Generation Beziehungsunfähig: Die Buchvorlage zum Film

Buchseite und Rezensionen zu 'Generation Beziehungsunfähig: Die Buchvorlage zum Film' von Michael Nast
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Generation Beziehungsunfähig: Die Buchvorlage zum Film"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:240
Verlag: EDEL
EAN:9783841904065
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Rezensionen zu "Generation Beziehungsunfähig: Die Buchvorlage zum Film"

  1. Aktueller denn je...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    Auch wenn das Buch mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel hat, so trifft es immer noch den Tenor der heutigen Zeit. Ich persönlich habe sogar das Gefühl, dass es noch schlimmer geworden ist.

    Anders als erwartet, geht es in diesem launigen Sachbuch nicht nur um Beziehungen oder deren Nicht- Existenz, sondern vor allem um unsere Gesellschaft und deren Erwartungen. Warum fiel es unserer Elterngeneration noch so leicht einen Partner zu finden, während wir heute beinahe daran verzweifeln?

    Michael Nast schreibt so unterhaltsam und kurzweilig, dass es sich wirklich wie ein Gespräch unter Freunden anfühlt, die im Buch enthaltenen Texte zu lesen. Dies kann man in einem Rutsch tun oder Stück für Stück genießen.

    Ich fand es vor allem interessant hierdurch mal die Perspektive eines Single- Mannes zu erleben, die sich doch sehr mit meinen Dating- Erfahrungen deckt.

    Auch wenn ich beim Lesen oft dachte: "Das kann er jetzt nicht so formulieren." oder "Oh weh das hat er jetzt nicht wirklich geäußert.", so muss ich nach der Beendigung der Lektüre sagen, dass er lediglich das ausspricht, was wir alle denken, uns aber nicht trauen zu sagen.

    Klar tut es als Frau Mitte 30 schon weh, dass man welkt statt reift und dass man langsam aber sicher unsichtbar wird, aber genauso ist es in der heutigen Gesellschaft, die nach Jugend, Perfektion und Idealen strebt, die gar nicht zu erreichen sind.

    Herr Nast schafft es mit seinen Texten, dass sich der Leser selbst reflektiert und sich vielleicht auch mal fragt, was man eigentlich selbst will und nicht was die anderen von einem wollen.

    Gut gefallen hat mir außer der lockeren Erzählweise übrigens auch das Einstreuen zahlreicher Zitate von Schriftstellern, Musikern und ähnlichen, die man sich nur zu gern notiert, um sie beim nächsten Date anzuwenden.

    Fazit: Das perfekte Buch für alle Millennials. Wenn ihr euch verstanden fühlen wollt, dann lest dieses Buch!

 

Früher war alles leichter.

Buchseite und Rezensionen zu 'Früher war alles leichter.' von  Simona Meyer
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Früher war alles leichter."

Format:Audible Hörbuch
Seiten:0
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Früher war alles leichter."

  1. Nicht so witzig wie erwartet...

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 10. Feb 2021 

    Wenn wir erst mal ein gewisses Alter erreicht haben, regen wir uns nicht mehr über Kleinigkeiten auf. Wir werden uns akzeptieren und nicht mehr mit unseren Oberschenkeln hadern. Weil wir alles erreicht haben, endlich angekommen sind und jenseits der 40 andere Dinge zählen... Nun, das war der Plan. In echt sieht das alles etwas anders aus. Plötzlich entdecken wir Längsfalten in unserem Dekolletee und nehmen es nicht entspannt. Nein, wir rasten aus, weil wir eigentlich noch nicht da sind, wo wir eigentlich längst sein wollten. Wir haben weder das Vollholzhaus gebaut noch den großen deutschen Gesellschaftsroman geschrieben. Wir schauen immer noch lieber Trash TV als fachgerecht ein Gemüsebeet anzulegen. Und die Bikinifigur, von der wir träumen, seit wir den ersten Bikini tragen durften? Nun, ganz ehrlich: Jetzt ist es auch zu spät.

    Als Simona Meyer versehentlich auf die Selfie-Funktion ihrer Handy-Kamera kommt und das Gefühl hat, dem Grüffelo in die Augen zu blicken weiß auch sie: Ich werde alt. In ihrem humorvollen Buch räumt sie nun auf mit den großen Illusionen, die wir uns über das „später“ gemacht haben, das plötzlich da ist. Und gibt Anregungen, wie wir locker nehmen können, was alles schwerer ist, als wir uns das vorgestellt haben – das Loslassen, das Zufriedensein, das Ankommen, das Vernünftig sein – und wir.

    Ich hatte mal wieder Lust auf etwas lockere Unterhaltung - in solchen Situationen greife ich schon mal zu Hörbüchern wie diesem. Manchmal sind solche Spontanentscheidungen gut, dann wieder hätte ich besser erst einmal genauer hingeschaut. Das wäre hier wohl auch gut gewesen.

    Simona Meyer, geboren 1973 im Ruhrgebiet, arbeitet als freie Autorin für verschiedene große Magazine. Das habe ich jetzt gerade entdeckt. Ich habe nach dem Hören auch eine Idee, was das für Magazine sind - und da haben wir auch schon das Problem. Frau Meyer erzählt hier von sich und ihrem Leben, vor allem aber von ihren Gedanken, wie sie immer (lieber) gewesen wäre und auch heute noch gerne sein würde und räumt auf mit den Illusionen des (ihres) Lebens. Das an sich ist ja nicht schlimm, aber wenn dabei suggeriert wird, dass es im Grunde allen Frauen so geht, öhm...

    Immer dazugehören zu wollen - das klingt anstrengend. Ist es wohl auch, wenn man Frau Meyer so zuhört. Ähm, nein, falsch - die ungekürzte Hörbuchausgabe (3 Stunden und 27 Minuten) wird nicht von ihr selbst gelesen, sondern von Sabrina Gander, die ihren Job ganz gut macht. Anstrengend ist nicht der Vortrag, sondern eher der Text. Denn der war nicht so witzig wie erwartet.

    Ich glaube schon, dass jede(r) im Leben schon Ideen hat, wie nett/schön/toll es wird, wenn erst mal nur das oder jenes eintritt. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit dem Geschlecht zu tun? Und dann gibt es ja doch wohl auch unter den Frauen große Unterschiede. Manche gehören sicher in die Kategorie, die Simona Meyer da beschreibt - aber sicher nicht alle. Beispielsweise zu empfehlen, ab einem gewissen Alter bestimmte Kleidungsstücke zu meiden, weil man sich sonst lächerlich macht, sich weniger auffällig zu schminken oder am besten eine Kurzhaarfrisur zu wählen - da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Sollte das nicht jede Frau für sich entscheiden?

    Gebracht hat mir das Hörbuch ehrlich gesagt wenig. Lockerflockig vorgetragen, mahnt es zwar aufzuhören, sich zum Sklaven ewiger Illusionen zu machen, aber ebensowenig wie ich Frauenzeitschriften lese, fand ich die Gedanken der Autorin für mein Leben maßgeblich. Irgendwie vertane Zeit...

    © Parden

 

Identitti: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Identitti: Roman' von Mithu M. Sanyal
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Identitti: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
EAN:9783446269217
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Rezensionen zu "Identitti: Roman"

  1. Minikosmos. Parallelwelten.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Feb 2021 

    Mithu Sanyal hat sich mit ihrem ersten Roman auf das Thema „Identität“ konzentriert. Vorher hat sie feministische Sachbücher geschrieben, die ich nicht kenne, die aber vom Titel her nach Feminismus klingen „Vulva. Das unsichtbare Geschlecht“, 2009 und 2016 „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“.

    Story: Nivedita ist eine junge Studentin mit Migrationshintergrund. Sie ist in Deutschland geboren und hat zu ihrem Kummer eine nur allzu deutsche Mutter, das ist Gisela und einen indischen Vater, der bei ihrer Erziehung weder großartig in Erscheinung trat noch ins Gewicht fiel. Warum sie sich mehr indisch als deutsch fühlt/e und warum es ihr etwas ausmachte, außen braun und innen weiß zu sein, als Coconut wurde sie in ihrer zarten Jugend von ihrer Cousine in Birmingham beschimpft, ist mir auch nach der Lektüre des Romans nicht klar geworden.

    Nivedita führt jedenfalls einen provokanten Blog namens „Identitti“ in dem sie sich sowohl dem Feminismus widmet wie auch den Genderthemen der Zeit (transsexuell, transgender, quivergender, polygender, etc.) und daraus resultierend, etwas allgemeiner gefasst, der menschlichen Identität. Was macht uns zu dem, was wir sind. Unser Erbe. Unsere Umgebung. Unsere Hautfarbe. Unsere Ethnie. Texture of Hair. Wie geht es Persons of Colour in einer überwiegend weißen Gesellschaft. Warum brauchen wir dafür einen englischen Begriff? Vielleicht ist das Deutsche tatsächlich nicht griffig. Mir würde bunte Menschen gefallen, aber das klingt nach buntem Hund oder Menschen mit Farbe. Gut, solange nichts Besseres vorhanden ist, also PoCs. Warum müssen wir Hautfarbe überhaupt benennen, frage ich mich.

    Was macht uns überhaupt zu Menschen, kommt in dem Roman allerdings nicht vor.

    Als Nivedita die Kurse einer farbigen Professorin, Fach Postkolonialismus, besucht, die Kurse der inzwischen berühmten und berüchtigten Professorin Saraswati, ist sie fasziniert und wird deren Vorzeigestudentin. Die erste Lehrstunde bei Saraswati bestand darin, zu fragen, wer „weiß“ wäre und diese Studenten des Saales zu verweisen. Eine sehr anschauliche Demonstration in punkto Diskriminierung.

    Die Story beginnt mit einem Interview beim Deutschlandfunk, in dem Nivedita ihre allzeit zur Provokation bereite Professorin über den grünen Klee lobt, ohne zu ahnen, dass quasi beinahe zeitgleich die Enttarnung der Professorin als „Weiße“ stattgefunden hat. Nun muss sich Nivedita vielen Fragen stellen und sich mancherlei Anfeindungen erwehren, als sie in Saraswatis Haus zieht, um herauszufinden, was hinter allem stecken mag. (Wer zieht in das Haus seiner Professorin? Strange).

    Der Kommentar:
    In diesem Roman, der zeitweise einfach aus Auszügen aus Niveditas Blog besteht, aus Twitternachrichten, etc. ist die Schreibweise „Leser*innen“, etc. völlig angebracht, da die Thematik des Buches es erfordert.

    Nivedita und ihre Kommilitonen leben freilich in einer Parallelwelt. Sie beschäftigen sich mit nichts anderem mehr als mit echter und vermeintlicher Diskriminierung wegen ihrer Hautfarbe, ihres Hintergrunds, etc. Es wird ausführlich erläutert, wie sehr sie es satthat (satthaben) danach gefragt zu werden, woher sie kommt. Aus dem Internet, sagt sie schnippisch. Oder wie schrecklich sie es findet, wenn jemand sagt, dass sie gut deutsch kann. Warum sie nicht einfach sagt. Du auch! habe ich nicht begriffen. Was im ganzen Buch nicht einmal zur Sprache kommt, ist, dass Diskriminierung überall ist in der Gesellschaft und sich eben NICHT auf die Diskriminierung von PoCs beschränkt. Warum ist dies wichtig? Weil man sich sonst in einen Kokon der Einmaligkeit verpuppen kann und nicht mehr herausfindet vor lauter Selbstmitleid.

    Der Roman ist schnippisch, was gefällt, ironisch, sexistisch, was nicht gefällt, nimmt sich teilweise auch selber auf die Schippe, verliert, meines Erachtens aber nie den anklagenden Unterton. Der arme „Weiße“ kann nichts richtig machen. Am obigen Beispiel. Fragt man interessiert nach, ist man ein patriarchalisches Subjekt, fragt man nicht nach, ist man ein interesseloses, empathieloses Subjekt. (Subjekt steht hier als Platzhalter für unser beliebtestes anales Schimpfwort). Anpassung wird als Unterwerfung verkauft.

    Aus dem Roman habe ich einiges gelernt und verstanden, aber dennoch drängt sich mir als Resultat auf, dass man sich auch selber auf die Opferschiene bugsieren kann und der Zug erst in der Orientierungslosigkeit, im Selbstmitleid und der Abschottung zum Stillstand kommt. Und Studenten leben oft in einer Blase. Sie müssen erwachsen werden und Kompromisse machen. Wie wir alle.

    Fazit: Lesenswertes Experiment mit kleinen sprachlichen Schwächen, die dem ModernseinwollenumjedenPreis geschuldet sind.

    Kategorie: Anspruchsvoller Roman
    Verlag: Suhrkamp 2021

 

Unter Ultras. Eine Reise zu den extremsten Fans der Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Unter Ultras. Eine Reise zu den extremsten Fans der Welt' von  James Montague
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Unter Ultras. Eine Reise zu den extremsten Fans der Welt"

Format:Taschenbuch
Seiten:416
Verlag: Copress Sport
EAN:9783767912694
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Rezensionen zu "Unter Ultras. Eine Reise zu den extremsten Fans der Welt"

  1. Einblick in die politische Welt des Fußballs

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Dez 2020 

    Vorab - man muss schon ein eingefleischter Fußballfan sein, damit einem dieses Buch gefällt - zumindest denke ich, dass es Personen, die dem Fußballsport nicht so viel abgewinnen können, nicht so zusagen wird.

    Mir als Fan dieser Sportart, hat das Buch sehr gut gefallen - sehr interessant werden die Thematiken der Politik im Fußball angeführt. Vor allem nach dem Teil über die deutsche Ultras wird klar, was ich bisher nicht so ganz verstanden habe. Auch wird die Macht erläutert, die von Ultra-Gruppen auf die Politik ausgeübt wird.

    Man merkt, dass der Autor viel Zeit in die Recherchen investiert hat - ausgezeichnet recherchiert und im guten Schreibstil wird das Wissen weitergegeben. Er war für die Recherchen viel unterwegs, und hat auch Personen getroffen, die im verborgenen agieren.

    Das Buch ist keine einfache Kost - aber vermittelt viele interessante Fakten - von mir gibt es eine Empfehlung für Leute, die an der Thematik interessiert sind.

 

Am Rand der Dächer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Am Rand der Dächer: Roman' von Lorenz Just
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Am Rand der Dächer: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag:
EAN:9783832181116
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Rezensionen zu "Am Rand der Dächer: Roman"

  1. In der Deckung der Kindheit, im Schatten der Welt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Sep 2020 

    In seinem Debütroman kehrt Lorenz Just an Ort und Zeit seiner Kindheit zurück: das Berlin der Neunzigerjahre. Er lässt diese Ära in seinen jungen Protagonisten auferstehen, bunt und lebendig, voll roher Authentizität und dichter Atmosphäre.⠀

    Meine erste Notiz zu diesem Buch war: "Die Sprache ist außergewöhnlich – so schön. Die Kinder bewegen sich durch ihr Umfeld in Berlin wie durch ein Wunderland, eine Märchenwelt."⠀

    Tatsächlich gibt es im Text passenderweise ein paar Anspielungen auf die Bücher von Michael Ende, an deren Stil ich mich in den ersten Kapiteln erinnert fühlte: Andrej erwähnt die Uralte Morla aus der Unendlichen Geschichte, vergleicht Nachbarn, die nicht grüßen und nie freundlich sind, mit den Grauen Herren aus Momo, und man merkt, wie diese Bücher ihn beeindruckt und seine Fantasie angeregt haben.⠀

    Damit ist er ein Held ganz nach meinem Geschmack!⠀

    Auch Lorenz Just kann mit seinen Worten zaubern – keineswegs als Kopie von Ende, sondern in seiner ganz eigenen Sprache voller gelungener Metaphern und Bilder.⠀

    “Wenn ich am Abend nicht schlafen konnte und mir die Müdigkeit nur gemächlich in die Gedanken einsickerte, kam es vor, dass ich abdriftete und durch diese Lücke glitt, hinüber in die verborgenen Räume zwischen den Wänden und Böden. Dann starrte ich ins dunkle Zimmer, das plötzlich um ein Vielfaches größer erschien, oder auf die nachtschwarzen Fensterscheiben, durch die ich nur immer tiefer ins Erdreich kroch, und hatte das sichere Gefühl, auf diese andere Seite zu gehören.”⠀
    (Zitat)⠀

    Das ist manchmal poetisch – und dann wieder knallhart realistisch. Hier geht es meines Erachtens nicht so sehr darum, was WANN und WO passiert, wie die Folge der Geschehnisse sich von A bis Z genau abspult. Für mich geht es vielmehr darum, welche Gefühle ausgelöst werden, in den Kindern (später Jugendlichen) und im Leser.⠀

    Womit ich jedoch nicht sagen will, dass sich hier nichts Spannendes zuträgt!⠀

    “Keiner sagte ein Wort, starr vor Schreck blickten wir auf die brennende Wand, wo die Flammen wie aus langer Gefangenschaft befreit tanzten, fraßen, lachten. Fassungslos, dass uns die Dinge so schnell entglitten waren, standen wir in der plötzlichen Feuerkammer, aber wir waren Kinder, und eines konnten wir im Notfall immer. Anton rief: »Raus!«, packte mich am Arm, ich stieß Simon an – dann rannten wir.”⠀
    (Zitat)⠀

    Tatsächlich erleben die Protaonisten Abenteuer wie wahre Großstadtpiraten: sie klauen, kloppen sich mit anderen Gangs, verursachen einen Großeinsatz der Feuerwehr, brechen halsbrecherisch über die Dächer in Häuser ein, experimentieren mit Drogen, ballern mit Softair-Pistolen, erleben den ersten Herzschmerz, gehen ein und aus in besetzten Häusern und sehnen sich nach einem Amerika, das es so vermutlich gar nicht gab.⠀

    Schon nach kurzer Zeit hatte ich sie richtig ins Herz geschlossen. So sehr, dass ich mich geradezu fürchtete vor den ‘immer bedrohlichere(n) Abwege(n)’, die im Klappentext erwähnt werden. Ich wünschte mir, die zauberhafte Kindheit möge nie zu Ende gehen, aber wie im echten Leben bleiben den jungen Helden auch die ersten Misserfolge, Enttäuschungen und Verratserfahrungen nicht erspart. Sie sind zu authentisch, um nicht zu scheitern.⠀

    Natürlich bleibt die Wende nicht unerwähnt, aber die Charakterentwicklung der Jungen fand ich noch dramatischer und interessanter. Erwachsene sind hier übrigens nur Randerscheinungen, was mich an klassische Jugendbücher erinnert. Hier geht es nicht um den erwachsenen Blick, sondern das unverfälschte Erleben Heranwachsender, die sich selbst und ihre Welt entdecken.⠀

    Das ist oft erfrischend anarchisch, weil Regeln in dem Alter einfach ausgetestet werden müssen.⠀

    Die anfangs märchenhafte Sprache wandelt sich immer mehr ins Cineastische, je älter die Protagonisten werden.⠀
    Das ist Kopfkino vom Allerfeinsten, das ganz nebenher noch an den Gefühlsfäden zupft. Eine Notiz zu fortgeschrittener Stunde: “Ja, mach doch, Buch, du Miststück! Trampel auf meinen Gefühlen rum, ich kann das ab!” (Ich würde selber gerne wissen, was genau mich zu dieser schlaftrunkenen Äußerung getrieben hat.)⠀

    Das Ende bleibt in vielem offen, was für mich aber vollkommen in Ordnung war. Das Buch ist nur ein kleines Stück Leben, und das geht danach natürlich weiter.⠀

    Ich würde (und werde) das Buch bedenkenlos verschenken, denn ich denke, es hat für ganz unterschiedliche Leser sehr viel zu bieten. Es ist ein Bild der Zeit – und gleichzeitig ein zeitloses Bild der Kindheit und Jugend. Ob in Berlin oder sonstwo, auch heutige Jugendliche werden sich ein Stück weit in Andrej, Anton und Simon wiederfinden.⠀

    Fazit⠀

    Lorenz Just lässt seine jungen Helden Berlin erkunden, von der Zeit der Wende bis zum Beginn des Jahrtausends. Sie erleben Dinge, die für die Kindheit und Jugend im Allgemeinen typisch sind, und Dinge, die man nur in dieser Zeit und in dieser Stadt erleben konnte. Aus fantasievollen Kindern werden Jugendliche, die rauchen, Drogen nehmen, klauen und über die Dächer in Häuser einbrechen – und doch habe ich sie von der ersten bis zur letzten Seite niemals verurteilt, denn der Autor schildert sie mit viel Einfühlungsvermögen.⠀

    “Am Rand der Dächer” hat sich eingereiht in die Liste meiner Highlights im Jahr 2020 – ein großartiger Debütroman, der mich auch sprachlich begeistern konnte.⠀

 

Stille für Frauen

Buchseite und Rezensionen zu 'Stille für Frauen' von Luitgard Jany
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Stille für Frauen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
EAN:9783945543726
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Rezensionen zu "Stille für Frauen"

  1. Was ist Stille für dich

    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Aug 2020 

    Achtung ‚Rezensionsexemplar‘

    Vielen Dank erst mal an den Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Der Titel klingt sehr vielversprechend und anfnag dachte ich zuerst es ist nur ein Buch. Das Cover ist sehr schön gestaltet, mal etwas anderes außer immer nur Bunt und bunt. Ich dneke, das Buch ist nicht einfach so zu mir gekommen. Es hat alles seine Gründe. Und es passte auch grade zu dem Zeitpunkt, als ich es las. Alles hat seine Gründe, das ist meine Meinung und alles passiert aus einem Grund. Und dieses Buch wollte unbedingt zu mir kommen, um mir zu sagen, das ich endlich still sein sollte. Aufhören sollte alles unter Kontrolle zu haben, einfach los lassen.

    Die Autorin beschreibt in ihrem 7 Kapitel was Stille ist, wo man Stille finden kann und wie man es anwenden kann und das jeder mal „still“ erleben sollte um wieder klar und rein zu sein. Stille kann man überall finden. Wer Internet & Co zuhause lässt und einfach spaziere geht, kriegt bestimmt dadurch den Kopf frei. Vielleicht ist das Internet auch eine Belastung für Körper, Geist und Seele.

    Ich hatte es schwer das Buch in einem rutsch durch zu lesen. Denn die Autorin erklärte es ausführlich und belegte ihr Wissen mit Beweisen. Auch hin und wieder kamen ein paar Wissenschaftliche Dinge in dem Buch vor. Was nicht schlimm war.

    Ich hatte ehrlich gesagt keine Erwartung an diesem Buch gehabt und wurde demnach auch nicht enttäuscht. Ich habe dadurch viel mitgenommen .

 

Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben' von Rose Tremain
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:211
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Rosie: Szenen aus einem verschwundenen Leben"

  1. Gelungenes Memoir

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Mai 2020 

    Rose Tremain schreibt ganz wunderbar, und mit der gleichen Leichtigkeit, die den Stil ihrer Romane ausmacht, erzählt sie von ihren Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, ohne Groll auf ihre Familie.

    Das neue Buch von Rose Tremain „Rosie“ ist eine autobiografische Erzählung, bei der sich die gefeierte Autorin einzelne Episoden aus ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen herauspickt und anhand dieser das Familiengeflecht aufzeigt. Sie wuchs trotz der Nachkriegszeit in der gehobenen Londoner Mittelschicht in Wohlstand auf, bei ihrer Mutter oder bei den Großeltern auf dem Landgut. Doch es fehlte die Wärme in der Familie, einzig bei ihrer Nanny Vera, die sich Rosie heimlich als ihre wahre Mutter erträumt, findet sie als Kind Geborgenheit. Die Mutter, unfähig sich den Kindern zu widmen und statt dessen beschäftigt damit, die für sie verlorene Zeit aufzuholen, nimmt sich einen neuen Partner und verfrachtet die beiden Mädchen wie Störfaktoren in ihrem neuen Leben kurzerhand ins Internat, wo Rosie Freundschaften knüpft und ihr künstlerisches Talent durch zwei Lehrerinnen gefördert wird und sie letztlich ihre Bestimmung, das Schreiben, findet.

    Mit bestechender Aufrichtigkeit, ohne Groll auf ihre Familie bewegt sich Rose Tremain in diesem Memoir durch ihre Erinnerungen. Sie sucht nach Verständnis für ihre rastlose frustrierte und überforderte Mutter, die ihre Jugendjahre an den Krieg verlor, hat einen scharfen, kritischen und nicht weichgezeichneten Blick auf ihr Umgebung und zeichnet alles dennoch voller Liebe nach.
    Faszinierend ist dabei, dass es Rose Tremain schafft, so leichtfüßig zu schreiben, trotz der schweren Kost, die sie dem Leser serviert. Die Geschichte ist erschütternd und zugleich heiter, fast tröstlich, und vermag zu vermitteln, dass Rose Tremain mit ihrer Vergangenheit versöhnt und mit sich selbst im Reinen ist.

    Interessant ist zudem, dass Rose Tremain aus ihren kindlichen Begegnungen das Grundgerüst bzw. Figuren für spätere Romane bezog, und dass sie durch Fußnoten an entsprechenden Stellen den Leser daran teilhaben lässt.

    Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, Rose Tremain erzählt eine berührende Geschichte voller Wärme und Weisheit, ohne Bitterkeit, zusammengesetzt aus vielen kleinen Episoden, ohne den roten Faden dabei zu verlieren.

 

Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens

Buchseite und Rezensionen zu 'Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens' von Dirk Paulsen
1
1 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:156
Verlag:
EAN:9783944972138
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Rezensionen zu "Bevor Du springst: Kleine Tipps für die Flugrouten des Lebens"

  1. Gutgemeinte Sprüchesammlung

    bewertet:
    1
    (1 von 5 *)
     - 27. Jun 2020 

    Inhalt:
    Das Buch versteht sich als humorvoller Ratgeber zur Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses zwischen Jugendlichen und Erwachsenen und besteht aus vielen Sinnessprüchen, die der Autor in Ratschläge verpackt und mit einigen Beispielen versieht. Dabei wurde eine Aufteilung in einzelne Kapitel gewählt, die sich verschiedenen Themen wie Gefühle, Liebe, Schule und Ausbildung, Notsituationen und anderen für Jugendliche wichtigen Themen zuwenden. Das Buch ist nach meinem Dafürhalten vordergründig an heranwachsende Jugendliche gerichtet und der Autor versucht, das schwierige Spagat zwischen althergebrachten Sprichwörtern nebst Ratschlägen und einer Sprache, die sich an Jugendliche richtet, zu finden und dies durch Beispiele aus seinen eigenen Erlebnissen und Berichten, bei denen er als Ratgeber fungierte, zu unterstützen.
    (Aus dem Klappentext : Dieses Buch versucht, Verständnis für die jeweils andere Seite zu vermitteln. Viele alltägliche Probleme und dazu passende Lösungsvorschläge werden garniert mit wichtigen, oft vergessenen Wahrheiten. )
    Meine Meinung:
    Alle Ratschläge des Autors sind gut gemeinte Hinweise und Hilfestellungen für junge Leute und aus der Sicht eines Erwachsenen finde ich die gewählten althergebrachten Sprüche und Sprichwörter durchaus zutreffend auf die jeweiligen beschriebenen Situationen. Allerdings sehe ich ein wesentliches Manko des Ratgebers darin, daß meiner Meinung nach zu oft mit dem erhobenen Zeigefinger geflirtet wird und die gewählten Beispiele nicht immer zutreffend auf Lebenssituationen von Jugendlichen sind. Die Sprache ist durchgängig sehr einfach gehalten, so dass auch Kinder sehr gut in der Lage sind, den Inhalt leicht zu erfassen. Der Autor hat an manchen Stellen versucht, jugendliche Kraftausdrücke einzustreuen oder verbotene Wörter durch Punkte zu ersetzen, beides hat auf mich zu bemüht und nicht zur restlichen Ausdrucksweise passend gewirkt.
    Fazit:
    Eine gutgemeinte Sprüche- und Ratschlagsammlung, die aber leider nach meiner Meinung nicht den Nerv der jugendlichen Zielgruppe trifft.

 

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