Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik' von Rüdiger Barth
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
Verlag: S. Fischer
EAN:9783103973259

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Rezensionen zu "Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik"

  1. Ein Beispiel für die Knoopisierung der Geschichtsschreibung

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 31. Aug 2020 

    Als ich im April 2018 im Buchladen dieses Buch entdeckte, war ich aufgrund der Thematik begeistert ud geneigt, es sofort zu kaufen. Doch es war in Folie eingeschweißt und ich kaufe ungern blind. Also habe ich verzichtet und mich über das Buch informiert. Das, was ich darüber las, die Mischung aus Fakten und Schilderung möglicher Gedankengänge der Akteure, ließ mich verzichten. Nun, zwei Jahre später, war das Buch im Katalog der Zentralen für politische Bildung, also beinahe kostenfrei zu erwerben. Getreu dem Motto vom geschenkten Gaul habe ich dieses Mal zugeschlagen, und was soll ich sagen? Ich habe sehr ambivalente Gefühle hinsichtlich dieses Buches. Meine schlimmsten Befürchtungen sind einerseits bestätigt worden, andererseits geht tatsächlich eine gewisse Faszination von der Darstellung aus. Höchst spannend wird die Geschichte der Kanzlersschaft des Generals Kurt von Schleicher erzählt, ein Zeitraum von ca. zweieinhalb Monaten, die durch Intrigen gegen ihn und seine vergeblichen Versuche, eine tragfähige Regierungsmehrheit zu schmieden, gekennzeichnet waren. Letztere gingen von eigentlich utopischen Überlegungen aus, in der geplanten sogenannten "Querfront" sollten Gewerkschaftler, Unternehmer, Teile der Sozialdemokratie und der "linke" Flügel der NSDAP unter Gregor Strasser zusammenarbeiten, um das Deutsche Reich aus der innen- und wirtschaftspolitischen Krise der Jahre 1929 bis 1932 herauszuführen. Ob die damit intendierte Spaltung der NSDAP von Erfolg gekrönt sein konnte, kann man getrost bezweifeln. Außerdem war die Spanne der ideologischen Ansichten so groß, dass eine solche Koalition kaum dauerhaft gewesen wäre. Das wäre in etwa so, als ob man zur Lösung der Mehrheitsprobleme in Thüringen eine Koalition aus Linken und AfD vorschlagen würde, rein rechnerisch eine solide Mehrheit, aber eben auch nicht mehr. Boykottiert wurde das Ganze allerdings durch den Druck der Straße, sowohl von rechts (NSDAP) als auch links (KPD, eine Partei, die im Angesicht des erstarkten Faschismus weiterhin daran festhielt, die SPD als eigentlichen Gegner zu betrachten). Zudem intigierten maßgebliche Kreise aus den Reihen der DNVP und dem teilidentischen Bund der Landwirte heftig gegen alle Versuche Schleichers, Lösungen für dringende Problem zu finden. Am schlimmsten aber war Schleichers Amtsvorgänger Franz von Papen, der beim Versuch, ins Amt zurückzukehren, zum Steigbügelhalter Hitlers wurde (Mein "Lieblingszitat" von ihm: "In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrängt, dass er quietscht", das meiner Ansicht nach Platz 1 in der Liste der historischen Irrtümer beanspruchen darf, findet sich ebenfalls im Buch. Wenn es so etwas wie eine historische Gerechtigkeit gibt, so hoffe ich, dass dieser Mensch, der das Dritte Reich überlebt hatte, bis an sein Lebensende mit den Folgen seiner Taten zu kämpfen hatte), All dieses schildern die beiden Autoren Rüdiger Barth und Hauke Friederichs in der o.g. Mischung aus Originalzitaten (so wird beispielsweise jeder Tag in diesem Zeitraum mit Zeitungsschlagzeilen eröffnet) und dem Versuch, sich in die Handelnden hineinzuversetzen. Doch genau da liegt dir Crux an der Sache. Die beiden Autoren verzichten auf jegliche Anmerkung zu verwendeten Zitaten, ein Verfahren, dass ich keinem meiner Schüler/-innen/Studierenden durchgehen lassen würde. Seit "1913° von Florian Illies scheint die Guido-Knoopisierung der Geschichtsschreibung unaufhaltsam voranzugehen.

 

Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik

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3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik"

Format:Taschenbuch
Seiten:416
Verlag:
EAN:9783596299737

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Rezensionen zu "Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik"

  1. Ein Beispiel für die Knoopisierung der Geschichtsschreibung

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 31. Aug 2020 

    Als ich im April 2018 im Buchladen dieses Buch entdeckte, war ich aufgrund der Thematik begeistert ud geneigt, es sofort zu kaufen. Doch es war in Folie eingeschweißt und ich kaufe ungern blind. Also habe ich verzichtet und mich über das Buch informiert. Das, was ich darüber las, die Mischung aus Fakten und Schilderung möglicher Gedankengänge der Akteure, ließ mich verzichten. Nun, zwei Jahre später, war das Buch im Katalog der Zentralen für politische Bildung, also beinahe kostenfrei zu erwerben. Getreu dem Motto vom geschenkten Gaul habe ich dieses Mal zugeschlagen, und was soll ich sagen? Ich habe sehr ambivalente Gefühle hinsichtlich dieses Buches. Meine schlimmsten Befürchtungen sind einerseits bestätigt worden, andererseits geht tatsächlich eine gewisse Faszination von der Darstellung aus. Höchst spannend wird die Geschichte der Kanzlersschaft des Generals Kurt von Schleicher erzählt, ein Zeitraum von ca. zweieinhalb Monaten, die durch Intrigen gegen ihn und seine vergeblichen Versuche, eine tragfähige Regierungsmehrheit zu schmieden, gekennzeichnet waren. Letztere gingen von eigentlich utopischen Überlegungen aus, in der geplanten sogenannten "Querfront" sollten Gewerkschaftler, Unternehmer, Teile der Sozialdemokratie und der "linke" Flügel der NSDAP unter Gregor Strasser zusammenarbeiten, um das Deutsche Reich aus der innen- und wirtschaftspolitischen Krise der Jahre 1929 bis 1932 herauszuführen. Ob die damit intendierte Spaltung der NSDAP von Erfolg gekrönt sein konnte, kann man getrost bezweifeln. Außerdem war die Spanne der ideologischen Ansichten so groß, dass eine solche Koalition kaum dauerhaft gewesen wäre. Das wäre in etwa so, als ob man zur Lösung der Mehrheitsprobleme in Thüringen eine Koalition aus Linken und AfD vorschlagen würde, rein rechnerisch eine solide Mehrheit, aber eben auch nicht mehr. Boykottiert wurde das Ganze allerdings durch den Druck der Straße, sowohl von rechts (NSDAP) als auch links (KPD, eine Partei, die im Angesicht des erstarkten Faschismus weiterhin daran festhielt, die SPD als eigentlichen Gegner zu betrachten). Zudem intigierten maßgebliche Kreise aus den Reihen der DNVP und dem teilidentischen Bund der Landwirte heftig gegen alle Versuche Schleichers, Lösungen für dringende Problem zu finden. Am schlimmsten aber war Schleichers Amtsvorgänger Franz von Papen, der beim Versuch, ins Amt zurückzukehren, zum Steigbügelhalter Hitlers wurde (Mein "Lieblingszitat" von ihm: "In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrängt, dass er quietscht", das meiner Ansicht nach Platz 1 in der Liste der historischen Irrtümer beanspruchen darf, findet sich ebenfalls im Buch. Wenn es so etwas wie eine historische Gerechtigkeit gibt, so hoffe ich, dass dieser Mensch, der das Dritte Reich überlebt hatte, bis an sein Lebensende mit den Folgen seiner Taten zu kämpfen hatte), All dieses schildern die beiden Autoren Rüdiger Barth und Hauke Friederichs in der o.g. Mischung aus Originalzitaten (so wird beispielsweise jeder Tag in diesem Zeitraum mit Zeitungsschlagzeilen eröffnet) und dem Versuch, sich in die Handelnden hineinzuversetzen. Doch genau da liegt dir Crux an der Sache. Die beiden Autoren verzichten auf jegliche Anmerkung zu verwendeten Zitaten, ein Verfahren, dass ich keinem meiner Schüler/-innen/Studierenden durchgehen lassen würde. Seit "1913° von Florian Illies scheint die Guido-Knoopisierung der Geschichtsschreibung unaufhaltsam voranzugehen.

 

Ein Stern in Wetterwolken: Königin Luise von Preußen. Eine Biographie: Ein Stern in Wetterwolken - Eine Biographie

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Stern in Wetterwolken: Königin Luise von Preußen. Eine Biographie: Ein Stern in Wetterwolken - Eine Biographie' von Heinz Ohff
NAN
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Inhaltsangabe zu "Ein Stern in Wetterwolken: Königin Luise von Preußen. Eine Biographie: Ein Stern in Wetterwolken - Eine Biographie"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:496
Verlag: Piper
EAN:9783492215480

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70/71

Buchseite und Rezensionen zu '70/71' von Klaus-Jürgen Bremm
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "70/71"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Wbg Theiss
EAN:9783806240191

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Rezensionen zu "70/71"

  1. Gute Übersicht

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Mai 2020 

    Matzbach
    vor ein paar Sekunden
    In seiner im Theiss-Verlag erschienenen Studie "70/71 Preußens Triumpf über frankreich und die Folgen" stellt Klaus-Jürgen Bremm die Vorgeschichte, den Verlauf und die Folgen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 dar, dem letzten der drei sogenannten Einigungskriege, die zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führten, das bekanntermaßen im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen wurde. Diese Tatsache war jedoch keineswegs als Demütigung der Franzosen gedacht, sondern einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass dieser Raum genügend Platz bot, alle Anwesenden aufzunehmen. Doch das ist nur ein Bonmot am Rande.
    Erstaunlich ist vielmehr die Tatsache, dass es den Preußen und ihren Verbündeten innerhalb relativ kurzer Zeit gelang, eine Armee zu schlagen, die als eine der besten der Welt galt und zumindest, was die Ausstattung mit modernen Gewehren betraf, den deutschen Truppen überlegen waren. Doch dieser Nachteil wurde zum Teil durch die eindeutig überlegene Artillerie der Preußen wettgemacht, die schlicht und einfach eine größer Reichweite hatte, so dass der o.g. Vorteil der Franzosen nur selten ausgepielt werden konnte. Ein übriges taten mangelnde Koordination der franzöischen Generale, die oft notwendige Unterstüutzung benachbarter Verbände verweigerten und ein logistischesChaos, wohingegen die Preußen hervorragend verstanden, das damals moderne Transportmittel Eisenbahn für ihren Aufmarsch einzusetzen. So konnten rasch entscheidende Schlachten u.a. die bei Sedan, die zur Gefangennahme Kaiser Napoleons III und dem Sturz des Kaiserreiches führte, gewonnen werden und die mehrmonatige Belagerung von Paris aufgenommen werden. Die aus den Trümmern des Kaiserreichs entstanden 3. Republik konnte sich von diesen Schlägen nicht mehr erholen und musste letztendlich einem Friedensvertrag zustimmen, der unter anderem den Verlust Elsass-Lothringens mit sich brachte.
    All diese Entwicklungen schildert Bremm minutiös und für den Leser gut nachvollziehbar, darin liegt dann auch die Stärke des Buches. In einigen Urteilen muss man dem Verfasser allerdings widersprechen. Warum beschreibt er in seinem Vorwort die Einführung des Euro (tatsächlich ein Zugeständnis Kohls an die Europäer, um Widerstände gegen die deutsche Wiedervereinigung zu entkräften) als "fatale Initiative zur Abschaffung der Deutschen Mark"? Ist das ein Zugeständnis an eurokritische DM-Nostalgiker?
    Und sein letztes Kapitel trägt den Titel "Bismarcks Reichsgründung - Ein europäischer Glücksfall". Das ist für meine Geschmack dann doch etwas zu nationalbewusst. Angesichts der Tatsache, dass die Reichsgründug (zwar nicht notwendigerweise, aber faktisch) zu zwei Weltkriegen maßgeblich beitrug, erscheint mir das Wort Glücksfall doch ein wenig arg euphemistisch. Überhaut der Nationalismus: Es ist schon erstaunlich, dass sich in Frankreich ausgerchnet die Kreise, die kein Problem damit hatten, in ihren Plänen die französiche Ostgrenze bis an den Rhein zu verlegen, am meisten über den Verlust Elsass-Lothringen echauffierten (im Krieg hatten später für die französiche Innenpolitik wichtige Figuren wie Boulanger und Deroulede ihre ersten Auftritte). Im Grunde wiederholte sich das nach dem Versailler Vertrag spiegelbildlich. Die Allteutschen Kreise, denen die Expansionsforderungen im Krieg gar nicht weit genug gehen konnten, bekämpften am lautstärksten das Vertragswerk. Daran sieht man letztendlich, wie gefährlich das Gift eines übersteigerten Nationalismus ist.

 

Deutschland. Ein Wintermärchen (Suhrkamp BasisBibliothek)

Buchseite und Rezensionen zu 'Deutschland. Ein Wintermärchen (Suhrkamp BasisBibliothek)' von Heinrich Heine
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Deutschland. Ein Wintermärchen (Suhrkamp BasisBibliothek)"

Heine war davon überzeugt, daß er mit seinem "Werkchen" Deutschland. Ein Wintermärchen etwas verfaßt hatte, das "mehr Furore machen wird, als die populärste Broschüre, und das dennoch den bleibenden Wert einer klassischen Dichtung haben wird". Recht hatte er. Mit seinem Versepos sollte er zwar in kürzester Zeit die gesamte empörte Presse gegen sich haben, aber auch heute noch ist es aus unseren Bücherschränken nicht wegzudenken.

Was hier zunächst als genauer Reisebericht über eine Reise daherkommt, die Heine im Jahre 1843 von Paris über Aachen und Köln nach Hamburg führte, entpuppt sich auf den zweiten Blick als eine bissige politische Satire. Heine prangert u.a. die politische Rückständigkeit an, die das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutschland kennzeichnete; die drastischen Zensurpraktiken, mit denen die freie Meinungsäußerung verhindert wurde; sowie die Willkür des Polizeistaats Preußen unter der Herrschaft von Friedrich Wilhelm IV.

Es verwunderte niemanden, daß Heines Werk sofort nach dem Erscheinen verboten wurde. Was ihm als besonders negativ vorgeworfen wurde, war nicht nur der brisante Inhalt, sondern vielmehr die Verbindung von Form und Inhalt. Der Dichter hatte hier nämlich eine Variation der Vagantenstrophe verwendet, durch die die Strophen eine besondere Leichtigkeit erhielten und die zusammen mit der saloppen Sprache den Kritikern und Bewahrern der politischen Zustände geradezu wie schallendes Hohngelächter anmuteten.

Gerd Wameling bringt in der Erarbeitung für das Hörbuch diese pointierte Sprache zum Schillern und läßt in seiner Lesung die originellen Wortspiele und den scharfen Sprachwitz des großen Dichters von neuem aufblitzen.

So erwarten den Hörer fast eineinhalb Stunden Vergnügen auf höchstem Niveau bei diesem -- erfreulicherweise ungekürzten -- Hörgenuß. --Anne Hauschild

Format:Taschenbuch
Seiten:136
EAN:9783518189061

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Rezensionen zu "Deutschland. Ein Wintermärchen (Suhrkamp BasisBibliothek)"

  1. Reisebilder und kritische Dichtung...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Jul 2014 

    Da ich Heinrich Heines Klassiker "Deutschland. Ein Wintermärchen" noch gar nicht kannte, aber bereits in Erfahrung gebracht hatte, dass es zum Verständnis des Werkes gut wäre, über bestimmte historische, politische, religiöse, mythologische und literarische Kenntnisse der damaligen Zeit zu verfügen, beschloss ich, mir nicht nur den Text als solchen zu besorgen, sondern gleich ein Buch, in dem auch Erläuterungen und Kommentare dazu abgedruckt sind.
    Ich entschied mich letztlich für das Werk aus der Reihe "Suhrkamp BasisBibliothek".

    Nach der Lektüre des Buches nun die Frage: wie kann man es bewerten? Wonach sich dabei richten?
    Bei den Kommentaren war mir wichtig, dass sie leicht verständlich, strukturiert und informativ gleichzeitig waren. Dabei nicht zu lang, also nicht ermüdend. Mir hat das in diesem Buch wirklich gut gefallen. Kurz und prägnant waren die Erläuterungen sowie äußerst hilfreich, um das Werk Heines in einen angemessenen Gesamtrahmen einordnen zu können.

    Wie aber kann man nun einen "Klassiker" bewerten? Die Form - es handelt sich bei dem Werk um ein Versepos - ist sicher nicht mehr zeitgemäß, genauso wenig die Sprache. Erstmals erschien "Deutschland. Ein Wintermärchen" im Jahr 1844.
    Doch obwohl das Versepos für mich teilweise anstrengend zu lesen war, gerade auch durch die unterbrechenden Texterläuterungen, ohne die ein Verständnis jedoch erschwert oder sogar unmöglich wäre, fand ich es sehr beeindruckend. Mit dem nun vorhandenen Hintergrundwissen um die damaligen politischen und gesellschaftlichen Umsände ist das Werk m.E. nicht hoch genug einzuschätzen...

    Nach 12 Jahren Emigrantentums in Paris erfasst Heine das Heimweh, und er tritt eine Reise quer durch Deutschland an bis in seine Heimatstadt Hamburg. Beim Wintermärchen handelt es sich jedoch nicht nur um in Verse gebrachte Reisebilder.
    Das Werk ist vielmehr in erster Linie eine Satire auf die Missstände der damaligen deutschen Gegenwart, eine kritische Dichtung, die den vorherrschenden politischen Zuständen sozusagen den Spiegel vorhielt. Dabei war es nicht einfach, das Werk an der scharfen Zensur vorbei so zu erhalten, dass es seinen Charakter nicht verlor...

    Auch wenn Heine in einem anderen Jahrhundert (-tausend) lebte als wir heute, war es für mich tatsächlich ein Vergnügen, die Verse zu lesen. An manchen Stellen musste ich richtig schmunzeln, weil ich mir die Reaktionen der politischen wie kirchlichen Obrigkeit auf derartige "Frechheiten" gut vorstellen konnte.

    Insgesamt komme ich trotz anstrengender Lektüre also zu einer sehr guten Bewertung - sowie zu der dämmernden Erkenntnis, dass Klassiker wohl nicht umsonst Klassiker geworden sind...

    © Parden