei der Flucht. In einem alten, am Flussufer gestrandeten Teekessel finden sie Unterschlupf. Aber kaum haben sie sich provisorisch eingerichtet, werden sie vom Regen überrascht und der Fluss reißt den Teekessel mit. Für die kleine Familie beginnt eine gefährliche Reise...

    Mary Nortons Klassiker der Kinderliteratur beeindruckt mit Originalität, spritzigen Dialogen und einer umwerfenden Detailverliebtheit. Ein zeitloses Meisterwerk!

    Mary Nortons poetischer Klassiker ist erneut ein literarisches Füllhorn der liebevollen Details. Liebevoll gezeichnete Charaktere, aberwitzige Dialoge und Katharina Thalbachs gekonnte Lesung machen aus dem Hörbuch ein Meisterwerk.

    Borger sind kleine, nur 12 Zentimeter große Wesen, die in den Häusern von Menschen leben. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt durch "borgen" - sie "leihen" sich alles, was sie zum Leben brauchen, von den Menschen. Gesehen zu werden, ist das schlimmste, was einem Borger passieren kann. Denn wird er von den Menschen gesehen, so muss er sich ein neues Heim suchen. Das geschah im ersten Band, und seither sind Pod, Homily und Arrietty auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Nach den Abenteuern in Band zwei fand die kleine Familie kurzzeitig einen Unterschlupf bei ihren Verwandten, aber das kann keine dauerhafte Lösung sein, und so machen sie sich erneut auf die Suche nach einem Zuhause...

    In dieser Folge wird es richtig gefährlich für die kleinen Ausreißer, bis es kaum noch einen Ausweg zu geben scheint. Wird die Reise von Pod, Homily und ihrer Tochter Arrietty ein vorzeitiges Ende finden? Immerhin bewegen sie sich am und auf dem Fluss - und niemand von ihnen kann schwimmen. Der kleine Vagabund Spiller ist für einige Tage in eigenen Angelegenheiten unterwegs und kann der kleinen Familie daher in ihrer Not nicht beistehen. Gibt es überhaupt noch einen Weg aus der Misere heraus, in die sich die drei manövrieren?

    Ich muss gestehen, dass ich nur zufällig auf die kleine Reihe über die Borger aufmerksam wurde, und tatsächlich gehören die Borger wohl am ehesten in Großbritannien zu den Kinderbuchklassikern. 1952 erschien das erste der Bücher, und Mary Norton erhielt für die Reihe zunächst die Carnegie Medal und später auch den Lewis Carroll Shelf Award. Die Borger sind ab 1973 für TV und Kino als Film und Serie verfilmt worden. Insofern kann man wohl durchaus von einem Kinderbuchklassiker sprechen, auch wenn diese Bücher bei uns nicht ganz so bekannt sind.

    4 Stunden und 29 Minuten dauert die ungekürzte Lesung, die mit Katharina Thalbach als Sprecherin wieder einmal herausragend besetzt ist. Gemeinsam mit der Musik, die zu Beginn sowie zwischen einzelnen Abschnitten eingespielt wird, versetzte mich die ruhige aber markante Stimme erneut sofort in die Welt der kleinen Boger und verschaffte mir mit seiner gelungenen Mischung aus Abenteuer und Atmosphäre ein angenehmes Kopfkino.

    Poetisch und atmosphärisch erscheint mir dieses Buch auch heute noch für Kinder ab 8 Jahren empfehlenswert - und für alle interessierten Erwachsenen ebenso...

    © Parden

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Herzensglut: Stern der Macht 1

Buchseite und Rezensionen zu 'Herzensglut: Stern der Macht 1' von Elvira Zeißler
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Herzensglut: Stern der Macht 1"

Fünf magische Amulette, zwei uralte Geheimbünde und eine große Liebe ... Als die 17-jährige Erin Zeugin eines Autounfalls wird und ihr eine sterbende Frau ein silbernes Amulett in die Hand drückt, beginnt für sie ein gefährliches Abenteuer. Sie wurde auserwählt, die Trägerin eines der fünf Amulette der Macht zu sein, und gerät damit mitten in die Jahrhunderte alte Fehde zweier Geheimbünde. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts der mysteriöse Daniel in ihrem Leben auf und behauptet, sie beschützen zu wollen. Obwohl Erin sich immer stärker zu ihm hingezogen fühlt, weiß sie, dass sie auch ihm nicht vertrauen darf... In "Herzensglut" beginnt Erins Kampf um ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Liebe. Unerwartete Wendungen, neue Herausforderungen und traumhafte Schauplätze sorgen bis zum großen Finale der Trilogie für anhaltende Spannung und knisternde Romantik. Leserstimmen: "magisch, berauschend, einmalig!" "Schon nach wenigen Sätzen war ich gefesselt ... Ich konnte und wollte überhaupt nicht mehr aufhören zu lesen." "Eine zauberhafte Liebesgeschichte, die das Romantikerherz höher schlagen lässt." Die gesamte Reihe im Überblick: Band 1: Herzensglut Band 2: Salomons Fluch Band 3: Erwachen

Format:Taschenbuch
Seiten:340
EAN:9783748168706
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Rezensionen zu "Herzensglut: Stern der Macht 1"

  1. Nette Idee aber langatmig und handwerklich das Potenzial leider

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    Die Autorin Elvira Zeißler war mir noch nicht bekannt, bin aber durchaus schon im Netz über ihren Namen gestolpert. Beim Stöbern im eBook-Shop meines Vertrauens viel mir dann die Gesamtausgabe der Trilogie “Stern der Macht” als KU auf und hatte es vor meinem Urlaub kurzerhand heruntergeladen.

    Coverbild

    Das Gesicht eines Mädchens ist großflächig auf dem Cover zu sehen. Rechts im Hintergrund kann man einen Spitzbogen erkennen, in dessen Öffnung eine männliche Gestalt steht. Ich mag ja Gesichter auf Covern nicht so. Was mir aber gut gefällt ist die Schriftsetzung und die Darstellung der Amulette im unteren Drittel. Das Bild vermittelt schon sehr gut das Genre jugendliches Romantasy.

    Handlung

    Die Abiturientin Erin wird Zeuge eines Unfalls, bei der eine alte Frau angefahren wird. Erin eilt ihr zur Hilfe, und die sterbende Frau übergibt ihr einen antiken Anhänger. Seit dem passieren immer merkwürdigere Ereignisse, die Erin auch teilweise gefährlich werden können. Der an der Schule neue Junge Daniel verfolgt sie und möchte sie mit seinen Blicken durchbohren und Erin wird selber Opfer eines beinahe tödlichen Unfalls. Doch es stellt sich heraus, dass Daniel einem geheimen Bund angehört und der Anhänger ein wertvolles Amulett ist, welches sich Erin als seinen wahren Träger auserkoren hat. Aber nicht nur die Bruderschaft des Lichts möchte die Macht von Erins Anhänger nutzen, sondern auch ein anderer, feindseliger Geheimbund. Daniel muss Erin beschützen, aber Erin weiß, dass sie keinem vertrauen kann.

    Buchlayout / eBook

    Ein bisschen schade finde ich die sehr einfache eBook Gestaltung. Jedes Kapitel wird nur mit der Kapitelnummer eingeführt. Das recht schmale Büchlein mit knappen 200 Seiten wird aber in angenehme 15 Kapitel eingeteilt.

    Idee / Plot

    Ein bisschen erinnert mich der Plot schon sehr stark an die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Auch hier geht es um Edelsteine und deren Vereinigung. Erst wenn alle 5 Amulette, die jeder einen besonderen Edelsteinen einfassen, vereint werden und zum “Stern der Macht” zusammengesetzt werden, wird daraus eine besondere Magie erstehen. Die Bruderschaft des Lichts möchte damit den Menschen helfen. Doch worin diese Macht des Sterns besteht, bzw. was das “Helfen” für die Bruderschaft bedeutet, wird nicht weiter ausgeführt. Und klar gibt es nicht nur eine Bruderschaft, sondern einen verfeindeten Geheimbund. Beide möchten die Macht des Sterns erlangen und für ihre Zwecke einsetzen. Wer jetzt nun der Böse oder der Gute im Spiel ist, ist nicht ersichtlich und Erin kann keinen von beiden trauen. Sie steht mitten zwischen den beiden Feinden, wird zum Spielball der Bruderschaften.

    Emotionen / Protagonisten

    Mit den beiden Protagonisten habe ich nun schon meine erste Schwierigkeit. Beide, Erin wie Daniel, bleiben für mich das ganze Buch über flach.

    Erin ist eine gute Schülerin und lebt mit ihrer Schwester alleine in der familiären Wohnung. Die Eltern sind in Kanada. Als sie das Amulett erhält überschlagen sich die Ereignisse. Das Amulett zeigt schon gleich ihre Wirkung. Doch diese Erkenntnis nimmt das Mädchen so schulterzuckend hin. Sie setzt die Gabe ein, manchmal ohne Skrupel, aber vor allem ohne Reflektion, was so eine Gabe bedeutet, welche Verantwortung sie dadurch hat.

    Daniel ist der Sohn von Melissa, der skrupellosen Anführerin der Bruderschaft des Lichts. Er ist zunächst der bad-boy, bzw. soll es sein und das wird durch ständig böse Blicke und misepetrige Laune dargestellt. Und ZACK liebt er sie abgöttisch und schießt jegliche Blutsschwüre seiner Mutter gegenüber in den Wind. Aus dem bösen Buben wird der loveinterest aber ohne einem gewissen Ping-Pong, ohne einer Übergangszeit, in der die Gefühle Achterbahn gehen. Diese Wendung kam mir zu plötzlich und viel zu flach.

    Ab dem Zeitpunkt schmachten sich die Protagonisten einer Tour triefende Liebesschwüre entgegen und verfangen sich in wilde Teenie-Knutschereien. Daniel erfährt dann später auch noch ein paar einschneidende Geheimnisse, die er mir definitiv viel zu emotionslos entgegennimmt. Ja, er grantlt kurz aber dann ist es plötzlich “okay”. Da ist mir der ganze Konflikt einfach viel zu sehr auf die Liebesgeschichte konzentriert, die nach einer anfänglich kurzen Hick-Hack-Phase dann viel zu glatt wird. Hier hätte ich das Potenzial viel mehr in den Konflikten zwischen den Bruderschaften und den Ereignissen gesehen.

    Und gerade durch das für mich übertriebene Liebesgesäusel kommen bei mir da überhaupt keine Funken zwischen den beiden an.

    Handlungsaufbau / Spannungsbogen

    Der Einstieg hat mir gut gefallen, da wir direkt in das Geschehen eintauchen und schon den Unfall miterleben. Doch dann lässt die Konzentration auf die Liebesgeschichte kaum mehr Spannung aufkommen. Darunter leidet auch der ganze Handlungsablauf. Es gibt immer wieder mal so kleinere peaks, die aber nicht ausgebaut werden und die Spannung nicht vorantreiben können. Da der Leser aber die Wendungen vorher irgendwie schon erahnt hat, waren die Plottwists nicht sehr überraschend. Im allgemeinen passiert nicht sehr viel, die Handlung bleibt ganze Zeit über flach und ist für mich gerade in der Mitte sehr langatmig. Der Bewegungsradius der Protagonisten ist auch recht gering.

    Szenerie / Setting

    Wir befinden uns im Bergischen Land, in der Nähe von Köln. Natürlich lebt die Bruderschaft des Lichts in einem herrschaftlichen Haus. Das ist mir doch leider etwas zu klischeehaft und haben wir schön öfter gelesen. Ansonsten konnte ich mir die Umgebung ganz gut vorstellen.

    Sprache / Schreibstil

    Die Langatmigkeit und flache Handlung wird vor allem durch die sehr vielen Dialoge unterstützt. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich die Autorin mit der Wahl des personalen Erzählers aus der Sicht von Erin einen Gefallen getan hat. Leider gibt es hier auch hin und wieder ein paar kurze Sprünge in Daniels Perspektive. Das ist insofern störend, da es nicht als Stilmittel eingesetzt wurde sondern meiner Meinung nach wie ein Fehler wirkt, da es plötzlich mitten in der Zeile passiert.
    Anfangs wird auch sehr oft “Dann”/”Und dann” als Satzanfang eingesetzt, was später Gott sei Dank besser wird.

    FAZIT

    Im Grunde eine gute Idee, die ich leider in einigen Makeln nicht gut ausgeführt sehe. Es gab kaum Konflikt, kaum unterschiedliche Emotionen und kaum Spannung. Auch sprachlich bin ich von diesem Buch nicht überzeugt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Band 2 noch lesen soll. Da Elvira Zeißler inzwischen einige Titel verfasst hat und “Stern der Macht” wohl einer ihrer ersten Werke war, möchte ich gerne noch mal einen Titel von der Autorin versuchen.

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Unter Verdacht

Buchseite und Rezensionen zu 'Unter Verdacht' von Joyce Carol Oates
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Unter Verdacht"

Unter Verdacht

Format:Taschenbuch
Seiten:304
Verlag: Dtv
EAN:9783423622165
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