Freiflug: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Freiflug: Roman' von Christine Drews
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Freiflug: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783832181307
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Rezensionen zu "Freiflug: Roman"

  1. Frauenbewegung

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2021 

    Köln in den siebziger Jahren. Katharina hat gegen den Wunsch ihres Vaters Jura studiert und arbeitet in einer renommierten Kanzlei. Doch macht ihr die Arbeit in diesem Umfeld oft keinen Spaß, da sie als Frau diskriminiert und belästigt wird. Und auch die Gewinnmaximierung, auch auf Kosten der Mandanten, geht ihr mehr und mehr gegen den Strich. Daher macht sie sich selbstständig.

    Rita hat sich ihren Lebenstraum erfüllt und ist Pilotin geworden. Jetzt hat sie sich bei der Lufthansa beworben und hofft auf eine Zusage. Als ihr die Stelle jedoch mit dem Hinweis, dass die Lufthansa aus Prinzip keine Frauen einstellt, verweigert wird, beschließt sie zu kämpfen und reicht mit Hilfe von Katharina Klage ein.

    Die Geschichte basiert auf der wahren Geschichte von Rita Maiburg, die als erste Linienflugkapitänin der Welt in die Geschichte einging, dann aber ob ihres frühen Tods schnell vergessen wurde.

    Christine Drews gelingt es in ihrem Buch den Geist der siebziger Jahre perfekt einzufangen. Die Alltagsdiskriminierung der Frauen, der steigende Drogenkonsum und das Erwachen der Frauenbewegung spielen eine große Rolle. Was mich selbst zwischendrin immer wieder hat wütend werden lassen war, wie sehr Frauen in dieser Zeit noch systematisch und teilweise auch per Gesetz klein gehalten wurden. Und wie normal es war, sich abfällig über Frauen zu äußern. Die Sprüche, die da kamen, klangen teilweise so, wie sie auch siebzig Jahre früher üblich waren. Ich war teilweise wirklich fassungslos, wie normal das in meiner eigenen Kindheit noch war und wieviel sich seitdem doch glücklicherweise geändert hat.

    Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es liest sich flüssig, interessant und spannend. Und man ist am Ende froh, wie sehr sich doch vieles zum Besseren entwickelt hat.

  1. Ein Roman über die erste Linienflugkapitänin der Welt

    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Mär 2021 

    „Sehr geehrte Frau Maiburg, vielen Dank für Ihr Schreiben vom 2. Mai 1974 und ihr Interesse an unserem Unternehmen. Da weibliche Flugzeugführerinnen in unserer Gesellschaft aus grundsätzlichen Erwägungen nicht zum Einsatz kommen, müssen wir Ihre Bewerbung leider ablehnen.“ (Zitat Pos. 840)

    Inhalt
    Katharina Berner ist Anwältin aus Überzeugung, sie will Menschen helfen. In der bekannten Kanzlei in Köln, für die sie tätig ist, liegt der Schwerpunkt auf den finanziellen Erfolgen und als Frau wird sie von den männlichen Kollegen nur bedingt ernst genommen. Sie will ihre eigene Kanzlei eröffnen, andererseits will sie keinesfalls ihre vermögenden Eltern um finanzielle Hilfe bitten, denn ihre Familie hat kein Verständnis dafür, dass sie Anwältin werden wollte, statt zu heiraten und für Mann und Kinder zu sorgen. Rita Maiburg, ist mit erst zweiundzwanzig Jahren eine ausgebildete Pilotin mit hervorragenden Abschlüssen. Als das kleine Unternehmen, für das sie tätig ist, in Konkurs geht, bewirbt sie sich bei der Lufthansa als Linienpilotin. Als die Lufthansa ihre Bewerbung ablehnt, weil sie grundsätzlich keine Frauen als Piloten anstellt, wird ihr von Freunden Katharina Berner empfohlen. Als die Anwältin kurz darauf ihr eigenes Büro eröffnen kann, nimmt sie den Fall an und die beiden Frauen beschließen, gegen die Lufthansa und damit auch gegen ihre Haupteignerin, die Bundesrepublik Deutschland, auf Umsetzung des Artikel 3, Grundgesetz zu klagen. Wenn sie gewinnen, wäre dies ein neuer, sehr wichtiger Präzedenzfall.

    Thema und Inhalt
    Dieser Roman mit biografischem Hintergrund spielt in den Siebzigerjahren und Themen sind die Ungleichbehandlung der Frauen, der Wunsch nach Eigenständigkeit als Gegensatz zu den konservativen Werten, Familie und Beziehungen.

    Charaktere
    Rita Maiburg wurde 1976 als erste Frau zur Linienflugkapitänin befördert und dieser Roman orientiert sich an ihrer Biografie. Obwohl Rita Maiburg damals von einer Anwältin vertreten wurde, ist die Figur der Katharina Berner fiktiv. Die vermögende Unternehmerfamilie, aus der sie stammt, steht für ein damals noch geltendes traditionelles Rollenbild der Frau, während Ritas Freunde für die Freiheit der Hippiezeit stehen.

    Handlung und Schreibstil
    Die Handlung spielt in den Jahren 1974 bis 1976. Dieser Zeitraum umfasst die Dauer des Verfahrens gegen die Lufthansa und wird durch einen Epilog und Prolog 1977 umschlossen. Die einzelnen Kapitel zeigen als Überschrift das genaue Datum und die personale Erzählform stellt jeweils Katharina oder Rita in den Mittelpunkt. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt weniger auf diesem interessanten Klageverfahren, sondern in den persönlichen Beziehungen und Konflikten im Freundes- und Familienkreis.

    Fazit
    Ein Roman, der die Schwierigkeiten jener Frauen aufzeigt, die ihren Weg und Ziele in einer damals noch Männern vorbehaltenen Berufswelt sehen. Ich hatte damit gerechnet, dass der Schwerpunkt auf dieser gesellschaftspolitisch so wichtigen Klage liegt, mir mehr Informationen und Details erhofft. In dieser Geschichte stehen jedoch Familie, Freundschaft, Liebe im Mittelpunkt, es ist ein unterhaltsam zu lesender Frauenroman.

  1. Beginnende Emanzipation in der BRD

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Mär 2021 

    Kurzmeinung: Hier hätte man sich fokusieren müssen auf den Prozeß. So ist es eben nur ein "nettes Buch" geworden.

    Die Autorin hat sich ein spannendes Thema vorgenommen, einer ausgebildeten Pilotin wird mit der Begründung, man habe noch nie eine Frau eingestellt, die Anstellung bei der Deutschen Lufthansa verwehrt - und taucht dazu tief in die 1970er ein. Damit ist ihr Roman sozusagen schon ein historischer Roman, obwohl erst schlappe fünfzig Jahre vergangen sind.

    Es begegnen einem folgerichtig 70erJahreSpielzeug: Prilblumen, Palmolive, in das man seine Finger taucht, um sie zu pflegen, Schlaghosen und Ernte 23, der skandalträchtige Minirock, die Bravo, die Illustrierte Quick, die alle schon vergessen haben, und das Waschmittel Semil, das im Hause Bernau, der Unternehmersfamilie, in der wir romanmässig zuhause sind, produziert und verkauft wird. Semil soll wohl das gute alte Persil sein. Oder? Hätte es juristische Probleme gegeben, wenn man Semil Persil genannt hätte? Immerhin sagt die Autorin leise: Umweltverschmutzung.

    Man unterhält sich im Hause Bernau, das ist das Elternhaus der Rechtsanwältin, die später die Pilotin im Rechtsstreit "Rita Maiburg gegen die BRD als Hauptanteilseignerin der Lufthansa" vertreten wird, über nichts Privates, jedoch über alles Politische, obwohl man sehr konservativ ist und CDU wählt. Die jüngste Tochter Katharina hat einen richtigen Beruf ergriffen, das war keineswegs üblich im Hause Bernau, denn man hat es nicht nötig, dass die Frauen auch arbeiten, und will sich als Rechtsanwältin selbständig machen. Es werden am Mittagstisch Themen der Strafrechtsreform (Resozialisierung statt Schuld-Sühne-Prinzip) ebenso verhandelt wie Willy Brandts unrühmlicher Abtritt nach der Guillaume Affaire. Katharina steht dabei immer in scharfem Kontrast zum Rest der Familie.

    Die BRD ist ganz langsam im Wandel und die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft greift allmählich Platz. Jedoch ist noch viel Widerstand zu überwinden. Das merkt auch Rita Maiburg, die von Katharina vertreten, die Bundesrepublik als Inhaberin oder Teilhaberin der Deutschen Lufthansa verklagt, weil diese sich weigert, Frauen als Pilotinnen einzustellen.

    Der Roman liest sich leicht, weil das Thema einfach interessant ist: der Aufsehen erregende Prozeß gegen die Lufthansa beziehungsweise gegen die BRD und die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft. Auch Juristinnen sind noch nicht selbstverständlich. Allerdings muten die Dialoge naiv an. Da geht noch was.

    Die Anlaufzeit der Autorin bevor sie endlich zum springenden Punkt kommt, ist jedoch unendlich lang. Der Familienaufstellung im Hause Bernau wird immens viel Zeit und Raum geschenkt, dabei ist dieser Handlungsstrang von wenig Interesse und Bedeutung, zumal die Damen und Herren der Familie stereotyp abgehandelt werden, einschließlich von Familiengeheimnissen. Das ist langweilig und wirkt konstruiert. Alle Klischeevorstellungen, die man über die 70er hat, zusammenwürfeln und in das Buch stecken. Das funktioniert nicht. Man bräuchte Charaktere. Authentizität. Geistreiches und Scharfzüngiges. Gibt es nicht. Die Schreibweise ist schlicht und mit vielen Floskeln durchsetzt.

    Banalitäten. Stereotypen. Das ist schade, denn es hat zu allen Zeiten Originale gegeben!

    Auch die Informationspolitik der Autorin ist, zumindest in diesem Roman, zu durchschaubar, die Dialoge sind doch nur geschrieben, um den Leser zu informieren, man tut sich schwer, sie als echte Interaktion gelten zu lassen. Nur hin und wieder, wenn Katharina sich über die Ungerechtigkeiten, die Frauen ertragen müssen, empört, wird das Buch ein bisschen lebendig.

    Endlich kommt es zum Prozeß.

    Fazit: Als Film funktioniert „Freiflug“ sicherlich hervorragend, wenn man ihn mit den richtigen Schauspielern besetzt.

    Um ein richtig gutes Buch zu sein, müsste man jedoch an der Sprache feilen. Eine Charakterstudie bringen, sich von Banalitäten entfernen. Etwas zu sagen haben. Nicht bloß Allzubekanntes herunterspulen!

    Es wäre sicher auch hilfreich gewesen, aus der personalen Erzählweise auszusteigen, um übergeordnet erzählen, und vor allem, um denken und werten zu können. So wirken viele Dinge, Dialoge, Figuren, sogar das Zeitkolorit mit seiner Produktpalette platt. Das ist schade, weil das Thema eigentlich schon eine Bank ist. Darum bleiben trotz simpler Schreibe noch drei Punkte.

    Fazit: Merke: ein Roman ist kein Drehbuch!

    Kategorie: Unterhaltung.
    Verlag Dumont 2021

 

Der Code agiler Organisationen

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Rezensionen zu "Der Code agiler Organisationen"

  1. Trifft den Nagel auf den Kopf

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Mär 2021 

    „Der Code agiler Organisationen“ von Stefanie Puckett ist ein „Playbook“ für den Wandel zur agilen Organisationskultur. Ich habe mich für das Buch interessiert, weil das Unternehmen in dem ich arbeite auch gerade auf eine selbstbestimmte, agile Organisation umsattelt. Dabei sind mir viele „Fallstricke“ und Hürden am eigenen Leib begegnet. Ich fand es spannend das Thema mal wissenschaftlich und organisationspsychologisch zu betrachten und habe daher das Buch von Stefanie Puckett sehr gerne gelesen.
    Stefanie Puckett veranschaulicht in ihrem Buch, wie sich das Denken und damit verbunden das Handeln ändern muss, damit der Wandel gelingt. Dabei geht sie insbesondere auf das Thema Kultur ein, was ich persönlich nur unterschreiben kann. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es nicht ausreicht Menschen in agilen Methoden zu schulen und Open Desk Modell bereitzustellen. Agilität ist vor allem ein Mindset Thema und erfordert vielmehr eine Vertrauenskultur. Ich würde das Buch nur zu gerne mal unseren Führungskräften in die Hand drücken. Ich habe oft den Eindruck, dass Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit oft nur in mini Rahmen gewünscht wird, den unsere Führungskräfte uns lassen. Das bremst häufig die Geschwindigkeit und wirkt demotivierend.
    Was mir besonders gut gefallen hat ist die Anwendungsorientierung des Buches. Zum einen findet man als Leser viele praxisnahe Beispiele von Branchengrößen wie Netflix etc. aber auch viele Werkzeuge wie Checklisten und Methoden, so dass das Buch zurecht den Namen „Playbook“ verdient hat.
    Besonders hervorheben möchte ich die gute Struktur des Buches. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt gut zurechtgefunden und werde auch in Zukunft gerne mal darin blättern und wesentliche Inhalte und Methoden nachschlagen.
    Von mir gibt es 5 Sterne, da das Buch aus meiner Sicht den Nagel auf den Kopf trifft und genau die richtigen Aspekte anspricht.

 

Ohrfeige: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ohrfeige: Roman' von Abbas Khider
NAN
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Inhaltsangabe zu "Ohrfeige: Roman"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:224
EAN:9783442714902
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Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit: Historischer Roman (Kingsbridge-Roman 4)

Buchseite und Rezensionen zu 'Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit: Historischer Roman (Kingsbridge-Roman 4)' von Ken Follett
NAN
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Inhaltsangabe zu "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit: Historischer Roman (Kingsbridge-Roman 4)"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:1025
Verlag:
EAN:
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Why We Matter: Das Ende der Unterdrückung

Buchseite und Rezensionen zu 'Why We Matter: Das Ende der Unterdrückung' von Emilia Roig
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Why We Matter: Das Ende der Unterdrückung"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:397
Verlag:
EAN:9783351038472
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Rezensionen zu "Why We Matter: Das Ende der Unterdrückung"

  1. Vision oder Illusion?

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Feb 2021 

    Das mit Leidenschaft, Verve und Pathos vorgetragene Plädoyer für Gleichheit und Gerechtigkeit von Emily Roig in dem polemischen Sachbuch „Why we matter“, beleuchtet alle nur erdenklichen Aspekte von Unterdrückung und Diskriminierung mit Schwerpunkt Rassismus gegenüber schwarzen Menschen.

    Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte, deren Wurzeln bis nach Indien reichen, Zentralafrika, Algerien, … es ist kompliziert, sowohl die Eltern wie auch die Großeltern sind „ganz schön rumgekommen“ wie man so sagt, erlebt sie auf verschiedenen Ebenen selber ein Wechselbad von Privilegien und Diskriminierung.

    Sensibel geworden für die Thematik führt sie einen Feldzug für Ungerechtigkeiten und für Gerechtigkeit. Dabei spielt in unseren Breitengraden die systemische Diskriminierung, von der auch Reni Eddo-Lodge schreibt in „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“, die wesentliche Rolle.

    Es wird nicht immer klar, wo sich Roig sich in ihrem Monolog gerade geographisch befindet, amerikanische, europäische Verhältnisse werden bunt gemischt. Doch nicht alles lässt sich auf alles anwenden. Asien ist ganz ausgespart.

    Roig redet von Sichtbarkeit, Sichtbarwerdung, Sichtbarmachung, von jahrhundertealtem Traumata und viel von der sogenannten Dekonstruktion. Dekonstruiert werden soll sozusagen alles. Die Sprache, das Patriarchat, der Kapitalismus ja sowieso, die Medizin, aber auch die Biologie, konservatives Denken, etc.

    Von konservativen Werten hält sie gar nichts. Sie sagt darüber:

    „Konservatismus anzuhängen heißt, den Status quo zu schützen und eine gewisse Nostalgie für die Vergangenheit zu empfinden.“ Und weil die Vergangenheit ja die gesamte Menschheitsgeschichte ist und diese Geschichte eine ununterbrochene Folge von Gewalttaten darstellt, (sagt sie) ist er in Grund und Boden zu verdammen.

    Außer Acht lässt sie dabei, dass im Zuge der geschichtlichen Entwicklung, die Lebensbedingungen und Lebensverhältnisse aller Menschen insgesamt immer besser wurden. Diese Entwicklung möchte ich geschätzt wissen.

    So langsam verstehe ich, warum die Republikaner Trump gewählt haben. Konfrontiert mit der radikalen Forderung alles soll niedergerissen und neu aufgebaut werden, geht doch jeder auf die Barrikaden. Nun - trotzdem, ganz so leicht ist es nun doch nicht, das Buch oder Roig abzutun. Man muss darüber nachdenken. Sie hat ja in Vielem recht. Aber eben nicht in ihren Schlussfolgerungen!

    Natürlich legt sie den Finger in die Wunden. Frauen werden benachteiligt. PoCs werden benachteiligt, allerdings im Westen keineswegs so sehr wie in anderen Ländern, es hat sich schon eine Menge Gutes getan! Auch das Positive sollte man anerkennen.

    Und es ist ja richtig, dass die Welt, das System, etc. nicht gerecht ist und viele Menschen unterdrückt werden. Nur war das in Urzeiten auch nicht anders. Höchstens schlimmer. Die ersten Stämme haben sich schon bekriegt.

    In dem Unterpunkt Kriminalität, Strafvollzug, Abschaffung von Strafe, Justiz und Polizei, überhaupt von der Dekonstruktion der Staatsgewalt, dem völligen Aufgeben/Auflösen von geschützten Staatsgrenzen, folge ich ihr am wenigsten und denke nicht, dass wir das gewünschte Ergebnis bekämen: den Himmel auf Erden. Sondern Anarchie, Selbstjustiz und das Recht des Stärkeren. Und sogar die Zerstörung guter Sozialsysteme.

    Wir werden keine gerechte Welt schaffen können, denn der Mensch ist nicht gut. Homo homini lupus. Das wussten schon die Alten!

    Und daran krankt das ganze System, die ganzen Veränderungen, die Roig lieber heute als morgen etablieren haben möchte (so scheint es), sie beruhen allesamt darauf, dass, wenn man nur die Verhältnisse ändern würde, man den guten Menschen bekäme. Diese Theorie kennen wir: sie ist falsch.

    Roig bezieht sich in ihren Wünschen nach Weltumarmung spirituell auf den Buddhismus und Hinduismus. Mensch und Natur sollen eins werden. Ich denke, dass, wenn überhaupt von einer spirituellen Lehre etwas Besseres kommen kann, es das Christentum wäre. Aber die Heilige Schrift der Christen hat niemals die ethische Verbesserung der gesamten Menschheit versprochen oder im Sinne, eben, weil sie eine Illusion ist. Man kann nur an sich selber arbeiten.

    Fazit: „Sorgt dafür, dass ihr, die Welt verlassend, nicht nur gut wart, sondern verlasst eine gute Welt“, sagt Brecht. Das hört sich so gut an. Und so motivierend. Aber Brecht unterliegt wie Roig der Illusion vom guten, unfehlbaren Menschen.

    Das Ringen um eine Teilgerechtigkeit dürfen wir dennoch nicht aufgeben. Dafür müssen wir aber nicht das ganze System niederreißen und fähig zu Kompromissen und Zusammenarbeit bleiben.

    Kategorie: Sachbuch. Rassismus
    Aufbauverlag, 2021

 

Die Welt im Jahr 2035: Gesehen von der CIA und dem National Intelligence Council

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Welt im Jahr 2035: Gesehen von der CIA und dem National Intelligence Council' von Christoph Bausum
NAN
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Inhaltsangabe zu "Die Welt im Jahr 2035: Gesehen von der CIA und dem National Intelligence Council"

Format:Taschenbuch
Seiten:318
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406714467
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Wie alles begann und wer dabei umkam: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wie alles begann und wer dabei umkam: Roman' von Simon Urban
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wie alles begann und wer dabei umkam: Roman"

Wo endet ein inselbegabter Jurastudent, der an den starren Regelwerken des Gesetzes verzweifelt und beschließt, das Recht selbst in der Hand zu nehmen? In einer Gefängniszelle! Was aber zwischendurch geschieht, ist so unglaublich und derart gnadenlos und witzig erzählt, dass einem die Luft wegbleibt. Bereits als Kind findet der Held dieses Romans zur Juristerei: Er bereitet ein Verfahren gegen seine Großmutter vor, den Drachen der Familie – und verurteilt sie im Wohnzimmer in Abwesenheit zum Tode. Berufung: nicht möglich. Dass ein Jurastudium im beschaulichen Freiburg einem solchen Charakter nicht gut bekommt, ahnt man schnell. Auch hier kann er die Finger nicht von den Gesetzen lassen, und nimmt das Recht in die eigene Hand. Simon Urban gehört zu den großen, mutigen Erzähltalenten seiner Generation. In seinem neuen Roman entfesselt er eine furiose Geschichte um einen Außenseiter, der zum dunklen Rächer wird. Und der zuvor auszieht, um sich auf einer weltweiten Recherchereise am Unrecht und Recht der Welt zu schulen … »Wie alles begann und wer dabei umkam« ist eine bitterböse Gesellschaftsanalyse und eine literarisch brillante Auseinandersetzung mit den Regelwerken, die unser aller Leben bestimmen. Wo sind Widerworte gegen das Gesetz gefragt – und wo eskaliert das eigene Ungerechtigkeitsempfinden in wahnwitzige Selbstjustiz?

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:522
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Wie alles begann und wer dabei umkam: Roman"

  1. Zu viel Juristenhumor

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    In der Theorie macht dieses Buch alles richtig. Eine originelle Idee, ein Schreibstil, der Spaß macht, was will man mehr? Die ersten Seiten haben mich auch wirklich begeistert.

    Es ist genial zu lesen, wie der Erzähler als Kind anfängt, sich mit Jura zu beschäftigen, weil er seine Großmutter verklagen möchte, die ständig seine Mutter schikaniert. Der Autor erzählt eloquent, exquisit geschliffene Sätze voller Witz und feinster Ironie, ausführlich, ja, aber wirklich amüsant. Allerdings ist so ein Stil auf Dauer auch ermüdend. Ich schaffe es nicht über 500 Seiten jeden Satz einzeln zu genießen. Man braucht zwischen den erlesenen Gags auch mal Zeit zum Luftholen, die bekommt man hier aber nicht. Es geht Schlag auf Schlag und das, was am Anfang beeindruckt hat, wird dann anstrengend.

    Als unser namenloser Held dann ein Jurastudium begann, habe ich zwar noch die Rechercheleistung des Autors bewundert, der authentischen Jurastudentenjargon aus dem Hut zaubern kann, nur hat es noch nie Spaß gemacht, diesen Leuten zuzuhören. Unendlich weitschweifig geht es dahin und wenn man nicht gerade einem erhellenden Schlenker folgt, bekommt man ein praktisches Fallbeispiel aus der Welt der juristischen Anekdoten serviert, komisch, natürlich, aber den Handlungsfaden hat man schon längst verloren. Die eigentliche Idee dieses Buches, nämlich eine alternative Rechtsprechung zu entwickeln und sogar anzuwenden, ist originell und skurril. Leider hat man kaum noch die Geduld, das zu schätzen, wenn man da ankommt.

    Mag sein, dass dieses Buch ein grandioser Spaß für Juristen ist. Ich werde es für den originellsten Buchtitel des Jahres nominieren. Ansonsten war es mir in vielerlei Hinsicht zu viel, zu bemüht, zu lang, zu speziell. Es ist ein Buch mit guten Anlagen, geht dann aber leider unter im Dekor.

 

Kamala Harris: Die Biografie

Buchseite und Rezensionen zu 'Kamala Harris: Die Biografie' von Dan Morain
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Inhaltsangabe zu "Kamala Harris: Die Biografie"

Kamala Harris ist die erste Frau im Amt des Vizepräsidenten der USA. Dan Morain schreibt in dieser Biografie über ihren Weg zur mächtigsten Frau im Land. Als Journalist, der sie auf diesem Weg viele Jahre lang begleitet hat, versteht er wie kaum ein anderer, welche Ereignisse Kamala Harris prägten und zu den Überzeugungen führten, für die sie entschlossen einsteht. Er zeigt, was es für sie bedeutete, als Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners im Kalifornien der 60er- und 70er-Jahre aufzuwachsen, wie sie erst Attorney General von Kalifornien, dann US-Senatorin und schließlich Vizepräsidentin an der Seite von Joe Biden wurde. Auch dass ihr Weg dabei nicht frei von Niederlagen und Rückschlägen war, wird in Dan Morains Biografie deutlich: Kamala Harris hat loyale Unterstützer und erbitterte Gegner. Sie wollte Präsidentin werden und ist „nur“ Vizepräsidentin geworden – und doch ist sie die Hoffnung vieler, vor allem schwarzer Amerikanerinnen, denn Kamala Harris’ Weg zeigt, was sie in ihrem Land erreichen können.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
Verlag:
EAN:9783453218246
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Hanami: Die wundersame Geschichte des Engländers, der den Japanern die Kirschblüte zurückbrachte

Buchseite und Rezensionen zu 'Hanami: Die wundersame Geschichte des Engländers, der den Japanern die Kirschblüte zurückbrachte' von Naoko Abe
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Inhaltsangabe zu "Hanami: Die wundersame Geschichte des Engländers, der den Japanern die Kirschblüte zurückbrachte"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: FISCHER, S.
EAN:9783103973242
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Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert

Buchseite und Rezensionen zu 'Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert' von Jessica Bruder
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Inhaltsangabe zu "Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783896676306
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