Am Rand der Dächer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Am Rand der Dächer: Roman' von Lorenz Just
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Am Rand der Dächer: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag:
EAN:9783832181116

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Rezensionen zu "Am Rand der Dächer: Roman"

  1. In der Deckung der Kindheit, im Schatten der Welt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Sep 2020 

    In seinem Debütroman kehrt Lorenz Just an Ort und Zeit seiner Kindheit zurück: das Berlin der Neunzigerjahre. Er lässt diese Ära in seinen jungen Protagonisten auferstehen, bunt und lebendig, voll roher Authentizität und dichter Atmosphäre.⠀

    Meine erste Notiz zu diesem Buch war: "Die Sprache ist außergewöhnlich – so schön. Die Kinder bewegen sich durch ihr Umfeld in Berlin wie durch ein Wunderland, eine Märchenwelt."⠀

    Tatsächlich gibt es im Text passenderweise ein paar Anspielungen auf die Bücher von Michael Ende, an deren Stil ich mich in den ersten Kapiteln erinnert fühlte: Andrej erwähnt die Uralte Morla aus der Unendlichen Geschichte, vergleicht Nachbarn, die nicht grüßen und nie freundlich sind, mit den Grauen Herren aus Momo, und man merkt, wie diese Bücher ihn beeindruckt und seine Fantasie angeregt haben.⠀

    Damit ist er ein Held ganz nach meinem Geschmack!⠀

    Auch Lorenz Just kann mit seinen Worten zaubern – keineswegs als Kopie von Ende, sondern in seiner ganz eigenen Sprache voller gelungener Metaphern und Bilder.⠀

    “Wenn ich am Abend nicht schlafen konnte und mir die Müdigkeit nur gemächlich in die Gedanken einsickerte, kam es vor, dass ich abdriftete und durch diese Lücke glitt, hinüber in die verborgenen Räume zwischen den Wänden und Böden. Dann starrte ich ins dunkle Zimmer, das plötzlich um ein Vielfaches größer erschien, oder auf die nachtschwarzen Fensterscheiben, durch die ich nur immer tiefer ins Erdreich kroch, und hatte das sichere Gefühl, auf diese andere Seite zu gehören.”⠀
    (Zitat)⠀

    Das ist manchmal poetisch – und dann wieder knallhart realistisch. Hier geht es meines Erachtens nicht so sehr darum, was WANN und WO passiert, wie die Folge der Geschehnisse sich von A bis Z genau abspult. Für mich geht es vielmehr darum, welche Gefühle ausgelöst werden, in den Kindern (später Jugendlichen) und im Leser.⠀

    Womit ich jedoch nicht sagen will, dass sich hier nichts Spannendes zuträgt!⠀

    “Keiner sagte ein Wort, starr vor Schreck blickten wir auf die brennende Wand, wo die Flammen wie aus langer Gefangenschaft befreit tanzten, fraßen, lachten. Fassungslos, dass uns die Dinge so schnell entglitten waren, standen wir in der plötzlichen Feuerkammer, aber wir waren Kinder, und eines konnten wir im Notfall immer. Anton rief: »Raus!«, packte mich am Arm, ich stieß Simon an – dann rannten wir.”⠀
    (Zitat)⠀

    Tatsächlich erleben die Protaonisten Abenteuer wie wahre Großstadtpiraten: sie klauen, kloppen sich mit anderen Gangs, verursachen einen Großeinsatz der Feuerwehr, brechen halsbrecherisch über die Dächer in Häuser ein, experimentieren mit Drogen, ballern mit Softair-Pistolen, erleben den ersten Herzschmerz, gehen ein und aus in besetzten Häusern und sehnen sich nach einem Amerika, das es so vermutlich gar nicht gab.⠀

    Schon nach kurzer Zeit hatte ich sie richtig ins Herz geschlossen. So sehr, dass ich mich geradezu fürchtete vor den ‘immer bedrohlichere(n) Abwege(n)’, die im Klappentext erwähnt werden. Ich wünschte mir, die zauberhafte Kindheit möge nie zu Ende gehen, aber wie im echten Leben bleiben den jungen Helden auch die ersten Misserfolge, Enttäuschungen und Verratserfahrungen nicht erspart. Sie sind zu authentisch, um nicht zu scheitern.⠀

    Natürlich bleibt die Wende nicht unerwähnt, aber die Charakterentwicklung der Jungen fand ich noch dramatischer und interessanter. Erwachsene sind hier übrigens nur Randerscheinungen, was mich an klassische Jugendbücher erinnert. Hier geht es nicht um den erwachsenen Blick, sondern das unverfälschte Erleben Heranwachsender, die sich selbst und ihre Welt entdecken.⠀

    Das ist oft erfrischend anarchisch, weil Regeln in dem Alter einfach ausgetestet werden müssen.⠀

    Die anfangs märchenhafte Sprache wandelt sich immer mehr ins Cineastische, je älter die Protagonisten werden.⠀
    Das ist Kopfkino vom Allerfeinsten, das ganz nebenher noch an den Gefühlsfäden zupft. Eine Notiz zu fortgeschrittener Stunde: “Ja, mach doch, Buch, du Miststück! Trampel auf meinen Gefühlen rum, ich kann das ab!” (Ich würde selber gerne wissen, was genau mich zu dieser schlaftrunkenen Äußerung getrieben hat.)⠀

    Das Ende bleibt in vielem offen, was für mich aber vollkommen in Ordnung war. Das Buch ist nur ein kleines Stück Leben, und das geht danach natürlich weiter.⠀

    Ich würde (und werde) das Buch bedenkenlos verschenken, denn ich denke, es hat für ganz unterschiedliche Leser sehr viel zu bieten. Es ist ein Bild der Zeit – und gleichzeitig ein zeitloses Bild der Kindheit und Jugend. Ob in Berlin oder sonstwo, auch heutige Jugendliche werden sich ein Stück weit in Andrej, Anton und Simon wiederfinden.⠀

    Fazit⠀

    Lorenz Just lässt seine jungen Helden Berlin erkunden, von der Zeit der Wende bis zum Beginn des Jahrtausends. Sie erleben Dinge, die für die Kindheit und Jugend im Allgemeinen typisch sind, und Dinge, die man nur in dieser Zeit und in dieser Stadt erleben konnte. Aus fantasievollen Kindern werden Jugendliche, die rauchen, Drogen nehmen, klauen und über die Dächer in Häuser einbrechen – und doch habe ich sie von der ersten bis zur letzten Seite niemals verurteilt, denn der Autor schildert sie mit viel Einfühlungsvermögen.⠀

    “Am Rand der Dächer” hat sich eingereiht in die Liste meiner Highlights im Jahr 2020 – ein großartiger Debütroman, der mich auch sprachlich begeistern konnte.⠀

 

Stille für Frauen

Buchseite und Rezensionen zu 'Stille für Frauen' von Luitgard Jany
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Stille für Frauen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
EAN:9783945543726

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Rezensionen zu "Stille für Frauen"

  1. Was ist Stille für dich

    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Aug 2020 

    Achtung ‚Rezensionsexemplar‘

    Vielen Dank erst mal an den Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Der Titel klingt sehr vielversprechend und anfnag dachte ich zuerst es ist nur ein Buch. Das Cover ist sehr schön gestaltet, mal etwas anderes außer immer nur Bunt und bunt. Ich dneke, das Buch ist nicht einfach so zu mir gekommen. Es hat alles seine Gründe. Und es passte auch grade zu dem Zeitpunkt, als ich es las. Alles hat seine Gründe, das ist meine Meinung und alles passiert aus einem Grund. Und dieses Buch wollte unbedingt zu mir kommen, um mir zu sagen, das ich endlich still sein sollte. Aufhören sollte alles unter Kontrolle zu haben, einfach los lassen.

    Die Autorin beschreibt in ihrem 7 Kapitel was Stille ist, wo man Stille finden kann und wie man es anwenden kann und das jeder mal „still“ erleben sollte um wieder klar und rein zu sein. Stille kann man überall finden. Wer Internet & Co zuhause lässt und einfach spaziere geht, kriegt bestimmt dadurch den Kopf frei. Vielleicht ist das Internet auch eine Belastung für Körper, Geist und Seele.

    Ich hatte es schwer das Buch in einem rutsch durch zu lesen. Denn die Autorin erklärte es ausführlich und belegte ihr Wissen mit Beweisen. Auch hin und wieder kamen ein paar Wissenschaftliche Dinge in dem Buch vor. Was nicht schlimm war.

    Ich hatte ehrlich gesagt keine Erwartung an diesem Buch gehabt und wurde demnach auch nicht enttäuscht. Ich habe dadurch viel mitgenommen .

 

Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben' von Rose Tremain
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:211
Verlag:
EAN:

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  1. Gelungenes Memoir

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Mai 2020 

    Rose Tremain schreibt ganz wunderbar, und mit der gleichen Leichtigkeit, die den Stil ihrer Romane ausmacht, erzählt sie von ihren Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, ohne Groll auf ihre Familie.

    Das neue Buch von Rose Tremain „Rosie“ ist eine autobiografische Erzählung, bei der sich die gefeierte Autorin einzelne Episoden aus ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen herauspickt und anhand dieser das Familiengeflecht aufzeigt. Sie wuchs trotz der Nachkriegszeit in der gehobenen Londoner Mittelschicht in Wohlstand auf, bei ihrer Mutter oder bei den Großeltern auf dem Landgut. Doch es fehlte die Wärme in der Familie, einzig bei ihrer Nanny Vera, die sich Rosie heimlich als ihre wahre Mutter erträumt, findet sie als Kind Geborgenheit. Die Mutter, unfähig sich den Kindern zu widmen und statt dessen beschäftigt damit, die für sie verlorene Zeit aufzuholen, nimmt sich einen neuen Partner und verfrachtet die beiden Mädchen wie Störfaktoren in ihrem neuen Leben kurzerhand ins Internat, wo Rosie Freundschaften knüpft und ihr künstlerisches Talent durch zwei Lehrerinnen gefördert wird und sie letztlich ihre Bestimmung, das Schreiben, findet.

    Mit bestechender Aufrichtigkeit, ohne Groll auf ihre Familie bewegt sich Rose Tremain in diesem Memoir durch ihre Erinnerungen. Sie sucht nach Verständnis für ihre rastlose frustrierte und überforderte Mutter, die ihre Jugendjahre an den Krieg verlor, hat einen scharfen, kritischen und nicht weichgezeichneten Blick auf ihr Umgebung und zeichnet alles dennoch voller Liebe nach.
    Faszinierend ist dabei, dass es Rose Tremain schafft, so leichtfüßig zu schreiben, trotz der schweren Kost, die sie dem Leser serviert. Die Geschichte ist erschütternd und zugleich heiter, fast tröstlich, und vermag zu vermitteln, dass Rose Tremain mit ihrer Vergangenheit versöhnt und mit sich selbst im Reinen ist.

    Interessant ist zudem, dass Rose Tremain aus ihren kindlichen Begegnungen das Grundgerüst bzw. Figuren für spätere Romane bezog, und dass sie durch Fußnoten an entsprechenden Stellen den Leser daran teilhaben lässt.

    Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, Rose Tremain erzählt eine berührende Geschichte voller Wärme und Weisheit, ohne Bitterkeit, zusammengesetzt aus vielen kleinen Episoden, ohne den roten Faden dabei zu verlieren.

 

Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens

Buchseite und Rezensionen zu 'Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens' von Dirk Paulsen
1
1 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:156
Verlag:
EAN:9783944972138

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  1. Gutgemeinte Sprüchesammlung

    bewertet:
    1
    (1 von 5 *)
     - 27. Jun 2020 

    Inhalt:
    Das Buch versteht sich als humorvoller Ratgeber zur Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses zwischen Jugendlichen und Erwachsenen und besteht aus vielen Sinnessprüchen, die der Autor in Ratschläge verpackt und mit einigen Beispielen versieht. Dabei wurde eine Aufteilung in einzelne Kapitel gewählt, die sich verschiedenen Themen wie Gefühle, Liebe, Schule und Ausbildung, Notsituationen und anderen für Jugendliche wichtigen Themen zuwenden. Das Buch ist nach meinem Dafürhalten vordergründig an heranwachsende Jugendliche gerichtet und der Autor versucht, das schwierige Spagat zwischen althergebrachten Sprichwörtern nebst Ratschlägen und einer Sprache, die sich an Jugendliche richtet, zu finden und dies durch Beispiele aus seinen eigenen Erlebnissen und Berichten, bei denen er als Ratgeber fungierte, zu unterstützen.
    (Aus dem Klappentext : Dieses Buch versucht, Verständnis für die jeweils andere Seite zu vermitteln. Viele alltägliche Probleme und dazu passende Lösungsvorschläge werden garniert mit wichtigen, oft vergessenen Wahrheiten. )
    Meine Meinung:
    Alle Ratschläge des Autors sind gut gemeinte Hinweise und Hilfestellungen für junge Leute und aus der Sicht eines Erwachsenen finde ich die gewählten althergebrachten Sprüche und Sprichwörter durchaus zutreffend auf die jeweiligen beschriebenen Situationen. Allerdings sehe ich ein wesentliches Manko des Ratgebers darin, daß meiner Meinung nach zu oft mit dem erhobenen Zeigefinger geflirtet wird und die gewählten Beispiele nicht immer zutreffend auf Lebenssituationen von Jugendlichen sind. Die Sprache ist durchgängig sehr einfach gehalten, so dass auch Kinder sehr gut in der Lage sind, den Inhalt leicht zu erfassen. Der Autor hat an manchen Stellen versucht, jugendliche Kraftausdrücke einzustreuen oder verbotene Wörter durch Punkte zu ersetzen, beides hat auf mich zu bemüht und nicht zur restlichen Ausdrucksweise passend gewirkt.
    Fazit:
    Eine gutgemeinte Sprüche- und Ratschlagsammlung, die aber leider nach meiner Meinung nicht den Nerv der jugendlichen Zielgruppe trifft.

 

Frau im Glück - Erprobte Tipps und Tricks zum Nachahmen

Buchseite und Rezensionen zu 'Frau im Glück - Erprobte Tipps und Tricks zum Nachahmen' von Beyer, Anja Saskia
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Frau im Glück - Erprobte Tipps und Tricks zum Nachahmen"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:363
Verlag:
EAN:

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Rezensionen zu "Frau im Glück - Erprobte Tipps und Tricks zum Nachahmen"

  1. Sehr unterhaltsam

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Jun 2020 

    Zwei Frauen erproben die Glücksrezepte fürs Leben. Was bedeutet Glück? Wie kann man es finden und festhalten? Eine Anregung zum Nachmachen und Nachbacken.

    Auf dieses Buch von zwei tollen Schriftstellerinnen war ich sehr gespannt, denn wer will nicht mehr bzw. alles über Glück wissen und wie man es findet.
    Das Buch ließ sich sehr angenehm lesen und erzeugte währenddessen ein angenehmes Gefühl, einfach zum Wohlfühlen.
    Dieser Ratgeber hat mir super gefallen, denn die beiden Autorinnen gehen so manchen interessanten Fragen auf die Spur. Was macht uns glücklich? Ein tolles Hobby? Ein Kind? Viel Sex? Schlank sein? Es gibt auch Tipps wie zum Beispiel das Entrümpeln und Aufräumen. Toll fand ich auch die Rezepte, denen ein Kapitel gewidmet ist, sowie die Glücksquickies to go für jeden Tag.
    Prima ist das Inhaltsverzeichnis zu Beginn, anhand dessen konnte ich mir direkt einen guten Überblick verschaffen. Auch kann man sich anhand dessen ein Kapitel auswählen, auf das man gerade Lust hat. Man muss das Buch nämlich nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen.

    Ich konnte unterhaltsame und interessante Infos für mich aus dem Buch mitnehmen. Das Lesen hat mir Freude gemacht und ich vergebe 5 von 5 Sternen.

 

Falschaussage: Eine wahre Geschichte

Buchseite und Rezensionen zu 'Falschaussage: Eine wahre Geschichte' von Miller, T. Christian
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Falschaussage: Eine wahre Geschichte"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783442716258

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Rezensionen zu "Falschaussage: Eine wahre Geschichte"

  1. Unglaublich! Aber wahr.

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Mai 2020 

    August 2008: In Lynnwood, Washington, dringt ein Mann in Maries Wohnung ein. Er ist maskiert, er ist bewaffnet und er vergewaltigt Marie über mehrere Stunden. Die Polizei befragt Marie wieder und wieder. Anstatt der jungen traumatisierten Frau psychologische Hilfe anzubieten, wird sie schikaniert, der Lüge bezichtigt und wegen Falschaussage vor Gericht gestellt.
    Erst als zwei Jahre später in einem andern US-Bundesstaat ein Serienvergewaltiger sein Unwesen treibt, erkennen zwei couragierte Polizeibeamtinnen einen Zusammenhang zu Maries Fall.
    „Falschaussage“ ist kein Thriller, auch wenn es sich einleitend so liest. Die beiden Journalisten T. Christian Miller und Ken Armstrong beschreiben in ihrem Buch einen wahren Fall. Es ist ein faktenreicher, akribisch recherchierter, sachlicher Report ohne Effekthascherei. Und obwohl es immens spannend zu lesen ist, lässt es einen nie vergessen, wieviel Leid den überlebenden Frauen tatsächlich zugefügt wurde.
    „Falschaussage“ bietet interessante Einblicke in die Ermittlungstätigkeit im amerikanischen Polizeiwesen. Wie bundesweite Register wie CODIS zur DNA Abfrage oder die Falldatei VICAP zur Tätersuche genutzt werden können. Wie sich Ermittlungserfolge sich letztlich nur durch Kooperation der Dienststellen einstellen.
    Dieses Buch ist aber weit mehr als nur eine True Crime Story, es geht nicht nur um die Aufklärung einer brutalen Vergewaltigungsserie. Gerade im äußerst sensiblen Bereich der strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität braucht es speziell geschultes Personal. Miller und Armstrong brechen eine Lanze für weibliche Polizeibeamtinnen, sprechen Studien an, die die Effizienz von Frauen im Polizeidienst hervorstreichen(ohne die Leistungen den männlichen Kollegen zu diskreditieren), aber auch Studien über sexuelle Belästigung und Diskriminierung gegenüber Polizistinnen. Der Gender-Gap im Polizeiwesen klafft noch ordentlich auf.
    Doch vor allem ist dieses Buch eine schonungslose Offenlegung, wie mit Überlebenden von sexueller Gewalt umgegangen wird, wie es ganz schnell zu einer Täter-Opfer-Umkehr kommt:
    Sie sagt, sie wurde vergewaltigt. Die Polizei sagt, sie lügt - Maries Geschichte ist „(das) Paradebeispiel in einem jahrhundertealten Streit um Vergewaltigung und Glaubwürdigkeit.“, und ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Das Rechtssystem hielt und hält sich an die „sorgsam gehegte männliche Annahme, dass weibliche Personen zur Lüge neigen.“ Eine seit dem 17. Jahrhundert (!) bestehende Haltung, die sogenannte „Hale‘sche Warnung“ (benannt nach dem englischen Richter Sir Matthew Hale, gestorben 1676) dient noch 300 Jahre nach Hales Tod als Anweisung an Geschworene in einem Vergewaltigungsprozess, „sich vor falschen Anschuldigungen in Acht zu nehmen, welche leicht vorzubringen und schwer zu widerlegen seien“. Unglaublich!
    Unglaublich! Aber wahr. T. Christian Miller und Ken Armstrong wurden 2015 für ihren „False Report. A True Story about Rape in America“ verdientermaßen mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. 2019 brachte Netflix eine Minserie mit dem Titel „Unbelievable“ zu dem Fall heraus. Dieses wichtige Buch kann gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen.

 

Nerds retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen

Buchseite und Rezensionen zu 'Nerds retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen' von Berg, Sibylle
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Nerds retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:336
Verlag:
EAN:9783462054606

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  1. Digitale Demokratie - Ideen für eine positive Zukunft

    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Apr 2020 

    „Wissenschaft funktioniert nur im Team, je diverser, desto besser.“ (Zitat Pos. 1058)

    Thema und Inhalt
    Dieses Sachbuch ist eine Sammlung von Interviews mit sechzehn Wissenschaftler*innen und Forscher*innen in unterschiedlichen Bereichen. Diese Gespräche entstanden während die Autorin an ihrem Roman „GRM“ arbeitete und wurden zunächst in ihrer Kolumne im Magazin „Republik“ veröffentlicht.

    Umsetzung
    Alle Interviews beginnen mit der Frage, ob sich der/die Interviewte heute schon um den Zustand der Welt gesorgt habe, was im Moment am meisten irritiert und Ideen, was man dagegen unternehmen kann, dann soll die eigene Tätigkeit und Forschungsschwerpunkte in drei Sätzen beschrieben werden. Nun folgt der eigentliche, fachbezogene Teil. Alle Gespräche enden mit der Frage nach einem positiven Schlussstatement.

    Valerie M. Hudson, Prof., Politikwissenschaftlerin
    „Unsere Kinder werden frei geboren; wenn wir ihnen beibringen, ohne das Elend und das Leid zu leben, das durch die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen verursacht wird, können sie frei bleiben.“ (Zitat Pos. 237)

    Wilhelm Heitmeyer, Soziologe, Erziehungswissenschaftler
    „Gewalt ist immer eine Machtdemonstration, die wiederum Anerkennung schafft in der jeweiligen Bezugsgruppe, etwa von Jugendlichen.“ (Zitat Pos. 481)

    Robert Riener, Dr., Professor für Sensomotorische Systeme
    „Jede – alte und neue – Technologie hat immer zwei Seiten. Sie kann uns nützen, oder sie kann so missbraucht werden, dass sie uns schadet.“ (Zitat Pos. 722)

    Elizabeth Anne Montgomery, Dr., Professorin für Pathologie und Onkologie
    „Die KI kann heute kaum die anatomische Herkunft einer Probe erkennen. Aber irgendwann könnte sie eine große Rolle spielen, indem sie jene Analysedaten bewältigt, die repetitiv und für einen Menschen nicht besonders interessant sind.“ (Zitat Pos. 878)

    Lorenz Adlung, Dr., Systemtheoretiker und Systembiologe
    „Wissenschaft funktioniert nur im Team, je diverser, desto besser.“ (Zitat Pos. 1058)

    Iddo Magen, Dr., Neurobiologe
    „Wenn es etwas gibt, das mich als Wissenschaftler beunruhigt, dann, dass die Menschen an Fake News, an erfundene Nachrichten, glauben und dass sie nicht an den Aussagen ihrer Führer zweifeln oder deren Aussagen überprüfen.“ (Zitat Pos. 1125)

    Dirk Helbing, Physiker, Soziologe, Professor für Computational Social Science
    “Wenn man die beste Einzellösung mit anderen Lösungen kombiniert, dann entsteht oft eine noch bessere Lösung. Das ist das Geheimnis der kollektiven Intelligenz. (Zitat Pos. 1507)

    Abraham (Avi) Loeb, Dr., Professor für Astrophysik
    „Die Quantenmechanik besagt, dass eine Information nicht verschwinden kann, Hawkings Berechnungen hingegen haben gezeigt, dass sie es tut. Dieses Informatonsparadoxon ist eines der ungelösten Probleme der modernen Physik.“ (Zitat Pos. 1563)

    Odile Fillod, Ingenieurin, Kognitionswissenschaftlerin, Wissenschaftssoziologin
    „Es geschieht insbesondere im Namen eines bestimmten (essenzialistischen) Feminismus, dass fragwürdige Forschung über die Unterschiede zwischen Frauen und Männern reproduziert und falsch ausgewertet wird.“ (Zitat Pos. 1866)

    Hedwig Richter, Historikerin, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte
    „Der Brexit war nicht Demokratie in Reinform, sondern ein demokratisches Missverständnis.“ (Zitat Pos. 2022)

    Carl Safina, Meeresökologe, Dr., Professor, unterrichtet Wissenschaftskommunikation
    „Wir begreifen, dass wir in der Lage sind, globale Probleme zu schaffen, aber nicht, dass wir sie dringend lösen müssen.“ (Zitat Pos. 2446)

    Rolf Pohl, Soziologe, Sozialpsychologe, Männlichkeitsforscher
    „Das Männliche ist weiterhin eine in der Kultur und bis ins Unterbewusste der Einzelnen tief verankerte Norm. Es gilt dem Weiblichen als überlegen und bestimmt die bei Männern und Frauen gängigen Einstellungsweisen und Wahrnehmungsmuster.“ (Zitat Pos. 2800)

    Jens Foell, Dr., Neuropsychologe, Schwerpunkt Psychopathologie
    „Das Smartphone, oder genauer gesagt, die Möglichkeit, ständig auf alles Wissen der Menschheit zugreifen zu können, ist eine nie da gewesene Herausforderung für unser Gehirn und unsere Gesellschaft.“ (Zitat Pos. 2855)

    Jutta Weber, Dr., Technikforscherin, Philosophin, Professorin für Mediensoziologie
    „Es gibt keine wertfreie Technik. Denn Technik greift in Wahrnehmung, Kommunikation, Sozialität – also in die Formen und Weises unseres Zusammenlebens – ein. (Zitat Pos. 3043)

    Lynn Hersham Leeson, Künstlerin, Regisseurin, interaktive Medienkünstlerin
    „Und das könnte der Schrecken der Unsterblichkeit sein: dass, um unsterblich zu werden, unsere DNA, das perfekte Archiv, bis zur Unkenntlichkeit mutieren wird.“ (Zitat Pos. 3391)

    Emilia Zenzile Roig, Politologin
    „Wichtig ist auch, Schuld und Verantwortung nicht zu verwechseln. Auch wenn wir in Bezug auf die Ungerechtigkeit dieser Welt nicht schuldig sind, können wir trotzdem Verantwortung übernehmen.“ (Zitat Pos. 3651)

    Fazit
    Dieses Sachbuch bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Informationen, die auch für interessierte Leser*innen ohne Fachwissen verständlich erklärt werden. Es geht um ein besserer Verständnis unserer Welt, die sehr komplex geworden ist und um mögliche Wege in eine positive Zukunft. Zeitlos, aber in diesen Wochen von brisanter Aktualität.

 

Three Women - Drei Frauen: Der #1 New York Times Bestseller

Buchseite und Rezensionen zu 'Three Women - Drei Frauen: Der #1 New York Times Bestseller' von Lisa Taddeo
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Three Women - Drei Frauen: Der #1 New York Times Bestseller"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
Verlag: Piper
EAN:9783492059824

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Rezensionen zu "Three Women - Drei Frauen: Der #1 New York Times Bestseller"

  1. Begehren

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Aug 2020 

    Erst dachte ich mir so beim Lesen von "Three Women/Drei Frauen", eigentlich bietet dieses Buch nichts Neues. Doch ist dies wirklich so? Drei Frauen aus den USA berichten über Geschehnisse aus ihrem Leben, es geht um das Begehren und es geht um Geschlechterrollen und es geht um Verstöße gegen allgemein für richtig befundenes Verhalten. Und es geht um die Reaktionen von prüden und ewig gestrigen Geistern auf eventuell ungebührliches Verhalten seitens dieser Frauen. Denn diese Frauen geben sich mehr oder weniger ihrem Begehren hin. Richtig erschreckend ist einiges aus dem Buch, besonders die Erzählung der Maggie! Wobei wir bei den Charakteren wären, einmal gibt es die junge Maggie aus North Dakota, ihr Lehrer manipuliert sie und das junge Mädchen glaubt fest an seine Liebe, begehrt ihn intensiv, bis es endlich aufwacht und sich wehrt, dann gibt es Lina aus Illinois, in ihrer Jugend wird sie vergewaltigt und darauf von ihrer Umgebung stigmatisiert, für sie heißt es später trotz dieses "Makels" einen Mann zu finden, geheiratet zu werden, das schafft sie, ist aber später in ihrer Rolle unglücklich und bricht aus, die letzte der drei ist Sloane aus Rhode Island, reich, schön, gebunden, 3 Kinder und sie schläft vor ihrem Ehemann mit anderen Männern, sie glaubt dies zu wollen und zu genießen. Dieser Roman/Sachbuch ist in den USA richtiggehend gefeiert worden. Das wundert mich nicht! Gibt es doch Gegenden in den USA, die im Empfinden von Geschlechterrollen sicher noch andere/überholte Ansichten haben und dieses Empfinden wird eine Gegnerschaft haben. Und auch die etwas vulgäre und provokante Art, in der dieses Buch geschrieben ist, wird Fans gefunden haben. Ich denke aber, dass dieses Buch in Europa nicht solche Höhenflüge haben wird. Sicher gibt es auch bei uns in Europa noch Gegenden, wo es einen Nachholbedarf in der Angleichung der Geschlechter gibt, aber ich wage mal zu sagen, dass es diese in den USA mehr gibt. Und ich denke auch, dass die westeuropäische Frau emanzipierter um die Ecke kommt. Und die meisten Frauen hier eben nicht alles mit sich machen lassen. Dennoch macht dieses Buch nachdenklich und erschreckt auch, gerade die Erzählung der Maggie erreicht dieses Erschrecken bei mir und es ist auch nicht schlecht geschrieben. Und die Intention dieses Buch zu schreiben ist nachvollziehbar und wichtig und auch vollkommen richtig. Durch die vielen verschiedenen Rezis zu diesem Buch kann man sich schnell abschrecken lassen. Hier hilft eigentlich nur: selbst lesen und sich dann ein Urteil bilden. Denn dieses Buch polemisiert und teilt die Geister/Geschmäcker. Denn obwohl die Leben der drei Frauen nur Beispiele sind, sind sie auch authentisch. Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack, ja, aber dennoch authentisch. In den USA und auch bei uns. Lina zum Beispiel wurde traumatisiert und reagiert später aggressiver, nimmt sich was sie braucht. Das ist etwas was sie vorgelebt bekommen hat. Doch macht sie das glücklicher? Dabei gibt es kein Geheimrezept in der Liebe, jeder macht das, was sie/er möchte, oder ihr/ihm gefällt. Oder es sollte so sein. Die vielen verschiedenen Reaktionen auf dieses Buch könnten aber auch bedeuten, dass es noch Redebedarf zu diesem Thema gibt. Maybe ...

 

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