Aus Verantwortung: Was der moderne Liberalismus mit dem 20. Juli 1944 zu tun hat

Rezensionen zu "Aus Verantwortung: Was der moderne Liberalismus mit dem 20. Juli 1944 zu tun hat"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Dez 2019 

    Aus Verantwortung

    Aus Verantwortung
    Was der moderne Liberalismus mit dem 20. Juli 1944 zu tun hat

    Der Autor Karl Schenk Graf von Stauffenberg ist der Enkel des Hitler-Attentäters Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg – der Untertitel nimmt also Bezug auf dieses geschichtliche Ereignis.

    In dem vorliegenden Erstlingswerk geht es aber primär nicht um eine Darstellung der geschichtlichen Ereignisse, die in das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 durch Oberst Graf Stauffenberg mündeten, vielmehr versucht der Autor, aus der Handlung seines Großvater Claus Schenk Graf von Stauffenberg moralische Prämissen auch für sein eigenes politisches Denken und Handeln abzuleiten – dies ist ihm gelungen, denke ich!

    Wer sich für die historische Person Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie den historischen Kontext interessiert, dem sei die Biographie des bekannten Historikers Peter Hoffmann empfohlen, die auch aktuell im Buchhandel erhältlich ist; das vorliegende Werk des Enkels, Karl Graf Stauffenberg, erfüllt dahingehende Erwartungen nicht, erhebt aber auch gar nicht diesen Anspruch.

    Das hier zur Diskussion stehende Buch von Karl Graf Stauffenberg kann als politisches Bekenntnis zum Liberalismus und zu unserem Rechtsstaat unter deutlichem Bezug auf die Erfahrungen des 20. Juli 1944 gewertet werden und stellt die persönlichen Schlußfolgerungen des Enkels des Hitler-Attentäters, Karl Graf Stauffenberg, für unsere Gegenwart dar.

    „Aus Verantwortung“ läßt sich sehr flüssig lesen, weil es in Form eines Interviews daherkommt: Der Gesprächspartner Stauffenbergs ist der bekannte Journalist Armin Fuhrer, der hier durch umfassende historische Kenntnisse überzeugen kann – das Buch ist daher auch ein wenig ein Streifzug durch die jüngere deutsche Geschichte.

    Im Teil 1, „Erbe und Verpflichtung“, schildert Karl Graf Stauffenberg sein eigenes Leben als Enkel des berühmten Hitler-Attentäters: Seine Kindheit war, wie Karl Graf Stauffenberg sehr freimütig und offen schildert, keineswegs nur eine Erfolgsgeschichte, er litt und leidet seit seiner späten Jugend aufgrund zweier sehr traumatischen persönlichen Erlebnisse unter Depressionen, die das fast zwangsläufige Resultat dieser Ereignisse waren und sind.
    Die Offenheit, mit der er über eines dieser Ereignissse berichtet, die wohl die meisten Menschen in einem solchen Buch, das ja auch ein wenig eine sehr politische Kampfschrift für den Liberalismus und gegen jede Form des Extremismus ist, nötigt mir persönlich höchsten Respekt ab: Ich hätte mir das nicht getraut!

    Aber diese Offenheit und Ehrlichkeit, manchmal an der Grenze zur Naivität, macht das Lesen dieses Erstlingswerkes von Karl Graf Stauffenberg so erfrischend spannend!

    Im Teil 2 schildert der Autor seinen Weg in die Politik – er ist früh der FDP beigetreten, aber erst vor einigen Jahren wirklich politisch aktiv geworden, dies mündete in eine Kandidatur für den bayerischen Landtag im Jahr 2018.
    Hier setzt der Autor sich, teilweise auch polemisch, aber immer argumentativ mit seinen Mitbewerbern anderer Parteien auseinander, dabei akzentuiert er seine politische Position sehr deutlich: da tritt der Politiker, der Karl Graf Stauffenberg auch ist, sehr deutlich hervor.

    Besonders das Kapitel „Jagd ist gelebter Naturschutz“ zeigt, daß Karl Graf Stauffenberg ein wenig auch in der Tradition und entsprechender Sozialisation seiner adeligen Grundbesitzer-Vorfahren lebt: Hier wird besonders deutlich, daß er seine Positionen mit Herzblut vertritt, auch wenn dies politisch gar nicht sehr opportun sein mag!
    In dieser Hinsicht teile ich persönlich seine Positionen zu Jagd und Naturschutz, sie sind argumentativ und nachvollziehbar und vor allem Erfahrungsbasiert – daran mangelt es leider bei vielen modernen Zeitgenossen aus dem grünen Spektrum gelegentlich…

    Alles in allem: Ein sehr flüssig zu lesendes Buch, daß klar politisch Stellung bezieht zu Fragen der Gegenwart aus der Sicht eines Liberalen und Kontroversen mit dem gegenwärtigen Mainstream nicht scheut, und das uns, auch dank der geschickten Fragestellung durch den Journalisten Armin Fuhrer, das Verständnis für die menschliche und politische Seite des Enkels des Hitler-Attentäters sehr erleichtert.

    Ein kleiner Wermuths-Tropfen ist der recht hohe Preis des Buches, eine Taschenbuch-Version wäre vielleicht sinnvoller gewesen, da der Autor sich sicher eine möglichst große Verbreitung wünschen müßte!
    Trotzdem: Klare Kaufempfehlung!

 

The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld: Thriller' von Colleen Oakes
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Die Frauen des mysteriösen Geheimbundes "Black Coats" haben sich geschworen, gewalttätigen Männern eine Lektion zu erteilen. Als Thea eine Einladung erhält, sieht sie endlich ihre Chance gekommen, sich am Mörder ihrer Cousine zu rächen. Doch die Vergeltungsaktionen eskalieren und Thea zweifelt am Sinn ihrer Mission: Sorgt Rache wirklich für Gerechtigkeit? Kann sie noch aussteigen - oder ist es längst zu spät?
Ein atemberaubender Mädchenthriller um Schuld, Rache und Gerechtigkeit.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:397
EAN:9783407789983
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Rezensionen zu "The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld: Thriller"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Okt 2019 

    Super spannend

    "Black Coats" ist ein Geheimbund, dem Frauen angehören, die gewalttätigen Männern eine Lektion erteilen wollen. Thea erhält eine Einladung und sieht die Chance, sich am Mörder ihrer Cousine zu rächen. Doch die Situation eskaliert und thea muss sich fragen, ob Rache wirklich für Gerechtigkeit sorgt. 

    Auf dieses Buch war ich wahnsinnig gespannt. Bereits das Cover machte mich neugierig und gemeinsam mit der Beschreibung war klar, dass ich das Buch lesen muss. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn das Buch fand ich super. 
    Der Schreibstil ließ sich sehr schnell und flüssig lesen und passte somit bestens zu einem Jugendthriller. 
    Die Charaktere wurden anschaulich und detailliert beschrieben. Sie wurden vielseitig dargestellt und machten eine nachvollziehbare Entwicklung durch. Ich fand sie alle überzeugend und interessant. 
    Die Story hatte es wirklich in sich. An manchen Stellen wurde es auch ziemlich brutal, was ich sehr passend fand, für einen Jugendthriller aber auch etwas zu heftig. Die Spannung wurde super aufgebaut und gehalten. Überraschende Wendungen, aktionsreiche Szenen und unterschiedliche Gefühle - das alles hat mich von Anfang bis Ende an das Buch gefesselt. 

    Ein spannender Jugendthriller, der zum Nachdenken über Rache und Gerechtigkeit anregt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, so dass ich 5 von 5 Sternen vergebe.

 

Kurz & Kickl: Ihr Spiel mit Macht und Angst

Buchseite und Rezensionen zu 'Kurz & Kickl: Ihr Spiel mit Macht und Angst' von Helmut Brandstätter
NAN
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Ihr Spiel mit Macht und Angst
Gebundenes Buch
"Es begann mit heiligen Schwüren und endete mit düsteren Drohungen". So fasst Kurier-Herausgeber Helmut Brandstätter die 17 Monate der österreichischen Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz zusammen. In seinem neuen Buch "Kurz & Kickl. Ihr Spiel mit Macht und Angst" wagt er einen Blick hinter die Kulisse der Macht in Österreich. Das Enthüllungs-Video um Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Ibiza, das zu seiner sowie Innenminister Herbert Kickls anschließender Entlassung führte, rückte die österreichische Politik in den Fokus der Medien. Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache wollten zwei Legislaturperioden gemeinsam regieren. Und "nicht streiten". Dabei war von Anfang an klar, dass die FPÖ den Staat von Grund auf verändern und Kurz vor allem formal an der Macht sein wollte. Herbert Kickl wollte dabei unbedingt Innenminister werden, um aus der Republik Österreich einen autoritären Staat zu machen. Und Sebastian Kurz und seine ÖVP schauten so lange zu, bis sie sich selbst von Kickl bedroht fühlten. Das Ibiza-Video war eine willkommene Gelegenheit, den Innenminister seines Amtes zu entheben. Umso erstaunlicher, dass Kurz offenbar nach der Nationalratswahl (29.9.2019) wieder mit der FPÖ regieren will. Für die neuerliche Macht würde er ignorieren, dass diese Partei mit ihrer Geschichte und vielen ihrer Funktionäre nicht in der Gegenwart angekommen ist. "Kurz & Kickl" erklärt, wie die FPÖ weiter einen autoritären Staat aufbauen will. Das Ibiza-Video hat bereits gezeigt, was der Plan der FPÖ ist: Nach dem Vorbild Viktor Orbáns soll ein Land wie Ungarn geformt werden, mit einer korrupten Führung ohne Respekt für die Bevölkerung und Medien, die Oligarchen gehören.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
EAN:9783218011921

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Was auf dem Spiel steht

Buchseite und Rezensionen zu 'Was auf dem Spiel steht' von Philipp Blom
NAN
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Gebundenes Buch
Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit: Die Ideen des modernen Staats entstanden während der Aufklärung. Im 21. Jahrhundert haben wir uns längst daran gewöhnt. Dass Populisten mit dem Versprechen einer autoritären Gesellschaft Mehrheiten organisieren, ist dagegen eine neue Erfahrung. Der Historiker Philipp Blom sieht die westlichen Gesellschaften vor einer prekären Wahl: radikale Marktliberale einerseits, autoritäre Populisten andererseits. Sie gaukeln uns einfache Lösungen für die globalen Herausforderungen vor. Nur mit einem illusionslosen, historisch informierten Blick auf die Gegenwart und mit der Überzeugung, dass allen Menschen ein freies Leben zusteht, können wir unsere humane Gesellschaft retten.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
EAN:9783446256644

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HUNGER: Die Geschichte meines Körpers

Buchseite und Rezensionen zu 'HUNGER: Die Geschichte meines Körpers' von Roxane Gay
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Die Geschichte meines Körpers
Gebundenes Buch
Sie schreibt die Geschichte ihres Hungers. Sie schreibt die Geschichte ihres Körpers. Es ist keine Geschichte des Triumphs. Es ist die eines Lebens, das in zwei Hälften geteilt ist. Es gibt das Vorher und das Nachher. Bevor sie zunahm und danach. Bevor sie vergewaltigt wurde und danach. Roxane Gay, eine der brillantesten, klügsten und aufregendsten weiblichen Stimmen der USA, erzählt eine Geschichte, die so noch nie geschrieben wurde: schonungslos offen, verstörend ehrlich und entwaffnend zart spricht sie über ihren "wilden und undisziplinierten" Körper, über Schmerz und Angst, über zwanghaftes Verlangen, zerstörende Verleugnung und Scham - "Ich war zerbrochen, und um den Schmerz dieser Zerbrochenheit zu betäuben, aß ich und aß und aß."

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442758142
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Rezensionen zu "HUNGER: Die Geschichte meines Körpers"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Dez 2019 

    Vorher und Nachher

    Sie ist über 1,90 Meter groß, und es gab Zeiten da wog sie an die 260 Kilo. Seit über 30 Jahren schleppt sie das Übergewicht ihres Körpers als Schutz und Panzer mit sich. „Hunger“ ist kein Ratgeber, kein Motivationstrainer, keine Erfolgsstory. Es ist das Memoir der amerikanischen Schriftstellerin und Feministin Roxane Gay, die geschichte ihre Körpers.
    Roxane ist die Tochter haitianischer Migranten. Sie war ein fröhliches unauffälliges Mädchen aufgewachsen in einer fürsorglichen Familie. Sie beschreibt eingangs wie sie in einem alten Fotoalbum blättert, beschreibt Bilder eines glücklichen Kindes und Bilder einer verschlossenen mürrischen Jugendlichen. Es gab ein Vorher und ein Nachher in Roxanes Leben. Und dazwischen eine Vergewaltigung. Sie erfährt auf brutale Weise, dass ihr „Nein“ nichts wert ist.
    „Mein Körper wurde zerbrochen. Ich wurde zerbrochen. Ich wusste nicht, wie ich mich wieder zusammensetzen sollte. Ich war zersplittert. Ein Teil von mir war tot.“ Sie beginnt zu essen, wahllos. Kilo für Kilo legt sie sich eine Schutzschicht an. Essen war und blieb Trost und Sicherheit. „Fett zu sein“ war keine bewusste Entscheidung. Sie weiß wie ungesund ihr Körper ist, aber nicht ihr Körper ist das Problem. Es ist eine immerwährende Spirale von Selbstzerstörung und falscher Schuld.
    Roxane Gay hasst ihren Körper und geht gleichzeitig sehr hart ins Gericht mit den aufgezwungenen Schönheitsidealen, der Sexualisierung von Frauenkörpern, dem von Werbung und Glamourseiten suggerierten Irrglauben vom Glücklichsein, wenn man nur in einem dünnen Körper steckt. Roxane Gay kennt die Scham im alltäglichen Leben, kennt sie alle, die hässlichen Ausdrücke der Diffamierung und hält den Lesern oft den Spiegel vor und verschiebt die Perspektive.
    Jeder Körper kann eine Geschichte erzählen, doch wer will schon solche Geschichten hören. Roxane Gay hat ihre Geschichte erzählt. Es ist keine Anleitung zum Glück. Roxane hat ihren Weg gefunden, mit Therapie und Bewältigung ihres Traumas und dem Schreiben als Ausweg.

    „Ich bin so sehr geheilt, wie es möglich ist.“ Und das ist wichtiger als jedes verlorene Pfund.“

 

Republik der Angst: Eine andere Geschichte der Bundesrepublik

Buchseite und Rezensionen zu 'Republik der Angst: Eine andere Geschichte der Bundesrepublik' von Frank Biess
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Eine andere Geschichte der Bundesrepublik
Gebundenes Buch
Die Anatomie der deutschen Angst.
Frank Biess erzählt die Geschichte der Bundesrepublik als eine Geschichte kollektiver Ängste. Die Furcht vor Vergeltung in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Angst vor einem Atomkrieg und kommunistischer Infiltration in den fünfziger Jahren und dann vor Arbeitslosigkeit durch Automatisierung und vor autoritären politischen Tendenzen, schließlich die apokalyptischen Ängste der achtziger Jahre: Immer waren die politischen Debatten und die deutsche Politik von Angst geprägt, nicht zuletzt von der Angst vor der vermeintlichen Allgegenwart des Faschismus.
Biess geht es nicht darum, im Rückblick die Berechtigung dieser Ängste zu bewerten. Er beschreibt vielmehr ihre prägende Rolle für die Entwicklung des Landes. Die Erfahrung von Krieg und Gewalt, lautet seine These, begleitete die Demokratisierung und Liberalisierung der Bundesrepublik; die Angst stellte die soziale und politische Ordnung in Frage - und stabilisierte sie zur gleichen Zeit.
Schließlich diskutiert der Autor die Auswirkungen dieser Angstgeschichte auf die politische Kultur der Berliner Republik. Sind die aktuellen Ängste vor Krieg, Einwanderung und Terrorismus noch spezifisch deutsch, also auf die deutsche Vergangenheit bezogen? Oder spiegeln sie allgemeinere "transnationale" Befürchtungen, die sich in anderen westlichen Nationen auch finden lassen? Er geht damit der spannenden Frage nach, ob die Geschichte der "deutschen Angst" heute an ihr Ende gelangt ist.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:624
EAN:9783498006785

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